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Namibia – Tagebuch einer Reise – Hardap Talsprerre und Kulula Lodge

Hardap Stausee Namibia

Mein Mann Bernd und ich reisten mit einem Landcruiser mit Dachzelt durch Namibia

Von Windhoek fuhren wir in südlicher Richtung über die C24 in Richtung Rehoboth. Die Straße war eher eine Piste mit schlechter Teerdecke, aber unser 4×4 wurde problemlos damit fertig. In Rehoboth verfehlten wir die Abfahrt, die uns weiter auf der C24 in Richtung Kulala Lodge bringen sollte. So endete unsere Fahrt am Abend an der Hardap Talsperre, wo es einen Campingplatz gibt.
Die Hardap Stausee ist mit 25 Quadratkilometern der größte Namibias. Eine Staumauer von 862 Metern Länge, die zwischen zwei Felsnasen gebaut wurde, staut hier den Fish River. Dieser Fluss ist der einzige Namibias, der beinahe ganzjährig Wasser führt, wenn auch die Wassermenge stark schwankt und in der Trockenzeit eher gering ist. Am westlichen Ufer des Sees gab es ein Natur- und Wildschutzgebiet von 20 000 Hektar Größe. Das staatliche Restcamp, in dem wir übernachteten, lag am östlichen Ufer des Stausees. Der Platz war sehr gepflegt, es gab Rasen und grüne Bäume. Bei einem Rundgang fand ich ein Feld mit kleinen runden Kürbissen, die ich später als gegrillte Squashies schätzen lernen sollte. Vorerst waren sie für mich nur interessante grüne Feldfrüchte.
Unser Stellplatz hatte einen Sonnenschutz aus gestreifter Markisenplane, den wir aber kaum nutzen konnten, da es sehr schnell dunkel wurde.
Wir waren so ziemlich allein auf dem Campingplatz, jedenfalls sahen wir auf dem Teil des Platzes, den wir uns ausgesucht hatten, keine anderen Reisenden. Aber das empfanden wir als positiv.
Als es dämmerte, begannen wir damit, das Dachzelt aufzubauen. Kaum war dies geschehen, da war es auch schon dunkel. Wir hatten ganz vergessen, wie schnell es in Afrika dunkel wird. Wir krochen in unser Zelt und ließen dort den Tag noch einmal Revue passieren. Obwohl wir von unserer eigentlichen Route abgekommen waren, hatten wir doch einen schönen Tag gehabt. Der „Umweg“ hatte uns eine Fahrt durch eine unvergleichliche Landschaft beschert. Wir waren durch eine unendlich scheinende Weite gefahren, über uns ein wunderschöner Himmel, mit weißen Schönwetterwolken. Die klare Sicht hatte uns begeistert. Wir durchfuhren eine Landschaft mit karstigen Bergen und niederer Steppe. In vielen der vereinzelt wachsenden Schirmakazien hingen auffällige Vogelnester, die Heimstätte für Hunderte von kleinen Vögel. Dort herrschte ein stetes Kommen und Gehen. Schwärme von Vögeln flogen ein und aus, wahrscheinlich um ihre Jungen zu versorgen. Wir sahen auch vereinzelt Wildtiere, Springböcke, Strauße und eine Oryxantilope mit ihren eindrucksvollen Hörnern.

Sandpiste in Namibia

Am nächsten Morgen waren wir überrascht, wir frisch und kühl die Luft war. Wir frühstückten mit Blick auf den Stausee, packten dann unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Wir fuhren in Richtung Mariental und von dort über die C19 in Richtung Maltahöhe. Die Piste war sehr schlecht. Eine rote Schotterstrecke mit Waschbretteffekt, aber die Aussicht über das Land war wie am Vortag fantastisch. Ich konnte mich nicht satt sehen an der Landschaft, die nach einer extrem ergiebigen Regenzeit viel grüner war, als wir erwartet hatten. Trotzdem hatte sie ihren ariden Charakter bewahrt, der auch vom sprießendem Wüstengras nicht überdeckt wurde. Das Gras mit seinen duftigen Samenähren wiegte sich sanft im Wind und verlieh den steinigen Tafelbergen einen seidigen lichtgrünen Schimmer.
Die Fahrt auf der schlechten Piste war ermüdend und obwohl wir immer wieder anhielten, um besonders schöne Ausblicke zu genießen, waren wir doch recht erschöpft, als wir gegen Abend endlich den Wegweiser zur Kulula Lodge sahen. Wir hatten von dieser Lodge gehört und wollten uns eine Nacht in diesem außergewöhnlichen Restcamp gönnen. Wir bogen ein in eine Sandpiste, die nicht ohne 4×4 befahren werden konnte. Es dauerte eine ganze weile, ehe wir endlich zur Lodge kamen.

Kulala Lodge, Namibia

Was wir vorfanden, war beinahe mehr, als wir erwartet hatten. Schon von Weitem sah ich die flachen Gebäude mit ihren Strohdächern im Wüstensand stehen. Dahinter als Kulisse die 300 Meter hohen roten Sanddünen. Ein fantastischer Anblick. Wir wurden in der Rezeption, die sehr schön dekoriert war, von einer freundlichen jungen Frau, einer Europäerin, empfangen. Sie führte uns zu einem kleinen Haus aus Zeltplanen, einem Kulala, das auf einer hölzernen Plattform gebaut war. Die Plattform stand auf Pfählen, was dazu diente, die kühle Brise besser einzufangen, die über das Land wehte. Gleichzeitig diente sie den Gästen als private Veranda. Damals gab es die große Veranda vor der Rezeption noch nicht, denn die Lodge war gerade erst eröffnet worden. Auch der Pool war noch nicht da. Wir fühlten uns wohl in unserem Kulala. Dieses bot uns allen erdenklichen Komfort. Einen großen Schlafraum mit Doppelbett und Sitzgelegenheiten und ein sehr schönes Bad. Dass die Wände aus Zeltplanen bestanden, hatte den Vorteil, dass man diese öffnen konnte, wo immer man wollte. Sie ließen sich leicht aushaken und zurückklappen. So konnten wir im Bett liegen und dabei ungehindert zu den Dünen hinüberschauen. Den Abend verbrachten wir auf der Veranda vor unserem Kulala. Es war ein unvergleichlicher Abend. Wir aßen ein Reisgericht und tranken Wein, schauten hinüber zu den roten Sanddünen und genossen später den spektakulären Abendhimmel mit seinen Tausenden von Sternen, die hier scheinbar heller strahlten als irgendwo sonst auf der Welt. Wir schliefen herrlich bei offener Zeltplane. Angst vor Moskitos brauchten wir nicht zu haben, denn die Luft war viel zu trocken. Schlangen und Skorpione konnten uns wegen der Pfahlbauweise nicht erreichen. Selten habe ich so gut geschlafen wie im Kulala Restcamp in der Stille des Kulala Wilderness Reserve.

Calla im Flussbett, Namibia

Am nächsten Morgen machten wir eine kurze Wanderung durch den ausgetrockneten Fluss. Die Inhaberin der Lodge hatte uns erzählt, dass es in diesem Jahr seit 64 Jahren zum ersten Mal ergiebig geregnet hatte. Damit hatte keiner gerechnet. Ein Stück flussaufwärts hatten Leute im Flussbett ihr Haus gebaut. Das war nun weggeschwemmt worden. Nichts war davon übrig geblieben, als sich die Wassermassen den Fluss hinabgewälzt hatten. Doch jetzt war er wieder ausgetrocknet und wir konnten im Wadi wandern. Zurückgeblieben von der Flut waren blühende Pflanzen, die hier und da im Flussbett wuchsen. Blüten in allen Farben waren zu sehen. Ich sah eine mächtige Calla, die ihre weißen fleischigen Blüten der Sonne entgegenstreckte. Welch ein Wunder, dachte ich. Wie war es möglich, dass Pflanzen sechs Jahrzehnte in der Trockenheit überdauern konnten, um dann nach einem Regenguss in solcher Pracht und Vielfalt zu blühen.
Ich wäre gerne noch in der Kulala Lodge geblieben, aber unser Ziel, der Hohe Brandberg, lockte.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Namibia – Hardap-Stausee und Kulala-Lodge
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Hölderlin – Abendphantasie – eine Interpretation

Die Ode Abendphantasie schrieb Hölderlin Sommer 1799 in seiner für ihn schwierigen Homburger Zeit. Das Werk steht in einem inhaltlichen Zusammenhang mit der etwa zur gleichen Zeit entstandenen Ode Des Morgens, wofür sich in den ersten Entwürfen der entsprechende Titel Morgenphantasie findet. Beide Werke erschienen zuerst in dem von Johann Leonhard Hadermann herausgegebenen Britischen Damenkalender und Taschenbuch für das Jahr Achtzehnhundert.

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren izt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh’ und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb’ und Leid! –
Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wirds und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Xenia Marita Riebe - Scisco

Xenia Marita Riebe – Scisco Acryl auf Leinwand – 40x60cm

Es sind zwei Sichtweisen, die den ambivalenten Charakter des Gedichts bestimmen. Da ist zum einen das abendliche Idyll einer arkadischen Landschaft mit dem rechtschaffenden Landmann (Pflüger), der nach getaner Arbeit seinen wohlverdienten Feierabend genießt. Dem Wanderer, der hier als erzählendes Subjekt fungiert, erscheint sogleich auch die Vision ferner Städte, in denen Schiffer dem heimatlichen Hafen zustreben, der geschäftige Lärm verrauscht und Menschen sich fröhlich und entspannt der abendlichen Ruhe hingeben. Da ist zum anderen das lyrische Ich, das zu diesem harmonisch geregelten Ablauf von Arbeit und Ruhe und diesem wohligen Gefühl der Entspannung und Genugtuung nach getaner Arbeit keinen Zugang hat, Wohin denn ich? das von all dem ausgeschlossen bleibt, fremd und allein in seinem Schmerz: warum schläft denn / Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Aus diesem bitteren Gefühl scheint (in der vierten Strophe) ein Wunschbild auf, der Abendhimmel ein Fantasiebild himmlicher Sphären, eine goldene Welt, die dem ausgegrenzten einsamen Ich Lieb und Leid zerrinnen läßt. Doch dieser Zauber flieht mit der aufkommenden Dunkelheit, die nahende Nacht vor Augen, wird sich das ICH seiner Verlassenheit bewußt: dunkel wirds und einsam / Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

In dieser letzten Strophe scheint scheint sich so etwas wie die Versöhnung mit der Wirklichkeit zu zeigen. Doch wirkt dies auf mich eher wie ein hilfloser oder gar verzweifelter Versuch die bittere Wahrheit des ausgegrenzten Selbst durch eine konstruiert wirkende Relativierung erträglicher zu machen. zu viel begehrt das Herz – Was begehrt es denn schon? Ein wenig soziale Nähe, einen Ort der Ruhe nach der „Arbeit“. Der Trost der Jugend ist ganz gewiss das Alter nicht, auch hier Verzweiflung und letztlich Hoffnungslosigkeit.

Hölderlin schrieb diese Ode vor dem Hintergrund einer unglücklichen Liebesbeziehung. Er musste seine Stellung als Hauslehrer aufgeben, verarmt, erniedrigt und augegrenzt von der bürgerlichen Gesellschaft – dunkel wird’s und einsam – Hölderlin, unzweifelhaft hier das lyrische ICH in seiner Ausweglosigkeit und seinem Leid, hinterläßt uns dieses wundervolle Werk. Konnten nicht diese klangvollen Verse in ihrer wohltuenden Rhythmik, diese wohlgewählten,ausdrucksstarken Worte auch auf das Selbst des Schreibenden reflektieren und auf diese Weise tröstend wirken?

Die sprachliche Form

Metrik

Hölderlin benutzt in diesem Gedicht die aus der antiken Metrik bekannte alkäische Strophe. Dies ist eine nach dem griechischen Dichter Alkaios benannte Strophenform. Es ist eine vierzeilige Odenstrophe, deren ersten beiden Verse 11, der dritte 9 und der vierte 10 Silben haben, wobei die ersten beiden Verse eine Zäsur nach der fünften Silbe haben.

In den Strophen wird auf den Reim und auf ein Gleichmaß im Sinne einer Alternation von Hebungen und Senkungen verzichtet. Hinzu kommt, dass der Rhythmus umschlägt:

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt

Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.

Gastfreundlich tönt dem Wanderer im

Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

während die ersten drei Verse mit einer Senkung beginnen, stehen am Anfang des vierten Verses eine auffällige Hebung und zwei Senkungen, also Daktylus, gefolgt von einem weiteren Daktylus und zwei Trochäen, sodass dieser Schlussvers – im Gegensatz zu den beiden aufs Zeilenende hin gewichteten Anfangsversen – einen Anfangsgipfel aufweist und dann allmählich ausströmt.

Enjambement

Ein Enjambement ist ein Zeilensprung. Man spricht von einem Enjambement, wenn das Satzende nicht mit dem Versende zusammenfällt, sondern ein Satz- oder Sinnzusammenhang über die Versgrenze hinweg fortgeführt wird.

Zuweilen trennt ein Enjembement auch syntaktisch zusammengehörende Wortgruppen (z. B. Artikel, Substantiv, Subjekt und Prädikat). Dann spricht man von einem harten Enjambement.

In dem Gedicht – wie überhaupt in der Lyrik Hölderlins – treten auffälig viele Enjambements auf:

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt;
o dorthin nehmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben
In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! –
Doch, wie verscheucht von höriger Bitte, flieht
Der Zauber;
dunkel wird’s und einsam
Unter dem Himmel,
wie immer, bin ich –

Das Enjambement möge droben / In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! ist in ein hartes Enjambement, weil sich der Sinnzusammenhang über die Strophengrenze hinweg erstreckt (Strophenenjambement) und auch das Syntagma (möge … zerrinnen) unterbrochen wird.

Inversion

Eine stilistische Inversion mit der Nachstellung des Subjekts ans Satzende finden wir gleich in der ersten Strophe:

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt / Der Pflüger,

Die Ruhe des Bauern, der seine Arbeit getan hat, wird in den Satzbau übernommen, indem dieser der chronologischen Abfolge des Arbeitstages angepasst wird, das Subjekt – der Pflüger – am Ende des Satzes ruhend am Ende des Tages. Hölderlin benutzt zudem das Wort Pflüger und nicht die auch damals gebräuchlichen Begriffe Bauer oder Landwirt und betont so die schwere Arbeit auf dem Acker, um so wiederum einen besonderen Akzent zu setzen auf die wohlverdiente Ruhe am Abend.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh’ und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Das lyrische ICH taucht hier, gleichsam als Aufschrei verstörend auf, Wohin denn ich? – Der Rhythmus der folgenden Verse wird ruhig, gleichförmig, die Bilder der ersten beiden Strophen refektierend: Es leben die Sterblichen / Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh’ und Ruh / Ist alles freudig – Es folgt die in eine Frage gekleidete Zuspitzung: warum schläft denn / Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Hier wird durch eine Inversion der Fokus auf das leidende Subjekt gesetzt und der bislang ruhige Rhythmus jäh unterbrochen.

Metapher / Allegorie

Als Beispiel einiger kunstvoll gebrauchter Stilmittel mag die vierte Strophe dienen:

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben

Die Strophe beginnt beschreibend und wird durch hinzutretende rethorische Figuren eindrucksvoll bereichert. Die Metapher des Frühlings steht für die Jugendjahre im Sinne von Frühling des Lebens, hier gebraucht zum Ausdruck einer unerfüllten Sehnsucht. Diese Frühlingsmetapher wird in den folgenden Versen zur Allegorie, also zu einer Art komplexen Metapher. Hier betont durch das in veränderter Form benutzte Verb „blühen“- in der ersten Zeile metaphorisch –blühet ein Frühling – und in der folgenden – blühn die Rosen – in seiner eigentlichen Bedeutung. Ebenso der Ausdruck die goldne Welt mit der Metapher sowohl für das Unvergängliche als auch für das Gute und Schöne trägt zum Reichtum der in diesem Gedicht verwendeten Sprache bei.

Ich möchte mit einem Hölderlin-Zitat schließen, das – wie ich meine – sehr gut die Anbivalenz im Denken des Dichters, wie sie auch in dieser Ode aufscheint, wiedergibt:

Wer darf denn sagen, er stehe fest, wenn auch das Schöne seinem Schicksal entgegenreift, wenn auch das Göttliche sich demütigen muß und die Sterblichkeit mit allen Sterblichen teilen!

(Friedrich Hölderlin: Hyperion – Kapitel 35 – Hyperion an Bellarmin)

Bernd Riebe

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Yukon Quest 2018

Hundeschlitten beim Yukon Quest

Sui Kings wird auch 2018 beim Yukon Qest live dabei sein und seine Erlebnisse mit uns teilen.

Der 35. Yukon Quest startet am 3. Februar 2018 in Fairbanks in Alaska. Am 12. Februar werden die ersten Musher nach 1600 Kilometern Rennstrecke mit ihren Hunde-Teams in Whitehorse im Yukon erwartet. Wer wird das härteste Schlittenhunderennen der Welt im nächsten Jahr gewinnen? Die Spannung ist wie jedes Jahr groß und die Zahl der Fans so hoch wie nie.

Sui Kings beim Yukon QuestSui Kings wird für den Blue Blog vom Yukon Quest berichten. Wie jedes Jahr ist er live dabei, wenn die Musher mit ihren Gespannen an den Start des Rennens gehen. Aber nicht nur das. Sui Kings wird wie schon seit vielen Jahren das Schlittenhunderennen von Checkpoint zu Checkpoint begleiten. Er kann natürlich nicht wie die Hundeschlitten über zugefrorenen Flüsse und Seen und über schmale Trails durch die Wälder fahren. Sui muss über tiefverschneite und vereiste Straßen fahren, um zum nächsten Checkpoint zu gelangen. Das ist bei Minustemperaturen im zweistelligen Bereich, bei früh einsetzender Dunkelheit und in der Einsamkeit der arktischen Region kein unerhebliches Risiko. Doch Sui Kings nimmt all dies auf sich. Er ist, wie er selbst sagt, mit dem Quest-Virus infiziert – unheilbar – und er will vor Ort sein, wenn die Musher, unter denen er inzwischen viele Freund und Bekannte hat, in den Checkpoints einfahren. Das sind die Momente, für die sich – laut Sui – alle Strapazen lohnen. Das leise Surren im Schnee zu hören, wenn sich ein Hundeschlitten dem Checkpoint nähert, die Spannung zu fühlen, wenn wenige Minuten über die Platzierung im Rennverlauf entscheiden und die Faszination zu erleben, wenn die Atemwolken von 14 Schlittenhunden in der kalten Luft kondensieren. Aber auch mitzuerleben, wie freundschaftlich die Musher – trotz aller Konkurrenz – mit einander, mit den Fans und Reportern umgehen. Wie aufopfernd sie sich um ihre Hunde kümmern, wie gut ihnen eine warme Mahlzeit im Checkpoint tut und vieles mehr. All dies wird Sui mir übermitteln, damit ich es für euch – die treuen Leser meines Blue Blogs – niederschreibe und mit Suis Fotos versehe.
Ich hoffe, dass es viele interessierte Leser gibt, die sich genau wie ich auf Suis spannende Berichte
vom Yukon Quest freuen.
Wir starten die Reportage am 27.Januar 2018. Dann kommt Sui Kings in Whitehorse in den Yukon Territories an und wird live von seiner Fahrt nach Fairbanks in Alaska berichten, wo am 3. Februar die Musher mit ihren Schlittenhunden an den Start gehen, vor sich eines der letzten wirklichen Abenteuer unserer Zeit.

Feuer im Schnee, Yukon Quest

Hier ein erstes Beispiel einer Reportage von Sui Kings aus dem Jahr 2012.

Sui Kings berichtet über den Start des Mushers Allen Moore beim 29. Yukon Quest 2012

Ich habe mir ein schönes Plätzchen innerhalb des Zauns gesucht und liege im Schnee, um an meiner Kamera noch einige Einstellungen zu checken. Doch dann lenkt mich lautes Gejaule ab. Der Sprecher an der Startlinie kündigt den ersten Musher an. Es ist Allen Moore, dessen Team von vielen Helfern zur Startlinie gebracht wird. Die Hunde zerren und springen in ihren Geschirren und es sind einige Helfer nötig, um sie zu bändigen. Allen Moores Schlitten ist noch mit einem Seil mit einem Skidoo verbunden. Das hilft den Helfern, die Hunde zu bremsen. Da ist schon eine geballte Ladung Kraft im Spiel, wenn 14 Alaskan Huskys es nicht mehr erwarten können, auf den Trail zu gehen! Auch Allen Moore betätigt immer wieder die Krallenbremse und redet seinen Hunden gut zu. Der Musher hat noch ein paar Minuten bis zum Start, also tritt er zwei Schneeanker so gut es geht in den Schnee und geht nochmal das gesamte Team ab. Er tätschelt jeden einzelnen seiner 14 Hunde und spricht mit ihnen. Ganz besonders viel Aufmerksamkeit bekommen die beiden Leader. Der Sprecher erzählt den Zuschauern derweil etwas über den Musher, woher er kommt, welche Rennen er Musher schon gefahren hat und welche Platzierungen er erreichte. Auch über das Hunde-Team gibt es viel zu berichten, z.B welche Blutlinien es hat, wie alt die Hunde sind usw. Für die Unterhaltung der Zuschauer ist immer gesorgt.
Dann beginnt der Countdown und um Punkt 11 Uhr Ortszeit begibt sich Allen Moore auf die 1600 Kilometer lange Strecke des 29. Yukon Quest. Allen steht voll auf der Bremsmatte, so das der Schnee nur so staubt. Er wird mit viel Beifall und guten Wünschen der Zuschauer verabschiedet. Etwa 1500 – 2000 Zuschauer säumen den Startbereich und dort, wo der Zaun aufhört, wird es sehr eng für die Musher. Sie müssen sich ihren Weg durch die Zuschauer bahnen. Allen Moore klatscht noch viele Hände ab, die ihm entgegengestreckt werden. Doch nach ein paar Minuten ist er schon nicht mehr zu sehen. Er ist hinter einer Kehre auf dem Cheena River verschwunden.

Text: © Xenia Marita Riebe

Fotos: © Sui Kings

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Namibia – Tagebuch einer Reise – Ankunft in Windhoek

Windhoek, Namibia

Mein Mann Bernd und ich reisten mit einem Landcruiser mit Dachzelt durch Namibia.

Wir fuhren mit dem Zug nach Frankfurt zum internationalen Flughafen. Dort angekommen, warteten wir lange am Schalter der Air Namibia. Der Check In klappte reibungslos. Mich störten nur die vielen Reisenden, die Jagdgewehre bei sich trugen. Es war mir unbegreiflich, wie Menschen nach Afrika fliegen können, nur um dort Tiere zu töten. Der Flug, der mehr als 10 Stunden dauerte, wurde mir sehr lang und obwohl ich eine Reisetablette genommen hatte, schlief ich kaum. Ich wachte andauernd auf, weil ich den Wunsch verspürte, meine Beine auszustrecken. Hin und wieder stand ich auf und bewegte mich ein wenig im Gang. Neben mir saß ein junger Mann aus Schweden, der beinahe die ganze Zeit schlief. Erst beim Frühstück kamen wir kurz ins Gespräch und er schwärmte vom Norden Namibias und beschwörte uns beinahe, dort hinzufahren. Wir aber wollten vor allen Dingen zum Hohen Brandberg. Dort wollte ich die Felsbilder der Khoisan erkunden, denn ich bin Künstlerin und befasste mich seit einiger Zeit mit Höhlenmalereien. Ich setzte diese in meinen Bildern in Verbindung mit der modernen Technik.
Der Flughafen erschien uns, im Vergleich mit anderen Flughäfen, sehr klein. Bei der Passkontrolle mussten wir lange warten, ehe der Beamte uns gnädig den ersehnten Stempel in den Reisepass drückte. Als wir das Flughafengebäude verließen, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben das helle afrikanische Licht. Ich fühlte mich geblendet, aber gleichzeitig beglückt. Ich freute mich sehr auf unseren Aufenthalt in Namibia.
Ein Shuttle Bus brachte uns vom Airport nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Vor dem Kalahari Sands Hotel, in dem ich einige Zeit später meine Gemälde ausstellen sollte, stiegen wir aus und fuhren mit dem Taxi weiter zu unserem Hotel. Es hatte den netten Namen „Kleines Heim“ und war früher einmal ein Heim für ledige Mütter. Der Taxifahrer, ein farbiger Namibier, sprach zu unserer Überraschung ein wenig deutsch. Er lachte und nannte Namibia „Kleines Deutschland“.
Im „Kleinen Heim“ angekommen, waren wir sehr überrascht, wie schön dort alles war. Hinter weißen Mauern standen gepflegte kleine Gebäude mit graugrünem Anstrich und großen weißen Sprossenfenstern inmitten eines schönen tropischen Gartens. Unter üppigen Palmen befand sich in dessen Mitte ein annehmbarer Pool. Unser Zimmer war hübsch eingerichtet und hatte, neben einem Schlafraum mit Doppelbett, eine Sitzecke und ein Bad, das europäischen Standards entsprach. Im Frühstücksraum und in den Räumen der Rezeption stellte eine Künstlerin ihre Bilder aus. Interessante gutgemachte Aquarelle von afrikanischen Tieren. Ich war erfreut.
Natürlich ging ich gleich nach unserer Ankunft in den Pool und schwamm ein wenig herum. Das war sehr erfrischend und ich war glücklich, in dieser schönen Umgebung relaxen zu dürfen. Die tropischen Pflanzen, mit ihren farbenfrohen Blüten taten das ihre dazu.

Johann-Albrecht-Str. Windhoek, Namibia

Gegen Mittag gingen wir zu Fuß zum Stadtzentrum von Windhoek. Nach der Stille in der Abgeschiedenheit unseres Hotels, empfanden wir die Stadt als laut und wir nahmen den Geruch der Abgase deutlich wahr, der von den vielen alten Autos verströmt wurde. Doch nach wenigen Minuten hatten wir uns daran gewöhnt und schauten uns alles interessiert an. Ich war fasziniert von den schönen Menschen, die meist der Ethnie der San angehörten und wie die Ureinwohner Namibias, die Khoisan, sehr schlanke Glieder und hübsche zarte Gesichter hatten. Viele der Frauen trugen Kleider aus traditionellen afrikanischen Stoffen, die Männer waren meist in Anzughosen und weiße Hemden gekleidet. Die Menschen gingen ihren Geschäften nach, hatten aber für uns immer ein freundliches Lächeln übrig. Wir sahen uns die Läden in der Innenstadt an und schmunzelten über die Mischung aus deutschen und namibischen Bezeichnungen. Das Wort Bäckerei wurde ebenso selbstverständlich benutzt wie „Brauerei“, „Biergarten“ „Cafe“ und Sperrgebiet. Auf einem Hausgiebel sahen wir die große gemalte Aufschrift „Kaiserkrone“. Auch ein Verbotsschild mit der Aufschrift „Kein Pinkeln“ und Schilder mit den Worten „Mineralien und Edelsteine“, gab es in der Stadt. Selbst die Verwaltung benutzte auf ihrem Schild das deutsche Wort „Stadtverwaltung“. Auch gab es Straßen mit deutschen Straßennamen, wie die Goethe-, Johann-Albrecht- und Gauss- Straße.
Wir gingen durch das geschäftige Windhoek, mit seinen zum Teil neuen Bauwerken, die aber oft den kolonialen Gebäuden nachempfunden sind. Wir sahen gut gekleidete Menschen und recht ordentliche Restaurants, in denen meistens Weiße speisten und Farbige bedienten. Es gab aber auch die andere Seite der Stadt, die in den Reiseprospekten nicht vorkommt. Auf den Straßen sah ich viele Farbige, die einfach nur herumzulungern schienen. Sie saßen oder standen am Straßenrand und ich fragte mich, warum sie in dieser Hitze und in der schlechten Luft einfach nur versonnen ins Leere starrten. Wahrscheinlich waren es Bewohner des Townships Katutura, was „Der Platz, an dem wir nicht leben wollen“ heißt, in dem 250.000 farbige Namibier in ärmlichen Verhältnissen wohnen. Die Siedlung wurde Ende der 50er Jahre unter südafrikanischer Verwaltung vor den Toren von Winhoek angelegt. Dorthin wurden die ungeliebten farbigen Bewohner umgesiedelt. Man wies ihnen Häuser zu, streng getrennt nach Stammeszugehörigkeit. Es leben dort Angehörige der Stämme der Ovambo, der Herero, der Kavango, der Damara, der Himba und der Nama, alle in Einheitshäusern mit 45 qm Wohnfläche. Gekennzeichnet sind diese Häuser mit dem jeweiligen Buchstaben des Stammes, der vor der Hausnummer steht. Inzwischen hat sich Katutura vergrößert und es gehören tausende Wellblechhütten und Hütten aus Karton und Plastikplanen dazu, in denen es viele soziale Missstände gibt. Ich vermutete, dass die meist jungen Männer in das Stadtzentrum von Windhoek kamen, um der Trostlosigkeit und der Ausweglosigkeit ihres Lebens im Township für ein paar Stunden zu entkommen.
Der Straßenverkehr im Zentrum war wirklich höllisch. Es war uns beinahe unmöglich, die Straßenseite zu wechseln. Als Fußgänger schien man in Windhoek ein Nichts zu sein. Dennoch war ich sehr froh, in dieser fremden Stadt zu sein, die mir von Anfang an unglaublich gefiel.
Windhoek galt jahrzehntelang als die sauberste Hauptstadt Afrikas. Die Stadt gilt aufgrund von relativer Sicherheit als vorbildhaftes Modell einer afrikanischen Großstadt.
Und wirklich glaubten wir in der Innenstadt manchmal in einer mitteleuropäischen Stadt zu sein. Dieser Eindruck entstand durch die kleine Straßencafes und Biergärten. Auch die Gebäude, die, – neben vielen modernen Gebäuden – von der wilhelminischen Kolonialarchitektur der Jahrhundertwende geprägt sind, trugen dazu bei. Besonders sehenswert waren die kolonialen Bauten an der Independence Avenue, die Marien-Kathedrale aus dem Jahr 1908, die Christuskirche von 1911 und der Tintenpalast, sowie die Alte Feste. All dies schauten wir uns mit viel Interesse an.
Es gibt in Windhoek auch einige Museen, wie das Nationalmuseum, das TransNamib-Museum, das Geowissenschaftliche Nationalmuseum. Natürlich sahen wir in Windhoek auch viele Straßenhändler, die Kunsthandwerk anboten. Tatsächlich gab es sogar ein Theater – das Nationaltheater – womit ich nicht gerechnet hatte.

Pension "Kleines Heim", Windhoek, Namibia

Pension “Kleines Heim” in Windhoek

Am späten Nachmittag holte uns ein Herr Römer von der Autovermietung im „Kleinen Heim“ ab. Er fuhr mit uns an den Stadtrand, wo er seine Autovermietung betrieb und wo er auch wohnte. Er war freundlich, wenn auch nicht sympathisch. Wir mussten noch einige Formalitäten erledigen und Herr Römer – ein Weißer, wahrscheinlich deutscher Abstammung – bot uns ein eisgekühltes Bier an, das wir gerne annahmen. Der Wagen, ein Toyota Landcruiser mit Dachzelt, den wir gemietet hatten, besaß 4 Wheel Drive und hatte im hinteren Teil eine Campingausrüstung, bestehend aus einer Kühlbox, einem Frischwassertank, einem Gaskocher sowie einem Campingtisch mit Stühlen. Das Dachzelte für 2 Personen war angeblich leicht und schnell aufzurichten. Der Wagen wirkte etwas schwerfällig und hatte einen Dieselmotor. Nachdem alles geklärt war, fuhren wir zurück in die Stadt, was nicht einfach war, denn der Wagen war fremd und in Namibia herrscht Linksverkehr. Nach einigen Umwegen fanden wir zum Hotel zurück. Dort ließen wir den Toyota erst einmal stehen und fuhren mit dem Taxi zurück in die Innenstadt. In der Kaiserkrone, die uns schon am Nachmittag aufgefallen war, aßen wir zu Abend. Das Restaurant mit italienischer Küche war gemütlich eingerichtet. Trotzdem entschieden wir uns dafür, draußen in einem Innenhof unter einem Sonnenschirm zu sitzen. Dort war es kühl und ruhig. Mit uns speisten ein deutscher Flugkapitän und seine Stewardessen. Es war interessant, ihren Gesprächen zuzuhören. Sie glaubten wohl, dass sie niemand verstehen könne, und sprachen sehr offen über Belange der Airline.
Nach einer erholsamen Nacht frühstückten wir am nächsten Morgen am Pool. Wir waren die einzigen Gäste. Es war angenehm kühl und sehr still. Nur die Vögel sangen und das typische Geräusch eines Reisigbesens war zu hören, denn ein farbiger Hotelangestellter kehrte die Wege des Gartens. Wir genossen ein letztes Mal den Luxus einer festen Unterkunft, packten dann unsere sieben Sachen und verließen Windhoek. In bester Stimmung fuhren wir einem Abenteuer entgegen.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Höhlenmalerei in Verbindung mit Technik

Gemälde “Energiespiele” aus der Reihe “Höhlenmalerei in Verbindung mit Technik” von Xenia Marita Riebe

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Reisetagebuch – Südwest Irland – Goodbye Ireland – 2. Teil – Die Rückreise

Straßenarbeiten Nähe Ballydehob, Irland

Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula.

Tag 20 – 22.11.2017

Wetter: bewölkt – Temperatur 14 Grad – auffrischender Wind

2. Teil – Die Rückreise

Wir packen unsere Koffer, ziehen die Bettwäsche ab und reinigen das Cottage. Dann gehen wir hinüber zu unseren Freunden, um uns zu verabschieden. Nach einem letzten Blick auf unser Zuhause auf Zeit steigen wir ins Auto und verlassen Schull mit ehrlichem Bedauern. Zum Glück regnet es nicht und wir fahren entspannt in Richtung Ballydehob. Dort, wo gestern an der Tankstelle ,als wir volltanken wollten, ein großes Chaos herrschte – ein Bauarbeiter bohrte neben der Zapfsäule mit einem Presslufthammer; die Zapfsäule hatte einen Defekt und ließ uns nur sechs Liter tanken – ist heute alles friedlich und ruhig. Von den Bauarbeiten ist keine Spur mehr zu sehen und die Autofahrer tanken, als sei nichts gewesen.
Wir lassen Ballydehob, Skibbereen und Leap hinter uns und fahren schließlich hinauf nach Rosscarberry, um dort zu Mittag zu essen. Leider sind wir zu früh. Die Küche in den Pubs öffnet erst eine halbe Stunde später. So lange wollen wir nicht warten. Wir gehen noch ein paar Schritte durch den Ort und fahren dann weiter in Richtung Clonakilty, das wir links liegen lassen.

Poachers Pub in Bandon, Irland

In Bandon kehren wir schließlich in einen Pub ein, der uns bekannt vorkommt und der günstig an der N71 liegt. „Poachers“ heißt der Pub und am Eingang fällt ein für einen Pub unübliche Schild auf, das sagt: „Please wait to be seated“. Das machen wir und eine freundliche junge Frau weist uns einen Tisch zu. Wir nehmen auf gemütlichen kleinen Sesseln Platz und bestellen nach kurzem Blick auf die Speisekarte. „Ardsallagh Goats cheese & pine nut parfait, pear chutney, beetroot jam,
pickled pear salad, parmesan sable“ für 8.95€ heißt unsere Wahl. Wenige Minuten später kommt das Essen. Es ist sehr schön arrangiert, ist aber eine sehr kleine Portion. Zum Glück haben Chips dazu bestellt, denke ich. Das Gericht selbst besteht aus fünf haselnussgroßen Kugeln aus Ziegenkäse und ein paar Blättern Salat. Daneben liegen drei schwarze Plätzchen. Das pine nut parfait, das pear chutney und die beetroot jam finden sich in Form von kleinen bunten Kleksen auf unserem schwarzen Teller. Das Gericht schmeckt gut, hat aber nichts mit dem normalen Pub Grub zu tun. Hier versucht scheinbar jemand, aus einem Pub ein exklusives Restaurant zu machen.

Pub im Flughafen Cork, Irland

Immer noch hungrig verlassen wir Bandon und fahren weiter über Innishannon zum Flughafen nach Cork.
Als wir unsere Koffer aufgegeben haben, suchen wir uns zuerst einmal ein Cafe und essen Scones, um unseren Hunger zu stillen. Dann gehen wir durch den Sicherheitscheck und ich direkt in den Duty Free Shop. Hier finde ich zum ersten Mal seit Jahren – ich schaue bei jedem Flug ganz gleich wohin auch immer in diesen Shops vorbei – das Parfüm, das ich seit Jahrzehnten benutze. Natürlich kaufe ich es sofort und es ist sogar preiswerter als überall sonst.
Die Zeit bis zum Abflug vergeht – in einem letzten schönen Pub – schnell und wir sind erfreut zu hören, dass wir rund 40 Minuten früher in Amsterdam landen werden. Das stimmt auch, nur dass das Flugzeug geschlagene 20 Minuten mit uns über den Flughafen rollt. So etwas haben wir noch nie erlebt! Dann endlich hält es am Gate und wir dürfen aussteigen. Der Weg zum Gepäckband ist sehr weit. Wir gehen und gehen und mit uns die anderen Passagiere. Wir haben es ein wenig eilig, denn wir würden gerne einen Zug früher nehmen, damit wir nicht ganz so spät in Venlo ankommen. Doch das Gepäck lässt lange auf sich warten. Zum Glück kommen unsere Koffer zuerst. Wir nehmen sie und gehen los. Am Gleis des Fernbahnhofs angekommen, stellen wir erfreut fest, dass wir zeitig genug für den früheren Zug sind. Vor diesem soll nur noch ein Sprinter nach Amsterdam-Sloterdijk kommen, der allerdings Verspätung hat, was auf der Anzeige am Gleis zu sehen ist. Wenige Minuten später wird dieser über Lautsprecher angekündigt und schon fährt er ein. Bernd sieht zum Glück, dass der einfahrende Zug nicht der angekündigte Sprinter ist, sondern unser Zug nach Venlo. Ich hätte das nicht mitbekommen und wäre gestrandet. Auch andere Leute sind vom unangekündigten Zugwechsel überrascht worden, denn als wir uns eine Platz suchen wollen, kommen uns lauter aufgeregte Reisende mit schweren Koffern entgegen, die den Zug verlassen wollen. Wir wundern uns, bis uns klar wird, dass diese glaubten, in den Sprinter eingestiegen zu sein. Leider haben sie Pech, denn die Türen sind bereits verschlossen. Also müssen die armen Leute bis nach Amsterdam-Zuid mitfahren.
Der Großraumwagen, in dem wir schließlich Plätze finden, ist sehr schmutzig. Papier liegt auf dem Boden herum und die Sitzpolster sind verdreckt. Ein Mann telefoniert ununterbrochen in schlechtem Englisch und sehr schnellem Niederländisch, laut und penetrant. Wir sind froh, als sein Akku endlich leer ist und er Ruhe gibt.
Wenige Minuten, bevor wir nach Eindhoven kommen, sagt eine Stimme aus dem Lautsprecher: Geachte reiziger, deze trein word in Eindhoven gesplittet. De wagen 9, 7 en 5 verblijven in Eindhoven.“
Schnell stehen wir auf, um nachzusehen, in welchem Wagen wir uns befinden. Aber es gibt nirgendwo eine Anzeige. Deshalb nehmen wir unser Gepäck und steigen aus, um von draußen zu sehen, welche Wagen weiter nach Venlo fahren. Aber zu unserer Überraschung werden keine Wagen abgehängt. Das Ganze war entweder eine Falschansage oder ein schlechter Scherz. Also gehen wir in unseren Wagen zurück und wundern uns schon sehr über die schlechte Organisation bei den Nederlandse Spoorwegen.

Die letzte Strecke bis nach Venlo sind wir ganz allein im Wagen. Dort angekommen werden wir mit dem Auto abgeholt, denn es fährt kein Zug mehr hinüber nach Deutschland. So endet für uns eine schöne Reise.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Reisetagebuch –Südwest Irland– Goodbye Ireland – 1. Teil Sonneaufgang

Sonnenaufgang Sailor`s Hill, Schull, West Cork, Irland

Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula.

Tag 20 – 22.11.2017

Wetter: bewölkt – Temperatur 14 Grad – auffrischender Wind

1. Teil Sonneaufgang

Jetzt ist es soweit. Der letzte Urlaubstag bricht an. Die Wettervorhersage hat für den Tag heftigen Dauerregen angekündigt. Das ist uns nicht recht, denn wir müssen mit unserem kleinen Mietwagen über die schmalen unübersichtlichen Straßen nach Cork zum Flughafen fahren. Aber auf solche Dinge nimmt die allgemeine Wetterlage natürlich keine Rücksicht. Eine Regenfront aus West zieht über Irland und die hat schon in der Nacht heftige Regenschauer gebracht. Ich schlage die Augen auf und luge durch den Spalt zwischen den Übergardinen aus dem Fenster. Natürlich erwarte ich einen grauen nebligen Morgen, doch was ich sehe, lässt mich sofort hellwach werden. Über der Bucht zeigt sich ein breiter Streifen Blau und darin schweben ein paar Wolkenschleier in Rosa. Ich schließe die Augen und öffne sie erneut. Der schöne Himmel ist noch da. Ein weiterer großartiger Sonnenaufgang, schießt es mir durch dem Kopf. Und das am „very last day“. Sofort springe ich aus dem Bett und ziehe mich an.

Sonnenaufgang, Schull, Irland

Und schon laufe ich los. Draußen ist die Luft klar, feucht und mild. Da ich Angst habe, zu spät zu sein, laufe ich im Dauerlauf den Berg hinauf. Freilich geht mir schon bald die Puste aus und ich muss meinen Schritt verlangsamen. Es ist stürmisch und der Wind zerrt mir beinahe die Kappe vom Kopf. Deshalb ziehe ich sie lieber aus und stecke sie in meine Jackentasche. Unterwegs mache ich sicherheitshalber ein paar Fotos, denn ich weiß nicht, wie groß das Wolkenloch ist, durch das die aufgehende Sonne scheint. Die vertrocknete Blütenrispe einer südlichen Pflanze, die ich schon öfters als Motiv für ein Sonnenaufgangsfoto gewählt habe, schwankt wild im Wind und macht es mir heute schwer, sie zu fotografieren. Dann bin ich endlich oben auf dem Sailor`s Hill und sehe für diesen Irlandaufenthalt zum letzten Mal die Sonne aufgehen.

