Vertraulicher Entwurf des IPCC- Klima-Berichts warnt: Nur noch vier Jahre Zeit

In etwa vier Jahren müsste der Höhepunkt des Kohlendioxidausstoßes erreicht sein.
Kommt er später, ist das Ziel von maximal zwei Grad Celsius globaler Erwärmung nicht mehr zu schaffen.
Teil drei des IPCC Reports AR6 soll nicht vor dem nächsten März veröffentlicht werden, aber eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern hat beschlossen, den Entwurf über den spanischen Zweig von Scientist Rebellion, einem Ableger der Extinction Rebellion-Bewegung, zu veröffentlichen. Es wurde erstmals vom Journalisten Juan Bordera im spanischen Online-Magazin CTXT veröffentlicht.
„Es wäre notwendig, dass die CO2-Emissionen vor 2025 ihr Maximum und zwischen 2050 und 2075 netto null erreichen“.

„Es sollten keine neuen Kohle- oder Gaskraftwerke gebaut werden und die bestehenden sollten ihre Nutzungsdauer“, die typischerweise mehr als 30 Jahre beträgt, auf etwa 10 Jahre verkürzen.“
Die Erfüllung des Pariser Klimaschutzabkommens sei kaum mehr möglich, schreiben die Autoren. Allein die derzeit in Planung stehenden fossilen Kraftwerke werden noch Emissionen von fast 850 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid ausstoßen – die Hälfte wäre nötig, um die avisierten 1,5 Grad Erderwärmung einzuhalten. Aber auch ein Ziel von zwei Grad Temperaturanstieg ließe nur 870 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid zu. Neue oder in Planung stehende Anlagen etwa in China und der Türkei seien in der Rechnung nicht mit inbegriffen.

Solar und Wind machen bisher nur 7% der Stromerzeugung aus
„Der bisher auf globaler Ebene umgesetzte technologische Wandel reicht nicht aus, um die Klima- oder Entwicklungsziele zu erreichen. Seit 2010 sind die Kosten für erneuerbare Technologien über den Erwartungen gefallen (insbesondere Solar -87% und Batterien -85%), aber insgesamt machen Solar und Wind 7% der Stromversorgung aus. Die erwarteten Fortschritte bei anderen Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und -sequestrierung, Kernkraft und CDR (Kohlendioxidentfernung) waren viel weniger hoffnungsvoll.

Die reichsten 10% sind für fast die Hälfte der Emissionen verantwortlich
Die Top 10 % Emittenten weltweit, die reichsten 10 %, tragen zwischen 36 und 45 % der Emissionen bei, das ist zehnmal so viel wie die ärmsten 10 %, die nur für etwa drei bis 5 % verantwortlich sind, stellt der Bericht fest .
„Das Konsumverhalten von Verbrauchern mit höherem Einkommen ist mit einem großen CO2-Fußabdruck verbunden. Die Top-Emittenten dominieren die Emissionen in Schlüsselsektoren, beispielsweise entfallen 50 % der Emissionen des Luftverkehrs auf das oberste 1 %“, heißt es in der Zusammenfassung.

Veränderung des Lebensstils in den reichen Ländern notwendig
Der Bericht unterstreicht die notwendigen Veränderungen des Lebensstils, insbesondere in den reichen Ländern und bei den Wohlhabenden weltweit. Der Verzicht auf Überhitzung oder Überkühlung von Häusern,Zu Fuß gehen und Radfahren, die Reduzierung des Flugverkehrs und die geringere Nutzung energieverbrauchender Geräte können alle erheblich zur Reduzierung der erforderlichen Emissionen beitragen, so der Bericht.

Die Essgewohnheiten müssen sich ändern – Verzicht auf Fleisch
Auch die Essgewohnheiten in vielen Teilen der reichen Welt müssen sich ändern. „Eine Umstellung auf eine Ernährung mit einem höheren Anteil an pflanzlichem Eiweiß in Regionen mit übermäßigem Kalorienverbrauch und tierischen Lebensmitteln kann zu erheblichen Emissionsreduktionen führen und gleichzeitig gesundheitliche Vorteile bringen „Pflanzliche Ernährung kann die Emissionen um bis zu . reduzieren 50 % im Vergleich zur durchschnittlichen emissionsintensiven westlichen Ernährung“, heißt es in dem Bericht.
So wird der Agrarsektor von den Autoren kritisiert: „In den Szenarien, die die Erwärmung auf 1,5 und zwei Grad begrenzen, müssen Land- und Forstwirtschaft ihre Maßnahmen zur Emissionsminderung innerhalb dieses Jahrzehnts um das Fünffache und bis 2050 um das Zehnfache steigern.”

Die nächsten Jahre sind entscheidend
Die Reduzierung der Emissionen im nächsten Jahrzehnt wird entscheidend sein, die globale Erwärmung auf 1,5 °C des vorindustriellen Niveaus zu halten, jenseits dessen die Auswirkungen des Klimawandels weit verbreitete Verwüstungen verursachen werden. „Schwächere kurzfristige Maßnahmen würden eine Begrenzung der Erwärmung auf dieses Niveau außer Reichweite bringen,
Die Autoren rechnen vor, dass nur 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung mitmachen müssten: „Dann entwickeln sich neue gesellschaftliche Normen.“ Besonders für Menschen mit „hohem sozioökonomischen Status“ sei Verzicht zum Schutz des Klimas möglich.

The draft report was leaked by a small group of scientists to the Spanish branch of Scientist Rebellion, an offshoot of the Extinction Rebellion, and was published by journalist Juan Bordera in the Spanish online magazine CTXT.

Bernd Riebe Text/Foto, 20.AUG 2021

Zum Thema: ipcc-report-2021-klima-im-wandel-die-zeit-wird-knapp

 

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