Co-Existenz mit dem Maulwurf

Du bist verärgert, weil ein Maulwurf immer wieder mit seinen typischen Hügeln deinen Rasen verunziert?

Dann rate ich dir, erst einmal bei einer guten Tasse Kaffee oder Tee weiterzulesen und dich ein wenig mit dem Maulwurf und seiner Art zu leben, auseinanderzusetzen.

Wer einen Maulwurf im Garten hat, sollte zunächst einiges über ihn lernen, denn er wird leicht mit der Wühlmaus verwechselt. Anders als diese, ist der Maulwurf ein Nützling, denn zu seiner Nahrung gehören neben Regenwürmern auch Schädlinge, die sich in der Gartenerde aufhalten. Bei der Anlage seiner Gänge lockert er den Boden auf und befördert nebenbei humose Bestandteile an die Oberfläche. Dies macht sich der Naturgärtner zu Nutze und erhält nebenbei den Lebensraum des Maulwurfs.

Maulwurf - Abbildung aus einem Realienbuch von 1912

Der Maulwurf ist ein friedliches Säugetier, das in unterirdischen Gangsystemen lebt. Mit seinen kräftigen Vordergliedmaßen, den sogenannten Grabwerkzeugen, gräbt er seine Gänge und Nestkammern. Dies allein würde der Gartenliebhaber nicht einmal merken. Störend und unschön sind für viele allein die Maulwurfshügel, die aus dem Aushubmaterial der Gänge bestehen. Maulwürfe sind Einzelgänger und reagieren aggressiv auf Artgenossen. Deshalb leben sie meist allein in ihrem unterirdischen Reich und der Gartenfreund muss keine Invasion von Maulwürfen befürchten. Beim Maulwurf sind vor allem der Geruchssinn und das Gehör sehr gut ausgeprägt. Sehen kann er dagegen sehr schlecht und oft sind seine kleinen Augen sogar mit einer Haut bedeckt. Maulwürfe halten keinen Winterschlaf. Sie ziehen sich in kalten Zeiten lediglich tiefer in den Boden zurück. Das ist der Grund, weshalb in frostfreien Perioden auch im Winter frische Maulwurfhügel auf dem Rasen zu finden sind.

Die Wühlmaus, auch Schermaus genannt, dagegen, kann an den Gartenpflanzen Schäden verursachen, denn ihre Nahrung besteht aus Wurzeln und Pflanzenteilen. Sie kann an Obstgehölzen, Beerenobststräuchern, Ziergehölzen, Kartoffeln, Wurzelgemüsen und Stauden erhebliche Schäden anrichten. Wie der Maulwurf lebt die Wühlmaus in einem unterirdischen Gangsystem und wirft beim Graben Erdhügel auf. Diese sind aber flacher und kleiner als die des Maulwurfs. Um sicher zu gehen, ob es sich beim Störenfried im Garten um einen Maulwurf oder eine Wühlmaus handelt, steckt man abends einfach eine Möhre in der oberen Bereich eines Ganges. Wird diese angeknabbert, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Wühlmaus.

Diese Unterscheidung ist erforderlich, denn der Maulwurf steht unter Naturschutz und darf deswegen nur vergrämt aber nicht getötet werden. Bei der Wühlmaus hingegen darf der Gärtner Mausefallen aufstellen und Giftköder auslegen, um den Schädling loszuwerden. Besser wäre natürlich die Förderung von Hermelin, Mauswiesel oder Rotfuchs, da diese die natürlichen Feinde der Wühlmaus sind. Oder statt der üblichen Mausefalle eine Lebendfalle. In diese wird die maus mit einer Leckerei gelockt und gefangen. Danach kann sie in einiger Entfernung, vielleicht auf einer Brache mit üppigem Pflanzenbewuchs, wieder in die Freiheit entlassen werden.

Doch nun zurück zum Maulwurf.

Im naturnahen Garten darf der Maulwurf ungestört seine Gänge graben. Ja, er ist sogar willkommen, denn er macht das Umgraben der Beete überflüssig, denn er durchmischt den Boden wesentlich homogener als der Gärtner es mit seiner Schaufel vermag. Die störenden Maulwurfshügel werden einfach mit einer kleinen Schaufel ein wenig abgetragen und der Aushub auf die übrigen Beete verteilt. Da es im Naturgarten weniger Rasenflächen als im herkömmlichen Garten gibt, fallen die Maulwurfhügel auch nicht so sehr ins Gewicht.

Trotzdem gibt es sicher Gartenliebhaber, die sich an den Maulwurfhügeln stören und den Maulwurf gerne vergrämen möchten. Mit Vergrämung ist das dauerhafte Vertreiben gemeint, wobei angeborene Verhaltensweisen des Maulwurfs zur umweltneutralen Beeinflussung seiner Verhaltensweisen genutzt werden, um ihn dauerhaft aus dem Garten zu vertreiben. Hierbei spielen der gute Gehör- und Geruchssinn eine wesentliche Rolle. Jeder sollte aber für sich versuchen, die möglichst sanfteste Variante der Vergrämung zu wählen, denn der Maulwurf hat das gleiche Recht auf einen Lebensraum wie alle anderen Lebewesen und sollte nicht unnötig gequält werden.

Den ausgeprägten Geruchssinn des Maulwurfs nutzen.

