Irisches Tagebuch – 11.11.2017 – A Morning Walk in the Rain

Heute öffne ich die Augen und schaue wie jeden Morgen als erstes über die Bucht. Aber da ist keine Bucht zu sehen. Die Luft ist so mit Feuchtigkeit geschwängert, dass ich selbst Nancys Haus nur noch erahnen kann. Auch Gabriel, der Berg, der sich jenseits der Bucht hinter dem Ort Schull erhebt und der sonst mit seiner Radarstation immer deutlich zu erkennen ist, scheint nicht mehr zu existieren. Die graue Feuchtigkeit verschluckt alles.
Ex-Rina, ein Überbleibsel eines Tropischen Sturms, fegt über Irland und hat uns schon die ganze Nacht mit Regen zugeschüttet. Sturmböen biegen die wenigen Bäume und der Wind pfeift um das Cottage.

Wir haben die Idee, zum Sailor`s Hill aufzusteigen, um den Kontrast zum schönen Sonnenaufgang, den wir vor drei Tagen erlebten, zu fotografieren. Gesagt, getan! Wir ziehen uns wetterfest an und stehen wenige Minuten später vor der Haustür. Es beginnt zu nieseln, aber es ist nicht kalt. Immerhin zeigt das Thermometer 12°. Also gehen wir los. Es ist mühsam, gegen den Wind bergauf zu gehen. Nach wenigen 100 Metern wird der Regen stärker und wir stülpen die Kapuzen über unsere Kappen.

Je höher wir steigen, desto mehr sollten wir eigentlich vom Ozean sehen. Der aber liegt grau in grau da. Der Horizont ist nicht auszumachen, Himmel und Meer bilden eine graue Masse. Am Sailor`s Hill angekommen, versuchen wir, die Veränderung fotografisch festzuhalten. Dies ist nicht so leicht, denn hier muss man sich mit aller Kraft gegen den Sturm stemmen, um nicht weg geweht zu werden. Schnell machen wir ein paar Aufnahmen und schauen dann hinüber zum Atlantik. Welch ein Unterschied zu den letzten Tagen! Long Island liegt im Dunst. Fastnet Rock ist nicht zu sehen. Auch der weiße Leuchtturm an der Öffnung der Bucht wird vom Grau verschluckt.
Lange halten wir es hier oben nicht aus. Der Sturm zerrt mächtig an unseren Kleidern und unsere Hosenbeine werden nass. Deshalb machen wir uns auf den Rückweg zu unserem schönen warmen Cottage und freuen uns schon auf das Frühstück und auf einen heißen Tee.

Später sitze ich im Wintergarten und schreibe. Ich genieße es, hier zu sein. Draußen tobt der Sturm, aber ich habe es behaglich warm. Und ich kann diesen Morning Walk mit euch teilen, der eben auch typisch für Irland ist. Ein Regenbogen ist heute allerdings nicht zu erwarten.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Morning Walk
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Ein Kommentar zu “Irisches Tagebuch – 11.11.2017 – A Morning Walk in the Rain
  1. Brigitte Hörnicke sagt:

    Ja, so ist Irland! Aber dennoch ein Traumziel.

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