Der Wassergraben im naturnahen Garten

Ein Wassergraben im Garten kann ein wahres Kleinod sein. Dort lebt und gedeiht eine feuchtigkeitsliebende Flora und Fauna. Frosch, Libelle und Wasserläufer sind die typischen Vertreter der hydrophilen Fauna, die sich sehr bald am Graben einfinden werden. Spezifische Hydrophyten, Pflanzen, die in und am Wasser gedeihen, sind Seerosen, Sumpfdotterblumen, einige Weidericharten und der Teufelsabbiss.

Ein Wassergraben bereitet viel Freude. Seine Pflanzen sind zudem auch sehr nützlich als Nahrungslieferant für viele Insekten. Auch Vögel lieben den Wassergraben. Sie nutzen ihn zum Baden oder zur Nahrungssuche. Die Amsel ist ein häufiger Gast im Graben, sowohl, wenn er Wasser führt, als auch, wenn er trocken gefallen ist. Auch bei der Gartengestaltung kannst du dir den Wassergraben zu Nutze machen, zum Beispiel zur Entwässerung abflussarmer Areale oder als natürlichen Spielbereich für Kinder.

Ich habe in meinem Garten einen Wassergraben angelegt, der mit Regenwasser gespeist wird. Eine Regenrinne führt vom Dach der Garage in zwei große Regentonnen und mit dem so aufgefangenen Wasser kann der Wassergraben bewässert werden. Bei starkem Regen hat sich ein Überlaufsystem bewährt, das den übrigen Garten vor einer Überschwemmung schützt. Das Wasser der ersten Regentonne läuft über eine Verbindung, die sich oben in der Tonne befindet, in die zweite Tonne. Ist auch diese voll, läuft das Regenwasser über einen Überlauf direkt in den Wassergraben. Bei starkem oder langanhaltendem Regen füllen sich auch der Wassergraben und der sich daran anschließende Teich recht schnell. Deshalb wird das Regenwasser bei zu hohem Wasserstand im Graben mittels eines Abflussrohrs auf die Straße geleitet und kann dort in den nahegelegenen Kanal fließen.

Im Sommer, vor allem bei stabilen Hochdrucklagen, reicht das aufgefangene Regenwasser oft nicht aus, um den Wassergraben regelmäßig zu bewässern. Dann fällt er trocken und nur im Teich, der mit einer Folie ausgelegt ist, bleibt genügend Wasser zurück, um das Überleben der im Graben lebenden Insekten zu sichern. Die Pflanzen, die im Graben wachsen, vertragen auch längere Trockenphasen und überstehen sogar ein wochenlanges Austrocknen. Selten, und auch nur bei sehr hohen Temperaturen, füllen wir den Wassergraben mit Leitungswasser. Dies soll aber möglichst sanft geschehen. Deshalb lassen wir mit Hilfe des Gartenschlauchs Leitungswasser in die Regentonnen laufen um es dort einen Tag lang stehenzulassen, damit es sich erwärmen kann. Erst dann öffnen wir den Hahn der Tonne und fluten den Graben. Da der Graben mit einer Lehmschicht versehen ist, versickert das Wasser recht langsam und die Pflanzen, die dort wachsen, haben Gelegenheit, sich von der Trockenheit zu erholen.

Den Wassergraben habe ich mit Hilfe von Hacke und Schaufel gegraben. Dabei habe ich ein leichtes Gefälle zwischen Regentonnen und Teich angelegt, damit das Wasser gleichmäßig den Graben bewässern kann. Den Wassergraben selbst und seine Ufer habe ich mit Kieselsteinen ausgelegt. Diese habe ich später teilweise entfernt, denn ich befürchtete, dass sie das Versickern des Wassers beschleunigten und der Graben zu schnell trocken fiel. Auch bei der Uferbepflanzung störten mich die Steine, die ich deshalb aufsammelte und in den Steingarten brachte.

