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	<title>Xenia Marita Riebe, Autor bei Blue Blog</title>
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	<description>Reisen durch Kultur und Natur</description>
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	<title>Xenia Marita Riebe, Autor bei Blue Blog</title>
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		<title>Zwischen Eider und Treene – Ferienwohnungen – Augen auf vor der Buchung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 May 2025 15:40:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[„Zwischen Eider und Treene“;]]></category>
		<category><![CDATA[äußerst steile Treppen im Hausflur und in der Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Bettwanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Deckenhöhe 170 cm; Westermarktstraße 7; Houssein Ali Jaber]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrichstadt; Schleswig Holstein]]></category>
		<category><![CDATA[Germany]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch nach Fäulnis]]></category>
		<category><![CDATA[Nähe Husum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sehr steile Treppen, keine Schränke, geringe Deckenhöhe, wenig Platz und Bettwanzen. Unterkunft gebucht, nach Zahlung automatisierte Nachricht mit Infos über sehr steile Treppen und geringe Deckenhöhe in der Ferienwohnung erhalten, versucht, Gastgeber zu erreichen, keinen Kontakt bekommen, Stornierung nur kostenpflichtig &#8230;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/zwischen-eider-und-treene-ferienwohnungen-augen-auf-vor-der-buchung">Zwischen Eider und Treene – Ferienwohnungen – Augen auf vor der Buchung</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sehr steile Treppen, keine Schränke, geringe Deckenhöhe, wenig Platz und Bettwanzen.</strong></p>
<p>Unterkunft gebucht, nach Zahlung automatisierte Nachricht mit Infos über sehr steile Treppen und geringe Deckenhöhe in der Ferienwohnung erhalten, versucht, Gastgeber zu erreichen, keinen Kontakt bekommen, Stornierung nur kostenpflichtig möglich.</p>
<figure id="attachment_8376" aria-describedby="caption-attachment-8376" style="width: 888px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8376 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom.jpg" alt="" width="888" height="558" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom.jpg 888w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-300x189.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-768x483.jpg 768w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-100x63.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-150x94.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-200x126.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-450x283.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-151154_Bookingcom-600x377.jpg 600w" sizes="(max-width: 888px) 100vw, 888px" /><figcaption id="caption-attachment-8376" class="wp-caption-text">Foto: booking.com</figcaption></figure>
<p>Die negativen Bewertungen zur Unterkunft „Zwischen Eider und Treene“ ergaben unter anderem folgendes: Üble Gerüchen, die aus der benachbarten Metzgerei ins Haus ziehen, Geruch nach Fäulnis, fehlende Schränke und Nachtschränkchen, viel zu enge Räume, eine unbenutzbare Terrasse und mangelnde Ausstattung der Küche.</p>
<p>Ein Urlauber berichtete, dass er im August 2024 in der Ferienwohnung das Bett voller Bettwanzen vorgefunden hatte.</p>
<p><strong>Weitere Gästebewertungen findest du weiter unten.</strong></p>
<p>Nun zu meiner Erfahrung mit der Ferienwohnung „Zwischen Eider und Treene“ und dem Anbieter derselben, Houssein Ali Jaber.</p>
<p>Ich buchte im Mai 2025 eine der Wohnungen mit zwei Schlafzimmern im Haus von Herrn Jaber im schönen Friedrichstadt – Schleswig Holstein – Germany. Ich hatte die ersten Gästebewertungen gelesen und alles schien gut zu sein. Nachdem ich bezahlt hatte, bekam ich mit der Buchungsbestätigung einige Infos zur Ferienwohnung. Diese lauteten wie folgt.</p>
<p>Zitat: <em>HINWEIS: Sollten Sie eine der beiden Wohnungen mit 2 Schlafzimmern gebucht haben, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Treppen im Hausflur sowie innerhalb einer Wohnung äußerst steil und für Gäste mit Hüft-, Knie- oder Rückenbeschwerden ungeeignet sind. Auch fällt die Deckenhöhe in einer Wohnung in einigen Bereichen auf 170 cm ab. In den beiden Schlafzimmern sowie im Wohnzimmer ist dies jedoch nicht der Fall. Gäste mit einer Körpergröße ab 180 cm können sich unter Umständen den Kopf stoßen.</em></p>
<figure id="attachment_8370" aria-describedby="caption-attachment-8370" style="width: 399px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-8370" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747.jpg" alt="" width="399" height="500" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747.jpg 604w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-240x300.jpg 240w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-100x125.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-150x188.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-200x250.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-300x375.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-450x563.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181747-600x751.jpg 600w" sizes="(max-width: 399px) 100vw, 399px" /><figcaption id="caption-attachment-8370" class="wp-caption-text">Treppe innerhalb der Wohnung mit Geländer und Fenster (Zugang) zur Terrasse</figcaption></figure>
<p>Außerdem wurde mir mitgeteilt, dass ich den Schlüssel zum Haus und zur Wohnung „Prag“ in einem Schlüsseltresor finden würde, der neben der Haustür hängt.<br />
Ich kontaktierte den Gastgeber und fragte, ob er mir sagen könne, wie weit die Infos über die steilen Treppen für die Wohnung „Prag“ zuträfen. Leider erhielt ich keine Antwort.<br />
Am nächsten Tag fragte ich an, ob Herr Jaber mir zwei Betten in unterschiedlichen Schlafzimmern beziehen lassen könne, denn ich benötigte zwei räumlich getrennte Schlafplätze. (Aus diesem Grund hatte ich die Zwei-Zimmer-Wohnung auf der Westermarktstraße 7 in 25840 Friedrichstadt gebucht.) Wieder bekam ich keine Antwort. Das erstaunte mich sehr, beschreibt Herr Jaber sich in seinem Inserat bei booking.com wie folgt.</p>
<figure id="attachment_8368" aria-describedby="caption-attachment-8368" style="width: 400px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-8368" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712.jpg" alt="" width="400" height="505" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712.jpg 604w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-237x300.jpg 237w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-100x126.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-150x189.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-200x253.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-300x379.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-450x568.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181712-600x758.jpg 600w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-8368" class="wp-caption-text">Der Kleiderschrank in dem sehr kleinen Schlafzimmer mit zwei Einzelbetten</figcaption></figure>
<p>Zitat: <em>Ich komme aus dem wunderschönen Tönning bei Sankt Peter-Ording und liebe fremde Kulturen und Sprachen! Diese Liebe zog mich bereits in sehr viele Länder dieser Welt. Als Gastgeber möchte ich sicherstellen, dass sich meine Gäste rundum wohlfühlen. Ich lege sehr viel Wert auf eine offene und direkte Kommunikation ohne Umwege. Ich betrachte Booking als einen Ort an dem sich viele verschiedene Menschen aus vielen verschiedenen Orten treffen und interagieren. Mein Ziel ist es möglichst viele dieser interessanten Persönlichkeiten kennenzulernen.</em></p>
<p>Ich frage mich, wie Herr Jaber möglichst viele interessante Persönlichkeiten kennenlernen will, wenn er weder mit den Gästen kommuniziert, noch sie persönlich empfängt. Tatsache ist, dass Herr Jaber nie eine Anfrage beantwortet, was in vielen Reviews nachzulesen ist und dass der Zugang zu seinen Wohnungen ausschließlich über Schlüsseltresore geregelt ist.</p>
<figure id="attachment_8367" aria-describedby="caption-attachment-8367" style="width: 400px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8367" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652.jpg" alt="" width="400" height="518" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652.jpg 604w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-232x300.jpg 232w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-100x129.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-150x194.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-200x259.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-300x388.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-450x583.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181652-600x777.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-8367" class="wp-caption-text">Die Deckenhöhe im Bad misst 170 cm. Achtung! Für große Menschen nicht geeignet.</figcaption></figure>
<p>Nun zu den sehr steilen Treppen.<br />
Ich habe häufig Schleimbeutelentzündungen in den Knien. Dies insbesondere, wenn ich lange im Zug sitze und danach weit gehe. Weil mein Mann und ich mit der Bahn nach Friedrichstadt reisen wollten, befürchtete ich, dass ich die steilen Treppen nicht bewältigen könne. Deshalb hätte ich gerne gewusst, ob der Hinweis für die Wohnung „Prag“ zutrifft. Auch war ich sehr unsicher, was die Betten anging. Auf den Fotos bei booking.com sind nur französische Doppelbetten zu sehen, die mit durchgehender Bettwäsche bezogen sind. Ich sorgte mich, dass ich diese Bettsachen nicht so einfach teilen könnte, um zwei Betten in getrennten Zimmern damit zu beziehen. Von Herrn Jaber hatte ich auf meine Anfrage diesbezüglich immer noch keine Antwort erhalten.</p>
<p>So überlegten wir, ein Bettlaken und eine Zudecke von Zuhause mitzunehmen, was natürlich erheblich mehr Gepäck für die Zugreise bedeutete.</p>
<figure id="attachment_8372" aria-describedby="caption-attachment-8372" style="width: 482px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8372" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835.jpg" alt="" width="482" height="500" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835.jpg 582w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-289x300.jpg 289w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-100x104.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-150x156.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-200x208.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-300x311.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181835-450x467.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px" /><figcaption id="caption-attachment-8372" class="wp-caption-text">Treppe von der Wohnung zur Haustür</figcaption></figure>
