Hunde in Dar es Salaam, Tansania

Barka - Wachhund auf Eazy`s Place

Barka – Wachhund auf Eazy`s Place

Das Leben in Afrika ist hart – auch für die Hunde

Ich möchte hier die Geschichte von Blacky und Barka erzählen, die als Wachhunde im Hostel Eazy`s Place leben, das unserem afrikanischen Sohn Eazy gehört. Das Hostel liegt in einer eher dörflichen Umgebung am Stadtrand von Dar es Salaam.
Wie viele Tansanier hat auch Eazy zwei Hunde, die sein Hostel bewachen. Das ist auch nötig, denn das Grundstück ist rundherum nur mit Pflanzen eingefriedet und von einem Tor aus Wellblech, das nicht verschlossen werden kann. Dass hier jeder Schutz nach außen fehlt, könnte ein Problem darstellen, aber es gibt ja zum Glück Barka und Blacky.

Wachhund Hostel Eazy`s Place, Dar es Salaam

Blacky – Wachhund auf Eazy`s Place, beim Schlafen gestört

Die beiden Hunde – sie sind Mutter und Sohn – liegen den ganzen Tag dösend auf dem Grundstück herum. Man hört von ihnen keinen Laut. Das ändert sich aber, sobald die Sonne untergeht. Dann beginnt die „Schicht“ der Wachhunde. Sie räkeln und strecken sich und spitzen ihre Ohren. Von einer Minute auf die andere sind sie hellwach und bewachen nun das Grundstück. Das kleinste Geräusch veranlasst sie zu erstem leisen Bellen und falls sie etwas als Bedrohung empfinden, stürzen sie laut bellend durch das Gebüsch auf die Straße. An den beiden wagt sich so schnell keiner vorbei, erst recht wagt niemand, unbefugt das Grundstück zu betreten. Dabei wissen die beiden Hunde ganz genau, wer zu Eazy gehört, beziehungsweise, wer Gast auf Eazy`s Place ist. Es ist mir ein Rätsel, aber ich wurde während meines Aufenthaltes bei Eazy nicht ein einziges Mal angeknurrt oder verbellt. Woher die beiden Hunde von der ersten Minute an wussten, dass ich zu Eazy gehöre, weiß ich nicht.

Eazy`s Place, Hostel in Dar es Salaam, Hunde

Barka und ihre sieben Welpen unter Eazys Arbeitstisch

Barka nahm ich zuerst gar nicht wahr, denn sie lag unter Eazys Arbeitstisch – Eazy macht fantastische Batikstoffe – und säugte dort ihre sieben kleinen Welpen. Als ich diese erst einmal entdeckt hatte, konnte ich meine Blicke kaum noch von ihnen wenden. Es gab buntgescheckte, schwarze und braune Hündchen und alle waren sehr niedlich.
Barka aber sah nicht so gut aus. Sie war stark abgemagert, was auch kein Wunder ist, bei der vielen Milch die sie produzieren musste und bei der vielen Arbeit als Mutter und Wachhund.
Grundsätzlich werden Hunde in Tansania nicht von ihren Besitzern gefüttert. Sie müssen herumstromern und sich ihre Nahrung selbst suchen, in dem sie Ratten und Mäuse fangen, oder andere kleine Säugetiere, die sie auf den Feldern und Brachflächen jagen. Hühner dürfen sie aber nicht anrühren. Ich wunderte mich, wieso Barka und Blacky nie eine von Eazys Tauben oder eines seiner Hühner fraß. Wenn ich so hungrig wie Barka wäre, dachte ich, würde ich mir heimlich eine von den Tauben schnappen, das würde doch nicht auffallen. Ich fragte Eazy danach und er erklärte mir, dass Barka als junge Hündin tatsächlich einmal eine seiner Tauben gefangen und totgebissen habe. Er habe sie darauf hin so sehr geschlagen, dass sie es nie wieder wagen würde, eine Taube anzurühren. Ich war erschüttert.

