Ein edler Tropfen aus dem hohen Norden

Weingut Waalem Insel Föhr

Weinanbau auf der Insel Föhr

Wer die Nordseeinsel Föhr kennt, weiß, dass sie flach wie ein Pudding ist. Zwar gibt es einen Geestrücken – eine geomorphologische Landform in Norddeutschland, die während der Eiszeiten durch Sandablagerungen entstand – der mit 13,2 Meter über Normalnull die höchste Erhebung der Insel ist, aber Hügel oder gar Berge sucht man auf Föhr vergeblich.
Wer also hört, dass es auf Föhr seit ein paar Jahren einen Weinberg gibt, glaubt erst einmal an einen Scherz. Doch es existiert wirklich, das Weingut Waalem, das in Nieblum und Alkersum auf Föhr zwei Hektar Weinbaufläche bewirtschaftet. Hier werden seit einigen Jahren erfolgreich trockene Weißweine und der Föhrer Sekt (Waalem Brut) hergestellt.

Reserve Waalem, Wein Insel FöhrDer Föhrer Winzer heißt Christian Roeloffs und er baut die Rebsorten Johanniter und Solaris an, die robust genug sind, um im rauen Nordseeklima zu gedeihen.
Föhr wird auch die grüne Insel genannt, denn durch ihre Lage im Windschatten von Amrum und Sylt ist die Insel vor den stürmischen Einflüssen der Nordsee relativ geschützt. So kann sich dort die Vegetation gut entwickel, was natürlich auch dem Weinanbau zuträglich ist. Hinzu kommt noch der Klimawandel, der allgemein den Weinanbau in immer weiter nördlich gelegenen Regionen erlaubt.

Christian Roeloffs ist ein waschechter Friese, ein Landwirt aus Süderende, einem kleinen Dorf auf der Insel Föhr. Er hatte vor sechs Jahren die Idee, Wein auf Föhr anzubauen, nachdem er mit einem Freund darüber diskutiert hatte, ob im Zeichen des Klimawandels die Insel wohl mal zum Weinanbaugebiet werden könnte. Er wagte den Versuch und pflanzte einige Rebstöcke, die auch tatsächlich gut gediehen und deren Trauben Anlass zur Hoffnung gaben. Als aus diesem, ersten eher spielerisch gemeinten Versuch, schließlich Ernst wurde, mussten die „Wegbereiter des Weinbaus auf Föhr“ allerdings gerodet werden, denn es gibt Gesetze, die den Weinanbau reglementieren.

Weinbaurechte mussten her

2008 erhielt Schleswig-Holstein von Rheinland-Pfalz Anbaurechte für zehn Hektar Wein und es gelang, davon zwei Hektar für die Insel Föhr abzuzweigen. Aufwendige Klima- und Bodengutachten wurden gemacht und Vorschläge für geeignete Rebsorten eingeholt. Christian Roeloffs fand den Winzer Jens Heinemeyer aus dem rheinhessischen Biebelsheim, einen Spezialisten für Weinanbau in nördlicheren Bereichen. Dieser unterstützte den Föhrer Landwirt von Anfang an und steuert bis heute sein Fachwissen im Weingut Waalem bei.

Weinanbau auf Insel Föhr

Mit ihm zusammen beschloss Roeloffs es mit den Reebsorten Solaris und Johanniter zu versuchen, zwei äußerst robusten und dem Klima angepassten Weißwein-Rebsorten.
2009 begann der Landwirt mit der Anpflanzung der Weinstöcke, von denen er rund 5000 Pflanzen auf einen Hektar Land Platz pflanzte.
Jährlich investierte er nun rund 1600 Arbeitsstunden pro Hektar in sein neues Geschäftsmodell, denn Weinanbau ist eine ganz besonders pflegeintensive Angelegenheit. So ist vor allem Roeloffs Sohn Lenz mit ein paar Helfern in den Föhrer Weinfeldern aktiv.
Im März beginnt die Arbeit mit dem Rückschnitt der Reben. Die Triebe müssen danach angeheftet oder ausgebrochen werden. All dies ist Handarbeit. In dieser Zeit fällt auch die Bodenbearbeitung an. Inzwischen verfügt Roeloffs über einen speziellen schmalen Weinbergtrecker zum Grubbern und Fräsen des Bodens. Die Föhrer Weinbauern legen großen Wert darauf, dass in ihren „Weinbergen“ weder gedüngt noch gespritzt wird.