<p>In Husum angekommen fuhren wir nach Friedrichstadt und überzeugten uns selbst von den Zuständen im Haus „Zwischen Eider und Treene“. Als wir alles so vorfanden, wie wir vermutet hatten, stornierten ich noch vor Ort. Diese Stornierung war jedoch kostenpflichtig. Herr Jaber behielt von den 288,10 €, die ich bezahlt hatte, 188,10 € zurück. Den Rest von 100,- €, der mir auf jeden Fall zugestanden hätte, habe ich bis heute nicht bekommen.</p>
<p>Wieder Zuhause versuchte ich die Miete für die Wohnung, die wir nicht benutzt hatten, zurückzubekommen. Ich fühlte mich bewusst getäuscht, denn die Informationen über die steilen Treppen und die geringe Deckenhöhe müssten zwingend in der Beschreibung der Wohnung stehen.</p>
<p>Hier kommt nun booking.com ins Spiel. Ich habe mehrfach per E-Mail mein Anliegen beschrieben, habe all meine Daten offengelegt, die Antwort war so nutzlos wie unbefriedigend. Man teilte mir mit, dass für die Stornierung der Wohnung Stornogebühren in Höhe von 188,10 € anfallen. Das wusste ich bereits!</p>
<figure id="attachment_8366" aria-describedby="caption-attachment-8366" style="width: 400px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8366" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617.jpg" alt="" width="400" height="557" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617.jpg 560w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-215x300.jpg 215w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-100x139.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-150x209.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-200x279.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-300x418.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181617-450x627.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-8366" class="wp-caption-text">Deckenhöhe 170 cm</figcaption></figure>
<p>Dann telefonierte ich lange mit einer freundlichen Mitarbeiterin von booking.com. Aber auch diese konnte oder wollte mir nicht weiterhelfen. Ich wies mehrfach darauf hin, dass Herr Houssein Ali Jaber, der Eigentümer des Gästehauses „Zwischen Eider und Treene“ seine Gäste erst nach der Buchung über die steilen Treppen und die geringe Deckenhöhe informiert und dies schon seit Jahren so praktiziert. Außerdem gibt es in der Wohnung noch weitere erhebliche Mängel. Auch darauf wies ich immer wieder hin. Doch booking.com reagiert nicht darauf. Das Inserat von Herrn Jaber ist nach wie vor unverändert auf der Plattform aktiviert. Nach wie vor werden die Urlauber getäuscht. Nach wie vor verbringen Urlauber ihre Zeit in Friedrichstadt im Hotel, obwohl sie über booking.com die Unterkunft „Zwischen Eider und Treene“ gebucht und bezahlt haben. Nach wie vor bleiben getäuschte und enttäuschte Urlauber auf den erheblichen Stornokosten sitzen.</p>
<p>Da liegt der Verdacht nahe, dass booking.com nicht auf die Gebühren von 10% pro Buchung verzichten will, ganz gleich, ob die Reisenden von Herrn Jaber hinter das Licht geführt werden.</p>
<p>Die Konsequenz aus dem Handeln von Herrn Jaber müsste sein, dass booking.com den Vertrag mit ihm aufkündigt.</p>
<p>Mein Mann und ich fanden also in der Ferienwohnung alles wie in den negativen Bewertungen beschrieben vor. Auch die Infos, die wir von Herrn Jaber nach der Buchung erhielten, stimmten leider. Die Treppe, die zu den oberen Wohnungen führt, ist derart steil, dass sie weder für jüngere Kinder, noch für ältere Menschen zu bewältigen ist. Auch einen schweren Koffer möchtest du nicht über diese Treppe nach oben tragen. Die Gefahr ist groß, damit hinunterzufallen. Hat jemand Schmerzen in den Knien oder in der Hüfte, oder gar OPs hinter sich, kann er unmöglich über diese Treppe zu den Ferienwohnungen hinaufklettern.</p>
<p>Nach dem Öffnen der Wohnungstür stehst du vor einer weiteren sehr steilen Treppe. Diese führt in den Wohnraum, wo ein Geländer den Gast davor schützen soll, nicht kopfüber die steile Treppe hinabzustürzen. Denn das würde den Tod zur Folge haben. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wenn Kinder an diesem Geländer turnen. Eltern, die die Wohnung mit Kindern nutzen wollen, können diese keine Minute unbeaufsichtigt lassen.</p>
<figure id="attachment_8371" aria-describedby="caption-attachment-8371" style="width: 375px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8371" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810.jpg" alt="" width="375" height="500" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810.jpg 604w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-225x300.jpg 225w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-100x133.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-150x200.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-200x267.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-300x400.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-450x600.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/20250506_181810-600x801.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px" /><figcaption id="caption-attachment-8371" class="wp-caption-text">Die wenig einladende Terrasse kannst du nur betreten, indem du durch das Fenster kletterst.</figcaption></figure>
<p>Alle anderen Mängel, die ich aus den Bewertungen früherer Gäste zitieren werde, fanden wir bestätigt. Dazu kommt, dass du, wenn du die Terrasse benutzen willst, durch das Flurfenster klettern müsstest.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Zitate aus Reviews:</strong></p>
<p>Mihael – 17. Mai 2024<br />
…..<br />
Erst nachdem nichtstornierbar gebucht war erreichte mich die Nachricht, dass die Wohnung nur für junge und kleine Menschen geeignet ist, wegen eines steilen und niedrigen Treppenhauses. Da hatte ich dran zu knabbern mit meinem Rücken. ….</p>
<p>Heinrich – 25. August 2024</p>
<p>Wir konnten die Wohnung leider nicht lange nutzen und mussten wegen extremen Bettwanzen (Parasiten) -befall abreisen. Sie waren in der ganzen Wohnung. Es ist eine sehr ekelige Angelegenheit. ….</p>
<p>…..Die Treppe zur Wohnung ist für Kleinkinder und Kinder und ältere Menschen nicht zumutbar. Sie ist sehr steil! Der Eigentümer wurde informiert, kam uns leider mit den Kosten überhaupt nicht entgegen. Im Gegenteil, es kam keinerlei Rückmeldung von ihm auf unser Schreiben! An sich wäre es eine schöne Wohnung, aber leider in den Bettritzen, Betten und an den Wänden krabbeln diese Ungeziefer!</p>
<p>Sandro – 28. Dezember 2024</p>
<p>Enttäuschend    Bewertet mit 4,0</p>
<p><span id="Rahmen1" dir="ltr"></span> Nicht funktionierende Heizung im Bad &#8211; Ausstattung der Küche eher spärlich &#8211; Schlechtes und deshalb nicht zu gebrauchendes Wlan &#8211; Nicht funktionierender Smart TV &#8211; Steile Treppe, leider erst in der Bestätigungsemail erwähnt &#8211; schlecht isolierte Fenster &#8211; Wohnung für 4 Personen nicht geeignet, kaum Abstellflächen, Sofa maximal für 2 Personen Wir haben am Tag unserer Anreise den Vermieter über die Mängel informiert. &#8222;Wir kümmern uns&#8220; war leider alles, was wir zu hören bekommen haben. Wir hatten Verständnis, dass während der Weihnachtstage nicht alles sofort behoben werden konnte. Es wurden aber weder die Mängel behoben, noch wurde auf unser Nachfragen reagiert oder Lösungsvorschläge kommuniziert. Es wurde die Situation einfach ausgesessen.</p>
<p>Walter – 28.Juli 2024</p>
<p>&#8230;..schlecht ausgestattet. Nicht einmal Salz und Pfeffer waren vorhanden. Die Aussensitzgelegenheiten waren komplett durchnässt und mussten getrocknet werden. Stadtblick ist total übertrieben, Hinterhof</p>
<p>Richter – 1. November 2024</p>
<p>Beim Betreten der Ferienwohnung kam einem bereits ein muffiger Geruch entgegen. Die Ferienwohnung selbst roch ebenfalls sehr unangenehm, als ob etwas am vergammeln ist. …<br />
Von der Metzgerei nebenan kam auch ein sehr unangenehmer Geruch in die Wohnung.</p>
<p>Michaela – 16. Mai 2023</p>
<p>Zu teuer für die Bleibe mit niedrigen Decken und magerer Ausstattung.<br />
….Erst nach der Buchung, gibt es die Info, dass die Treppen sehr steil sind und dass alle über 1,70 sich ständig irgendwo stoßen können. Sehr unangenehm. Das muss bei der Buchung klar sein .</p>
<p>Constanze 5. Mai 2024</p>
<p>Haustiere willkommen, Raucher auch, Gäste&#8230;ich weiß nicht?    Bewertet mit 5,0</p>
<p>War ich Ihr erster Gast in diesem Jahr? Ich hätte mir gewünscht, daß vorher gelüftet und geheizt werden würde. Der Geruch nach feuchtem Holz&#8230;nasser Hund(?) ist heftig, in Haus und Hof. Auch aus den Abflüssen! Haben Sie selbst schon mal dort geschlafen? Bitte checken Sie dort mit Gepäck für einige Tage ein und beantworten Sie mir dann die Fragen. Wo soll der Koffer abgestellt werden? Auf dieser angehängten(beidseitig aus den Fugen geplatzten)Konsole am Fußende? Es gibt keinen Schrank, man muss aus dem Koffer leben. Es gibt keine Möglichkeit den Mantel anzuhängen! Es gibt nicht mal einen Stuhl. Es gibt zwar einen Fernseher, nur hängt der über dem Sofa, Sie schauen davor stehend? Auch im Bett TV schauen würde nicht gehen, 30cm über dem Bettgiebel baumelt eine Lampe. Brille oder Handy abends ablegen geht auch nicht in Bettnähe, es gibt keinen Nachttisch. Warum wurde ein Spiegel so angebracht, dass das Licht der Laterne vom Haus gegenüber genau ins Bett scheint? Warum gibt es weder Gardinen noch Verdunklungsmöglichkeiten? Siehe Foto Warum steht das Bett so zum Licht ausgerichtet? Wozu steht dort eine Waschmaschine ,aber keine Wäscheleine oder Wäscheständer? Ich hätte sehr gern die Tischdecke, Geschirrtücher und den Bettvorleger gewaschen! Den gebrauchten Aschenbecher sollten Sie mir auch erklären . Sie erwarten in Ihrer Hausordnung in mehreren Punkten folgsames Benehmen von den Gästen, sonst melden Sie uns bei Booking. Das empfinde ich als unangemessen im Ton, wir sind zahlende Gäste. Ich halte den geforderten Preis für zu hoch.</p>
<p><strong>Weitere Bewertungen findest du hier als Screenshots</strong></p>
<p><strong>Extremer Bettwanzenbefall</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8409" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="686" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom-189x300.jpg 189w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom-100x159.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom-150x238.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom-200x318.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172502_Bookingcom-300x476.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Steile Treppe, leider erst in Bestätigungsmail erwähnt,</strong></p>
<p><strong>Wohnung für 4 Personen nicht geeignet</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8410" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="624" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom-208x300.jpg 208w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom-100x144.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom-150x217.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom-200x289.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172533_Bookingcom-300x433.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Geruch nach feuchtem Hund, keine Ablagemöglichkeit am Bett</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8412" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="749" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom-173x300.jpg 173w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom-100x173.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom-150x260.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom-200x347.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172642_Bookingcom-300x520.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Laterne scheint genau ins Bett, keine Verdunklungsmöglichkeiten</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8413" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="465" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom-279x300.jpg 279w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom-100x108.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom-150x161.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom-200x215.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172659_Bookingcom-300x323.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Wohnung nur für junge und kleine Menschen</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8420" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="647" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom-200x300.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom-100x150.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom-150x225.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173117_Bookingcom-300x449.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Terrasse ist ein kleines Rechteck, von nackten Mauern umgeben,</strong></p>
<p><strong>Lärm im Haus ab 7 Uhr </strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8414" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="757" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom-171x300.jpg 171w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom-100x175.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom-150x263.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom-200x350.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172724_Bookingcom-300x526.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Muffiger Geruch, Teppiche und Couch extrem schmutzig, Hundehaare, Vogeldreck</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8411" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="684" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom-189x300.jpg 189w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom-100x158.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom-150x238.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom-200x317.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172610_Bookingcom-300x475.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Bei der Buchung muss klar sein</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8419" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="389" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom-300x270.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom-100x90.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom-150x135.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-172928_Bookingcom-200x180.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p><strong>Muffiger Geruch und Schimmel</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8421" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom.jpg" alt="" width="432" height="473" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom.jpg 432w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom-274x300.jpg 274w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom-100x109.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom-150x164.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom-200x219.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot_20250518-173158_Bookingcom-300x328.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px" /></p>
<p>Noch mehr Bewertungen findest du auf unterschiedlichen Vermietungsportalen. Relevant sind natürlich die negativen Reviews, da diese garantiert nicht manipuliert sind. Positive Bewertungen von Freunden und Familie zu erhalten ist recht einfach. Dazu kommt, dass die Bewertungen nicht chronologisch veröffentlicht werden, sondern immer die positiven oben stehen. Das macht es Gastgebern wie Houssein Ali Jaber sehr leicht.</p>
<p>Erfahrungsbericht: © Xenia Marita Riebe; Fotos: Bernd Riebe</p>
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			</item>
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		<title>Royal Albert Bone China – Die Königin des Porzellans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 14:43:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Bone China-Keramik]]></category>
		<category><![CDATA[florale Designs]]></category>
		<category><![CDATA[Frühstück und Dessert]]></category>
		<category><![CDATA[Royal Albert; Lavender Rose;Prinz Albert; Bone China; Knochenporzellan; König George VI]]></category>
		<category><![CDATA[Services für Tee]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#160; Bone China, deutsch Knochenporzellan, hat seinen etwas seltsam klingenden Namen, weil zur Herstellung des Porzellans bis zu 50 Prozent verglühte Knochenasche verwendet wird. Der hohe Anteil an Calciumoxid und Calciumphosphat der Knochenasche verleiht dem Porzellan seine besondere Transparenz. Das &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_8336" aria-describedby="caption-attachment-8336" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8336 size-slgf_12_thumb" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084106-500x489.jpg" alt="Royal Albert - Lavender Rose" width="500" height="489" /><figcaption id="caption-attachment-8336" class="wp-caption-text">Royal Albert &#8211; Lavender Rose &#8211; Gedeck</figcaption></figure>
<p>Bone China, deutsch Knochenporzellan, hat seinen etwas seltsam klingenden Namen, weil zur Herstellung des Porzellans bis zu 50 Prozent verglühte Knochenasche verwendet wird. Der hohe Anteil an Calciumoxid und Calciumphosphat der Knochenasche verleiht dem Porzellan seine besondere Transparenz. Das Patent zu dieser Verfeinerung der Porzellanherstellung meldete im Jahr 1748 Thomas Frye , der künstlerische und technische Direktor der Bow Porcelain Factory in Stratford Le Bow an. Zwischen 1789 und 1793 entwickelte Josiah Spode in seiner Fabrik in Stoke-on-Trent das Verfahren weiter, hin zu feinstem Knochenporzellan.</p>
<p>Die Geschichte des Royal Albert Porzellans basiert auf den Entwicklungen des 18. Jahrhunderts, die aus dem bis dahin üblichen Frittenporzellan (unechtes Porzellan) das heute bekannte Porzellan entstehen ließen. 1896 wurde die Manufaktur „Albert Works“ gegründet. Deren Eigentümer, Thomas Wild, gab im Jahr 1895 seiner Fabrik, zu Ehren der Geburt von Prince Albert Frederick Arthur George of York, den Namen „Royal Albert“.<br />
Prinz Albert, der spätere König George VI, war der Urenkel der regierenden Königin Victoria und wurde nach seinem Urgroßvater Prinz Albert, dem Ehemann der Königin benannt. Prinz Albert war auch der Vater der Königin Elisabeth II.</p>
<p>Thomas Wild und seine Söhne spezialisierten sich auf Services für Tee, Frühstück und Dessert, die florale Designs trugen. Sie begründeten den hervorragenden Ruf, die Produktion von zartem, weißem Porzellanen betreffend und festigten diesen bis heute. Royal Albert Porzellan wurde immer wegen seiner Zartheit, seiner Transparenz und seiner perlweißen Qualität bewundert. Es glänzte auf den Tischen der Tea- Partys des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Heute ist das Porzellan weniger zum Gebrauch bestimmt. Es wurde zum Objekt für SammlerInnen, die weltweit ihre Lieblingsstücke von Royal Albert mit Adjektiven wie romantisch, bezaubernd, wunderschön, feminin, blumig und zart beschreiben. Die Faszination, die von Geschirr aus der Royal Albert Produktion ausgeht, seien es Tassen, Teller, Kannen oder Zuckerdosen – alle mit floralen Mustern, die auf Rosen basieren – ist bis heute ungebrochen.</p>
<figure id="attachment_8337" aria-describedby="caption-attachment-8337" style="width: 384px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8337 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212.jpg" alt="Royal Albert - Lavender Rose" width="384" height="355" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212.jpg 384w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212-300x277.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212-100x92.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212-150x139.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084212-200x185.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px" /><figcaption id="caption-attachment-8337" class="wp-caption-text">Royal Albert &#8211; Lavender Rose &#8211; Detail</figcaption></figure>
<p>Inspiriert wurden die Designer der Royal Albert Reihen mit so wohlklingenden Namen wie Lavender Rose, Old Country Roses und Moss Rose seit je von den englischen Landgärten und von der Nationalblume, der Rose. Viele frühe Formen waren geriffelt und enthielten florale Motive und reiche Muster in Rot-, Grün- und Blautönen nach dem Vorbild der beliebten japanischen Imari-Muster.</p>
<p>Es waren die Designer von Royal Albert, die den unverkennbar englischen weltweit beliebten Stil entwickelten. Sie waren es, die die Feinheit, das Weiß und die Reinheit der Bone China-Keramik mit sinnlichen Rokoko-Formen und floralen Mustern kombinierten. Die englische Vorliebe für Cottage-Gärten und schattige Wälder inspirierte zuTausenden von Motiven, die der Mode der jeweiligen Zeit angepasst und aktualisiert wurden. Ein Beispiel hierfür sind die lebhaften floralen Muster des Art Déco der 1920er Jahre.<br />
Harold Holdcroft ist wahrscheinlich der berühmteste Designer von allen bei Royal Albert.<br />
Er entwarf Old Country Roses. Dafür kombinierte er üppige, tiefrote Rosen mit der Wärme von Teerosen und der Zartheit von Rosatönen, die durch einen Hauch von Grün gemildert wurden. Vervollständigt hat er das erfolgreiche Design mit Goldtupfern und einem Goldrand. Dieses klassische Muster unterstreicht die vollmundige und geschwungene Form des Montrose-Geschirrs.</p>