Tauben, Hühner und Hahn auf Eazy`s Place, Hostel Dar es Salaam

Tauben, Hühner und Hahn auf Eazy`s Place

Aber bei näherer Betrachtung muss ich gestehen, dass man das alltägliche Leben in einem afrikanischen Land nicht mit dem normalen Leben in Europa vergleichen kann. Eazy zum Beispiel züchtet Tauben und Hühner, um sich mit deren Verkauf ein kleines Zubrot zu verdienen. Deshalb kann er es nicht erlauben, dass seine Hunde ihm sein Federvieh wegfangen.
„Übrigens“, erklärte mir Eazy, „bin ich einer der wenigen Tansanier, der seine Hunde füttert.“
Ich war erstaunt, denn ich hatte Barka und Blacky noch nicht fressen sehen.
„Was bekommen sie denn zu fressen?“, wollte ich wissen.
„Ich gebe ihnen jeden Abend eine Schüssel Ugali“, war die Antwort.
(Ugali ist Maisbrei)
„Dasselbe Ugali, das wir auch essen?“, fragte ich nach.
„Nein, ich kaufe ein Abfallprodukt des Mais, dass zur Tierfütterung verkauft wird. Damit füttere ich auch die Tauben und die Hühner.“
„Aber Hunde brauchen doch Fleisch“, sagte ich.
„Wir essen auch kein Fleisch, obwohl wir es brauchen“, erklärte Eazy. „Dazu fehlt mir das Geld. Oft haben wir überhaupt nichts zu essen. Da kann ich meine Hunde nicht mit Fleisch füttern.“
Das sah ich ein.
„Manchmal kann ich für sie ein bisschen Kuhhaut bekommen“, ergänzte Eazy, weil er wohl merkte, wie betroffen ich war.

Gavy trägt einen Welpen

Ich beobachtete Barka dabei, wie sie vor lauter Hunger größere Ameisen fraß oder fliegenden Insekten nachjagte. Sie tat mir sehr leid. Immer wieder versuchte ich Eazy zu erklären, dass die Hündin fressen müsse, um die Milch für die Welpen zu produzieren.
„Zumindest braucht sie ausreichend Wasser“, sagte ich und Eazy stellte ihr einen halben Eimer mit Regenwasser hin, den sie auch sofort leer trank. Sie hatte Durst, denn ich hatte sie heimlich mit Knäckebrot gefüttert, das ich aus Deutschland mitgebracht hatte, um es zum Frühstück zu essen. Es war ein großes Paket vom runden Knäckebrot und nach zwei Tagen war davon nichts mehr übrig. Barka und Blacky mochten es zu gerne. Von da an begann ich, das Essen, das Eazy für uns kochte, heimlich an die Hunde zu verfüttern. Freilich verrieten sie mich schon bald, denn bei jeder Mahlzeit saßen sie nun rechts und links neben mir. Eazy schickte sie weg, wann immer er sie am Tisch vorfand. Er hätte es nicht verstanden, dass ich den Hunden von dem Essen gab, das er mit so viel Liebe für uns gekocht hatte.

Eazy, Host Eazy`s Place; Dar es Salaam

Eazy mit seinem Sohn Gavy

Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es nicht einfach nur hartherzig von Eazy ist, dass er seine Hunde nicht besser versorgt. Es ist eine Mischung aus erlerntem Verhalten, Tradition und Armut, die ihn dazu bringt. Eazy ist ein guter Mensch, der sich nach bestem Wissen und Vermögen um die Menschen, die ihm anvertraut wurden, seine Tiere und seine Pflanzen kümmert.

Dar es Salaam, Eazy kauft Tierfutter

Eazy kauft Mais für die Tiere

Einmal begleitete ich Eazy in die Stadt und wir hielten auf dem Rückweg an einem Haus, in dessen Inneren eine elektrische Mühle stand. Dort bestellte Eazy etwas bei einer mächtigen Afrikanerin und bezahlte es in ihrem kleinen „Büro“. Daraufhin begann ein Mann mit einer Schaufel eine Art zerkleinertes Korn in einen Sack zu schaufeln. Maisabfälle für die Tiere. Ich fotografierte ihn dabei und ein paar Männer, die draußen vor dem Laden herumlungerten, lachten sehr darüber. Den schweren Sack transportierte Eazy im Bajaji, mit dem wir unterwegs waren, durch den Fluss, über den schlammigen Hügel und die ausgewaschene “Straße” nach Hause.