Weingut Waalem Insel Föhr

Reserve Waalem – Ein echtes Inselprodukt

Heute produziert Roeloffs zusammen mit seinem Sohn Lenz, der sich schnell mit dem Virus des Weinanbaus infizierte, den Föhrer Wein auf der Insel, unterstützt durch das Waalem-Team.
Dabei ist der Reserve Waalem ein echtes Inselprodukt. Vom Anbau der Reebstöcke, über die Pflege bis hin zum Korken, wird alles auf Föhr gemacht.
Nach drei Jahren des Hegens und Pflegens konnte 2011 erstmals auf Föhr die Weinlese beginnen. Und der Ertrag konnte sich sehen lassen. Nach der Gärung war dann auch deutlich, dass der Wein einen sehr guten fruchtigen Geschmack hat, obwohl Skeptiker zuvor ihre Zweifel angemeldet hatten. Ein Refraktometer, ein Gerät zur Messung des Oechsle-Grades im Wein, wurde angeschafft. Inzwischen werden jährlich 5000 bis 7000 Liter Wein auf Gut Waalem gepresst. Dazu reist nach der Lese Jens Heinemeyer mit seiner mobilen Presse auf die Insel. Der gewonnene Most lagert dann auf Föhr in Edelstahltanks und reift im temperierten Lagerraum zum original Föhrer Wein heran. Überwacht wird er in dieser Phase von Lenz Roeloffs. Auch abgefüllt wird der Wein auf Föhr. Dazu kommt ein Fachmann mit einer Abfüllanlage auf die Insel. Dieser nimmt einen Teil des Grundweines der Johannitertraube mit nach Rheinland-Pfalz, dort reift der Inselwein dann zum Sekt heran.
Das Duo, Vater und Sohn Roeloffs, kann sich stolz als erste Winzer auf der Insel Föhr bezeichnen.
Fasziniert beobachten sie ihre Reebstöcke und freuen sich über das Interesse der Urlauber an ihren zwei Hektar Weingärten. Christian Roeloffs hofft inzwischen auf eine Liberalisierung des Weinanbaurechtes. Das würde ihm die Möglichkeit geben, seine Weinfelder zu vergrößern.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Hier noch eine kleine humoristische Ergänzung der Bloggerin:

Vor vielen Jahren saß ich mit Freunden am Rhein in einer Gaststätte, die zu einem Weingut gehörte. Als der Kellner kam bestellten meine Freunde Wein, was natürlich der Situation angemessen war. Doch ich zögerte, denn mir ging es nicht so gut und ich wollte mich deshalb vorerst – es war erst Nachmittag – zurückhalten.
Also sagte ich: „Ich hätte gerne einen Kaffee.“
Der Kellner schaute mich verdutzt an, so, als hätte ich gerade einen Witz gemacht.
Dann sagte er ein wenig unfreundlich: „Kiek ens ut em Finster Mättche. Is dat hee ene Wienberg oder en Kaffeeplantage?“

Tja, das war eindeutig. Ratet, was ich bestellte. 🙂 🙂 🙂

Für alle, die einmal ein paar Tage auf der Insel Föhr verbringen wollen, hier der Link zu der Ferienwohnung meiner Freundin Ellen Faltings. Das Rosenhaus

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Kürzlich habe ich auf Föhr aus meinem neuen Roman gelesen. “Alaska Highway Mile 895” spielt auch im Norden, allerdings im hohen Norden von Kanada.

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