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Helft den Insekten!

Biene auf einer Blüte der Flockenblume

Biene auf einer Blüte der Flockenblume

Der naturnahe Garten ist ein Zufluchtsort für Hummeln, Bienen und Co.

Wir wissen es schon seit langem. Die Zahl der geflügelten Insekten geht immer dramatischer zurück. In einer großangelegten Studie haben Forscher nun dokumentiert, dass der Bestand der Hautflügler in den letzten 30 Jahren um 76 % zurückgegangen ist. Dass dies verheerend für Struktur und Funktion fast aller terrestrischen Ökosysteme ist, muss ich wohl nicht extra betonen.
Doch wir können etwas tun, um den Rückgang der Insekten oder gar ihr Aussterben, aufzuhalten. Und es ist ganz leicht!
Trennen wir uns einfach von überlieferten Konventionen, also von traditionell anerkannten gesellschaftlichen Verhaltensregeln, die uns bisher als Norm gelten.
Wir haben gelernt, dass ein Garten ordentlich aussehen muss, dass dort kein „Unkraut“ wachsen darf und dass die Pflanzen, die wir dort kultivieren, möglichst große auffällige Blüten haben sollen.
Doch wer sagt uns, dass dieses erlernte Schema richtig ist und dass es nicht geändert werden darf?
Alles auf dieser Erde ist dazu da, hinterfragt zu werden! Auch die Doktrin des sterilen Gartens.

Biene an einer Blüte der Zaunrübe

Biene an einer Blüte der Zaunrübe

Der naturnahe Garten bietet Insekten eine Heimat

In meinem Naturgarten wachsen Pflanzen und Blumen, die in Deutschland oder zumindest in Europa heimisch sind. Diese liefern Nahrung für eine Vielzahl von Insekten, die ihrerseits Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung dienen und so zum Erhalt der Nahrungskette beitragen.
Insekten benötigen zum Sammeln von Nektar und Pollen blühende Blumen und Sträucher. Viele Arten leben selbst vom Nektar, während sie ihre Larven mit Pollen ernähren. Andere Larven (Raupen) wiederum fressen Blätter von Pflanzen.
Für Blüten für gilt eine einfache Faustregel: Je einfacher und schlichter die Blüte, desto wertvoller ist sie für die Insekten. Das bedeutet, dass eine Reihe von Blumen, die im allgemeinen Verständnis als Unkraut gelten, wertvolle Nektarlieferanten für Hummeln und Bienen sind. Ich habe oft beobachtet, dass Insekten gerade die unscheinbarsten und kleinsten Blüten bevorzugen.
Aber das soll nicht heißen, dass wir unsere Gärten verwildern lassen sollen und dass es in ihnen nur noch „unscheinbare“ Blüten geben darf.

Biene auf einer Pfingstrose

Biene in der Blüte einer Pfingstrose

Blühende Schönheiten als Nahrungsquelle für Insekten

Es gibt durchaus eine ganze Palette von blühenden Pflanzen und Büschen, die wunderschön anzusehen und trotzdem nützlich für unsere Bienen und Hummeln sind.
Wer würde glauben, dass selbst die gefüllte Blüte der Pfingstrose Insekten anzieht? Und gibt es denn eine auffälligere Blüte als die duftende, duftige, große Blüte dieser alten Bauernblume? Und trotzdem sind es weniger die großen auffälligen Blüten, die Bienen anziehen.
Hummeln beispielsweise lieben Glockenblumen aller Art. Deshalb kultiviere ich in meinem Garten eine Anzahl von unterschiedlichen Glockenblumen, lat. Campanula. Da ist die Karpaten-Glockenblume, die Wiesen- und die Wald-Glockenblume, im Steingarten die Bärtige Glockenblume (Campanula barbata) und viele andere, einschließlich der Wildformen. Aber auch der Arznei-Beinwell, die Kleeblume und eine ganze Reihe von unterschiedlichen Mohnblumen. Auch die Akelei, mit ihren wunderschönen Blüten, die ich die „Tänzerin des Gartens“ nenne, ist sehr beliebt bei den Hummeln. Der Rittersporn, die Lupine, das Löwenmäulchen und die Blaue Berg-Flockenblume ziehen Bienen und Hummeln aller Art an. Sehr beliebt ist auch die Zaunrübe mit ihren hübschen kleinen Blüten und viele Steingartenpflanzen. Auch die Distel und die Taubnessel haben sehr viel Nektar in ihren Blüten und ziehen Insekten in Scharen an.

Biene landet auf Spornblume

Biene landet auf einer Blüte der Spornblume

Die Spornblume wiederum zieht das selten zu sehende Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) an, einen Nachtfalter, der mit seinem langen Rüssel den Nektar der schönen Blume aufnimmt. Wegen seines auffälligen Schwirrflugs, wird der Falter auch Kolibrischwärmer genannt.
Sträucher wie Seidelbast, Holunder, Rot- und Weißdorn und Kornelkirche sind nicht nur wegen ihrer Beeren für viele Vögle als Nahrungsquelle unverzichtbar, sondern auch wegen ihrer Blüten, die den Hautflüglern Nahrung geben.

Hummel an Phacelia

Hummel sammelt Pollen an der Blüte der Phacelia (Gründünger)

Gründüngerpflanzen – nicht nur gut für den Boden

Lupinen und Phacelia reichern den Boden mit Stickstoff an und machen ihn so fruchtbarer. Ihre Blüten sind zudem wahre Bienenweiden. Die Blüten der Phacelia sind mit ihrer blau-violetten Farbe nicht nur schön anzusehen, sondern ziehen Bienen und Hummeln wie magisch an. Nirgendwo in meinem Garten ist ein solches Nebeneinander von unterschiedlichsten Insekten zu beobachten, wie in meiner Phacelia-Wiese. Dort wächst nebenher auch Raps, der ebenfalls bei den Bienen sehr beliebt ist.
In die Blüten der Lupine und des Fingerhuts klettern gerne Hummeln. Es ist schön anzusehen, wie die Hummeln mit ihren Füßen die unteren Blütenblätter herunterschieben um in die Blüte der Lupine klettern zu können.
Wer Hummeln und Bienen bei der Arbeit beobachten will, braucht gute Augen, denn die kleinen Insekten sind sehr schnell und lassen sich nur selten für einen Augenblick nieder. Meistens summen sie umher und besuchen in schneller Folge eine Blüte nach der nächsten. Haben sie dann genug Pollen gesammelt, kehren sie zu ihrem Bau zurück, um schon bald wieder erneut an die Arbeit zu gehen.
Zu den Insekten im Garten gehören natürlich auch Ameisen, Käfer, Libellen und Schmetterlinge.

Wespen an der Tränke

Vier Wespen holen Wasser an der Insektentränke

Wie mache ich meinen Garten fit für Insekten?

Wichtig ist es, für ein ausreichendes Nahrungsangebot zu sorgen. Dazu sollte keine Wildblumenmischung verwendet werden, sondern lieber gezielt Pflanzen ausgewählt werden, die viel Blütenstaub bieten. Neben der Vielfalt ist es auch sinnvoll, von einer Pflanzenart mit viel Pollen viele Exemplare anzubieten. Auch sollte man vom Frühling bis zum Herbst Nahrungsquellen bereitstellen. Das heißt, dass zu jeder Zeit blühende Pflanzen für Bienen und Hummeln zur Verfügung stehen sollten.
Ein Angebot an Wasser für Insekten sollte im Garten auch nicht fehlen. Ich stelle eine Tonschale mit Wasser bereit, in deren Mitte ein Stein liegt. Den ganzen Sommer über kommen Wespen dorthin und tragen Wasser fort, das sie zum Kühlen ihrer Nester durch Verdunstungskühle benutzen. Aber auch für den Bau ihrer Nester benötigen Wespen Wasser. Dafür raspeln sie von Hölzern die aus Zellulose bestehenden Pflanzenteile ab und verarbeiten diese mit Hilfe ihres Speichels zu Brei. Aus diesem Rohstoff, der in der Herstellung dem des Papiers ähnelt, bauen Wespen die Wände ihrer Behausungen.
Wenn kein Teich oder eine andere, dauernd gefüllte Wasserstelle zur Verfügung steht, kann bei länger anhaltender Trockenheit das Trinken für Bienen, Wespen und Käfer tatsächlich auch zum Problem werden. Sie nehmen dann gerne das Angebot in der Schale an.
Lehm, Ton oder Löß stellen eine wichtige Hilfe für Insekten im Garten dar. Dazu wird ganz einfach eine offene Bodenfläche geschaffen, auf die Lehm oder Ton aufgebracht wird. Dieser sollte feucht gehalten werden. Insekten, wie die Mauerbiene, die Mauer-Lehmwespe und die Tönnchenwegwespe benötigen Lehm, um ihre Nester zu bauen und um ihre Bruthöhlen damit zu verschließen. Einige Arten bauen Nester, die ganz aus Lehm bestehen. Feuchter Lehm ist eines der wichtigsten Materialien für Insekten.
Die Anlage einer Trockenmauer oder das Aufschichten eines Steinhaufens kann auch den Insekten helfen. Viele Insekten wie die Große Wollbiene sind wärmeliebend und mögen sonnige Plätze. Wer noch mehr tun möchte und gerne Schmetterlinge in seinen Garten locken will, der kann eine Schmetterlingsspirale bauen. Die Anleitung dazu gibt es beim NABU. Auch auf der Internetseite des NABU findet man Anleitungen zum Bau eines Insektenhotels. Dabei wird leider viel falsch gemacht, womit man den Insekten eher schadet als nutzt. Also bitte vorher unbedingt umfassend informieren!

