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Sechs Gründe für den Verzicht auf Fleisch

Etwa 10 Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch, d.h. sie essen wohl tierische Produkte wie Eier und Käse, aber sonst nichts “was Augen hat”. Vor zwanzig Jahren waren das gerade mal 2 Prozent und das heutige Angebot an vegetarischen Produkten in Supermärkten und Restaurants war kaum vorstellbar. Eine gute Entwicklung, wie ich finde, nur eben leider bleiben da noch 90 Prozent Fleischesser, die aus Gewohnheit, vielleicht auch Fehlinformation (Isst du kein Fleisch dann fehlt dir was) oder einfach weil’s so gut schmeckt am Fleischkonsum festhalten. Dabei gibt es gute Gründe für eine ausgewogene vegetarische Ernährung und damit für einen Verzicht auf Fleisch. Die sechs wichtigsten möchte ich hier anführen.

1. Klimawandel
Die sogenannte Nutztierhaltung und die damit verbundene Futtermittelproduktion tragen wesentlich zum Klimawandel und Artensterben bei. Sie belasten Luft, Böden sowie Gewässer und beanspruchen unnötig große Mengen an Energie, Fläche und anderen Ressourcen. Die Umweltbelastung allein durch den Fleischkonsum in Deutschland ist immens.
Die Landwirtschaft – weltweit wie auch in Deutschland – ist eine wesentliche Ursache der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung. Sie ist für den Großteil der Treibhausgase Lachgas und Methan verantwortlich, die weitaus klimaschädlicher sind als Kohlendioxid (CO2). Zum Treibhauseffekt und damit zur Erderwärmung trägt die Landwirtschaft zudem erheblich durch sogenannte Landnutzungsänderungen (Entwaldung, Grünlandumbruch, Moornutzung) bei. Die Erzeugung und der Konsum tierischer Lebensmittel, insbesondere von Fleisch, verursachen dabei weitaus mehr CO2 und andere Treibhausgase als pflanzliche Produkte. Eine pflanzenbasierte Ernährung verringert die Umweltbelastung deutlich, den CO2-Fußabdruck etwa um über 50 %.
2. Energie- und Ressourcenverschwendung
Die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln ist eine große Energie- und Ressourcenverschwendung. Sie verbraucht weitaus mehr unserer Lebensgrundlagen als pflanzliche Lebensmittel. Über 70 % der globalen Agrarflächen sind Weideland, das teilweise zum Anbau von pflanzlicher Nahrung für den Menschen nutzbar wäre. Vom weltweiten Ackerland selbst werden wiederum über 70 % für die Erzeugung von Futtermitteln beansprucht. Die sogenannte „Veredelungswirtschaft“, also die Umwandlung pflanzlicher in tierische Nahrungsprodukte verschwendet riesige Bodenflächen sowie Wasser, Pflanzennährstoffe und fossile Energieträger.
3. Zerstörung der biologischen Vielfalt
Fleischkonsum beschleunigt das Artensterben. Riesige artenreiche Waldflächen werden gerodet, um Flächen für Weiden oder Futtermittel zu gewinnen. Im Amazonasgebiet dient ein Großteil der oft illegalen Regenwaldzerstörung der Schaffung von Weideland oder dem Anbau von Monokulturen für Futtermittel. Aufgrund der Abholzung von Regenwald verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten für immer von unserem Planeten. Die Wälder haben darüber hinaus als „grüne Lungen“ der Erde eine wichtige Funktion für den globalen Wasser- und Sauerstoffhaushalt. Dem Anbau von Futtersoja fallen in Südamerika ebenso wertvolle Savannen zum Opfer. Auch in Deutschland schädigt der Fleischkonsum die Umwelt: Die intensive Landwirtschaft, besonders die industrielle Tierhaltung, fördert das Waldsterben und bedroht Flora und Fauna.
4. Hunger und Unrecht
Der Wettbewerb zwischen „Trog und Teller“ wird zu Lasten vieler Menschen in ärmeren Regionen ausgetragen. Er ist eine der Ursachen für den Welthunger. So führt die Nachfrage nach Mais, Soja und Weizen als Futtermittel zu steigenden Preisen dieser Grundnahrungsmittel am Weltmarkt. Die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern können sich die Grundnahrungsmittel dann nicht mehr leisten. Außerdem werden Kleinbauern teils unter erheblichen Menschenrechtsverletzungen von ihrem Land verdrängt. Der Platz wird für den Anbau von Futtermitteln beansprucht, um den maßlosen Fleischkonsum in den Industrieländern zu ermöglichen. Die riesigen Monokulturen belasten durch intensive Düngung, Wasserverschmutzung und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Umwelt und gefährden die Gesundheit der Bevölkerung.
5. Grausame Massentierhaltung
In Deutschland leben dem Bundesamt für Statistik zufolge derzeit etwa 12,7 Millionen Rinder, 28 Millionen Schweine und 67,5 Millionen Masthühner. Diese Zahl hat seit 2011 deutlich zugenommen, um 7,5 Prozent. Es gibt also wesentlich mehr Nutztiere als Menschen in Deutschland. Medien bezeichnen Deutschland immer wieder als “Schlachthaus Europas”: Das Land steht bei der Schweineschlachtung mit mehr als 58 Millionen getöteten Tieren pro Jahr auf Platz 1 der europäischen Spitzenproduzenten, beim Rindfleisch auf Platz 2. Auf dem größten Geflügelschlachthof Europas im niedersächsischen Wietze schlachtet eine Maschine 450 Tiere pro Minute.

Formen der Massentierhaltung (nach „Albert Schweitzer Stiftung, 2017):
– Die meisten Tiere werden gewaltsam den Haltungsformen angepasst: Hörner, Ringelschwänze, Schnäbel und z. T. auch Zähne werden ohne Betäubung gekürzt/abgetrennt; (die Hühnermast bildet eine Ausnahme, weil die Tiere so jung geschlachtet werden).
– Wesentliche Grundbedürfnisse der Tiere werden ignoriert und ihre Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt.  Um die Tiere trotz unpassender Haltung leistungsfähig zu erhalten, ist eine häufig routinemäßige Abgabe von Antibiotika unvermeidlich geworden, was auch Gefahren für die menschliche Gesundheit mit sich bringt.

6. Gesundheitsrisiken
Wer täglich ein Hauptgericht mit rotem Fleisch isst, verkürzt seine Lebenserwartung und hat ein erhöhtes Risiko für Infarkt, Schlaganfall, Diabetes und diverse Krebsleiden. (Archives of Internal Medicine, 09/2012)
“Regelmäßiger Fleischkonsum trägt erheblich zum vorzeitigen Ableben bei”, sagt Harvard-Ernährungswissenschaftler Frank Hu. “Wer sich hingegen für gesündere Eiweißquellen entscheidet, hat gleich mehrere Vorteile davon und ist weniger gefährdet, chronisch krank zu werden oder gar früh zu sterben.”
Das Team aus Ärzten, Epidemiologen und Ernährungsexperten greift auf eine beeindruckende Datenbasis zurück, um seine Warnung zu untermauern. Die Forscher haben mehr als 37.000 Männer und 83.000 Frauen seit den 1980er Jahren beobachtet und immer wieder ihr Alltagsverhalten und ihre Ernährung analysiert.
Nach durchschnittlich fast 30 Jahren zeigte sich, dass die Sterblichkeit der Studienteilnehmer um 13 Prozent erhöht war, wenn sie täglich eine Hauptmahlzeit Fleisch zu sich nahmen – und sogar um 20 Prozent anstieg, wenn sie jeden Tag Wurst, Schinken oder zu Aufschnitt verarbeitetes Fleisch aßen.
Dass Infarkt, Schlaganfall, Gefäßverkalkung und Bluthochdruck häufiger bei Menschen auftreten, die oft und viel Fleisch essen, erklären Ärzte mit der vermehrten Aufnahme gesättigter Fettsäuren, aber auch mit einer erhöhten Zufuhr von Eisen und Salz durch tierische Nahrungsmittel. Um verarbeitetes Fleisch und Wurstwaren haltbar zu machen, werden Nitrite verwendet. Diese erhöhen das Diabetes-Risiko und beeinträchtigen zudem die Elastizität der Blutgefäße; beides trägt ebenfalls zur erhöhten Herzkreislaufgefahr bei. (Süddeutsche Zeitung, 10.09.2012)