Sonnenaufgang Sailor`s Hill, Schull, Irland

Es ist kein spektakulärer Sonnenaufgang. Die Lücke zwischen den Wolken ist recht klein, die Sonne schaut nur wenig daraus hervor, die Farben am Himmel sind im Bereich der Pastelltöne zu finden. Doch mir gefällt die Färbung der Wolken und die ganz besondere Stimmung, die hier oben herrscht. Die zarten Farben wollen nicht so recht zum heftigen Wind passen, der so an mir zerrt, dass ich Probleme habe, mein Smartphone zum Fotografieren ruhig zu halten. So mache ich leider viele unscharfe Bilder. Das liegt aber sicher auch daran, dass das Objektiv in dieser milchig zart blaugrauen Umgebung, in der sich das Meer kaum vom Himmel abhebt, Schwierigkeiten hat, sich scharf zu stellen. Leider dauert das Schauspiel nur wenige Minuten. Dann schließt sich die Wolkenlücke und hinterlässt die Welt in ihrem grauen Morgenkleid. Ich schaue mich noch einmal um, sauge den Blick in mich auf, denn ich bin nicht sicher, ob ich je wieder an diesen schönen Ort zurückkehren werde. Ich möchte alles in Erinnerung behalten. Long Island, mit seinem weißen Leuchtturm an der Spitze, dahinter in der Ferne Clear Island, die weite Bucht, in der jetzt wie jeden Morgen die Fischerboote hinaus auf den Atlantik fahren. Und Fastnet Rock, aber der ist heute nicht zu sehen. Zu dunstig ist die Luft und sie hat den Felsen mit seinem hohen Leuchtturm, der weit draußen im Meer liegt, einfach verschluckt. Wie schade.

Dann gehe ich zurück zum Cottage. Der Wind hat mich ordentlich durchgepustet und obwohl die Luft für November sehr mild ist, ist mir doch ein wenig kalt geworden. Ich freue mich auf das letzte Frühstück im mollig warmen Quarry Cottage.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Reisetagebuch – Südwest Irland – Expedition zum Mount Gabriel

Aussicht vom Mount Gabriel, Schull, Irland

Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula.

Tag 19 – 21.11.2017

Wetter: sonnig bis bewölkt – Temperatur 14 Grad – mäßiger Wind

Wieder ist das Wetter herrlich und wir wollen versuchen, den Mount Gabriel – auf gälisch Cnoc Osta – zu besteigen. Mount ist ein großes Wort für diesen Hügel und jeder Bayer würde darüber lachen, aber für Irland ist Mount Gabriel schon ein ansehnlicher Berg. Mit 407 Metern Höhe ist er die größte Anhöhe südlich und östlich von Bantry Bay, einer Meeresbucht der Mizen Peninsula.
Der höchste Berg Irlands ist der 1039 Meter hohe Carrantuohill im County Kerry, der zu den Macgillycuddy’s Reeks gehört. Dann folgen vier 900er Berge, von denen der Cnoc na Peiste mit 988 Metern der höchste ist. Auch er ist Teil der Macgillycuddy’s Reeks im County Kerry. Die nächst höheren sind zwischen 851 und 826 Meter hoch. Daran sieht man, das Mount Gabriel für irische Verhältnisse nicht ganz so niedrig ist, vor allem, wenn man bedenkt, dass er an der Küste steht und sich direkt von Meeresspiegelniveau erhebt. Er steigt nördlich der Stadt Schull auf und von seinem Gipfel kann man südlich über Schull Harbour und hinüber nach Long Island schauen.Östlich und südöstlich befindet sich die Roaring Water Bay mit ihren vielen Inseln. Nördlich und westlich sind bei gutem Wetter die Berge der Beara Halbinsel und Sheep`s Head zu entdecken. Auch Fastnet Rock, der etwa 18 Kilometer südlich des Gabriels liegt, ist bei klarem Wetter auszumachen.
Von unserem Cottage in Schull können wir den Gabriel, wie wir ihn nennen, normalerweise sehr gut sehen. Da er aber die erste Erhöhung jenseits des Atlantiks ist, hüllt er sich öfters in Wolken. Dann kann man die Radarstation mit ihren beiden weißen Kuppeln, an denen man den Gabriel sonst immer gut erkennen kann, nicht mehr sehen.
Heute aber ist das Wetter klar und trocken. Deshalb ziehen wir unsere Wanderschuhe an und gehen los. Zuerst folgen wir einer Straße, die hier noch South Terrace heißt, und hinter der Kirche aus dem Ort bergan führt. Wir kommen an einer kleinen Schule vorbei, der National School, und wandern schon bald durch Weideland, auf dem vereinzelt Schafe grasen. Doch dann kommen doch noch einmal ein paar Häuser, deren Auffahrten von der schmalen Straße abgehen. Schließlich wird die Straße, die hier schon längst keinen Namen mehr hat, immer enger und schlechter. Hecken und Mauern begrenzen sie zu beiden Seiten und nehmen uns die Sicht. Wir kommen an eine Kreuzung und gehen nach links weiter, denn dort vermuten wir den Gabriel. Dann wird die Vegetation niedriger und die Landschaft verändert sich. Rechts und links der Straße werden Felsen sichtbar, die mit Moos und niedrigem Gras bewachsen sind. Vereinzelt wachsen hier Ginsterbüsche und Heidekraut, jetzt im November größtenteils ohne Blüten. Weiden gibt es hier nicht mehr. Zwischen den Felsen wächst zu wenig Gras, um Kühe oder Schafe zu ernähren. Dann führt die Straße durch einen tiefen Einschnitt und an ihren Rändern ragen die hohen kahlen Felsen auf. Wir befinden uns auf der Schulter des Mount Gabrials und die Straße führt von hier hinunter nach Durrus an der Dunmanus Bay.

Doch wir wollen ja den Gabriel besteigen und wenden uns deshalb von der Straße ab. Wir klettern über eine kleine Mauer aus Feldsteinen und beginnen, bergan zu steigen. Das ist allerdings nicht so leicht, wie es scheint, denn wir müssen uns unseren Weg durch Stechginster und Heidekraut bahnen. Zudem gibt es immer wieder moorige Stellen, an denen wir schnell knöcheltief im Wasser versinken. Das Vorankommen ist sehr mühsam und wir müssen noch 200 Höhenmeter bewältigen. Natürlich könnten wir die Fahrtstraße benutzen, die jenseits der Schulter von der Straße abbiegt und bis auf den Gipfel führt. Aber das wollen wir nicht. Wir haben uns vorgenommen, querfeldein hinaufzusteigen. Die Sicht hinunter zum Hafen von Schull ist jetzt bereits atemberaubend. Tiefblau liegt der Atlantik vor uns und am Himmel ziehen weiße Haufenwolken vorüber.
Wir klettern weiter und erreichen schließlich ziemlich außer Atem den Gipfel des Gabriels. Jetzt genießen wir erst einmal die Aussicht. Sie ist einfach fantastisch und ganz anders, als die Aussichten im Hochgebirge. Hier sieht man natürlich keine anderen Berge, aber Wasser soweit das Auge reicht. Entzückt schauen wir hinunter auf Schull, das sich so gemütlich in die Bucht schmiegt, in der in der Ferne auch Fastnet Rock zu erkennen ist. Wenn wir uns umdrehen, können wir auf die Dunmanus Bay schauen und an deren Ende Sheep`s Head, die westliche Landspitze ausmachen. Auch die unmittelbare Umgebung des Gabriels ist es wert, betrachtet zu werden. Hier ist alles felsig, braun, karg und wild. Ich denke, dass es so ähnlich im wilden Kurdistan aussehen muss, was aber wahrscheinlich nur meiner Fantasie entspringt. Hier steht weit und breit kein Haus und erst dort, wo sich die Straße langsam den Hang hinunter windet – der Dunmanus Bay entgegen – wird wieder vereinzelt Weideland sichtbar. What a view!

Radarkuppel auf dem Mount Gabriel, Schull, Irland

Nachdem wir lange und ausgiebig die Aussicht genossen haben, wenden wir uns den Radarkuppeln zu. Sie wurden in den späten 1970er Jahren hier errichtet und waren Teil der Entwicklung von Eurocontrol. Dies ist eine internationale Organisation zur zentralen Koordination der Luftverkehrskontrolle in Europa mit Sitz in Brüssel. Eurocontrol hat sich zum Ziel gesetzt, ein nahtloses europäisches Flugverkehrsmanagement-System zu entwickeln. Dies soll unter Beibehaltung eines hohen Sicherheitsniveaus, der Reduzierung der Kosten und der Schonung der Umwelt dem ständig wachsenden Flugverkehr Rechnung tragen. Irland trat der Organisation 1965 bei und Eurocontrol errichtete eine Kontrollzentrale in Shannon, die den oberen Luftraum von Irland überwachen sollte. Im Jahr 1976 erklärte Irland, dass es einer Inbetriebnahme derselben nicht zustimmen könne. Der Grund dafür war die Vermutung, dass es wegen der hohen Gehaltsunterschiede zwischen dem Personal der nationalen irischen Behörden und dem internationalen Personal einer EUROCONTROL-Kontrollzentrale zu schweren Sozialkonflikten kommen könne. Die irische Verwaltung übernahm die Kontrollzentrale Shannon von EUROCONTROL und betrieb sie mit eigenem Personal.
Zu sehen ist auf dem Mount Gabriel ein grauer Flachbau mit anschließendem Rundbau, auf dem eine weiße runde Radarkuppel steht. Eine zweite Kuppel steht in einiger Entfernung auf einem turmähnlichen Rundbau. Die Radarstationen sind eingezäunt und unterschiedlichste Antennen ragen über die Zäune hinaus.
Die Irish National Liberation Army, eine irische republikanische paramilitärische Gruppe, sprengete 1982 die Radarkuppeln. Sie behauptete fälschlicherweise, die Kuppeln würden von der NATO benutzt, wodurch die Irische Neutralität verletzt würde.
Die Radaranlagen auf dem Mount Gabriel sind über eine öffentlich zugängliche Straße erreichbar.
Nachdem wir alles besichtigt und auch die Aussicht reichlich genossen haben, machen wir uns auf die Suche nach Spuren der Kupferminen aus der Bronzezeit. Sie sollen an den südlichen und östlichen Hängen des Gabriels zu finden sein und aus einem Zeitraum von etwa 3200 bis 1500 v. Chr. Datieren. Es gibt am Mount Gabriel 25 Gruben und mehrere Schächte mit einer Länge von etwa neun Metern. In der Bronzezeit wurden die Gruben mit Steinwerkzeugen in den Fels geschlagen. Dabei wurde zuvor das Gestein mit Feuer erhitzt und dann mit Wasser rasch abgekühlt. Dadurch ließen sich die Steine bei der Bearbeitung leichter absplittern. In den Schächten und Abraumhalden wurden zahlreiche Steinschlägel und Stücke dieser Werkzeuge gefunden, die heute in der archäologischen Sammlung des National Museum of Ireland aufbewahrt werden. Die Abraumhalden bestehen vor allem aus dem zerkleinerten Gestein, aus dem die erzführenden Stücke ausgelesen wurden. Die Kupfererzvorkommen trugen wahrscheinlich zur verstärkten Besiedelung der Region um den Mount Gabriel und auf der Mizen Peninsula bei. Auch Derrycarhoon, das in der Nähe von Schull liegt, zählt zu den archäologischen Fundstellen dieser Gegend. Dort wurden unter einer mehr als 4 Meter dicken Torfschicht sechs bronzezeitliche Kupferminen gefunden, in denen sich zahlreiche Werkzeuge, darunter eine Holzleiter, erhalten haben.
Wir finden zwei Stolleneingänge, von denen einer vergittert ist und der andere von Gesteinsbrocken halb verschüttet. Es ist spannend, einen Blick in die dunklen Gänge zu werfen, vor allem, wenn man sich klar macht, wieviel Zeit vergangen ist, seit hier Menschen auf die Suche nach Erzen gingen.
Da die Dämmerung langsam heraufzieht, machen wir uns auf den Rückweg. Wir stolpern den felsigen Hang hinunter, bis wir schließlich wieder die schmale Straße erreichen. Zufrieden mit den interessanten Eindrücken, die wir auf dem Gabriel gesammelt haben, gehen wir schnellen Schrittes zurück nach Schull. Von jetzt ab werden wir den Mount Gabriel mit anderen Augen betrachten, wenn wir von unserem Cottage oder auf unseren Wanderungen sehen, wie er majestätisch das Dorf und die Bay überschaut.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

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Reisetagebuch – Südwest Irland – Ballydehob

People of the "Wild Atlantic Way" by Shay Hunston

Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula.

Tag 18 – 20.11.2017

Wetter: stark bewölkt, trüb – Temperatur 14 Grad – frischer Wind

Portraits:  People of the “Wild Atlantic Way” by Shay Hunston

Heute besuchen wir das kleine Örtchen Ballydehob, das einige Kilometer entfernt von Schull liegt. Wir haben erfahren, dass es hier eine Portrait-Ausstellung gibt, die wir uns anschauen wollen. Schon als wir in den Ort einfahren, sehen wir überrascht die ersten Großaufnahmen. Sie stehen gut sichtbar auf einem kleinen Rasenstück am Ortseingang. Noch wissen wir nicht, was es damit auf sich hat. Wir fahren durch Ballydehob, um in der Nähe der Bucht zu parken. Auf dem kurzen Weg dorthin, fallen mir in vielen Schaufenstern weitere Portraits in Schwarz-Weiß auf und ich verstehe, dass es sich hier um eine Ausstellung im öffentlichen Raum handelt.

Alte Eisenbahnbrücke, Ballydehob, Irland

Wir steigen aus und vorerst werde ich von der Kunst abgelenkt. Die Natur und die Geschichte ziehen mich in ihren Bann. Ich sehe hinüber zur alten Eisenbahnbrücke, ein elegantes Bauwerk aus Stein, das mit 12 Bögen die Stelle überspannt, wo ein kleiner Fluss in die Ballydehob Bay mündet. Sie ist ein Relikt aus der Zeit (1886 bis 1947) in der eine Schmalspurbahn von Skibbereen über Ballydehob bis nach Schull fuhr. Die Bay ist wegen der Ebbe für ein paar Stunden beinahe trocken gefallen und auf den so entstandenen kleinen Inseln haben sich ein paar Wasservögel eingefunden. Möwen kreisen kreischend in der Luft und lassen sich ab und zu in kleinen Gruppen auf den verbliebenen Wasserflächen nieder. Ich mache ein paar Fotos von der schönen alten Brücke und wir wenden uns dem Ort zu.
Staße in Ballydehob, Irland
Es ist ein hübscher Ort mit den typischen bunten Häusern, in denen es Pubs und Restaurants gibt, aber auch allerlei andere kleine Läden. Und da sehe ich sie wieder, die Portraits der Einwohner von Ballydehob. Sie sind an der Wand der Tankstelle ausgestellt und in vielen Schaufenstern. Die Schwarz-Weiß-Fotografien sind von hervorragender Qualität, die Portraitierten schauen den Betrachter direkt an. Manchmal nachdenklich, ein anderes Mal selbstbewusst. Es sind viele Kreative unter ihnen, wie die Texte unter den Portraits verraten. Beinahe unter jedem Portrait stehen kürzere oder auch längere Texte. Mal sind hier die Lieblingsgedichte der fotografierten Menschen zitiert oder Textelemente aus deren Lieblingsbüchern. Es gibt aber auch sehr persönliche Texte, die etwas darüber aussagen, was die Person bewegt, was sie erreicht hat oder noch erreichen will oder was sie sich für die Zukunft wünscht. Alle Portraits tragen in großen Buchstaben die Namen der Dargestellten.

People of the "Wild Atlantic Way", West-Irland, Shay Hunston

Der Fotograf bleibt ungenannt. Doch ich finde heraus, dass der Modefotograf Shay Hunston die Idee zu den Portraits hatte. Er ist sehr bekannt und fotografiert normalerweise Modelle in Paris und Mailand. Doch jetzt ist er für viele Monate mit seinem Projekt beschäftigt. Er hat sich vorgenommen, entlang des „Wild Atlantic Way“ Menschen zu fotografieren und die Portraits anschließend in den Schaufenstern der Läden auszustellen. Hierfür folgt er dem 2014 offiziell eröffneten „Wild Atlantic Way“, der über 2500 Kilometer entlang der Westküste Irlands verläuft und somit eine der längsten zusammenhängenden Küstenstraßen der Welt ist. Der „Wild Atlantic Way“ beginnt im Norden Irlands im County Donegal und endet in Kinsale im County Cork in Südirland. Er ist beschildert mit Straßenschildern, die eine weiße Welle auf braunem Grund zeigen.
Shay Hunston ist ein passionierter Fotograf, der viel Herzblut in dieses Fotoprojekt legt. Er fotografiert die Menschen in Irland mit viel Hingabe und Geduld, hört zu, was sie zu sagen haben und nimmt sich selbst vollkommen zurück. Einmütig erzählen alle seine Modelle von seiner Geduld und davon, dass er ihnen die Nervosität vor den Aufnahmen nahm. Ein großartiges Projekt und ein großer Künstler!
Am Ende seiner Arbeit will Shay Hunston ein Buch mit den Portraits herausgeben, dessen Erlös der „Royal National Lifeboat Institution“ zu Gute kommen soll.Ballydehob ist ein bemerkenswerter Ort, ein multikultureller Schmelztiegel kreativer Aktivität und das Zuhause von Malern, Schriftstellern, Musikern, Poeten, Bildhauern und Kunsthandwerkern. Die Gemeinde ermutigt sie, ihre kreativen und künstlerischen Talente zu verfolgen und zu entwickeln. Mit dem Zustrom von Künstlern in den 70er Jahren wurde Ballydehob als das”San Francisco der Mizen Halbinsel” bekannt. Am Abend wird in vielen Bars traditionelle Folk Musik gespielt und jedes Jahr im Frühling gibt es in Ballydehob ein Musikfestival.
Ballydehob ist eine Inspiration für alle und ein Beispiel dafür, wie eine multikulturelle Gesellschaft in Harmonie leben kann mit Sympathie und Mitgefühl für die Bedürfnisse der anderen.

