Sui Kings – Von Köln nach Whitehorse

Flugzeug Frankfurt Airport

Eigentlich denkt jeder, dass eine Reise von Deutschland nach Kanada in der heutigen Zeit kein größeres Problem darstellen sollte. Der Passagier kann alles im Voraus per Internet buchen, bezahlen und vorbereiten, wie auch Sui es machte. Die Flugreise war gebucht, Rail- and Fly inbegriffen – was sollte also passieren?
Doch es geschah etwas Unvorhersehbares. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verspürte plötzlich Lust, in Afrin, einer Stadt im Kurdengebiet in Syrien einzumaschieren, um die gesamte Grenze zu Syrien von Terroristen zu säubern und benutzt dabei auch Leopard 2 Panzer aus deutscher Produktion. Deshalb wurde eine Demonstration der Kurden Deutschlands mit erwarteten 20 000 Teilnehmern organisiert, die ausgerechnet an Sui Kings Abreisetag stattfinden sollte. Die Deutsche Bahn gab deshalb bekannt, dass es in und um den Kölner Bahnhof zu erhöhtem Aufkommen von Passagieren kommen könne und dass bei Züge aus Köln deshalb mit erheblichen Verspätungen zu rechnen sei.
Nun reist Meggi mit Sui zum Yukon Quest. Und Meggy hat einen netten zuvorkommenden Chef, der sich anbot, die beiden mit dem Auto nach Frankfurt zu bringen. Erleichtert nahmen Meggy und Sui das Angebot an. Doch das böse Erwachen kam am Schalter der Lufthansa. Die beiden wollten einchecken und wurden von der jungen Dame hinter dem Schalter nach ihrer Bordkarte gefragt. Diese aber hatten weder Sui noch Meggy. Was die beiden wahrscheinlich übersehen hatten oder für nicht so wichtig erachteten, war, dass ihr Flug von der Deutschen Bahn durchgeführt wurde. Und Bedingung hierfür war, dass der Passagier zwingend vor Antritt der Reise online einchecken musste, um so in den Genuss des kostenlosen Bahntransfer nach Frankfurt zu kommen.
Nun erklärte die junge Frau hinter dem Lufthansaschalter, dass es ihr leid täte, aber durch die Anreise nach Frankfurt mit dem Auto, hätten Sui und Meggi die Reise nicht in Köln angetreten und hätten jetzt einen Direktflug von Frankfurt nach Whitehorse mit 380,- € Aufpreis pro Person. Sui fiel aus allen Wolken. Er wollte doch einfach nur dem Chaos am Hauptbahnhof in Köln ausweichen und sollte nun dafür bestraft werden. Dies versuchte er zu erklären. Er sprach mit Engelszungen auf die junge Frau hinter dem Schalter ein, die aber nur die Schultern zuckte. So seien eben die Bedingungen des Fluges. Onlin einchecken oder nachzahlen.
Aber Sui ließ sich so leicht nicht abwimmeln. Er verlangte den Vorgesetzten zu sprechen und erklärte diesem die Situation. Der Mann zeigte Verständnis, konnte aber den Fall nicht selbst entscheiden. Er müsse telefonieren, meinte er und verschwand. Nach Minuten, die sich endlos zu dehnen schienen, kam er zurück und erklärte freudig, dass die Lufthansa aus Kulanzgründen akzeptiere, dass Sui und Meggy, aus Sorge zu spät nach Frankfurt zu kommen und um der Demonstration der Kurden auszuweichen, mit dem Auto angereist seien. Der Aufpreis von 380,-€ wurde ihnen erlassen und sie konnten schließlich einchecken.
Sui Kings wörtlich: „Hätten wir das gewusst, hätten wir ganz sicher nicht das Auto von Köln genommen und die ganze Aufregung und der kreisrunde Haarausfall wäre uns erspart geblieben. 🙂
Dann ging es in das Sheraton Hotel, um dort noch ein paar Stunden bis zum Abflug zu schlafen. Das opulente „Full English Breakfast“ entschädigte die beiden am frühen Morgen für die erlittenen Strapazen vom Vortag.

Full English Breakfast
Der Flug von Frankfurt nach Vancouver verlief dann ruhig, wenn auch mit etwas verspäteter Landung. Die Zolldeklaration wird heute nicht mehr im Flugzeug ausgefüllt, sondern nach der Landung in Vancouver. Dort stehen vor dem Emigrationsschalter viele Automaten, an denen man das Papier ausfüllen kann, sogar auf Deutsch. Danach wird auf Knopfdruck noch ein Foto vom Einreisewilligen gemacht und das fertige Emigrationsformular wird ausgedruckt. Damit geht der Passagier nur noch zum Schalter, zeigt es vor und kann einreisen. Das geht recht zügig.
Suis und Meggys Gepäck kam vollständig und unbeschädigt vom Band. Doch sie waren noch nicht am Ziel angekommen. Es galt, weitere acht Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Whitehorse zu überbrücken.
Doch dann kam Inge. Sie lebt in Vancouver und ist eine gute Bekannte von Sui. Sie kam extra zum Flughafen und lud Sui und Meggy zum Essen ein. Originalton Sui: „Das liebe ich doch!!!“

Am Abend konnte die Maschine nach Whitehorse wegen Überbuchung nicht pünktlich starten. Passagieren, die sich darauf einließen, bis Sonntagabend um 20:50 Uhr zu warten, wurde eine Prämie von 800,-Dollar und die Garantie auf einen Sitzplatz in diesem Flugzeug angeboten. Trotz des verlockenden Angebots, entschieden sich unsere Yukon Quest Fans dagegen. Nach mehr als zwei Stunden weiterer Flugreise, nun schon mehr als 28 Stunden unterwegs, erreichten die beiden Whitehorse.
Der Flughafen in Whitehorse weist eine Besonderheit auf. Am Ende der Landebahn erstreckt sich eine weite tiefe Schlucht. Deshalb ist jeder Passagier, der davon Kenntnis hat, sehr froh, wenn seine Maschine sicher gelandet ist. Wer will schon mit dem Flugzeug in eine Schlucht fallen?

northerntales
In Whitehorse betrug die Außentemperatur -24° und Sui, als alter Freund der Arktis, freute sich, die winterliche Luft einzuatmen. Er und seine Begleiterin Meggy wurden von einer weiteren Bekannten, Erika, mit einem Kleinbus abgholt. Auf der Fahrt zum Hotel klopfte zum ersten Mal die Wildnis an die Tür. Zwei Füchse liefen über die einsame Hauptstraße von Whitehorse.
Im Hotel wartete auf Sui eine erfreuliche Überraschung. „Welcome Back Suilein“ stand auf einem weißen Blatt Papier. Darunter ein Hundefoto und das Wort „Cheerio! Daneben eine Flasche kühles Yukon Bier mit der Aufschrift „Lead Dogs“ und einem Bild mit Schlittenhunden darunter. Was will man mehr! Nach dem herzlichen Empfang kann das Abenteuer Yukon Quest 2018 beginnen!
Yukon Beer

Text: © Xenia Marita Riebe
Fotos: © Sui Kings

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2 Kommentare zu “Sui Kings – Von Köln nach Whitehorse
  1. Susan Hartmann sagt:

    Ein wunderbarer Bericht und es hat viel Spaß gemacht ihn zu lesen. So begann das Abenteuer schon in Deutschland. Viel Erfolg allen Teilnehmern am yukon quest!

  2. Frank Schmitz sagt:

    Super Story. Macht weiter so! Sui auf all seinen Wegen.

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