Dass hoher Fleischkonsum nicht wirklich gesund sein kann, überrascht wenig.
Doch bislang gingen Experten und Wissenschaftler davon aus, dass der ungesunde Anteil von Wurst, Steaks und Co. bei der Ernährung von gesundheitsfördernden Komponenten wie Obst und Gemüse ausgeglichen werden kann. Doch dem ist nicht so, haben nun schwedische Forscher herausgefunden.
Wissenschaftler der medizinischen Universität Karolinska Institutet in Stockholm haben über 16 Jahre lang die Essgewohnheiten von mehr als 74.000 Menschen analysiert und die Auswirkungen von Fleischkonsum auf die Lebenserwartung untersucht. Dabei wurden die Personen je nach Durchschnittsmenge an täglich konsumierten Fleisch in fünf Gruppen eingeteilt.
Am Ende des Beobachtungszeitraums stellte sich heraus, dass die Sterberate in der Gruppe mit dem höchsten Fleischkonsum (über 117 Gramm pro Tag) um 21 Prozent höher lag als bei der Gruppe mit dem niedrigsten Fleischkonsum (unter 46 Gramm pro Tag)“, sagte Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE), gegenüber dem “ORF”. So traten Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich häufiger auf als bei Personen, die weniger Fleisch gegessen hatten.
Auch den Zusammenhang von ansonsten gesunder Ernährung durch Obst und Gemüse und die Wirkung von hohem Fleischkonsum wurde untersucht. Die bisherige Annahme, dass die Ernährung mit viel Obst und Gemüse die negativen Auswirkungen des Fleischkonsums ausgleichen könnten, wurde widerlegt. “Das heißt also: Zwei Wurstsemmeln oder ein Schnitzel am Tag reichen aus, um eine statistisch deutlich geringere Lebenserwartung zu haben, unabhängig davon, ob man sich sonst gesund ernährt und viel Obst und Gemüse isst”, sagte Widhalm zum “ORF”. (Stern, 16.01.2017)

Fazit: Es gibt keinen vernünftigen Grund für regelmäßigen Fleischkonsum, bis auf einen vielleicht: Es schmeckt mir halt! Allerdings, wie kann das angesichts der hier angeführten Argumente?

Bernd Riebe

Foto: Niush Sitaula, A logo of no entry with word meat to show support for vegatarianisms , CC BY-SA 4.0 

Benn -Viele Herbste – Ein düster melancholischer Rückblick

Viele Herbste – Gottfried Benn

Wenn viele Herbste sich verdichten
in deinem Blut, in deinem Sinn
und sie des Sommers Glücke richten,
feg doch die fetten Rosen hin,

den ganzen Pomp, den ganzen Lüster,
Terrassennacht, den Glamour-Ball
aus Crepe de Chine, bald wird es düster,
dann klappert euch das Leichtmetall,

das Laub, die Lasten, Abgesänge,
Balkons, geranienzerfetzt –
was bist du dann, du Weichgestänge,
was hast du seelisch eingesetzt?

Das Gedicht liest sich wie ein melancholisch düsterer Rückblick auf das Leben. In einer Art auktorialer Erzählsituation wird das DU konfrontiert mit dem Herbst des Lebens. Es spürt die vielen erlebten Herbste sich verdichten, ununterscheidbar nun, doch spürbar in Blut (Körper) und Sinn (Geist). Im jahreszeitlichen Bild wird nun des Sommers Glück gerichtet, hinweggefegt die fetten Rosen, Attribute des leichten Lebens, Pomp, Lüster, Glamour-Ball, das düstere Ende, der Winter, naht, verbunden mit ebenso düsteren Prophezeiungen. Dann klappert euch das Leichtmetall, Laub, Lasten, Abgesänge – alles Synonyme für das Vergängliche, Zerbrechliche bis hin zu den geranienzerfetzten Balkons als ultimatives Symbol der Zerstörung. Und schließlich die Sinnfrage, wofür das alles, bleibt etwas, für das es sich lohnt zu leben, was hast du seelisch eingesetzt?

Bernd Riebe

©Foto und Skulptur: Xenia Marita Riebe

Pressefotografie – Diese Bilder lügen nicht

Pressefotos - Xenia Marita Riebe

Heute keine Krokodile in Sicht


In dieser Reihe habe ich mich mit dem Phänomen beschäftigt, dass in Zeitungen immer häufiger manipulierte, oder bestenfalls digital veränderte Fotos erscheinen. Diese untermauern Artikel und verleiten den Leser nicht selten dazu, den Inhalt des Artikels als Wahrheit zu akzeptieren.

Ich möchte aber ganz deutlich darauf hinweisen, dass ich auf keinen Fall die „fake news“ Verschwörungstheorie unterstütze.

Mein Anliegen ist es vielmehr, darauf aufmerksam zu machen, wie leicht wir Opfer von manipulierten Fotografien werden. Diese Abbildungen müssen nicht in böser Absicht verändert worden sein. Oft steckt einfach nur die Lust dahinter, die Realität ein wenig zu beugen. Oder der Urheber des Fotos ist ein Mensch mit Humor, der augenzwinkernd eine Kleinigkeit verändert und sich darüber freut, dass die Zeitungsleser es nicht merken. Natürlich kommt es auch vor, dass Journalisten ihre Leser bewusst auf das Glatteis führen, sei es, um ihren Thesen mehr Gewicht zu geben, oder um versteckte Botschaften zu transportieren.
Auf jeden Fall sollten Zeitungsleser aufmerksam bleiben und sich nicht verführen lassen, jedem Foto bedingungslos zu vertrauen. Einmal aufmerksam geworden, werden sie feststellen, dass es Freude machen kann, Zeitungsfotos genauer zu betrachten. Diese dienen eben nicht nur als nettes Beiwerk zu Artikeln. Sie sind mehr als das und werden auch bewusst eingesetzt. Sie können manipulativ sein, aber auch der Wirklichkeit entsprechen. Doch eines sind sie ganz sicher. Sie sind Inhalte, die vom Leser der Tageszeitungen subjektiv wahrgenommen werden, viel subjektiver als der Inhalt des geschriebenen Textes.

