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Die Verleihung der GOLDENEN BILD der FRAU auf der AIDAprima Oktober 2017

Preisträgerin Julia Cissewski (Mitte) mit Jessica Fiegert (links) und Linda Gerlach (rechts) © Orang-Utans in Not e.V.

Meine Tochter Linda Gerlach war als Vertreterin des Vereins „Orang-Utan in Not“ zur Gala eingeladen.

Neulich wurde in Hamburg zum 11. Mal die GOLDENE BILD der FRAU der Frauenzeitschrift BILD der FRAU verliehen.
Jedes Jahr zeichnet die Zeitschrift fünf Frauen aus, die ein soziales Problem erkannt haben und es anpacken. Frauen, die durch ihr Engagement die Welt zu einem besseren Ort machen. Bedingung für die Auszeichnung ist, dass die Preisträgerinnen ihren Verein, ihr Projekt oder ihre Initiative selbst aufgebaut haben und ehrenamtlich dafür arbeiten. In diesem Jahr wurden Projekte ausgezeichnet, die sich um hilfsbedürftige Menschen im weitläufigen Sinn bemühen und um Tiere in Not.
Meine Tochter Linda arbeitet seit mehreren Jahren für den „Orang-Utans in Not e.V.“, der am Max-Planck-Institut in Leipzig ansässig ist. Zuerst gestaltete und betreute sie den Internetauftritt des Vereins im Rahmen des Bundesfreiwilligendienst (BFD) und seit etwa einem Jahr hat sie diese Arbeit ehrenamtlich übernommen. Doch nicht nur das.

© Orang-Utans in Not e.V.

Seit die Gründerin des Vereins Julia Cissewski zur GOLDENEN FRAU der BILD der FRAU gekürt wurde, hat Linda weder Zeit noch Mühen gescheut, die Werbetrommel dafür zu rühren, dass Julia Cissewski und mit ihr „Orang-Utans in Not e.V.“ den Leserinnenpreis bekommt. Für Werbevideos schlüpfte Linda sogar mehrfach in ein Orang-Utan-Kostüm und das bei sommerlich heißen Temperaturen. Die Videos, die so entstanden, sind nicht nur sehr witzig, sondern sie haben, zusammen mit anderen Maßnahmen, Erfolg gebracht. Julia Cissewski wurde gestern auf der AIDA nicht nur mit der GOLDENEN BILD der FRAU ausgezeichnet, sondern sie bekam auch den Leserinnenpreis für das interessanteste Projekt verliehen, der mit 30000 Euro dotiert ist. Außerdem spendete der Präsident der AIDA Cruises Felix Eichhorn zusätzlich zum mit 10000 Euro dotierten Preis der BILD der FRAU überraschend weitere 10 000 Euro Unterstützung für jedes der Projekte. Und er schenkte den Preisträgerinnen eine Kreuzfahrt auf der AIDAprima. Welch eine Freude für die sechs ausgezeichneten Frauen, die sich nun einmal für eine Woche von ihrem anstrengenden Engagement für andere erholen können. Und das haben sie sich auch wirklich verdient!
Durch die Gala, die in diesem Jahr im Theatersaal der AIDAprima stattfand, die im Hamburger Hafen fest vertäut lag, führte der Moderator Kai Pflaume auf leichte und charmante Weise. Er half den ausgezeichneten Frauen, die allesamt sehr bescheiden auftraten – zu bescheiden, bedenkt man, was sie täglich ehrenamtlich leisten – über manche kleine Verlegenheit hinweg. Er lobte sie und machte ihnen Komplimente über ihre Kleidung und ihr Aussehen und natürlich stellte er sie und ihre Projekte in den Mittelpunkt des Abends. Jedes Projekt wurde mit einem kurzen Video vorgestellt. So sah man Julia Cissewski in Indonesien, wo sie sich intensiv um die bedrohten Oran-Utans kümmert. Dort gründete sie eine Auffangstation für Orang-Utan Waisen, deren Mütter von Wilderen getötet wurden. Die Kleinen werden dort aufgezogen und später wieder ausgewildert. Die Vision von Julia und den anderen Mitgliedern des Vereins ist es, den tropischen Regenwald der Inseln Borneo und Sumatra vor Abholzung zu bewahren und damit den Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans zu schützen. Leider kam bei der Vorstellung des Projekt ein wenig zu kurz, dass wir alle Einfluss auf die Abholzung des Regenwaldes haben. Die Wälder werden gerodet, um dort Palmölplantagen zu errichten, denn Palmöl wird als billiger Rohstoff in vielen Lebensmitteln und Kosmetikartikeln verwendet. Wenn wir es vermeiden, Artikel zu kaufen, die Palmöl enthalten, tragen wir durch unser Verhalten maßgeblich dazu bei, den Lebensraum der Orang-Utans zu erhalten. Und nicht nur das! Der Regenwald ist auch sehr wichtig für unser Klima. Werden große Flächen Waldes auf einmal gerodet, kann weniger CO 2 gebunden werden. Außerdem werden durch die Verarbeitung der Urwaldriesen große Mengen an CO 2 freigesetzt. Zusätzlich kann natürlich auch weniger Sauerstoff erzeugt werden. Vor allem die Brandrodung trägt zum weltweiten Treibhauseffekt bei. Dies sollten wir bedenken, und auf jeder Verpackung nach dem Inhaltsstoff Palmöl suchen und die entsprechenden Produkte meiden.
Als Laudatoren traten bei der diesjährigen Verleihung des Preises Prominente wie TV-Koch Tim Mälzer, der ehemalige Fußball-Profi Hans Sarpei und Moderatorin Désirée Nosbusch auf, die sich sehr beeindruckt von Julia Cissewskis Engagement zeigte, als sie ihr den Preis verlieh.
Julia Becker, Gesellschafterin und künftige Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE MEDIENGRUPPE verlieh den Sonderpreis für Zivilcourage an die Altenpflegerin Sylke Hoß. Die Hamburgerin hatte Missstände in einem Pflegeheim aufgedeckt und war dafür mit fristloser Kündigung bestraft worden.
Ein Highlight des Abends war natürlich der Auftritt der Sängerin Anastacia. Sie widmete der Preisträgerin Barbara Stäcker, die mit ihrem Verein „Recover your smile e.V.“ Krebspatienten neuen Mut schenkt, ihren bekannten Song „One Day in Your Life“. Bei der Preisverleihung an Frau Stäcker sagte der US-Superstar: „In meinem Herzen kenne ich dich. Wir sind denselben Weg gegangen.Was für ein Segen, dass es Menschen wie dich gibt. Menschen, die Licht in eine dunkle Zeit bringen“ Anastacia weiß wovon sie spricht, denn sie selbst erkrankte zweimal an Brustkrebs. Im Verlauf der Gala trat sie noch einmal auf und begeisterte das Publikum, das aus 550 Gästen aus Showbiz, Wirtschaft, Sport und Politik bestand, mit einer weiteren Darbietung und mit lobenden und anerkennenden Worten über die Leistung der Preisträgerinnen. Sehr sympathisch!
Auch Anja Gehlken, die sich mit „SchaKi e.V.“ für Schlaganfall-Kinder einsetzt wurde geehrt und mit ihr Ninon Demuth, die mit dem Koch-Projekt „Über den Tellerrand e.V.“ einen deutschlandweiten Kreis von Gleichgesinnten geschaffen hat, in dem Einheimische und Geflüchtete sich treffen und gemeinsam kochen. Beeindruckend ist auch das Engagement von Bettina Landgrafe, die seit über 15 Jahren mit „Madamfo Ghana e.V.“ in Ghana, Afrika Hilfe zur Selbsthilfe leistet.
Die Laudatio für den Leserinnenpreis hielt Bundesfamilienministerin Katarina Barley, die sich selbst als Frauenministerin bezeichnete. Sie dankte den Preisträgerinnen mit folgenden sehr einfühlsamen Worten: „Ich finde solche Ereignisse wie heute großartig – und diese Frauen und ihr großartiges Engagement beeindrucken mich zutiefst. Ich finde, wir Frauen sollten uns untereinander viel häufiger loben, unterstützen, wertschätzen, ermutigen und hervorheben, weil es zu selten passiert.“ Dann sprach sie auch noch die Aktion # Me too an, in der viele Frauen gemeinsam sagen „Nicht mit uns!“„Wir Frauen“, so sagte Katarina Barley: „dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen, denn nur zusammen sind wir stark.“ Danach gratulierte sie der Gewinnerin des Leserinnenpreises. Julia Cissewski mit „Orang-Utans in Not e.V.“ war sprachlos, als sie erfuhr, dass sie den Preis bekommen würde. Gerührt nahm sie den Scheck über 30000 Euro entgegen, verriet aber auch, dass sie mit Networking daran gearbeitet hat, diese zusätzliche Geldspritze für ihre Orang-Utans in Not zu bekommen. Ob sie auch daran geglaubt hat, dass ihre Mühen belohnt werden, sagte sie nicht. Sie meinte nur, dass sie dies alles für eine sehr gute Sache mache, nämlich die wichtige Aufgabe, die großen Menschenaffen vor dem Aussterben zu retten.

Zum Schluss erwähnte sie dann noch meine Tochter Linda Gerlach und ihre Kollegin Jessica Fiegert und deren Einsatz für die Internetseite und die Pressearbeit des Vereins. Sie wies darauf hin, dass die beiden Frauen mit ihr an Bord seinen und sorgte dafür, dass Linda und Jessica von der Kamera eingefangen wurden.
Linda hatte sich für die Gala ein wunderschönes Abendkleid gekauft. Schwarz mit weißer Spitze in der Taille, betont dies ihre schöne schlanke Figur. Ich war sehr stolz auf meine schöne Tochter, die nebenbei bemerkt, nicht nur für den Verein aktiv ist, sondern im Max-Planck-Institut in Leipzig – obwohl sie von Hause aus Sprachwissenschaftlerin ist – in der Primatenforschung arbeitet.
Nach der offiziellen Verleihung des Preises fand im Beachclub an Bord der AIDAprima noch ein Fest statt. Es gab zu essen und zu trinken, es wurde getanzt und nebenbei wurden sehr gute Gespräche geführt. Die Gäste feierten ausgelassen.Das Fest endete tief in der Nacht und die AIDAprima verließ den Hamburger Hafen..
Nun freuen sich alle schon auf die nächste Verleihung der GOLDENEn BILD der FRAU der Frauenzeitschrift BILD der FRAU im nächsten Jahr.

Übrigens, der Verein „Orang-Utans in Not e.V.“ braucht trotz des Preises der BILD der FRAU deine Unterstützung. Es gibt noch viel zu tun! Orang-Utans Waisen müssen aufgezogen und ausgewildert werden, gerodete Urwälder müssen neu aufgeforstet und nicht zuletzt müssen die Menschen in Indonesien und weltweit gebildet werden, damit sie sorgfältiger mit der Natur, den Tieren und mit anderen Ressourcen umgehen lernen. Deshalb sucht der Verein neue Mitglieder und Unterstützer.
Werde Pate eines Orang-Utan Waisen, spende für dessen Aufzucht und Auswilderung oder werde Mitglied im „Orang-Utans in Not e.V.“ Die wunderbaren großen Menschenaffen, die Orang-Utans werden es dir danken!
orang-utans-in-not.org

Text:©Xenia Marita Riebe

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Zum Frühstück zu IKEA Teil II

IKEA eröffnet in Kaarst das modernste IKEA-Möbelhaus der Welt. Ein erster Besuch!