Wie eingangs bereits erwähnt, kannst du einen Wassergraben auch in einem abflussarmen Bereich deines Gartens anlegen. Dann brauchst du ihn nicht zu bewässern, denn das Umgebungswasser läuft von ganz allein hinein. Nebenbei entwässert der Graben dann den zu feuchten Gartenbereich. Der Wassergraben liegt am besten in einem sonnigen oder halbschattigen Gartenbereich. Du kannst ihn gerade, aber auch geschlängelt anlegen. Seine Breite und Länge kann an die Gegebenheiten im Garten angepasst werden. Hast du große Mengen an Regenwasser zur Verfügung, kannst du den Graben breiter und länger angelegen. Je breiter er ist, desto mehr Wasser wird sichtbar sein. Er sollte eine Tiefe von bis zu einem halben Meter haben, um an der tiefsten Stelle einen Wasserstand von 30 cm zu erreichen.

Eine weitere Möglichkeit, das Regenwasser sinnvoll zu nutzen, ist, einen Wasserspielbereich oder Wasserspielgraben anzulegen. Wenn du Kinder hast, wirst du ihnen hiermit eine große Freude machen. Leite hierfür das Regenwasser, das auf eine nicht zu kleine Dachfläche fällt, in einen breiten flachen Graben, den du hierfür anlegst. Du solltest den Graben mit einer 20cm dicken Lehm- oder Tonschicht auskleiden und danach mit 20 cm Wandkies bedecken. Wandkies wird in der Kiesgrube direkt ab der Wand unsortiert oder sortiert verkauft. Die maximale Wassertiefe eines Spielgrabens sollte 40 cm nicht überschreiten. Spaß machen den Kindern Sprungsteine, die in Abständen von ca. einem Meter in den Graben gesetzt werden können. Auch Baumstämme sind eine schöne Ergänzung. Sie können als Sitz benutzt werden, wenn die Kleinen im Wasser spielen oder dienen den Kindern zum Balancieren.

In meinen Wassergraben pflanzte ich drei Weidericharten, den Blutweiderich (Lythrum salicaria), den Rutenblutweiderich (Lythrum virgatum) und den gewöhnlichen Gilbweiderich (Lysimachis vulgaris). Ins schlammige Ufer setzte ich eine Schwanenblume (Butomus umbellatus) und in den Uferbereich den Teufelsabbiss.(Succisa pratensis). Den Teich bepflanzte ich mit einer Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Inzwischen haben sich eine Reihe von Pflanzen im Graben angesiedelt, unter anderem eine sehr schöne Wasserpflanze mit filigranen Blütenständen. Es handelt sich hierbei um eine Froschlöffelart (Alisma lanceolatum). Auch das Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) hat sich am Ufer des Wassergrabens eingefunden. Andere Pflanzen, wie die Schwanenblume, sind verschwunden. Im Graben wächst natürlich auch Gras und Klee und er bedarf hin und wieder etwas Pflege, damit er nicht völlig zuwächst. Manchmal ist der Wassergraben zwischen den Pflanzen kaum noch auszumachen. Dann wird es Zeit, einen Teil der wildwachsenden Pflanzen zu entfernen.

Der Wassergraben in meinem Garten wird von einem großen alten Apfelbaum beschattet, was im Sommer ein Vorteil ist. Im Frühling aber, wenn der Baum noch keine oder wenig Blätter trägt, spiegelt sich der Himmel im Wasser des Grabens und er wird zu einem blauen Band, das dem Garten einen zusätzlichen Reiz verleiht. Zusammen mit den Tulpen und Narzissen, die an seinen Ufern wachsen, und mit den üppigen Sumpfdotterblumen im kleinen Teich, ist der Wassergraben dann sehr schön anzusehen.

Neben den Wasserläufern und den Wespen, die in der Böschung des Grabens ihre Höhlen bauen, besuchen immer wieder Frösche den Wassergraben. Vögel nutzen das flache Wasser für ein Bad und wenn der Wassergraben gerade trockengefallen ist, suchen Amseln in der feuchten Erde des Grabens nach Regenwürmern und Insekten. Im Sommer lockt der Wassergraben auch Libellen an. So bietet er vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum und die Möglichkeit sich mit Wasser und Nahrung zu versorgen.

Für meinen Mann und mich ist und bleibt der Wassergraben ein spannendes Element in unserem Naturgarten. Wir verbringen viel Zeit damit, Tiere und Pflanzen, die in und am Wassergraben leben und gedeihen, zu beobachten oder einfach nur deren Anwesenheit zu genießen.

© Text und Fotos: Xenia Marita Riebe

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