Pressefotos - Xenia Marita Riebe

Die Hebammen leisten erste Hilfe

Dieser Gedanke war der Auslöser, mich mit den Fotografien aus den Tages- und Wochenzeitungen eindringlicher zu beschäftigen. Ich entnahm den Zeitungen Fotos, die mich ansprachen, zerriss sie, klebte die Teile auf Leinwände, bemalte sie und schrieb Schlagzeilen anderer Artikel in den Spalt, der durch das Zerreißen entstanden war. So nahm ich die Fotos aus ihrem normalen Kontext und überführte sie in einen neuen, oft absurden Zusammenhang. Natürlich erlaubte ich mir dabei auch hin und wieder ein wenig Humor.
Mit den veränderten Pressebilder möchte ich den Betrachter sensibilisieren. Ich wünsche mir, dass er skeptischer gegenüber der Masse an Pressefotos wird, die er täglich in den Zeitungen sieht. Ist das, was er sieht, Realität oder ist es das Ergebnis von Photoshop und manipulierten Bildunterschriften?

Eines ist dabei sicher. Meine Pressefotografien entsprechen einer Realität, meiner Realität.

Veränderung der Fotografien und Text:  © Xenia Marita Riebe

Pressefotos – Xenia marita Riebe
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Brombeertarte

Brombeertarte

Zutaten:

250g Weizenvollkornmehl
(oder Type 1050)
1 Ei (Gew. -Kl.2)
3 Eigelb
1 Prise Vollmeersalz
150g Honig
150g Butter
500g Brombeeren
125 ml Schlagsahne
30g Pinienkerne (auf Wunsch)

Zubereitung:

Das Mehl auf eine Arbeitsfläche schütten und in die Mitte eine Mulde drücken. 1 Ei, 1 Eigelb, Salz und 100g Honig in die Mulde geben. Die Butter in Flöckchen auf den Mehlrand verteilen. Mit einem großen Messer vermengen und danach durchkneten. Den fertigen Teig zu einer Kugel formen und in Klarsichtfolie verpackt für 30 Minuten in den Kühlschrank legen.
Den Teig herausnehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche rund ausrollen. (Durchmesser ca. 30 cm) Eine Tarteform mit 26 cm Durchmesser einfetten und mit dem Teig auslegen. Die Ränder andrücken und glatt abschneiden. Den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen.
Die Brombeeren verlesen, abspülen und abgetropft auf dem Boden verteilen.
2 Eigelb mit dem restlichen Honig 5 Minuten dick aufschlagen und die Sahne unterrühren. Die Masse über die Brombeeren gießen. Mit Pinienkernen bestreuen.

In den vorgeheizten Ofens schieben.

Backzeit: 20 – 25 Min. Temperatur: 200°

Dabei die Form in den ersten 10 Minuten auf den Backofenboden stellen, Danach weitere 10 – 15 Minuten auf der mittleren Schiene backen

Lauwarm mit eiskalter Schlagsahne (evtl. mit Calvados würzen) servieren.

1874 Joule (340 Kalorien) pro Stück bei 8 Stücken.

Text und Foto: © Xenia Marita Riebe

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Fototagebuch – Jeden Tag ein Foto

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Fotos vom  30.Oktober 2003 bis 29.November 2004

im Herbst 2003 hatte ich plötzlich die Idee, ein Fototagebuch zu beginnen. Ich nahm mir vor, jeden Tag ein Foto von etwas zu machen, das unmittelbar mit mir und meinem Leben zu tun hatte. Dabei sollte möglichst das herausragendste Ereignis des jeweiligen Tages dokumentiert werden, um so den Charakter eines Tagebuches zu bekommen. Ich machte mir aber zur Auflage, jeden Tag nur ein Foto aufzunehmen, was die Sache deutlich erschwerte. Dazu muss man wissen, dass ich eine analoge Spiegelreflexkamera besaß, und nicht, wie heute üblich, die unerwünschten Fotografien einfach löschen konnte. Ich musste also sehr genau überlegen, welchen Moment oder welches Ereignis des Tages ich auf meinen Film bannen wollte. So geschah es nicht selten, dass ich abwartete und dachte, dass der Tag sicher noch ereignisreichere Momente bringen würde. Öfter wurde darüber Abend und ich sah mich schließlich gezwungen, ein Motiv zu suchen, in der Gewissheit, dass es im Laufe des Tages wesentlich bessere gegeben hatte.
Doch meistens war ich mit meiner Wahl ganz zufrieden.
Im Laufe der Zeit entwickelte ich bestimmte Vorlieben und begann, wann immer es die Ereignisse des Tages erlaubten, in Serien zu arbeiten.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Beispiel für einen Ordner des Fototagebuchs

Erklären muss ich noch, dass ich mir zur Aufgabe gestellt hatte, meine analogen Fotografien entwickeln zu lassen und diese anschließend einzuscannen. Die so digitalisierten Bilder bearbeitete ich mit einem Bildbearbeitungsprogramm, dem Microsoft Picture Publisher, ein Steinzeitprogramm für heutige Vorstellungen. Doch ich wurde mit dem Programm sehr gut vertraut und erzielte für damalige Verhältnisse ganz gute Ergebnisse. Natürlich war auch die Qualität des zugrundeliegenden Fotos ein Kriterium für das Endresultat. Ich erinnere daran, dass ich täglich nur ein Foto machte. War dieses unscharf, verwackelt oder einfach nur banal, benötigte ich umso mehr Geschick, um daraus etwas halbwegs Annehmbares zu machen.
Die digital veränderten Fotos ließ ich auf Fotopapier ausdrucken. Dann klebte ich die ursprüngliche Fotografie auf schwarzes Tonpapier und versah es mit einer Seitenzahl. Genauso verfuhr ich mit dem digital veränderten Foto. Die beiden schwarzen Tonpapiere ( 21 x 12cm) heftete ich in unterschiedliche Ordner ein und schrieb dazu ein Inhaltsverzeichnis. So entstanden 730 aufgeklebte Fotos auf 730 Seiten Tonpapier. Die Ordner konnten nebeneinander gelegt und durchgeblättert werden. So war es dem Betrachter möglich, die ursprüngliche Fotografie neben der digital veränderten anzuschauen.

Besondere Reihen

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Vanilla Sky

Klone

Als ich bei der Bildverarbeitung lernte – learning by doing – markierte Bildinhalte zu kopieren und wieder einzusetzen, erinnerte ich mich an das Thema Klone, das ich in meiner Malerei bearbeitet hatte. Ich begann damit, Menschen, Tiere und Gegenstände zu verdoppeln oder sogar mehrfach in einem Foto zu verwenden.
So entstand das geklonte Schaf auf dem Deich, meine vielfach geklonte Tochter vor dem Gemälde von Andy Warhol, meine verdoppelten Töchter auf dem Dach des Abteiberg – Museums in Mönchengladbach und ein geklontes Stofftierschäfchen.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Spiegelserie

Ich fand auch Gefallen daran, mich selbst mit meiner Kamera im Spiegel festzuhalten. Deshalb machte ich Fotos von mir im Bad, in Umkleidekabinen von Kaufhäusern oder Fotos von Spiegelungen meiner selbst in Schaufensterscheiben etc.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Es lebe die…...

Aus der Spiegelserie entstand dann nebenbei die „Es lebe die…“ Reihe. Hierfür schrieb ich auf einen Spiegel mit Farbe Sprüche wie „Es lebe das Leben“, „Es lebe die Liebe“, Es lebe die Jugend“ und stellte Personen vor den Spiegel, um sie mit der Aufschrift zusammen zu fotografieren. Natürlich scannte ich auch diese Fotos nach der Entwicklung ein und bearbeitete sie digital, um sie noch ein wenig „verrückter“ zu machen.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Blasen, Mosaike und Invertierungen

Viele Fotos veränderte ich mit den vorprogrammierten Funktionen des Bildbearbeitungsprogramms. Dies vor allem zu Beginn, denn ich musste mich erst einmal mit dem Picture Publisher vertraut machen. Ich ließ Bilder in viele Facetten aufteilen, ließ Blasen in den Ecken entstehen oder invertierte die Farben einfach, um so etwas Neues zu kreieren.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Wolkenfabrik

Horizontale, vertikale Spiegelung und Schlagschatten

Später versuchte ich mich daran, Bildinhalte aus dem Foto zu kopieren, diese zu spiegeln und mit dem ursprünglichen Foto in einer neuen Datei zusammenzusetzen. So schuf ich einige ganz besondere Fotografien, wie unter anderem die „Wolkenfabrik“ und „Schlafende Giraffen“. Auch das Foto einer Frau, die auf einem Stuhl am menschenleeren Strand sitzt, veränderte ich auf diese Weise. Manchmal verwendete ich in bestimmten Bereichen eines Fotos Schlagschatten und erzielte damit erstaunlich verfremdende Ergebnisse.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Veränderungen im Bereich Farbe

Im Laufe des Jahres, in dem ich das Fototagebuch führte, machte ich auch viele Experimente mit der digitalen Veränderung von Farben. Ich invertierte, benutzte die Korrektur von Helligkeit und Kontrast und invertierte erneut. So entstanden einige interessante Bilder, deren Inhalte in der neuen Farbigkeit völlig anders dargestellt und gesehen werden konnten. Als Beispiel hierfür zeige ich hier unter anderem das Foto vom Marktplatz in Wenduine, Belgien.

Fototagebuch - Xenia Marita Riebe

Vermischung von Bildinhalten

Mit der Kopier- und Einfügefunktion arbeitete ich sehr gerne. Ich entnahm meinen digitalisierten Fotos Inhalte und fügte sie gespiegelt, gekippt oder auch in ihrer alten Ausrichtung in ein anderes meiner Fotos ein. Zum Teil vergrößerte ich die kopierten Inhalte, um sie im neuen Bild in den Focus zu rücken. So entstanden ganz neue Bilder mit teilweise verblüffenden Inhalten.
Der „gefallene Jesus“ findet sich plötzlich aufrecht hängend an der Wand eines Getreidesilos wieder und aus einem LKW springt wie ein Flaschengeist ein Mann heraus. Im Rückspiegel unseres Autos erscheint viel zu nah und deshalb bedrohlich ein LKW, der links und rechts zur Verstärkung des Eindrucks noch mehrere Male zu sehen ist. Eine zu große schwarze Katze schaut durch die Heckscheibe eines alten Volvos, der wegen eines Staus in den dem Kennedy Tunnel in Antwerpen eingewiesen wird. Eines meiner Lieblingsbilder ist das Foto des Haus Ur von Gregor Schneider, dessen Fassade ich digital abstürzen ließ.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Fototagebuch – Klone
Fototagebuch – Spiegelserie
Fototagebuch – Es lebe die……
Fototagebuch – Blasen, Mosaike und Invertierungen
Fototagebuch – Spiegelung, Schlagschatten
Fototagebuch – Farbige Veränderungen
Fototagebuch – Vermischung von Bildinhalten
Fototagebuch – Gemischte Fotos
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Die Kermesbeere – Ein Augenschmaus und ein Leckerbissen für Vögel

Kermesbeere

In meinem Garten hat sich vor ein paar Jahren eine Kermesbeere angesiedelt. Ich war zuerst neugierig, dann erfreut, denn die Pflanze hatte kräftige grüne Blätter und entwickelte im Frühling hübsche weiße Blüten an großen Blütenkerzen. Im Lauf des Sommers verwandelten sich diese in zarte grüne Früchte, die, je weiter das Jahr fortschritt, ihre Farbe hin zu rot wechselten. Im Spätsommer oder Herbst wurden sie dunkelrot bis schwarzrot und glänzend.
Doch nicht nur mir gefielen die schönen roten Beeren, die mich in ihrer Form an eine Süßigkeit aus meinen Kindertagen erinnerten. Himbeeren nannten wir das Zuckerzeug, das allerdings eher rosa als rot war. Auch begeistert davon sind die Amseln, die die schönen Beeren von den Kerzen picken und verzehren. Scheinbar können sie nicht genug davon bekommen und fressen sie leider in nur wenigen Tagen alle ab. Aus ist es dann mit meinem Augenschmaus!

Blüte der Kermesbeere

Blüte der Kermesbeere

Aber ich gönne es den Amseln, die zu meinen Lieblingsvögeln gehören und mich mit ihrem schönen Gesang erfreuen. Natürlich scheiden die Amseln den Samen der Kermesbeere wieder aus und verbreiten die Pflanze damit weiter. In meinem Garten wachsen inzwischen drei Kermesbeeren. Anfangs hatte ich Angst, dass die schöne Pflanze irgendwann verschwinden würde, wie sie kam, heimlich, still und leise. Doch inzwischen bin ich sicher, dass sie in meinem Garten bleiben wird. Die Standorte wechseln und ich bin immer auf`s neue gespannt, wo sich im Frühling eine Kermesbeere zeigt.
Die imposante einjährige Kermesbeere kann an günstigen Standorten bis zu zwei Meter hoch werden. Sie verträgt keine pralle Sonne und gedeiht prächtig im Halbschatten von Büschen und Bäumen.

Kermesbeere

Invasiver Neophyt

In vielen Teilen der Welt gilt die Kermesbeere als invasiver Neophyt und breitet sich besonders in milden Gegenden inzwischen großflächig aus. Es gibt zwei Arten von Kermesbeeren, die asiatische Art (Phytolacca acinosa), bei der die Blütenkerzen aufrecht stehen und die amerikanische Art (Phytolacca americana) mit herabhängenden Blütenkerzen und Fruchtständen.
Leider sind die schönen Früchte der Kermesbeere für den Menschen giftig und auch die Wurzel und die Samen der Kermesbeere sollten auf keinen Fall verzehrt werden. Insbesondere Kinder sollten von den verführerischen Früchten ferngehalten werden.
Wer vermeiden möchte, dass sich die Pflanze im Garten ausbreitet, der sollte die gesamte Pflanze mitsamt Wurzelknolle entfernen oder zumindest nach dem Abblühen die Blütenstände abschneiden. Ich plädiere aber dafür, die Kermesbeere an ihrem selbstgewählten Standort zu belassen, da sie den Amseln als Futter dient.

Kermesbeere

Kermesbeere – Eine Heilpflanze

In Nordamerika wurde die Kermesbeere früher in der Volksmedizien als Heilpflanze angewendet. Doch durch ihren hohen Gehalt an Triterpensaponinen kam es immer wieder zu Vergiftungsfällen.
Aber auch noch heute werden dort Extrakte aus der getrockneten Wurzel zur Behandlung von Katarrhen, Rheumatismus und Entzündungen des Kehlkopfes und der Mandeln angewendet.
Kermesbeere

Anwendung in der Homöopathie

Ein Extrakt aus der frischen, im Herbst ausgegrabenen Wurzel der amerikanischen Kermesbeere (Phytolacca americana) wird homöopathisch bei hoch fieberhaften Infekten und Entzündungen der Schleimhäute im Bereich Mund- oder Rachenraum eingesetzt. Auch bei Brustdrüsenerkrankungen stillender Mütter und bei rheumatischen Erkrankungen wird der Extrakt angewendet.

Kermesbeere

Ich finde aber, dass nicht jede Pflanze einen Nutzen haben muss. Ist es nicht auch schön, sich einfach an der Anwesenheit der Kermesbeere im Garten zu erfreuen?

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Global Citizen ART Project

Global Citizen ART Project - Skulpturen - West Afrika

Global Citizen ART Project – Skulpturen – West Afrika

Ein Werk zu den Fragen und Folgen der Globalisierung von Xenia Marita Riebe

Skulptur der Vereinigten Arabischen Emirate

Eine lindgrüne Tageszeitung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Xenia Marita Riebe bei einer Bahnfahrt bei ihrem Gegenüber sah, gab den Anstoß zum umfangreichsten Kunstprojekt, das die Künstlerin bis lang geschaffen hat.
Sie stellte sich in Gedanken vor, aus dem Papier der Zeitung mit der ungewöhnlichen Farbe und den arabischen Schriftzeichen die Skulptur eines Mannes zu machen. Daneben gesellte sie in Gedanken die Skulptur einer Frau aus der apricotfarbenen Zeitung El Pais aus Spanien und eine weitere Figur aus der rosafarbenen Gazetto dello Sport aus Italien. Da die Zugfahrt länger dauerte und der Regen ihr die Sicht auf die Landschaft nahm, überlegte sie weiter. Sie stellte sich vor, wie interessant es sein müsste, Skulpturen in Menschenform aus den Zeitungen unterschiedlichster Länder zu gestalten, mit ihrer Vielfalt an Sprachen und Schriften. Und schon war der Gedanke geboren, aus einer Zeitung aus jedem Land der Welt eine Skulptur zu kreieren. Die Künstlerin überlegte, was sie mit einer solchen Arbeit alles ausdrücken könnte. Ihr ureigenes Thema Globalisierung und die Integration von Fremden, aber auch den durch die fortschreitende Globalisierung drohenden Verlust von Sprachen und Schriften. Den Eine Welt Gedanken genauso, wie die Migrationsproblematik. Sie dachte an politische Bündnisse, die sich durch die gezielte Aufstellung der Skulpturen darstellen ließen, ebenso wie die Dichte der Staaten auf den verschiedenen Erdteilen.
Welch große Aufgabe sich Xenia Marita Riebe gestellt hatte, merkte sie erst, als sie sich schon so weit in die Arbeit begeben hatte, das es kein Zurück mehr gab.
Zuerst versuchte sie, aus jedem Land der Welt eine Original Zeitung zu bekommen. Dazu schrieb sie als erstes die Botschaften Deutschlands weltweit an und freute sich, dass einige Botschafter spontan antworteten und bereit waren, eine Landeszeitung zu schicken. So kamen die ersten 70 von 200 Zeitungen zusammen. Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Es wurde immer schwieriger, die noch fehlenden Zeitungen zu bekommen. Da lernte Xenia Marita Riebe bei einer Podiumsdiskussion eine Bundestagsabgeordnete kennen, die ihre Hilfe anbot. Beatrix Philipp, so hieß die Dame, schaltete das Auswärtige Amt ein und ließ die Botschaften im Namen der Bundesregierung anschreiben. So erreichten die Künstlerin weitere 40 Zeitungen mit der diplomatischen Post der Bundesrepublik Deutschland. Vielen Briefen lagen sehr nette Schreiben der Botschafter bei, die viel Erfolg für das Kunstprojekt wünschten.

Briefumschlag aus Mikronesien

Briefumschlag aus Mikronesien

Xenia Marita Riebe begann, aus den bereits vorhandenen Zeitungen Skulpturen zu machen. Den Kern machte sie dabei aus der heimischen Tageszeitung und die äußere Haut aus der jeweiligen fremden Zeitung. So entstanden nach und nach Männer, Frauen und Kinder aus aller Welt. Tagsüber arbeitete die Künstlerin an den Figuren und nachts saß sie an ihrem PC, um E-Mails in alle Welt zu verschicken, immer mit der Bitte, ihr doch eine Tageszeitung zuzuschicken. Sie schrieb an Zeitungsredaktionen, Hotels, Universitäten, Krankenhäuser, Schulen und Vereine. Nach und nach kamen immer mehr Zeitungen im Atelier Riebe an und die Weltbevölkerung wuchs. Die Rheinische Post stieg in das Thema ein und bat ihre Leser, aus dem Urlaub oder von ihren Reisen Tageszeitungen für das Projekt mitzubringen. Auch so kamen einige Zeitungen zur Künstlerin. Der Herausgeber der einzigen Tageszeitung von Mikronesien Bill Jaynes, ließ sich besonders lange bitten. Erst als die Künstlerin ihm ein Foto von sich sendete, reagierte er, schickte eine Tageszeitung und schrieb in der nächsten Ausgabe der Kaselehlie Press sogar einen ausführlichen ganzseitigen Artikel über das Projekt. Auch in der Somaliland Times erschienen mehrere Artikel zum Global Citizen ART Projekt, allerdings musste die abgebildete Skulptur virtuell beschnitten werden, denn in einem muslimischen Land war es nicht möglich, einen Penis abzubilden. Zur Erklärung, die Global Citizen Skulpturen sind unbekleidet. Auf den Marschall Inseln war man so stolz, dabei zu sein, dass auch dort ein Artikel in der Zeitung erschien.
Beinahe unmöglich schien es, eine Zeitung aus Nordkorea zu bekommen, denn dort gab es zu dieser Zeit nur eine einzige E-Mail-Adresse, von der keine Antwort kam. Glücklicherweise brachte ein Journalist der ZEIT eine Zeitung aus Nord Korea mit und stellte sie der Künstlerin zur Verfügung.

Ausstellung mit Michael Gorbatschow

Xenia Marita Riebe mit Michael Gorbatschow

Xenia Marita Riebe arbeitete drei Jahre daran, die 200 Originalzeitungen zu besorgen und Skulpturen zu fertigen. Als alle Figuren fertig waren, versah sie diese mit dem Kürzel der jeweiligen Top Level Domain des Landes, um sie später identifizieren zu können. Dann ließ sie Metallplatten aus Stahl in Form der Kontinente anfertigen, auf denen jede Figur an dem Platz des Landes stehen konnte, aus dem die Zeitung stammte. 2007 war es dann soweit. Das Global Citizen ART Project konnte erstmals ausgestellt werden. Dies geschah in der Kaiser Friedrich Halle in Mönchengladbach im Beisein von Michael Gorbatschow und 900 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft.
Heute stehen die 200 Skulpturen in einem Kubus aus Acrylglas. So sind sie vor Witterungseinflüssen geschützt und können auch leichter ausgestellt werden. Der Kubus ist 50x50x50 cm groß.

Global Citizen ART Project

Ausstellung des Global Citizen ART Project

Hintergründe

Das Global Citizen ART Project ist ein Projekt, dass sich künstlerisch mit den Folgen der Globalisierung auseinandersetzt. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Kultur der Schriften und Sprachen. Als Medium hierfür dienen 200 Plastiken mit menschlichem Aussehen aus 200 Originalzeitungen aus 200 Ländern der Welt. Dieses Globalisierungsprojekt ist das Resultat der intensiven Beschäftigung der Künstlerin Xenia Marita Riebe mit kulturellen und politischen Themen, die durch die fortschreitende Globalisierung entstanden sind. Schwerpunkte liegen hierbei auf:
Kinder – sind sie die Verlierer der Globalisierung?
Sprachen – wieviele Sprachen werden, durch die Dominanz einiger weniger Sprachen für immer verschwinden?
Schriften – wird auch die Schriftsprache vereinheitlicht und damit viele seltene Schriften für immer vergessen werden?
Kleine Staaten – haben sie eine Chance in der globalisierten Welt, oder werden sie zum Spielball der großen Weltmächte?
Moderne Medien und Internet – wäre die Globalisierung ohne den technischen Fortschritt und die modernen Kommunikationsmittel möglich?
Das Global Citizen ART Project soll den Betrachter dazu anregen, sich mit diesen und weiteren durch die Globalisierung entstandenen Fragen zu beschäftigen.
Das Buch zum Projekt gibt mit vielen Texten und farbigen Abbildungen weitere Anregungen zur Auseinandersetzung mit den Folgen der Globalisierung.

Global Citizen ART Project
Thema meines „Global Citizen Project“ ist die Globalisierung. In meiner Arbeit setze ich mich mit den vielseitigen Aspekte dieser neuen Entwicklung auseinander. Durch die Globalisierung verändert sich unser Leben und das Leben aller Menschen dieser Erde. Schon jetzt ist klar, dass die kulturelle Vielfalt, die sich über die Jahrtausende isoliert entwickelt hat nach und nach in einer globalen Kultur aufgehen wird.
Es muss befürchtet werden, dass wirtschaftlich starke Länder den politischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Weg, den unsere Spezies nehmen wird bestimmen werden und die schwächeren Staaten sich dieser Macht beugen müssen und so zu Opfern der Globalisierung werden.
Deshalb brauchen wir Regeln, die von allen akzeptiert werden um so eine dauerhafte Entwicklung unter Respektierung der Verschiedenartigkeit der Völker zu garantieren. Sonst ist zu befürchten, dass die Globalisierung das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich noch verstärkt. Dies gilt gleichermaßen für Regionen, Staaten und

Individuen
Die moderne Technik hat das rasante Fortschreiten der Globalisierung erst ermöglicht, bietet aber gleichzeitig die einzigartige Chance der Verständigung der Individuen untereinander. Durch die Möglichkeit einfach, unabhängig und kostengünstig zu kommunizieren haben die Menschen erstmalig die Gelegenheit sich frei von Zensur, Propaganda und Religion näher kennenzulernen. So könnten sie lernen sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen. Fremdenhass könnte so weitgehend abgebaut werden. Denn nur was wir nicht kennen macht uns Angst. Und aus Angst entsteht leicht Ablehnung oder gar Hass.

Kubus mit Global Citizen ART Project

Kubus mit Global Citizen ART Project

Ernährung
800 Millionen Menschen leiden unter chronischem Hunger. Millionen andere haben nicht genügend zu essen, um ein “aktives und gesundes Leben” führen zu können. Ein gutes Viertel der Weltbevölkerung ist von Nahrungsmittelknappheit bedroht. Deshalb muss die Globalisierung einhergehen mit einer Weltwirtschaftsordnung die auch den schwächeren Staaten die Möglichkeit gibt ihre Bevölkerung durch eigene Erträge zu ernähren. Kein Staat sollte darauf angewiesen sein die Nahrung für seine Bevölkerung auf dem Weltmarkt kaufen zu müssen.Ein Land, das genügend Getreide für sich selbst erzeugt hat nichts zu befürchten. Ein Land, das jedoch Getreide einführen muss, setzt seine Bevölkerung großen Gefahren aus. Jede Veränderung der weltweiten Getreidereserven kann die Preise in die Höhe treiben. Millionen von Menschen wird so der Zugang zum großen internationalen Nahrungsmittelmarkt versperrt.

Kinder
Kinder sind von Natur aus fröhliche unbefangene Wesen. Sie wollen die Welt in der sie leben erfahren und begreifen. Deshalb heben die Kinder meiner Weltbevölkerung ihre Arme so frei in die Luft und strecken sie ihre Hände aus nach der Zukunft. Kinder wollen fröhlich sein und spielend ins Erwachsenenalter hinüberwachsen. Kinder sollten als Persönlichkeiten respektiert und mit umfassenden Rechten ausgestattet werden, sonst drohen sie zu Verlierern der Globalisierung zu werden. Kindern sollte weltweit der Zugang zur Bildung garantiert werden. Sie sollten vor sexueller Ausbeutung geschützt werden. Kinderarbeit muss weltweit abgeschafft werden und kein Kind darf mehr gezwungen werden als Kindsoldat sein Leben in Gefahr zu bringen. Dabei darf es keine Ungleichbehandlung von Kindern ihres Geschlechts wegen geben.

Global Citizen ART Project - Xenia Marita Riebe

Die Situation der Kinder weltweit ist heute leider eher negativ zu sehen. Trotz der Fortschritte der letzten zehn Jahre bleibt sie alarmierend. Nach Auskunft des internationalen Büros für Arbeit, arbeiten mehr als 250 Millionen Minderjährige zwischen 5 und 14 Jahren, viele von ihnen unter lebensgefährlichen Bedingungen. 1998 wurde ein internationaler Marsch der Kinder organisiert, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Die Teilnehmer haben sich in Genf, wo die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) tagte, getroffen, um die Schaffung einer neuen Konvention, die 1999 angenommen wurde, zu unterstützen. Deren Ziel ist die Abschaffung “der schlimmsten Formen von Arbeit”, darunter Sklaverei, Prostitution… Jedes Jahr fallen eine Million Kinder in die Hände von Zuhältern; ebenso viele werden verkauft. Eine weitere Form des Missbrauchs sind Kinder als Soldaten in bewaffneten Konflikten. Die Zahl der Kindersoldaten wird auf 300.000 geschätzt. In diesem Punkt enttäuscht die Konvention. Sie erlaubt die Anmusterung ab dem 15. Lebensjahr. Der UNO-Sicherheitsrat hat soeben eine Resolution angenommen, die den Einsatz von Kindern in Kriegen verurteilt. Er ruft die Regierungen auf, die Anwerber gerichtlich zu verfolgen. Doch die Auswirkungen des Krieges gehen noch weiter. Seit 1987 wurden 2 Millionen Minderjährige getötet; 8 Millionen verletzt oder verstümmelt, und 15 Millionen leiden ihr Leben lang an starken seelischen Erschütterungen. Hinzukommen weitere 20 Millionen verschleppte Kinder.
Um ein Kind vor jeglicher Ausbeutung zu schützen, muss man ihm eine Identität zusichern, seine Bürgerrechte bewahren und ihm das Recht auf Bildung geben. Die Auswirkungen der Bildung auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung wurden allmählich erkannt. Seit 1990 gehen 50 Millionen mehr Kinder in die Grundschule. 140 Millionen, darunter sind zwei Drittel Mädchen, sind immer noch nicht eingeschult. Erziehung und Gesundheit stehen oft in Zusammenhang. Diesbezüglich sieht die Statistik schlecht aus: jedes Jahr sterben 13 Millionen Kinder an Unterernährung und vermeidbaren Infektionen. 100 Millionen Kinder sind durch zunehmende Verstädterung, Arbeitslosigkeit und Auflösung der Familienstrukturen dazu verurteilt, auf der Straße zu überleben. Dort sind sie der Gewalt der Staatsmacht und einer gnadenlosen Umwelt ausgesetzt. Die Hälfte stirbt in den ersten vier Jahren.

Kulturelle Vielfalt
Meine Figuren stellen Individuen dar, die zwar genetisch weitgehend gleich und dennoch sehr verschieden sind. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen, haben unterschiedliche Schriften und Religionen. Ihre Kulturen sind vielfältig und sehr verschieden. Sie haben unterschiedliche kulturelle Werte geschaffen und ein kulturelles Erbe, dass es wert ist erhalten zu bleiben.
Immer mehr Menschen stellen jedoch fest, dass ihre Kultur zerbrechlich ist, ihre Sprache immer weniger gesprochen, ihre Geschichte vergessen wird und ihre künstlerische Avant-Garde nicht wahrgenommen wird. Dieses Problembewusstsein haben nicht nur reiche Länder entwickelt, sondern auch Schwellen- und Entwicklungsländer, deren Meinung für die zukünftigen Verhandlungen auf der Welthandelsorganisation (WTO) wichtig sein werden.
Ziel ist es, die Uniformierung der Welt zu vermeiden, indem die Vielfalt der Kulturen geschützt wird. Die kulturelle Vielfalt hat für die Zukunft der Gesellschaften in erster Linie eine politische Bedeutung.

Fotos: © Siegfried Mayska, Giulio Cosca, Xenia Marita Riebe

Text: © Xenia Marita Riebe

Siehe auch

Website – Global Citizen ART Project

Angebot im Shop

World Press Blätter – 200 Zeichnungen auf 200 Zeitungsausrissen aus aller Welt

Global Citizen ART Project – Xenia at work
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Xenia Marita Riebe – World Press Blätter – Ein Begleitprojekt zum Global Citizen ART Project

Xenia Marita Riebe mit Arbeiten der World Press Reihe in ihrem Atelier

Xenia Marita Riebe mit Arbeiten der World Press Reihe in ihrem Atelier

Als die Künstlerin Xenia Marita Riebe 2007 ihr Global Citizen ART Project vollendet hatte, schuf sie aus den verbliebenen Originalzeitungen aus aller Welt eine weitere Kunstreihe.
Dazu wählte sie aus jeder Zeitung ein aussagekräftiges Foto oder einen Text aus und machte daraus einen Ausriss, den sie auf Aquarellpapier klebte und mit Farbe und einer Kohlezeichnung versah. Diese Arbeiten haben alle einheitliche Größe von 32 x 23 cm.

Fremdartige Schriften

Ausschnitt aus dem World Press Blatt Nr. 8, Malediven

Ausschnitt aus dem World Press Blatt Nr. 8, Malediven

Wenn die Zeitung in einer interessanten Schrift verfasst war, wählte die Künstlerin gerne Ausrisse mit Teilen von Texten, die in der fremdartigen Schrift gedruckt waren. Beispiel hierfür sind die Zeitungen aus Äthiopien, Thailand, Eritrea, Kuwait, China, Japan, Kambodscha, Laos, Myanmar, Sri Lanka, Malediven, Armenien, Turkmenistan, Griechenland, Georgien und die Marshallinseln.

Artikel in fremden Sprachen

 

World Press Blatt Nr. 119, Tunesien

World Press Blatt Nr. 119, Tunesien

Besonders interessiert war die Künstlerin an Zeitungsartikeln, die in der Landessprache verfasst waren. Hier wählte sie Ausrisse mit Texten, die sie nicht lesen, deren Inhalt sie aber anhand der Fotos erraten konnte. Beispiele hierfür sind World Press Blätter aus Tunesien; Malediven, Myanmar, Malaysia,und Palästina.
Viele blieben auch rätselhaft wie Artikel aus Ruanda, Togo, Russland, China, Japan, Slowakei, Ungarn und Tonga.

Artikelfotos mit politischer Aussage

World Press Blatt Nr. 104, Nord Korea

World Press Blatt Nr. 104, Nord Korea

Konnte die Künstlerin die Schrift der Zeitung nicht lesen, so wählte sie möglichst einen Ausriss mit einer eindeutig politischen Aussage. Als Beispiel gelten World Press Blätter aus Tansania, Tonga, West Samoa, Kroatien, Albanien, Kolumbien und Bolivien.
Das Blatt aus Albanien zeigt demonstrierende Männer, die wütend die Fäuste recken. In der mexikanischen Zeitung hält eine Frau ein selbstgemaltes Transparent in die Kamera. Ein Artikel in der mazedonischen Zeitung scheint wütende Bauern hinter Kornsäcken zu zeigen. Die Nord Koreanische Zeitung bringt einen Artikel über das Schulsystem. Zu sehen sind kleine Mädchen hinter Schulbänken. Traurig ist der Artikel aus dem Jemen, der in englischer Sprache verfasst ist und über die hohe Zahl der erst 10 jährigen Mütter im Land berichtet.

Religiöse und kulturelle Aussagen

World Press Blatt Bulgarien

World Press Blatt Bulgarien

Die Zeitung des Vatikan Staates bietet ein klassisches Beispiel für eine religiöse Aussage. Aber auch in der bulgarischen Zeitung war ein solcher Artikel der Aufmacher.
Häufig hat die Künstlerin auch Bilder aus dem kulturellen Leben des jeweiligen Landes gewählt. Zum Beispiel Kamelreiten im Irak, traditionelle Tänze aus Mikronesien, eine Tanzshow aus Israel oder ein Foto von einer Theateraufführung aus Liechtenstein.

Sportreportagen

World Press Blatt Kenia

World Press Blatt Kenia

Aber auch der Sport durfte nicht fehlen. So brachte das Radsport verrückte Belgien ein Foto von Robbie McEwen und in Italien war ein Foto von der Fussball-Europameisterschaft der Aufmacher. Aber es gab auch andere Sportereignisse, die Einzug in das World Press Projekt hielten, wie zum Beispiel ein Artikel aus der kenianischen Zeitung, der strahlende Läufer zeigte.

Zeichnungen

World Press Blatt Nr. 3, Micronesien

World Press Blatt Nr. 3, Micronesien

All diese Zeitungsausrisse – 200 an der Zahl – klebte Xenia Marita Riebe auf Aquarellpapier, versah sie jeweils mit farbigen Elementen und brachte anschließend eine Kohlezeichnung auf. So entstand eine umfangreiche, aussagekräftige Reihe. Jedes Blatt wurde von der Künstlerin signiert und auf der Rückseite mit dem Namen des jeweiligen Landes und mit einem World-Press-Sempel und einer Nummer versehen. So trägt das Blatt von Tansania, auf dem ein Foto vom Urnengang einer Frau zu sehen ist, die Nummer 29. Das Blatt vom Inselstaat Tonga hat die Nummer 170. Hier ist auf einem Foto zwischen Insulanerinnen eine hellhäutige Frau mit Blumenkette und Blumenhut zu sehen. Offenbar wurde sie für etwas ausgezeichnet. Der Artikel ist in der Landessprache verfasst und deshalb für die Künstlerin nicht lesbar.

World Press Book

Doch damit nicht genug. Xenia Marita Riebe schuf auch ein Künstlerbuch mit ebenso 200 Ausrissen aus Originalzeitungen aus 200 Ländern der Welt. Hierin sind neben Zeichnungen auch Sprichwörter und Aussagen von bedeutenden Menschen zu lesen. Das World Press Book ist 21 x 13 cm groß und hat 202 bearbeitete Seiten.

