Zum Frühstück zu IKEA

Neulich freuten wir uns darauf, zum Frühstück zu IKEA zu fahren. Das machen wir manchmal, weil es so nett ist, dort „soziologische Studien“ zu betreiben und nebenbei noch gut und preiswert zu frühstücken.

Nun traf es sich aber, dass ein Freund aus Shanghai zu Besuch kam. Dieser ist dabei, in Neuss eine Dependance seiner Firma zu eröffnen. Er lud uns zu einem exzellenten Dinner in einem Chinarestaurant ein und im Gegenzug schlugen wir vor, dass er uns zu IKEA begleiten könne, denn er wollte sich nach Büromöbeln umsehen. Gesagt, getan! Wir trafen uns pünktlich um 9:30 vor dem Eingang des Möbelhauses. Zum Frühstück nahm Tao, so heißt unser Freund, nur eine Tasse Kaffee, während wir je eine Ostfruhkost nebst diversen Extras zu uns nahmen.

Frisch gestärkt machten wir uns dann auf in die Abteilung für Büromöbel. Tao interessierte sich für dieses und jenes, wir wogen das für und wider ab und maßen hier etwas aus und hoben dort etwas an, um das spezifische Gewicht zu testen. Wir brauchten auch die Hilfe von Christina, der freundlichen IKEA-Angestellten, denn es gab Konfusionen bei den Preisen. Christina hatte allerdings viele Kunden, denn sie war eigentlich für die Bettenabteilung zuständig. Schon beim Durchschreiten derselben, hatten wir eine Reihe von Probeliegern entdeckt, die bereits dabei waren, einzuschlafen. Christina kam dann endlich zu uns hinüber und versuchte, das Problem um den Preis einer Regal-Schrank-Kombination zu lösen, was ihr nach einigen Telefonaten auch gelang. Tao hatte sich inzwischen für zwei Schreibtische, drei Drehstühle und eben jene Bürokombination entschieden. Wir notierten die Regal- und die Fachnummern und ließen uns von Christina einen Zettel für die Waren ausstellen, die wir im Lager abholen musste. Inzwischen tönte aus einem der Betten bereits ein sanftes Schnarchen zu uns herüber. Loriot ließ grüßen. Ob der Herr, der dort über die lange Wartezeit eingeschlafen war, auch einen Tee und etwas Gebäck wünschte, wenn er schließlich aufwachte?

Tao, Bernd und ich gingen jedenfalls los in Richtung Abholhalle, fanden die notierten Regale und entnahmen diesen eine Reihe von großen, schweren Paketen. Dann ging es weiter zur Kasse. Unterwegs dorthin griff Tao hier und dort nach Dingen, die er auch zu brauchen schien. Ein Teppich, eine Stehlampe, ein Schaukelstuhl nebst Auflage, Werkzeug usw.. Schließlich kamen wir schwer bepackt an die Kasse. Doch Tao hatte schon wieder etwas entdeckt. Während Bernd mit den beiden Wagen wartete und ich am Imbiss- und Verkaufsstand Knäckebrot kaufte, schleppte Tao zwei große grüne Topfpflanzen mit palmähnlichen Wedeln an. Dann war alles bezahlt und wir fuhren die Einkaufswagen zusammen zu unserem VW-Bus. Dort angekommen bemerkte Tao, dass er den Zettel zu Abholung seiner Büroschrankkombi nicht mehr hatte. Wir suchten alles ab und kamen schließlich zum Entschluss, dass er diesen irgendwo im Laden liegen lassen hatte. Also ging ich mit ihm zurück und wir suchten uns von Station zu Station rückwärts, bis wir den Zettel schließlich in Gang Nr. 15 im Fach Nr. 12 fanden. Also ging es wieder zur Kasse. Dort gab es noch ein paar kleinere Schwierigkeiten, weil Tao eine Rechnung brauchte, um die Umsatzsteuer geltend machen zu können. Aber auch diese Hürde nahmen wir schließlich und konnte Bernd erlösen, der draußen am Wagen auf uns wartete. Nun ging es endlich los zur Warenausgabe, die sich einige hundert Meter weit entfernt befindet. Hier mussten wir leider wieder eine Weile warten, was aber nicht so schlimm war, denn es gab dort zwei schöne weiche Ledersofas, ausgestattet mit Produktnamen und Preisen. Tao begann auf einmal, nach der Größe der Sofas zu suchen und fragte Bernd, ob diese in unseren Wagen passten. Bernd bejahte, denn alles mit einer Länge von 2 Metern passt auf die Ladefläche unseres Bullis.

„Okay“, sagte Tao. „Dann nehme ich eines von den Sofas mit.“

„Aber nicht heute“, versetzte Bernd, dem die ganze Aktion langsam zu viel wurde und zu lange dauerte. Es war inzwischen weit nach 12 Uhr mittags. Und eigentlich wollten wir nur gemütlich frühstücken gehen. Tao war sofort seiner Meinung und verabschiedete sich ohne Gram vom schönen, schwarzen Ledersofa.

Schließlich bekamen wir dann die Ware und fuhren los in Richtung von Taos neuem Firmensitz. Leider hatte er noch keinen Schlüssel und der Eigentümer ließ lange auf sich warten. Zu lange, denn irgendwann gaben wir auf, luden die gesamte Ware aus und verabschiedeten uns von Tao, der nun allein wartete. Dies war aber völlig okay, wie er uns immer wieder versicherte. Der Besitzer würde bald kommen und auch Hilfe mitbringen. Das Letzte was wir beim Abbiegen in die Straße sahen, war ein glücklich winkender Tao inmitten seiner Pakete und den beiden Zimmerpalmen.

 

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield