In meinem Garten blüh`n die Herbstzeitlosen

Früh in diesem Jahr, nämlich schon Ende August, blühen in meinem Garten die Herbstzeitlosen. Wie jedes Jahr bin ich erfreut, ihre zarten rosa Blüten zu sehen und fühle gleichzeitig eine unerklärliche Wehmut. Der Sommer ist also vorüber, die Herbstzeitlosen blühen. Der Garten wird nach und nach seine Pracht verlieren, Pflanzen werden sich zurückziehen und die Blätter der Büsche und Bäume werden sich verfärben und dann schließlich fallen. Der Kreislauf von Werden und Vergehen setzt sich fort.

Ich gebe zu, dass ich eine Sommerfrau bin. Für mich gibt es nichts Schöneres als das Erwachen der Natur im Frühling und den Sommer mit seiner üppigen Vegetation, den lauen Nächten, den blauen Himmeln, den Mauerseglern und dem Glas kühlen Weißweins, auf der Terrasse genossen. Im Herbst dagegen erfasst mich immer eine gewisse Traurigkeit, mag er auch noch so farbenfroh und eigentlich heiter sein. Doch hinter den schönen Herbstagen lauert der Winter und dieser entspricht einfach nicht meinem Naturell. Also empfinde ich beim Anblick der Herbstzeitlosen einen gewissen Blues, der mir jedes Jahr aufs neue den Songtext eines Chanson von Nana Mouskouri in Erinnerung bringt.

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück

Versunken ist die Frühlingszeit
Kein Vogel singt im Lindenhain
Die Welt verliert ihr Blütenkleid
Und bald wird Winter sein
Verlassen ist der Holderstrauch
An dem ich einst geküsst
Es blieb ein Duft der wie ein Hauch
Aus fernen Tagen ist

Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen
Braune Blätter fallen müd vom Baum
Und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
Mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum
Möcht einmal noch wie damals kosen
Möcht vom Frühling träumen und vom Glück
Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen
Ach die Jugendzeit kehrt nie zurück

Holde Jugend, holde Jugend
kämst du einmal doch zu mir zurück

 

Die Herbstzeitlosen

Die Pflanze erhielt ihren Namen, weil sie im Herbst, also “außerhalb der Zeit” blüht.

Der deutsche Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498 – 1554), zählt zu den Vätern der Botanik. Er beschrieb die Herbstzeitlose wie folgt:”Etliche nennen dise blumen nacket huren, dieweil sie on kleider oder on kraut erscheinen”. Die Pflanze wurde auch Herbstvergessene und Zeitlose genannt

Den Gattungsnamen Colchicum erhielt sie nach der Landschaft Colchis am Schwarzen Meer. Der griechischer Arzt und Pharmakologe Pedanios Dioskurides beschrieb als erster die in dieser Gegend heimische Herbstzeitlosenart Colchicum variegatum. Der Artname autumnale leitet sich von dem Wort autumnus für Herbst ab und bezieht sich auf die Blütezeit der Pflanze.

Von August bis Oktober treibt Herbstzeitlose ihre rosa bis hellviolette Blüte aus der Erde, wobei die trichterförmige Blüte auf einem Stiel zu sitzen scheint. Dieser ist aber die Blütenröhre, die aus der 15 – 20 cm tief sitzenden Zwiebelknolle entspringt. Die Blätter der Herbstzeitlosen erscheinen im Frühjahr und haben eine tulpenähnliche Form. Die Herbstzeitlose wird 5 – 20 cm hoch.

Giftigkeit der Herbstzeitlosen

Die Herbstzeitlose enthält das Gift Colchicin, das Ähnlichkeiten mit Arsen aufweist.
Vergiftungen mit der Pflanze sind nicht selten. Sie stellt eine Gefahr für spielende Kinder bei der Heuernte dar, da sie häufig auf Weiden wächst. Die ersten Symptome einer Vergiftung beginnen nach 2-6 Stunden, wobei es zuerst zu Schluckbeschwerden kommt. Dann stellen sich Kratzen und Brennen im Mund- und Rachenbereich ein. Darauf folgen Erbrechen, Krämpfe und auch blutige Durchfälle und eine Kreislaufschädigung, die sich durch Abfallen der Körpertemperatur sowie des Blutdrucks bemerkbar macht. Der Tod tritt nach 1-2 Tagen durch Atemlähmung ein, wobei der Vergiftete bis zuletzt bei vollem Bewusstsein ist. Es kommt immer wieder zu Vergiftungsfällen durch Verwechslung mit dem Bärlauch. Die Blüten der Herbstzeitlose kann man leicht erkennen, nicht aber die Blätter. Anders als bei vielen anderen Pflanzen sieht man bei der Herbstzeitlosen die Blätter und die Blüten nie gleichzeitig. Im Herbst erscheinen die Blüten, aber ohne Blätter, wogegen im Frühjahr die Blätter erscheinen, aber stets ohne Blüten. Vergiftungen entstehen auch durch Verwechslung Zwiebelknolle mit der Küchenzwiebel.

Alle Teile der Herbstzeitlosen enthalten das stark giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift. Der höchste Gehalt findet sich in der Blüte mit bis zu 1,8 %. Aber auch die Samen (0,5 %), die Knolle (0,2 %) und die Blätter (0,03 %) enthalten genug Colchicin, um Vergiftungen bewirken zu können. Der Gehalt schwankt im Jahresverlauf und nimmt mit der Samenreifung zu. Auch in getrockneten Pflanzenteilen bleibt das Alkaloid erhalten. So können bei Verzehr des Viehs von Heu mit Gehalt an getrocknetem Herbstzeitlosenkraut die gefährlichen Gifte in die Milch übergehen.

Verbreitung der Herbstzeitlosen

Die Herbstzeitlose wächst vor allem auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen und an Böschungen und bevorzugt dort einen sonnigen oder halbschattigen Standort mit relativer Wärme. Sie ist nicht gerne ungeschützt dem Wind ausgesetzt. Doch auch in lichten Auenwäldern kann man sie finden und zwar sogar direkt neben Bärlauch In den Allgäuer Alpen kommt sie in bis zu 1500 Meter über Meereshöhe vor.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Veröffentlicht in Garten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

sieben − zwei =