 

Ostfrukost und Köttbullar zwischen Billy und Ribba auf Norråker Stühlen

Neulich, na besser gesagt, heute, haben wir es gewagt. Wir sind zum neuen IKEA-Möbelhaus nach Kaarst gefahren und wollten dort frühstücken, wie wir es – ich gestehe es hier freimütig – hin und wieder machen.
Da die Eröffnung nun schon eine Woche her ist, dachten wir, dass der größte Andrang vorbei sein sollte. Uns war natürlich bewusst, dass alle den „More Sustainable Store‟ erleben wollen, so auch wir. Dieser präsentierte sich dann auch schon bei unserer Ankunft als groß, modern und offen. Nichts war mehr zu sehen von dem einfachen Parkplatz des alten Einrichtungshauses und von seinem einfallslosen rechteckigen Gebäude in blau und gelb. Nein, hier, im neuen IKEA empfing uns ein Parkplatz, wie auf einem Flughafen, mit Kreisverkehr, verwirrenden Ein -und Ausfahrtschildern, engen nummerierten Parkbuchten und Familienparkplätzen. Nun gut, es ist ja alles neu und soll natürlich innovativ sein. Die Parkplatzanzeige versprach noch 84 freie Plätze und obwohl einige Autofahrer suchend umherkreisten, fanden wir rasch einen freien Parkplatz.
Das Gebäude empfing uns mit einem weiten Vorplatz und durch eine große Drehtür gelangten wir ins Innere des nachhaltigsten IKEA-Möbelhauses weltweit.
Hierfür hat der Konzern sich einiges einfallen lassen. Er setzt für das Haus auf alternative Energien, wie z.B auf ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage. Hinzu kommen Abwasser- und Regenwassernutzung für die Toilettenanlagen. Beleuchtet wird das Möbelhaus mit energiesparenden LED-Leuchten, die über eine intelligente Steuerung verfügen. Es gibt auch einen Außenbereich zum Relaxen. IKEA arbeitet hierfür mit dem NABU zusammen und bietet seinen Kunden neben einem Kinderspielplatz und einem Grillbereich viel Grün, eine Outdoor-Sportfläche, einen Insektengarten und eine Streuobstwiese. Alles sehr lobenswert!
Und dann gibt es noch eine „Roof Top Area“ oder zu deutsch Dachterrassen-Café.
So weit, so ehrgeizig!
Nach dem Eintreten waren wir erstaunt, dass wir nicht – wie im alten Haus – am Nasenring durch die Abteilungen geführt wurden. Dass wir nicht den Pax-Kleiderschrank, mit seinem vielseitigen Innenleben besichtigen durften, nicht im Malm-Bett probeliegen sollten und auch nicht aufgefordert wurden, uns mit dem Långfjäll-Bürostuhl um die eigene Achse zu drehen. Nein, man höre und staune, wir durften sofort das Restaurant betreten!
Doch was war das für eine Enttäuschung! Dort, wo im alten IKEA Gemütlichkeit und eine entspannte Atmosphäre unter Böja-Hängeleuchten herrschten, fanden wir eine unpersönliche Eatery vor. Wir mussten uns in eine lange Warteschlange stellen und dort recht lange stehen, denn IKEA hat die abgepackten Frühstückssteller abgeschafft Wahrscheinlich der Umwelt zu Liebe, was einzusehen ist. Nicht einzusehen ist allerdings, warum es zwar ein Gourmet-Frühstück auf Porzellantellern als fertiges Frühstücksangebot gibt, aber kein vegetarisches, kein Käsefrühstück, keine Smörebröt und kein Lachsfrühstück. All dies sollten die Gäste sich nun selbst zusammenstellen.
Wir konnten also nicht wie gewohnt zur Ostfrukost für 1,70 greifen, sondern mussten, wie alle anderen Gäste vor uns, umständlich Buttersternchen aus Vitrinen mit Klappen angeln und aneinander klebende Käsescheiben mit Hilfe einer Gabel hinter der Klappe hervorziehen, was den meisten Kunden misslang. Das brachte viel Unmut mit sich und die Warteschlange wurde immer länger.
IKEA-Angestellte kippten körbeweise weiße Brötchen in ein offenes Fach, das leider ganz am Anfang der Selbstbedienungstheke stand. So bedienten sich alle zuerst mit den einfachen weißen Brötchen, nicht ahnend, dass es weiter vorne gesunde Mehrkornbrötchen gab. Nun hatte man aber die Brötchen, da es keine Zange gab, schon angefasst und konnte sie nicht mehr austauschen. Frust vorprogrammiert! Die Kunden luden sich auf Tablett und Teller, was die Theke hergab. Aufgerollte Pfannkuchen, riesige Portionen Rührei, Schinken und Lachs. Auch Köttbullar waren vereinzelt zu sehen, obwohl es noch Vormittag war. Auf dem Weg zur Kasse, die verloren mitten im Raum stand, suchten alle nach Kaffee, aber es war keine Zapfstation zu sehen. Ein Hinweisschild über der Kasse klärte auf. Der Kunde wurde gebeten, sich eine leere Kaffetasse zu nehmen und für diese 1,50 zu bezahlen. Außerhalb des Kassenbereichs, konnte er diese dann füllen, womit und sooft er wollte.
Leider stauten sich die Gäste auch vor den Kassen und jeder, der sich keinen Rollwagen für sein Tablett sichern konnte, stand stöhnend mit seinem schweren Frühstück auf dem Arm in der Warteschlange. Was war das Problem?
Die Kassiererinnen waren völlig überfordert, ja ratlos. War im alten IKEA-Haus alles eindeutig, Ostfrukost 1,70, Kaffe 1, 50, Rührei 1,20 usw. gibt es im neuen Haus Frühstückzusammenstellungen, die am Eingang auf einem Monitor gezeigt werden und für die es feste Preise gibt. Da aber die Abbildungen in schnellem Takt wechseln und der Kunde alles, was zu seinem Frühstück gehört selbst aus den mit Klappen versehenen Vitrinen angeln muss, hat kaum jemand alle Zutaten für sein gewolltes Frühstück für z.B. 2,50 auf seinem Teller. Ja, und was soll er dann bezahlen? Zum Fitness-Frühstück fehlt der Orangensaft, also sind 3,50 zu teuer. Statt dessen hat er aber einen Pfannkuchen mit Schokofüllung genommen. Den soll er jetzt extra bezahlen, was er aber nicht möchte. Wieso, so fragt er, kann er nicht Saft gegen Pfannkuchen tauschen und 3,50 bezahlen? Das macht doch kaum einen Unterschied! Und so diskutiert die arme Kassiererin mit beinahe jedem Gast. Auch wir zahlten für unser Frühstück, das weniger reichhaltig war als unsere gewohnte Ostfrukost, deutlich mehr. Aber wir diskutierten nicht. Das war uns zu dumm.
Nachdem wir uns endlich mit Kaffee versorgt hatten, suchten wir einen Platz in dem weitläufigen ungemütlichen Restaurant und fanden noch zwei Plätze in der Nähe des Kinderspielbereiches. Hier war es laut und unruhig und ich fror, weil scheinbar das Blockheizkraftwerk nicht genügend Wärme lieferte.
Wir waren enttäuscht!
Und schon während des Frühstücks waren wir uns einig, dass dies unser letztes Frühstück bei IKEA war.
Dann stand natürlich noch die Begehung des modernsten IKEA der Welt an. Aber auch hier wurden wir enttäuscht. Zwar sind die Möbel noch dieselben und auch die Dekorationsartikel haben sich nicht geändert. Was anders war, ist das Konzept des Warenhauses. Folgte man im alten Haus den schwarzen Pfeilen, die auf den Boden geklebt waren und wurde so sicher, wenn auch ein wenig umständlich durch alle Abteilungen geleitet, führten hier, die nun mit LED Leuchten auf den Boden gezauberten Pfeile oftmals in die Irre und in Sackgassen. Weil das bei IKEA scheinbar bekannt oder von Marketingexperten sogar gewollt ist, sollen kleine Schilder, die von der Betondecke baumelten, dem Kunden zur Orientierung dienen.
„Du bist hier“, war dort zu lesen und: „Wenn du den Lichtpfeilen nach rechts folgst, kommst du zu Nr. 15, 14, 13 …“. Was man unter diesen Nummern finden kann, steht direkt darunter. Insgesamt nicht schlecht gemacht, doch beim Einkauf eher lästig. Und so standen denn auch aller Orten Menschen mit nach oben geneigten Köpfen und diskutierten den nun einzuschlagenden Weg.
Tja, wo standen sie nun, die Kiviks, die Ekerös, die Årstids, die Trysils, die Knoxhults und natürlich die guten alten Bekannten, die Billys?
In der Markthalle, wo es Förtrolig, Pruta, Sinnerlig und co. gibt, war alles ein wenig überschaubarer. Dennoch wollten wir nur noch raus aus diesem neuen Mega-Ikea.
Wieder draußen waren wir uns mit vielen andern Kunden einig.

Wir wollen unser altes IKEA wiederhaben. Gebt uns das schöne alte IKEA zurück!“

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Allein unter 100.000 Pinguinen

Adelie Pinguin mit Küken

Vor einiger Zeit im Südsommer bot sich mir die Gelegenheit an Bord eines russischen Versorgungsschiffs einige antarktische Forschungsstationen zu besuchen. Unweit der argentinischen Station “Esperanza” vor der antarktischen Halbinsel liegt Paulet Island, etwa 2 x 3km groß, der felsige Untergrund ist von Januar bis März schneefrei. Hier sollte es – so berichteten mir Biologen – eine riesige Kolonie von Adelie-Pinguinen geben, die alljährlich dieses eisfreie Gebiet für die Aufzucht ihrer Jungen nutzen. Als dann auch noch von einigen englischen Biologen das verlockende Angebot kam, die Insel per Zodiak (Schlauchboot) zu besuchen, konnte ich nicht widerstehen, mich dieser Gruppe anzuschließen. Es sollte ein unvergessliches Erlebnis werden.

Wir waren noch ca 2 Meilen von der Insel entfernt und konnten die etwa 300m hohe zentrale Erhebung bei klarem Wetter gut erkennen, doch irgendwelche Lebewesen sahen wir nicht. Doch dann dieser Geruch! Nicht unbedingt Gestank, jedoch sehr scharf, an frisch gedüngte Felder erinnernd, nahm uns dieser Geruch fast den Atem. Wir drehten bei und versuchten, die Insel von der Luvseite anzusteuern, so wurde die Luft allmählich wieder reiner und das Atmen leichter.

Selfie vom Riesen-Pinguin im Vordergrund

Das Anlanden war nicht ganz so einfach, einmal wegen der vielen Eisschollen und zum anderen wegen der vorgelagerten Klippen. Die günstigste Landestelle, die sich uns bot, war eine kleine, fast eisfreie Bucht mit jedoch recht steil abfallendem Ufer. Nach einigen gewagten Sprüngen erreichten alle schließlich – mehr oder weniger nass – das Ufer. Das Zodiak wurde festgezurrt, eine Zeit für die Abfahrt vereinbart, die Biologen machten sich an die Arbeit – im Wesentlichen Bestandsaufnahme- und ich machte mich allein auf den Weg ins Innere der Insel. Immer noch nichts zu sehen von den Pinguinen, doch dafür um so mehr zu hören! Ein vielstimmiges Geschnatter und Gefiepse schien von oberhalb unserer Landungsstelle zu kommen. Ich stieg mit Mühen einen steilen, rutschigen  Hang hinauf und erreichte endlich ein höhergelegenes Felsplateau, umging einige riesige Felsbrocken und hatte mit einmal einen freien Blick über die Insel. Was ich dort sah, hörte und roch war unbeschreiblich. Tausende von Adelie-Pinguin-Küken standen dicht an dicht aufgeregt fiepend oder auch geduldig wartend. Dazwischen die Pinguin-Eltern, die einen den Kropf voll Krill auf der Suche nach ihren Sprößlingen, andere beim Füttern unter wildem Gezänk der Küken und schließlich wieder andere auf dem Weg zurück ins Meer, um Futter für die nächste Mahlzeit zu suchen.

Adelie Pinguin Kolonie – Paulet Island

Vorsichtig bewegte ich mich auf die Menge zu in der Hoffnung, keine Panik auszulösen. Zu meiner Überraschung wurde meine Anwesenheit völlig ignoriert, die Jungvögel sahen mich wohl als fremden Pinguin an, von dem keine Gefahr ausging und von dem vor allem kein Futter zu erwarten war. So konnte ich mitten in der Menge sitzend einige interessante Beobachtungen machen und das Geschehen im Video festhalten.

Vor allem interessierte mich, wie die mit Krill beladenen aus dem Meer zurückkehrenden Eltern inmitten der riesigen Kolonie ihre Kinder (meist zwei Küken) finden. Wie mir die Biologen erklärten, geschieht dies im Wesentlichen über akustische Signale. So verfolgte ich mit der Kamera einen Rückkehrer, der scheinbar zielgerichtet durch die Menge watschelte. Unterwegs wurde er mehrfach von Küken bedrängt, die sich wohl als die seinen ausgaben, aber jedes Mal energisch abgewiesen wurden. Nach etwa 5 Minuten hatte der Pinguin-Papa tatsächlich seine beiden hungrigen Küken gefunden und es begann eine wilde Fütterungsprozedur. Dabei würgt das Elterntier das Futter nach und nach heraus direkt in die weit geöffneten Schnäbel der Jungtiere. Diese kämpfen ständig und mit allen Mitteln um einen Platz am Schnabel des Fütternden. Auch nachdem der letzte Krümel Futter herausgewürgt ist, geben die Kleinen keine Ruhe und bedrängen Papa Pinguin mittels heftigen Schnabelstupfens unter durchdringendem Gefiepe. Der Arme kann sich dem nur durch Flucht entziehen und wird auch dann  noch eine ganze Weile von den immer wieder auf den Bauch fallenden tollpatschig laufenden Youngstern verfolgt. Endlich wieder im Wasser sucht der Erschöpfte erst einmal eine Eisscholle auf, um sich zusammen mit anderen Leidensgenossen, ein wenig zu erholen.

Für die zurückbleibenden Küken beginnt nun wieder eine stundenlange Wartezeit, die sie oft dicht aneinander gedrängt stoisch ertragen. Ihr größter Feind nun ist die Skua, eine Raubmöwe, die sich in aller Ruhe ihr Opfer aussuchen kann. Der einzige “Schutz” ist nur die große Zahl der potenziellen Opfer.

Dieses faszinierende Naturschauspiel beschäftigte mich so, dass ich die Kälte kaum spürte, die sich mit dem aufkommenden Wind schnell verstärkte. Ich ging dann doch hinunter zum Meer und fand unsere Anlegestelle belagert von einem Dutzend Pelzrobben, die träge auf dem Schotter lagen und ebenso wie die Adelie-Pinguine keine Notiz von mir nahmen, auch nicht als ich hautnah zwischen ihnen hindurch gehen musste, um zum Zodiak zu gelangen.

Text, Fotos, Video; Bernd Riebe

 

 

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Eazy’s Place – Gästehaus in Dar es Salaam, Tansania

Zu Gast bei Eazy Mjema in seinem Gästehaus „Eazy’s Place“ –
Lerne das Leben der Tansanier am Rande der Millionenstadt DAR kennen!

Eazy

Eazys Gästehaus
“Eazy’s Place” ist ein Gästehaus am Stadtrand von Dar es Salaam in Tansania, West-Afrika.
Die Idee, hier Gäste aufzunehmen, entstand vor ein paar Jahren, denn “Eazys Place” ist geradezu prädestiniert dazu, Menschen, die außerhalb des afrikanischen Kontinents leben, einen Einblick in den Alltag der Bewohner am Rande einer afrikanischen Millionenstadt zu geben.
Dar es Salaam
Dar es Salaam ist mit ca 4,5 Mio. Einwohnern die größte Stadt Tansanias und zugleich wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes. Es ist zwar heute nicht mehr die Haupstadt Tansanias, wohl aber Regierungssitz und lutherischer wie römisch-katholischer Bischofssitz. Die University of Dar es Salaam ist die wichtigste Universität des Landes. Hier studieren etwa 12.000 Studenten. Es gibt aber auch noch weitere Universitäten in DAR, wie die International Medical and Technological University und die Mwalimu Nyerere Memorial Academy. In der Stadt Bagamoyo, die ca. 80 km von „Eazys Place“ entfernt liegt, gibt es eine berühmte Kunst Akademie, das Bagamoyo Art College. Hier hat Eazy einst Kunst studiert und er führt seine Gäste gerne in die Stadt, in der es viele deutsche Spuren gibt.
Öffentlicher Transport in DAR
Dar es Salaam hat auch einen großen Hafen, der von internationaler Bedeutung ist. Er gilt als der Hauptumschlagplatz für Güter aller Art und als das Einfallstor für Ost- und Zentralafrika. Von hier fahren aber auch die Fähren nach Sansibar ab, einer Insel vor der Küste Tansanias.
Die Bahn spielt in Tansania eine eher untergeordnete Rolle. Es gibt im Wesentlichen drei Linien, die DAR mit Mbeya im Südwesten, mit Mwanza im Nordwesten und mit Kigoma im Westen verbinden.

Bajaji

In der Innenstadt gibt es gut ausgebaute Straßen, auf denen private Autos, Kleinbusse (Dala Dala), Dreiradtaxis (Bajaji) und Motorräder (Picki Picki), die auch als Taxi fungieren, verkehren.
Vom Flughafen oder von der Fähre gelangt man am leichtesten mit einem Taxiservice zu „Eazys Place“, wobei Autotaxen recht teuer sind. Preiswerter ist es im Bajaji oder dem Dala Dala. Für letzteren braucht man allerdings Afrikaerfahrung und gute Nerven. Eazy bietet seinen Gästen einen kostenlos Flughafentransfer mit dem Bajaji an, Voraussetzung ist allerdings eine Buchung von  mehr als drei Nächten.

 

Der Aufenthalt auf „Eazys Place“
In jedem Fall lohnt es sich – freier Airport Transfer hin oder her – ein paar Tage auf „Eazy Place“zu verweilen. Nirgendwo sonst, kann der Reisende so gut abschalten wie hier. Im Nu findet er sich in einer bereits vergessen geglaubten Welt wieder. Ursprünglichkeit ist das Zauberwort. Auf „Eazys Place“ scheint alles leicht zu sein. Ganz gleich, ob sich der Gast unter der Buschduche (Eimer mit Wasser und Schöpfgefäß) wäscht, oder die Toilette mit freiem Blick in den afrikanischen Himmel benutzt – besonders im Dunkeln faszinierend, denn die Sterne funkeln dort so strahlend – er wird sich eins fühlen mit der Natur. Auch die Nächte im einfachen, traditionell gebauten Gästehaus sind aufregend. Das Konzert der Tiere (Grillen, Zirpen, Wildkatzen, Vögel) endet beinahe nie. Dazu kommen gegen Morgen die Hähne und auch manches Heulkonzert der Hunde der Nachbarschaft. Doch keine Angst, auf Eazys Place kann sich jeder absolut sicher fühlen und die Geräusche sind eher eine Zugabe zum afrikanischen Flair als eine Beeinträchtigung.

Unterbringung und Verpflegung
Die Zimmer im Gästehaus haben einen sehr schönen Mosaik-Fliesenboden und je zwei einfache Betten mit Moskitonetz. Sie werden von Eazy, wie alles andere auch, peinlich sauber gehalten. Als gemeinsamer Aufenthaltsort dient ein großes Banda, ein Dach, das in traditioneller Bauweise geflochten wurde und das auf vier starken Holzpfosten steht. Hier befindet sich die kleine Bar und hier nehmen die Gäste auch ihr Frühstück ein. Am Morgen, wenn die Sonne noch tief steht und eine leichte Brise vom nahegelegenen Ozean herüberweht, ist der Platz unter dem Banda der beste überhaupt. Eazy reicht dann Kaffee, frische heiße Milch, Mandazis (kleine Teigbällchen), Kitumba (geröstetes Brot), Chapati (Fladenbrot) und verschiedenen andere leckere Speisen, die von den Frauen des Dorfes zubereitet werden. Diese kommen jeden Morgen und verkaufen Eazy ihre Produkte, die allesamt köstlich sind. Zum Dinner kocht Eazy selbst. Er ist ein hervorragender Koch und zaubert schmackhafte einfache Essen, wie Ugali (Maisbrei) mit Bohnen und Boga (eine Art Spinat), Spaghetti mit Fleischsoße oder Chipsy Mayai (frittierte Kartoffeln mit Ei). Zwischendurch bietet er seinen Gästen immer wieder frisches Obst an, was hier um Vieles besser schmeckt als in Europa.

Banda

Die Bewohner von „Eazys Place“ und die Gebäude
Auf Eazys Place leben neben Sunny (Easys kleiner Sohn) ein Junge als Hilfe, zwei Wachunde (schlafen tagsüber), Tauben, Hühner und ein Hahn. Gekocht wird auf einfachen kleinen Öfen, die mit Holz befeuert werden. Als Küche dient der Platz vor einer einfachen Hütte. Eazy und sein Sohn leben in einem Steinhaus, in dem es bei guter Auslastung auch noch ein Einzelbett gibt. Das „Badezimmer“ hat eine Buschdusche, einen Fliesenboden, einen Spiegel und Haken. Als WC dient eine Stehtoilette, wie in Tansania überall üblich. Es gibt kein fließendes Wasser, aber elektrischen Strom und eine Solaranlage. Das Aufladen von Laptops und Smartphones ist also kein Problem. Internetzugang gibt es über das Funknetz, Whats App funktioniert ausgezeichnet.

 

 

Die unmittelbare Umgebung
Gegenüber von Eazys Place hat vor kurzem eine neue Bar eröffnet, wo die Gäste kalte Getränke bestellen und genießen können. Auch ein kleiner Laden hat sich in der Nähe angesiedelt. Bis zum nahegelegenen Strand sind es Luftlinie nur etwa 1000 Meter. Man erreicht ihn am besten mit einem Bajaj, das Eazy bestellen kann. Die Fahrt dorthin dauert ungefähr 15 Minuten. Der Sandstrand ist sauber und gepflegt und es gibt dort mehrere internationale Hotels.
Hilfe zur Selbsthilfeprojekt
Eazys Place begann als ein Hilfe zur Selbsthilfe Projekt, dass von mir und meinem Mann Bernd initiiert und mit einigem zeitlichen und finanziellen Aufwand ins Leben gerufen wurde und bis heute betreut wird. So gehen alle Buchungen bei uns in Deutschland ein und werden von Bernd bearbeitet und an Eazy weitervermittelt. Vom Projekt „Eazys Place“ profitierten und profitieren bis heute Handwerker, Händler, Wasserverkäufer und die Frauen aus dem Dorf, sowie eine Reihe von Jungen, die nicht mehr von ihren Eltern ernährt werden können und deshalb bei Eazy gegen Kost und Logis arbeiten. Einer von ihnen, Khasim, ein talentierter fleißiger Schüler, hat mit Eazys Hilfe die Secundarstufe absolviert.


Abend unter Palmen
Am Abend, wenn die Silhouetten der Palmen am dunklen Himmel zu sehen sind, wird es unter dem Banda gesellig. Hier finden sich die Gäste ein, die aus aller Herren Länder anreisen. Europäer, darunter viele Deutsche, Kanadier und Amerikaner, aber auch Gäste aus afrikanischen Staaten geben sich hier ein Stelldichein. Bei einer kalten Flasche Bier (meist Serengeti oder Kilimanjaro) wird hier gequatscht und auch musiziert, wenn ein Musikant unter den Gästen ist und Eazy die Trommel spielt. Auf jeden Fall ist die Stimmung immer gelöst und heiter. Dafür sorgt Eazy mit seinem ausgleichenden Wesen und seiner verbindlichen freundlichen Art. Dass Eazy ein großartiger Gastgeber ist, schlägt sich auch in den vielen positiven bis begeisterten Reviews nieder und in der Auszeichnung, die Eazy von Trip Advisor erhalten hat.

Eazy ist ausgebildeter Touristenguide
Neben allen anderen hervorragenden Eigenschaften, die Eazy besitzt, ist er auch ein guter Guide. Er machte vor ein paar Jahren eine Ausbildung zum Touristenführer und kann seinen Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eazy kennt Dar es Salaam wie kein anderer, aber er führt ebenso sicher durch Bagamoyo und durch die Natur. Er kennt alle Pflanzen seiner Umgebung und versteht sich darauf, sie als Heilpflanzen zu nutzen. Vogelstimmen deutet er ebenso, wie er Schmetterlinge oder andere Insekten erkennt und benennen kann.


Eazy als Batikkünstler
Eazys Lieblingsbaum ist der Baobab, der auch in seiner Kunst immer wieder auftaucht, denn Eazy ist neben Hostelbesitzer auch Batiker. Seine einzigartigen Batikstoffe sind über die Grenzen Tansanias bekannt und werden selbst in Europa gehandelt. Eazy selbst war 2008 für drei Monate in Deutschland und in den Niederlanden und hat seine Batikkunst in mehreren Ausstellungen präsentiert.
Empfehlung der Autorin
Ich selbst war viele Male bei Eazy in seinem Gästehaus und auch mein Mann und unsere Kinder besuchen Eazy regelmäßig. Wir alle fühlen uns auf “Eazy’s Place” sehr wohl und sicher. Ich kann jedem Reisenden, der fernab von den ausgetretenen Touristenpfaden ein Stück ursprüngliches Afrika erleben möchte, einen Aufenthalt auf „Eazy’s Place“ wärmstens empfehlen.

Buchungen bitte per Mail an eazy@bild-art.de

Weitere Infos auf der Website Eazy’s Place – www.eazy.bild-art.de

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

 

 

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Wunderknolle Topinambur – schmackhaft, heilsam und vielseitig

Der Topinambur wieder in aller Munde – Die tolle Knolle ist zurück

Der Topinambur erfreut sich immer größerer Beliebtheit und ist aus den Bioläden nicht mehr wegzudenken

Topinamur im Garten – Planzung in Töpfen bevorzugen!
seit vielen Jahren wächst in meinem Naturgarten der Topinambur. Einerseits bin ich darüber erfreut, denn die prächtigen, der Sonnenblume sehr ähnlichen Pflanzen, sind vor allem im Herbst eine Augenweide. Mit ihren drei Metern Höhe überragen sie alle anderen Blumen und die kleinen gelben Blüten, die an oben verzweigten Stielen mit auffälligen eiförmigen Blättern blühen, bewegen sich anmutig in jeder Brise.
Andererseits bin ich im Herbst, wenn die Blüten verblüht sind und ich die Topinambur ausmache, oft sehr verärgert. Dann versuche ich jedes Mal, möglichst alle Knollen aus der Erde zu entfernen, damit die Topinambur nicht mehr wiederkommt. Das gelingt mir leider nie, denn aus einem noch so kleinen Stückchen Knolle, das in der Erde übersehen wird, wächst im nächsten Jahr erneut eine der prächtigen Pflanzenstände.
Du fragst dich sicher, warum ich die Pflanze, die doch so gesund und lecker ist, wieder loswerden möchte. Das hat einen ganz bestimmten Grund und der liegt bei der Pflanze selbst. Der Topinambur ist eine der erfolgreichsten Pflanzen, die ich jemals in meinem Garten hatte. Er bildet Rhizomen, die er an langen dünnen Ausläufern um sich herum verbreitet. Diese Rhizomen findet man rund um die Pflanze in etwa 10 bis 15 cm Tiefe in der Erde, wobei die Pflanze sich überall ausbreitet. So wächst sie auch in Blumenstauden hinein und verbreitet ihre Wurzelknollen mitten in oder unter den Wurzeln der Staude. Auf diese Weise hat der Topinambur in meinem Garten schon eine Herbstanemone und eine Hortensie vernichtet. In diesem Herbst musste ich feststellen, dass eine große alte Margaritenstaude völlig von Topinambur-Rhizomen unterminiert war. Mir blieb nichts anderes übrig, als Teile der Margarite zu entfernen, denn ich möchte verhindern, dass sich der Topinambur im nächsten Jahr noch weiter in der Staude ausbreitet. Diese Arbeit war sehr anstrengend, denn ich traf auf immer neue Rhizomen und hatte schließlich einen ganzen großen Korb voll geerntet. Auch in meinem Ilex und im Wurzelstock einer Rose saßen die Rhizomen, ebenso zwischen den Knollen einer Lilie.
Topinambur der Alleskönner in der Küche
Natürlich bin ich wegen des Nährstoffgehalts und der vielen unterschiedlichen Arten, in denen man Topinambur zubereiten kann, immer wieder hin- und hergerissen. Einerseits möchte ich gerne im Herbst die tolle Knolle ernten, andererseits möchte ich meine anderen Pflanzen vor den Rhizomen des Topinambur schützen. Sicher wäre es besser, den Topinambur in Töpfen zu ziehen. Dafür ist es in meinem Garten leider zu spät und ich befürchte, dass mein „Kampf“ mit der Pflanze lebenslang anhalten wird.
Wissenswertes über Topinambur
Die Blätter des Topinambur werden 7 bis 10 cm breit und bis 10 bis 25 cm lang. Der aufrechte starke Stengel und die Blätter sind rau und behaart. Der Trieb des Topinambur stirbt im Herbst ab.
Die Blütenstände des Topinambur haben einen Durchmesser von 4 bis 8 cm und sitzen in den Achseln der oberen Laubblätter. Die Blütezeit von Topinambur liegt zwischen August und November. Als Kurztagespflanze blüht sie aber erst, wenn eine bestimmte Tageslänge unterschritten wird. Die Pflanze überwintert mit Rhizomen, in die der Spezialzucker Inulin eingelagert wird. Die birnen-, apfel- bis spindelförmigen Knollen entstehen an der Sprossbasis, die Knollenhaut ist von beige über gelb bis rosa gefärbt und das Fleisch der Knolle ist weiß. Die Knollen werden etwa so groß wie Kartoffeln. Die Haut der Knolle ist im Gegensatz zu Kartoffeln fein und dünn. Die Knollen ertragen Frost bis -30 °C, wobei der oberirdische Spross nur -5 °C aushält.
Die Knolle des Topinambur ist nicht nur kulinarisch vielseitig verwendbar, sondern auch als Heilmittel, denn sie enthält wertvolle Ballaststoffe, die zum Aufbau der Darmflora beitragen. Auf diese Weise werden die Abwehrkräfte gestärkt und eine gesunde Verdauung gefördert. Topinambur schützt vor Magen-Darm-Erkrankungen und kann auch vor Diabetes schützen.
In einem Artikel im Internet habe ich viel Wissenswertes über den Topinambur gefunden. Deshalb möchte ich diesen Artikel hier übernehmen. Er wurde vom Zentrum der Gesundheit verfasst. Die Adresse des Urhebers findest du am Schluss des Artikels.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

 

Hier der Artikel von “Zentrum der Gesundheit.de”

Der Topinambur (Helianthus tuberosus) zählt wie die Ringelblume oder die Echte Kamille zur Familie der Korbblütler. Die in der Erde befindliche Knolle der Pflanze wird ebenfalls als Topinambur bezeichnet. Die Pflanze bzw. ihre Knolle ist auch als Erdapfel, Jerusalem-Artischocke, Ewigkeitskartoffel, Knollensonnenblume oder Indianerknolle bekannt.

Alle diese Bezeichnungen führen uns dem Topinambur schon etwas näher, denn er wächst wie die Kartoffel unter der Erde, schmeckt ein wenig nach Artischocke, sieht dem Ingwer ziemlich ähnlich, ist mit der Sonnenblume eng verwandt und wurde von den indigenen Völkern in Mittel- und Nordamerika bereits in der vorkolumbischen Zeit als Lebens- und Heilmittel sehr geschätzt.
Die Menschen in Europa wurden auf den Topinambur erst im Jahre 1610 aufmerksam. Französische Auswanderer hatten dank des Topinamburs und seines Nährstoffreichtums eine Hungerkatastrophe überlebt und schickten einige der kleinen Knollen in ihre frühere Heimat. Benannt wurde der Topinambur nach dem brasilianischen Indianerstamm Tupinambá, der mit der Wurzelknolle zwar nichts am Hut hatte, aber zufällig gerade in Frankreich zu Gast war, als man die Knolle dort ausgiebig testete.
Warum der Topinambur in Vergessenheit geriet
Da der Topinambur in Europa auf viel Begeisterung stieß, wurde er dort auch angebaut und galt bis ins 19. Jahrhundert als ein wichtiges Nahrungs- und Futtermittel. Heute finden sich die Hauptanbaugebiete in Nordamerika, Asien und Australien.

Zudem werden die Knollen in Südfrankreich, den Niederlanden, der Schweiz (z. B. im Seeland) und in Deutschland (z. B. in Niedersachsen und Baden) im kleinen Stil erwerbsmäßig kultiviert. Aus diesem Grund ist der Topinambur meist nur in Bioläden oder auf Wochenmärkten erhältlich.

Dass der Topinambur an Bedeutung verloren hat, liegt darin begründet, dass er seit Mitte des 18. Jahrhunderts mehr und mehr von der ergiebigeren Kartoffel verdrängt wurde. Dies ist mitunter darauf zurückzuführen, dass die Kartoffel eine bessere Lagerfähigkeit aufweist, während man den Topinambur am besten innerhalb weniger Tage nach der Ernte verzehrt.

Mittlerweile erlebt der Topinambur allerdings eine kulinarische Renaissance, denn er ist nicht nur besonders schmackhaft, sondern enthält auch eine ganze Reihe gesunder Inhaltsstoffe.

Topinambur: Eine vitamin- und mineralstoffreiche Knolle
Der Topinambur enthält viele verschiedene Vitamine und Mineralstoffe, die zur Gesundheit beitragen und von denen einige in Bezug auf die Erfüllung der empfohlenen Tagesdosis (RDA) durchaus von Relevanz sind. In 100 Gramm Topinambur finden sich z. B. rund:

  • 0,2 mg Vitamin B1 (14 Prozent der RDA): Ist wichtig für den Kohlenhydrat- und Aminosäuren-Stoffwechsel und das Nervensystem.
  • 1,3 mg Vitamin B3 (7 Prozent der RDA): Trägt zur Regeneration der Nerven, der Muskeln und der Haut bei.
  • 4 mg Vitamin C (7 Prozent der RDA): Wirkt antioxidativ, indem freie Radikale im Körper gebunden und unschädlich gemacht werden.
  • 4 mg Eisen (25 Prozent der RDA): Ist im Körper für den Sauerstofftransport zuständig.
  • 500 mg Kalium (25 Prozent der RDA): Spielt in Bezug auf den Flüssigkeitshaushalt und die Weiterleitung von elektrischen Impulsen an Nerven- und Muskelzellen eine entscheidende Rolle.
  • 0,1 mg Kupfer (7 Prozent der RDA): Ist an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt und ist wichtig für das zentrale Nervensystem.

Topinambur: Die Nährstoffe

Die Topinambur besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser und enthält praktisch kein Fett. Mit ihren 73 Kalorien und dem hohen Ballaststoffanteil ist die Knolle ideal, um das Abnehmen zu unterstützen. In 100 Gramm Topinambur stecken rund:

  • 2 g Eiweiss
  • 0,4 g Fett
  • 17 g Kohlenhydrate
  • davon 12 g Ballaststoffe

Dabei enthält der Topinambur zwei spezielle lösliche Ballaststoffe, die medizinisch in vielerlei Hinsicht von grossem Wert sind. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde von Forschern festgestellt, dass manche Lebensmittel deshalb so gesund sind, weil sie besonders viel von zwei bestimmten Stoffen enthalten: Inulin – nicht zu verwechseln mit dem Hormon Insulin! – und Oligofructose (FOS). Topinambur ist eines dieser so besonders inulinreichen Lebensmittel.

In 100 Gramm der Knolle stecken rund 16 Gramm Inulin. Laut Experten reicht jedoch schon eine Dosis von 8 Gramm Inulin pro Tag aus, um auf die Darmfunktion eine präbiotische Wirkung zu haben.

Topinambur: Inulin und FOS sorgen für eine geregelte Verdauung

Inulin und FOS dienen dem Topinambur und vielen weiteren Pflanzen wie z. B. dem Chicorée und der Artischocke als Reservestoff, der in der Pflanze gespeichert wird und ihr bei Bedarf – z. B. bei Trockenheit – zur Verfügung steht.

Inulin und FOS sind Polysaccharid-Gemische, die aus Fructose-Molekülen zusammengesetzt sind und ähnliche ernährungsphysiologische Eigenschaften haben. Sie zeichnen sich beide dadurch aus, dass die Verbindungen zwischen besagten Molekülen im Darm nicht aufgespalten werden, unangetastet durch den Dünndarm wandern und dann intakt in den Dickdarm gelangen.

Dort freuen sich die nützlichen Darmbakterien (insbesondere die gesundheitsfördernden Bifidobakterien), da sie sowohl Inulin als auch FOS als Nahrung nutzen und verstoffwechseln können. Beide Stoffe sind also sog. Präbiotika, was bedeutet, dass sie den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen, deren Anzahl vervielfachen und auf diese Weise eine gesunde Darmflora fördern, die bekanntlich wiederum Voraussetzung dafür ist, um gesund und munter zu bleiben.

Bitte verwechseln Sie den Begriff Präbiotika nicht mit Probiotika. Letzteres bezeichnet die probiotischen Bakterien selbst, während mit Präbiotika die Nahrung für eben jene Bakterien bezeichnet wird.

Eine präbiotische Wirkung zeigt sich im Darm darin, dass das Stuhlgewicht und auch die Stuhlfrequenz erhöht werden, so dass – wie etliche Studien mittlerweile gezeigt haben – insbesondere Menschen mit Darmträgheit von Inulin und FOS profitieren können.

Topinambur: Präbiotika schützen vor Magen-Darm-Erkrankungen

Präbiotika haben den grossen Vorteil, dass sie die Zusammensetzung der Darmflora positiv beeinflussen, indem sie den nützlichen Bakterien als Nahrungsquelle dienen und deren Wachstum im Darm anregen. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass mit Hilfe von Inulin und FOS der Anteil der Bifidobakterien im Darm auf über 80 Prozent ansteigen kann.

Laut einer Untersuchung an der University of Toronto führte die Einnahme einer Tagesdosis von nur 5 Gramm FOS innerhalb von nur 11 Tagen zu einem signifikanten Anstieg der Bifidobakterien. Diese winzigen Darmbewohner tragen zu unserer Gesundheit bei, da sie z. B. die Vermehrung krankmachender Bakterien und Viren hemmen, das Immunsystem stärken und effektiv vor Magen-Darm-Erkrankungen wie Darmkrebs schützen.

Topinambur hält die Knochen gesund

Die präbiotischen Inhaltsstoffe des Topinambur tragen auch dazu bei, dass die Aufnahme bestimmter Nährstoffe verstärkt wird. So haben belgische Forscher vom Cargill R&D Centre Europe festgestellt, dass durch Inulin und FOS die Calciumaufnahme erhöht und dessen Verwertung signifikant verbessert wird.

An der Studie nahmen 100 Kinder teil. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die verbesserte Verwertung einerseits zu einer Erhöhung des Calciumanteils in den Knochen und andererseits zu einer Steigerung der Knochendichte führte.

Gerade im Kindesalter ist es ja besonders wichtig, dass einem Mangel an Calcium vorgebeugt wird, da die “Knochenbank” in jungen Jahren aufgefüllt wird, von der man dann im Erwachsenenalter zehrt. Die Forscher gaben ausserdem an, dass Inulin in Kombination mit FOS besonders wirksam ist und eine reale Möglichkeit darstellt, um Erkrankungen wie der Osteoporose nachhaltig vorzubeugen. Weitere diesbezügliche Infos finden Sie unter: Inulin beugt Osteoporose vor.

Topinambur: Die Diabetiker-Kartoffel

Der Topinambur wird auch als “Diabetiker-Kartoffel” bezeichnet, da er in der traditionellen Heilkunde schon lange bei diesbezüglichen Beschwerden eingesetzt wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Topinambur den Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. Gleichzeitig fördert Inulin eine gesunde Darmflora und diese schützt wiederum vor Diabetes (Typ 1 und Typ 2), wie wir hier bereits erklärt hatten: Probiotika bei Diabetes und Diabetes durch kranke Darmflora

Kanadische Forscher vom Alberta Children’s Hospital stellten im Jahr 2016 beispielsweise fest, dass Patienten mit Diabetes im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes eine veränderte Darmflora aufweisen, welche mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, mit Entzündungen und mit einer Insulinresistenz in Verbindung gebracht werden kann.

An der Studie nahmen Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren teil, die seit mindestens einem Jahr an Diabetes Typ 1 litten. Ein Teil der Kinder erhielt für 12 Wochen ein Präbiotikum (8 Gramm täglich eine Mischung aus Inulin und FOS), der andere Teil ein Placebo.

Die Forscher kamen zum Schluss, dass die präbiotischen Präparate die Darmflora ändern, Entzündungen hemmen, die Durchlässigkeit des Darmes bessern und auf diese Weise zu einer besseren Blutzuckerkontrolle, sprich einem geringeren Diabetes-Risiko führen. Wird der Blutzuckerspiegel nun aber stabilisiert, werden die Bauchspeicheldrüse und die Leber entlastet und das Diabetesrisiko sinkt weiter.

Zusätzlich soll der regelmässige Verzehr von Topinambur die Cholesterin- und Blutfettwerte senken und beim Abnehmen helfen, wodurch das Risiko für Diabetes-Typ-2 weiter reduziert wird. Die enthaltenen Ballaststoffe quellen nämlich bei genügender Flüssigkeitszufuhr auf, wirken dadurch Heisshungerattacken entgegen und rufen ein rasches und intensives Sättigungsgefühl hervor. Man isst weniger, das Abnehmen gelingt leichter und Risiken für chronische Krankheiten, die mit Übergewicht einhergehen, schwinden.