<p>Harold Holdcroft wurde 1972 von Peter Roberts abgelöst, der die Tradition der floralen Designs fortsetzte.<br />
Und bis heute blieb das natürliche Design eine Leidenschaft bei der Gestaltung das Royal Albert Porzellans.<br />
Auch die Verbindung zum Königshaus ist erhalten geblieben. Royal Albert hat zwei königliche Patronatsurkunden und gedenkt weiterhin wichtiger Ereignisse und Jahrestage. Zuletzt, im Jahr 2002, beging Royal Albert das Goldene Jubiläum der Thronbesteigung von Königin Elizabeth II. und den Tod von Königin Elizabeth, der Königinmutter, mit kleinen Kollektionen. Bereits 1897 wurden in der Royal Albert Factory die ersten Royal-Gedenkmünzen anlässlich des Diamantenen Jubiläums von Königin Victoria hergestellt.</p>
<p>Royal Albert Porzellan zu besitzen, bedeutet also, ein Stück Geschichte in den Händen zu halten, denn dieser bekannte Name war von Anfang an mit dem Königshaus verbunden.</p>
<p>Heute umfasst das beeindruckende, elegante Portfolio von Royal Albert Geschirr Designs wie: Old Country Roses, Lavender Rose, Lilac Lane, Paradise, Rose Clouds, Flower of the Month und viele mehr. Ergänzt werden die Service-Reihen durch eine Vielzahl von Geschenkartikeln und Sammelsets.<br />
Wie seine Kunden auf der ganzen Welt bleibt Royal Albert „&#8230;.passionate about florals“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_8338" aria-describedby="caption-attachment-8338" style="width: 205px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8338 size-medium" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-205x300.jpg" alt="Royal Albert - Lavender Rose" width="205" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-205x300.jpg 205w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-100x146.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-150x219.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-200x292.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-300x438.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428-450x657.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/12/20241205_084428.jpg 452w" sizes="auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px" /><figcaption id="caption-attachment-8338" class="wp-caption-text">Royal Albert &#8211; Lavender Rose &#8211; Detail</figcaption></figure>
<p>Die Autorin dieses Artikels liebt insbesondere die Services aus der Reihe Lavender Rose.</p>
<p>1961 führte Royal Albert das zarte Rosendesign von Lavender Rose ein.</p>
<p>Die Lavender Rose Collection besticht mit kleinen rosa Rosen und lavendelfarbenem und grünem Blattwerk, das vor einem sanft geriffelten weißen Rand steht, der mit 22 karätigem Gold überzogen ist. Das Muster wird durch die zart gewellten Texturen der Montrose-Form ergänzt.</p>
<p>Leider wird dieses Geschirr seit vielen Jahren nicht mehr hergestellt. Deshalb hat es sich zu einem begehrten <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/52cfa6fcc31d4f929ba8c4a8451cca65" alt="" width="1" height="1" />Sammlerobjekt entwickelt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Fotos und Text: © Xenia Marita Riebe</p>
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		<title>Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Mar 2024 15:38:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[„Aktion wider den undeutschen Geist“Bücherverbrennung]]></category>
		<category><![CDATA[10. Mai 1933]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin; Opernplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Goebbels]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du nicht willst, dass Bücher, ganz gleich welcher Art, verbrannt werden, dann wähle nicht die AfD oder die WerteUnion und verhindere so den Rückfall in solch barbarische Zeiten, wie die des Nationalsozialismus. Bücherverbrennungen durch die Studentenschaft in der Zeit &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn du nicht willst, dass Bücher, ganz gleich welcher Art, verbrannt werden, dann wähle nicht die AfD oder die WerteUnion und verhindere so den Rückfall in solch barbarische Zeiten, wie die des Nationalsozialismus.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8271" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02.jpg" alt="" width="450" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung-02-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>Bücherverbrennungen durch die Studentenschaft in der Zeit des Nationalsozialismus</strong>.</p>
<p><em>„Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine)<br />
</em>Nachdem in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten Millionen von Menschen nach der Vergasung in Krematorien verbrannt wurden und nach den Bücherverbrennungen, die nur wenige Jahre zuvor in 73 deutschen Städten zelebriert wurden, scheint dieser Satz von Heinrich Heine geradezu prophetisch.<br />
(Der Satz ist Teil von Heines Tragödie „Almansor“ von 1821 und bezieht sich auf eine Koran-Verbrennung nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter.)</p>
<p>Am 10. Mai 1933 wurden auf dem Opernplatz in Berlin im Rahmen der von der Deutschen Studentenschaft durchgeführten „Aktion wider den undeutschen Geist“ mehr als 20 000 Bücher verbrannt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-8269 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04.jpg" alt="" width="450" height="311" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04-300x207.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04-100x69.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04-150x104.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_04-200x138.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Joseph Goebbels, der Reichspropagandaleiter der NSDAP und Gauleiter von Berlin, hielt vor dem Scheiterhaufen eine Rede. In seinem Tagebuch notierte er am 11. Mai: „Am späten Abend Rede Opernplatz. Vor dem Scheiterhaufen der von Studenten entbrannten Schmutz- und Schundbücher. Ich bin in bester Form. Riesenauflauf.“<br />
Verbrannt wurden Bücher von jüdischen, marxistischen und pazifistischen Schriftstellern, darunter so bekannte Schriftstellerinnen wie Bertha von Suttner, Vicky Baum, Anna Seghers, Rosa Luxemburg, Marieluise Fleißer, Nelly Sachs, Grete Weiskopf und bekannte Schriftsteller wie Heinrich Mann, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Erich Maria Remarque, Carl Sternheim, Karl Liebknecht, Heinrich Heine, Albert Einstein, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Stefan Zweig, Klaus Mann, Franz Werfel, Walter Benjamin, Heinrich Eduard Jacob, Ernst Bloch, Ernst Toller, Theodor Lessing, Arnold Zweig, Sigmund Freud, Salomo Friedlaender, Max Brodt, Alfred Döblin, Arthur Schnitzler, Otto Dix, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Erich Kästner, Alfred Kerr, Iwan Goll, George Grosz, Heinrich Eduard Jacob, Egon Erwin Kisch, Karl Marx, Robert Musil, Felix Salten, Alexander Lernet-Holenia, Erwin Piscator, Jacob Wassermann, Jaroslav Haŝek, Ödön von Horváth, Alfred Polgar, Georg Kaiser, Georg Lukács, Carl von Ossietzky, Siegfried Kracauer, Karl Kraus Ludwig Marcuse, Ludwig Renn, Günther Weisenborn und andere.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-8267 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01.jpg" alt="" width="450" height="311" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01-300x207.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01-100x69.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01-150x104.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_01-200x138.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>70 000 Menschen waren gekommen, um dem makaberen „Schauspiel“ beizuwohnen. Als einziger Autor anwesend war Erich Kästner, der später schrieb: „Der düster feierliche Pomp verlieh diesen Veranstaltungen den Rang eines einmaligen Autodafé in der Kontinuität der geschichtlichen Reihe von der Antike bis zur jüngsten Gegenwart.“<br />
Und wirklich standen die Bücherverbrennungen der Nazis in einer Reihe mit den Bücherverbrennungen, die über die Jahrhunderte immer wieder in unterschiedlichen Systemen und unter verschiedenen Vorzeichen durchgeführt wurden. Bei Wikipedia findet sich eine Auflistung der Bücherverbrennungen, beginnend mit Verbrennung der Bücher philosophischer Schulen unter dem chinesischen Kaiser Qin Shihuangdi 213 v. Chr. bis hin zum Februar 2022, als die russischen Besatzungstruppen systematisch ukrainische Bücher zerstörten und verbrannten.<br />
Auch unter deutscher Regie wurden schon vor dem 10. Mai 1933 in großem Stil Bücher verbrannt.<br />
Während des deutschen Vormarsches durch Belgien wurde am 25. August 1914 die Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Löwen von Truppen des Deutschen Kaiserreichs niedergebrannt. Es war eine Vergeltungsmaßnahme gegenüber vermeintlichen Angriffen von Partisanen, die Franc-tireurs oder französische Heckenschützen genannt wurden. Die Aktion, die den unwiederbringlichen Verlust von etwa 1000 mittelalterlichen Handschriften, 800 Inkunabeln und 300.000 Büchern zur Folge hatte, löste Entsetzen in der ganzen Welt aus.<br />
Unvorstellbar ist, dass die Universitätsbibliothek, die inzwischen wieder aufgebaut worden war, am 16. Mai 1940 von vorrückenden Truppen der deutschen Wehrmacht erneut zerstört wurde. 900.000 Bücher verbrannten.<br />
Doch nie im Laufe der Geschichte wurden Bücher in einem solchen Ausmaß (20000 Exemplare allein in Berlin) verbrannt, wie unter den Nationalsozialisten im Jahr 1933. Und noch nie wurde dies mit einem solchen Pomp getan, wie dort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8268" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03.jpg" alt="" width="327" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03.jpg 327w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03-218x300.jpg 218w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03-100x138.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03-150x206.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03-200x275.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/buecherverbrennung_03-300x413.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px" /></p>
<p>Hier ein Beispiel dokumentiert von der Zeitung Neues Mannheimer Volksblatt vom 20. Mai 1933.<br />
<em>„Der Einmarsch des Fackelzuges auf den Rasenplatz dauerte nahezu dreiviertel Stunden. Es waren viele Tausende, die daran teilnahmen: die Studentenschaft der Handelshochschule gemeinsam mit der SA, die Ingenieurschule, der DHV und verschiedene andere nationale Verbände. Etwa acht Musikkapellen marschierten mit. Am Ende fuhr ein Wagen, auf dem sich die dem Tode geweihten Bücher befanden und eine große Fahne Schwarz-Rot-Gold, die mit den Büchern dem Feuer übergeben wurde. Nach Eintreffen der Zugspitze wurde ein Holzstoß in Brand gesetzt, der bald in mächtigen Garben zum nächtlichen Himmel empor loderte und den Platz weithin erhellte, sodass die Sternlein, die neugierig herabschauten, etwas verblassen mussten. Nach Absingen des Horst-Wessel-Liedes flammte der Scheiterhaufen auf und verzehrte die Bücher, die undeutschen Geistes voll. Mit klingendem Spiel ging es dann wieder in die Stadt zurück.“</em></p>
<p>Die „Liste des schändlichen und unerwünschten Schrifttums“ (Schwarze Liste) wurde nach der Aktion „Wider den undeutschen Geist“ (Bücherverbrennung) ständig aktualisiert und ab 1935 regelmäßig herausgegeben. Sie umfasste schließlich 12.400 Titel und das Gesamtwerk von 149 Autoren.<br />
Es gab auch die „Weiße Liste“, auf der von den Nationalsozialisten Autoren und ihre Werke empfohlen wurden.<br />
Auf dieser Liste fand sich der Autor Oskar Maria Graf wieder, obwohl während seiner zufälligen Abwesenheit die Polizei in seiner Münchener Wohnung erschienen war, um ihn zu verhaften. Dabei beschlagnahmte sie unwiederbringliche Manuskripte, mühsam zusammengetragenes Quellenstudien-Material, sämtliche Geschäftspapiere und einen großen Teil seiner Bücher.<br />
Oskar Maria Graf war so entsetzt darüber, dass er auf der „Weißen Liste“ der Nazis geführt wurde, dass er nachträglich die Verbrennung seiner Bücher forderte. Am 12. Mai 1933 veröffentlichte er einen Aufruf mit dem Titel „Verbrennt mich!“ in der Wiener Arbeiter Zeitung.</p>
<p>Die Bücherverbrennungen in Nazi-Deutschland vom Mai 1933 hatte ein solches Ausmaß, dass im Internet auf vielen Seiten Informationen darüber zu finden sind, darunter Listen der verbrannten Bücher und Listen der Autoren, die verhaftet, gefoltert, ermordet, ins Konzentrationslager gesteckt, ins Exil getrieben und mit Schreibverbot belegt wurden.<br />
Bei weiterem Interesse informiere dich bitte dort.</p>
<p>Text:<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/3c830e11ff4c4e719424f5a7434d049e" alt="" width="1" height="1" /> Xenia Marita Riebe<br />
Fotos: Bundesarchiv</p>
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		<title>„Ich will als Mann leben“ beschloss Sigmund Freuds Nichte und nannte sich fortan Tom Freud.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Mar 2024 16:15:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Bilderbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Die Fischreise]]></category>
		<category><![CDATA[Freudscher Versprecher]]></category>
		<category><![CDATA[Jankew Seidmann]]></category>
		<category><![CDATA[Künstler]]></category>
		<category><![CDATA[Künstlerin]]></category>
		<category><![CDATA[Martha Gertrud Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalytikerin]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Seidmann-Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du möchtest, dass sich Mädchen und Frauen auch weiterhin von ihrem angeborenen Geschlecht distanzieren und selbstbestimmt leben können, dann wähle nicht die AfD oder die WerteUnion. Die Erinnerung an die liebenswürdigen Unterhaltungen mit Leuten, die dich schaudern machten, und &#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn du möchtest, dass sich Mädchen und Frauen auch weiterhin von ihrem angeborenen Geschlecht distanzieren und selbstbestimmt leben können, dann wähle nicht die AfD oder die WerteUnion.</strong></p>
<figure id="attachment_8249" aria-describedby="caption-attachment-8249" style="width: 439px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8249 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud.jpg" alt="" width="439" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud.jpg 439w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud-293x300.jpg 293w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud-100x103.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud-150x154.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud-200x205.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud-300x308.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 439px) 100vw, 439px" /><figcaption id="caption-attachment-8249" class="wp-caption-text">Tom Freud</figcaption></figure>
<p><em>Die Erinnerung an die liebenswürdigen Unterhaltungen</em><br />
<em>mit Leuten, die dich schaudern machten,</em><br />
<em>und in deren Augen dein Spiegelbild verkehrt stand und verzerrt.</em></p>
<p>Diese Zeilen aus einem erschütternden Gedicht von Tom Seidmann-Freud, das nach dem Doppelselbstmord, den sie und ihr Mann begannen, gefunden wurde, zeigt, wie sehr Tom Freud unter den Zwängen gelitten haben muss, die ihr von einer tief konservativen Gesellschaft auferlegt wurden.<br />
(Das ganze Gedicht „Der süße Tod“ steht am Schluss des Textes)</p>
<p><strong>Kein Freudscher Versprecher</strong></p>
<p>Als Martha Gertrud Freud mit 15 Jahren mitteilte, dass sie den Namen Tom tragen und als Mann leben wolle, war das kein Freudscher Versprecher. Vielmehr hatte sie sich von ihrem angeborenen Geschlecht so weit distanziert, dass sie ihren weiblichen Vornamen für immer ablegte.</p>
<figure id="attachment_8250" aria-describedby="caption-attachment-8250" style="width: 385px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8250 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud.jpg" alt="" width="385" height="400" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud.jpg 385w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud-289x300.jpg 289w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud-100x104.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud-150x156.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud-200x208.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/der_selbst_tom_freud-300x312.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px" /><figcaption id="caption-attachment-8250" class="wp-caption-text">&#8222;Der Selbst&#8220; &#8211; Selbstportrait Tom Freud, Bleistiftzeichnung</figcaption></figure>
<p><strong>Tom Freud war eine mehrfach begabte künstlerische Person im weiblichen Körper.</strong></p>
<p>Die Bilderbücher, die Zeugnis von Toms künstlerischer Vielfalt, Wandlungsfähigkeit und schöpferischer Produktivität ablegten, waren nur ein Teil Tom Freuds kreativen Aktivitäten. In Toms Nachlass befinden sich zahlreiche weitere Entwürfe und Arbeiten. Toms künstlerische Begabung zeigte sich in allen Bereichen des täglichen Lebens. Tom entwarf Möbel, zeichnete, aquarellierte und radierte fast täglich. Es entstanden Exlibris, Vorlagen für Werbung, Bilderbögen, textile Applikationsvorlagen, Modeentwürfe und Umschläge für Liederpartituren. Tom Freud entwarf Spiele und Kinderspielzeug. In Toms Berliner Wohnung gab es eine umfassende Bibliothek, in der Tom vor allem die mathematischen Bücher faszinierten. Aus Toms Begeisterung für Mathematik und Zahlenspielereien entstanden die Vorlagen zu den Rechenfibeln. Aber auch die Natur begeisterte Tom Freud, was ein sorgfältig geführtes Herbarium zeigt, das in den Kriegs- und Emigrationswirren verloren gegangen ist. Die Möbel von Toms Arbeitszimmer und die des Kinderzimmers waren nach Toms eigenen Entwürfen angefertigt worden. Alle Kleider der Tochter Angela hatte Tom selbst entworfen und genäht und sogar Spielsachen und Stofftiere waren von Tom konzipiert und angefertigt worden.</p>
<figure id="attachment_8254" aria-describedby="caption-attachment-8254" style="width: 346px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8254 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03.jpg" alt="" width="346" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03.jpg 346w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03-231x300.jpg 231w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03-100x130.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03-150x195.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03-200x260.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_03-300x390.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 346px) 100vw, 346px" /><figcaption id="caption-attachment-8254" class="wp-caption-text">Tom Seidmann-Freud</figcaption></figure>
<p>Tom (Martha Gertrud) Freud war das dritte Kind von Marie Freud und Moritz/Maurice Freud und wurde am 17. November 1892 in Wien geboren.<br />
Ihre Mutter war die dritte der fünf Schwestern des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud. Da Marie ihren Cousin heiratete, blieb der Familienname Freud erhalten. Auch Tom löste sich viele Jahre später &#8211; nach ihrer Eheschließung mit Jakob/ Jankew Seidmann &#8211; nicht vom Namen Freud, was zu damaliger Zeit ein sehr ungewöhnlicher Schritt war, und hieß bis zu ihrem frühen Freitod Tom Seidmann-Freud.<br />
Toms Cousine Anna Freud schrieb über sie/ihn: <em>„She was an extremely gifted girl, but rather hated to be female and therefore changed her name to a male one.“</em><br />
Auf Familienbildern, die die drei Schwestern zeigen, fällt das Kind Martha Gertrud durch seinen ernsten, rätselhaften Blick auf, während vor allem die Schwester Lilly Lebenslust und Schönheit ausstrahlt.</p>
<p>Tom hatte eine intensive und vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Vater und begleitete ihn häufig auf Geschäftsreisen, die ihn mehrmals im Jahr nach London führten. Nach dem Ende ihrer Schulzeit verbrachte Tom ein halbes Jahr in der englischen Hauptstadt. Sie war 17 Jahre, als sie 1910/11 eine Londoner Kunstschule besuchte. Ihre künstlerischen und intellektuellen Fähigkeiten waren in der Familie schon früh aufgefallen. Aus ihrer Zeit in London sind zwei nicht veröffentlichte Bücher mit Aquarellen erhalten, deren Qualität deutlich Toms gestalterische Begabung zeigt. Die Illustrationen dieser beiden Werke sind im reinsten Jugendstil gezeichnet und bestechen durch zarte Aquarellfarben.<br />
Nach ihrer Rückkehr aus London schrieb sich Tom Freud an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin Charlottenburg ein. Sie studierte Zeichnen nach der Natur, Tierzeichnen, dekorative Malerei, Radierung und Druckgrafik und Stein- und Kupferdruck. Daneben lernte sie auch Schriftzeichnen, Akt-Zeichnen und Modellieren, aber das Aquarell sollte ihre bevorzugte Technik bleiben.<br />
Schon im Dezember 1913 fand die erste Ausstellung mit Arbeiten von Tom Freud statt, unter dem Titel „Ausstellung von neuartigem Kinderspielzeug und Entwürfen zu Bilderbüchern von Tom Freud“.<br />
Bei dieser Gelegenheit wurde auch „Das Baby-Liederbuch“, Toms erstes veröffentlichtes Bilderbuch im Verlag Reuß &amp; Pollack, vorgestellt, das beim Publikum großen Anklang fand.<br />
Im Jahre 1914 veranstaltete Tom mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Lilly „Märchennachmittage“ in Berlin. Lilly, Schauspielerin und Rezitatorin, las Märchen und Kindergedichte vor, die Tom mithilfe einer Laterna Magica illustrierte. Tom zeigte auch Lichtbilder zu eigenen Geschichten.<br />
Die Jahre des Ersten Weltkriegs verbrachte Tom Freud in Berlin. Dort entfaltete sie ihre vielseitigen Interessen und Ideen. Sie beschäftigte sich mit Entwürfen zu ihren späteren Kinderbüchern. 1918 erschien bei Georg W. Dietrich in München „Das neue Bilderbuch“ von Tom Freud in der Reihe „Dietrichs Münchener Künstler-Bilderbücher“. Es wurde vom Verleger mit hohen Erwartungen angekündigt und die Kritik fiel sehr positiv aus. Dieses Bilderbuch ist typisch für Toms Frühwerk. Es zeigt alle Elemente des Jugendstils und übt auf den Betrachter eine „ornamentale Ruhe“aus. Gleichzeitig arbeitete Tom Freud an den Bildtafeln zu „David the Dreamer“, der 1922 in Boston erschien.<br />
Die Gestaltung ihrer Bilderbücher in Text und Illustration wurde durch die Psychoanalyse nachhaltig beeinflusst, denn Tom Freud interessierte sich lebhaft für deren Entwicklung. Dabei half ihr nicht nur die familiäre Nähe zu ihrem Onkel Sigmund, der ein häufiger Gast in Berlin war, und zu dessen Tochter Anna Freud, einer Psychoanalytikerin. Auch ihr langjähriger Kontakt zum Hamburger Psychologieprofessor William Stern beeinflusste sie.</p>
<p><strong>Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging Tom Freud nach München.</strong></p>
<p>Dort wohnte sie bei Familie von Horn, deren Tochter sich an sie erinnert: Tom Freud war eine schlanke, hochgewachsene Dame mit dunklem Bubikopf. Sie war freundlich, aber sehr scheu, und doch hatte sie des Öfteren Besuch.<br />
In München fand sie Kontakt zu einem intellektuellen Kreis junger jüdischer Studenten, zu denen Gerhard Scholem, sein Vetter Heinz Pflaum und Schmuel Agnon gehörten. Scholem, in derselben Wohnung lebend, beschrieb Tom Freud wie folgt:<br />
<em>Am Ende des Korridors hauste die Zeichnerin und Illustratorin Tom Freud, eine Nichte Sigmund Freuds, auch sie eine der unvergesslichen Figuren jener Jahre. Tom war eine ans Geniale grenzende Illustratorin von Kinderbüchern, zum Teil auch deren Verfasserin. Sie lebte sozusagen nur von Zigaretten und ihr Zimmer war meistens in Qualm gehüllt. Sie war eine authentische Bohemienne, hatte nicht wenige Beziehungen zu Künstlern und Schriftstellern, und in ihrem Zimmer habe ich ein erbittertes Gespräch über den Zionismus geführt.<br />
</em>Im Sommer 1920 ging Tom Freud zurück nach Berlin und lebte in der Wohnung ihrer Eltern. Nur drei Monate später starb ihr Vater plötzlich und unerwartet an einer „Herz-Attacke“.<br />
Trotz dieses Schicksalsschlags fand sie Anschluss an einen Kreis engagierter Schriftsteller und Literaten. Schließlich lernte sie ihren zukünftigen Mann, Jakob/Jankew Seidmann, einen jüdischen Schriftsteller und Journalisten, kennen. Tom und Jankew heirateten 1921. Sie wohnten anfänglich in der elterlichen Wohnung.</p>
<figure id="attachment_8260" aria-describedby="caption-attachment-8260" style="width: 420px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8260 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter.jpg" alt="" width="420" height="431" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter.jpg 420w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter-292x300.jpg 292w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter-100x103.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter-150x154.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter-200x205.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_mit_tochter-300x308.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px" /><figcaption id="caption-attachment-8260" class="wp-caption-text">Tom Seidmann-Freud mit Tochter Angela/ Awiwa</figcaption></figure>
<p>Am 21. Juli 1922 wurde Toms einzige Tochter Angela/ Awiwa geboren. Ein Jahr darauf erschütterte wieder ein tragisches Unglück das Leben der Familie: Tom verlor ihren Bruder Theo, der bei einem Badeunfall ums Leben kam. Tom widmete dem verunglückten Bruder ihr Kinderbuch „Die Fischreise“, das 1923 erschien.<br />
Jankew Seidmann gründet 1924/25 den Peregrin-Verlag, in dem die beiden expressionistisch zu nennenden Bilderbücher Tom Seidmann-Freuds „Die Fischreise“ „Hasengeschichten“ erschienen. Insbesondere die Illustrationen in „Die Fischreise“ weisen Stilelemente der Abstraktion und flächigen Reduktion auf. Sie erinnern an Zeichnungen von Paul Klee und Lyonel Feininger. Sie bestehen aus wenigen Bildelementen und sind auf den zentralen Bildinhalt konzentriert.</p>
<figure id="attachment_8253" aria-describedby="caption-attachment-8253" style="width: 450px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8253 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise.jpg" alt="" width="450" height="359" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise-300x239.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise-100x80.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise-150x120.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/tom_freud_fischreise-200x160.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-8253" class="wp-caption-text">Tom Freud &#8211; Illustration aus &#8222;Die Fischreise&#8220;</figcaption></figure>
<p>Neben diesen Bilderbüchern veröffentlicht Jankew Seidmann in seinem Verlag vor allem Übersetzungen jüdischer Religionsphilosophen; er beherrschte das Hebräische meisterhaft und führte Tom in diese Sprache ein.<br />
Auch Toms Bilderbücher wurden ins Hebräische und ins Russische übersetzt, was den Kreis der Leserschaft vergrößerte, denn im Berlin der 1920er Jahre lebten viele Exilrussen, unter anderem einige hebräisch schreibende russische Dichter, die durch die Intervention von Maxim Gorki Sowjetrussland verlassen konnten.<br />
Während die deutsche Ausgabe von 1921 noch voll im Jugendstil-Duktus illustriert ist, gestaltet Tom die Illustrationen zur hebräischen Ausgabe 1922 neu. Ihr Stil wandelt sich zu einem vereinfachten, reduzierten Bildausdruck, der klar im Zeichen der „Neuen Sachlichkeit“ steht. Alle nach 1922 entstandenen Bilderbücher sind von diesem neuen Stil geprägt, der zum unverwechselbaren Erkennungsmerkmal der Illustrationskunst von Tom Seidmann-Freud wurde.</p>
<figure id="attachment_8261" aria-describedby="caption-attachment-8261" style="width: 450px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8261 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud.jpg" alt="" width="450" height="330" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud-300x220.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud-100x73.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud-150x110.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/drei_generationen_freud-200x147.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-8261" class="wp-caption-text">Vier Generationen: von links: Angela, Tom, Amalie und Marie Freud</figcaption></figure>
<p>Am 18. August 1925 wurde mit allen Angehörigen der großen Freud-Familie der 90. Geburtstag von Amalie Freud, Tom Seidmann-Freuds Großmutter und Sigmund und Marie Freuds Mutter, gefeiert. Die dreijährige Angela durfte der Urgroßmutter ein Glückwunschkärtchen überreichen, das Tom zu diesem Anlass entworfen hatte.</p>
<p>Von Oktober bis Januar 1927 verweilte Tom Seidmann-Freud in Wien, wo sie offenbar Gespräche mit ihrer Cousine Anna Freud (Sigmund Freuds jüngste Tochter) führte. Über diese Gespräche berichtete Anna am 4. Januar 1927 in einem Brief, der aus einer psychoanalytisch-therapeutischen Perspektive geschrieben ist, an Max Eitingon:<br />
<em>Ich habe nur einige Gespräche mit ihr (Tom) geführt und habe ihr danach zu einer Behandlung geraten. … Ich wollte mich auch – gerade der Verwandtschaft wegen – nicht zu tief mit ihr einlassen. Was mir gegen eine Behandlung sprechend auffiel, war nur Folgendes: Sie hat seit langem eine gewisse Neigung zum Selbstmord, war einmal in der Jugend sehr nahe daran; und damit hängt mein Eindruck zusammen, dass sie nicht sehr viel Willen zum Gesundwerden aufbringen wird … Früher hatte sie eine große natürliche Wärme und Güte, aber davon ist jetzt viel weniger zu spüren.<br />
</em>Tom Seidmann-Freud hatte sich bereits in Berlin eine eigene Welt geschaffen, die der Wiener psychoanalytischen Freud-Familie eher verschlossen blieb. Sie fand in Herbert Stuffer, einem fantasievollen und mit künstlerischem Gespür ausgestatteten Kinderbuchverleger, ihren kongenialen Geschäftspartner. Der gleichaltrige Stuffer war an Tom herangetreten, um sie zur Mitarbeit in seinem jungen, 1926 in Berlin gegründeten Kinderbuchverlag zu gewinnen.<br />
Den Sommer 1929 verbrachte Tom Seidmann-Freud mit ihrer Tochter in Österreich in Grundlsee. Dort schloss sie die Arbeit an „Das Zauberboot“ ab und entwarf die Spielfibeln. Geplant waren zwei Schreibfibeln und eine Rechenfibel. Die Arbeit daran verlief in engem Kontakt zwischen Tom und ihrem Verleger Herbert Stuffer, was durch zahlreiche Briefe dokumentiert ist. Die Manuskripte wurden fertiggestellt. Der Erscheinungstermin der ersten Spielfibel „Hurra, wir lesen! Hurra, wir schreiben!“ war auf das Frühjahr 1930 angesetzt. Diesen Termin aber erlebte Tom nicht mehr.<br />
Die Fibeln erschienen in den Jahren 1930–1932 unter der sorgfältigen Betreuung durch Herbert Stuffer, für den der unerwartete Tod Tom Seidmann-Freuds persönlich wie geschäftlich eine tiefe Lücke riss.<br />
Toms Spielbücher und Fibeln waren erfolgreich und ihre ästhetische Gestaltung fand höchste Anerkennung. 1930 wurden die „Spielfibel Nr. 1“ und „Das Zauberboot“ unter die „50 schönsten Bücher“ in Deutschland gewählt. Auch wurde in der Reihe der „50 best gedruckten Bücher“ aus 35.000 Neuerscheinungen Tom Seidmann-Freuds „Buch der erfüllten Wünsche“ ausgewählt. Wie stark das Echo auf den Inhalt vor allem der vier Spielfibeln in Deutschland war, zeigen am besten Walter Benjamins differenzierte und sorgfältige Besprechungen in der Frankfurter Zeitung.</p>
<p><strong>In dieses intensive, von schöpferischen Ideen und Arbeiten ausgefüllte Leben brach mit dem unerwarteten Freitod ihres Mannes Jankew am 19. Oktober 1929 die Katastrophe herein.</strong></p>
<p>Grete Fischer (Journalistin und Pädagogin) schildert das Geschehen so:<br />
<em>…. Jankel hatte ursprünglich, um ihr zu helfen, einen kleinen Verlag aufgemacht, der nicht weiterging, dann fing er ein Unternehmen an, um eine große jüdische Enzyklopädie herauszugeben. Die Anlage muss gut gewesen sein, denn sie wurde später, ich glaube in Amerika, zu Ende gebracht. Zunächst aber saß Jankel eines Tages mit dem Bücherrevisor über seinen Rechnungen und erfuhr plötzlich, dass er bankrott war. Der Schock muss dem armen ehrlichen Menschen alle Besinnung geraubt haben. Anstatt sich mit seinen Gläubigern, meistens Freunden, in Verbindung zu setzen und zu beraten, gab er alles verloren. Er schickte Tom mit dem Kind weg, da sie irgendwo eingeladen waren, versuchte sich die Pulsadern aufzuschneiden, und als ihm das zu langsam ging, hängte er sich auf. Tom fand ihn, als sie nach Hause kam. Ihr erster Impuls war, mitzusterben. Sie konnte nicht ohne ihn leben. Aber man nahm ihr jede Möglichkeit dazu. Freunde und Verwandte umringten sie. Sie kam zum Grabe, fast körperlos unter den schwarzen Schleiern, taumelnd, völlig fassungslos.</em><br />
<em>Man brachte sie nach Hause, und die Freunde bildeten eine Wache mit regelmäßiger Ablösung an ihrem Bett. &#8230;Tom schlief nicht, sie sprach ununterbrochen. Es war nicht möglich, ihrer Klage etwas zu entgegnen. Auch als sie Jankel anklagte – er hätte sie nicht verlassen dürfen – er hätte sonst immer an sie gedacht – warum nun nicht mehr? Er war schwach geworden; hätte man ihr sagen sollen, dass sie eben zu schwer für ihn geworden war?</em><br />
<em>„Warum wollt ihr mich nicht sterben lassen?“, klagte Tom. „Wer hat denn ein Recht zu verlangen, dass ich lebe? Das Kind braucht mich nicht, ihr wird es ohne mich besser gehen. Ich bin doch nichts mehr, ich kann doch nichts mehr!“ … Tom hat das einzige Mittel angewendet, das ihr geblieben war: Sie verweigerte jede Nahrung. Nach drei Wochen war sie, von jeher überzart, so schwach, dass sie ins Krankenhaus musste.</em><br />
<em>Dazwischen ein 7jähriges Mäderl, das aussieht wie eine kleine Elfe. Jetzt ist der Vater tot, die Mutter in einem Sanatorium, damit man sie bewachen kann. Das Kind ist für den Augenblick bei Lampls.</em><br />
<em>Jetzt kommt noch der geschäftliche Zusammenbruch über Tom und was dann noch aus dem Trümmerhaufen bleibt, wird man erst sehen.</em></p>
<figure id="attachment_8255" aria-describedby="caption-attachment-8255" style="width: 524px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8255 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud.jpg" alt="" width="524" height="506" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud.jpg 524w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud-300x290.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud-100x97.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud-150x145.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud-200x193.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/grabstein_tom_freud-450x435.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 524px) 100vw, 524px" /><figcaption id="caption-attachment-8255" class="wp-caption-text">Jüdischer Friedhof in Berlin, Weißensee</figcaption></figure>
<p>Jankew Seidmann wurde am 23. 10. 1929 auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben. Toms Tochter Angela wurde in befreundeten Familien untergebracht. Immer noch bestand die Hoffnung, dass sich Tom von diesem Schicksalsschlag erholen würde. Sie arbeitete auch im Krankenhaus weiter an ihren Bilderbüchern. Sie schrieb noch am 21. Dezember 1929 aus dem Sanatorium an ihren Verleger.<br />
Aber Tom erholte sich nicht.<br />
Am 4. Januar 1930 schrieb sie an Helene Zadek: <em>„Liebe gute Lene, ich danke Dir sehr für Deine lieben Briefe. Ich konnte an niemanden schreiben. Jetzt bin ich vier Wochen weg. Ich bitte Dich sehr, bring mir das, was Du mir angeboten hast. Es gibt keinen anderen Weg für mich und vor dem Fenster oder dem Zug habe ich noch immer Angst. Sage niemand von diesem Brief. Dir alles Gute. Tom.“<br />
</em>Der Entschluss, aus dem Leben zu gehen, stand fest, und wie so häufig nach getroffenen Entscheidungen kehrte scheinbare Ruhe ein. Die Umwelt interpretierte diese Ruhe falsch. <em>Im Krankenhaus</em>, erinnerte sich Grete Fischer, <em>in offenbar vernünftiger Pflege, fing sie an, sich zu erholen. Sie gab ihren Widerstand auf, ihre Verzweiflung ebbte ab, man sagte mir, sie habe begonnen, gierig zu essen. Sie wollte gesund werden.</em><br />
Doch für Tom gab es nur noch den Weg in den Tod, den sie in ihrem Gedicht „Der süße Tod“ in Worte fasste. Tom Seidmann-Freud starb am 7. Februar 1930 im Krankenhaus Neukölln an einer Überdosis Tabletten.</p>
<p>Im Manuskript der Spielfibel Nr. 2, das Herbert Stuffer als Hinterlassenschaft aus dem Krankenhaus zurückerhielt, fand sich ein Text von Tom, der in einem erschütternden Monolog Verzweiflung und Einsamkeit ausdrückte.<br />
<em>Ich muss einen Brief schreiben, aber ich weiß nicht, an wen ihn zu adressieren – Mein Herz ist voller Bedrückung. Und der Weg von meinem Herzen zu dem weißen Papier ist sehr leicht. Nun sitzen 1000 Kinder und drehen und ziehen und besehen die glücklichen Leute, die in dem gefüllten Haus wohnen. Und sie besehen den Specht und den Orakelfisch und Robert, den glücklicheren Bruder – und ich liege hier elender, als tot und trauriger, als zu sagen und ärmer, als die kalten und kunstlosen. Wenn es darauf ankommt, werde ich sehr mutig sein, aber nun fliegt mein Mut ins Leere und es ist nichts da als die Traurigkeit, in die ich versinken werde, als die Armut, die um mich steigt in einer Welt, die uns beiden nicht gefiel. O zu fliehen, wenn es einen Ort gäbe der Zuflucht! Wenn es Rast gäbe auf dem schrecklichen Wege, der sich zu lange ausdehnt und dessen Ziel zu wissen, so bitter ist.</em></p>
<p>Der süße Tod<br />
Magnete ziehen die Stacheln aus der Brust,<br />
Steine und Geröll von den Hügeln des Herzens verschwinden,<br />
der Beschwer, Glieder und Organe und Nerven zu halten, enthoben,<br />
Leicht wirst du sein, leicht, leicht!<br />
Die Erinnerung an die schlaflosen Nächte ist fort,<br />
und die Erinnerung an die Wohnungsnot,<br />
und an die schweren Tage,<br />
wegen der hässlichen sozialen Verhältnisse,<br />
und dem Mangel an Geld,<br />
die Erinnerung an die liebenswürdigen Unterhaltungen<br />
mit Leuten, die dich schaudern machten,<br />
und in deren Augen dein Spiegelbild verkehrt stand und verzerrt,<br />
die Erinnerung an die tägliche Zeitung<br />
voller Schrecken und voller Gottlosigkeiten<br />
und in miserabler Sprache geschrieben,<br />
und an den Steinhaufen Stadt,<br />
und an die Menge der unnützen Worte<br />
und an alles.</p>
<p>Süß wird er sein<br />
wie ein Tropfen reiner Speise auf deinen Lippen,<br />
wie Sonne an einem kühlen Tag,<br />
wie das Meerwasser an deinen Füßen<br />
an einem Tag der Hitze,<br />
wie nach verwirrter Wanderung die Rast,<br />
wie Einkehr</p>
<p align="LEFT">Toms Tochter Angela Seidmann wurde von ihrer Tante Lilly und deren Mann Arnold Marlé adoptiert. Damit wurde ein letzter Wille Toms erfüllt, die ausdrücklich die Adoption ihrer Tochter durch Anna Freud verboten hatte. Angela lebte mit der Familie Marlé bis zu ihrem 11. Lebensjahr in Hamburg. Sie emigrierten 1933 gemeinsam nach Prag. Im März 1939 trennten sich ihre Wege. Angela Seidmann, von da an hebräisch „Awiwa“, verließ mit einer Jugend-Auswanderungs-Gruppe, der „Youth Alija“, 14 Tage vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Tschechoslowakei Europa und emigrierte nach Palästina. Die Familie Marlé konnte in letzter Minute nach England entkommen. Tom Seidmann-Freuds Mutter Marie wurde 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.</p>
<p>Text: Xenia Marita Riebe</p>
<p>Textquelle und Fotos: LUZIFER-AMOR Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse &#8211; Artikel Barbara Murken »… die Welt ist so uneben …« Tom Seidmann-Freud (1892–1930): Leben und Werk einer großen Bilderbuch-Künstlerin</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/19b8c6c21e974816abee48e125fbc619" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/ich-will-als-mann-leben-beschloss-sigmund-freuds-nichte-und-nannte-sich-fortan-tom-freud">„Ich will als Mann leben“ beschloss Sigmund Freuds Nichte und nannte sich fortan Tom Freud.</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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		<title>„Immer feste druff!“, kreischte das Goldene Wiener Herz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Mar 2024 10:53:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[„Der Vulkan – Roman unter Emigranten“]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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		<category><![CDATA[Klaus Mann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bevor du deine Stimme der AfD oder der Werte Union gibst, überlege, welche Folgen es haben kann, wenn rechtsradikale Parteien mit ihrer Propaganda die Bevölkerung aufwiegeln. Als Beispiel hierfür steht ein Ausschnitt aus dem Buch „Der Vulkan – Roman unter &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bevor du deine Stimme der AfD oder der Werte Union gibst, überlege, welche Folgen es haben kann, wenn rechtsradikale Parteien mit ihrer Propaganda die Bevölkerung aufwiegeln.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8245" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02.jpg" alt="" width="450" height="308" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02-300x205.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02-100x68.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02-150x103.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/vulkan_cover_02-200x137.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Als Beispiel hierfür steht ein Ausschnitt aus dem Buch „Der Vulkan – Roman unter Emigranten“, das Klaus Mann in den Jahren 1937 – 1939 schrieb.</p>
<p>Der Bankier Siegfried Bernheim lässt sich von seinem Chauffeur zum Französischen Konsulat fahren, um sich dort ein französisches Transit-Visum ausstellen zu lassen. Er will Wien verlassen und in London Zuflucht suchen. Vor dem Konsulat wird er von der entmenschten, aufgewiegelten Volksmenge aus seinem Wagen gezerrt, auf grausamste Weise erniedrigt und schließlich erschlagen.</p>
<p>Auszug aus „Der Vulkan“</p>
<p>Indessen hielt das Gefährt vor dem Konsulat. Bernheim konnte sich noch nicht gleich zum Aussteigen entschließen. Er lüftete den Vorhang ein wenig; was er sah, war erschreckend. Vor dem Haus mit der französischen Flagge standen die Leute Schlange – eine lange, stumme Reihe auf das Trottoir hinaus. Bernheim bemerkte respektable Herren, die er kannte. Sie standen gebückt, den Hut tief in die Stirn gezogen. Wie bleich sie alle waren – und die Gesichter schienen von Angst verzerrt.<br />