Das effektivste Mittel um einen Maulwurf, aber auch Wühlmäuse, aus dem Garten zu vertreiben ist die Buttersäure, denn ihr intensiver Geruch ist für den ausgeprägten Geruchssinn des Maulwurfs unerträglich. Die Buttersäure wird hierfür auf Stofflappen aufgebracht, welche mit Hilfe von Stöcken in die Gänge des Maulwurfs geschoben werden. Dabei ist es wichtig, dass der Ausgang jedes sich im Garten befindlichen Maulwurfhügels mit einem getränkten Stofflappen versehen wird. Hierfür schiebt man mit den Händen die Erde vom Zentrum des Hügels vorsichtig zur Seite, um so den Eingang zum Gangsystem freizulegen. Der Maulwurf wird sich durch den Geruch der Buttersäure so gestört fühlen, dass er freiwillig den Garten verlässt. Bei dieser Methode ist allerdings ein wenig Vorsicht nötig, denn die Buttersäure ist auch für uns Menschen nur schwer zu ertragen. Deshalb solltest du deine Hände mit Handschuhen und deine Kleidung mit einer Schürze schützen, ehe du den Stoff mit der Säure tränkst.

Es gibt aber auch noch andere Duftstoffe, die Maulwürfe vergrämen können.

Für den naturnahen Garten empfehlen sich:

  • natürliche Duftstoffe wie Blätter von Holunderstrauch, Nussbaum oder Rosenlorbeerbusch, getrocknete Pfefferminze, Knoblauch oder Speisezwiebeln.
  • ein Gemisch aus Molke und Buttermilch. Hierfür wird eine Teetasse zu drei Viertel mit Molke und zu einem Viertel mit Buttermilch gefüllt. Ein solches Gemisch wird in jeden Gang geschüttet.
  • auch im Fachhandel gibt es Mittel zur Maulwurfvergrämung, die biologisch abbaubar und für andere Gartenbewohner ungefährlich sind.
  • Stofflappen, die mit Benzin oder Petroleum getränkt sindLetzteres vielleicht etwas wirkungsvoller, weil intensiver, aber nicht für den Naturgarten geeignet:

Den Maulwurf täglich ärgern.

Eine weitere wirksame Vergrämungsmethode ist das dauernde Einebnen der Maulwurfshügel. Dies sollte täglich ausgeführt werden und geschieht am besten mit Hilfe einer Harke. Aber auch mit Wasser aus dem Gartenschlauch können die Hügel zerstört werden. Dabei werden zusätzlich zum Hügel auch Teile der Gänge zerstört. Mit ein wenig Glück und Geduld fühlt sich der Maulwurf so gestört, dass er sich ein neues Revier sucht.

Das gute Gehör des Maulwurfs nutzen.

Der Maulwurf hat auch ein ausgeprägtes Gehör, obwohl er keine sichtbaren Ohren hat. Dies kann sich der Gärtner bei der Vertreibung des Tunnelbewohners zu Nutze machen. Hierfür kann eine Metallstange in den Ausgang des Gängesystems gesteckt werden. Gegen diese wird nun mit einem Hammer geschlagen, was für den Maulwurf unangenehme Geräusche verursacht. Auch die so entstehenden Vibrationen im Boden helfen, den Maulwurf zu vertreiben. Statt der Hammerschläge kann mit ein wenig Geschick auch ein Windspiel an der Metallstange befestigt werden und der Wind übernimmt so die Erzeugung der Geräusche.

Einen ähnlicher Effekt kann erreicht werden, wenn man eine Glasflasche, von der man zuvor den Boden sorgfältig entfernt hat, schräg in den Ausgang des Ganges steckt. Der Flaschenhals muss dabei aus dem Maulwurfhügel herausschauen, damit sich der Wind darin fangen kann und die so erzeugten fiependen Geräusche in den Lebensbereich des Maulwurfs transportiert werden. Aber Vorsicht bitte! Die Flasche sollte keine scharfen Kanten haben, damit sich der Maulwurf nicht daran verletzt.

Natürlich gibt es auch im Fachhandel Geräte, die für Maulwürfe unangenehme Geräusche erzeugen und ihn so dauerhaft aus dem Garten vertreiben. Die Hersteller nutzen dafür meist Ultraschallgeräusche, die den Vorteil haben, das sie für den Menschen beinahe nicht wahrnehmbar sind.

Der Gartenbesitzer als Beschützer der wildlebenden Tiere in seinem Garten

Wie am Anfang des Artikels bereits erwähnt, ist es sinnvoller in Gemeinschaft mit allen anderen Lebewesen zu leben und zu gärtnern. Schließlich ist der Garten nicht zuletzt auch der Lebensraum wildlebender Tiere, wie Igel, Vogel und eben Maus und Maulwurf. Der Gartenbesitzer trägt für eine Zeit die Verantwortung für das Stück Land, das er seinen Garten nennt, und hat damit auch die Aufgabe, die Tierwelt in seinem Bereich zu schützen. Er sollte deshalb möglichst versuchen, Lebensräume zu erhalten, statt sie zu zerstören. Eine Co-Existenz mit dem Maulwurf ist für beide Seiten entspannter und gibt dem Gärtner das Gefühl, verantwortungsvoll mit den Tieren in seinem Garten umzugehen. Das ist ein gutes Gefühl!

Erst wenn die Schäden durch Nager, Maulwurf und Co. zu gravierend werden, sollte der Gartenbesitzer einschreiten und diese sanft zur Aufgabe ihres Reviers bewegen.

Abbildung aus “Kamp, Neues Realienbuch für Schule und Haus”, 1912

© Text: Xenia Marita Riebe

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