Mit dem 9 Euro-Ticket nach Tokyo

Was man mit dem 9 Euro Ticket nicht alles erleben kann! Selbst ein Besuch in Tokyo ist möglich.

Neulich wollten wir nach Tokyo. Die Frage war nur, wie sollten wir reisen. Per Schiff oder per Flugzeug? Nein, natürlich mit der Bahn, denn in Deutschland gibt es im Sommer 2022 das 9 Euro-Ticket.

Wie soll denn das gehen?, fragst du dich jetzt. Das ist doch ganz einfach, antworte ich dir.

Ich muss vorwegschicken, dass wir in Mönchengladbach wohnen, was bekanntlich linksrheinisch und in der Nähe von Düsseldorf liegt.

Du denkst jetzt bestimmt: Na klar, mit dem 9 Euro-Ticket zum Düsseldorfer Flughafen und von dort mit dem Flieger weiter nach Tokyo. Das ist doch geschummelt!

Keineswegs, du wirst schon sehen.

Wir fuhren mit dem RE13 von Mönchengladbach und überquerten kurz vor Düsseldorf den Rhein, der friedlich dahinfloss und in der Sonne glänzte. Das Wetter war herrlich, ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Im Düsseldorf Hauptbahnhof angekommen gingen wir zum Hauptausgang, überquerten den Bahnhofsvorplatz und die Schienen der Straßenbahn, folgten der Karlstraße für ca. 200 Meter und bogen dann nach links in die Immermannstraße.
Und schon waren wir in Tokyo!

Zugegeben, es war nur Little -Tokyo, wie ein paar Straßenzüge in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhof genannt werden. Aber es wirkte sehr echt. Alle Geschäfte und Restaurants sind in japanischer Hand, ja, selbst ein großes Hotel. Japanische Schriftzeichen, wohin du schaust. Selbst die Namen auf den Straßenschildern sind mit japanischen Schriftzeichen untertitelt.

Unser Weg führte uns zuerst zu einer Bäckerei, denn wir hatten gelesen, dass es dort japanisches Gebäck und Spezialitäten gibt. Die Bäckerei ziert ein großer roter Vogel mit ausgebreiteten Flügeln, und ist deshalb nicht zu verfehlen. Wir wollten unbedingt Macchateig mit süßen Rotbohnen probieren und auch die Melonenbrötchen, die köstlich duften und schmecken sollen. Auch träumten wir von einem duftenden japanischen Tee, den wir zu unserem exotischen Frühstück trinken wollten. Als wir die Bäckerei betraten, waren wir ziemlich enttäuscht, denn es war sofort ersichtlich, dass es dort keine Tische und Stühle gab. Okay, dachten wir, dann kaufen wir eben etwas und essen es auf einer der orangefarbenen Bänke, die es in Little Tokyo überall gibt und die abends von Straßenlaternen in der Form von Ikebana-Kranichen beleuchtet werden. Wir erstanden ein Earl-Grey-Melopan und ein Bananen-Melopan, zwei Brötchen mit roter Bohnenpaste und Dorayaki mit süßem Bohnenmus. Das war alles sehr köstlich und so gestärkt, machten wir uns auf den Weg durch Tokyo.

Besonders interessierten uns die Buchhandlungen, von denen es allein auf der Immermannstraße zwei sehr gut sortierte gibt. Freilich ist es für Leute, die kein Japanisch lesen können, eigentlich sinnfrei in eine japanische Buchhandlung zu gehen. Aber es ist eben doch interessant, Bücher mit japanischen Schriftzeichen durchzublättern, allein, weil sie so fremdartig und exotisch aussehen. Und dann gibt es ja auch noch die Mangabücher, die fast ohne Schriftzeichen auskommen, weil die Gefühle der handelnden Figuren durch spezielle Merkmale in den Zeichnungen deutlich werden.

Wir trafen in einem Laden, der auf Mangas und Cosplay spezialisiert ist, zwei Cosplayer und staunten nicht schlecht, über die fantasievollen Kostüme der beiden.

Zum Schluss musste ich einfach noch einen Blick in ein Geschäft mit japanischen Haushaltswaren und Porzellan werfen. Na ja, aus dem Blick wurde dann ein längerer Aufenthalt, denn ich war entzückt von den schönen japanischen Reisschalen und Teeservice, die dort neben anderen wunderbaren Dingen angeboten wurden. Natürlich verließ ich den Laden nicht ohne ein schönes Schälchen, das ich eigentlich nicht brauche, weil ich schon etliche Schalen aus vielen Ländern mein eigen nenne.

In Little Tokyo eines der vielen Restaurants zu besuchen, die japanische Spezialitäten anbieten, dazu kamen wir leider nicht, denn sie waren noch geschlossen.

Ich nahm mir aber vor, bei unserem nächsten Besuch in Tokyo eines der angeblich erstklassigen Ramen zu essen und auch Bubble Tea, Taiyaki und Matcha Softeis zu probieren.

Wir wollen nur hoffen, dass wir auch im September noch mit dem 9 Euro Ticket nach Tokyo fahren können, auch wenn es nur Little Tokyo in Düsseldorf am Rhein ist.

Text:  © Xenia Marita Riebe

Fotos: © Bernd Riebe

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1 Kommentar zu „Mit dem 9 Euro-Ticket nach Tokyo

  1. Was für eine schöne Geschichte und Idee, klasse 👍
    Es ist wunderbar, eine Umgebung zu sehen, die eigentlich in einem ganz anderen Land liegt, so weit weg und doch ganz nah…..
    Und das alles für 9€:)))

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