Benn -Viele Herbste – Ein düster melancholischer Rückblick

Viele Herbste – Gottfried Benn

Wenn viele Herbste sich verdichten
in deinem Blut, in deinem Sinn
und sie des Sommers Glücke richten,
feg doch die fetten Rosen hin,

den ganzen Pomp, den ganzen Lüster,
Terrassennacht, den Glamour-Ball
aus Crepe de Chine, bald wird es düster,
dann klappert euch das Leichtmetall,

das Laub, die Lasten, Abgesänge,
Balkons, geranienzerfetzt –
was bist du dann, du Weichgestänge,
was hast du seelisch eingesetzt?

Das Gedicht liest sich wie ein melancholisch düsterer Rückblick auf das Leben. In einer Art auktorialer Erzählsituation wird das DU konfrontiert mit dem Herbst des Lebens. Es spürt die vielen erlebten Herbste sich verdichten, ununterscheidbar nun, doch spürbar in Blut (Körper) und Sinn (Geist). Im jahreszeitlichen Bild wird nun des Sommers Glück gerichtet, hinweggefegt die fetten Rosen, Attribute des leichten Lebens, Pomp, Lüster, Glamour-Ball, das düstere Ende, der Winter, naht, verbunden mit ebenso düsteren Prophezeiungen. Dann klappert euch das Leichtmetall, Laub, Lasten, Abgesänge – alles Synonyme für das Vergängliche, Zerbrechliche bis hin zu den geranienzerfetzten Balkons als ultimatives Symbol der Zerstörung. Und schließlich die Sinnfrage, wofür das alles, bleibt etwas, für das es sich lohnt zu leben, was hast du seelisch eingesetzt?

Bernd Riebe

©Foto und Skulptur: Xenia Marita Riebe

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