Topinambur in der Volksheilkunde

Der Topinambur wird in der Volksmedizin verschiedener Kulturen schon lange erfolgreich zur Behandlung diverser Krankheiten und zur Linderung verschiedener Leiden verwendet und hat sich vordergründig abgesehen vom Diabetes in den folgenden weiteren Bereichen bewährt:

  • Magen-Darm-Beschwerden (z. B. erhöhte Magensäureproduktion)
  • Rheuma
  • Kraftlosigkeit und Schlaflosigkeit
  • Trockene Haut und Ekzeme

In der traditionellen Heilkunde kommen aber nicht nur die Knollen, sondern auch die Blätter und Blüten des Topinambur zum Einsatz. Inzwischen haben schon zahlreiche Studien bestätigt, dass die darin enthaltenen Polyphenole eine antioxidative, entzündungshemmende sowie krebsvorbeugende Wirkung haben. Den Topinambur-Blättern wurde bereits ein grosses Potenzial als Antioxidans bescheinigt.

Zudem haben Laboruntersuchungen gezeigt, dass die Blätter weitere sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Sesquiterpenlactone) enthalten, die gegen krankmachende Bakterien, Viren, Pilze und Tumoren wirken.

Topinambur: Die Heilanwendungen

Leider wissen die wenigsten Menschen, dass der Topinambur – sowohl seine Blätter, Stängel, Blüten als auch seine Knollen – zahlreiche Heilanwendungen ermöglicht. Fünf davon möchten wir Ihnen kurz vorstellen.

1. Topinambur-Bad

Wenn Sie an trockener Haut leiden, kann ein Topinambur-Bad Linderung verschaffen. Giessen Sie etwa 500 Gramm frische oder 150 Gramm getrocknete Stängel und Blätter mit 3 Liter heissem Wasser auf und lassen Sie den Aufguss einige Stunden ziehen. Sieben Sie dann den Aufguss ab und giessen Sie ihn in Ihr Badewasser.

2. Topinambur-Auflage

Bei Hautproblemen und Rheuma kann auch eine Auflage sinnvoll sein. Zerreiben Sie eine frische Topinambur-Knolle fein und streichen Sie die Masse auf ein Stück Gaze. Legen Sie die Auflage zweimal pro Tag für 20 Minuten auf die betroffene Hautpartie.

3. Topinambur-Kur mit frischen Knollen

Bei Magen-Darm-Problemen kann es hilfreich sein, vor jeder Mahlzeit eine frische, ungeschälte Topinambur-Knolle zu essen. Die Anwendungsdauer beträgt 2 bis 4 Wochen.

4. Topinambur: Trink-Kur

Pressen Sie die frischen Knollen und nehmen Sie den Topinambur-Saft zweimal pro Tag vor den Hauptmahlzeiten ein. Die Anwendungsdauer liegt zwischen 2 und 3 Wochen.

5. Topinambur-Blüten-Tee

Kochen Sie 4 frische Topinambur-Blüten mit etwa einem halben Liter Wasser auf und lassen Sie den Tee über Nacht ziehen. Sieben Sie anschliessend den Tee ab und trinken Sie ihn für 2 Wochen über den Tag verteilt. Der Tee wirkt z. B. bei Erschöpfung und nervöser Unruhe.

Topinambur bei Fructoseintoleranz und empfindlichem Darm

Da die Bakterien im Dickdarm den Ballaststoff Inulin spalten und unter Gasbildung abbauen, reagieren manche Menschen – insbesondere jene mit empfindlichem Darm – auf Topinambur mit Blähungen oder sogar Bauchweh. Sollten Sie eine ballaststoffreiche Ernährung nicht gewohnt sein, ist es ratsam, den Körper langsam daran zu gewöhnen.

Des Weiteren sollte bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit vorsichtig getestet werden, wie gut die Topinamburknollen vertragen werden. Menschen mit hereditärer Fructoseintoleranz sollten darauf – wie auf andere Lebensmittel mit Fructose – ganz verzichten.

Topinambur: Einkauf und Lagerung

Die Topinambur ist ein typisches Wintergemüse, das von Oktober bis Mai Saison hat. Wie eingangs bereits erwähnt, werden die Knollen relativ selten im Handel angeboten und sind vorrangig in Bioläden oder auf Gemüsemärkten erhältlich. Im deutschsprachigen Raum finden sich jedoch auch immer mehr Supermärkte, in denen sie gekauft werden können.

Es gibt viele verschiedene Topinambur-Sorten – z. B. Gute Gelbe und Rote Zonenkugel – die Farbe der Schalen reicht von rötlich, lila, braun bis weisslich und gelb. Sorten mit heller Schale zeichnen sich durch einen sehr feinen Geschmack aus.

Topinambur-Knollen sind nicht so gut lagerfähig wie Kartoffeln, da sie schneller Wasser verlieren und dadurch schrumpfen. Die frisch geernteten Knollen können aber problemlos für rund 2 Wochen im Kühlschrank oder im Keller gelagert werden. Dabei wird empfohlen, die Knollen ungewaschen aufzubewahren und die Erde erst vor der Verarbeitung abzuwaschen.

Sie können die Lagerzeit allerding bis auf 3 Monate erhöhen, wenn Sie die Knollen in eine mit Sand gefüllte Kiste geben, mit etwa 5 cm Sand bedecken und im Keller kühl und dunkel lagern. Wichtig ist hierbei, dass die langen dünnen Wurzeln nicht entfernt werden.

Ausserdem kann der Topinambur prima eingefroren werden. Sie können die geschälten Knollen ohne Qualitätseinbussen vor dem Einfrieren kurz in siedendem Wasser blanchieren.

Anbau: Topinambur im Garten und Blumentopf

Was gibt es Besseres als Gemüse aus dem eigenen Garten? In puncto Bodenbeschaffenheit und Standort zählt der Topinambur zu den anspruchslosen Gewächsen, die sich auf einem lockeren, leicht sandigen Boden besonders wohlfühlen.

Zudem bevorzugen die Pflanzen einen halbschattigen bis sonnigen Standort. Die leuchtend gelben Blüten sind ein wahrer Blickfang und sorgen im Herbst für ansprechende Farbtupfer. Die Blütezeit dauert von September bis Oktober.

Problematisch kann es jedoch sein, dass sich der Topinambur im Garten sehr schnell ausbreitet – wenn man ihn nicht schnell genug aufisst – weil er dann unterirdisch viele Knollen bildet. Um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, sollte der Topinambur daher entweder regelmässig gegessen oder aber in Töpfen gezogen werden.

Im Gegensatz zur Kartoffel ist der Topinambur winterhart und treibt im nächsten Frühjahr ohne Zutun wieder neu aus.

Topinambur: Die Zubereitung

Der Topinambur ist nicht nur gesund, sondern überzeugt dazu in kulinarischer Hinsicht. Was den Geschmack anbelangt, scheiden sich die Geister: Manche Menschen fühlen sich an Kastanien oder Pastinaken, andere an Artischocken oder Spargel erinnert. In Bezug auf die Konsistenz besteht eine Ähnlichkeit zu einer knackigen Kohlrabi.

Bei der Zubereitung beweist der Topinambur Vielfalt. Er kann roh oder gegart, mit oder ohne Schale gegessen werden. Wichtig ist, dass die Knollen unter fliessend kaltem Wasser mit einer Gemüsebürste gründlich gewaschen werden. Da der Topinambur eine sehr dünne Schale hat, ist er schwer zu schälen. Leichter geht es, wenn die Knollen kurz blanchiert, in kaltem Wasser abgeschreckt und dann wie eine Pellkartoffel enthäutet werden.

Da der geschälte und aufgeschnittene Topinambur ähnlich wie ein geschälter Apfel sehr schnell braun wird, sollten Sie ihn rasch verarbeiten. Durch Zugabe von Zitronensaft können Sie die Verfärbung verzögern.

Der Topinambur steht der Kartoffel in nichts nach und kann sowohl als Solokünstlerin als auch als Nebendarstellerin auf ganzer Linie überzeugen. Der grosse Vorteil ist, dass die Topinambur-Knollen sogar roh wunderbar schmecken und sich – gemixt, geraspelt, gewürfelt oder in Scheiben geschnitten – für einen Salat oder auch einen rohen Snack bestens eignen.

Sie können die Knollen ausserdem gut verwenden, um eine leckere Suppe, einen Auflauf, einen Gemüseeintopf oder ein Püree herzustellen. Der nussig-süssliche Geschmack kommt allerdings am besten zur Geltung, wenn der Topinambur gebraten wird. Bevorzugen Sie einen gesunden Snack, dann schneiden Sie die Knollen einfach in hauchdünne Scheiben, beträufeln diese mit etwas Olivenöl und geben Sie sie in den Ofen, bis sie gar sind (ca. 20 Minuten bei 200 Grad) – bessere Chips gibt es nicht!

Selbst in Brot, Backwaren, Obstsalat, Kompott und Desserts kann man den Topinambur verarbeiten. Und vergessen Sie nicht zu würzen: Die Knollen harmonieren ideal mit Muskatnuss, Petersilie, Thymian, Majoran, Chili, Curcuma und Minze.

Autor: Zentrum der Gesundheit.de – Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Lidostr. 6
CH-6006 Luzern
Letzte Änderung: 17.07.2017

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Apfelkuchen á la Xenia – feinherb, scharf, feurig

Feinherber Apfelkuchen mit Kakao und dem feurigen Geschmack von Chili und Tequilla

Zutaten:
700 g Äpfel
3 Eier (Größe M)
150 g Zucker
100 g Butter
200 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
1 Prise Salz
50 g gemahlene Mandeln
150 ml Milch
50 g Kakao
1 El. Zucker
10 g Habanero (rote Chilischote Schärfe 10 von 10)
20 ml Tequilla
Puderzucker zum Bestreuen

Zubereitung:
Die Springform einfetten und mit etwas Mehl bestäuben. Butter in einem Topf erwärmen, bis sie flüssig ist. Den Backofen vorheizen. Die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen. Die zerlassene Butter, Mehl, Backpulver, Mandeln und Salz hinzugeben und alle Zutaten in einer Rührschüssel miteinander vermengen. Die Milch in einen Topf geben, die in feine Stückchen geschnittenen Habanero zugeben und 5 Minuten bei kleiner Hitze kochen lassen. Die Stückchen der Habanero heraussieben. Dafür die Milch durch ein Haarsieb gießen, auffangen und in den Topf zurückgeben. Mit Zucker, Kakaopulver und Tequilla verrühren. Etwas abkühlen lassen und nach und nach unter die übrigen Zutaten geben. Diese verrühren, bis ein glatter, dickflüssiger Teig entsteht.
Die Äpfel schälen, das Kerngehäuse entfernen und in dünne Scheiben schneiden. Die Apfelscheiben unter den Teig heben und alles in die Springform füllen.

Form auf die mittlere Schiene des vorgeheizten Ofens schieben.
Backzeit: 55 – 60 Min. Temperatur: 180°

Den Kuchen backen bis er durchgebacken ist. Am besten eine Stäbchenprobe durchführen. Den Kuchen in den letzten 10 Minuten mit Alufolie bedecken. Nach Ende der Backzeit Kuchen aus der Form nehmen, abkühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen.

Rezept und Fotos: © Xenia Marita Riebe

 


Und dazu einen leckeren Kaffee aus einer Tasse mit Bensdorf-Kakao-Retroaufdruck. Jetzt für 8,90 im Shop.

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World Press Art

Die Blätter der Reihe „World Press“ der Künstlerin Xenia Marita Riebe entstanden als Ergänzung des „Global Citizen ART Project“. Wie schon bei den Skulpturen des Projekts verarbeitete die Künstlerin hier Zeitungsausrisse aus 200 Originalzeitungen aus 200 Ländern der Erde. Diese Ausrisse klebte sie auf Aquarellpapier und versah sie je mit einer Kohlezeichnung und mit farbigen Akzenten in Acryl. Jedes der Unikate ist auf der Rückseite mit einem Stempel, einer Nummer und dem Namen des Landes versehen sind. Das Video zeigt neben einer Auswahl der Exponate auch Szenen aus der Ausstellung „World Press – 200 hängende Blätter“.

Xenia Marita Riebe möchte mit dieser Arbeit auf die „Nebeneffekte“ der fortschreitenden Globalisierung aufmerksam machen, den schleichenden Verlust von Sprachen und Schriften und hierdurch die Erschwerung der Vermittlung von kulturellen Inhalten. Auch die immer mehr um sich greifende Einschränkung der Pressefreiheit wird hier thematisiert. Trotz des ernsten Hintergrunds sind die Exponate ein dekoratives Element für alle, die in ihrer Wohnumgebung zeigen möchten, welche Länder sie bereits bereist haben. Auch familiäre oder freundschaftliche Beziehungen in ein fernes Land lassen sich mit einem Blatt der „World Press“ Reihe gut dokumentieren. Ein solches Blatt ist immer ein guter Anknüpfungspunkt für ein Gespräch unter Freunden.

Interessenten können per E-Mail anfragen, ob das Blatt aus ihrem Lieblingsland noch zu haben ist. Der Preis für ein solches Unikat beträgt nur 80,- €.

Eine Auswahl von World Press Unikaten findet ihr hier im SHOP

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Mit dem Rucksack nach Marokko Teil III

 

Ohne Geld in der Medina von Fes – ohne Gepäck in Bilbao – ohne Parkticket in San Sebastian

Mit der Fähre kamen mein Mann Bernd und ich von Algeciras kommend in Tanger, Marokko an. Über diese Hafenstadt an der Straße von Gibraltar gibt es nicht viel zu erzählen. Wir verbrachten dort nur einen halben Tag und eine Nacht in einem recht unschönen Hotel. Was ich erinnere sind ein großer Stadtstrand, auf dem Kamele herumliefen, aufdringliche Männer, die mir unmissverständliche Zeichen machten, obwohl Bernd mich begleitete und ein miserables Essen in einem überfüllten Restaurant.
Am nächsten Morgen gingen wir mit unseren Rucksäcken bepackt zum Bahnhof und stiegen in einen Zug, der uns zur Königsstadt Fes bringen sollte. Wir waren sehr überrascht, den Zug in tadellosem Zustand vorzufinden. Er hatte nicht nur bequeme gepolsterte Sitze, sondern auch air condition. Welch unerwarteter Luxus! Der Zug war auch für europäische Verhältnisse vergleichsweise leer und wir hatten ein Abteil für uns. Aus dem Fenster konnten wir viele ärmliche Dörfer sehen, kleine Jungen, die auf Eseln neben dem Zug herritten und eine Reihe von großen Nomadenzelten. An jeder Bahnstation – kleine Meiler an der Strecke, wo kaum ein Haus zu sehen war – kamen Händler an die Zugtüren und boten Selbstgebackenes, Obst oder Datteln und Feigen an.
Nach etwa der Hälfte der Strecke kam ein junger Mann in unser Abteil und fragte höflich in bestem Englisch, ob er sich zu uns setzten dürfe. Er stellte sich als Mahmoud vor und war Student der Physik. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er sehr gebildet und aus gutem Haus war. Er fragte uns, ob wir in Fes auch die Medina besuchen wollten und bot sich uns für kleines Geld als Guide an. Diese Hilfe nahmen wir gerne an, denn wir hatten schon gehört, dass es sehr schwierig ist, sich in de Medina von Fes allein zurechtzufinden. Die Gassen der Souks sind alle mit Netzen überspannt, an denen allerlei Waren hängen oder die mit der Zeit von oben verschmutzten. So hat man keine Möglichkeit sich mit Hilfe der Himmelsrichtung oder dem Sonnenstand zu orientieren. Straßennamen gibt es dort nicht und Mahmoud, der in der Medina geboren wurde, erzählte, dass es Jahre dauert, ehe sich ein Kind in dem Gewirr aus Gassen soweit auskennt, dass es allein das Elternhaus verlassen darf und sei es auch nur für einen Besuch bei einem Freund.
Wir verabredeten mit Mahmoud einen Termin für den übernächsten Tag. Er wollte uns in unserem Hotel abholen. Wir übernachteten im Moussafir Hotel, sehr gepflegt mit dem Flair aus 1001 Nacht. Unser Zimmer und der Service waren gut und wir fühlten uns recht wohl. Den ersten Tag verbrachten wir mit Erkundungen auf eigene Faust, schauten nach einer Bank, einem Supermarkt usw. Ein Highlight unseres Aufenthaltes in Fes sollte aber der Besuch in der berühmten Medina sein. Und tatsächlich holte Mahmoud uns wie verabredet in der Lobby des Hotels ab. Er warnte Bernd davor, zu viel Geld mit in die Medina zu nehmen, machte aber auch deutlich, dass es dort keine Bankautomaten gibt.
„Die Kreditkarte ist in der Medina das beste Zahlungsmittel sagte er. Es macht nicht viel Sinn, sie zu stehlen und sie wird von allen Händlern akzeptiert.“
Ich verließ mich ganz auf Bernd.
Kaum in der Medina angekommen, sah ich bei einem Händler eine wunderschöne Halskette aus orangen Halbedelsteinen. Sie gefiel mir so gut, dass ich sie anprobierte. Als ich sah, wie gut sie mir stand, bat ich Bernd, sie für mich zu kaufen. Doch er erklärte mir, dass er weder Geld noch eine Kreditkarte bei sich habe. Ich glaubte, nicht richtig zu verstehen. Mein Mann war also mit mir in die Medina gegangen, mit der erklärten Absicht nichts zu kaufen! Das machte mich ärgerlich, denn ich wollte Geschenke für meine Kinder mitnehmen. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, eine Aladinhose zu erstehen, die ich zu Hause zu einem ungewöhnlichen Rock umarbeiten wollte. Ich drang darauf, ins Hotel zurückzufahren und die Kreditkarte zu holen. Doch der Händler machte einen anderen Vorschlag. Er bat mich, die Kette einfach mitzunehmen. Er würde dann am Abend in unser Hotel kommen und das Geld dafür abholen. Wir wollten das auf keinen Fall, aber Mahmoud meinte, wir könnten das Angebot ohne Weiteres annehmen. Ich hatte ein wenig Sorge, dass der Händler uns später des Diebstahls bezichtigen könne und so den Preis für die Kette in die Höhe treiben könne. Auch sah ich uns bereits in einem marokkanischen Gefängnis schmoren. Doch Mahmoud zerstreute meine Bedenken und ich nahm die Kette an mich. Wir gingen weiter durch die Medina und betrachteten alle die bezaubernden Gebrauchsgegenstände, den Schmuck, das Leder und das Kunsthandwerk, aber auch fremde Lebensmittel und Gewürze. In einer kleinen Straßenbar tranken wir starken Mokka, den Bernd zum Glück bezahlen konnte. Wenig später kaufte ich ein Sitzkissen aus Leder und kurz darauf eine Aladinhose. Auch hier konnte ich die Ware mitnehmen, ohne zu bezahlen. Wir wurden nicht einmal nach unserem Hotel gefragt. Eine Geschichte, wie aus dem Märchen. Ich konnte nehmen, was ich wollte und niemand schien sich Sorgen um sein Geld zu machen.
Wir besichtigten auch eine Gerberei, die mittelalterlicher nicht hätte sein können. Hier standen Männer in gemauerten Becken bis zur Brust in übelriechenden Substanzen und bearbeiteten darin Felle und Leder. Der Gestank war beinahe nicht auszuhalten, der Anblick aber so fremdartig, dass wir doch eine Zeit verweilten und den Leuten bei der Arbeit zusahen.

Kurz darauf aß ich an einem Stand eine Dattel, in der eine längliche Nuss steckte. Sie schmeckte so köstlich, dass ich gleich eine ganze Tüte davon kaufte und diese unterwegs beinahe leer aß. Das sollte ich noch bereuen.
Als wir gegen Abend nach einem wundervollen Tag die Medina verließen, war ich schwer bepackt mit allen möglichen Packen und Rollen. Um 18 Uhr wollten die Händler zur Abrechnung in unser Hotel kommen. Und tatsächlich standen um diese Zeit etliche Gläubiger in der Lobby. Sie hatten alle ein Maschinchen dabei, mit dessen Hilfe sie die Details unserer Kreditkarte abpausten. Bernd musste dann nur noch unterschreiben. Sie stellten sich schön ordentlich in eine Schlange und warteten geduldig, bis sie an der Reihe waren. Bernd hatte alle Hände voll zu tun. Er kontrollierte Rechnungen und Belege und unterschrieb viele Male. Sein Plan war nicht aufgegangen!
In der Nacht ereilte mich dann Strafe für meine Schadenfreude. Ich bekam schlimme Bauchschmerzen und kurz darauf Brechdurchfall. Als alles meinen Körper verlassen hatte, ging es mir wieder besser. Ich war sicher, dass ich die Datteln nicht vertragen hatte.

Am Tag darauf reisten wir weiter nach Marrakesch, aber vom berühmten Gauklerplatz, den ich so gerne besuchen wollte, sah ich nicht sehr viel. Mein Brechdurchfall kehrte zurück und wurde so schlimm, dass wir kurzentschlossen zurück nach Tanger reisten und dort die nächstbeste Fähre nach Spanien nahmen.
In Malaga nahmen wir ein Hotelzimmer. Mir ging es immer schlechter und als ich morgens beim Duschen in Ohnmacht fiel, ging Bernd in die Apotheke und kaufte Medikamente für mich. Zwei Tage harrten wir in Malaga aus, aber ich war immer noch viel zu schwach, um die weite Zugreise nach San Sebastian anzutreten, wo unser Auto in der Tiefgarage des Tryp San Sebastian Orly Hotel auf uns wartete. Bernd entschloss sich, Luis anzurufen und zu fragen, ob ich mich bei ihm in Marbella für ein paar Tage erholen könnte. Für Luis und Doris war das kein Problem. Sie holten uns mit dem Auto ab und quartierten uns wieder in der schönen Villa ein. Mir war das alles schrecklich unangenehm, denn ich wollte ihre Gastfreundschaft nicht überstrapazieren. Nach drei weiteren Tagen ging es mir wieder so gut, dass ich eine Reise wagen konnte. Allerdings war an die lange Zugfahrt immer noch nicht zu denken. So buchte Bernd einen Inlandsflug bei Iberia Airlines und Luis brachte uns zum Flughafen nach Malaga. Wir verabschiedeten uns herzlich bei unserem Freund und dankten ihm für seine großzügige Hilfe.
Unser Flug ging nach Bilbao. Als wir dort ankamen mussten wir nach langer Wartezeit am Gepäckband leider feststellen, dass unser Gepäck nicht angekommen war. Mir ging es sehr schlecht.
Es war Samstagabend und die Angestellte der Airlines sagte, dass wir am Montag zum Flughafen kommen sollten. Dann könne sie nachforschen, wo unsere Rucksäcke geblieben seien. Dass ich nicht weinte, war allein meiner Schwäche geschuldet. Wir waren also ohne Gepäck in Bilbao gestrandet. Wir hatten kein Hotelzimmer und auch keine Freunde, die uns weiterhelfen konnten. Internet gab es nicht. Ein Plakat im Flughafen bewarb das Hotel Carlton, ein 5 Sterne Haus in der Innenstadt von Bilbao. Bernd beschloss, dort hinzufahren, denn in teuren Hotels bekommt man immer leicht ein Zimmer. Wir stiegen also in ein Taxi und ließen uns für viel Geld dorthin fahren. Bernds Gedanke war richtig gewesen. Wir bekamen ein Zimmer, das allerdings sündhaft teuer war. Der Rezeptionist wunderte sich nur, dass wir ohne Gepäck anreisten. Auch unsere leichte Sommerkleidung war unangebracht. In Bilbao regnete es und die Temperatur lag um 12 °.
Da saßen wir also in unserem Luxushotel und konnten das Zimmer nicht verlassen, denn mir ging es sehr schlecht und Bernd fühlte sich auch nicht gut. Wir hatten keine Zahnbürsten. Ich hatte nichts zum Abschminken und keine Gesichtscreme. Ich fühlte mich schrecklich. So fielen wir ungewaschen und mit schmutzigen Zähnen ins Bett. Ich hatte einen schrecklich sauren Geschmack im Mund, denn ich hatte mich wieder übergeben. Was hätte ich für eine Zahnbürste gegeben!
Am nächsten Morgen, es war Sonntag, erwachte ich und fühlte mich etwas besser. Bernd traf auf dem Flur ein Zimmermädchen und bekam zwei Einmalzahnbürsten von ihr. Als ich beim Zähneputzen mein Gesicht im Spiegel sah, erschrak ich sehr. Ich war unter der Sommerbräune weiß wie die Wand und hatte schwarze Ränder unter den Augen, die nicht nur von der nicht entfernten Wimperntusche kamen. Ich brauchte Gesichtspflegecreme, um damit die Schminke zu entfernen und meine Haut zu cremen. Ich machte mich auf, um eine geöffnete Apotheke zu suchen. In meinem kurzen engen Rock und dem zerknitterten T-Shirt – ich hatte darin geschlafen – schlich ich durch die sonntäglichen Straßen von Bilbao. Ich fror erbärmlich und fühlte mich wie eine ausgemusterte Prostituierte. Eine Apotheke fand ich nicht.
So blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit der Hotelseife zu waschen und danach die ausgetrocknete Haut in Kauf zu nehmen. Was ich hasse.
Den Sonntag verbrachten wir im Zimmer und am Montag fuhren wir wieder mit dem Taxi zurück zum Flughafen. Dort überreichte man uns ohne jede Entschuldigung unsere Rucksäcke. Ein anderes Taxi brachte uns zurück ins Hotel. Das Geld für diese drei Taxifahrten hätten wir gerne anders ausgegeben. Endlich konnten wir uns gründlich pflegen und umziehen. Wir mieteten ein Auto für die Fahrt nach San Sebastian und schafften es sogar noch, das Guggenheim Museum zu besuchen.
In San Sebastian gingen wir wieder in das Tryp San Sebastian Orly Hotel. Unser Astra stand noch brav in der Tiefgarage. Wir übernachteten noch einmal dort und reisten am nächsten Morgen ab in Richtung Frankreich. Als wir in die Tiefgarage kamen, nahmen wir zum ersten Mal den Parkautomaten wahr und uns dämmerte es, dass wir bei der Einfahrt ein Parkticket gezogen hatten. Das war nun gut 4 Wochen her. Am Automat fanden wir ein Schild mit den Parkgebühren. Bei einer Übernachtung im Hotel, war das Parken kostenlos. Ohne Übernachtung kostete es allerdings 12,- € pro Tag. In unserem Fall machte das 360,-€. Das war uns nach alldem, was wir in Spanien erlebt und bezahlt hatten, einfach zu viel. Wir überlegten, wie wir es schaffen könnten, ohne Bezahlung aus der Garage zu kommen. Wir hatten einen Plan. Wir fuhren zu dem Aufsichtshäuschen an der Schranke. Dort stieg ich aus und erklärte dem Parkhauswächter, dass wir unser Parkticket verloren hätten, was ja auch stimmte. Was ich ihm nicht sagte, war, dass der Astra schon seit Wochen in der Tiefgarage stand. Ich zeigte lediglich unsere Rechnung für die Hotelübernachtung der letzten Nacht vor und bat ihn, ausnahmsweise die Schranke ohne bezahltes Ticket für uns zu öffnen. Dabei lächelte ich ihn vielsagend an. Und tatsächlich ließ er sich darauf ein. Er öffnete die Schranke und ließ Bernd durch, der auch sofort die recht steile Ausfahrt hinauffuhr. Ich bedankte mich schnell und lief hinter dem Auto her, querfeldein durch eine schöne Parkanlage und sprang auf der Straße auf den Beifahrersitz zurück. Wir hatten es nun sehr eilig, San Sebastian zu verlassen, denn wir rechneten damit, dass unser Trick aufgefallen war. Erst als wir auf der Autobahn waren, beruhigten wir uns wieder.