So lautet ein afrikanisches Sprichwort gleich zu Beginn des Buches:

Wenn an vielen kleinen Orten
viele kleine Menschen
viele kleine Dinge tun,
wird sich das Angesicht unserer Erde verändern.

Leider gilt dies im positiven wie im negativen Sinn und man kann nur hoffen, dass die positiven Impulse in der Überzahl sind.

Wie dem auch sei. Die Künstlerin Xenia Marita Riebe wollte mit ihrem Global Citizen ART Project, das zwischen 2003 und 2007 entstand, und mit den begleitenden World Press Blättern sowie dem World Press Book auf die Gefahren der Globalisierung aufmerksam machen. Die Kunstwerke sind aber auch ein Kaleidoskop der unterschiedlichen Kulturen, eine Dokumentation der unterschiedlichen Sprachen und Schriften und nicht zuletzt eine Kritik an politischen Verhältnissen und Menschenrechtsverletzungen, die leider immer wieder und in vielen Ländern der Welt geschehen.

Versuchen wir, nach dem afrikanischen Sprichwort zu handeln und die Welt zu einem besseren Ort zu machen!

Ausstellungsfoto

Die World Press Blätter wurden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt.

Text, Fotos und Kunstwerke: © Xenia Marita Riebe

Ausstellung World Press – 200 hängende Blätter

World Press Blätter

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Mein Mund spricht immer noch die Sprache meiner Mutter

Mein Mund - bild-art.de

Mijn Mond

mein mond spricht immer noch die language meiner moeder denn er hat zwar im laufe der time viele taalen ausprobiert aber keine gefiel ihm so good wie diese deshalb hat mijn mund sich besluiten wann immer es geht die spraak meiner mother zu sprechen aber dennoch ist es mijn gehirn ein vernügen meinen mund anzuweisen eine andere sprache zu sprechen my hooft liebt beispielsweise niederländisch mein herz liebt französisch meine tong liebt englisch und mein gehemelte liebt italienisch chinesisch lieben nur meine ears maledivisch houden meine ogen und meine handen love die brailleschrift mine voeten habe ich noch nicht gevraagd doch ich belief dass diese am meisten das gevoel lieben über eine nat wiese zu laufen mit der language meiner moeder haben ze nicht veel zu tun

Text und Foto: © Xenia Marita Riebe

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Das Pionierbeet im naturnahen Garten

 

Pionierbeet im Juni 2018, Ausschnitt

Pionierbeet im Juni 2018, Ausschnitt

Wo Pionierpflanzen sich selbst ansiedeln dürfen

Als ich vor einigen Jahren versuchte, aus dem konservativ angelegten Garten hinter meinem Atelier einen naturnahen Garten zu machen, richtete ich mich bei manchen Dingen nach dem Buch „Der Naturgarten“ von Reinhard Witt.
So legte ich neben einem Wassergraben auch ein Pionierbeet an. Dafür plante ich an der Begrenzungsmauer ein etwa 6 m² großes sonniges Areal ein. Dieses bepflanzte ich mit wilder Malve (5 Pflanzen), gewöhnlicher Nachtkerze (3 Pflanzen), echtem Seifenkraut (6 Pflanzen), großblütiger Königskerze (3 Pflanzen), wilde Karde (4 Pflanzen), mehliger Königskerze (3 Pflanzen), Windblumenkönigskerze (3 Pflanzen) und zu guter Letzt mit der imposanten Prachtkönigskerze (4 Pflanzen).

Kugeldistel

Kugeldistel mit Hummel und Biene

Mein Pionierbeet liegt gegenüber der Terrasse und ich kann es rund ums Jahr beobachten. So sah ich dort schon häufiger den bunten Distelfink, der zuerst die Samen der wilden Karde und dann die der großen Kugeldisteln pickte.

Im den ersten Jahren nach der Bepflanzung war das Pionierbeet ein wirklicher Hingucker. Die drei Meter hohen Prachtkönigskerzen hoben sich wunderschön vom wilden Wein an der hohen Backsteinmauer ab. Davor wuchsen abgestuft die anderen Pflanzen. Da ich aber wohl nicht genug Pflege anwandte – ich überließ das Beet sich selbst – verschwanden meine gepflanzten Kerzen nach und nach. Ich hatte da wahrscheinlich etwas falsch verstanden, denn ich dachte, ein Pionierbeet brauche keine Pflege.
Will man aber die Königskerzen länger als zwei Jahre behalten, bedarf es doch ein wenig Pflege.

Prachtkönigskerzen

Prachtkönigskerzen im Pionierbeet, 2014

Bei Reinhard Witt heißt es: „Haben Sie selbstgemischte Erde genommen, können Sie die Zeit getrost vergehen lassen. Es keimen auf der anfangs noch erschreckend kahlen Fläche neben der Aussaat nur wenige, leicht zu kontrollierende Unkräuter. Sie sollten sorgfältig gejätet werden. Ist der Boden aber verunkrautet und sehr nährstoffreich, übernehmen Gräser und Co. bald die Oberhand. Dann kommt zwar die Aussaat noch, aber für die weiteren Jahre sieht es schlecht aus.“

Kermesbeere im Pionierbeet

Kermesbeere im Pionierbeet

Ich habe dieses Jäten unterlassen und deshalb haben sich meine Prachtkönigskerzen inzwischen verabschiedet. Geblieben sind einige andere Königskerzen und dazugekommen sind wunderschöne Disteln, die im Sommer mit blauen Kugeln blühen und zahlreiche Bienen und Hummeln anlocken. Zwischen den Disteln haben sich auch andere Pflanzen angesiedelt. Da steht die Gaucklerblume, die Kermesbeere, wilder Anis, Akelei, wilder Thymian, Minze, eine mir unbekannte große grüne Pflanze mit gelben Blüten und am Rand zierliche blaue Glockenblumen. Im Frühjahr blüht hier auch die Schlüsselblume und Vergissmeinnicht. Auch Bärlauch hat sich angesiedelt. Es herrscht also ein prächtiges Durcheinander von Pflanzen, die sich scheinbar alle gut vertragen.

Ich liebe dieses wilde Beet, das in meinen Augen nun ein wahres Pionierbeet ist. Trotzdem möchte ich im Herbst wieder Platz für die Prachtkönigskerze machen. Und auch wilde Karde soll wieder ins Pionierbeet Einzug halten. Ansonsten kann dort wachsen, was immer will. Pioniere eben.

Schmetterling an der Blüte einer Prachtkönigskerze

Schmetterling an der Blüte einer Prachtkönigskerze

Tipp zur Aussaat oder Pflanzung der obengenannten Pionierpflanzen.

Aussaat

Laut Reinhard Witt bestellt man am besten eine Königskerzenmischung bei www.wildblumensaatgut.at im österreichischen Voitsau. 0,5 g/m² werden benötigt. Die beste Saatzeit ist Spätsommer bis Herbst, doch auch im Frühjahr ist die Aussaat möglich.

Stauden

Bei der Auspflanzung von Stauden reichen 3-4 Stauden/m², denn die Pflanzen sind sehr hoch und wüchsig. Laut Reinhard Witt gibt es Prachtkönigskerzen im Topf nur in der Wildstaudengärtnerei Strickler im österreichischen Alzey www.gaertnerei-strickler.de

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Prachtkönigskerzen
Kermesbeere
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