Irisches Tagebuch – 9.11.217 – Von Schweinen, Kälbern und gutem Käse

Ein Besuch auf der Gubbeen Farm in Schull

Nach dem Frühstück arbeite ich ein wenig. Mein gestriger Tagebucheintrag ist noch nicht fertig und wartet darauf, auf den Blog gestellt zu werden. Außerdem habe ich eine Kaufanfrage meine Skulpturen betreffend und ich versuche, von hier aus etwas in die Wege zu leiten. Ich stelle den Kontakt zu meinem belgischen Galeristen her und hoffe, dass er helfen kann.
Gegen Mittag bleibt noch Zeit für eine Wanderung auf dem Colla Circle, allerdings mit einer Abkürzung über den Berg. Die Sonne scheint und es ist mild. Das Wetter verwöhnt uns. Auch unsere Freunde, die „Wadenbeißer sind heute friedlich. Sie begrüßen uns schwanzwedelnd, aber ich traue ihnen nicht so recht. Der Esel steht heute in der Nähe des Weges und ich streichele ihn ein wenig. Der Ziegenbock trägt immer noch sein grünes Accessoire, aber sie hat sich schon ein bisschen abgenutzt.

Wir wollen wissen, wo der gute Gubbeen Käse gemacht wird und unser Freund Tom führt uns nachmittags zur Gubbeen Farm. Sie ist etwa 100 ha groß und hier leben 125 British Friesian-, Simmenthaler-, Jersey- und Kerry-Rinder und beinahe ebenso viele Schweine. Die Schweine werden zum Teil mit der Molke gefüttert, die bei der Käseproduktion anfällt und liefern das Fleisch für die Wurstprodukte, die hier hergestellt werden.
Gubbeen House ist seit 5 Generationen im Besitz der Familie Ferguson. Giana Ferguson, die heute für die Käseproduktion verantwortlich ist, wuchs in der Nähe von Malaga in Spanien auf, wo sie Ziegenkäse herstellte. Nach ihrer Hochzeit mit Tom Ferguson in den frühen 1970er Jahren übernahm sie die Käseproduktion auf der Farm, die Tom von seinem Vater übernommen hat. Tom kümmerte sich um die Milchkuh-Herde und Sohn Fingal hat eine Räucherei auf dem Farmgelände gebaut. Darin räuchert er nicht nur einen Teil des Gubbeen-Käses, sondern auch Lachs und andere Fische, sowie Salami, Chorizo.
Die Herstellung des Gubbeen Cheese geschieht überwiegend in Handarbeit und erfordert tiefgreifende Kenntnisse. So wird der Käse täglich von Hand mit einer Mischung aus Wasser, Salz, natürlichen Bakterien und etwas Weißwein begossen und der Reifeprozess minutiös überwacht.
Gubbeen Cheese ist ein halbfester Schnittkäse aus pasteurisierter Kuhmilch. Seinen Namen hat er vom gälischen Wort Gobín (kleiner Bissen, ein kleiner Mund voll). Das ist auch der Name einer kleinen Meeresbucht in der Nähe der Farm.