Schmetterling an einer Rapsblüte

Schmetterling an einer Rapsblüte

Nahrungsangebot für jeden Sommermonat

Im März:
Krokus, Nieswurz, Christrose, Saalweide, Azalee, Alpenrose, Rhododendren, Narzisse, Schlehe, Veilchen, Lungenkraut, Sumpfdotterblume, Primel, Schlüsselblume und Mahonie*.
Im April:
Obstbäume, Nieswurz, Christrose, Saalweide, Azalee, Alpenrose, Rhododendren, Narzisse, Schlehe, Veilchen, Lungenkraut, Sumpfdotterblume, Primel, Schlüsselblume, Mahonie* und Johannisbeere.
Im Mai:
Rosen, Beinwell, Obstbäume, Katzenminze, Akelei, Salbei, Hornklee, Mohn, Zierlauch, Veilchen, Wachsblume, Sumpfdotterblume, Raps, Wiesensalbei, Johannisbeere und Ginster.
Im Juni:
Rosen, Natternkopf, Borretsch, Beinwell, Katzenminze, Akelei, Glockenblume, Flocken-und Kornblume, Salbei, Hornklee, Mohn, Fuchsie, Mauerpfeffer, Kapuzinerkresse, Zierlauch, Wachsblume, Raps, Wiesensalbei, Hohlzahn, Artischocke, Ginster, Fingerhut und Lupine.
Im Juli:
Rosen, Stockrosen, Hibiskus, Lavendel, Edeldistel, Natternkopf, Borretsch, Roter Sonnenhut, Glockenblume, Springkraut, Flocken-und Kornblume, Salbei, Hornklee, Mohn, Fuchsie, Mauerpfeffer, Kapuzinerkresse, Zierlauch, Wachsblume, Löwenmäulchen, Cosmea, Wiesensalbei, Hohlzahn, Artischocke, Ginster, Fingerhut, Dunkle Blaunessel und Lupine.
Im August:
Sonnenblume, Stockrosen, Hibiskus, Lavendel, Edeldistel, Heide, Natternkopf, Borretsch, Roter Sonnenhut, Glockenblume, Springkraut*, Flocken-und Kornblume, Salbei, Hornklee, Mohn, Fuchsie, Mauerpfeffer, Kapuzinerkresse, Zierlauch, Wachsblume, Löwenmäulchen, Cosmea, Wiesensalbei, Hohlzahn, Artischocke, Ginster, Fingerhut, Dunkle Blaunessel, Sommerflieder und Lupine.
Im September:
Sonnenblume, Stockrosen, Hibiskus, Lavendel, Edeldistel, Natternkopf, Borretsch, Roter Sonnenhut, Hornklee, Heide, Fuchsie, Kapuzinerkresse, Wachsblume, Löwenmäulchen, Cosmea, Hohlzahn, Artischocke, Dunkle Blaunessel, Sommerflieder und Lupine.

*nicht heimische Pflanze, die heimische Arten verdrängen kann

Ein Garten ohne Bienen, Schmetterlinge, Hummeln, Ameisen und Libellen ist für mich nicht lebenswert.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Video: © Bernd Riebe

Insekten im naturnahen Garten – Teil I
Insekten im naturnahen Garten – Teil II
Insekten im naturnahen Garten – Teil III
Insekten im naturnahen Garten – Teil IV

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Tulpen – Die schönen Fremden aus dem Morgenland

 

Tulpe - blue blog

Das Tulpenfieber

Heute können wir uns kaum noch in die Zeit hineinversetzen, als in Europa – vor allem in Holland – das Tulpenfieber grassierte. Der schwunghafte Handel mit den Tulpenzwiebeln, aber auch die wahre Leidenschaft für die schöne Blume begann am Beginn des 17. Jahrhunderts. Über Nacht brach dieser Wahn aus und jeder, der es sich auch nur annähernd leisten konnte, wollte mindestens eine Tulpenzwiebel sein eigen nennen. Selbst Arbeiter und Bauern kratzten ihre Notgroschen zusammen und machten sich auf zu einer Tulpenbörse, um dort, was nicht selten war, betrogen zu werden. Ruinierte Kaufleute, aber auch betrogene einfache Bürger und Bauern, nahmen sich nicht selten das Leben, wenn sie entdeckten, dass sie all ihr Geld verloren hatten. Andere, denen das Glück holt war, oder die geschickt im Handel waren, wurden über Nacht unfassbar reich.

Tulpe - blue blog

Was war geschehen? Reisende Kaufleute hatten in den 1620er Jahren aus dem Orient eine schöne Blume mitgebracht, die Tulipan genannt wurde, denn sie glich in der Form den Turbanen der orientalischen Männer. Zu dieser Zeit kultivierten wohlhabende Bürger und Adelige in Europa in ihren Gärten bereits seltenen Blumen und Pflanzen. Sie waren darauf aus, neue Pflanzen aus aller Welt zu züchten, um damit ihre Handelspartner und Freunde zu beeindrucken. Deshalb wollten viele von ihnen unbedingt eine Tulipan erwerben und in ihren Garten pflanzen. Gelehrte, gebildete und wohlhabende Bürger (Ärzte, Apotheker,Händler, Notare, Advokaten) sowie Adlige zählten zu den Blumenliebhabern. Für sie alle war der Umgang mit Pflanzen keine Landwirtschaft, sondern eine Liebhaberei. Die Kaufleute witterten ein gutes Geschäft und boten die Tulpen zu hohen Preisen an. Und siehe da, die wohlhabenden Pflanzenliebhaber waren bereit, beinahe jeden Preis zu zahlen.
Das Tulpenfieber entstand dadurch, dass die Gier nach den Zwiebelgewächsen immer mehr zunahm und dadurch auch die Preise immer weiter anzogen. Es entstanden Handelsplätze, auf denen ausschließlich Tulpenzwiebeln verkauft wurden, die sogenannten Tulpenbörsen. Hier wurden die Zwiebel versteigert, was die Gier noch mehr anheizte. Der Preis für manche seltene Tulpenzwiebel stieg in unermessliche Höhen.

Die teuerste Tulpe der Welt

Semper Augustus, Gemälde von Ambrosius Bosschaert d. Ä.

Semper Augustus, Gemälde von Ambrosius Bosschaert d. Ä.

Ein Beispiel hierfür ist eine Tulpe mit dem Namen „Semper Augustus“, die 1637 als teuerste Tulpe aller Zeiten verkauft wurde. Es existierten damals 12 Tulpen dieser Sorte, die dem Bürger Adriaan Pauw aus Amsterdam gehörten. Er kultivierte sie auf seinem Gut Heemstede. Noch 1623 kostete jede dieser Tulpenzwiebeln 1000 Gulden. Der Preis kletterte 1624 auf 1200 Gulden pro Zwiebel und stand 1633 bei 5500 Gulden. 1637 bot jemand für drei Zwiebeln der Semper Augustus 30000 Gulden. Man sollte sich dabei vor Augen führen, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen der Holländer zu dieser Zeit 150 Gulden betrug und das die teuersten Häuser an den Grachten in Amsterdam damals 10000 Gulden kosteten.
Doch scheint dieser sehr hohe Preis für eine Tulpenzwiebel auch zu dieser turbulenten Zeit des Tulpenfiebers eher die Ausnahme gewesen zu sein.
Es haben sich Daten erhalten, an denen wir dies ablesen können.
1611 wurden Tulpen der Sorte „Cears op de Candlelaer” für 20 Gulden verkauft.
1635 wurden Zwiebeln der Sorte „Saeyblom van Coningh” für 30 Gulden gehandelt.
Die Sorte “Groot Gepluymaseerde” verdoppelte ihren Preis zwischen dem 28. Dezember 1636 und dem 12. Januar 1637 von 0,07 Gulden auf 0,15 Gulden. Im selben Zeitraum stieg der Preis für die Sorte “Switserts” um das Zwölffache von 125 Gulden für das Pfund auf 1500 Gulden.
So stiegen die Preise für Tulpenzwiebeln in den 1630er Jahren auf ein vergleichsweise extrem hohes Niveau. Doch bereits 1637 brach der Markt abrupt ein. Es entstand die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase. Die “Tulpenmanie” und ihr Einbruch in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts kann wohl als erste Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte gelten.

Kultivierung der Tulpe – Eine Liebhaberei

Tulpengemälde von Balthasar van der Ast

Tulpengemälde von Balthasar van der Ast

Aber die Tulpe war nicht nur eine Handelsware. Sie wurde aufgrund mehrerer Eigenschaften geschätzt. Die Tulpe galt als exklusiv, dekorativ, exotisch, neu und anspruchsvoll. Viele Amateurgärtner legten sich Gärten an, um dort ihrer Begeisterung für die Tulpe nachzugehen. Die Tulpenliebhaber besuchten sich gegenseitig in ihren Gärten und tauschten sich über die Kultivierung der Blumen und über neue Sorten aus. Sie spezialisierten sich auf das Sammeln und die Zucht von Tulpen und pflanzten diese in den Beeten einzeln und mit großzügigem Abstand zueinander. Rund 800 namentlich unterschiedene Tulpensorten waren zwischen 1630 und 1650 bekannt.
Die wohlhabenderen unter den Tulpensammlern ließen ihre Schätze von zeitgenössischen Malern
zeichnen oder in Öl verewigen. Die Künstler waren z.B. Ambrosius Bosschaert d. Ä., Balthasar van der Ast und Roelant Savery. In manchen der Werke sind neben den Tulpen Gegenständen als Symbol der Vanitas gemalt. Diese Verbindung wurde wahrscheinlich hergestellt, weil die Tulpe mit ihrer kurzen Blühdauer und durch das zeitige Vergehen der Pflanzen nach der Blüte an die Endlichkeit des Lebens erinnerte.

 

Papageientulpe - blue blog

Die Tulpe – Auch heute noch sehr beliebt

Heute sind Tulpen längst keine seltenen Blumen mehr. Sie werden in den Niederlanden, aber auch in Deutschland zu Millionen gepflanzt und verkauft. Inzwischen können wir die ersten Tulpen bereits Weihnachten erstehen. Mir gefällt dies nicht besonders, denn für mich ist die Tulpe immer noch eine Frühlingsblume. Ich warte lieber darauf, dass sich die Tulpen im Garten zeigen und ihre schönen Blüten in den Himmel strecken. Dann gehe ich auf den Wochenmarkt und kaufe mir einen Strauß mit 30 Tulpen, den ich auf meinen Esstisch stelle. Daran erfreue ich mich genauso, wie an den zahlreichen Tulpen in meinem Garten und in den Gärten anderer Menschen.
Die Tulpe besitzt auch heute noch einen besonderen Reiz. Mit der Vielfalt ihrer Farb- und Formvarianten kann es wohl keine andere Blume aufnehmen. Von zarten Pastelltönen bis hin zu kräftigen Farben, von Weiß bis Schwarz, von geflammt bis farbig gerändert, alles ist bei dieser Blume möglich. Auch gefüllte Sorten werden angeboten und erfreuen die Liebhaber der Zwiebelpflanze.

Tulpen blue blog

Meine Beziehung zur Tulpe

Meine Leidenschaft für die Blume wurde mir schon von meinem Großvater mitgegeben, der Tulpen in allen Farben in seinem Garten hatte, aber besonders stolz auf seine schwarzen Exemplare war. So bin auch ich immer noch auf der Suche nach wirklich schwarzen Tulpen. Bisher entpuppten sich diese in meinem Garten bestenfalls als sehr dunkel violett.
Wenn der Frühling kommt, kann ich es kaum erwarten, meine Tulpen erneut aufblühen zu sehen. Eigentlich wachsen in meinem naturnahen Garten nur heimische Blumen und Pflanzen, die für unsere Vögel und Insekten die Nahrungsgrundlage bilden. Bei den Tulpen mache ich aber eine Ausnahme, auch weil sie ja nur für sehr kurze Zeit und recht früh im Jahr blühen. So nehmen sie den anderen Blumen, die meist viel später blühen, nicht den Platz weg und ich finde, dass es vertretbar ist, die schöne Tulpe im Naturgarten zu kultivieren.
Es macht mir auch Freude, meine Tulpen fotografisch in Szene zu setzen. Einige Beispiele zeige ich hier.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Tulpen – Die schöne Fremde aus dem Morgenland I. Teil
Tulpen – Die schönen Fremden aus dem Morgenland II. Teil
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Hunde in Dar es Salaam, Tansania

Barka - Wachhund auf Eazy`s Place

Barka – Wachhund auf Eazy`s Place

Das Leben in Afrika ist hart – auch für die Hunde

Ich möchte hier die Geschichte von Blacky und Barka erzählen, die als Wachhunde im Hostel Eazy`s Place leben, das unserem afrikanischen Sohn Eazy gehört. Das Hostel liegt in einer eher dörflichen Umgebung am Stadtrand von Dar es Salaam.
Wie viele Tansanier hat auch Eazy zwei Hunde, die sein Hostel bewachen. Das ist auch nötig, denn das Grundstück ist rundherum nur mit Pflanzen eingefriedet und von einem Tor aus Wellblech, das nicht verschlossen werden kann. Dass hier jeder Schutz nach außen fehlt, könnte ein Problem darstellen, aber es gibt ja zum Glück Barka und Blacky.

Wachhund Hostel Eazy`s Place, Dar es Salaam

Blacky – Wachhund auf Eazy`s Place, beim Schlafen gestört

Die beiden Hunde – sie sind Mutter und Sohn – liegen den ganzen Tag dösend auf dem Grundstück herum. Man hört von ihnen keinen Laut. Das ändert sich aber, sobald die Sonne untergeht. Dann beginnt die „Schicht“ der Wachhunde. Sie räkeln und strecken sich und spitzen ihre Ohren. Von einer Minute auf die andere sind sie hellwach und bewachen nun das Grundstück. Das kleinste Geräusch veranlasst sie zu erstem leisen Bellen und falls sie etwas als Bedrohung empfinden, stürzen sie laut bellend durch das Gebüsch auf die Straße. An den beiden wagt sich so schnell keiner vorbei, erst recht wagt niemand, unbefugt das Grundstück zu betreten. Dabei wissen die beiden Hunde ganz genau, wer zu Eazy gehört, beziehungsweise, wer Gast auf Eazy`s Place ist. Es ist mir ein Rätsel, aber ich wurde während meines Aufenthaltes bei Eazy nicht ein einziges Mal angeknurrt oder verbellt. Woher die beiden Hunde von der ersten Minute an wussten, dass ich zu Eazy gehöre, weiß ich nicht.

Eazy`s Place, Hostel in Dar es Salaam, Hunde

Barka und ihre sieben Welpen unter Eazys Arbeitstisch

Barka nahm ich zuerst gar nicht wahr, denn sie lag unter Eazys Arbeitstisch – Eazy macht fantastische Batikstoffe – und säugte dort ihre sieben kleinen Welpen. Als ich diese erst einmal entdeckt hatte, konnte ich meine Blicke kaum noch von ihnen wenden. Es gab buntgescheckte, schwarze und braune Hündchen und alle waren sehr niedlich.
Barka aber sah nicht so gut aus. Sie war stark abgemagert, was auch kein Wunder ist, bei der vielen Milch die sie produzieren musste und bei der vielen Arbeit als Mutter und Wachhund.
Grundsätzlich werden Hunde in Tansania nicht von ihren Besitzern gefüttert. Sie müssen herumstromern und sich ihre Nahrung selbst suchen, in dem sie Ratten und Mäuse fangen, oder andere kleine Säugetiere, die sie auf den Feldern und Brachflächen jagen. Hühner dürfen sie aber nicht anrühren. Ich wunderte mich, wieso Barka und Blacky nie eine von Eazys Tauben oder eines seiner Hühner fraß. Wenn ich so hungrig wie Barka wäre, dachte ich, würde ich mir heimlich eine von den Tauben schnappen, das würde doch nicht auffallen. Ich fragte Eazy danach und er erklärte mir, dass Barka als junge Hündin tatsächlich einmal eine seiner Tauben gefangen und totgebissen habe. Er habe sie darauf hin so sehr geschlagen, dass sie es nie wieder wagen würde, eine Taube anzurühren. Ich war erschüttert.

Tauben, Hühner und Hahn auf Eazy`s Place, Hostel Dar es Salaam

Tauben, Hühner und Hahn auf Eazy`s Place

Aber bei näherer Betrachtung muss ich gestehen, dass man das alltägliche Leben in einem afrikanischen Land nicht mit dem normalen Leben in Europa vergleichen kann. Eazy zum Beispiel züchtet Tauben und Hühner, um sich mit deren Verkauf ein kleines Zubrot zu verdienen. Deshalb kann er es nicht erlauben, dass seine Hunde ihm sein Federvieh wegfangen.
„Übrigens“, erklärte mir Eazy, „bin ich einer der wenigen Tansanier, der seine Hunde füttert.“
Ich war erstaunt, denn ich hatte Barka und Blacky noch nicht fressen sehen.
„Was bekommen sie denn zu fressen?“, wollte ich wissen.
„Ich gebe ihnen jeden Abend eine Schüssel Ugali“, war die Antwort.
(Ugali ist Maisbrei)
„Dasselbe Ugali, das wir auch essen?“, fragte ich nach.
„Nein, ich kaufe ein Abfallprodukt des Mais, dass zur Tierfütterung verkauft wird. Damit füttere ich auch die Tauben und die Hühner.“
„Aber Hunde brauchen doch Fleisch“, sagte ich.
„Wir essen auch kein Fleisch, obwohl wir es brauchen“, erklärte Eazy. „Dazu fehlt mir das Geld. Oft haben wir überhaupt nichts zu essen. Da kann ich meine Hunde nicht mit Fleisch füttern.“
Das sah ich ein.
„Manchmal kann ich für sie ein bisschen Kuhhaut bekommen“, ergänzte Eazy, weil er wohl merkte, wie betroffen ich war.

Gavy trägt einen Welpen

Ich beobachtete Barka dabei, wie sie vor lauter Hunger größere Ameisen fraß oder fliegenden Insekten nachjagte. Sie tat mir sehr leid. Immer wieder versuchte ich Eazy zu erklären, dass die Hündin fressen müsse, um die Milch für die Welpen zu produzieren.
„Zumindest braucht sie ausreichend Wasser“, sagte ich und Eazy stellte ihr einen halben Eimer mit Regenwasser hin, den sie auch sofort leer trank. Sie hatte Durst, denn ich hatte sie heimlich mit Knäckebrot gefüttert, das ich aus Deutschland mitgebracht hatte, um es zum Frühstück zu essen. Es war ein großes Paket vom runden Knäckebrot und nach zwei Tagen war davon nichts mehr übrig. Barka und Blacky mochten es zu gerne. Von da an begann ich, das Essen, das Eazy für uns kochte, heimlich an die Hunde zu verfüttern. Freilich verrieten sie mich schon bald, denn bei jeder Mahlzeit saßen sie nun rechts und links neben mir. Eazy schickte sie weg, wann immer er sie am Tisch vorfand. Er hätte es nicht verstanden, dass ich den Hunden von dem Essen gab, das er mit so viel Liebe für uns gekocht hatte.

Eazy, Host Eazy`s Place; Dar es Salaam

Eazy mit seinem Sohn Gavy

Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es nicht einfach nur hartherzig von Eazy ist, dass er seine Hunde nicht besser versorgt. Es ist eine Mischung aus erlerntem Verhalten, Tradition und Armut, die ihn dazu bringt. Eazy ist ein guter Mensch, der sich nach bestem Wissen und Vermögen um die Menschen, die ihm anvertraut wurden, seine Tiere und seine Pflanzen kümmert.

Dar es Salaam, Eazy kauft Tierfutter

Eazy kauft Mais für die Tiere

Einmal begleitete ich Eazy in die Stadt und wir hielten auf dem Rückweg an einem Haus, in dessen Inneren eine elektrische Mühle stand. Dort bestellte Eazy etwas bei einer mächtigen Afrikanerin und bezahlte es in ihrem kleinen „Büro“. Daraufhin begann ein Mann mit einer Schaufel eine Art zerkleinertes Korn in einen Sack zu schaufeln. Maisabfälle für die Tiere. Ich fotografierte ihn dabei und ein paar Männer, die draußen vor dem Laden herumlungerten, lachten sehr darüber. Den schweren Sack transportierte Eazy im Bajaji, mit dem wir unterwegs waren, durch den Fluss, über den schlammigen Hügel und die ausgewaschene “Straße” nach Hause.

Wachhunde auf Eazy`s Place; Dar es Salaam

Barka und Blacky fressen Ugali

Am Abend wurde ich dann zum ersten Mal Zeuge, wie Barka und Blacky Maisbrei bekamen, den sie gierig auffraßen.
Barkas Welpen wuchsen unterdessen heran. Ihre Augen waren nun geöffnet und sie begannen unter dem Arbeitstisch herumzukrabbeln. Natürlich wollten sie immerzu Milch trinken und Barka magerte immer mehr ab. Ich wies Eazy darauf hin, dass die Hündin vielleicht nicht überleben würde. Doch er erklärte mir, dass Barka nun schon im sechsten Jahr in Folge Welpen hätte. Auch Blacky sei ein Sohn von ihr. Ich war erstaunt. Wie zäh musste diese Hündin sein, in dieser Hitze und unter den Bedingungen einen Wurf nach dem anderen großzuziehen.
Wenn man sich dagegen vor Augen führt, wie viele Hunde in Deutschland zu dick sind, weil sie aus falscher Tierliebe viel zu viel zu fressen bekommen, wie sie verhätschelt und vermenschlicht werden. Der Unterschied in der Hundehaltung ist schon enorm.
Afrikanischen Hunde werden selbstverständlich auch nicht gebürstet und gebadet, wie die Hunde hier bei uns. Sie haben auch kein Körbchen, in dem sie schlafen können. Sie liegen einfach im Sand, ihr Fell ist schmutzig und struppig und sie haben Flöhe. Entwurmt werden sie natürlich auch nicht. Trotzdem sind sie schöne stolze Tiere und ich mag sie gerne.
Eines Abends fuhren wir zum Essen in das Juliana Hotel im Stadtteil Afrikana. Ich hatte mich darauf gefreut, aber das Essen war schlecht und die Atmosphäre wie die Bedienung entsprachen nicht mehr dem, was ich kannte. Ich habe in diesem Hotel bei früheren Aufenthalten in Dar es Salaam mehrfach gewohnt. Es war früher ein kleines Hotel mit vier Zimmern und einer Bar mit sechs Tischen in einem tropischen Garten gewesen. Dort hatte man gut und preiswert essen können. Heute war der Garten verschwunden, aus der Bar dröhnte laute Musik, die Kellnerinnen kümmerten sich kaum um die Gäste und das Essen ließ lange auf sich warten und war schlecht.

Essensreste-Maisbrei-Gemisch

Als wir nach dem Essen das Juliana Hotel verlassen wollten, bat mich Eazy um 1000 Schilling, denn er hatte nicht genug Kleingeld bei sich. Ich fragte ihn, was er kaufen wolle und erfuhr, dass er Essensreste für die Hunde mitnehmen wolle.
Tatsächlich kaufte er eine Plastiktüte voll mit Speiseresten, die die Gäste auf den Tellern liegen lassen hatten. Diese wurden in einem Eimer gesammelt und daraus wurde mit Hilfe der Hände die Plastiktüte für Eazy gefüllt. Ich denke, dass Eazy normalerweise nie Fleisch für seine Hunde kauft. Er tat es nur mir zuliebe.
Es war natürlich schon lange dunkel, als wir zurück zu Eazy`s Place kamen. Die Hunde erwarteten uns bereits und sie rochen natürlich sofort das Fleisch. Eazy und Thomas, ein junger Mann, der bei Eazy arbeitet, vermengten die Speisereste, überwiegend Knochen mit Resten von gebratenem gewürztem Fleisch, mit Ugali und verteilten sie auf zwei Plastiknäpfe. Diese wurden weit von einander entfernt aufgestellt, damit jeder Hund in Ruhe fressen konnte. Barka hatte natürlich keine Ruhe, denn ihre Welpen liefen inzwischen überall auf dem Grundstück herum und kamen immer wieder in die Nähe ihres Fressens. Dann knurrte sie gefährlich und schnappte nach den Kleinen. Mühsam versuchte sie die harten Knochen zu zermalmen und das zähe Fleisch hinunterzuwürgen. Das war kein schöner Anblick. Als sie satt war, begann sie damit, das restliche Fressen vom Grundstück zu tragen. Eazy erklärte, dass sie es außerhalb vergraben würde, um es in den nächsten Tagen zu fressen.

Barka frisst Speisereste mit Ugali

Barka frisst Speisereste mit Ugali

Obwohl die Hunde nun satt waren, bedauerte ich sie trotzdem. Was war das für eine grässliche Mahlzeit gewesen. Spontan fiel mir die Werbung für Rinti ein, die zu Hause häufig vor den Nachrichten gesendet wird. Wie würden sich Barka und Blacky und all die anderen Hunde in Tansania freuen, wenn sie einmal ein solches Futter bekämen. In dieser Nacht bellten die Hunde nicht. Sie hielten keine Wache und sie heulten auch nicht mit den vielen anderen im Chor. Tja, ein satter Wachhund ist scheinbar ein schlechter Wachhund. Aber ich gönnte es den beiden und genoss die ruhige Nacht.
Eine Episode der grausamen Art, möchte ich noch schildern.
Wir besuchten einen Freund von Eazy in Bagamoyo. Zufällig hatte auch dessen Hündin kleine Welpen. Sie lag mit ihren Jungen in einer Mulde, versteckt hinter einem Sandhaufen. Während wir mit dem Freund im Hof saßen und uns unterhielten, sah ich plötzlich einen abgemagerten Hund auf das Grundstück kommen. Er war jung und hatte ein hellbraunes Fell. Völlig unbedarft ging er auf den Sandhaufen zu, hinter dem die Hündin lag. Ich dachte noch, ob er vielleicht ein Hund aus einem früheren Wurf der Hündin sei und zum Haus gehörte. Doch dann schoss ohne Vorwarnung die Hündin hinter dem Sandhaufen hervor und stürzte sich auf den jungen Hund. Sie biss ihm sofort in die Kehle. Der Kleine schrie vor Schmerzen auf, konnte sich befreien und wollte weglaufen. Aber die Hündin setzte nach und biss ihn erneut, in die Kehle, ins Bein und in den Rücken. Eazys Freund war inzwischen aufgesprungen, riss die Hündin von dem jungen Hund los und legte sie an die Kette. Der verletzte Hund verkroch sich im Gebüsch, während sich die Hündin an der Kette wie toll gebärdete. Sie wollte natürlich nur ihre Welpen verteidigen. Ich hörte den jungen Hund eine Weile winseln. Niemand kümmerte sich um ihn, auch nicht auf meine Nachfrage. Es war wohl klar, dass er nicht überleben konnte. Und so hörte das Winseln auch schließlich auf.

Eazy`s Place, Hostel Dar es Salaam

Barka transportiert einen Welpen

Als die Regenzeit begann und wahre Sturzbäche vom Himmel kamen, wurde es Barka in ihrer Kuhle unter dem Arbeitstisch zu ungemütlich, denn ein Bach floss mitten durch die Kinderstube. Sie begann damit, ihre Kleinen auf die Terrasse des Gästehauses zu tragen. Einen Welpen nach dem anderen trug sie in der Schnauze hinüber. Doch als Thomas sie dabei entdeckte, trug er die Welpen wieder zurück. Die ganze Arbeit war umsonst gewesen. Abends trug Barka die Kleinen dann unter das Banda und Eazy erlaubte, dass sie dort für die Nacht bleiben durfte. Am nächsten Tag baute er einen Damm aus Erde, um den Bach abzuleiten. Barka musste unter den Tisch zurück.

Hund in Dar es Salaam, Stadtteil Quappi Pilipili

Hund in Dar es Salaam, Stadtteil Quappi Pilipili

Unterwegs habe ich viele streunende Hunde gesehen, alle dünn und scheu. Sie lagen auf den Feldern und auf Brachen, sie trotteten durch die Straßen oder saßen auf dem Mittelstreifen der Straßen. Gut sah keiner von ihnen aus.
Eazy hat Barka auf einem Markt für Haustiere gekauft. Hühner, Gänse, Ziegen und eben auch Hunde werden dort in Drahtkörben oder an Stricken zum Verkauf angeboten. So werden auch bald Barkas sieben Welpen verkauft werden. Mit viel Glück bekommt Eazy 10000,- TZS je Hund, umgerechnet 3,60 €.
Ich hoffe, dass die Kleinen ein gutes Zuhause finden werden.

Die Internetseite des Hostels Eazy`s Place findest du hier

Text, Video und Fotos: © Xenia Marita Riebe

 

Hunde in Dar es Salaam Teil 1

 

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Eazy in Need

Eazy`s Place; Dar es Salaam

Bernd, Xenia und Eazy Mjema

Help for self-help project in Tanzania threatened by lack of guests

We urge you to donate!

In April 2018 my husband Bernd and I were once again in Dar es Salaam in Tanzania to visit Emil Mjema, called Eazy, who runs a hostel there. The hostel was built and furnished in 2012 with our practical and financial help – also some friends and acquaintances helped with their donations. Bernd created a website and registered Eazy`s Place at all booking portals. Since then he accepts all bookings for Eazy from Germany and hosts the internet presence as well as the one on the platforms. Eazy was a very successful host in 2014, 2015 and 2016. He had many guests and got only excellent reviews. But then something happened that we had not expected and probably could not have reckoned with. The booking portal airbnb appeared on the Internet and gradually attracted more and more travellers. But that’s not all. More and more people offered airbnb rooms in their apartments for rent worldwide. Unfortunately also in Dar es Salaam. That’s how Eazy got a lot of competition. More than 60 providers rent rooms in downtown Dar es Salaam at the same price level as Eazy with his exceptional hostel. As a result, only few guests come and the project, which has been running so well, threatens to fail.

Gavy beim Frühstück

Gavy Mjema having breakfast

Now during our stay with Eazy we have looked for new possibilities to secure his livelihood and that of his son.
It has to be said that many other people have also benefited from the Eazy project and still do. These include traders, craftsmen, transporters and water sellers. Women offer traditional food and milk in Eazy’s hostel in the morning, craftsmen have built the house, the Banda and the traditional guest house, Bajaji drivers, taxi drivers and motorbike taxis benefit from guests arriving and departing and the water dealer comes by daily to fill up the water tank. Another person who is very happy to work on Eazy`s Place is Thomas, an 18 year old Tanzanian, whom Eazy took in.

Thomas und Eazy färben Batikstoffe

Thomas and Eazy are dying Batik fabrics

The new idea is to build a small shop where Eazy can sell food and drink to the people in the neighborhood. This won’t make a big profit, but together with the money from the accommodation of the few guests, who will certainly come in the future, will be all right. Other additional income for Eazy is the sale of his batik fabrics and the breeding of chickens, pigeons and dogs. All this together can be enough to keep Eazy, Gavy (Eazy’s six-year-old son) and Thomas alive.

Unfortunately, Eazy has now also contracted an inguinal hernia that urgently needs surgery. Due to a lack of money – of course there is no health insurance in Tanzania – he postpones the operation again and again, which leads to severe pain. In addition, it is not justifiable from a medical point of view to delay the operation any longer.

Eazy`s Place - Neubau Shop

The new shop is being built

As any reader can easily imagine, financial resources are needed to help Eazy. Bernd and I have already financed a large part of the new shop, but the money is not enough. Funds are still needed for the roof, the shelves and for a refrigerator. And the surgery also has to be paid for. Therefore we ask everyone who reads this article to make a donation to the Eazy project.
Please do not let this unique help to self-help project, which has so far proven itself so well, fail.
Please donate to Bernd Riebe via Paypal (info@bild-art.de)
Every little donation helps!

Website Eazy’s Place

Text and Photos: © Xenia Marita Riebe – Deutsche Version

Gavy Mjema, Eazys Sohn 2018
Auf Eazy`s Place – April 2018

Eazy-Projekt in der Krise

English version

Eazy`s Place; Dar es Salaam

Bernd, Xenia und Eazy Mjema

Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt in Tansania durch das Ausbleiben von Gästen bedroht

Dringend Spender gesucht!

Im April 2018 waren mein Mann Bernd und ich wieder einmal in Dar es Salaam in Tansania, um Emil Mjema, genannt Eazy, zu besuchen, der dort ein Hostel führt. Das Hostel wurde 2012 mit unserer praktischen und finanziellen Hilfe – auch einige Freunde uns Bekannte halfen mit ihren Spenden – aufgebaut und eingerichtet. Bernd erstellte eine Internetseite und meldete Eazy`s Place bei allen Buchungsportalen an. Seither nimmt er von Deutschland aus alle Buchungen für Eazy entgegen und hostet den Internetauftritt sowie den auf den Plattformen. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 war Eazy als Host sehr erfolgreich. Er hatte viele Gäste und bekam nur ausgezeichnete Reviews. Doch dann geschah etwas, womit wir nicht gerechnet hatten und wohl auch nicht rechnen konnten. Das Buchungsportal airbnb erschien im Internet und zog nach und nach immer mehr Reisende an. Doch nicht nur das. Es boten auch immer mehr Menschen über airbnb Zimmer in ihren Wohnungen zur Vermietung an und zwar weltweit. Leider auch in Dar es Salaam. So erwuchs für Eazy eine große Konkurrenz. Über 60 Anbieter vermieten heute in der Innenstadt von Dar es Salaam Zimmer im gleichen Preisniveau wie Eazy in seinem außergewöhnlichen Hostel. Dadurch bleiben bei ihm die Gäste weitgehend aus und das so gut laufende Projekt droht zu scheitern.

Gavy beim Frühstück

Gavy Mjema beim Frühstück

Nun haben wir bei unserem Aufenthalt mit Eazy nach neuen Möglichkeiten gesucht, seinen Lebensunterhalt und den seines Sohnes, er ist allenerziehender Vater, weiterhin zu sichern.
Dazu muss noch gesagt werden, dass vom Eazy-Projekt auch viele andere Menschen profitiert haben und noch profitieren. Darunter Händler, Handwerker, Transporteure und Wasserverkäufer. Frauen bieten morgens traditionelle Gerichte und Milch in Eazys Hostel an, Handwerker haben das Haus, das Banda und das traditionelle Gästehaus errichtet, Bajajifahrer, Taxifahrer und Motoradtaxis profitieren davon, dass Gäste an-und abreisen und der Wasserhändler kommt täglich vorbei und füllt den Wassertank auf. Ein weiterer Mensch, der sehr froh ist auf Eazy`s Place arbeiten zu dürfen, ist Thomas, ein 18 jähriger Tansanier, den Eazy bei sich aufgenommen hat.

Thomas und Eazy färben Batikstoffe

Thomas und Eazy färben Batikstoffe

Die neue Idee ist nun, einen kleinen Laden zu bauen, in dem Eazy Lebensmittel und Getränke an die Leute aus der Nachbarschaft verkaufen kann. Dies wird keine großen Gewinne abwerfen, aber zusammen mit Geld, das die Unterbringung der wenigen Gäste einbringt, die sicher auch künftig kommen werden, wird es schon gehen. Weitere Nebeneinnahmen sind für Eazy der Verkauf seiner Batikstoffe und das Züchten von Hühnern, Tauben und Hunden. All dies zusammen kann ausreichen, um Eazy, Gavy (Eazys sechsjährigem Sohn) und Thomas das Überleben zu sichern.

Leider hat Eazy sich nun auch noch einen Leistenbruch zugezogen, der dringend operiert werden muss. Aus Geldmangel – in Tansania gibt es natürlich keine Krankenversicherung – verschiebt er die OP immer wieder, was zu starken Schmerzen führt. Außerdem ist es auch aus medizinischer Sicht nicht vertretbar, die Operation noch länger hinauszuzögern.

Eazy`s Place - Neubau Shop

Der Bau des neuen Shops wurde gerade begonnen

Wie sich jeder Leser leicht vorstellen kann, bedarf es finanzieller Mittel, um Eazy zu helfen. Bernd und ich haben schon einen Großteil des neuen Ladens finanziert, aber das Geld reicht nicht aus. Es werden noch Mittel für das Dach, die Regale und für einen Kühlschrank gebraucht. Und auch die OP muss bezahlt werden. Deshalb bitten wir alle, die diesen Artikel lesen, um eine Spende für das Eazy-Projekt.
Lasst bitte dieses einmalige Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt, das sich bisher so gut bewährt hat, nicht scheitern.
Spenden bitte an Bernd Riebe per Paypal (info@bild-art.de)
Jede noch so kleine Spende hilft!

Hier geht es zur Website Eazy’s Place

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Gavy Mjema, Eazys Sohn 2018
Auf Eazy`s Place – April 2018
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Frühblühende Schönheiten im naturnahen Garten

Geflecktes Lungenkraut

Mein Naturgarten weist im Frühling einiges an Frühblühern auf. Bescheidene Bodendecker blühen in weiß und hellblau, das Buschwindröschen reckt seine zarten weißrosa Blüten in die Höhe und überall erscheinen Schlüsselblümchen mit ihren gelben Kelchblüten. Auch das ein oder andere Veilchen lässt sich sehen und himmelblau zeigt sich das gewöhnliche Leberblümchen. Verbreitet blüht das gefleckte Lungenkraut mit seinen blauvioletten und rosa Blütenkronen und lockt erste Bienen und Hummeln an.
Doch natürlich dürfen auch im Naturgarten Zwiebelpflanzen nicht fehlen. So steht die Osterglocke bereits in voller Blüte und Traubenhyazinthen verbreiten mit ihren violetten Kerzenblüten ihren unverwechselbaren Charme auf den Beeten.
Aber auch der Schneestolz mit seinen sechsblättrigen Sternblüten – auch Sternhyazinthe genannt – ist schon aufgeblüht.
Nur die Tulpen lassen noch auf sich warten. Das Wetter im März war für sie viel zu kalt. Noch sieht man dort, wo sie sonst um diese Jahreszeit in voller Pracht erblühen, nur ihre typischen Blätter aus dem Boden kommen.

Buschwindröschen

Buschwindröschen

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Das vorsommergrüne Buschwindröschen wächst als ausdauernde, krautige Pflanze im Wald und im Naturgarten. Es erreicht eine Höhe von 11 bis 25 cm und benutzt als Speicher-und Überdauerungsorgan ein unterirdisches kriechendes Rhizom, das sich verzweigt.
Zu Beginn des Erstfrühlings fehlen die grundständigen Blätter, doch im oberen Stängeldrittel befinden sich, in einem Quirl angeordnet, drei handförmig dreiteilige Hochblätter mit grob gesägten Abschnitten. Diese schützen die Blütenknospe und übernehmen so die Funktion des Blütenkelches, der beim Buschwindröschen fehlt. Normalerweise entwickelt das Buschwindröschen nur eine Blüte je Pflanze.

Echte Schlüsselblume

Echte Schlüsselblume

Echte Schlüsselblume (Primula veris)
Die Schlüsselblume ist eine krautige, ausdauernde Pflanze mit einer Wuchshöhe von 8 bis 30 cm. Sie ist in kleinen und größeren Gruppen anzutreffen und sie verbreitet sich rasch im Garten. Die Schlüsselblume überwintert in kurzen, dicken Rhizomen. Die Pflanze ist behaart, aber nicht bemehlt. Die Blätter der Schlüsselblume sind eiförmig-länglich und hellgrün und können zwischen 5 und 20 cm lang und 2 bis 6 cm breit werden. Die Blattoberseite hat eine runzlige Struktur und ist flaumig behaart.
Die Schlüsselblume blüht von April bis Juni und bringt je 5 bis 20 gelbe Doldenblüten mit 5 dottergelben Kronblättern hervor.

Veilchen

Veilchen

Veilchen (Violaceae)
Veilchen wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen und bilden meist als Überdauerungsorgane Rhizome. Es gibt viele unterschiedliche Arten, die alle verschiedene Merkmale aufweisen. Sie können lange, kriechende bis aufrechte oberirdische Sprossenachsen haben, die aber manchmal auch fehlen. Die Blätter des Veilchens können grundständig zusammen stehen oder an der Sprossachse wechselständig verteilt angeordnet sein. Der Blattrand kann gezähnt oder glatt sein. Bei manchen Veilchenarten ist die Blattunterseite behaart.
Die Blütenblätter des Veilchens stehen auf Blütenstielen einzeln in den Blattachseln.
Die fünf freien Kronblätter sind deutlich ungleich. Das unterste Kronblatt ist das größte und an seiner Basis gespornt. Die Blütenfarbe ist Violett.

Gewöhnliches Leberblümchen

Gewöhnliches Leberblümchen

Gewöhnliches Leberblümchen (Hepatica nobilis)
Das Leberblümchen ist eine ausdauernde, grün überwinternde niedrige Kleinstaude mit einer Höhe von 10 bis 25 cm. Es blüht im zeitigen Frühjahr zum Beginn der Vegetationsperiode. Seine Blütenfarbe ist ein auffälliges Azurblau. Typischerweise wächst das Leberblümchen in der Humusschicht über lehmigen kalkhaltigen Waldböden in Buchen und Eichenwäldern aber auch auf Sandböden. Es bevorzugt schattige bis halbschattige Lagen.
Das Leberblümchen übersteht den Winter mit Überdauerungsknospen, die sich unmittelbar an der Erdoberfläche in den Blattachseln und im Schutz der überdauernden Blätter befinden. Es besitzt ein kurzes, schräg im Boden liegendes, dunkelbraunes Rhizom. Das Leberblümchen zählt zu den Tiefwurzlern, denn seine Wurzeln reichen bis zu 30 Zentimeter tief ins Erdreich.
Nach der Blüte entwickeln sich die grundständigen Laubblätter aus dem Rhizom. Die Blätter erinnern in ihrer Form an die menschliche Leber, was der Pflanze ihren Namen gab.
Die behaarten, rötlich-braunen Blütenstandsschäfte wachsen aufrecht und die langgestielten Blüten sitzen beinahe direkt über den drei kelchartigen, grünen Hochblättern. Diese umhüllen die Blütenknospen schützend und übernehmen damit die Schutzfunktion des fehlenden Kelchs. Die sechs bis neun gleich gestalteten Blütenblätter haben eine auffällig blaue Farbe, können aber auch Blauviolett sein.

Geflecktes Lungenkraut

Geflecktes Lungenkraut

Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
Das gefleckte Lungenkraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Es besitzt gelbgrüne herz- bis eiförmige Grundblätter, die meist derb sind und stets rundliche, oft scharf begrenzte, weiße Flecken aufweisen. Die Oberseite der Laubblätter ist mit winzigen Stachelhöckern und nur wenigen Borstenhaaren versehen. Die nicht blühenden Sprosse haben eine eiförmige Spreite, die länger als ihr 15 Zentimeter langer Blattstiel ist und plötzlich in den Stiel übergehen kann.
Die zwittrigen Blüten des Lungenkrauts sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Blätter des Kelches sind bis mindestens zur Hälfte ihrer Länge verwachsen. Bei der frisch geöffneten Blüten ist der Kelch V-förmig und etwa doppelt so lang wie breit. Die anfänglich rote Blütenkrone, färbt sich später durch Änderung des ph-Wertes zu Blau um.

Sternhyazinthe

Sternhyazinthe oder Schneestolz

Der Schneestolz (Chionodoxa luciliae)
Der Schneestolz ist eine ausdauernde krautige Zwiebelpflanze mit ei- bis kugelförmigen Zwiebeln in einer braunen Umhüllung. Die Zwiebeln dienen der Pflanze als Überdauerungsorgan. Je Zwiebel werden meist nur zwei grundständige, aufrechte oder ausgebreitete Laubblätter ausgebildet.
Auf einem Blütenstandsstängel stehen ein bis mehrere Blüten locker zusammen in einem endständigen, traubigen Blütenstand. Die sechs gleichgeformten Blütenblätter sind kurz und an ihrer Basis röhrig verwachsen. Der freie Teil der Blütenblätter spreizt sternförmig auseinander. Die Blüten sind weiß oder blau mit meist weißem Grund.

Text und Fotos:© Xenia Marita Riebe

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Roman “Alaska Highway Mile 895” auf Erfolgskurs

Alaska Highway Mile 895; Roman von Xenia Marita Riebe

Das Buch erreichte bei Amazon gerade einen guten Verkaufsrang.

Lasst uns die Erfolgsgeschichte dieses Roman weiterschreiben, indem wir das Buch zu Ostern verschenken!

Jeder von uns hat doch eine Verwandte oder Freundin (Freund?), die gerne ein spannendes Buch liest. Auch wenn es vielleicht den Anschein hat, als spielte die Handlung des Romans nur im Winter, stimmt das nicht ganz. Die Geschichte umfasst 12 Jahre, in denen die Protagonistin Sonja Heller im Yukon Territorium lebt. Da gibt es durchaus auch Sonnentage.

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Antike Fliesen in den Friesen-und Kapitänshäusern auf Föhr

Tableau mit Grosssegler, friesische Fliesen

Beschreibung und Deutung der gemalten Fliesenmotive aus drei Jahrhunderten.

Durch drei Jahrhunderte kamen holländische Fliesen in großen Mengen in den norddeutschen Raum, vorwiegend auf die nordfriesischen Inseln und in die Küstengebiete, und beeinflussten hier die Wohnkultur.
Die ältesten Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind nur noch selten zu erwerben, aber auch im späten 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert entstanden noch interessante Fliesen in Handarbeit.
Die Fliesen wurden mithilfe der Durchstaubtechnik bemalt, die allerdings sehr viel Raum für die künstlerische Ausgestaltung gab, denn mit der Schablone wurden nur grobe Anhaltspunkte des Motivs auf die Fliese übertragen. Besonders bei Schattierungen von Bäumen, Wellen und Wolken blieb den Fliesenmalern Raum zur individuellen Gestaltung. Dabei waren die Maler recht unterschiedlich begabt. Dies zeigt sich insbesondere bei der Darstellung von Gesichtern und bei biblischen Motiven. Manche Malereien auf den antiken Fliesen wirken wie Karikaturen, während andere von hohem künstlerischen Wert und sehr ausdrucksstark sind. Dadurch entsteht auf den Fliesen eine lebendige Ursprünglichkeit, die noch durch kleine Unebenheiten und Fehler in der Glasur bestärkt wird.
Es besteht ein Unterschied zwischen Fliesen und Kacheln. Fliesen wurden zur Wandbekleidung benutzt, während man für Öfen Kacheln verwendete. Nur ein geringer Teil der Fliesen und Kacheln kam aus Delft, während die meisten aus Fliesenmanufakturen in Friesland kamen.

Friesische Wohnstube mit Fliesen

Noch vor etwa 100 Jahren gab es in Häusern auf den friesischen Insel, an der Nordseeküste und an der Ems und Elbe häufig geflieste Wände. Doch dieser Teil der friesischen Wohnkultur fiel nach und nach der Modernisierung der Häuser zum Opfer, da deren Besitzer es vorzogen, ihre Wände zu tapezieren. Dafür entfernten sie die historischen Fliesen. Dies geschah meist unachtsam, wobei die Fliesen zerbrachen oder ganz zerstört wurden.

Holländische Fliesen auf den nordfriesischen Inseln

Doch wie sind so viele holländische Fliesen auf die nordfriesischen Inseln gelangt?
Es ist anzunehmen, dass nordfriesische Walfänger die Fliesen von Holland aus mit nach Hause brachten. Sie waren schon bald nach der verheerenden Sturmflut von 1634 von Holland aus zum Walfang in die Arktis aufgebrochen.
Bei einer erfolgreichen Rückkehr hatten die Kapitäne genug Geld in den Taschen, um in Amsterdam einzukaufen. Wahrscheinlich wurden sie dort mit dem Baustil bekannt – vielleicht in den Häusern der Reeder – der sich von dem auf den friesischen Inseln unterschied. In Holland war es damals schon üblich, Wände mit Fliesen zu verkleiden. Dies hatte unter anderem auch isolatorische Gründe. Auch wurden die Häuser im Inneren heller, denn die Hochglanzglasur der Fliesen spiegelte das Licht wider. Das war vor allem am Abend von Vorteil, denn die Häuser wurden mit einfachen Tranlampen beleuchtet. So ist es wahrscheinlich, dass so mancher Kapitän Fliesen aus Holland mit nach Hause nahm, um damit das eigene Haus aufzuwerten. Die ältesten Fliesen in Häusern auf der Insel Föhr sind nachweislich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Friesische Wohnstube mit Kachelofen

Motive auf den Fliesen

Im Laufe der Zeit änderten sich bei der Bemalung der holländischen Fliesen mehrfach die Vorlieben und Einflüsse. Um 1600 wurde die Bemalung in Nordholland mehrfarbig ausgeführt, wobei gelb, orange, blau und grün, violett und weiß bevorzugt wurden. Die bis dahin beliebten Renaissance-Ornamente in Ausspartechnik wurden von maurischen Motiven abgelöst. So kamen altpersische Stern- oder Kreuzfliesen wieder in Mode und die Malerei wurde auch portugiesisch beeinflusst. Doch schon bald wandte man sich der italienischen Fliesenmalerei zu. Farbige Abbildungen von Tieren, Pflanzen, Blumen, Landschaften und Früchten wurden modern, eingerahmt von mehrfarbigen oder blauen konzentrischen Kreisen. Die Zwickel malte man dunkelblau mit weißen Blättern und diese bildeten eine Rosette, wenn vier Fliesen zusammengesetzt wurden.
Für die Zeitbestimmung der Herstellung sind diese Eckmotive heute von großer Bedeutung.

Friesische Fliesen; Bloemenpot oder Blumenvase

Motiv Bloemenpot oder Blumenvase

Doch auch die italienischen Motive wurden bald abgelöst. Man wandte sich holländischen Bildmotiven zu. So kam ab dem 17. Jahrhundert immer häufiger das Motiv der Blumenvase zum Einsatz. Der „Bloempot“ oder auch „Blompot“ erfreute sich bei der Fliesenmalerei immer größerer Beliebtheit. Dabei ist es anzunehmen, dass die Blumenvase auch ihren Ursprung in der italienischen Malerei hat. Zu Anfang des 17.Jahrhunderts wurde sie noch mehrfarbig bemalt, dann in verschiedenen Blautönen. Gezeigt wurden die Vasen entweder in einem Kreis stehend oder in einer Raute, vereinzelt auch in einem Oval, das von Moresken eingerahmt war. Im Vierpass ist die Vase eine Zwischenform von Kreis und Raute, die Ecken ausgefüllt mit weißen Moresken auf blauem Grund, die einen achtstrahligen Stern bilden, wenn man vier Fliesen zusammenstellt.

Friesische Fliesen; Blumen als Motiv

Blumen als Motiv

Die Tulpe als Fliesenmotiv

In der Mitte des 17. Jahrhunderts erfreute sich die Tulpe in Holland einer solchen Beliebtheit, dass sie zum wichtigsten Handelsgut aufstieg. Händler und Tulpenliebhaber zahlten für Tulpenzwiebeln horrende Preise. Menschen ruinierten sich, um eine einzige Tulpenzwiebel zu erwerben, andere wurden beim Handel mit den Pflanzen reich. Wieder andere mussten bei Raubüberfällen ihr Leben lassen. Damals schien jedes Mittel recht, um in den Besitz einer der begehrten Tulpenzwiebeln zu gelangen.
Tulpenbesitzer ließen ihre Pflanzen und Blüten von Künstlern in Ölgemälden verewigen und in Aquarellen malen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Tulpe auch in die Fliesenmalerei Einzug hielt.
Auch die Kaiserkrone, die damals als wertvolle „Persianische Lilie“ gehegt und gepflegt wurde, findet sich häufig als Motiv auf den Fliesen dieser Zeit, wie auch das als Heilkraut bekannte Maßliebchen.

Friesische Fliesen; Motiv Großsegler

Tableau mit Großsegler als Motiv

Schiffe auf Fliesen und Tableaus

Bei einer Seefahrernation wie Holland ist es natürlich nicht verwunderlich, dass Schiffe auf den Fliesen abgebildet wurden. Die erste Abbildung eines Schiffes ist von 1637 datiert. Anfangs wurden nur Großsegler, wie Fregatten, Fleuten, Kriegsschiffe und Pinassen dargestellt. Das war für die Fliesenmaler auf einem Quadrat von 13 x 13 cm nicht so leicht zu bewerkstelligen, deshalb wurden die Schiffe oft vereinfacht dargestellt, sodass der wahre Schiffstyp häufig nur schwer zu identifizieren ist. Später ging man dazu über, die Abbildung eines Großseglers über 9 bis 16 Fliesen zu malen. Auf diesen Tableaus hatten die Maler mehr Platz um Details wie die Takelage der Schiffe darzustellen. So wurden häufig regelrechte Seestücke mit schönen Einzelheiten gemalt, auf denen auch weiter entferntere Schiffe und im Vordergrund Ruderboote zu sehen sind.

Auf Einzelfliesen wurden auch bemannte Ruderboote gemalt. Die maritimen Fliesen des 17. und 18. Jahrhunderts waren in Blau bemalt. Die Schiffsdarstellungen standen ohne Untermalung auf den weißen Fliesen auf oft sehr stark stilisierten Wellen. Manchmal wurden sie ganz ohne Eckmotive gemalt, im ausgehenden 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert stehen sie meist im Kreis oder in achteckiger Umrandung.
Im 18. Jahrhundert wurden auch noch Großsegler gemalt, wahrscheinlich unter Verwendung der alten Durchstaubschablonen, aber diese wurden nach und nach von anderen Schiffstypen verdrängt. Binnenschiffe, Heringsbuisen und Fischereiboote wurden nun bevorzugt, bei denen im Hintergrund weit entfernte Großsegler zu sehen sind. Daneben spielten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die Küstenlandschaften mit Häuser, Menschen, Rauch-und Seezeichen, Klettermasten zum Aufhängen von Seezeichen für die Küsten- und Binnenseefahrt eine wichtige Rolle.

Friesische Fliesen; Fantastische Seewesen

Motiv “Phantastisches Seewesen”

Die „phantastischen Seewesen“

Die teils unheimlichen und teils lustigen Motive der „phantastischen Seewesen“ sind besonders reizvolle Motive. Bei ihnen handelte es sich aber keinesfalls um eine lustige Wanddekoration. Im 17. und 18. Jahrhundert waren diese Wesen aktuelle Themen, denn manche hatten sie gesehen oder glaubten vielmehr, sie gesehen zu haben. In einem „Lexicon der Künste und Wissenschaften“ wurden die Seewesen von Johann Theodor Jablonski 1721 detailiert beschrieben. So verwundert es nicht, dass sie auch als Motive auf den Fliesen zu finden sind.

Friesische Fliesen, Motiv Adliger

Tier- und Menschenabbildungen

Zu Beginn des 17. Jahrhundert findet man meist mehrfarbige Tierabbildungen auf den Fliesen. Diese wurden bald von Jägern, Soldaten und von Falken tragenden Männern in der Tracht ihrer Zeit abgelöst. In die erste Hälfte des Jahrhunderts gehört die Abbildung der einfachen Menschen, Männer und Frauen aller Stände in sehr unterschiedlichen Posen. Die Malerei wird nun meist in Blau auf weißem Grund ausgeführt. Auch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden noch einzelne Personen oder Paare dargestellt, wobei scheinbar des Öfteren zeitgenössische Stiche oder Zeichnungen als Vorlage dienten. Die Reihe der dargestellten Berufe gibt einen guten Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen in Holland im 17. Jahrhundert. Gemalt wurden Marktfrauen, Bettler, Musikanten, Geistliche, Ordensfrauen, Händler, Jäger und Bauern. Manchmal sogar galante Szenen oder schwatzende Frauen.
Auch Reiter waren ein beliebtes Motiv in der Fliesenmalerei. Sie wurden galoppierend dargestellt, präsentierten ihre Waffen oder standen wie ein Reiterstandbild da, was wiederum auf die Verwendung von Gemälden als Vorlage deutet.
Sehr reizvoll ist auch das Motiv der Kinderspiele, das um 1660 erstmals erscheint. Die Kinder wurden zu mehreren oder auch einzeln dargestellt. Sie spielen Ball, schlagen den Reifen, stehen auf dem Kopf, lassen Drachen steigen oder spielen mit Murmeln oder Federbällen.
In die gleiche Zeit fallen auch Landschafts- und Hirtenmotive, die über 200 Jahre immer wieder gemalt wurden.

Friesische Fliesen; Motiv Adlige

Biblische Motive

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts tauchen dann auch biblische Motive in der Fliesenmalerei auf. In den protestantischen Häusern Hollands war die Bibel allgegenwärtig und so verwundert es nicht, dass Motive daraus auch auf den Fliesen erschienen. Die Darstellungen waren oft nicht besonders gut, denn es war für die Fliesenmaler sehr schwierig, die detailreichen vielfältigen Motive auf die kleinen Fliesen zu malen. Gemalt wurde in Blau im Kreis und gegen Ende des Jahrhunderts auch in Violett. Die Szenen stellten alle erdenklichen biblischen Geschichten dar. Häufige Motive waren dabei Jesus und der Teufel, der eine mit Glorienschein, der andere mit deutlichen Hörnern auf dem Kopf. Auch Moses mit den Gesetzestafeln, die Vertreibung aus dem Paradies und die Sintflut, mit Noah und der Arche wurden gemalt, sowie Adam und Eva mit der Schlage und der Turmbau zu Babel. Oft wurde die Bibelstelle unter dem Motiv angegeben, damit der Betrachter im Zweifelsfall in der Bibel nachschlagen konnte. Fliesen mit Text und ohne Text sind erhalten, wobei die Motive im Kreis oder ohne Kreis gemalt wurden

Friesische Fliesen; Motiv Springertjes

Motiv “Springertjes”

Tierabbildungen im 18. Jahrhundert

Die bereits im 17. Jahrhundert beliebte Abbildung von Tieren lebte im 18. Jahrhundert erneut auf. Die „Springertjes“ rückten nun in den Vordergrund. Anfangs wurden häufig exotische Tiere gemalt oder solche, die zur Jagd gehörten. Bären, Hunde, Pferde, Wildschweine, Hasen, Hirsche und so weiter. Haustiere sind dagegen selten zu sehen.
Vögel wurden häufig auf einer Astgabel sitzend dargestellt. Zuerst hielt man sich eng an Vorlagen wie Gemälde und Zeichnungen, während gegen Ende des Jahrhunderts nur noch die stilisierte Form von Schwänen und Tauben übrig blieb.

Zum Glück haben sich viele Sammler gefunden, die den antiken Fliesen aus Delft und anderen Teilen von Hollands ihre Sammelleidenschaft zuwandten. So blieben alle oben beschriebenen Fliesen erhalten, wenn auch nur in geringer Stückzahl.
Auch auf der Insel Föhr besinnen sich immer mehr Eigentümer und versuchen, die ursprüngliche Einrichtung der Friesen- und Kapitänshäuser zu erhalten oder wiederherzustellen. So findet man heute in vielen Häusern Wände mit antiken Fliesen mit unterschiedlichsten Motiven, sowie Tableaus mit Großseglern. So auch im Haus meiner Freunde, wo ich die hier gezeigten Fotos der unterschiedlichen Fliesen aufnahm. Auch in der Ferienwohnung im Haus gibt es eine Fliesenwand. Sieh hierzu: Das Rosenhaus

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Lies auch:

Ein edler Tropfen aus dem hohen Norden – Weinanbau auf Föhr

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Kürzlich habe ich auf Föhr aus meinem neuen Roman gelesen. “Alaska Highway Mile 895” spielt auch im Norden, allerdings im hohen Norden von Kanada.

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Ein edler Tropfen aus dem hohen Norden

Weingut Waalem Insel Föhr

Weinanbau auf der Insel Föhr

Wer die Nordseeinsel Föhr kennt, weiß, dass sie flach wie ein Pudding ist. Zwar gibt es einen Geestrücken – eine geomorphologische Landform in Norddeutschland, die während der Eiszeiten durch Sandablagerungen entstand – der mit 13,2 Meter über Normalnull die höchste Erhebung der Insel ist, aber Hügel oder gar Berge sucht man auf Föhr vergeblich.
Wer also hört, dass es auf Föhr seit ein paar Jahren einen Weinberg gibt, glaubt erst einmal an einen Scherz. Doch es existiert wirklich, das Weingut Waalem, das in Nieblum und Alkersum auf Föhr zwei Hektar Weinbaufläche bewirtschaftet. Hier werden seit einigen Jahren erfolgreich trockene Weißweine und der Föhrer Sekt (Waalem Brut) hergestellt.

Reserve Waalem, Wein Insel FöhrDer Föhrer Winzer heißt Christian Roeloffs und er baut die Rebsorten Johanniter und Solaris an, die robust genug sind, um im rauen Nordseeklima zu gedeihen.
Föhr wird auch die grüne Insel genannt, denn durch ihre Lage im Windschatten von Amrum und Sylt ist die Insel vor den stürmischen Einflüssen der Nordsee relativ geschützt. So kann sich dort die Vegetation gut entwickel, was natürlich auch dem Weinanbau zuträglich ist. Hinzu kommt noch der Klimawandel, der allgemein den Weinanbau in immer weiter nördlich gelegenen Regionen erlaubt.

Christian Roeloffs ist ein waschechter Friese, ein Landwirt aus Süderende, einem kleinen Dorf auf der Insel Föhr. Er hatte vor sechs Jahren die Idee, Wein auf Föhr anzubauen, nachdem er mit einem Freund darüber diskutiert hatte, ob im Zeichen des Klimawandels die Insel wohl mal zum Weinanbaugebiet werden könnte. Er wagte den Versuch und pflanzte einige Rebstöcke, die auch tatsächlich gut gediehen und deren Trauben Anlass zur Hoffnung gaben. Als aus diesem, ersten eher spielerisch gemeinten Versuch, schließlich Ernst wurde, mussten die „Wegbereiter des Weinbaus auf Föhr“ allerdings gerodet werden, denn es gibt Gesetze, die den Weinanbau reglementieren.

Weinbaurechte mussten her

2008 erhielt Schleswig-Holstein von Rheinland-Pfalz Anbaurechte für zehn Hektar Wein und es gelang, davon zwei Hektar für die Insel Föhr abzuzweigen. Aufwendige Klima- und Bodengutachten wurden gemacht und Vorschläge für geeignete Rebsorten eingeholt. Christian Roeloffs fand den Winzer Jens Heinemeyer aus dem rheinhessischen Biebelsheim, einen Spezialisten für Weinanbau in nördlicheren Bereichen. Dieser unterstützte den Föhrer Landwirt von Anfang an und steuert bis heute sein Fachwissen im Weingut Waalem bei.

Weinanbau auf Insel Föhr

Mit ihm zusammen beschloss Roeloffs es mit den Reebsorten Solaris und Johanniter zu versuchen, zwei äußerst robusten und dem Klima angepassten Weißwein-Rebsorten.
2009 begann der Landwirt mit der Anpflanzung der Weinstöcke, von denen er rund 5000 Pflanzen auf einen Hektar Land Platz pflanzte.
Jährlich investierte er nun rund 1600 Arbeitsstunden pro Hektar in sein neues Geschäftsmodell, denn Weinanbau ist eine ganz besonders pflegeintensive Angelegenheit. So ist vor allem Roeloffs Sohn Lenz mit ein paar Helfern in den Föhrer Weinfeldern aktiv.
Im März beginnt die Arbeit mit dem Rückschnitt der Reben. Die Triebe müssen danach angeheftet oder ausgebrochen werden. All dies ist Handarbeit. In dieser Zeit fällt auch die Bodenbearbeitung an. Inzwischen verfügt Roeloffs über einen speziellen schmalen Weinbergtrecker zum Grubbern und Fräsen des Bodens. Die Föhrer Weinbauern legen großen Wert darauf, dass in ihren „Weinbergen“ weder gedüngt noch gespritzt wird.

Weingut Waalem Insel Föhr

Reserve Waalem – Ein echtes Inselprodukt

Heute produziert Roeloffs zusammen mit seinem Sohn Lenz, der sich schnell mit dem Virus des Weinanbaus infizierte, den Föhrer Wein auf der Insel, unterstützt durch das Waalem-Team.
Dabei ist der Reserve Waalem ein echtes Inselprodukt. Vom Anbau der Reebstöcke, über die Pflege bis hin zum Korken, wird alles auf Föhr gemacht.
Nach drei Jahren des Hegens und Pflegens konnte 2011 erstmals auf Föhr die Weinlese beginnen. Und der Ertrag konnte sich sehen lassen. Nach der Gärung war dann auch deutlich, dass der Wein einen sehr guten fruchtigen Geschmack hat, obwohl Skeptiker zuvor ihre Zweifel angemeldet hatten. Ein Refraktometer, ein Gerät zur Messung des Oechsle-Grades im Wein, wurde angeschafft. Inzwischen werden jährlich 5000 bis 7000 Liter Wein auf Gut Waalem gepresst. Dazu reist nach der Lese Jens Heinemeyer mit seiner mobilen Presse auf die Insel. Der gewonnene Most lagert dann auf Föhr in Edelstahltanks und reift im temperierten Lagerraum zum original Föhrer Wein heran. Überwacht wird er in dieser Phase von Lenz Roeloffs. Auch abgefüllt wird der Wein auf Föhr. Dazu kommt ein Fachmann mit einer Abfüllanlage auf die Insel. Dieser nimmt einen Teil des Grundweines der Johannitertraube mit nach Rheinland-Pfalz, dort reift der Inselwein dann zum Sekt heran.
Das Duo, Vater und Sohn Roeloffs, kann sich stolz als erste Winzer auf der Insel Föhr bezeichnen.
Fasziniert beobachten sie ihre Reebstöcke und freuen sich über das Interesse der Urlauber an ihren zwei Hektar Weingärten. Christian Roeloffs hofft inzwischen auf eine Liberalisierung des Weinanbaurechtes. Das würde ihm die Möglichkeit geben, seine Weinfelder zu vergrößern.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Hier noch eine kleine humoristische Ergänzung der Bloggerin:

Vor vielen Jahren saß ich mit Freunden am Rhein in einer Gaststätte, die zu einem Weingut gehörte. Als der Kellner kam bestellten meine Freunde Wein, was natürlich der Situation angemessen war. Doch ich zögerte, denn mir ging es nicht so gut und ich wollte mich deshalb vorerst – es war erst Nachmittag – zurückhalten.
Also sagte ich: „Ich hätte gerne einen Kaffee.“
Der Kellner schaute mich verdutzt an, so, als hätte ich gerade einen Witz gemacht.
Dann sagte er ein wenig unfreundlich: „Kiek ens ut em Finster Mättche. Is dat hee ene Wienberg oder en Kaffeeplantage?“

Tja, das war eindeutig. Ratet, was ich bestellte. 🙂 🙂 🙂

Für alle, die einmal ein paar Tage auf der Insel Föhr verbringen wollen, hier der Link zu der Ferienwohnung meiner Freundin Ellen Faltings. Das Rosenhaus

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Föhrer Snupkroom – Bonbons aus eigener Herstellung

Föhrer Snupkroom

Als ich kürzlich auf der Nordseeinsel Föhr war, nahm meine Freundin mich mit zu einem neuen Ladengeschäft in Oevenum.
„Das musst du unbedingt sehen“, meinte sie.
Nun bin ich keine Naschkatze und lutsche normalerweise nur bei einer Erkältung ein paar Bonbons mit Eukalyptus, um meine Nase frei zu bekommen. Und diese auch immer zuckerfrei. Ich achte nämlich auf meine Gesundheit, meine Figur und vor allem auf meine Zähne.
Deshalb betrat ich etwas skeptisch den Laden mit dem lustigen bunten Ladenschild.

Föhrer Snupkroom

Doch was soll ich sagen, nach wenigen Sekunden war ich schon vollkommen eingenommen von der herrlichen Pracht, die sich im Laden vor meinen Augen ausbreitete. Auf den weißen Regalen des Ladens standen verpackt in transparenten Tütchen, in großen Einweggläsern, in Körben und kleinen Gläsern eine Vielzahl von bunten Bonbons, große und kleine Lutscher und Fruchtgummi in allen Formen und Farben. Neugierig geworden, schaute ich mich näher um. Auffällig waren bei all dem „Snupkroom“ (süße Sachen) die Formen, die beinahe ausschließlich maritime Motive zeigten. So gab es kleine Bonbon-Fische in vielen Farben und Geschmacksrichtungen, große und kleine Muscheln, Anker und „Sebastian die Krabbe“ umhüllt von pinkfarbenem Zuckerzeug. Fruchtgummis gab es in der Form von Deichschafen, Seehunden, Meerjungfrauen, Segelbötchen, Wattwürmern, Lachmöwen und Seesternen, um nur einige der vielen Motive zu nennen. Selbstverständlich gab es all dies in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, wie Mango, Sanddorn oder Waldmeister. Neben Bonbons mit maritimer Prägung fand ich auch klassische Formen, wie Kissen, Früchte und Stäbchen in zigfachen Ausführungen und Aromen.
Kurioses gab es auch zu bestaunen. Kleine, graue menschliche Füße aus Fruchtgummi trugen den Namen „Salzige Wattläufer“. Daneben lagen die „Piraten“, rotschwarze Totenschädel mit gekreuzten Knochen.
Ein Farben- und Formenrausch, an dem ich mich nicht sattsehen konnte.

Föhrer Snupkroom

Meine Freundin löste mich aus der Betrachtung und zog mich hinüber zur anderen Seite des Ladens. Hier arbeiteten Enken Brodersen und Tanja Nissen, aus hygienischen Gründen durch eine Glaswand vom Rest des Ladens getrennt. Sie kneteten weiße und grüne Bonbonmasse, zogen sie zu langen dünnen Strängen, legten diese nebeneinander und verbanden sie, indem sie ein wenig Wasser auf die Flächen pinselten, die aneinander haften sollten. Dann wurde die Masse mehrfach gefaltet und wieder in die Länge gezogen. So entstand nach und nach eine weiß-grün gestreifte Bonbonmasse. Von dieser schnitt Tanja mit einer Schere ein Stück ab, zog es noch einmal in die Länge und legte den Streifen zwischen die beiden Walzen der Bonbonmaschine. Jetzt wurde gekurbelt, was das Zeug hielt und siehe da, lauter kleine grün- und weißgestreifte Fische entstanden.
„Wollt ihr probieren?“, fragte Enken freundlich.

Föhrer Snupkroom

Wir wollten. Und ich muss sagen, die Fischlein schmeckten herrlich. Der prickelnde Geschmack von Waldmeister verbunden mit einer sanften Süße verwöhnte meinen Gaumen. Kaum war die Bonbonmasse abgekühlt, lösten sich die Fische wie von selbst von einander.
Enken Brodersen aus Midlum, die Inhaberin des Ladens, erzählte, dass sie vor ein paar Jahren die Idee hatte, Bonbons selbst herzustellen. Sie experimentierte und recherchierte monatelang, kochte Zucker, formte ihn und verwarf auch manches wieder. Es war nicht leicht, zu erlernen, die süße Bonbonmasse mit der richtigen Mischung aus Geduld und Schnelligkeit bei der richtigen Temperatur und im passenden Moment zu bearbeiten. Dazu brauchte es einiges an Erfahrung, aber die stellte sich nach und nach ein.
Der Wunsch zur eigenen Bonbonfabrikation kam im November 2012 der Verwirklichung einen großen Schritt näher. Enken erwarb eine historische Bonbon-Walzenmaschine. Diese war vor über 100 Jahren von Thomas Mills & Brothers in Philadelphia gefertigt worden und trat nun ihre Reise zur Insel Föhr an. Die Maschine wurde von dem Sammler, in dessen Besitz sie war, persönlich nach Dagebüll gebracht und dort an die gespannt wartenden Bonbonmacherinnen übergeben. So begann eine Leidenschaft, die inzwischen zu einem guten Geschäft geworden ist.
Als dann im Februar 2017 das neue Ladenlokal mit seiner schönen weißen Einrichtung bezogen wurde, war das Glück des Teams vom „Föhrer Snupkroom“ perfekt.
Natürlich konnte ich nicht widerstehen und kaufte ein paar Tütchen mit Bonbons. Diese werde ich jetzt nach und nach genießen und dabei an den schönen Aufenthalt auf der Insel Föhr zurückdenken.

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Föhrer Snupkroom
Wohlackerum 2
Oevenum / Föhr

Text und Fotos:© Xenia Marita Riebe

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