Unsere Rückreise durch Frankreich und Belgien wurde sehr unangenehm, denn mein Durchfall kam zurück und ich hatte auch Bernd inzwischen angesteckt.
Unsere Rucksackreise nach Marokko endete also nicht ganz so fröhlich. Aber trotzdem gibt es sehr viele schöne und aufregende Momente, an die wir uns gerne erinnern.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Mit dem Rucksack nach Marokko – Teil 2

Mit dem Rucksack nach Marokko – Teil 1

“World Press” Blatt 119 –  Tunesia –  © Xenia Marita Riebe

das Unikat hier im Shop

Veröffentlicht in Neulich

Mit dem Rucksack nach Marokko Teil II

 

Joggen in Ronda – Bei Luis in Marbella

Wir – für die Neueinsteiger, mein Mann Bernd und ich – verließen San Sebastian mit einem Zug, der aus der Grenzstadt Irun kam und nach Algeciras fuhr. Unser Ziel war vorerst Ronda in Andalusien, das 743 Meter über dem Meeresspiegel in der Serrania de Ronda, einer schönen Berglandschaft liegt. Vor uns lag eine Fahrtzeit von 19 Stunden und 18 Minuten. Für die Nacht hatten wir zwei Plätze in einem Liegewagen gebucht, in den wir in San Sebastian auch gleich einstiegen. Ein Schaffner kam und verlangte unsere Reisepässe, die er angeblich brauchte, um unsere Buchung für die Liegeplätze zu kontrollieren. Er verschwand damit und wir sahen ihn nicht mehr wieder.
Noch waren die Klappliegen in dem Abteil nicht aufgebaut und es saß sich dort, wie in einem ganz normalen Zug. Ein Gepäcknetz gab es allerdings nicht, und so wuchteten wir unsere schweren Reiserucksäcke erst einmal in das Abteil und schoben sie dann unter die Sitze. Dort lagen und standen schon eine Menge anderer Gepäckstücke, denn der Zug war voll mit marokkanischen Gastarbeitern und ihren Familien, die jetzt, im Sommer, für ein paar Wochen in die Heimat fuhren. Es herrschte ein wildes Durcheinander. Reißverschlüsse von Plastikkoffern wurden geöffnet und wieder verschlossen, nachdem allerlei Merkwürdiges zum Vorschein gekommen war. Männer zogen ihre Pantoffel an, Kinder wurden gewickelt oder bekamen einen Klaps, der sie laut aufschreien ließ und Frauen palaverten lauthals von einem Abteil zum anderen mit ihren Geschlechtsgenossinnen. Es wurde gegessen, gerülpst, getrunken und geschlafen. Männer spielten auf dem Gang auf ihren Koffern sitzend Karten oder lehnten aus den weit geöffneten Fenstern. Lärm, Staub und Hitze kamen von draußen herein, streiften kurz durch den Wagon und verließen uns wieder durch ein anderes geöffnetes Fenster. Zum Glück hatten wir Rotwein!
In Madrid hatten wir einen langen Aufenthalt, den wir nutzten, um uns ein wenig die Beine zu vertreten und uns in der unmittelbaren Umgebung des Bahnhofs umzusehen. Dann ging es weiter.
Spät abends schafften wir es endlich, uns schlafen zu legen. Es war gut, dass wir die beiden Betten ganz oben hatten, denn das Gewusel auf den unteren vier Liegen wollte nicht enden. Mitten in der Nacht, ich war endlich eingeschlafen, erwachte ich davon, dass jemand sich unter den Sitzen am Gepäck zu schaffen machte. Ich ließ mich vom oberen Bett herab, um nachzusehen, denn ich hatte ein wenig Sorge um unsere Rucksäcke. Dort angelte aber nur ein marokkanischer Mitreisender etwas aus seinem Koffer. Eine Keksdose oder Ähnliches.
Es stank im Abteil nach den Ausdünstungen der vielen schlafenden Menschen. Und nach Knoblauch! Durch das Fenster schaute ein weißer Vollmond. Wie eine hellerleuchtete Lampe an einem schwarzen Theaterhimmel. Nur der Mond, sonst war nichts zu erkennen. Keine Stadt, kein Dorf, kein Berg und kein Fluss. Nichts als schwarze Nacht.
Gegen 4:30 Uhr weckte Bernd mich auf. Wir mussten um 5:06 in Ronda aussteigen und noch immer war der Schaffner nicht mit unseren Reisepässen zurückgekommen. Also machten wir uns verschlafen auf die Suche nach ihm. Jeder in einer anderen Richtung. Bernd fand ihn schließlich, entriss ihm unsere Pässe und kam damit zur Tür zurück, an der ich schon wartend mit unseren Rucksäcken stand, denn der Zug sollte in 3 Minuten in Ronda ankommen. Ich wäre auch ohne Pass ausgestiegen, denn ich war froh, endlich diesem orientalischen Lindwurm zu entkommen.
In Ronda hielt der Zug nur für einen kurzen Augenblick, spie uns mit unseren Rucksäcken aus und verschwand in die Nacht, die noch keine Spur von Dämmerung zeigte. Die Luft war kalt und frisch. Wir atmeten tief ein. Welch ein Genuss nach den langen Stunden in dem überfüllten Zug!
Wir schulterten unsere Rucksäcke und stiefelten in die Stadt. Ich war trotz der Dunkelheit gleich begeistert von der Schönheit Rondas und als die Sonne langsam aufging und ihr Licht über rote Dächer auf schneeweißen Häusern ergoss, glaubte ich, noch nie etwas Schöneres gesehen zu haben. Schließlich kamen wir in die Altstadt von Ronda, die eine Brücke, der Puente Nuevo, mit dem neuen Teil der Stadt verbindet. Zwischen den beiden Stadtteilen liegt eine 160 Meter tiefe Schlucht, El Tajo genannt.
Wir hatten Glück und fanden das wohl einzige kleine Café, das um diese frühe Stunde schon geöffnet hatte. Dort nahmen wir an einem kleinen maurischen Tisch erst einmal ein Frühstück ein. Der Kaffee schmeckte herrlich und vertrieb die Müdigkeit, die von den Strapazen der langen Zugfahrt zurückgeblieben war. Später bezogen wir unser Hotelzimmer und erkundeten den Ort. Ich war begeistert von den Überbleibsel der maurischen Kultur und konnte mich nicht satt sehen an den Patios, mit ihren bunten Mosaiken und den prächtigen Pflanzen, die rund um sprudelnde Brunnen wuchsen. Die Apfelsinen waren reif und der Oleander stand in voller Blüte.
Wir besichtigten die älteste Stierkampfarena Spaniens, die Casa del Rey Moro (Haus des Maurischen Königs), die Kirche Santa Maria Mayor und jede andere Kirche der Stadt und natürlich alle Museen. Bernd machte ein schönes Foto von mir auf dem Balkon Viajeros Romanticos, von dem man einen herrlichen Blick über die Landschaft um Ronda hat. Abends saßen wir in einem der kleinen Restaurants und genossen gutes Essen und köstlichen Wein.
Bernd hat eine Passion. Er joggt, wo immer wir sind. Ob in Namibia in der Wüste – mit Oryxantilopen im Nacken – ,oder im Yukon – mit Schwarzbären auf seiner Spur. So auch in Ronda. Dass sich dies in einer Stadt, die hoch oben über einer Schlucht thront, schwierig gestaltet versteht sich von selbst. Also beschloss Bernd, in die Schlucht hinunter zu laufen und natürlich wieder hinauf. Wie er das bei der Hitze überlebte, weiß ich nicht. Ich stand auf der Puente Nuevo und verfolgte besorgt seinen Lauf. Nach etwa 30 Minuten kam er völlig aufgelöst wieder oben an.

Nach einer kalten Dusche verspürte er großen Hunger und wir gingen in ein Restaurant gegenüber der Brücke und aßen dort eine Tomatensuppe. Als Zugabe bekamen wir einen herrlichen Blick in die Schlucht und auf das ausgetrocknete Flussbett des Rio Guadalevin. Wir fühlten uns prächtig, vor allem Bernd nach der verbrachten Heldentat. Deshalb war er an diesem Tag wohl besonders großzügig – was er eigentlich immer ist – und gab dem Kellner ein gutes Trinkgeld. Dieser verneigte sich mit strahlendem Gesichtsausdruck und lud uns ein, am Abend wiederzukommen. Dann begleitete er uns zur Tür, hielt diese für uns auf und verneigte sich wieder. Wir wunderten uns. Was war denn mit diesem Kellner los? Doch da dämmerte es uns und ich zog die Rechnung aus der Tasche meines Sommerkleides. Nach kurzer Überlegung wurde uns bewusst, dass Bernd dem Kellner das wohl höchste Trinkgeld seines Lebens gegeben hatte.

Von Ronda fuhren wir mit einem Überlandbus nach Marbella. Dort hatte ich einen Freund, den ich bei einem Drehbuchseminar kennengelernt hatte. Luis war Doktor juris causa und 83 Jahre alt. Er war immer noch ein sehr schöner Mann, gepflegt, mit aufrechtem Gang und stets gut gekleidet. Er hatte ein aufregendes Leben hinter sich. Er arbeitete lange Jahre für die Weltorganisation „Lions International“ und als Leiter des Kreditunternehmens „Diners“. Doch die meiste Zeit, – wenn er nicht gerade Farmer in Brasilien war, wo er mehr als 20 Jahre eine Farm besaß – arbeitete er als selbständiger Übersetzer von Handelsverträgen. Er hatte die Welt als interessierter Einzelgänger bereist, fern ab der sonst üblichen von Touristen ausgetretenen Pfade. Er kannte alle berühmten Politiker der Welt und hatte mit sämtlichen Größen aus Politik und Showbiz gespeist. In seinen Lebenserinnerungen „Als die Fische vom Himmel fielen“ erzählt er eine Reihe abenteuerlicher Geschichten seines Lebens. Sehr lesenswert!!!
Luis hatte uns also eingeladen, ihn und seine 30 Jahre jüngere Frau Doris, mit der er seit 35 Jahren verheiratet war, auf unserer Reise nach Marokko zu besuchen und gleich ein paar Tage zu bleiben. Als wir an seinem Haus in Marbella ankamen, hatte er noch nicht mit uns gerechnet. Er arbeitete mit kurzer Hose bekleidet im Garten und es war ihm sehr unangenehm, dass wir ihn so antrafen. Er verschwand im Haus uns schickte Doris zu uns hinaus. Sie begrüßte uns herzlich und führte uns hinüber zur Nachbarvilla.
„Hier könnt ihr wohnen, solange ihr wollt“, sagte sie. „Das Haus gehört uns, aber wir benutzen es nur als Gästehaus.“
Wir trauten unseren Augen nicht. Die Villa war groß mit Blick auf das Meer. Sie hatte einen von Palmen und Oleander umwachsenen Pool im Garten, um den eine Reihe bequemer Liegen standen. Das Haus war mit allem ausgestattet und der Kühlschrank war gefüllt. Auf dem Wohnzimmertisch stand eine Flasche Wein.
„Und hier ist der Schlüssel zu eurem Auto“, ergänzte Doris und machte uns so völlig perplex.
Sie zeigte uns einen Mittelklassewagen, den wir benutzen konnten, solange wir in Marbella weilten. Das nennt man Gastfreundschaft! Schließlich lud sie uns für den Abend zum Essen ein.
Luis hatte auf seiner Veranda eine Kollektion von Massage-Liegen, die er uns vor dem Essen vorführte. Wir sollten uns in unterschiedliche Liegen setzen und wurden dann „elektrisch“ massiert. Das war ein Spaß der besonderen Art. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es so viele unterschiedliche Massagearten gibt.
Luis führte uns am nächsten Tag durch Marbella und wir nutzen auch das Auto, um die weißen Dörfer in der unmittelbaren Umgebung zu besichtigen. Natürlich fuhren wir auch nach Sevilla – dort wäre Bernd auf dem Bahnsteig, zwischen zwei wartenden Zügen beim 36° Grad im Schatten beinahe den Hitzetod gestorben – besichtigten die Alhambra in Granada und verbrachten einen Tag in Malaga. Es waren herrliche Tage bei Luis und Doris und unvergessliche Abende mit anregenden Gesprächen. Ein Jahr später besuchten die beiden uns in Mönchengladbach.
Von Marbella brachen wir per Zug auf in Richtung Algeciras, der Hafenstadt in der Provinz Cádiz, von wo unsere Fähre nach Tanger in Marokko abgehen sollte.

