Frühstücken bei Ikea

Baby auf einer Wickelkommode von Ikea

Junges Elternpaar im Glück.

Neulich waren wir wieder einmal bei Ikea. Wir gingen als erstes in das Restaurant und wollten ein kleines Frühstück zu uns nehmen. Dies gestaltete sich, wie schon bei unserem ersten Besuch im neuen Ikea-Haus in Büttgen, etwas schwierig. Die Schlange war dieses Mal nicht ganz so lang, die Schwierigkeiten waren aber noch ziemlich dieselben. So kamen wir an die Ausgabeklappe mit der Butter. Diese war dort präsentiert, schön in Blütenform ausgestanzt und zu einem hohen Berg auf einem Teller aufgestapelt. Nun wäre es mit einem Besteck schon sehr problematisch, ein „Butterblümchen“ hinter der Klappe hervorzuangeln. Aber es gab kein Besteck. Wir hatten auch noch keines auf unserem Tablett, denn das Besteck ist an der Kasse deponiert. Wir überlegten kurz, schauten uns nach einem Werkzeug um und verzichteten schließlich auf die Butter. Stattdessen nahmen wir ein abgepacktes Frühstück. Nun hätten wir dazu gerne ein Rührei gegessen und stellten uns an der Essensausgabe an. Der Koch, der dort arbeitete ignorierte uns aber völlig. Ich glaube, er hat uns gar nicht wahrgenommen, auch nicht, als ich versuchte mich bemerkbar zu machen. Und das, obwohl er direkt in unsere Gesichter schaute. Er räumte Warmhaltebehälter mit Würstchen und Speck ein und aus. Nach einer Weile gaben wir auf und begnügten uns mit unserer Ostfruhkost (Käsefrühstück).

Anschließend bummelten wir ein wenig durch die Abteilungen, kauften hier eine Kleinigkeit und nahmen dort etwas mit.
Als wir in die Abteilung mit den Kinderzimmern kamen, sahen wir dort eine Familie mit drei kleinen Kindern. Die Eltern, die recht jung wirkten und alternativ gekleidet waren, schauten sich einen Wickeltisch an. Zwei Kinder von etwa drei und vier Jahren, beide blondgelockt mit großen blauen Augen, interessierten sich derweil für ein paar Stofftiere, die in Körben herumstanden. Das größere Kind stellte sich auf die Zehenspitzen und konnte so die Stofftiere erreichen und herausziehen. Neben dem Elternpaar stand ein Kinderwagen. Ich sah noch, wie die junge Mutter ihr Baby, das etwa sieben Monate alt war, aus dem Wagen nahm und in die Schublade setzte, die unter den Wickeltisch geschoben werden konnte. Dort lag ein Kissen, auf das sie das Kind setzte. Das Kleine griff sofort nach einer Rassel, die neben anderen Babyspielsachen zur Demonstration in der Schublade lag und schien sich sofort wohl zu fühlen. Unter typischem Babygebrabbel lehnte es sich zurück und rutschte herunter, bis es strampelnd flach auf dem Rücken lag.

Ich musste schmunzeln, denn ich erinnerte mich daran, dass meine Tochter in diesem Alter auch immer in die Schublade geklettert war und sich dort scheinbar sehr wohl gefühlt hatte.
Wir gingen weiter und nach endlosen Wegen durch das Möbellabyrinth verspürten wir Lust auf eine weitere Tasse Kaffee. Also kehrten wir noch einmal zum Restaurant zurück, besorgten uns je eine Tasse und bezahlten an der Kasse. Nun konnten wir so viel Kaffee trinken, wie wir wollten. Das ist bei Ikea so geregelt. Du „kaufst“ quasi eine Tasse und kannst sie am Automaten füllen, so oft du willst und womit du willst.
Kaum hatten wir uns hingesetzt, als mir die Familie auffiel, die sich für die Wickelkommode interessiert hatte. Vater und Mutter saßen entspannt am Tisch und tranken Kaffee, während die Kinder im Kinderbereich spielten.
Dann ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Die Familie, die sich eben für eine Wickelkommode interessiert hat, soll bitte schnell noch einmal zurück in die Abteilung kommen. Sie hat etwas vergessen.“
Ich scherzte, dass bestimmt jemand sein Kind in der Schublade der Wickelkommode vergessen habe. Ein Gast am Nachbartisch lachte laut auf. Er hatte scheinbar Humor. Dann ließ ich meinen Blick zu der erwähnten Familie herüberstreifen.
Vater und Mutter sahen sich verwundert an. Dann sprang die Mutter plötzlich auf und schaute in den Kinderwagen. Ich konnte deutlich sehen, wie sie erbleichte.
„Oh nein!“, rief sie. „Mia! Wir haben Mia vergessen!“
Der junge Vater schaute seine Frau entgeistert an.
„Wie vergessen?“, fragte er.
„In der Schublade! Wir haben sie in der Schublade liegen lassen!“, schrie die Frau mit schriller Stimme.
Und schon rannte sie panisch los.
„Bleib du hier und pass auf Paul und Rosa auf!“, rief sie ihrem Mann noch über die Schulter zu. Und schon war sie verschwunden.
Alle Augen waren nun auf den jungen Vater gerichtet. Einige Besucher des Restaurants, die mitbekommen hatten, was geschehen war, schütteten missbilligend die Köpfe, andere raunten sich etwas zu.
Es war ersichtlich, dass keiner verstehen wollte, wie so etwas passieren kann. Mir tat der junge Vater leid. Natürlich war es auch für mich unverständlich, wie jemand sein Kind vergessen kann, aber ich konnte mich in die Lage der jungen Eltern versetzen. Mit drei kleinen Kindern einkaufen zu gehen, ist manchmal eben nicht so leicht. Wenn dann Entscheidungen getroffen werden müssen, das Für und Wider abgewogen werden will, kann es schon geschehen, dass man den Überblick verliert.
Wenige Minuten später kam die junge Mutter zurück. Sie trug ein strahlendes Baby auf dem Arm, das sie andauernd herzte und küsste. Ihr Mann ging ihr entgegen und nahm ihr das Kleine ab. Auch er küsste das Kind und drückte es fest an sich.
„Die Verkäuferin hat sie entdeckt“, erklärte die Frau. „Sie sagte, dass Mia nicht geweint hat. Sie hat sich in der Schublade scheinbar wohl gefühlt. Es lag ja einiges zum Spielen darin.“
Dann ist die Entscheidung ja jetzt gefallen“, meinte der Vater. „Wenn Mia die Wickelkommode so gut gefällt, sollten wir sie kaufen.“
Er lachte seine Frau an.
„Es ist ja weiter nichts passiert“, sagte er.
„Nein, zum Glück nicht.“
Das Paar umarmte sich und nahm dabei sein Baby in die Mitte.
Sie werden dieses Frühstück bei Ikea sicher nie vergessen.

Text: © Xenia Marita Riebe

Lies auch Zum Frühstück zu IKEA und Zum Frühstück zu IKEA TEIL II

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