Wachhunde auf Eazy`s Place; Dar es Salaam

Barka und Blacky fressen Ugali

Am Abend wurde ich dann zum ersten Mal Zeuge, wie Barka und Blacky Maisbrei bekamen, den sie gierig auffraßen.
Barkas Welpen wuchsen unterdessen heran. Ihre Augen waren nun geöffnet und sie begannen unter dem Arbeitstisch herumzukrabbeln. Natürlich wollten sie immerzu Milch trinken und Barka magerte immer mehr ab. Ich wies Eazy darauf hin, dass die Hündin vielleicht nicht überleben würde. Doch er erklärte mir, dass Barka nun schon im sechsten Jahr in Folge Welpen hätte. Auch Blacky sei ein Sohn von ihr. Ich war erstaunt. Wie zäh musste diese Hündin sein, in dieser Hitze und unter den Bedingungen einen Wurf nach dem anderen großzuziehen.
Wenn man sich dagegen vor Augen führt, wie viele Hunde in Deutschland zu dick sind, weil sie aus falscher Tierliebe viel zu viel zu fressen bekommen, wie sie verhätschelt und vermenschlicht werden. Der Unterschied in der Hundehaltung ist schon enorm.
Afrikanischen Hunde werden selbstverständlich auch nicht gebürstet und gebadet, wie die Hunde hier bei uns. Sie haben auch kein Körbchen, in dem sie schlafen können. Sie liegen einfach im Sand, ihr Fell ist schmutzig und struppig und sie haben Flöhe. Entwurmt werden sie natürlich auch nicht. Trotzdem sind sie schöne stolze Tiere und ich mag sie gerne.
Eines Abends fuhren wir zum Essen in das Juliana Hotel im Stadtteil Afrikana. Ich hatte mich darauf gefreut, aber das Essen war schlecht und die Atmosphäre wie die Bedienung entsprachen nicht mehr dem, was ich kannte. Ich habe in diesem Hotel bei früheren Aufenthalten in Dar es Salaam mehrfach gewohnt. Es war früher ein kleines Hotel mit vier Zimmern und einer Bar mit sechs Tischen in einem tropischen Garten gewesen. Dort hatte man gut und preiswert essen können. Heute war der Garten verschwunden, aus der Bar dröhnte laute Musik, die Kellnerinnen kümmerten sich kaum um die Gäste und das Essen ließ lange auf sich warten und war schlecht.

Essensreste-Maisbrei-Gemisch

Als wir nach dem Essen das Juliana Hotel verlassen wollten, bat mich Eazy um 1000 Schilling, denn er hatte nicht genug Kleingeld bei sich. Ich fragte ihn, was er kaufen wolle und erfuhr, dass er Essensreste für die Hunde mitnehmen wolle.
Tatsächlich kaufte er eine Plastiktüte voll mit Speiseresten, die die Gäste auf den Tellern liegen lassen hatten. Diese wurden in einem Eimer gesammelt und daraus wurde mit Hilfe der Hände die Plastiktüte für Eazy gefüllt. Ich denke, dass Eazy normalerweise nie Fleisch für seine Hunde kauft. Er tat es nur mir zuliebe.
Es war natürlich schon lange dunkel, als wir zurück zu Eazy`s Place kamen. Die Hunde erwarteten uns bereits und sie rochen natürlich sofort das Fleisch. Eazy und Thomas, ein junger Mann, der bei Eazy arbeitet, vermengten die Speisereste, überwiegend Knochen mit Resten von gebratenem gewürztem Fleisch, mit Ugali und verteilten sie auf zwei Plastiknäpfe. Diese wurden weit von einander entfernt aufgestellt, damit jeder Hund in Ruhe fressen konnte. Barka hatte natürlich keine Ruhe, denn ihre Welpen liefen inzwischen überall auf dem Grundstück herum und kamen immer wieder in die Nähe ihres Fressens. Dann knurrte sie gefährlich und schnappte nach den Kleinen. Mühsam versuchte sie die harten Knochen zu zermalmen und das zähe Fleisch hinunterzuwürgen. Das war kein schöner Anblick. Als sie satt war, begann sie damit, das restliche Fressen vom Grundstück zu tragen. Eazy erklärte, dass sie es außerhalb vergraben würde, um es in den nächsten Tagen zu fressen.

