Zum Frühstück zu IKEA Teil II

IKEA eröffnet in Kaarst das modernste IKEA-Möbelhaus der Welt. Ein erster Besuch!

 

Ostfrukost und Köttbullar zwischen Billy und Ribba auf Norråker Stühlen

Neulich, na besser gesagt, heute, haben wir es gewagt. Wir sind zum neuen IKEA-Möbelhaus nach Kaarst gefahren und wollten dort frühstücken, wie wir es – ich gestehe es hier freimütig – hin und wieder machen.
Da die Eröffnung nun schon eine Woche her ist, dachten wir, dass der größte Andrang vorbei sein sollte. Uns war natürlich bewusst, dass alle den „More Sustainable Store‟ erleben wollen, so auch wir. Dieser präsentierte sich dann auch schon bei unserer Ankunft als groß, modern und offen. Nichts war mehr zu sehen von dem einfachen Parkplatz des alten Einrichtungshauses und von seinem einfallslosen rechteckigen Gebäude in blau und gelb. Nein, hier, im neuen IKEA empfing uns ein Parkplatz, wie auf einem Flughafen, mit Kreisverkehr, verwirrenden Ein -und Ausfahrtschildern, engen nummerierten Parkbuchten und Familienparkplätzen. Nun gut, es ist ja alles neu und soll natürlich innovativ sein. Die Parkplatzanzeige versprach noch 84 freie Plätze und obwohl einige Autofahrer suchend umherkreisten, fanden wir rasch einen freien Parkplatz.
Das Gebäude empfing uns mit einem weiten Vorplatz und durch eine große Drehtür gelangten wir ins Innere des nachhaltigsten IKEA-Möbelhauses weltweit.
Hierfür hat der Konzern sich einiges einfallen lassen. Er setzt für das Haus auf alternative Energien, wie z.B auf ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage. Hinzu kommen Abwasser- und Regenwassernutzung für die Toilettenanlagen. Beleuchtet wird das Möbelhaus mit energiesparenden LED-Leuchten, die über eine intelligente Steuerung verfügen. Es gibt auch einen Außenbereich zum Relaxen. IKEA arbeitet hierfür mit dem NABU zusammen und bietet seinen Kunden neben einem Kinderspielplatz und einem Grillbereich viel Grün, eine Outdoor-Sportfläche, einen Insektengarten und eine Streuobstwiese. Alles sehr lobenswert!
Und dann gibt es noch eine „Roof Top Area“ oder zu deutsch Dachterrassen-Café.
So weit, so ehrgeizig!
Nach dem Eintreten waren wir erstaunt, dass wir nicht – wie im alten Haus – am Nasenring durch die Abteilungen geführt wurden. Dass wir nicht den Pax-Kleiderschrank, mit seinem vielseitigen Innenleben besichtigen durften, nicht im Malm-Bett probeliegen sollten und auch nicht aufgefordert wurden, uns mit dem Långfjäll-Bürostuhl um die eigene Achse zu drehen. Nein, man höre und staune, wir durften sofort das Restaurant betreten!
Doch was war das für eine Enttäuschung! Dort, wo im alten IKEA Gemütlichkeit und eine entspannte Atmosphäre unter Böja-Hängeleuchten herrschten, fanden wir eine unpersönliche Eatery vor. Wir mussten uns in eine lange Warteschlange stellen und dort recht lange stehen, denn IKEA hat die abgepackten Frühstückssteller abgeschafft Wahrscheinlich der Umwelt zu Liebe, was einzusehen ist. Nicht einzusehen ist allerdings, warum es zwar ein Gourmet-Frühstück auf Porzellantellern als fertiges Frühstücksangebot gibt, aber kein vegetarisches, kein Käsefrühstück, keine Smörebröt und kein Lachsfrühstück. All dies sollten die Gäste sich nun selbst zusammenstellen.
Wir konnten also nicht wie gewohnt zur Ostfrukost für 1,70 greifen, sondern mussten, wie alle anderen Gäste vor uns, umständlich Buttersternchen aus Vitrinen mit Klappen angeln und aneinander klebende Käsescheiben mit Hilfe einer Gabel hinter der Klappe hervorziehen, was den meisten Kunden misslang. Das brachte viel Unmut mit sich und die Warteschlange wurde immer länger.