Die Schweinezucht

Auf der Farm gibt es viel zu sehen. Zum Beispiel die Schweinezucht. Der Geruch nach Schweinen schlägt uns schon entgegen, als wir die Autotür öffnen. Tom führt uns in den Stall und ich traue meinen Augen nicht. Der Stall ist mit etwa 80 cm hohen Betonwänden in vier gleichgroße Buchten eingeteilt. In jeder Bucht leben ca. 50 Ferkel auf Stroh. Es gibt recht junge Ferkel, aber auch solche, die man als Jugendliche bezeichnen könnte. Es herrscht hier ein ziemlicher Lärm. Die Ferkel grunzen und quieken und rennen unruhig in ihren Abteilen herum. Als sie uns sehen, kommen einige angelaufen und stecken ihre Rüssel durch das Eisengatter. Jemand hat ihnen alte Zeitungen und Kartons hingeworfen und sie scheinen damit zu spielen. Sie jagen einander quiekend die Zeitungsseiten ab, turnen übereinander weg und beißen sich auch manchmal. Es herrscht ein wahrer Konkurrenzkampf um die besten Zeitungsseiten. Hat ein Ferkel eine erwischt, läuft es los und versucht sie in einer Ecke zu zerreißen, bevor ein anderes Ferkel sie ihm wegnehmen kann. Die Ferkel haben unterschiedliche Farben. Von schwarz, gefleckt, über rosa bis weiß ist hier alles vertreten. Ich sehe auch Verletzungen durch Beißen. Einige Ferkel haben keinen Schwanz mehr, oder ihnen fehlen Teile ihrer Ohren. Andere bluten an Schwanz oder Ohren. Mir als Vegetarierin gefällt die Schweinezucht gar nicht, wenn die Ferkel auch niedlich sind. Die jüngsten Ferkel dürfen übrigens den Stall allein verlassen. Sie schlüpfen einfach durch ein Gitter hindurch und sind draußen. Auf dem Hof laufen sie dann zwischen den Hühnern und Hähnen herum, bis sie auf dem selben Weg wieder in den Stall zurückkehren.
Wir besuchen auch eine Sau, die gerade geworfen hat. Die arme Sau liegt auf der Seite, eingepfercht in ein Metallgerüst. Sie kann sich kaum bewegen. Die Ferkelchen laufen um sie herum. Es sind 11 Stück, gerade zwei Tage alt. Sie stehen meist unter einem Rotlicht oder trinken an den Zitzen ihrer bewegungsunfähigen Mutter. Wir lernen, dass diese Maßnahme ergriffen werden muss, damit die Sau sich nicht aus Unachtsamkeit auf ihre Ferkel legt und sie erdrückt. Das mag zwar sinnvoll sein, aber ich finde es recht grausam.

Alles in allem versucht Familie Ferguson von der Gubbeen Farm ihre Tiere so natürlich wie möglich zu halten und aufzuziehen. Ich habe noch keine Massentierhaltung besucht und möchte das Elend dort auch gar nicht sehen. Aber auch hier auf der Farm steht die Fleisch- und Käseproduktion im Vordergrund und das Tier ist nur der Rohstofflieferant. Die Milchkühe weiden zum Glück auf den saftigen irischen Wiesen und werden nur zum Melken und Schlafen in den Stall gebracht, der bei unserem Besuch verwaist ist.

Nur ein paar Kälbchen stehen in einer Box. Leider trinken sie auch hier ihre Milch aus dem Eimer, statt bei ihren Müttern zu sein und am Euter zu saugen. Arme Kälbchen. Ich spreche ein wenig mit ihnen und sie schauen mich zutraulich an.

Schweine auf der Weide

Ein wenig versöhnt mit der Viehzucht zur Fleisch- und Wurstproduktion werde ich, als wir die erwachsenen Zuchtschweine besuchen, die auf einer Wiese unter freiem Himmel herumlaufen. Ihnen scheint es gut zu gehen. Sie dösen in der Sonne oder gehen gemütlich herum. Manche laufen auch im Schweinsgalopp über die Wiese oder graben mit der Schnauze den Weideboden um. Wir dürfen die Weide betreten und kommen ganz nah an die Schweine heran. Diese sind sehr friedlich und meine anfänglichen Bedenken legen sich schnell. Die Schweine sind groß und kräftig und da auch eine Reihe Eber darunter sind, befürchte ich anfangs, dass sie uns angreifen und umrennen könnten. Aber sie kümmern sich kaum um uns. Ich glaube, ich könnte sie auch anfassen. Aber ich bin zu bange. Typisch Stadtkind, dabei hatten wir in meinem Elternhaus auch eine Menge Tiere. Es gab einen Hund, mehreren Katzen, die immer wieder Junge bekamen, eine Gans, einen Hamster und mehreren Wellensittiche. Als mein Opa noch lebte, hatten wir auch Hühner und Kaninchen. Auch diese wurden geschlachtet und gegessen. Doch ich erinnere mich daran, dass mir das damals auch schon zugesetzt hat, auch wenn ich schon in der Grundschule einen schönen Mantel aus Kaninchenfell hatte.
Die freilaufenden Schweine gefallen mir jedenfalls so sehr, dass wir noch ein wenig auf der Weide bleiben wollen. Deshalb fährt Tom allein mit dem Auto zurück und wir gehen später zu Fuß zum Cottage.

Der Besuch auf der Gubbeen Farm war sehr aufschlussreich und interessant. Jetzt weiß ich, wie viel Arbeit und Know How hinter der Produktion der kleinen runden Käselaibe steckt.
Beim Abendbrot schmeckt mir der Käse jetzt noch mal so gut, den wir auf dem frischen homemade brown bread essen.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Die Tiere auf der Gubbeen Farm
Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield