Blue Blog

Auf der Galerie – Kafkas viel gedeutete Parabel

Kunstreiterin im Zirkus

Kunstreiterin im Zirkus – Georges Seurat

Auf der Galerie – Franz Kafka 1920

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind – vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, rief das – Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.

Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausrufen zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küßt und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will – da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlußmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

 

Auf Kafkas bekannte und vielfach linguistisch bis psychologisch gedeutete Erzählung „Auf der Galerie“ trifft die übliche Definition von Parabel nach Meinung der meisten Analysten ganz und gar zu:

Die Parabel ist eine lehrhafte und kurze Erzählung. Sie beschäftigt sich mit moralischen Fragen und ist dem Gleichnis und der Fabel ähnlich. Durch die Handlung der Parabel entsteht eine übertragene Bedeutung. Der Leser soll zum Nachdenken angeregt werden. Typisch für die Parabel sind zwei enthaltene Lehren, nämlich im engeren Sinn und im weiteren Sinn. Das vordergründig beschriebene Geschehen (Bildebene) lässt sich auf übergeordnete Weise (Sinnebene) deuten.

Doch so einfach ist dies bei Kafkas Prosa nicht wie die vielen kontrovers diskutierten Interpretationen zeigen. Ich möchte hier nicht eine weitere „ausführliche Analyse“ hinzufügen, vielmehr möchte ich hier einer unbefangenen ergebnisoffenen Herangehensweise das Wort reden, wobei das zu Deutende sich jedem durchaus anders erschließt.

Worum geht es?

Der hier gewählte Schauplatz ist die Zirkuswelt, in der Sein und Schein offensichtlich besonders deutlich differieren. Der Zuschauer auf der Galerie sieht zwei Versionen von „Realität“ die sich konträr gegenüberstehen. Da ist zunächst die irreale, hypothetische Situation, sprachlich in konditionalen Sätzen gefasst: Dem Zuschauer /Leser erscheint das Bild einer erbarmungswürdigen, kränklichen vom Direktor erbarmungslos getriebenen Kunstreiterin, das einen jungen Galeriebesucher „vielleicht“ bewegen könnte, hinabzueilen und „Halt!“ zu rufen. Dieser Entwurf wird oft interpretiert als „das Gefangensein des Einzelnen in seiner durch äußere Strukturen und Verhaltenserwartungen vorgegebenen Rolle, die ihm verbietet, seine eigentlichen Gefühle zu zeigen“ (SCRIBD.com) oder “Engagiertes Bewusstsein fur Unterdruckung” macht diesen Entwurf “zu einer menschlichen Anklage, einem Modell fur moralische Entrüstung, für soziales und politisches Aktionsbewusstsein” (Peter Beicken)

Die zweite Version wird eingeleitet mit dem Einwurf “Da es aber nicht so ist;” des auktioralen Erzählers und es folgt eine in den schönsten Farben geschilderte Beschreibung der Situation, die aber offensichtlich vom Interpreten als falscher Schein gesehen wird. Die eben noch „hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin“, vom Direktor erbarmungslos getrieben, wird nun zur strahlenden Grand Dame, die ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will. Doch auch diese wenig glaubwürdige Realitäts-Variante wird vom auktioralen Erzähler noch bekräftigt: „da dies so ist“ und läßt den Galeriebesucher weinen, „ohne es zu wissen“.

Der Leser wird konfrontiert mit sich widersprechenden Modi, der scheinbar hypothetische erste Teil wird durch auktiorale Einwürfe wie „begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind “ realer dargestellt als es der durchgängige Konjunktiv eigentlich zulässt. Auch der Beginn des zweiten Satzgefüges weist noch einmal auf die zuvor geschilderte irreale Situation hin: „Da es aber nicht so ist;“ Was ist hier nun Realität, was Schein, Hypothese? Warum diese widersprüchliche Haltung der Galeriebesucher? Stellt sich überhaupt so allgemein die für Parabeln typische moralische Frage? Keine noch so feinsinnige tiefgründige ausführliche Analyse kann auf diese Fragen eine allgemeine Antwort geben. Vielmehr weist Kafka hier auf ein reiches Potenzial an unterschiedlichen Sichtweisen und auch möglichen moralischen Standpunkten hin, die aber letztlich von jedem Leser (Galeriebesucher!) selbst gedeutet und gewertet werden müssen.

Bernd Riebe

Zwei Frauen allein in der Wildnis – 1. Teil

 Lake Laberge im Yukon Territorium

Elke und Yasmin auf dem Lake Laberge im Yukon Territorium

A Dream of the Wilderness

Yasmin und Elke hatten einen Traum und dieser Traum war schon sehr alt, vielleicht schon älter als sie selbst. Die beiden Frauen zog es nach Kanada in die Wildnis. Nun versteht darunter jeder etwas anderes. Zum Beispiel das Befahren eines Wildnisflusses oder das Durchstreifen der endlosen Wälder des hohen Nordens. Elke und Yasmin träumten aber davon, eine Zeit im Winter in einer Hütte zu verbringen. Sie wollten erleben, wie es sich anfühlt, ganz eins mit der Natur zu sein und sie wollten den Geschichten von Jack London nachspüren, der den Spirit of the North so einfühlsam beschrieben hat.

 Cabin am Lake Laberge

Elke vor der Cabin am Lake Laberge

Vor etwa neun Jahren war es dann soweit, sie reisten mit ihren Söhnen Timo und Christopher nach Kanada. Damals bewohnten sie eine Cabin (Blockhütte) am Lake Laberge. Diese hatten sie bei Familie Cathers gemietet, die schon seit 25 Jahren in der Wildnis lebte. Mar und Ned Cathers hatten ihre Kinder Jennine und Brad in der Abgeschiedenheit der Wälder großgezogen und ihnen selbst Unterricht erteilt.
Nun ja, mag so mancher denken. Doch aus den Cathers-Kindern wurden erfolgreiche und glückliche Menschen. Brad Cathers ist heute Politiker. Er ist seit 2002 Member of the Yukon Legislative Assembly for lake Laberge. Seine Schwester Jennine schlug einen anderen Weg ein, sie wurde Wildnis Guide und führt heute zusammen mit ihren Eltern ein kleines Unternehmen, Cathers Wilderness Adventures.

Alascan Huskies

Jennine war es auch, die Yasmin und Elke mit dem Yukon Quest bekannt machte. Während des Aufenthalts vor neun Jahren, erzählte Jennine den beiden Frauen aus Deutschland abends ihre Erlebnisse vom Trail des Schlittenhunderennens, an dem sie sechs Mal teilgenommen hat. Jennine war mit damals 18 Jahren bis heute die jüngste Teilnehmerin des Yukon Quest und zusammen mit ihrem Vater das erste Vater-Tochter Duo, das den YQ erfolgreich bestritten hat. Auch Ned Cather wusste einiges vom Quest zu berichten, denn auch er steht in der Hall of Fame des YQ verzeichnet. Die beiden nahmen Elke und Yasmin mit auf Touren auf dem Hundschlitten. Es ging in die verschneite Wildnis. Es versteht sich von selbst, dass es den beiden Frauen – und natürlich auch Timo und Christopher – in der fantastischen Landschaft und in der einsamen Hütte im Yukon Territorium sehr gut gefiel. Wieder in ihrem Alltag in Deutschland, sehnten sie sich oft dorthin zurück.

Zurückkehren – Das Gefühl nach Hause zu kommen

Nun sind seit diesem Erlebnis viele Jahre vergangen, aber die Welt von Jack London lebte in den Frauen fort und ließ ihnen keine Ruhe. So machten sie es im Winter 2018 schließlich möglich, wieder nach Alaska und in den Yukon zu reisen. Dieses Mal ohne ihre beiden Söhne, die inzwischen erwachsen sind.

Sie folgten dem Yukon Quest Rennen, von dem sie bei den Cathers so viel gehört hatten, von Checkpoint zu Checkpoint und waren die beiden einzigen Fans im abgelegenen Checkpoint Eagle. (siehe unten)
Da das Ziel des Yukon Quest in Whitehorse lag, wollten sie die Gelegenheit nutzen, noch einmal ein paar Tage bei Famile Cathers zu verbringen.
Gesagt, getan.
Elisabeth Weigand, die Besitzerin der Black Bear Wilderness Adventure INC. und Mitglied des Yukon Quest Vorstands, die Yasmin und Elke inzwischen kennengelernt hatten, war so freundlich, die beiden mit ihrem Auto zum Ufer des Lake Laberge bringen. Der Weg dorthin führt von Whitehorse 47 Kilometer über den Klondike Highway in Richtung Norden. Schon bald erreichten sie das Ufer des Sees. Dort waren sie verabredet. Das klingt für unsere Ohren ein wenig befremdlich. Verabredet am Ufer eines zugefrorenen Sees, in the Middle of Nowhere. Doch Elke und Yasmin stiegen aus dem Auto und Elisabeth fuhr davon.

Lake Laberge

Ned Cathers kommt mit drei Schlitten über den See

Nun standen die beiden Frauen allein am See und warteten, was ein besonderes Erlebnis war. Der See lag still und zugefroren vor ihnen. Nichts als eine endlos scheinende kalte, weiße Fläche. Sie schauten und lauschten und sahen auf einmal einen winzigen Punkt in der Weite, der immer näher kam und der sich schließlich zu Hunden vor einem Schlitten formte. Das Eis übertrug das Geräusch der Kufen und ein Sirren klang zum Ufer hinüber. Bald war auch Ned auszumachen, der auf dem Schlitten stand und freudig winkte. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung ging es dann neun Kilometer weit über das Eis hinüber zum anderen Ufer, wo die Cathers Family lebt.
Dort auf dem Land der Familie steht auch die einsame Cabin, die an Touristen vermietet wird. Es ist ein einfaches Holzhaus, eine sogenannte Dry Cabin, was bedeutet, dass es dort weder Wasser noch Strom gibt.

Hundeschlitten

Trail zur Cabin, die im Hintergrund zu sehen ist

Yasmin und Elke sahen die Blockhütte bei ihrer Ankunft schon von Weitem liegen. Die Bäume, die sie umgeben, waren in den Jahren, die vergangen waren, kaum gewachsen. Alles lag tief verschneit, der Hügel hinter der Cabin, das Dach und auch die Wipfel der Bäume. Darüber ein tiefblauer Himmel. Der vorgespurte Weg führte direkt auf das Blockhaus zu. Die beiden Frauen konnten es nicht glauben. Sie waren zurück! Nichts hatte sich verändert. Alles war so, wie sie es in Erinnerung bewahrt hatten. Beide spürten das intensive Gefühl, nach Hause zu kommen. Ihre Seelen jubelten!

Lies im 2. Teil wie Yasmin und Elke ihre Tage in der Wildnis verbrachten.

Mit dem Bush-Flieger nach Eagle

Zwei deutsche Frauen allein in Eagle

Zwei Frauen allein in der Wildnis – 1. Teil
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Frühstücken bei Ikea

Baby auf einer Wickelkommode von Ikea

Junges Elternpaar im Glück.

Neulich waren wir wieder einmal bei Ikea. Wir gingen als erstes in das Restaurant und wollten ein kleines Frühstück zu uns nehmen. Dies gestaltete sich, wie schon bei unserem ersten Besuch im neuen Ikea-Haus in Büttgen, etwas schwierig. Die Schlange war dieses Mal nicht ganz so lang, die Schwierigkeiten waren aber noch ziemlich dieselben. So kamen wir an die Ausgabeklappe mit der Butter. Diese war dort präsentiert, schön in Blütenform ausgestanzt und zu einem hohen Berg auf einem Teller aufgestapelt. Nun wäre es mit einem Besteck schon sehr problematisch, ein „Butterblümchen“ hinter der Klappe hervorzuangeln. Aber es gab kein Besteck. Wir hatten auch noch keines auf unserem Tablett, denn das Besteck ist an der Kasse deponiert. Wir überlegten kurz, schauten uns nach einem Werkzeug um und verzichteten schließlich auf die Butter. Stattdessen nahmen wir ein abgepacktes Frühstück. Nun hätten wir dazu gerne ein Rührei gegessen und stellten uns an der Essensausgabe an. Der Koch, der dort arbeitete ignorierte uns aber völlig. Ich glaube, er hat uns gar nicht wahrgenommen, auch nicht, als ich versuchte mich bemerkbar zu machen. Und das, obwohl er direkt in unsere Gesichter schaute. Er räumte Warmhaltebehälter mit Würstchen und Speck ein und aus. Nach einer Weile gaben wir auf und begnügten uns mit unserer Ostfruhkost (Käsefrühstück).

Anschließend bummelten wir ein wenig durch die Abteilungen, kauften hier eine Kleinigkeit und nahmen dort etwas mit.
Als wir in die Abteilung mit den Kinderzimmern kamen, sahen wir dort eine Familie mit drei kleinen Kindern. Die Eltern, die recht jung wirkten und alternativ gekleidet waren, schauten sich einen Wickeltisch an. Zwei Kinder von etwa drei und vier Jahren, beide blondgelockt mit großen blauen Augen, interessierten sich derweil für ein paar Stofftiere, die in Körben herumstanden. Das größere Kind stellte sich auf die Zehenspitzen und konnte so die Stofftiere erreichen und herausziehen. Neben dem Elternpaar stand ein Kinderwagen. Ich sah noch, wie die junge Mutter ihr Baby, das etwa sieben Monate alt war, aus dem Wagen nahm und in die Schublade setzte, die unter den Wickeltisch geschoben werden konnte. Dort lag ein Kissen, auf das sie das Kind setzte. Das Kleine griff sofort nach einer Rassel, die neben anderen Babyspielsachen zur Demonstration in der Schublade lag und schien sich sofort wohl zu fühlen. Unter typischem Babygebrabbel lehnte es sich zurück und rutschte herunter, bis es strampelnd flach auf dem Rücken lag.

Ich musste schmunzeln, denn ich erinnerte mich daran, dass meine Tochter in diesem Alter auch immer in die Schublade geklettert war und sich dort scheinbar sehr wohl gefühlt hatte.
Wir gingen weiter und nach endlosen Wegen durch das Möbellabyrinth verspürten wir Lust auf eine weitere Tasse Kaffee. Also kehrten wir noch einmal zum Restaurant zurück, besorgten uns je eine Tasse und bezahlten an der Kasse. Nun konnten wir so viel Kaffee trinken, wie wir wollten. Das ist bei Ikea so geregelt. Du „kaufst“ quasi eine Tasse und kannst sie am Automaten füllen, so oft du willst und womit du willst.
Kaum hatten wir uns hingesetzt, als mir die Familie auffiel, die sich für die Wickelkommode interessiert hatte. Vater und Mutter saßen entspannt am Tisch und tranken Kaffee, während die Kinder im Kinderbereich spielten.
Dann ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Die Familie, die sich eben für eine Wickelkommode interessiert hat, soll bitte schnell noch einmal zurück in die Abteilung kommen. Sie hat etwas vergessen.“
Ich scherzte, dass bestimmt jemand sein Kind in der Schublade der Wickelkommode vergessen habe. Ein Gast am Nachbartisch lachte laut auf. Er hatte scheinbar Humor. Dann ließ ich meinen Blick zu der erwähnten Familie herüberstreifen.
Vater und Mutter sahen sich verwundert an. Dann sprang die Mutter plötzlich auf und schaute in den Kinderwagen. Ich konnte deutlich sehen, wie sie erbleichte.
„Oh nein!“, rief sie. „Mia! Wir haben Mia vergessen!“
Der junge Vater schaute seine Frau entgeistert an.
„Wie vergessen?“, fragte er.
„In der Schublade! Wir haben sie in der Schublade liegen lassen!“, schrie die Frau mit schriller Stimme.
Und schon rannte sie panisch los.
„Bleib du hier und pass auf Paul und Rosa auf!“, rief sie ihrem Mann noch über die Schulter zu. Und schon war sie verschwunden.
Alle Augen waren nun auf den jungen Vater gerichtet. Einige Besucher des Restaurants, die mitbekommen hatten, was geschehen war, schütteten missbilligend die Köpfe, andere raunten sich etwas zu.
Es war ersichtlich, dass keiner verstehen wollte, wie so etwas passieren kann. Mir tat der junge Vater leid. Natürlich war es auch für mich unverständlich, wie jemand sein Kind vergessen kann, aber ich konnte mich in die Lage der jungen Eltern versetzen. Mit drei kleinen Kindern einkaufen zu gehen, ist manchmal eben nicht so leicht. Wenn dann Entscheidungen getroffen werden müssen, das Für und Wider abgewogen werden will, kann es schon geschehen, dass man den Überblick verliert.
Wenige Minuten später kam die junge Mutter zurück. Sie trug ein strahlendes Baby auf dem Arm, das sie andauernd herzte und küsste. Ihr Mann ging ihr entgegen und nahm ihr das Kleine ab. Auch er küsste das Kind und drückte es fest an sich.
„Die Verkäuferin hat sie entdeckt“, erklärte die Frau. „Sie sagte, dass Mia nicht geweint hat. Sie hat sich in der Schublade scheinbar wohl gefühlt. Es lag ja einiges zum Spielen darin.“
Dann ist die Entscheidung ja jetzt gefallen“, meinte der Vater. „Wenn Mia die Wickelkommode so gut gefällt, sollten wir sie kaufen.“
Er lachte seine Frau an.
„Es ist ja weiter nichts passiert“, sagte er.
„Nein, zum Glück nicht.“
Das Paar umarmte sich und nahm dabei sein Baby in die Mitte.
Sie werden dieses Frühstück bei Ikea sicher nie vergessen.

Text: © Xenia Marita Riebe

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Yukon Quest 2018 – Blue Blog sagt Goodbye

Yukon Quest 2018

Es war das erste Mal, dass ich mit meinem Blog das Schlittenhunderennen Yukon Quest begleitet habe. Meine Zusammenarbeit mit Sui Kings, der in diesem Jahr zum 13. Mal in Folge live dabei war, entstand über die Recherche zu meinem Roman „Alaska Highway Mile 895“. Sui war so freundlich, mir einige Dinge über den Quest zu erklären, die sich mir nicht von selbst erschlossen.
Im Sommer letzten Jahres entstand die Idee, den Yukon Quest in Zusammenarbeit mit Sui Kings auf meinem Blog zu dokumentieren, wobei die Berichte weniger die Fakten des Rennens widerspiegeln sollten, als das persönliche Erleben von Sui und seinen Begleitern. Dies ist nicht in dem Umfang gelungen, wie ich es mir gewünscht habe. Das lag ganz einfach an den technischen Voraussetzungen. Es ist doch schwieriger als gedacht, umfangreichere Inhalte via Whatsapp und mit Hilfe des Smartphones zu übermitteln. Naturbetrachtungen und Reflektionen, die bisher in seinen Berichten vorkamen und die diese so authentisch machten, brauchen eben ein anderes Schreibwerkzeug als die Tastatur eines Handys. Aber Sui sandte mir viele Fotos und Videos und natürlich auch Informationen. Ich machte mich dann im Internet auf die Suche nach weiteren Einzelheiten, las Online-Zeitungen aus Alaska und dem Yukon Territorium, stöberte auf der Yukon Quest Internetseite und schaute mich auch sonst im Netz um. Alle Informationen, die ich so zusammentragen konnte, übersetzte ich ins Deutsche und machte aus ihnen, zusammen mit den Berichten, die Sui mir live vom Rennen schickte, die Artikel, die ich auf meinem Blog veröffentlichte.
Wer das YQ auf meinem Blog verfolgt hat, wird wissen, dass es nicht gerade wenig Berichte waren, die so zusammenkamen. Am 15.12.2017 veröffentlichte ich den Beitrag „Sui Kings – Portrait eines Reisenden“, der bis heute 430 Mal gelesen wurde.

Von da an begann ich Hintergrundartikel zu schreiben und stellte die einzelnen Checkpoints und die Musher des Quest 2018 vor. Bis heute sind so 56 Artikel zusammen gekommen, die zum größten Teil sehr ausführlich und umfangreich sind. Diese Artikel wurden allein Im Ferbruar von 2800 Usern gelesen.
In der Mitte des Rennens gab es noch drei besondere Highlights. Über den Verkauf meines Romans lernte ich Yasmin Maschouf-Hofmann kennen. Sie und ihre Freundin Elke Fischer waren die einzigen Fans des Rennens, die von Circle City in Alaska hinüber zum Checkpoint Eagle flogen. Von dort berichteten sie mir detailliert über ihre Erlebnisse. Sie nutzten dazu auch das Smartphone, wobei ihr Schwerpunkt auf der Sprachübermittlung lag, mit der sich auch emotionale Dinge besser vermitteln lassen. So kam die Begeisterung der beiden Frauen bei mir an. Ich schrieb einen Bericht mit dem Titel „Mit dem Bush-Flieger nach Eagle – Yasmin und Elke berichten“ und drei Berichte unter dem Titel „Zwei Frauen allein in Eagle“ Teil I bis III. Diese wurde bis heute 1324.mal gelesen. Nach dem Yukon Quest machten sich Yasmin und Elke auf in die Wildnis. Was sie dort erlebten, werde ich in Kürze auf dem Blog berichten.
Ein nicht unwesentlicher Nebeneffekt meiner Berichterstattung vom Yukon Quest 2018 war, dass mein Roman „Alaska Highway Mile 895“ bekannt und gekauft wurde. So geht er jetzt schon in die 2. Auflage, die in den nächsten Tagen erscheinen wird. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Käufern herzlich bedanken und hoffe, dass ich von ihnen hören werde, wie ihnen mein Buch gefallen hat. 🙂 🙂 🙂

Natürlich möchte ich es nicht versäumen, mich bei Sui Kings für die vielen Fotos, Videos und Berichte zu bedanken, die er mir täglich zukommen ließ, trotz der Schwierigkeiten, die eine Reise wie die seine mitsichbrachte. Dazu zählte nicht nur die ungewöhnliche Kälte, die das YQ 2018 begleitete. Auch Internetausfall, Reisestress und natürlich die Zeitverschiebung machten die Kommunikation nicht leicht. Selbstverständlich war Sui auch von Freunden und Bekannten umgeben, mit denen er sich austauschen und mit denen er essen und feiern wollte. Trotzdem nahm er sich die Zeit, mir alle Infos zu schicken, die ich brauchte. Und er blieb immer gut gelaunt, auch wenn ich ihn manchmal mit meinen Fragen vielleicht ein wenig nervte. Sehr nett war auch die Kommunikation über Emoticons, die eine Unterhaltung, die um die halbe Welt geführt wird, manchmal schon vereinfacht. Von Sui erhielt ich immer nur lachende 🙂
Auch bei Yasmin Maschouf-Hofmann und bei Elke Fischer möchte ich mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass sie ihre Begeisterung für den Yukon Quest mit mir geteilt haben und auch für all die lieben und freundlichen Worte und 🙂 , die sie mir schickten.

Nicht zuletzt möchte ich mich für die Treue der Blue Blog Leser bedanken. Die Yukon Quest Artikel wurden bis heute 4630 Mal gelesen. Darüber freue ich mich sehr!

Die Begleitung des Yukon Quest war mir eine Freude, wenn es auch ziemlich anstrengend war, jeden Tag mindestens einen sinnvollen Artikel über das Rennen zu schreiben. Heute verabschiede ich mich nun von den Yukon Quest Fans und hoffe, dass einige von ihnen meinem Blog auch künftig treu bleiben werden. Hierzu gibt es die Möglichkeit, sich für den Blue Blog Newsletter zu registrieren.
Ich rufe abschließend, wie ich es von Sui Kings gelernt habe, allen Yukon Quest-Begeisterten ein „Good Mush and Happy Trails!“ zu.

Eure Xenia Marita Riebe

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Finish & Awards Banquet – Yukon Quest 2018

Das Abschlussbanquett des 35. Yukon Quest fand im Coast High Country Inn in Whitehorse statt.
Zur Eröffnung des Banquetts wurden die 13 Musher, die den Yukon Quest 2018 beendet haben, von der 1. kanadischen Ranger Patrol Group mit einer Flaggenprozession in den Saal geführt. Dann sang Barbara Chamberlin die amerikanische und kanadische Hymne

Nachdem  Jeanie Dendys, Ministerin für Tourismus und Kultur ihre Begrüßungsworte gesprochen hatte, wurde das Büffet für alle Bankettbesucher eröffnet. Dazu lief ein Video, das die besten Aufnahmen des offiziellen Visual Content Teams vom Quest Trail 2018 zeigte.Menu Finish & Award Banquett Yukon Quest

Nach einem reichhaltigen Büffet wurden dann die Ehrungen und Auszeichnungen vorgenommen, die wie in jedem Jahr an die Musher, die Freiwilligen und auch an die Hunde vergeben werden.

Nach dem Abendessen würdigte Yukon Executive Director Natalie Haltrich die vielen großzügigen Sponsoren des Rennens, Offizielle, Tierärzte, Checkpoint-Manager, Freiwillige und Konkurrenten. Besondere Anerkennung erhielten auch die kürzlich verstorbenen Mitglieder der Quest Familie sowie Race Manager Alex Olesen und sein Logistikteam.

Nach einem Gruß an alle Musher, die aufgeben mussten oder aus dem Rennen genommen wurden, stellten Harris, Hansen und Olesen jeden Musher in der umgekehrten Reihenfolge vor, in der sie ins Ziel gekommen waren. Ihnen gehörte nun jeweils für ein paar Minuten die Bühne, um ihre Dankesworte zu sprechen oder auch um kurze Geschichten aus dem diesjährigen Rennen zu erzählen.

Nathaniel Hamlyn, der den 13. Platz belegte erhielt als Preis einen handgefertigten Quilt von Bear’s Paw Quilts. Er bedankte sich bei seinem Team, Sponsoren, Mentor, Mitbewerbern (insbesondere Rob Cooke), Tierärzten, Freiwilligen, seiner Familie und seinen Freunden.
Später erhielt er auch den White Pass & Yukon Route Red Lantern Award, der alljährlich dem übergeben wird, der als letzter über die Ziellinie fährt. Für seine Beharrlichkeit erhielt Hamlyn eine dekorative rote Laterne.

Rob Cooke aus Whitehorse, der sein fünftes Yukon Quest auf Platz 12 beendete, bedankte sich bei Familie und Sponsoren.

Riley Dyche, ein Quest Rookie aus Fairbanks und ehemaliger Quest Handler, der den 11. Platz belegte, hob insbesondere die Gastfreundschaft in den Checkpoints und Dog Drop Stationen hervor, wo eine Gruppe von “dirty dog mushers” beherbergt und versorgt wurden. Er versprach, das YQ Rennen im Jahr 2020 zu bestreiten.

Musher Yukon Quest 2018

Die Musher des Yukon Quest 2018 beim Abschlussbanquett

Dave Dalton, der sein 22. Quest als 10. beendete, sagte, dass der Trail in diesem Jahr perfekt vorbereitet war und dankte den Trailbreakern für all die harte Arbeit. Dann gab er seine Wertschätzung für Allen Moore bekannt, der das Rennen mit allen 14 Hunden zu Ende brachte.

Luc Tweddell, der 9. im Ziel sagte, dass dies die härteste seiner drei Quests gewesen sei, und dankte Tim Pappas, der ihm Handschuhe auslieh. Ein großes Dankeschön ging auch an Riley Dyche für seine Hilfe beim Durchqueren eines Overflows und an Alex Buetow. „Er war ein guter Reisebegleiter, doch dann überholte er mich drei Meilen vor dem Ziel“, scherzte Tweddell.

Alex Buetow, der 29-jährige Rookie aus Fairbanks, der den achten Platz belegte, dankte seinem Mentor Jeff King und sagte, er sei ewig dankbar für alles, was er im Laufe des Rennens von allen gelernt habe.

Der deutsche Musher Bernhard Schuchert, der in seinem ersten Yukon Quest den siebten Gesamtrang belegte, bedankte sich bei seinem Sohn und seinen Töchtern, die für ihn als Dog Handler gearbeitet haben. Dann sagte er, dass von allen Rennen, die er weltweit absolviert hat, das Quest etwas Besonderes sei, und zwar wegen der Menschen. Schuchert scherzte, dass er wahrscheinlich zu alt sei, um noch einmal teilzunehmen.

Rookie Tim Pappas, der diesjährige Sechste, sagte: „Ich fühlte mich, wo ich auch hinkam, zu Hause. Ich liebte es!“ Pappas erklärte, wie sehr er sich geehrt gefühlt hatte, das Feld der Musher in Fairbanks anzuführen. Er dankte seinen Sponsoren und seiner Familie.

Ed Hopkins aus Tagish, Yukon, der in seinem neunten Yukon Quest den fünften Gesamtrang belegte, dankte seiner Frau Michelle Phillips, den Quest Fans, die das Rennen verfolgten, und den engagierten Trailbreakern und Freiwilligen. Trotz des Kampfes gegen die Kälte bezeichnete Hopkins seinen Lauf 2018 als „Just a real nice clean race“.

Vebjorn Aishana Reitan, der den 4. Platz belegte und „Rookie of the Year“ wurde, bedankte sich bei den Menschen in seiner Heimatstadt Kaktovik, Alaska für ihre Unterstützung und bei den Quest Mushern für ihre Freundlichkeit und Ratschläge.
Der „Rookie of the Year“, Award wird jedes Jahr an den Rookie verliehen, der zu erst im Ziel ankommt. Reitan erhielt ein handgemachtes Beil mit freundlicher Genehmigung des Award-Sponsors Alaska Rod’s of Haines, Alaska. „Ich danke meinen Hunden“, sagte Reitan, „sie haben mir die Arbeit sehr erleichtert.“ Vebjorn Aishana Reitan erhielt auch das Preisgeld für den 4. Platz im Gesamtklassement.

Laura Neese, die den YQ schon zwei Mal beendet hat, kam in diesem Jahr auf Platz drei. Sie sagte, sie habe ein wunderschönes Rennen gehabt. Sie dankte Matt Hall und Ed Hopkins dafür, dass sie „große, schöne, glückliche Gesichter auf dem Trail“ seien, und entschuldigte sich bei Hopkins dafür, dass sie ihn mit ihrem Gesang auf dem Trail erschreckt habe.

Der Vorjahressieger Matt Hall, zweiter Platz, beschrieb sein Rennen als „erstaunlich, aber ein wenig kalt“. Er dankte den „absolut phänomenalen“ Trailbreakern und erzählte die Geschichte, wie er während seines Aufenthalts in Dawson im Bad über eine Panne seines Dog Trucks erfuhr.

Allen Moore Yukon Quest Champion 2018

Allen Moore Yukon Quest Champion 2018

Und schließlich wurde der Yukon Quest Champion 2018 Allen Moore mit Standing Ovations auf der Bühne gefeiert.
„Was that a good race or what?”, rief er aus.
Moore sagte, dass sein Team durchweg mehr leistete, als er erwartet hatte, und während des Rennes immer stärker wurde. Moore bedankte sich auch bei seiner Tochter Bridgett für das Trimmen seiner Augenbrauen in Dawson, die damit verhinderte, dass diese auf dem Trail abfrieren.

Allen Moore .erhielt ein handgefertigtes Beil.und ein Preisgeld in Höhe von 23662,50 US$. Zudem kann er die zwei Unzen Gold behalten, die er bekam, weil er in Dawson City als erster ankam und bis zum Schluss im Rennen blieb.

Zusätzlich zu ihrem Preisgeld und den Abzeichen der Finisher erhielten auch Matt Hall und Laura Neese ein handgefertigtes Beil, mit freundlicher Genehmigung von Sponsor Alaska Rod’s.
(Aufteilung der Preisgelder, siehe unten *)

Nina Hansen, die Chefärztin, gab nach lobenden Worten für ihr Team die Gewinner des ersten Golden Shovel Awards bekannt. Dieser Preis ist gesponsert von Avery & Eric Brohman im Gedenken an Michael Morris. Abstimmen darüber, wer den Preis erhält, durften die Checkpoint-Managern und das Logistik-Team. Die Auszeichnung bekommen die drei Handler-Teams, die als die gründlichsten und rücksichtsvollsten in ihren Unterstützungsaufgaben gelten. Matt Hall’s Smokin’ Aces Kennel Handling Team gewann den Hauptpreis von 400USD; Tim Pappas’ 17. Dog Handling Crew ging mit 250USD davon; und die Handler für Vebjorn Aishana Reitan’s Hulahula Kennel holten sich den dritten Platz, gut für 150USD.

Den „Challenge of the North Award“erhält der Musher, der am besten den „Spirit des Yukon Quest“ repräsentiert, in dem er sich selbst zwingt, die Herausforderungen des Rennens auf sich zu nehmen und bis zum Ziel durchzuhalten. Der diesjährige Preisträger war der 23-jährige Nathaniel Hamlyn, der von den Lumel Studios eine mundgeblasene Glasskulptur erhielt. Als Inspiration für das Trophäen-Design dienten Zeichnungen von zwei Kindern aus Whitehorse im Alter von neun und sieben Jahren, die ihre Erlebnisse während eines Sommers im Stepping Stone Hospitality Stop malten. Hamlyn bedankte sich bei seinen Hunden dafür, dass sie ihn am Laufen hielten und über alle Hügel brachten.

Der diesjährige Sportsmanship Award, ein Paar handgemachter Biberhandschuhe von Dawson City’s Madmitter, ging an Riley Dyche. Er sagte, dass er es seinen Hunden verdanke, dass er auf dem Trail geblieben ist und sich dabei positiv und glücklich fühlte. Dyche sagte außerdem, dass er sich sehr über den Preis freue, da er beim diesjährigen Rennen seine Biberhandschuhe abgenutzt hat.

Hunde Yukon Quest 2018

Der diesjährige „Vets’ Choice“-Award ging an Allen Moore, weil er die gesamten 1.000 Meilen mit den gleichen 14 Hunden, mit denen er in Fairbanks begonnen hatte, zu Ende lief.
Zwischen den Trail-Tierärzten und den Mushern herrscht ein Verhältnis des gegenseitigen Respekts. Von beiden Seiten besteht der Wusch zur erfolgreichen Zusammenarbeit. Die Tierärzte, meist freiwillige Helfer, sind beim Rennen vor Ort, um dem Musher zu helfen, das volle athletische Potenzial seines Teams auszuschöpfen. Hierzu ist eine exzellente Pflege der Hunde unverzichtbar. Das Ziel der Musher und der Veterinäre ist, den Teams zu helfen, damit möglichst viele glückliche und gesunde Hunde bis zum Ende des Yukon Quest im Rennen bleiben. Trotzdem liegt das Augenmerk der Tierärzte vor allem auf dem Wohl der Hunde. Sollten sie bei den Untersuchungen, die regelmäßig in allen Checkpoints und auf Wunsch auch in den Dog Drops stattfinden, feststellen, dass es einem Hund nicht gut geht, scheuen sie sich nicht, diesen sofort aus dem Rennen zu nehmen. Das liegt natürlich auch im Interesse des jeweiligen Mushers, denn ein Hund, der nicht im vollen Besitz seiner Kraft ist, verlangsamt das gesamte Team. Am Ende eines jeden Yukon Quests überreicht das Team der Tierärzte eine Auszeichnung, die vom Alpine Veterinary Medical Centre gesponsert wurde, an den Musher, der während des ganzen Rennens den größten Wert auf das Wohl seiner Schlittenhunde legte. Viele halten den „Vets’ Choice“-Award für ebenso prestigeträchtig wie eine Spitzenposition im Rennen. Der Preis im Wert von 1.000 USD kann für Veterinärdienste einer Tierklinik nach Wahl des Mushers genutzt werden.
In diesem Jahr erhielt Moore zusätzlich auch einen speziellen Perlenaufnäher von der Kwanlin Dün Cultural Centre Sewing Group. Moore bedankte sich bei seinem gesamten Team im Kennel. „Ein solches Team macht es einem leicht.“, sagte er.

Den Abschluss des Abends bildete die Verleihung des Golden Harness Award. Zu Ehren ihrer Treue und Ausdauer während des gesamten Rennens erhielten Allen Moore’s zwei Leithunde, Commando und Dutch, maßgeschneiderte Tanzilla Harness Supply, goldene Geschirre, und Steaks, die vom Chefkoch des Coast High Country Inn und Convention Centre zubereitet wurden.

Das Abschlussbanquett verlief zur Zufreidenheit aller. Es gab Standing Ovations für Allen Moore und sehr viel Applaus für die Gewinner der anderen Preise und für die Musher überhaupt. Nun freuen sich alle, Musher, Offizielle und Yukon Quest Fans schon auf den Yukon Quest 2019.

* Die Preisgelder, die den Mushern, die ins Ziel gekommen sind ausgezahlt werden, berechnen sich wie folgt:

1. Platz – 23662,50$ – 18,93%
2. Platz – 16900,00$ – 13,52%
3. Platz – 13512;50$ – 10,81%

Auch die Plätze 4 bis 15 erhalten einen Prozentsatz des für 2018 auf 125000 Dollar festgesetzten Preisgeldes, wobei sich der Prozentsatz vom 4. Platz (8,92%) bis zum 15. Platz (2,16%) kontinuierlich verringert.

Text: © Xenia Marita Riebe
Video und Fotos: © Sui Kings

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New Study: Sea Level Rise is accelerating

Mantoloking, NJ

Mantoloking, New Jersey – Hurricane Sandy’s landfall 2012 affected the coastlines over a broad swath of mid-Atlantic and North-eastern states

Sea Level Rise to reach almost one meter in 2100

The rate of global sea level rise has been accelerating in recent decades, rather than increasing steadily, according to a new study based on 25 years of NASA and European satellite data.

This acceleration, driven mainly by increased melting in Greenland and Antarctica, has the potential to double the total sea level rise projected by 2100 when compared to projections that assume a constant rate of sea level rise, according to lead author Steve Nerem. Nerem is a professor of Aerospace Engineering Sciences at the University of Colorado Boulder, a fellow at Colorado’s Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES), and a member of NASA’s Sea Level Change team.

If the rate of ocean rise continues to change at this pace, sea level will rise 26 inches (65 centimeters) by 2100 — enough to cause significant problems for coastal cities, according to the new assessment by Nerem and colleagues from NASA’s Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland; CU Boulder; the University of South Florida in Tampa; and Old Dominion University in Norfolk, Virginia.

“This is almost certainly a conservative estimate,” Nerem said. “Our extrapolation assumes that sea level continues to change in the future as it has over the last 25 years. Given the large changes we are seeing in the ice sheets today, that’s not likely.”

Rising concentrations of greenhouse gases in Earth’s atmosphere increase the temperature of air and water, which causes sea level to rise in two ways. First, warmer water expands, and this “thermal expansion” of the ocean has contributed about half of the 2.8 inches (7 centimeters) of global mean sea level rise we’ve seen over the last 25 years, Nerem said. Second, melting land ice flows into the ocean, also increasing sea level across the globe.

sea level rise

These increases were measured using satellite altimeter measurements since 1992, including the U.S./European TOPEX/Poseidon, Jason-1, Jason-2, and Jason-3 satellite missions. But detecting acceleration is challenging, even in such a long record. Episodes like volcanic eruptions can create variability: the eruption of Mount Pinatubo in 1991 decreased global mean sea level just before the Topex/Poseidon satellite launch, for example. In addition, global sea level can fluctuate due to climate patterns such as El Niños and La Niñas (the opposing phases of the El Niño Southern Oscillation, or ENSO) which influence ocean temperature and global precipitation patterns.

So Nerem and his team used climate models to account for the volcanic effects and other datasets to determine the ENSO effects, ultimately uncovering the underlying sea-level rate and acceleration over the last quarter century. They also used data from the GRACE satellite gravity mission to determine that the acceleration is largely being driven by melting ice in Greenland and Antarctica.

The team also used tide gauge data to assess potential errors in the altimeter estimate. “The tide gauge measurements are essential for determining the uncertainty in the GMSL (global mean sea level) acceleration estimate,” said co-author Gary Mitchum, USF College of Marine Science. “They provide the only assessments of the satellite instruments from the ground.” Others have used tide gauge data to measure GMSL acceleration, but scientists have struggled to pull out other important details from tide-gauge data, such as changes in the last couple of decades due to more active ice sheet melt.

sea level rise

The faster rate of sea levels rise will likely overwhelm adaptation efforts in many coastal cities by the end of this century. The higher base state of oceans means storm surge-driven coastal floods will deliver more severe damage.

One might think of sea level rise as a slow-motion steady event. The reality is sea level rise can be uneven over time and space. Sudden surges can occur as climate change-driven glacial melt water pulses into our oceans from ice sheets in Greenland and other locations. More severe climate change-enhanced storms like Hurricane Harvey then drive more damaging storm surges further inland due to the higher ocean base state. The increase in flooding and damage can be exponential, not linear.

Although this research is impactful, the authors consider their findings to be just a first step. The 25-year record is just long enough to provide an initial detection of acceleration — the results will become more robust as the Jason-3 and subsequent altimetry satellites lengthen the time series.

If the calculations are correct, it would mean that sea levels could rise by almost one metre by 2100, which would be devastating for island countries around the globe.

However, previous studies have indicated that sea levels could rise by two metres as a result of melting ice caps by 2100.

A two metre jump could see a host of major cities be partially submerged, including parts of London, Amsterdam New York, Miami, Guangzhou, Shanghai and Tokyo.

Among the places expected to be most hard-hit by sea level rise in the coming century are the islands of the tropical Pacific Ocean, ranging from sparsely developed archipelagos in Micronesia to heavily populated coastal areas on the Hawaiian Islands, such as Honolulu. People there worry that these islands will drown with sea level rise, but their freshwater capacity will be challenged much sooner because of salt water intrusion.

The Micronesians and Polynesians are place-based cultures. The bones of their ancestors are buried in these places. The land is considered a family member. This means moving is not a realistic option for many. Moving would mean leaving behind one’s culture, one’s family, and the very basis of one’s identity. However, rising sea levels, and changes in freshwater resources pose existential threats.

Pacific island communities did not bring this upon themselves. Their contributions to greenhouse gas emissions are negligible, yet they are among the earliest communities to experience the worst consequences. The major industrial nations responsible for global warming have a debt to the Pacific islands to assist with the adaptation that is necessary to survive this challenge. There is no time to spare. There are many steps that can be taken to bolster food resources, improve rainwater catchment, increase the elevation of the land, and envision new community designs that are resilient to storms, drought, and flooding.

Bernd Riebe

Contributors:
Katie Weeman
Cooperative Institute for Research in Environmental Science
Patrick Lynch
NASA’s Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Md.
Alan Buis
Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Calif.

Chip Fletcher
Associate Dean for Academic Affairs and Professor of Geology and Geophysics at the School of Ocean and Earth Science and Technology (SOEST), University of Hawaii at Manoa.

Yukon Quest 2018 – Final Results – Die Endergebnisse

Hundeschlitten

Am 15 FEB um 23:46 überquerte der Rookie Nathaniel Hamlyn mit nur noch 7 Hunden die Ziellinie in Whitehorse als letzter der noch im Rennen verbliebenen 13 Musher. Er war insgesamt 12 Tage, 11 Stunden und 13 Minuten unterwegs auf den 1000 Meilen von Fairbanks bis Whitehorse. Der Sieger Allen Moore traf schon drei Tage früher ein mit allen 14 Hunden. Es war ein ereignisreiches Rennen mit vielen Überraschungen und großen Herausforderungen von der Rosebud Passage bis hin zu den extremen Temperaturen. Da war die Tragödie um Hugh Neff der einen Hund verlor und aufgab, Paige Drobny, die lange als einzige mit Allen Moore mithalten konnte und dann auch aufgeben musste, so wie die Hälfte aller Musher Whitehorse nicht erreichten.

Hier die Endergebnisse mit der Gesamtzeit und Zahl der verbliebenen Hunde:

1. Allen Moore  – 9 days, 18 hours, 53 minutes –  14
2. Matt Hall –  10 days, 2 hours, 24 minutes  -11
3. Laura Neese  -10 days, 4 hours, 18 minutes – 8
4. Vebjorn Aishana Reitan – 10 days, 7 hours, 23 minutes  -11
5. Ed Hopkins – 10 days, 11 hours, 58 minutes  -12
6. Tim Pappas – 10 days, 22 hours, 37 minutes – 12
7. Bernhard Schuchert  -11 days, 10 hours, 36 minutes  -11
8.Alex Buetow – 11 days, 18 hours, 51 minutes -8
9. Luc tweddell  -11 days, 18 hours, 59 minutes – 8
10. Dave Dalton – 12 days, 5 hours, 17 minutes – 10
11. Riley Diche  -12 days, 5 hours, 55 minutes  -8
12.Rob Cooke  -12 days, 7 hours, 24 minutes  -12
13. Nathaniel Hamlyn -12 days, 11 hours, 13 minutes  -7

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Checkpoint Carmacks

Checkpoint Braeburn

Text: Bernd Riebe

 

Yukon Quest 2018 – Deutscher Musher auf Platz sieben

Am 14. Februar 2018 um 23:15 Ortszeit kam der deutsche Musher Bernhard Schuchert mit seinem Hundeteam als 7. in Whitehorse an. Mit ihm ins Ziel kamen 11 Huskies aus seiner Hundezucht namens Porttikoski. Er brauchte für die 1600 Kilometer von Fairbanks in Alaska nach Whitehorse im Yukon Territorium 11 Tage, 10 Stunden und 36 Minuten. Im Vergleich dazu hat der Champion Allen Moore nur 9 Tage, 18 Stunden und 53 Minuten für die Strecke gebraucht.
Trotzdem ist es ein Achtungserfolg für den 60 jährigen Musher, der vor dem Rennen unter den fünf Bestplatzierten gesehen worden war. Dies hat sich nun nicht erfüllt, was Bernhard Schuchert nicht traurig stimmen wird. Von 26 gestarteten Mushern als 7. im Ziel anzukommen ist ein sehr schönes Ergebnis. Schuchert, der als Yukon Quest Rookie gestartet ist, darf sich jetzt stolz YQ-Veteran nennen.
Vor Bernhard Schuchert kam Tim Pappas am 14.2. um 10:37 Uhr als 6. Musher mit seinem Team ins Ziel.
Im Checkpoint Mile 101 lag Bernhard Schuchert noch auf Rang 15. Er arbeitete sich von da an kontinuierlich nach vorn. In Central war er 14., in Dawson City bereits 11., in Pelly Crossing und in Carmacks 8. und in Braeburn bereits 7. Diesen Platz konnte er bis im Ziel in Whitehorse behaupten und verwies dabei Claudia Wickert und Alex Beutow, die in Dawson noch vor ihm lagen, auf die Plätze hinter sich.

Huskies Bernhard Schuchert

Zwei Huskies aus Bernhard Schucherts Team

Auch wenn Bernhard Schuchert vor dem Yukon Quest 2018 als Rookie (Anfänger) bezeichnet wurde, weil er das Rennen zum ersten Mal bestritt, war er alles andere als ein Anfänger. Er hat in Norwegen beim Finnmarkslopet schon Sportgeschichte geschrieben. 2012 beendete er das 1000 Kilometer-Rennen durch die Finnmark als erster Ausländer zum 10. Mal. Seit mehr als 35 Jahren ist der deutsche Musher erfolgreich in seinem Sport. Unzählige Teilnahmen am Finnmarkslopet und Femundlopet stehen auf seinem Konto. Auch den Iditarod ist er 2004 schon gefahren und beendete das Langstreckenrennen in 12 Tagen, 2 Stunden, 4 Minuten und 44 Sekunden auf dem 50. Platz.
Schucherts Hunde aus dem Porttikosk-Kennel stammen von Joe Garnie und Robert Sörlie ab.

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Und noch etwas Besonderes gibt es über Bernhard Schuchert zu berichten. Er hat eine Tochter, die Ronja Schuchert heißt. Das ist freilich nichts Ungewöhnliches. Aber es ist doch nicht alltäglich, dass Vater und Tochter gemeinsam an einem 600 Kilometer langen Schlittenhunderennen teilnehmen. So geschehen 2016 beim Femundløpet in Røros, Norwegen. Ronja und Bernhard reisten mit einem Dog Truck an, in dem ihre 24 Schlittenhunde geduldig saßen. Da sie innerhalb von 13 Minuten an den Start mussten, erforderte es Geduld und Erfahrung, den Stake Out zu managen. Aber es klappte alles gut und die beiden gingen mit den Startnummern 8 und 21 auf die Strecke. Beide beendeten das Rennen und Ronja wollte danach auch beim Yukon Quest 2018 starten. Leider fand sie keinen Sponsor und ihr bleibt nur, ihren erfahrenen Vater zu begleiten und anzufeuern.
Bernhard Schuchert lebt in Vallbo in Mittelschweden in der Nähe der norwegischen Grenze. Von Beruf ist er IT Manager und hat in seiner Hundezucht 30 Alaskan Huskies.
Beim Yukon Quest 2018 startete er mit der Nummer 14.

Text: © Xenia Marita Riebe
Video und Foto: © Sui Kings

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Yukon Quest 2018 – Vebjorn Aishana Reitan – „Rookie of the Year“

Vebjorn Aishana Reitan

Für Vebjorn Aishana Reitan war der Yukon Quest 2018 das erste Langstreckenrennen, das er je gefahren ist. Und er beendete es am 13. Februar 2018 um 20:23 nicht nur als „Rookie of the Year“, sondern auch auf Platz vier der Gesamtwertung. Ein beachtlicher Erfolg für den 21 jährigen Musher aus Kaktovik, einem kleinen Dorf am Nordrand des Arctic National Wildlife Refuge.
Der Titel „Rookie of the Year“ wird beim Yukon Quest an den höchstplatzierten Quest-Neuling verliehen.

Vebjorn Aishana Reitan ist ein Teamworker. Im Dog Yard in Dawson City erklärte er, dass er in den anderen Quest Teilnehmern eher Verbündete als Konkurrenten sieht. Diese Haltung machte er sich zunutze und versuchte, so viel wie möglich von den Quest Veteranen zu lernen. Dadurch machte er sein erstes YQ Rennen zu einem leichteren Unterfangen, als es ohne die Hilfe der erfahrenen Musher gewesen wäre.
„Matt Hall und Hugh Neff haben mir besonders geholfen“, sagte er. „Matt Hall verbrachte sogar eine Stunde damit, mit mir über die Trailkarte zu schauen und mir Ratschläge zu geben.“
Hall dagegen war froh, dass er Reitan helfen konnte.
„Wir Musher sind doch eine große Familie”, sagte Hall. „Besonders beim Quest, weil dort nur 26 Teams im Rennen sind. Wir müssen aufeinander aufpassen. Wenn wir uns gegenseitig helfen oder helfen können, warum nicht? Ich habe keine Angst davor, Erfahrungen zu teilen, wenn ich kann.”
Reitan bekräftigte noch einmal, wie sehr ihm die Ratschläge der Veteranen helfen.
„Es ist wichtig für mich, dass ich mir vorstellen kann, wie der Trail aussehen wird. Es ist auch gut zu wissen, wo ich campen kann und wo besser nicht. Das hilft mir wirklich weiter. Ich bin nun viel entspannter und kann mich mental vorbereiten.“

Deshalb wirkte Reitan in Dawson auch sehr gelassen. Sein Verhalten war ein Indikator dafür, dass er glücklich war, unter den ersten fünf Mushern zu sein, die Dawson City erreichten. Diese Position hatte er seit dem Checkpoint Eagle inne. Er zeigte sein schwedisches Messer, das er an der Schärpe um seine Taille trägt. Es ist eine eigene Kreation aus dem Plastik und dem Leder mehrerer Messer, die er im Laufe der Jahre besessen hat.
Reitan zeigte sich ausgeglichen und schritt in seinem weißen Jumpsuit Parka mit einer massiven, pelzgefütterten Kapuze gelassen über den Dog Yard davon.

Vebjorn Aishana Reitan Yukon Quest 2018

Vebjorn Aishana Reitan wuchs im Sommer auf der Jagd in Alaska und im Winter in Norwegen auf. Er bestritt sein erstes Schlittenhunderennen im Alter von nur vier Jahren. Für seine Großmutter Mildred Aishanna, die in Kaktovik lebt, jagt er gerne Karibus, Vögel, Robben und sogar Beluga-Wale. Außerdem ist er schon viele Jahre Tour Guide, sowohl im Sommer als auch im Winter. Reitan hat eine professionelle Rafting-Ausbildung absolviert und ist nun auch als Rafting-Führer tätig.
Mit dem Mushing wuchs er von klein an auf. Sein Vater Ketil ist ein angesehener Long-Distance-Musher und ein Iditarod-Veteran. Er brachte seinem Sohn bei, wie er die Hunde des Hulahula Kennel der Familie führt.
Obwohl Reitan mit etwas Mushing-Erfahrung in den Yukon Quest eingestiegen ist – er war 2016 beim Two Rivers 200 – siebter, 2014 beim Femundlopet Junior – achter und 2013 Femundlopet Junior – fünfzehnter – war dies das erste 1000-Meilen-Rennen an dem er teilnahm.
Im Ziel in Whitehorse äußerte sich Reitan über die niedrigen Temperaturen während des Rennens, die ihm unerwartete Probleme gemacht haben.
„Mein Vater und ich haben einen Plan gemacht“, sagte er. „Ich habe versucht, daran festzuhalten, aber das war nicht so leicht. Die Vorbereitung in den Checkpoints haben mich zum Beispiel zwei Stunden gekostet, während es normalerweise nur eine Stunde dauert. Auch musste ich auf dem Trail ab und zu anhalten, um meine Hände aufzuwärmen.”

Vebjorn Aishana Reitan im Ziel, YQ 2018

Vater Ketil Reitan ist nicht der einzige erfahrene Musher, von dem Vebjorn Aishana lernte. Auch Torsten Kohnert hat ihn in der Vergangenheit betreut.
„Ein paar meiner Hunde sind anfälliger für Erfrierungen“, erklärte Reitan weiter. „Also überprüfte ich bei jedem Halt die Pfoten meiner Hunde und trug eine Paste auf die exponierten Stellen auf, die sie von früheren Erfrierungen zurückbehalten haben. So stellte ich sicher, dass bei dieser Kälte alles gut ging.”
Von Matt Hall erhielt der Rookie Reitan ein großes Lob. Hall sagte, dass sich ihre Wege auf dem Trail gekreuzt hätten und das er sagen kann, wie gut Reitan und sein Team harmonieren.
„Er hat ein tolles Hundeteam“, sagte Hall. „Ich habe ihn eigentlich bei praktisch jedem einzelnen Stopp gesehen, den ich bei diesem Rennen gemacht habe. Er hat es richtig gut hinbekommen. Jetzt sehe ich, wie sein Team hereinkommt. Und seine Hunde sehen wirklich toll aus.

Reitans Erfolg ist unter den zum Teil schwierigen Bedingungen des YQ-2018 sehr hoch einzuschätzen. Der Titel „Rookie of the Year“ ist natürlich etwas Besonderes.

Text: © Xenia Marita Riebe
Video: © Sui Kings
Fotos: © Yasmin Maschouf-Hofmann

 

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Yukon Quest 2018 – Laura Neese – „Winner of the Hearts“

Laura Neese, Yukon Quest 2018

Als Laura Neese am 13. Februar 2018 um 16:54 Uhr als Dritte mit ihrem Hundeteam in Whitehorse über die Ziellinie fuhr, herrschten ideale Bedingungen.
Kurz nachdem Allen Moore in Whitehorse angekommen war, hatte es ziemlich heftig zu schneien begonnen. Danach ging ein Graupelschauer nieder und ein starker Wind wehte. Zum Glück dauerte das alles nur 20 Minuten. Danach wurde es wieder schön und der Wind flaute ab. Die Temperaturen sind ein wenig zu hoch für ein Schlittenhunderennen, aber dies hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass bei der Zielankunft von Laura Neese viele Besucher zur Ziellinie kamen. Hinzu kam, dass die Leute gerade Feierabend hatten.
So wurde Laura Neese, die erst in Carmacks auf die dritte Position vorrückte, im Ziel in Whitehorse von vielen begeisterten Zuschauern herzlich empfangen. Bei ihrem Zieleinlauf wurden ihr immer wieder Hände entgegengestreckt, die sie lachend abklatschte.

Neese sagte bei der Zielankunft, dass ihr dritter Platz ohne ihre 5 jährige Leithündin Maple, die für 750 Meilen diese Position im Team innehatte, nicht möglich gewesen wäre. Nach der Hälfte des Rennens wuchs der ebenfall 5 jährige Rüde Elmer in die Aufgabe des Leithundes hinein und führte fortan zusammen mit Maple. Im Ziel umarmte Laura Neese diese beiden Hunde ganz besonders innig.
Laura Neese ist beim Publikum sehr beliebt. Das war auch im Dog Yard zu spüren, wo sich eine große Anzahl von Fans eingefunden hatte, um zuzuschauen, wie Laura Neese ihre Hunde nach dem Rennen versorgte. Sie tat dies sehr ruhig und liebevoll, streichelte ihre Hunde, besah sich die Pfoten und fütterte sie. Dabei schaute sie immer wieder freundlich lächelnd zu ihren Fans auf. Von Laura ist auch bekannt, dass sie ihren Hunden gerne etwas vorsingt oder für sie Lieder pfeift. Ihr Lieblingslied dabei ist “You Are My Sunshine”.
Laura Neese fuhr in Whitehorse ein, wie sie in jeden Checkpoint einfährt, strahlend lächelnd. Immer hat man den Eindruck, dass sie bereit ist für weitere Taten.
Neese zählt zu den jüngsten Mushern, die jemals den Yukon Quest beendet haben. Mit 19 Jahren wurde sie 13. beim Yukon Quest 2016 und mit 20 Jahren 42. beim Iditarod 2017.

Laura Neese, Yukon Quest 2018

Laura Neese mit Leithündin Maple und Rüde Elmer

Mit dem Iditarod begann Laura Neeses Leidenschaft

Laura Neese, 21, ist in Ohio geboren und aufgewachsen. Sie wuchs auf einer Farm auf, wo sie und ihre Schwester Boer-Ziegen züchteten. Als sie neun Jahre alt war, folgte sie mit ihrer Familie dem Iditarod im Rahmen eines Schulprojekts. Und sie wurde, nach ihrer eigenen Aussage, sofort süchtig. Sie begann, alles zu lernen, was sie konnte, und träumte davon, ein Iditarod-Musher zu werden. Vier Jahre später begann sie mit der Hundezucht und absolvierte erste kurze Rennen in Michigan’s Upper Peninsula. Laura beendete die High School im Alter von 16 Jahren und zwei Jahre später erhielt sie einen Associate’s Degree in Veterinary Technology vom Penn Foster College. Im Jahr 2014 zog sie nach McMillan, Michigan, wo sie ihren Traum vom Langstreckenrennen zu verwirklichen begann. Sie arbeitete als Schlittenhundeführerin im Stielstra’s Nature’s Kennel und bot erste Hundeschlittenabenteuer für Touristen an. Nach dem ersten Jahr wurde sie Teil des Nature’s Kennel Race Teams und ist seitdem durch das ganze Land gereist. Sie hat viele Rennen gefahren, darunter die Can-Am Crown in Maine, die Percy de Wolfe und Canadian Challenge in Kanada, die Eagle Cap Extreme in Oregon. Und sie hat das Yukon Quest 2016 vor ihrem ersten Iditarod absolviert. Lauras weitere Interessen sind: Arbeiten im Wald, Bauen, Angeln und einfach nur draußen sein.

Laura Neese wird wohl zu Recht die „Gewinnerin der Herzen“ genannt.

Text: © Xenia Marita Riebe
Video: © Sui Kings
Fotos: © Yasmin Maschouf-Hofmann

Laura Neese “Winner of the Hearts”
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