IKEA-Angestellte kippten körbeweise weiße Brötchen in ein offenes Fach, das leider ganz am Anfang der Selbstbedienungstheke stand. So bedienten sich alle zuerst mit den einfachen weißen Brötchen, nicht ahnend, dass es weiter vorne gesunde Mehrkornbrötchen gab. Nun hatte man aber die Brötchen, da es keine Zange gab, schon angefasst und konnte sie nicht mehr austauschen. Frust vorprogrammiert! Die Kunden luden sich auf Tablett und Teller, was die Theke hergab. Aufgerollte Pfannkuchen, riesige Portionen Rührei, Schinken und Lachs. Auch Köttbullar waren vereinzelt zu sehen, obwohl es noch Vormittag war. Auf dem Weg zur Kasse, die verloren mitten im Raum stand, suchten alle nach Kaffee, aber es war keine Zapfstation zu sehen. Ein Hinweisschild über der Kasse klärte auf. Der Kunde wurde gebeten, sich eine leere Kaffetasse zu nehmen und für diese 1,50 zu bezahlen. Außerhalb des Kassenbereichs, konnte er diese dann füllen, womit und sooft er wollte.
Leider stauten sich die Gäste auch vor den Kassen und jeder, der sich keinen Rollwagen für sein Tablett sichern konnte, stand stöhnend mit seinem schweren Frühstück auf dem Arm in der Warteschlange. Was war das Problem?
Die Kassiererinnen waren völlig überfordert, ja ratlos. War im alten IKEA-Haus alles eindeutig, Ostfrukost 1,70, Kaffe 1, 50, Rührei 1,20 usw. gibt es im neuen Haus Frühstückzusammenstellungen, die am Eingang auf einem Monitor gezeigt werden und für die es feste Preise gibt. Da aber die Abbildungen in schnellem Takt wechseln und der Kunde alles, was zu seinem Frühstück gehört selbst aus den mit Klappen versehenen Vitrinen angeln muss, hat kaum jemand alle Zutaten für sein gewolltes Frühstück für z.B. 2,50 auf seinem Teller. Ja, und was soll er dann bezahlen? Zum Fitness-Frühstück fehlt der Orangensaft, also sind 3,50 zu teuer. Statt dessen hat er aber einen Pfannkuchen mit Schokofüllung genommen. Den soll er jetzt extra bezahlen, was er aber nicht möchte. Wieso, so fragt er, kann er nicht Saft gegen Pfannkuchen tauschen und 3,50 bezahlen? Das macht doch kaum einen Unterschied! Und so diskutiert die arme Kassiererin mit beinahe jedem Gast. Auch wir zahlten für unser Frühstück, das weniger reichhaltig war als unsere gewohnte Ostfrukost, deutlich mehr. Aber wir diskutierten nicht. Das war uns zu dumm.
Nachdem wir uns endlich mit Kaffee versorgt hatten, suchten wir einen Platz in dem weitläufigen ungemütlichen Restaurant und fanden noch zwei Plätze in der Nähe des Kinderspielbereiches. Hier war es laut und unruhig und ich fror, weil scheinbar das Blockheizkraftwerk nicht genügend Wärme lieferte.
Wir waren enttäuscht!
Und schon während des Frühstücks waren wir uns einig, dass dies unser letztes Frühstück bei IKEA war.
Dann stand natürlich noch die Begehung des modernsten IKEA der Welt an. Aber auch hier wurden wir enttäuscht. Zwar sind die Möbel noch dieselben und auch die Dekorationsartikel haben sich nicht geändert. Was anders war, ist das Konzept des Warenhauses. Folgte man im alten Haus den schwarzen Pfeilen, die auf den Boden geklebt waren und wurde so sicher, wenn auch ein wenig umständlich durch alle Abteilungen geleitet, führten hier, die nun mit LED Leuchten auf den Boden gezauberten Pfeile oftmals in die Irre und in Sackgassen. Weil das bei IKEA scheinbar bekannt oder von Marketingexperten sogar gewollt ist, sollen kleine Schilder, die von der Betondecke baumelten, dem Kunden zur Orientierung dienen.
„Du bist hier“, war dort zu lesen und: „Wenn du den Lichtpfeilen nach rechts folgst, kommst du zu Nr. 15, 14, 13 …“. Was man unter diesen Nummern finden kann, steht direkt darunter. Insgesamt nicht schlecht gemacht, doch beim Einkauf eher lästig. Und so standen denn auch aller Orten Menschen mit nach oben geneigten Köpfen und diskutierten den nun einzuschlagenden Weg.
Tja, wo standen sie nun, die Kiviks, die Ekerös, die Årstids, die Trysils, die Knoxhults und natürlich die guten alten Bekannten, die Billys?
In der Markthalle, wo es Förtrolig, Pruta, Sinnerlig und co. gibt, war alles ein wenig überschaubarer. Dennoch wollten wir nur noch raus aus diesem neuen Mega-Ikea.
Wieder draußen waren wir uns mit vielen andern Kunden einig.

Wir wollen unser altes IKEA wiederhaben. Gebt uns das schöne alte IKEA zurück!“

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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