Barka frisst Speisereste mit Ugali

Barka frisst Speisereste mit Ugali

Obwohl die Hunde nun satt waren, bedauerte ich sie trotzdem. Was war das für eine grässliche Mahlzeit gewesen. Spontan fiel mir die Werbung für Rinti ein, die zu Hause häufig vor den Nachrichten gesendet wird. Wie würden sich Barka und Blacky und all die anderen Hunde in Tansania freuen, wenn sie einmal ein solches Futter bekämen. In dieser Nacht bellten die Hunde nicht. Sie hielten keine Wache und sie heulten auch nicht mit den vielen anderen im Chor. Tja, ein satter Wachhund ist scheinbar ein schlechter Wachhund. Aber ich gönnte es den beiden und genoss die ruhige Nacht.
Eine Episode der grausamen Art, möchte ich noch schildern.
Wir besuchten einen Freund von Eazy in Bagamoyo. Zufällig hatte auch dessen Hündin kleine Welpen. Sie lag mit ihren Jungen in einer Mulde, versteckt hinter einem Sandhaufen. Während wir mit dem Freund im Hof saßen und uns unterhielten, sah ich plötzlich einen abgemagerten Hund auf das Grundstück kommen. Er war jung und hatte ein hellbraunes Fell. Völlig unbedarft ging er auf den Sandhaufen zu, hinter dem die Hündin lag. Ich dachte noch, ob er vielleicht ein Hund aus einem früheren Wurf der Hündin sei und zum Haus gehörte. Doch dann schoss ohne Vorwarnung die Hündin hinter dem Sandhaufen hervor und stürzte sich auf den jungen Hund. Sie biss ihm sofort in die Kehle. Der Kleine schrie vor Schmerzen auf, konnte sich befreien und wollte weglaufen. Aber die Hündin setzte nach und biss ihn erneut, in die Kehle, ins Bein und in den Rücken. Eazys Freund war inzwischen aufgesprungen, riss die Hündin von dem jungen Hund los und legte sie an die Kette. Der verletzte Hund verkroch sich im Gebüsch, während sich die Hündin an der Kette wie toll gebärdete. Sie wollte natürlich nur ihre Welpen verteidigen. Ich hörte den jungen Hund eine Weile winseln. Niemand kümmerte sich um ihn, auch nicht auf meine Nachfrage. Es war wohl klar, dass er nicht überleben konnte. Und so hörte das Winseln auch schließlich auf.

Eazy`s Place, Hostel Dar es Salaam

Barka transportiert einen Welpen

Als die Regenzeit begann und wahre Sturzbäche vom Himmel kamen, wurde es Barka in ihrer Kuhle unter dem Arbeitstisch zu ungemütlich, denn ein Bach floss mitten durch die Kinderstube. Sie begann damit, ihre Kleinen auf die Terrasse des Gästehauses zu tragen. Einen Welpen nach dem anderen trug sie in der Schnauze hinüber. Doch als Thomas sie dabei entdeckte, trug er die Welpen wieder zurück. Die ganze Arbeit war umsonst gewesen. Abends trug Barka die Kleinen dann unter das Banda und Eazy erlaubte, dass sie dort für die Nacht bleiben durfte. Am nächsten Tag baute er einen Damm aus Erde, um den Bach abzuleiten. Barka musste unter den Tisch zurück.

Hund in Dar es Salaam, Stadtteil Quappi Pilipili

Hund in Dar es Salaam, Stadtteil Quappi Pilipili

Unterwegs habe ich viele streunende Hunde gesehen, alle dünn und scheu. Sie lagen auf den Feldern und auf Brachen, sie trotteten durch die Straßen oder saßen auf dem Mittelstreifen der Straßen. Gut sah keiner von ihnen aus.
Eazy hat Barka auf einem Markt für Haustiere gekauft. Hühner, Gänse, Ziegen und eben auch Hunde werden dort in Drahtkörben oder an Stricken zum Verkauf angeboten. So werden auch bald Barkas sieben Welpen verkauft werden. Mit viel Glück bekommt Eazy 10000,- TZS je Hund, umgerechnet 3,60 €.
Ich hoffe, dass die Kleinen ein gutes Zuhause finden werden.

Die Internetseite des Hostels Eazy`s Place findest du hier

Text, Video und Fotos: © Xenia Marita Riebe

 

Hunde in Dar es Salaam Teil 1

 

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