Namibia – Tagebuch einer Reise – Ankunft in Windhoek

Windhoek, Namibia

Mein Mann Bernd und ich reisten mit einem Landcruiser mit Dachzelt durch Namibia.

Wir fuhren mit dem Zug nach Frankfurt zum internationalen Flughafen. Dort angekommen, warteten wir lange am Schalter der Air Namibia. Der Check In klappte reibungslos. Mich störten nur die vielen Reisenden, die Jagdgewehre bei sich trugen. Es war mir unbegreiflich, wie Menschen nach Afrika fliegen können, nur um dort Tiere zu töten. Der Flug, der mehr als 10 Stunden dauerte, wurde mir sehr lang und obwohl ich eine Reisetablette genommen hatte, schlief ich kaum. Ich wachte andauernd auf, weil ich den Wunsch verspürte, meine Beine auszustrecken. Hin und wieder stand ich auf und bewegte mich ein wenig im Gang. Neben mir saß ein junger Mann aus Schweden, der beinahe die ganze Zeit schlief. Erst beim Frühstück kamen wir kurz ins Gespräch und er schwärmte vom Norden Namibias und beschwörte uns beinahe, dort hinzufahren. Wir aber wollten vor allen Dingen zum Hohen Brandberg. Dort wollte ich die Felsbilder der Khoisan erkunden, denn ich bin Künstlerin und befasste mich seit einiger Zeit mit Höhlenmalereien. Ich setzte diese in meinen Bildern in Verbindung mit der modernen Technik.
Der Flughafen erschien uns, im Vergleich mit anderen Flughäfen, sehr klein. Bei der Passkontrolle mussten wir lange warten, ehe der Beamte uns gnädig den ersehnten Stempel in den Reisepass drückte. Als wir das Flughafengebäude verließen, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben das helle afrikanische Licht. Ich fühlte mich geblendet, aber gleichzeitig beglückt. Ich freute mich sehr auf unseren Aufenthalt in Namibia.
Ein Shuttle Bus brachte uns vom Airport nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Vor dem Kalahari Sands Hotel, in dem ich einige Zeit später meine Gemälde ausstellen sollte, stiegen wir aus und fuhren mit dem Taxi weiter zu unserem Hotel. Es hatte den netten Namen „Kleines Heim“ und war früher einmal ein Heim für ledige Mütter. Der Taxifahrer, ein farbiger Namibier, sprach zu unserer Überraschung ein wenig deutsch. Er lachte und nannte Namibia „Kleines Deutschland“.
Im „Kleinen Heim“ angekommen, waren wir sehr überrascht, wie schön dort alles war. Hinter weißen Mauern standen gepflegte kleine Gebäude mit graugrünem Anstrich und großen weißen Sprossenfenstern inmitten eines schönen tropischen Gartens. Unter üppigen Palmen befand sich in dessen Mitte ein annehmbarer Pool. Unser Zimmer war hübsch eingerichtet und hatte, neben einem Schlafraum mit Doppelbett, eine Sitzecke und ein Bad, das europäischen Standards entsprach. Im Frühstücksraum und in den Räumen der Rezeption stellte eine Künstlerin ihre Bilder aus. Interessante gutgemachte Aquarelle von afrikanischen Tieren. Ich war erfreut.
Natürlich ging ich gleich nach unserer Ankunft in den Pool und schwamm ein wenig herum. Das war sehr erfrischend und ich war glücklich, in dieser schönen Umgebung relaxen zu dürfen. Die tropischen Pflanzen, mit ihren farbenfrohen Blüten taten das ihre dazu.

Johann-Albrecht-Str. Windhoek, Namibia

Gegen Mittag gingen wir zu Fuß zum Stadtzentrum von Windhoek. Nach der Stille in der Abgeschiedenheit unseres Hotels, empfanden wir die Stadt als laut und wir nahmen den Geruch der Abgase deutlich wahr, der von den vielen alten Autos verströmt wurde. Doch nach wenigen Minuten hatten wir uns daran gewöhnt und schauten uns alles interessiert an. Ich war fasziniert von den schönen Menschen, die meist der Ethnie der San angehörten und wie die Ureinwohner Namibias, die Khoisan, sehr schlanke Glieder und hübsche zarte Gesichter hatten. Viele der Frauen trugen Kleider aus traditionellen afrikanischen Stoffen, die Männer waren meist in Anzughosen und weiße Hemden gekleidet. Die Menschen gingen ihren Geschäften nach, hatten aber für uns immer ein freundliches Lächeln übrig. Wir sahen uns die Läden in der Innenstadt an und schmunzelten über die Mischung aus deutschen und namibischen Bezeichnungen. Das Wort Bäckerei wurde ebenso selbstverständlich benutzt wie „Brauerei“, „Biergarten“ „Cafe“ und Sperrgebiet. Auf einem Hausgiebel sahen wir die große gemalte Aufschrift „Kaiserkrone“. Auch ein Verbotsschild mit der Aufschrift „Kein Pinkeln“ und Schilder mit den Worten „Mineralien und Edelsteine“, gab es in der Stadt. Selbst die Verwaltung benutzte auf ihrem Schild das deutsche Wort „Stadtverwaltung“. Auch gab es Straßen mit deutschen Straßennamen, wie die Goethe-, Johann-Albrecht- und Gauss- Straße.
Wir gingen durch das geschäftige Windhoek, mit seinen zum Teil neuen Bauwerken, die aber oft den kolonialen Gebäuden nachempfunden sind. Wir sahen gut gekleidete Menschen und recht ordentliche Restaurants, in denen meistens Weiße speisten und Farbige bedienten. Es gab aber auch die andere Seite der Stadt, die in den Reiseprospekten nicht vorkommt. Auf den Straßen sah ich viele Farbige, die einfach nur herumzulungern schienen. Sie saßen oder standen am Straßenrand und ich fragte mich, warum sie in dieser Hitze und in der schlechten Luft einfach nur versonnen ins Leere starrten. Wahrscheinlich waren es Bewohner des Townships Katutura, was „Der Platz, an dem wir nicht leben wollen“ heißt, in dem 250.000 farbige Namibier in ärmlichen Verhältnissen wohnen. Die Siedlung wurde Ende der 50er Jahre unter südafrikanischer Verwaltung vor den Toren von Winhoek angelegt. Dorthin wurden die ungeliebten farbigen Bewohner umgesiedelt. Man wies ihnen Häuser zu, streng getrennt nach Stammeszugehörigkeit. Es leben dort Angehörige der Stämme der Ovambo, der Herero, der Kavango, der Damara, der Himba und der Nama, alle in Einheitshäusern mit 45 qm Wohnfläche. Gekennzeichnet sind diese Häuser mit dem jeweiligen Buchstaben des Stammes, der vor der Hausnummer steht. Inzwischen hat sich Katutura vergrößert und es gehören tausende Wellblechhütten und Hütten aus Karton und Plastikplanen dazu, in denen es viele soziale Missstände gibt. Ich vermutete, dass die meist jungen Männer in das Stadtzentrum von Windhoek kamen, um der Trostlosigkeit und der Ausweglosigkeit ihres Lebens im Township für ein paar Stunden zu entkommen.
Der Straßenverkehr im Zentrum war wirklich höllisch. Es war uns beinahe unmöglich, die Straßenseite zu wechseln. Als Fußgänger schien man in Windhoek ein Nichts zu sein. Dennoch war ich sehr froh, in dieser fremden Stadt zu sein, die mir von Anfang an unglaublich gefiel.
Windhoek galt jahrzehntelang als die sauberste Hauptstadt Afrikas. Die Stadt gilt aufgrund von relativer Sicherheit als vorbildhaftes Modell einer afrikanischen Großstadt.
Und wirklich glaubten wir in der Innenstadt manchmal in einer mitteleuropäischen Stadt zu sein. Dieser Eindruck entstand durch die kleine Straßencafes und Biergärten. Auch die Gebäude, die, – neben vielen modernen Gebäuden – von der wilhelminischen Kolonialarchitektur der Jahrhundertwende geprägt sind, trugen dazu bei. Besonders sehenswert waren die kolonialen Bauten an der Independence Avenue, die Marien-Kathedrale aus dem Jahr 1908, die Christuskirche von 1911 und der Tintenpalast, sowie die Alte Feste. All dies schauten wir uns mit viel Interesse an.
Es gibt in Windhoek auch einige Museen, wie das Nationalmuseum, das TransNamib-Museum, das Geowissenschaftliche Nationalmuseum. Natürlich sahen wir in Windhoek auch viele Straßenhändler, die Kunsthandwerk anboten. Tatsächlich gab es sogar ein Theater – das Nationaltheater – womit ich nicht gerechnet hatte.

Pension "Kleines Heim", Windhoek, Namibia

Pension “Kleines Heim” in Windhoek

Am späten Nachmittag holte uns ein Herr Römer von der Autovermietung im „Kleinen Heim“ ab. Er fuhr mit uns an den Stadtrand, wo er seine Autovermietung betrieb und wo er auch wohnte. Er war freundlich, wenn auch nicht sympathisch. Wir mussten noch einige Formalitäten erledigen und Herr Römer – ein Weißer, wahrscheinlich deutscher Abstammung – bot uns ein eisgekühltes Bier an, das wir gerne annahmen. Der Wagen, ein Toyota Landcruiser mit Dachzelt, den wir gemietet hatten, besaß 4 Wheel Drive und hatte im hinteren Teil eine Campingausrüstung, bestehend aus einer Kühlbox, einem Frischwassertank, einem Gaskocher sowie einem Campingtisch mit Stühlen. Das Dachzelte für 2 Personen war angeblich leicht und schnell aufzurichten. Der Wagen wirkte etwas schwerfällig und hatte einen Dieselmotor. Nachdem alles geklärt war, fuhren wir zurück in die Stadt, was nicht einfach war, denn der Wagen war fremd und in Namibia herrscht Linksverkehr. Nach einigen Umwegen fanden wir zum Hotel zurück. Dort ließen wir den Toyota erst einmal stehen und fuhren mit dem Taxi zurück in die Innenstadt. In der Kaiserkrone, die uns schon am Nachmittag aufgefallen war, aßen wir zu Abend. Das Restaurant mit italienischer Küche war gemütlich eingerichtet. Trotzdem entschieden wir uns dafür, draußen in einem Innenhof unter einem Sonnenschirm zu sitzen. Dort war es kühl und ruhig. Mit uns speisten ein deutscher Flugkapitän und seine Stewardessen. Es war interessant, ihren Gesprächen zuzuhören. Sie glaubten wohl, dass sie niemand verstehen könne, und sprachen sehr offen über Belange der Airline.
Nach einer erholsamen Nacht frühstückten wir am nächsten Morgen am Pool. Wir waren die einzigen Gäste. Es war angenehm kühl und sehr still. Nur die Vögel sangen und das typische Geräusch eines Reisigbesens war zu hören, denn ein farbiger Hotelangestellter kehrte die Wege des Gartens. Wir genossen ein letztes Mal den Luxus einer festen Unterkunft, packten dann unsere sieben Sachen und verließen Windhoek. In bester Stimmung fuhren wir einem Abenteuer entgegen.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Höhlenmalerei in Verbindung mit Technik

Gemälde “Energiespiele” aus der Reihe “Höhlenmalerei in Verbindung mit Technik” von Xenia Marita Riebe

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