Namibia – Tagebuch einer Reise – Wasser im Sossusvlei

Schon bei unseren Recherchen für die Reise lasen wir im Internet, dass es Wasser im Sossusvlei geben solle. Das war eine aufregende Sache, denn es hatte in der Namib seit 64 Jahren nicht mehr geregnet. Bald sahen wir auch erste digitale Fotos, die einen See zeigten, der inmitten von hohen Sanddünen lag. Natürlich wollten wir diesen Ort auf unserer Namibiareise, die kurz bevor stand, unbedingt besuchen und hofften nur, dass das Wasser bis zu unserer Ankunft, nicht versickert sein würde.

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Ein seltener Anblick – Ende des Tsauchab – Flusses als wassergefüllter See! (April 1997)

Von der Ababis Guest Farm im Namib-Naukluft-Park aus machten wir uns zu Fuß auf den Weg, denn das Sossusvlei war nur durch eine Wanderung erreichbar. Ausgerüstet mit reichlich Wasser und mit einem Fotoapparat ging es los, hinein in die Ebene, die aus rotem Sand bestand, der jetzt, nach dem sehr seltenen Regen mit Wüstengras bewachsen war. Uns bot sich ein fantastisches Bild. Der Wind streifte leicht das blühende Gras und erweckte so Assoziationen an einen endlosen See mit leichtem Wellengang, dahinter die hohen roten Sanddünen. Wir überquerten den Fluss, der dem Sossusvlei sein stehendes Wasser beschert hatte. Er war bereits wieder ausgetrocknet, doch im Flussbett wuchsen Büsche mit Blüten – unter anderem herrliche weiße Callas. Leider hatte der unerwartete Regen, den Fluss, der seit sechs Jahrzehnten wasserlos gewesen war, kurzzeitig zu einem reißenden Strom gemacht, der unter anderem ein Haus fortgerissen hatte, von dem jetzt nur noch hier und da ein paar Bauteile zu sehen waren. Welch ein Schock muss es für die Bewohner – Europäer – gewesen sein, als unerwartet das Wasser kam.

Jenseits des Flusses erstreckte sich die Ebene in ihrem Gleichmaß und wir gingen frohgemut weiter. Doch unsere Exkursion endete unerwartet an einem Zaun, der sich nach rechts und links ausdehnte, so weit wir schauen konnten. Ein etwa zwei Meter Hoher moderner Zaun in „The Middel of Nowhere“? Wir konnten uns keinen Reim darauf machen und machten uns daran, den Zaun zu überklettern. Kaum waren wir auf der anderen Seite und etwa 50 Meter gegangen, als wir ein Auto auf uns zukommen sahen. Verwundert blieben wir stehen und schauten einen Officer an, der nicht gerade freundlich wirkte. „Where is your permit?“, blaffte er uns an und uns begann zu dämmern, dass der Zaun das Gebiet um das Sossusvlei weiträumig absperrte, weil Namibia mit dieser Sehenswürdigkeit Geld verdienen wollte.
Da wir natürlich kein Permit hatten, jagte uns der Officer über den Zaun zurück und wir gingen enttäuscht zu Guestfarm, von wo wir am Nachmittag mit unserem Auto mit Dachzelt aufbrachen, um das Sossusvlei offiziell zu besuchen. Wir mussten einen weiten Umweg von bestimmt 50 Kilometern in Kauf nehmen, ehe wir zu einem Gate kamen, bezahlten und über eine weitere endlose Sandstraße zum Vlei fahren konnten.

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Nach über 60 Jahre Blumen und Wüstengras in der Namib

Aber der Aufwand hatte sich gelohnt. Etwas Vergleichbares hatten wir nie gesehen. Vor uns lagen die riesigen namibischen Wanderdünen mit ihrem roten Sand und zu ihren Füßen ein jetzt schon recht klein gewordener tiefblauer See, in dem auf runden Sandbänken hier und da recht große Bäume standen. Bis hierher war also das Wasser des großen Regens gekommen und von den Dünen aufgehalten worden. So konnte es seinen Weg zum nur 50 Kilometer entfernten Südatlantik nicht fortsetzen und versickerte nun im heißen Sand unter der glühenden Sonne. Zum ersten Mal seit 64 Jahren bot sich den Einwohnern Namibias und den überglücklichen Touristen dieses Schauspiel.

 

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In der Namib, wenige Tage nach dem Regen

Wir parkten unseren Wagen direkt am Ufer des Sees und erkundeten die Gegend. Es waren nur einige wenige Besucher gekommen, die sich auch bald verliefen. Wir schauten uns die unzähligen Spuren der Tiere an, die hier in der Dämmerung zum Trinken gekommen waren, von denen aber jetzt am Nachmittag keines zu sehen war. Auch die seltsame Vegetation, die es hier mitten in der Wüste gab, war sehenswert. Neben Gras und kleineren Blumenbüschen wuchsen hier Sträucher und Bäume. Wir fragten uns, wie diese Pflanzen die endlosen Jahre ohne Wasser überlebt hatten.

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Die Autorin am Dead Vlei

Und dann erkletterten wir eine der großen Dünen. Dies war kein leichtes Unterfangen, denn es war sehr heiß, die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel, der Sand glühte und rutschte bei jeden Schritt aufwärts unter unseren Füßen weg. Tapfer kämpften wir uns bergauf und als wir schweißnass den Grat der Düne erreichten, wurden wir reichlich belohnt. Hier oben wehte ein leichter Wind, der uns etwas Abkühlung brachte und so genossen wir den Blick über die Dünenkette, die vor uns lag. Weit entfernt und durch den Dunst nur zu erahnen, lag der Atlantik.

Tief beglückt fuhren wir zur Ababis Guest Farm zurück und genossen einen letzten Abend dort. Unser Gastgeber lud uns zu einem Lagerfeuer ein und wir aßen köstliche kleine Kürbisse, die er im Feuer gebraten hatte.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe – April 1997
Fotos: © Bernd Riebe

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