Budd`s Restaurant, Ballydehob, Irland

Wir kommen an Budd`s Retaurant vorbei und sehen dort Mike Watkins mit einem Tee sitzen. Auch er wurde von Shay Hunston portraitiert. Der Künstler traf ihn täglich an einem Tisch vor Budd`s an und empfand große Sympatie für ihn. Unter dem Portrait von Mike Watkins steht folgendes Statement: I have sunshine in my heart and I never, ever, ever get upset about anything. I’m happy every single day and everybody else should be the same, and we should all hug each other and talk to each other. This I have learnt from a lifetime of experience.
Mike grüßt uns und wir gehen an ihm vorbei in das kleine Restaurant. Obwohl es noch früh am Mittag ist, sitzen hier schon eine ganze Reihe Leute. Beinahe alle Tische sind besetzt und es herrscht eine aufgeräumte Atmosphäre. Drei junge Frauen unterhalten sich und lachen häufig. Eine gemischte Gruppe isst gerade und es sind nur vereinzelt Worte von ihnen zu hören. Wir nehmen Platz und werden sofort freundlich bedient. Ein junger Mann bringt uns Wasser und wir bestellen ein Curry mit Reis. Ich schaue mich im Lokal um und sehe einen Mix aus irischer und indischer Dekoration. An den Wänden hängen viele Fotografien und ich rätsele, wo diese aufgenommen wurden. Indien? Südamerika? Tibet? Einige zeigen irische Landschaften, die unverkennbar sind. Unser Essen ist heiß, scharf und sehr schmackhaft. Wir fühlen uns wohl in dem lebendigen, gemütlichen Restaurant und bedauern, dass wir es nicht früher entdeckt haben. Es ist unser vorletzter Tag in Irland.

Zurück auf der Straße fallen mir zwei Zapfsäulen auf, die in der Nähe der Tankstelle etwas verloren an einer Mauer stehen. Hier gibt es Diesel für Traktoren, aber auch für PKW, wie ein Schild anzeigt. Auch das ist Irland. Hier ist manches anders als anderswo.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf eine Bronzestatue, die einen berühmten Ringer zeigt, der in Ballydehob lebte. Sie stellt Danno O’Mahony dar, der in Madison Square Gardens 1930 kämpfte.
Dann verlassen wir den kleinen Ort und fahren zurück nach Schull.

Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe

Ballydehob – People of the “Wild Atlantic Way”
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Gebt den Regenwürmern ein Zuhause!

Einige Regenwurmarten sind leider vom Aussterben bedroht. Doch wie beim Insektensterben, liegt es auch in diesem Fall in unseren Händen, dies aufzuhalten. Einige kleine Verhaltensänderungen unsererseits kann viel dazu beitragen, günstige Lebensbedingungen für den Regenwurm zu schaffen und damit das Überleben dieser Art zu sichern.
Regenwurm in meinem naturnahen Garten
Jetzt ist wieder Herbst und die Blätter fallen von den Bäumen. Dies sieht nicht nur schön aus, sondern ist Teil des biologischen Kreislaufes, der für unser Überleben auf der Erde extrem wichtig ist.
Leider haben sich seit einigen Jahren Gartengeräte durchgesetzt, die eine Arbeitserleichterung versprechen. Dazu gehören der Laubsauger und der Gasbrenner. Leider sind diese beiden Geräte, die den herkömmlichen Besen und das Gartenmesser ersetzen sollen, sehr schädlich für die kleinen Bodenbewohner, wie Regenwurm, Doppel- und Hundertfüßer und natürlich auch für allerlei Insektenarten, die alle entweder von den vermodernden Blättern leben, oder sie im Winter zum Schutz vor der Kälte benötigen.
Herbstlaub in meinem Gartenbeet

Laubsauger
Der Regenwurm z.B. zieht in einer einzigen Nacht bis zu 20 Blätter in den Boden. Dort lässt er sie in seiner Speisehöhle verrotten, um sie so als Nahrung aufzuarbeiten. Hat er sie dann gefressen, scheidet er sie in seinem Kot wieder aus. Wissenschaftler haben jetzt entdeckt, dass Regenwurmkot ein noch wertvollerer Dünger als Kompost ist. Und ganz nebenbei gräbt der Regenwurm die Erde beim Anlegen seiner Röhren um und belüftet damit die Wurzeln der Pflanzen.
Deshalb appelliere ich an alle Gartenbesitzer und Hausmeister, aber auch an die Kommunen:
Stellt den Unsinn mit den Laubsaugern ein!

Es ist weit besser und auch nicht so schwierig, einen Besen zu nehmen und die Blätter auf die Beete zu fegen. Dort können sie dann von den Regenwürmern verarbeitet werden, was nebenbei das Überleben dieser, für uns so wertvollen, Tierart sichert.
Gasbrenner
Eine weitere Unsitte ist, jedes noch so kleine Gräschen oder Pflänzchen mit Hilfe einer Gasflamme zu verbrennen. Dies ist eine Katastrophe für die Kleinlebewesen, die unter den Steinen und Platten leben. Asseln, Käfer und Larven, Würmer und Hundertfüßer, Feuerwanzen, Läuse, Milben usw. werden bei dieser Aktion bei lebendigem Leib geröstet. Welch schrecklicher Tod, dem sie nicht entkommen können!
Wie einfach wäre es dagegen, wenn die kleinen Pflänzchen denn wirklich als so störend empfunden werden – auch hier sollte allmählich ein Umdenken einsetzten – diese mit einem Gartenmesser oder einer Harke zu entfernen.
Auch hier wieder mein Appell, der besonders an die übereifrigen Hausmeister gerichtet ist:
Lasst den Gasbrenner im Keller und bückt euch, um die Pflänzchen auf dem Bürgersteig zu entfernen!

Die Kleinlebewesen werden es euch danken und mit ihnen künftige Generationen von Menschen, die auch noch auf der Erde leben möchten.
Wir sollten nicht vergessen, dass auch wir ein Teil des Ökosystems sind und auch unser Überleben auf Dauer nur sichergestellt werden kann, wenn das ganze System im Gleichgewicht bleibt.

Herbstlaub - Essigbaum

Herbstlaub auf den Beeten liegenlassen
Deshalb möchte ich hier alle Gartenbesitzer herzlich bitten, das Herbstlaub auf den Beeten liegenzulassen und so dem Regenwurm ein wertvolles Revier zu bieten, das sein Überleben sicherstellt.

Hier ein Portrait des Regenwurms, das ich auf der Internetseite des NABU gefunden habe. Der Autor dieses sehr detailierten wie auch hochinteressanten Beitrags ist Djuke Nickelsen. Veröffentlicht wurde der Artikel vom NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.
Der Regenwurm im Porträt

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Irish Apple Pie – Original Recipe from Ireland

Irish Apple Pie

Ingredients:
500 g apples
5 tablespoons Irish Whisky
180g butter
125 g brown sugar
3 eggs
180 g flour
2 teaspoons baking powder
a pinch of salt
icing sugar

Instructions:
Peel, core and cut the apples into thin slices. Cover with Whisky and leave it for half an hour.
Place butter, sugar and eggs into a bowl and mix it for at least 5 minutes until foamy.
Mix flour, salt and baking powder and stir into the mixture. Add apple slices and fold into the dough. Butter a pie pan and pour the mixture in.
Bake the apple pie on the middle rack at 220 °for 45 minutes. Take it out, let it cool down and ice with sugar.

Text and photo: © Xenia Marita Riebe

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