Das Pionierbeet im naturnahen Garten

 

Pionierbeet im Juni 2018, Ausschnitt

Pionierbeet im Juni 2018, Ausschnitt

Wo Pionierpflanzen sich selbst ansiedeln dürfen

Als ich vor einigen Jahren versuchte, aus dem konservativ angelegten Garten hinter meinem Atelier einen naturnahen Garten zu machen, richtete ich mich bei manchen Dingen nach dem Buch „Der Naturgarten“ von Reinhard Witt.
So legte ich neben einem Wassergraben auch ein Pionierbeet an. Dafür plante ich an der Begrenzungsmauer ein etwa 6 m² großes sonniges Areal ein. Dieses bepflanzte ich mit wilder Malve (5 Pflanzen), gewöhnlicher Nachtkerze (3 Pflanzen), echtem Seifenkraut (6 Pflanzen), großblütiger Königskerze (3 Pflanzen), wilde Karde (4 Pflanzen), mehliger Königskerze (3 Pflanzen), Windblumenkönigskerze (3 Pflanzen) und zu guter Letzt mit der imposanten Prachtkönigskerze (4 Pflanzen).

Kugeldistel

Kugeldistel mit Hummel und Biene

Mein Pionierbeet liegt gegenüber der Terrasse und ich kann es rund ums Jahr beobachten. So sah ich dort schon häufiger den bunten Distelfink, der zuerst die Samen der wilden Karde und dann die der großen Kugeldisteln pickte.

Im den ersten Jahren nach der Bepflanzung war das Pionierbeet ein wirklicher Hingucker. Die drei Meter hohen Prachtkönigskerzen hoben sich wunderschön vom wilden Wein an der hohen Backsteinmauer ab. Davor wuchsen abgestuft die anderen Pflanzen. Da ich aber wohl nicht genug Pflege anwandte – ich überließ das Beet sich selbst – verschwanden meine gepflanzten Kerzen nach und nach. Ich hatte da wahrscheinlich etwas falsch verstanden, denn ich dachte, ein Pionierbeet brauche keine Pflege.
Will man aber die Königskerzen länger als zwei Jahre behalten, bedarf es doch ein wenig Pflege.

Prachtkönigskerzen

Prachtkönigskerzen im Pionierbeet, 2014

Bei Reinhard Witt heißt es: „Haben Sie selbstgemischte Erde genommen, können Sie die Zeit getrost vergehen lassen. Es keimen auf der anfangs noch erschreckend kahlen Fläche neben der Aussaat nur wenige, leicht zu kontrollierende Unkräuter. Sie sollten sorgfältig gejätet werden. Ist der Boden aber verunkrautet und sehr nährstoffreich, übernehmen Gräser und Co. bald die Oberhand. Dann kommt zwar die Aussaat noch, aber für die weiteren Jahre sieht es schlecht aus.“

Kermesbeere im Pionierbeet

Kermesbeere im Pionierbeet

Ich habe dieses Jäten unterlassen und deshalb haben sich meine Prachtkönigskerzen inzwischen verabschiedet. Geblieben sind einige andere Königskerzen und dazugekommen sind wunderschöne Disteln, die im Sommer mit blauen Kugeln blühen und zahlreiche Bienen und Hummeln anlocken. Zwischen den Disteln haben sich auch andere Pflanzen angesiedelt. Da steht die Gaucklerblume, die Kermesbeere, wilder Anis, Akelei, wilder Thymian, Minze, eine mir unbekannte große grüne Pflanze mit gelben Blüten und am Rand zierliche blaue Glockenblumen. Im Frühjahr blüht hier auch die Schlüsselblume und Vergissmeinnicht. Auch Bärlauch hat sich angesiedelt. Es herrscht also ein prächtiges Durcheinander von Pflanzen, die sich scheinbar alle gut vertragen.

Ich liebe dieses wilde Beet, das in meinen Augen nun ein wahres Pionierbeet ist. Trotzdem möchte ich im Herbst wieder Platz für die Prachtkönigskerze machen. Und auch wilde Karde soll wieder ins Pionierbeet Einzug halten. Ansonsten kann dort wachsen, was immer will. Pioniere eben.

Schmetterling an der Blüte einer Prachtkönigskerze

Schmetterling an der Blüte einer Prachtkönigskerze

Tipp zur Aussaat oder Pflanzung der obengenannten Pionierpflanzen.

Aussaat

Laut Reinhard Witt bestellt man am besten eine Königskerzenmischung bei www.wildblumensaatgut.at im österreichischen Voitsau. 0,5 g/m² werden benötigt. Die beste Saatzeit ist Spätsommer bis Herbst, doch auch im Frühjahr ist die Aussaat möglich.

Stauden

Bei der Auspflanzung von Stauden reichen 3-4 Stauden/m², denn die Pflanzen sind sehr hoch und wüchsig. Laut Reinhard Witt gibt es Prachtkönigskerzen im Topf nur in der Wildstaudengärtnerei Strickler im österreichischen Alzey www.gaertnerei-strickler.de

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Prachtkönigskerzen
Kermesbeere
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