Irisches Tagebuch – 12.11.2017 – To the Lighthouse

Ein Besuch in der Mizen Head Signal Station

Heute ist Sonntag und Irland hat sein schönstes Kleid angezogen. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und die Luft ist klar. Deshalb machen wir uns auf, um zur äußersten Westspitze der Mizen Halbinsel zu fahren und dort den Leuchtturm zu besuchen.
Schull, in dem unser Cottage steht, ist einer der wenigen Orte, die auf der Mizen Peninsula liegen. Die Halbinsel, auf gälisch Uí Néid, ist die südlichste der vier südwestlichen Halbinseln Irlands. Sie hat die Form zweier Finger, von denen der nördliche „Sheep’s Head“ heißt und zu den abgeschiedensten Regionen ganz Irlands gehört. Weitere Orte auf der Mizen Peninsula sind Crookhaven, Goleen und Toormore. Diese Ortschaften werde ich am nächsten verregneten Tag, der ganz sicher kommen wird, vorstellen.
Sheep’s Head und Mizen Head markieren also die beiden äußersten Fingerkuppen der beiden Finger der Mizen Halbinsel.

Unser Weg führt uns wieder in Richtung Goleen, wo wir aber diesmal nicht die Richtung nach Crookhaven einschlagen, sondern rechts abbiegen in Richtung Mizen Head. Wir sind früh aufgebrochen und weil Sonntag ist, begegnen wir keinem anderen Auto. Alles ist ruhig und friedlich. Nach der Abbiegung führt die Straße beständig leicht bergauf und schon bald eröffnet sich uns der Blick auf Barleycove, einer wunderschönen Bucht mit weißem Sandstrand. Diese genießt wegen ihres Artenreichtums den besonderen Schutz der UNESCO und gehört zu den Special Areas of Conservation.
Der Blick hinunter ist grandios und wir nehmen uns vor, Barleycove bald einmal zu besuchen.
Weiter geht es bergauf und schließlich gelangen wir auf einen weitläufigen Parkplatz, der völlig verlassen daliegt. Im Sommer herrscht hier sicher mehr Betrieb, ab jetzt im November findet kaum jemand den Weg hierher.

Doch wir sind etwas überrascht, denn hier hat sich seit unserem letzten Besuch vor ca. 20 Jahren so einiges verändert. Konnte man früher ohne Weiteres zum Leuchtturm gehen, ist jetzt alles eingezäunt und wir müssen Eintritt bezahlen. Vom Ticket Counter führt der Weg nun zu einem Informationszentrum mit allen möglichen Ausstellungen, geologische, meereskundliche und auch geografische. Wir können die Brücke eines Schiffs betreten und erfahren einiges über die Meeresfauna vor Mizen Head und über die Flora auf den Klippen. Doch eigentlich wollen wir nach draußen und so verlassen wir das Infozentrum recht schnell. Aber auch außerhalb ist alles anders.

Dort wo früher eine historische Eisenbrücke den tiefen Meereseinschnitt zwischen dem Land und dem Felsen, auf dem die Signalstation steht, überspannte, wurde eine unromantisch wirkende Betonbrücke errichtet. Die Trampelpfade, auf denen wir früher zum Leuchtturm und zu den Klippen gehen konnten, sind durch geteerte Wege und Treppen ersetzt worden. Alles ist mit Geländern aus Stahl gesichert. Jeder Schritt wird durch Schrifttafeln erklärt und mit Videokameras überwacht. Da ist nichts mehr zu spüren vom abenteuerlichen Flair vergangener Zeiten. Auch ist es nicht mehr möglich, zu den vorgelagerten Spitzen zu gehen. Dort, wo ich zum ersten Mal meine Füße auf das dichte irische Gras setzte und wo ich wie über einen weichen Teppich zu den Klippen ging um 100 Meter in die Tiefe zu schauen, steht jetzt eine Aussichtsplattform mit Geländer und der Blick in die brodelnde See ist verbaut.

Damals waren wir mit unseren kleinen Töchtern hier und wir verbrachten sehr viel Zeit in der Abgeschiedenheit der Felsen und Klippen. Wir lagen auf dem Bauch und schauten zu, wie die Möwen die Aufwinde nutzen, um sich von Meeresspiegelniveau nach hoch oben tragen lassen. Wir schickten auch eine Flaschenpost los und zählten die Sekunden, die sie brauchte, um nach dem Abwurf bis in die Brandung zu gelangen. Von dieser Brandung waren wir fasziniert. Hier, wo die Wellen direkt aus dem offenen Ozean auf die Steilküste treffen, ist die Brandung enorm. Das Wasser türmt sich hoch auf und bildet weiße sprühende Fontänen. Unser wildes Mizen Head- Erlebnis liegt so lange zurück, dass wir keine Digitalfotos davon haben. Ich werde aber, wenn wir wieder zu Hause sind, nach den alten Fotos suchen und diese zum Vergleich hier einstellen.

Xenia - Mizen Head
So sehen wir heute alles mit einer gewissen Enttäuschung, wenn ich auch sagen muss, dass man sich viel Mühe mit der Modernisierung der Mizen Station gegeben hat. So gibt es jetzt auch ein Restaurant, in dem wir eine recht gute und nicht zu teure Seafood-Showder essen. Im neuen Shop suchen wir nach einem Mitbringsel für einen Freund, werden aber nicht fündig. Schön sind die Fotografien der vielen Leuchttürme der Mizen Peninsula und die Seekarten, die auf den Tischen des Restaurants unter Glas liegen. Auch gibt es eine Karte, auf der alle Leuchttürme eingezeichnet sind.
Draußen vor dem Visitor Centre bestaunen wir noch eine Schiffsschraube. Sie gehört zu einem Havaristen, der hier vor den Klippen zerschellt ist. Dann fahren wir zurück nach Schull.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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