Von unserem Aufenthalt in Tanger, Fez und Marakesch berichte ich im 3. Teil der Geschichte.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Mit dem Rucksack nach Marokko – Teil 1

Mit dem Rucksack nach Marokko – Teil 3

“Als die Fische vom Himmel fielen”  – Luis Breitenbach

ISBN 3-89811-376-0

Veröffentlicht in Neulich

Goethe – Die Sternwarten-Szene in Wilhelm Meisters Wanderjahre

Die Sternwarten-Szene in Wilhelm Meisters Wanderjahre, 10.Kapitel, Erstes Buch

Versuch einer Deutung

Wilhelm und sein Sohn Felix sind Gast im Hause Makaries, einer ältlichen wunderwürdigen Dame. Einer ihrer Mitarbeiter ist Mathematiker und Astronom, hinter dem sich ein bekannter Zeitgenosse Goethes verbirgt, der Gothaer Hofastronom Franz Xaver von Zach. Zachs eigene Sternwarte auf dem Gothaer Seeberg, war eine der modernsten Forschungsstätten um 1800. Im Sommer 1801 stattete ihr Goethe einen langen Besuch ab, den er als „angenehm und lehrreich“ beschrieb und der als prägend für diese Szene im ersten Buch des Wilhelm Meisters angesehen werden darf:

Sternwarte Seeberg, Gotha um 1800

Nach einigen Stunden ließ der Astronom seinen Gast die Treppen zur Sternwarte sich hinaufwinden und zuletzt allein auf die völlig freie Fläche eines runden, hohen Turmes heraustreten. Die heiterste Nacht, von allen Sternen leuchtend und funkelnd, umgab den Schauenden, welcher zum erstenmale das hohe Himmelsgewölbe in seiner ganzen Herrlichkeit zu erblicken glaubte. Denn im gemeinen Leben, abgerechnet die ungünstige Witterung, die uns so oft den Glanzraum des Äthers verbirgt, hindern uns zu Hause bald Dächer und Giebel, auswärts bald Wälder und Felsen, am meisten aber überall die inneren Beunruhigungen des Gemüts, die, uns alle Umwelt mehr als Nebel und Mißwetter zu verdüstern, sich hin und her bewegen.

Ergriffen und erstaunt hielt er sich beide Augen zu. Das Ungeheure hört auf, erhaben zu sein, es überreicht unsre Fassungskraft, es droht, uns zu vernichten. »Was bin ich denn gegen das All?« sprach er zu seinem Geiste; »wie kann ich ihm gegenüber, wie kann ich in seiner Mitte stehen?« Nach einem kurzen Überdenken jedoch fuhr er fort: »Das Resultat unsres heutigen Abends löst ja auch das Rätsel des gegenwärtigen Augenblicks. Wie kann sich der Mensch gegen das Unendliche stellen, als wenn er alle geistigen Kräfte, die nach vielen Seiten hingezogen werden, in seinem Innersten, Tiefsten versammelt, wenn er sich fragt: ›Darfst du dich in der Mitte dieser ewig lebendigen Ordnung auch nur denken, sobald sich nicht gleichfalls in dir ein beharrlich Bewegtes, um einen reinen Mittelpunkt kreisend, hervortut? Und selbst wenn es dir schwer würde, diesen Mittelpunkt in deinem Busen aufzufinden, so würdest du ihn daran erkennen, daß eine wohlwollende, wohltätige Wirkung von ihm ausgeht und von ihm Zeugnis gibt.

Wer soll, wer kann aber auf sein vergangenes Leben zurückblicken, ohne gewissermaßen irre zu werden, da er meistens finden wird, daß sein Wollen richtig, sein Tun falsch, sein Begehren tadelhaft und sein Erlangen dennoch erwünscht gewesen?

Wie oft hast du diese Gestirne leuchten gesehen, und haben sie dich nicht jederzeit anders gefunden? sie aber sind immer dieselbigen und sagen immer dasselbige: ›Wir bezeichnen‹, wiederholen sie: ›durch unsern gesetzmäßigen Gang Tag und Stunde; frage dich auch, wie verhältst du dich zu Tag und Stunde?‹ – Und so kann ich denn diesmal antworten: ›Des gegenwärtigen Verhältnisses hab’ ich mich nicht zu schämen, meine Absicht ist, einen edlen Familienkreis in allen seinen Gliedern erwünscht verbunden herzustellen; der Weg ist bezeichnet. Ich soll erforschen, was edle Seelen auseinanderhält, soll Hindernisse wegräumen, von welcher Art sie auch seien.‹ Dies darfst du vor diesen himmlischen Heerscharen bekennen; achteten sie deiner, sie würden zwar über deine Beschränktheit lächeln, aber sie ehrten gewiß deinen Vorsatz und begünstigten dessen Erfüllung.«

Das tiefe sinnliche Erleben des Raumes wird ermöglicht durch beste Beobachtungsbedingungen:

Nach einigen Stunden ließ der Astronom seinen Gast die Treppen zur Sternwarte sich hinaufwinden und zuletzt allein auf die völlig freie Fläche eines runden, hohen Turmes heraustreten. Die heiterste Nacht, von allen Sternen leuchtend und funkelnd, umgab den Schauenden, welcher zum erstenmale das hohe Himmelsgewölbe in seiner ganzen Herrlichkeit zu erblicken glaubte. Denn im gemeinen Leben, abgerechnet die ungünstige Witterung, die uns so oft den Glanzraum des Äthers verbirgt, hindern uns zu Hause bald Dächer und Giebel, auswärts bald Wälder und Felsen, am meisten aber überall die inneren Beunruhigungen des Gemüts, die, uns alle Umwelt mehr als Nebel und Mißwetter zu verdüstern, sich hin und her bewegen.

Hubble Deep Field Bild: NASA, ESA, G. Illingworth, D. Magee, and P. Oesch (University of California, Santa Cruz), R. Bouwens (Leiden University), and the HUDF09 Team

Doch der Blick in die ungeheuren Weiten des Alls läßt ihn erschaudern:

Ergriffen und erstaunt hielt er sich beide Augen zu. Das Ungeheure hört auf, erhaben zu sein, es überreicht unsre Fassungskraft, es droht, uns zu vernichten

Hier drängt sich die Parallele zum Meer auf, einer vergleichbaren Erfahrung des grenzenlosen Raumes wie Goethe sie beschreibt auf seiner Fahrt nach Sizilien. Hat man sich nicht ringsum vom Meere umgeben gesehen, so hat man keinen Begriff von Welt und seinem Verhältnis zur Welt Diese neue Raumvorstellung wird beim Anblick des Alls nochmals vertieft und erweitert. Dieses, das menschliche Fassungsvermögen übersteigende Erfahren scheinbar unendlicher Dimensionen ruft Schaudern und Ehrfurcht zugleich hervor. Zweifel an jeglicher anthropozentrischer Sicht melden sich deutlich: . »Was bin ich denn gegen das All?« sprach er zu seinem Geiste; »wie kann ich ihm gegenüber, wie kann ich in seiner Mitte stehen?«

Der Himmel in Gestalt des unendlichen Alls läßt sich nicht mehr durch Betrachtung erfahren, das Sehen weicht der inneren Reflexion. Wilhelm schließt die Augen vor dem ungeheuren Anblick des Himmels, damit eine Vorstellung der Unendlichkeit des Kosmos in seinem Inneren sich bildet.

Nietzsche geht noch einen Schritt weiter und spricht von der furchtbaren Erfahrung des Unendlichen in seinem Aphorismus Im Horizont des Unendlichen:

Wir haben das Land verlassen und sind zu Schiff gegangen!

Wir haben die Brücken hinter uns, – mehr noch, wir haben das

Land hinter uns abgebrochen! Nun, Schifflein! sieh’ dich vor!

Neben dir liegt der Ocean, es ist wahr, er brüllt nicht immer, und

mitunter liegt er da, wie Seide und Gold und Träumerei der Güte.

Aber es kommen Stunden, wo du erkennen wirst, dass er

unendlich ist und dass es nichts Furchtbareres giebt, als Unendlichkeit

. . . Wehe, wenn das Land-Heimweh dich befällt, als ob

dort mehr Freiheit gewesen wäre, – und es gibt kein Land

mehr!«

Welchen Platz nimmt nun der Mensch ein in diesem Weltbild? Goethe läßt seinen Protagonisten Wilhelm in Form einer Frage antworten

Wie kann sich der Mensch gegen das Unendliche stellen, als wenn er alle geistigen Kräfte, die nach vielen Seiten hingezogen werden, in seinem Innersten, Tiefsten versammelt, wenn er sich fragt: ›Darfst du dich in der Mitte dieser ewig lebendigen Ordnung auch nur denken, sobald sich nicht gleichfalls in dir ein beharrlich Bewegtes, um einen reinen Mittelpunkt kreisend, hervortut?

Der Mensch kann diesem Horizont des Unendlichen nur begegnen, sich im Zentrum dieser ewig lebendigen Ordnung nur begreifen, wenn es ihm gelingt, das Selbst im Mittelpunkt eines eigenen Kosmos zu erfahren. Genauso wie es im inflationären Universum kein ausgezeichnetes Zentrum geben kann, vielmehr jeder Ort im All auch als Mittelpunkt aller anderen Orte verstanden werden kann, wirkt das um einen reinen Mittelpunkt kreisende beharrlich Bewegte in jedem reflektierenden Individuum als tröstender Schutz vor der Bedrohung, die von der unfassbaren Vorstellung der Unendlichkeit ausgeht.

Und selbst wenn es dir schwer würde, diesen Mittelpunkt in deinem Busen aufzufinden, so würdest du ihn daran erkennen, daß eine wohlwollende, wohltätige Wirkung von ihm ausgeht und von ihm Zeugnis gibt

Nicht einmal das bewusste Erleben eines solchen Mikrokosmos im Menschen ist Voraussetzung für dessen wohltätige Wirkung – hier allerdings gibt der Protagonist einem gesetztem Sein den Vorzug vor dem aktiven Hervortun mittels Reflexion und bewusster Innenschau.

Die Konfrontation mit den unvermeidbaren Widersprüchen zwischen Denken und Handeln, dieses Schwanken der Gefühle, dieser stete Wandel von Geist und Seele, all dieser dem Menschen innewohnende Unstetigkeit steht der ewig gleich verlaufende unveränderbare Lauf der Gestirne gegenüber, das Universum als Korrelat zum Verhalten des Individuums:

Wie oft hast du diese Gestirne leuchten gesehen, und haben sie dich nicht jederzeit anders gefunden? Sie aber sind immer dieselbigen und sagen immer dasselbige: ›Wir bezeichnen‹, wiederholen sie: ›durch unsern gesetzmäßigen Gang Tag und Stunde; frage dich auch, wie verhältst du dich zu Tag und Stunde?

Die Antwort, die Wilhelm Meister bereithält, ist begründet in Goethes Vorstellung vom edlen, guten hilfreichen Menschen, der durch sein Streben nach sittlicher Vervollkommnung dem Ungeheuren des Alls (selbst)-bewusst begegnen kann:

Und so kann ich denn diesmal antworten: ›Des gegenwärtigen Verhältnisses hab’ ich mich nicht zu schämen, meine Absicht ist, einen edlen Familienkreis in allen seinen Gliedern erwünscht verbunden herzustellen; der Weg ist bezeichnet. Ich soll erforschen, was edle Seelen auseinanderhält, soll Hindernisse wegräumen, von welcher Art sie auch seien.‹ Dies darfst du vor diesen himmlischen Heerscharen bekennen; achteten sie deiner, sie würden zwar über deine Beschränktheit lächeln, aber sie ehrten gewiß deinen Vorsatz und begünstigten dessen Erfüllung.

Nietzsche folgt diesem Pfad der Tugend nicht, bemerkenswert, seine so konträre Vorstellung (hier gegen Kant als Moralisten):

Die “Tugend”, die “Pflicht”, das “Gute an sich”, das Gute mit dem Charakter der Unpersönlichkeit und Allgemeingültigkeit – Hirngespinnste, in denen sich der Niedergang, die letzte Entkräftung des Lebens, das Königsberger Chinesenthum ausdrückt

Nietzsche läßt den Menschen in seiner Not angesichts des Ungeheuren allein:

O Himmel über mir, du Reiner! Tiefer! Du Licht-Abgrund! Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.

In dem 1805 herausgegebenen Sammelwerk “Winckelmann und sein Jahrhundert” finden sich unter “Antikes” folgende Worte Goethes, die entgegen Nietzsches nüchterner Entzauberung des Unendlichen Universums, dem fragend-suchenden Individuum Trost spenden:

Wenn die gesunde Natur des Mensche als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines freies Entzücken gewährt – dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens  und Wesens bewundern. Denn wozu dient alle der Aufwand von Sonnen und Planeten und Monden, von Sternen und Milchstrassen, von Kometen und Nebelflecken, von gewordenen und werdenden Welten, wenn sich nicht zuletzt ein glücklicher Mensch unbewusst seines Daseins erfreut?

Bernd Riebe

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