9 Euro -Ticket beim Zugpersonal der Bahn nicht gern gesehen

Kommentare von Zugbegleitern und Lockführern, die Reisende, die mit dem 9 Euro-Ticket unterwegs sind, als Passagiere der letzten Klasse herabwürdigen.

Neulich waren wir mal wieder mit dem Zug unterwegs. Unsere Reise ging nach Andernach, wo wir ein Wochenende verbringen wollten.

Zur Erklärung: Mein Mann Bernd und ich reisen seit Jahrzehnten mit der Bahn, in Deutschland und auch international.

Nun gibt es in diesem Sommer (2022) ein besonderes Ticketangebot, das 9 Euro-Ticket. Dieses wurde von der Bundesregierung für drei Monate eingeführt, um die BürgerInnen in der Zeit der Inflation zu entlasten. Neben der Erhöhung der Pendlerpauschale und der Senkung der

ist das 9 Euro-Ticket dazu gedacht, Verbräuche zu senken, dadurch die Umwelt zu schonen und die Klimaziele einzuhalten. Es ist also politisch gewollt.

Von den BürgerInnen wird dieses Ticket sehr gut angenommen, trägt es doch dazu bei, ein wenig Geld zu sparen. Vor allem NutzerInnen von Monatskarten werden durch das Ticket entlastet.

Das 9 Euro-Ticket soll auch dazu dienen, Menschen, die normalerweise nicht den öffentlichen Nahverkehr nutzen, mit Bus und Bahn in Berührung zu bringen und sie vielleicht so dazu zu bewegen, häufiger mit dem ÖPNV zu fahren.

Das Konzept geht augenscheinlich auf, denn Busse und Bahnen sind in diesem Sommer sehr gut ausgelastet.

Doch nun zurück zu unserer Fahrt nach Andernach, auf der wir gleich mehrfach – auf dem Hin-und Rückweg – vom Zugpersonal herabklassifiziert worden sind.

Zugegeben: Die Züge des Eisenbahnverkehrsunternehmens national express (RE 5) nach Koblenz und zurück waren ziemlich voll. Aber berechtigt das den Zugführer, Lautsprecherdurchsagen wie diese zu machen?

„9 Euro-Leute gern gesehen, aber nehmen Sie bitte die Taschen und Rucksäcke von den Sitzen und halten sie die Türen frei.“

„Das 9 Euro-Ticket ist nur in der 2. Klasse gültig. Wer damit in der 1. Klasse erwischt wird, muss 60 Euro Strafe zahlen.“

„Stehen Sie auf, die Stufen sind keine Sitzplätze, auch nicht mit dem 9 Euro-Ticket!“

„Wenn Sie jetzt lang genug rausgeguckt haben, treten Sie einen großen Schritt zurück, damit die Türen schließen und wir endlich weiterfahren können.“

Diese Durchsagen wurden alle in einem sehr unfreundlichen Ton gemacht, wobei darauf aufmerksam gemacht wurde, das der Lokführer alles über die Kameras in den Wagen sehen könne, auch die Tasche von Gucci, die ja wohl kein eigenes 9 Euro-Ticket hat.

Dass man Reisende nicht mehr als Fahrgäste bezeichnet, sondern sie mit dem Preis ihres Tickets betitelt, ist schon sehr abwertend (vom Ton ganz zu schweigen). Und dass man unterstellt, das alle Fahrgäste einen Zug nur benutzen, weil sie günstig fahren können, stimmt so einfach nicht.

Ich hatte das Gefühl, als wäre ich mit einem Gutscheinbuch in ein Restaurant zum Essen gekommen und so als Geizhals entlarvt worden. (Auch das ist natürlich nicht richtig, denn die Restaurants entscheiden sich ja aus Werbezwecken freiwillig zur Teilnahme an solchen Büchern)

Doch mal ehrlich: Wenn die Bundesregierung ein spezielles Ticket mit 2,5 Milliarden Euro Steuergeldern subventioniert, warum sollte ich als Reisende und Steuerzahlerin dieses Ticket verschmähen und stattdessen ein Ticket zum Normalpreis kaufen? Welchen Sinn würde das machen?

Und darf ich nicht damit rechnen, als Reisende freundlich behandelt zu werden, wenn ich dem Wunsch der Bundesregierung entspreche, das 9 Euro-Ticket benutze und dafür den PKW stehen lasse?

Ist das, was sich manche Zugbegleiter herausnehmen nicht kontraproduktiv? Sollten sie nicht eigentlich beweisen, wie komfortabel man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reist, damit PassagierInnen auch langfristig das Angebot der Bahn nutzen? Ist es nicht positiv zu sehen, dass so viele Menschen das Angebot annehmen, unkompliziert und preiswert mit der Bahn reisen und ganz nebenbei auch noch die Umwelt schonen?

Die FahrgästInnen sollten auch als solche gesehen und angesprochen werden und nicht zu einer lästigen Masse von zu transportierenden Individuen herabgewürdigt werden. Hier täten Schulungen des Personals der Bahn (insbesondere bei national express) Not.

Text und Foto: © Xenia Marita Riebe

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