Im Winter auf die Shetland Islands

Der Nordatlantik – stürmische See, Schneeschauer zu jeder Jahreszeit, kühl bis bitterkalt, klare, reine Luft, fernab von der Hektik großer Städte und von Lärm und Smog der Ballungszentren Mitteleuropas. Schon immer zog es mich dorthin, anfangs als Segler, dann per Fähre und in letzter Zeit mit dem Flieger. Island, die Orkneys, Faröer und zuletzt die Shetland Islands zogen mich in ihren Bann, ihnen verdanke ich unvergessliche Erlebnisse.
Dieses Mal sollte es auch noch Winter sein, um in den vollen Genuss der nordischen Reize zu kommen.
Öl, Schafe und Makrelen
Die zu Großbritannien gehörenden Shetland Islands liegen etwa auf dem 60. Breitengrad über 200km nördlich der schottischen Nordküste zwischen den Orkneys und den dänischen Faröer Inseln. Die meisten der ca 23 000 Einwohner leben auf der Hauptinsel “Mainland” und hier befindet sich auch die Haupstadt Lerwick, die größte Siedlung der ganzen Inselgruppe mit ganzen 7000 Einwohnern. Überhaupt sind von den etwa 100 Inseln nur 25 bewohnt. Die Fischerei ist nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig und hier vor allem die Mackrelen, die wesentlich zum Einkommen beitragen. Die feine Wolle der Shetland Schafe ist ebenfalls ein bedeutendes Exportgut.Die berühmten Shetlandponys wurden im 19. Jahrhundert in den britischen Kohlengruben als Arbeitstiere eingesetzt und sind heute beliebte Reit- und Fahrpferde.
Die riesige Öl- und Gasplattform Sullom Voe gibt immer noch vielen Menschen Arbeit und die Steuereinahmen der Ölförderung tragen wesentlich zur Finanzierung der Infrastruktur bei. Der Tourismus spielt auch eine gewisse Rolle, allein in Lerwick gibt es in fast jeder Straße ein B&B Angebot. Vor allem bei Individultouristen sind Inseln sehr beliebt. So beschreibt der Lonely Planet die Shetlands als..”the sixth best region in the world for tourists seeking unspoilt destinations”…
Winterreise mit Hindernissen
An einem recht freundlichen aber kalten Tag im Januar bestieg ich in Düsseldorf eine Maschine der British Airways, die mich zunächst nach London Heathrow brachte. Hier in diesem riesigen “very busy airport” verbrachte ich zwei quälend lange Stunden im mit Reisenden aller Nationalitäten überfüllten, lauten und unübersichtlichen Transitbereich. Beim Security Check nahmen es die englischen Official sehr genau, vor allem meine Filmkamera plus Zubehör und Stativ wurde eingehend untersucht. Als ich am frühen Nachmittag dann endlich in der Maschine nach Edinburgh saß inmitten meiner überwiegend schottischen Mitreisenden, fühlte ich mich schon sehr viel besser, trennten mich nun doch nur noch wenige Flugstunden von der erholsamen Ruhe des Mainland mit seiner großartigen Natur. Doch meine Erwartungen sollten bald enttäuscht werden. In Edinburgh zeigte mir ein Blick auf die Anzeigentafel, dass hinter der Anzeige meines Loganair-Flugs nach Sumburgh Airport, Shetland (LSI) groß und in rot stand: “cancelled” Ich erfuhr auch bald die Ursache: Starker Schneefall in der Mainland area, zur Zeit keine Landung möglich.
Wir – etwa 10 Passagiere mit Ziel Shetland – standen eine ganze Zeit ziemlich ratlos herum, bis endlich eine freundliche Dame uns mit einem aufmunterndem Lächeln erklärte, dass Loganair davon ausginge am nächsten Morgen auch wirklich fliegen zu können und wir bis dahin in ein ausgezeichnetes Hotel gebracht würden. Die Dame hatte nicht zuviel versprochen, es wurde eine sehr angenehme Nacht. Etwa gegen 10 Uhr vormittags standen wir wieder am Gate und warteten. Die Anzeigetafel gab diesmal gar keine Auskunft und auf Nachfrage erfuhren wir, dass man in Sumburgh noch ein paar Probleme habe, sobald man Näheres wüßte…es könne schon noch etwas dauern. Das war nun sehr untertrieben, wir warteten bis 15 Uhr als endlich ein grünes Licht uns erlöste und wir die kleine zweimotorige Maschine besteigen durften. Nach einem einstündigen ruhigen Flug mit bester Sicht auf die verschneiten Highlands in der Abendsonne, landeten wir in Sumburgh – in the middle of nowhere – wie ein Mitreisender bemerkte. Der kleine Abfertigungsraum leerte sich schnell, die wenigen Reisenden wurden entweder abgeholt oder verschwanden mit ihren am Airport abgestellten Wagen. Zurück blieb außer mir noch ein Soldat der Navy auf Urlaub, der offensichtlich ebenso wie ich noch nicht recht wusste, wie man bei Nacht und Schnee ins 25 Meilen entfernte Lerwick gelangen könnte. Der Linienbus fuhr wegen des Wetters offensichtlic nicht, ein Taxi war nirgends zu sehen. Die Rettung kam von einem der drei Cafe-Besucher, der sich anbot, uns mit seinem Lieferwagen mitzunehmen. Es wurde eine sehr informative Fahrt, da der freundliche Fahrer großen Gefallen daran fand, uns nur jede noch so unbedeutende Sehenswürdigkeit zu erklären. Die letzten 500m stapfte ich durch den hohen Schnee in Lerwick Center, um schließlich von Mary und John, meinen freundlichen B&B Gastgebern empfangen zu werden.
Lerwick – die nördlichste Stadt Englands
Mary und John, die neben anderen diversen Tätigkeiten, auch einen vielbesuchten Fish- and Chip Shop betrieben, gaben mir beretwillig Auskunft über Land und Leute, gaben mir Tipps für meine Wanderungen und berichteten vor allem über ihre Heimatstadt Lerwick.
Die meisten Sandsteingebäude an der Uferpromenade stammen aus dem 18. Jahrhundert, obwohl einige, wie 10 Commercial Street, älter sind. Die schmale Hauptstraße folgt noch der alten Küstenlinie, aber moderne Hafengebäude wurden vor Läden und Lagerhäusern erbaut, die einst am Meer standen. Auf einem Hügel mit Blick auf den Hafen gelegen, behalten die Straßen der Stadt ihren Charme – und bieten Schutz vor den vorherrschenden südwestlichen Stürmen.
Niemand hat die alte Stadt entworfen – sie wuchs nur, aber auf einem Hügel in der Nähe entwarfen viktorianische Architekten eine “neue Stadt” mit großzügigen Villen und öffentlichen Parks, die von dem Rathaus von Lerwick dominiert wurden – ein Denkmal für den Bürgerstolz der 1880er Jahre . Nach Westen oder “oot ower” ist die Siedlungsstruktur des vergangenen halben Jahrhunderts weniger malerisch, aber die Wohnungsstandards sind hoch.
Lerwick ist das Handels- und Industriezentrum der Inseln und auch die Drehscheibe eines geschäftigen kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Shetland Islands Council hat seinen Hauptsitz hier und die Shetland Times und zwei lokale Zeitschriften werden gedruckt und in der Stadt veröffentlicht. BBC Radio Shetland überträgt Nachrichten, Ansichten und ein Unterhaltungs-Tagebuch jeden Abend, während ein kommerzieller Radiosender, SIBC, rund um die Uhr Musik, Nachrichtenbulletins und Wetterberichtesendet.
 Wandern, wandern, die beste Art, das Land zu erfahren
Shetland bietet einige der schönsten Wanderwege in Europa, zu jeder Jahreszeit. Die Kombination von spektakulärer Küstenlandschaft an der Nordsee und den Atlantik. Die hohen Klippen mit Blick auf die wildbewegte See, die ruhigen Binnenseen, die sanften Hügel auf engstem Raum zu erwandern, ist für mich ein Erlebnis ganz besonderer Art. Das so unglaublich wechselhafte Wetter gehört ebenso zum Reiz dieser Region. So begann ich meine ersten Wandertage im Schneesturm, mühsam ankämpfend gegen den eisigen Wind und doch immer wieder belohnt durch großartige Blicke im Schutze steiler Felswände auf das tosende Meer. Dann folgten Tage mit strahlend blauem Himmel und einer fantastischen Fernsicht und angenehmen Temperaturen. Last but not least, die reiche Fauna und Flora, die natürlich zugegebenrmaßen, bei einer Winterwanderung kaum zur Geltung kommen.
Der Verein “Promote Shetland” fasst ganz treffend zusammen:
Whatever type of walking you enjoy, from a short stroll to a trek through wilderness areas, Shetland offers many superb locations. When you’re out, look for our wonderful wildlife, such as otters and seabirds. Seeing them in their indigenous habitat is a fabulous experience! Take some time to admire the scenery and stop awhile to explore our fascinating cultural heritage.

Hier mein Video mit einigen Szenen meines Besuchs in Lerwick und Umgebung.

© Text und Fotos: Bernd Riebe

 

Reisen, Filmen, Schreiben.. sind so die für mich wichtigsten Nebenbeschäftigungen

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