Was ist los mit den Tieren vom Hahnerhof?

 

Ich möchte euchn die Tiere, die auf dem Hahnerhof leben, kurz vorstellen.

Das sind die Stalltiere. Der Ziegenbock Otto, das Schaf Elvira, das Schwein Lisbeth und die Kuh Bella.

 

Das sind die Haustiere. Die Hunde Benno und Molly, die Katzen Spaghetti, Stupsi und Pistazie und der Kater Sammy.
Das sind die Pferde. Raja, Hans, Melodie, Mandy und Kefir.

 

Normalerweise sind die Tiere vom Hahnerhof immer recht friedlich. Natürlich gibt es auch schon einmal Streit, aber eigentlich sind sie richtig brav.

Doch heute scheint alles anders zu sein.

Es ist heiß und die Luft ist feucht. Bauer Paul schwitzt bei seiner Arbeit in der Scheune. Mit der Mistgabel stapelt er Strohballen auf und immer wieder muss er sich mit dem Taschentuch den Schweiß abwischen, der ihm von der Stirn läuft.
„Diese Hitze!“, stöhnt er.
Draußen auf der Weide dösen die Kühe unter einem Baum. Eigentlich würden sie gerne von dem saftigen Gras fressen, das so verlockend in der Sonne leuchtet. Aber sie sind träge, jeder Schritt ist ihnen zu viel. So liegen sie und warten darauf, dass es kühler wird.

Im Haus spricht Bäuerin Lisa mit dem Hofhund Benno. Er liegt faul unter dem Tisch und schaut verdrießlich zu der Katze hinüber, die schon eine Weile regungslos im Katzenklo hockt. Sie ist eine der drei Hofkatzen, der die Kinder den lustigen Namen Spaghetti gegeben haben. Sie lässt sich nicht von Benno stören, der sie hin und wieder leise anknurrt.
„Benno“, sagt Lisa. „Lass Spaghetti in Ruhe!  Du weißt, dass sie immer etwas länger auf dem Töpfchen braucht. Sie ist halt nicht mehr die Jüngste.“
Auch Lisa schwitzt. Es ist aber auch zu drückend heute.

Der Kater Sammy kommt in die Küche. Er hat ein schönes rotes Fell und ist normalerweise immer zu Späßen aufgelegt. Doch heute scheint er lustlos zu sein. Er ist gerade auf dem Weg zur Bäuerin, der er um die Beine streichen will, als Benno plötzlich aufspringt und Sammy anfällt.
„Benno!“, ruft Lisa. „Aus!“
Benno lässt Sammy los. Der Kater flüchtet schnell unter die Bank.
„Was ist denn nur heute mit dir los, Benno?“, schimpft die Bäuerin.


Im Hühnerhof ist die Stimmung nicht viel besser. Der Hahn Figaro ist auf einen Baum geflogen, sitzt auf einem Ast und schläft. Die alte braune Henne brütet Eier aus und die anderen Hühner scharren lustlos im Boden herum. Der gepunktete Hahn Don Giovanni hat ein paar leckere Ameisen entdeckt. Henriette nimmt ein Staubbad.
Alles scheint in Ordnung zu sein. Nur ab und an ertönt ein lautes Gegacker, das wohl heißen soll: „Geh weg hier! Hier scharre ich!“
Figaro öffnet auf seinem Ast ein Auge und döst dann weiter.


Auf der Pferdekoppel stehen Melodie und Hans und wissen nichts mit sich anzufangen. Eigentlich mögen sie die Sonne, die ihnen Wärme spendet, denn sie sind beide nicht mehr jung. Doch heute ist es einfach zu arg. Melodie frisst ein wenig Gras, aber auch das will ihr nicht so recht schmecken. Harun schaut nervös zur Nachbarkoppel hinüber, auf der Raja, der schöne junge Araberhengst wie wild herumläuft und ab und an mit den Hinterbeinen in die Luft schlägt.


Die Gänse sind eigentlich nie so richtig friedlich. Immerzu haben sie etwas zu meckern und zu tratschen. Nur wenn sie weiden, kommt es vor, dass sie still sind. Aber selbst dann fauchen sie sich gegenseitig an, wenn sie einander zu nah kommen. Im Moment recken drei der Gänse ihre Hälse und schauen hoch zum Himmel. Was sie da wohl entdeckt haben? Zieht dort vielleicht ein Schwarm Wildgänse vorbei?


Bei den Schafen und den Ziegen herrscht eine angespannte Ruhe. Elvira steht zwischen ein paar Lämmchen und ist zu träge, sich nach ihrem eigenen Lamm umzusehen. Auch die Lämmer springen heute nicht so lustig herum wie sonst. Normalerweise spielen sie gerne „Herr im Haus“ und klettern dafür auf einen der dicken Steine, die im Gehege liegen. Oder sie rennen hinter einander her und machen kleine Luftsprünge. Die großen Schafe lassen es da lieber ruhiger angehen, denn die dicke Wolle, die sie am Körper tragen, ist bei Hitze ganz schön lästig. Es wird Zeit, dass der Schafscherer auf den Hof kommt und sie von der Wolle befreit.


Der alte Ziegenbock Otto hat heute ein ganz besonderes Futter gefunden. Einen Rosenstrauch. Gerade beißt er eine Blüte ab. Will er sie wirklich fressen? Trotz der Dornen? Oder denkt er daran, sie seiner Freundin Alma zu schenken, die ruhig neben ihm grast?
Manchmal darf Otto auch eine kleine Kutsche ziehen. Die Kinder vom Hof haben sie gebaut und fahren mit Otto gerne die kurze Strecke bis zum Wald. Aber von den Kindern lässt sich heute keines sehen. Wahrscheinlich sitzen sie am Fluss und lassen die Füße im Wasser baumeln.


Lisbeth die Sau hat sehr viele Ferkel bekommen. Sie liegt in ihrer Box und lässt die Kleinen geduldig an ihren Zitzen saugen. Auch ihr ist heiß und sie träumt von alten Zeiten. Als sie noch jung und schlank war, durfte sie manchmal mit ihren Freundinnen und Geschwistern auf die Weide. War das ein Leben! Sie konnten herumlaufen und an allem schnuppern. Und das frische Gras schmeckte ihnen so gut. Mittags kam Bauer Paul immer mit einem schweren Eimer voller Leckereien an das Gatter. Wenn er ihn ausgekippt hatte, ging das Gerangel um die leckersten Bissen los. Dann war sie auch manchmal gebissen worden. Ins Ohr oder in den Schwanz. Aber nie wirklich fest. Es war mehr ein Zwicken gewesen. Doch diese schönen Zeiten waren nun leider vorbei. Jetzt war sie fett und träge geworden und lag Tag aus, Tag ein in ihrer Box. Und jedes Jahr bekam sie viele rosige Ferkel.


Bei Lisa in der Küche haben die Katzen sich zu einem Knäuel zusammengerollt und dösen. Doch plötzlich springen Sammy und Pistazie auf und fauchen einander an. Spaghetti geht zu den Topfpflanzen hinüber und beißt ein Blatt von der Zimmerpalme ab. Stupsi versteckt sich in einer Tüte und mauzt vor sich hin. Pistazie rennt zum offenen Fenster, springt auf die Fensterbank und schlägt mit der Pfote nach einer Spinne. Sammy findet ein Wollknäuel und bringt es völlig in Unordnung.

„Was habt ihr denn plötzlich?“, fragt Lisa und stellt ihr Bügeleisen aus. „Seid ihr auf einmal alle verrückt geworden?“

Bauer Paul geht über den Hof. Die beiden Hofhunde Benno und Molly kommen angelaufen. Benno, der große zottelige Hund springt an Bauer Paul hoch. Die kleine Molly tanzt um seine Beine.
„Na, na, nicht so stürmisch, Benno!“, ruft Paul und wehrt den Hund ab, der ihm gerade durch das Gesicht lecken will.
Bauer Paul schaut besorgt zum Himmel.
„Es sieht nach Gewitter aus“, sagt er zu sich selbst.
Und da zuckt auch schon der erste Blitz durch den Himmel und von fern ist ein Grollen zu hören. Der Himmel ist in der Ferne sehr dunkel und über dem Bauernhof schwefelgelb.
„Da braut sich mächtig was zusammen“, bemerkt Paul und wendet sich an seine Hunde. „Kommt ihr beiden, wir sehen mal nach, was die Tiere machen.“
Sie gehen über die Gänseweide. Die Gänse sind völlig aus dem Häuschen. Sie rennen schnatternd und rufend herum. Kaum hat Bauer Paul mit seinen Hunden die Weide betreten, da zwickt ein Gänserich Benno ins Bein.

Bei den Hühnern kommt der Hahn Figaro vom Baum herunter und greift den Hahn Papageno an. Der wehrt sich und die beiden kämpfen, dass die Federn nur so fliegen.
Nach dem Kampf geht der Verlierer Figaro zu den Hennen hinüber und versucht, sie zu verjagen. Sie sind aber ebenso gereizt wie er und picken nach ihm. So versucht Figaro seinen Ärger bei Henriette loszuwerden. Er schnappt nach ihrem Schwanz und zieht fest daran. Henriette versucht sich zu befreien und stimmt ein lautes Wehgeschrei an. Schließlich kann sie sich losreißen. Sie hat ein paar Federn verloren, die durch die Luft segeln. Da erfasst die Hühner ein erster Windstoß und wirbelt die verlorenen Federn durcheinander. Henriette und die anderen Hühner rennen schnell in den Stall. Nur die drei mutigen Hähne Figaro, Papageno und Don Giovanni stolzieren noch über den Hühnerhof. Aber auch ihnen zerzaust der Wind die Federn.


Auf der Pferdekoppel hält Hans die Hitze nicht mehr aus. Er und Melodie haben schon getrunken und fächeln sich gegenseitig mit den Schwänzen die Fliegen aus den Augen. Dadurch entsteht ein ganz schwacher Luftstrom, der die Nüstern etwas abkühlt. Doch wirklich hilfreich ist das nicht. Die beiden schwitzen um die Wette. Und dann sticht Hans der Hafer. Er wirft sich auf den Boden, streckt seine Beine in die Luft und reibt seinen Kopf im Gras. Melodie schaut zu ihm hinunter.
„Was hat er nur?“, denkt sie. „Ist er verrückt geworden?“
Sie bleibt lieber ruhig stehen, denn durch Bewegung wird die Hitze nur noch unerträglicher.


Das Schaf Elvira schwitzt in seiner dicken Wolle. Sehnsüchtig schaut es zum Himmel hoch. Es macht ein Gesicht, als bete es um Regen. Dabei ist Elvira einfach nur übel.
„Was habe ich nur?“, denkt sie. „In meinem Magen rumort es so seltsam.“
Und dann bricht sie die frischen Kräuter, die sie eben erst gefressen hat, wieder aus. Wahrscheinlich hat sie eine giftige Pflanze gefressen. Da sie nicht gut sieht, kommt das hin und wieder vor. Doch Elvira spürt sehr schnell, wenn sie etwas Falsches gefressen hat und spuckt es wieder aus, bevor sie ernsthaft krank werden kann.


Als Bauer Paul in die Nähe des Ziegengeheges kommt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen. Der Ziegenbock Otto durchbricht gerade mit seinen starken Hörnern den Zaun und rennt davon.
„Hey, hey, stehen bleiben!“, ruft der Bauer.
Aber Otto kümmert sich nicht darum. Und hinter ihm laufen auch noch andere Ziegen und Schafe davon.

Inzwischen fallen die ersten dicken Regentropfen. Bäuerin Lisas Wäsche wird nass, denn sie hat sie offenbar vergessen. Die Ziegen wollen ihr natürlich nur helfen. Sie zupfen und zerren an der frischgewaschenen Wäsche herum. Andere aus der Herde sind in den Gemüsegarten eingefallen. Sie kosten vom frischen Salat und knabbern an den Bohnen. Als der Bauer auf sie zustürmt, reißt eine Ziege schnell einen Bohnenzweig ab und beide flüchten mit einem Sprung über den Zaun. Paul bleibt ratlos stehen.
Dem Schaf Elvira ist schlecht geworden. Es spuckt die frischen Kräuter, die es eben gefressen hat, wieder aus.
„Oje!“, ruft er. „Wie soll ich die Ziegen nur wieder einfangen?“
Er schaut sich um, aber keiner ist da, um ihm zu helfen.
„Lisa!“, ruft er laut gegen den Wind an. „Kinder! Wo seid ihr?“
Aber niemand hört ihn.


Bauer Paul lässt die Ziegen laufen. Er muss nach den Kühen sehen. Sie will er in den Stall bringen, denn sie müssen gemolken werden. Das Gewitter tobt nun direkt über dem Bauernhof. Blitze zucken und Donner kracht. Es ist sehr dunkel, so als wäre es schon später Abend. Der Bauer beginnt zu laufen, damit er nicht bis auf die Haut nass wird. Aber was ist das? Da wo eben noch die Kühe so friedlich unter dem Baum lagen, ist jetzt keine Spur mehr von ihnen zu sehen. Paul versucht, durch den Regen etwas zu erkennen. Wo sind die Kühe nur hin?
Er ruft ihre Namen: „Bella, Emma, Mona, Eva!“
Da plötzlich sieht er sie. Sie sind ausgebrochen. Auch das noch!

Bauer Paul ist sauer! Er bleibt stehen und stampft mit seinen Gummistiefeln in eine Pfütze, dass es nur so spritzt. „Verdammt!“, ruft er. „Wie schön ist es doch, ein Bauer zu sein!“

Text: © Xenia Marita Riebe

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