Es gab Grund genug, sich zu fürchten. Der Menschenauflauf um die Wartenden wurde immer dichter. Weiber, Burschen, Kinder blieben stehen – Arme in die Hüften gestemmt, und die Mäuler höhnisch aufgerissen. Sie kreischten Beleidigungen: Bernheim hörte es durch die Fensterscheibe. Es war eine dicke Frau in blauer Schürze, die einen der Juden an den Schultern packte. Erst schüttelte sie ihn ein wenig – es wirkte fast neckisch, besonders weil die Frau so vergnügt dazu kicherte. Indessen blieb der Herr schrecklich ernst; wehrte sich auch nicht, bekam vor Angst geweitete Augen. Es wurde stärker gelacht; die Heiterkeit erreichte ihren Höhepunkt, als die Dicke dem Bankdirektor – einem von Bernheims einflussreichen Freunden – mit flacher Hand ins Gesicht schlug. Auch diese Ohrfeige hatte noch scherzhaft-intimen Charakter. Indessen reagierte die Menge, als hätte der Bankdirektor seinerseits die Frau misshandelt. Mehrere Männer stürzten sich auf ihn, er ward von ihren Leibern zugedeckt, dem Pöbel entging der amüsante Anblick seines Falles. Hingegen konnte man ihn jammern hören. Die Prügel, die er jetzt bekam, waren ernst; vielleicht waren sie tödlich. Bernheim sah das Gesicht seines alten Freundes nicht mehr.<br />
Die Leute applaudierten: hier ward gute Arbeit getan. Sie heulten: »Saujud! Menschenschinder!« Das Goldene Wiener Herz war in Aufruhr, die Wiener Gemütlichkeit tobte, der Stephans-Turm schaute zu. »Immer feste druff!« verlangte schneidig eine Männerstimme mit dem preußischen Akzent, der hier früher kaum beliebt gewesen war. Jetzt aber nahm niemand Anstoß; man war in festlicher Stimmung, durchaus bereit, das alte Vorurteil aufzugeben, und übrigens vom Ehrgeiz erfüllt, selber »schneidig« zu werden. »Immer feste druff!« kreischte das Goldene Wiener Herz –: der Berliner Tonfall klang noch nicht ganz natürlich aus dem Munde der Österreicher; aber sie würden es lernen, waren der besten Absichten voll – und prügeln konnten sie jetzt schon, wie die deutschen Brüder in Dachau oder Oranienburg: dies bewiesen die uniformierten Burschen, lauter echte Wiener Kinder, tapfere Kerle – zehn junge Athleten gegen einen kränklichen alten Israeliten –: immer feste druff!<br />
Bernheim sagte mit bebenden Lippen zu seinem Chauffeur: »Fahren Sie weiter!« Er dachte: ›Ich werde mit dem französischen Konsul telefonieren; ich schicke ihm einen Boten; er gibt mir das Transit-Visum – er muss es mir geben – ich muss fort – der Konsul hat bei mir zu Abend gegessen, er kann nicht dulden, dass ich hier erschlagen werde wie ein toller Hund . . .‹<br />
Er wiederholte: »Ich bitte Sie – fahren Sie weiter!« Der Chauffeur antwortete ihm mit einem trüben Blick über die Schulter. Der Wagen war schon umringt; Bernheim begriff: Ich bin in der Falle, bin ausgeliefert, am Ende. – Der Chauffeur schaute ihn an, mitleidig und verächtlich. Bernheim erinnert sich plötzlich, in all seiner Angst: Der Chauffeur war ein Sozialdemokrat, er hatte im Februar 1936 gegen die Truppen der Regierung Dollfuss gekämpft, er hatte die Regierung Schuschnigg gehaßt, er verabscheute auch die Nazis, er war nicht für die Restauration, er war für die Republik. »Im Februar 1936 haben wir Österreich verloren!« Diese Worte hatte Bernheim von ihm gehört – jetzt fielen sie ihm ein. Der Chauffeur sah ihn an; sein Gesicht blieb starr, als die Tür des Wagens aufgerissen wurde.<br />
Ein Arm mit Hakenkreuzbinde langte in den Wagen; ein entmenschtes Gesicht ward sichtbar. – »Sind Sie auch ein Jud?« – Welch entsetzliche Stimme! Der Atem, der zu ihr gehörte, stank nach Bier. Herrn Bernheim wurde sehr übel; er fürchtete, sich übergeben zu müssen. »Ich bin Ausländer!« brachte er hervor. Die Antwort war nur ein dröhnendes Gelächter. »Das kann jeder sagen!« höhnte die stinkende Stimme. »Was für einen Pass hast du dir denn gekauft, du Hund?« – »Ich bin Bürger des Fürstentums Liechtenstein!« Bernheim machte eine letzte Anstrengung, seine Würde zu wahren, und sowohl gütig als auch kräftig zu wirken. Indessen ward das Gelächter noch wilder. Der Mann, der Bier getrunken hatte, ließ dumpfes Jubeln hören. »Hoho! – Und so was fährt in einem dicken Packard rum!« –: als ob es gerade für einen Bürger von Liechtenstein besonders unpassend wäre, in einem guten Automobil zu sitzen.<br />
»Die Koffer hat er auch schon mitgenommen!« stellte erbittert ein verwelktes Frauenzimmer fest: es war die gleiche, die vorhin so zänkisch den Führer hatte hochleben lassen. Der Biertrinker machte plötzlich ein strenges Beamtengesicht. »Wahrscheinlich Steuerhinterziehung!« behauptete er, völlig sinnlos, und sah tugendhaft aus: eine Stütze der Ordnung, legitimer Verteidiger staatlicher Interessen. – »Das werden wir ja gleich haben!« brüllte er, die Miene purpurn verfärbt. Er riss Bernheim aus der Limousine – ihn mit beiden Armen umfassend, wie zu einer mörderischen Liebkosung.<br />
Siegfried Bernheim, zu Boden geschleudert, berührte das Straßenpflaster mit seiner Stirn. Er kauerte, wie ein Orientale in der Pose der Andacht. Die Hände hatte er vors Gesicht gelegt; zwischen seinen dicken Fingern quoll der rosiggraue Bart hervor. Er hielt still; er wußte nur noch: Sie werden mich schlagen . . . Da spürte er schon den ersten fürchterlichen Hieb im Nacken. Es musste ein Gummiknüppel sein, von dem er getroffen wurde. Bernheim hatte in seinem Leben noch niemals solchen Schmerz gekannt. Er dachte: Ich will nicht schreien. Das Gesindel soll mich nicht weinen hören . . . Gleichzeitig aber ward ein Wimmern laut – ein fremdes, kindisches kleines Wimmern: er erkannte es nicht, und doch kam es aus seinem Munde. ›So ist das also‹, fühlte er, halb betäubt. ›So ist es, wenn man geschlagen wird mit einem Gummiknüppel. Man kann den Hals nicht mehr rühren, er wird heiß und steif, wahrscheinlich wird es eine große Beule geben – mein Gott, tut das weh –; man bekommt nasse Augen, und man wimmert, ob man will oder nicht.‹ – Die Beobachtungen waren interessant, wenngleich schaurig. Übrigens blieb eine gewisse Neugierde wach in dem gemarterten Kopf. Bernheim fragte sich: ›Was werden sie jetzt mit mir machen? Sie haben mich geschlagen; vielleicht töten sie mich . . .‹<br />
Sie hatten noch allerlei mit ihm vor. Die Verwelkte mit der zänkischen Stimme forderte animiert: »Er soll putzen! Den Boden soll er aufputzen, die Plakate von der Vaterländischen Front soll er wegputzen von der Mauer! Auf der Ringstraße drüben haben die Saujuden auch putzen müssen!« Sie schien entzückt von ihrem kleinen Einfall; ihre Stimme krähte vor Begeisterung. »Ich habe lang genug die Böden aufgewischt!« erklärte sie noch. »Bei einem Juden – ja, so hat eine Volksgenossin sich erniedrigen müssen! Jetzt sind aber die an der Reihe! Putzen soll er – putzen – putzen!!« jauchzte sie mit ekstatischem Eigensinn. Bernheim, aufs Pflaster gekauert, dachte: ›Die Plakate von der Vaterländischen Front? Sie können doch gar nicht fest an den Mauern kleben; sind doch nur dünnes Papier . . . Was war denn die Vaterländische Front? Ach ja – das falsche Pferd, auf das ich gesetzt habe. 25 000 Schillinge hab ich für sie gegeben – das Geld hätt ich besser verwenden können – warum schreit die Person eigentlich immerfort, ich soll putzen?‹<br />
Der Vorschlag der verwelkten Haushälterin wurde allgemein verständig gefunden; gleich schrie die Menge im Chor: »Putzen soll er! Putzen!« Sogar Herrn Bernheims Chauffeur schrie mit, sonst wäre er wohl seinerseits verprügelt worden, man hatte ihn schon »Judenknecht« genannt; einige meinten sich zu erinnern: »Das ist so ein alter Sozi!« Sollte er Schläge riskieren, wegen des Bankiers? Nichts konnte ihm ferner liegen; lieber rief er, mit den anderen: »Putzen soll er!« – übrigens mit etwas gedämpfter, brummender Stimme. Sein Gesicht blieb starr und verächtlich. Er dachte: ›Blöde Hunde! Meint ihr wirklich, euch wird&#8217;s künftig besser gehen, weil ihr heute ein paar Juden schikanieren dürft? Glaubt ihr, das ist die Revolution? Dass ihr euch so anschwindeln lassts! Schön blöd müssts ihr sein! Zum Menschenfeind könnt man werden . . .‹<br />
Angesichts des wimmernden alten Mannes, der wie in jammervoller Andacht hockte, ward das Goldene Wiener Herz übermütig und einfallsreich. »Straßenkehren?« rief ein flotter Bursch. »Viel zu mild für einen Steuerhinterzieher! – Den Abort soll er sauber machen!« Dies musste ihm wie eine plötzliche Eingebung in den Sinn und auf die Lippen gekommen sein. Er stand stramm vor Glück, gleichsam einer unsichtbaren Obrigkeit für die Gabe solchen Geistesblitzes dankend. – »Den Abort soll er sauber machen!« Besonders die Damen zeigten sich von dieser neuen Pointe bezaubert. Sie begannen ein wenig zu tanzen: der wiegende Walzerschritt, den niemand der süßen Wienerin nachmacht, ergab sich gleichsam von selbst; die innere Glückseligkeit wollte sich manifestieren. Die jungen Herren aus Berlin und Breslau fanden: Wien ist, wie wir&#8217;s uns erträumt haben! So was Goldiges! Nun müssen wir aber beweisen, dass wir nicht die steifen Kerle sind, für die man uns häufig hält. Immer feste druff! Einen Walzer werden wir auch noch schaffen . . .<br />
Die derben Jungens aus dem fernen Norden – rauhe Schale, aber sonst gut beisammen: grad was die süße Wienerin lieb hat! – schmiegten Arme um Taillen, drückten Schnurrbärte an zarte Wangen. Die Halbwüchsigen – musikalisch bis in die Fingerspitzen, und übrigens voll frühreifem Verständnis für Laune und Bedürfnis der Großen – trällerten und pfiffen, alle miteinander: »Wien – Wien, nur du allein – sollst stets die Stadt meiner Träume sein . . .« Eine Melodie, bei der kein Mädchenfuß stillstehn kann! Selbst die Dicke in der blauen Schürze, die den Bankdirektor gebeutelt und damit die ganze Gaudi in Gang gebracht hatte, wiegte sich rhythmisch. Da keiner der Berliner Gäste sich um sie bemühte, ward sie ihrerseits aggressiv; der junge Mann, den sie schüttelte, war lang und dünn; erst fürchtete er sich, weil er meinte: Jetzt folgt wohl gleich die Maulschelle, und alles übrige! Dann ward ihm klar, dass es diesmal wirklich nur um Schabernack ging: da stellte er seinen Mann, nicht schlechter als die Kumpane. Er stürzte sich ins Vergnügen – ein wenig stöhnend; denn das Gewicht der dicken Blauen war kolossal.<br />
So eine Hetz – das hat&#8217;s lang nimmer geben! Ja, so fesch hat man sich in Wien wahrscheinlich überhaupt noch nie amüsiert.<br />
»Wien, Wien – nur du allein!« –: Walzer-Taumel bei den Burschen von der SS, der SA, der Gestapo, der Reichswehr, der Polizei, der Hitler-Jugend, den Nationalsozialistischen Studenten-Verbänden. »Zwei Herzen im Dreiviertel-Takt . . .«: das patriotische Hochgefühl vermischt sich wohlig mit den Freuden anderer Art. Österreich ist verloren! Österreich ist verraten! Der preußische Kommiß-Stiefel über unserer Stadt! Hurra! »Das muss ein Stück vom Himmel sein – Wien und der Wein . . .«<br />
Die Wartenden vor dem Konsulat blicken sowohl befremdet, als auch hoffnungsvoll. Sie denken: Jetzt werden sie alle närrisch. Umso besser – dann wird man uns vielleicht in Frieden lassen. – Die Gasse hat sich in einen Ballsaal verwandelt, die allgemeine Munterkeit ist grenzenlos; auch Bernheim fasst neuen Mut: ›Sie singen so frohe Lieder, vielleicht bleibt mir das Schlimmste erspart!‹<br />
Die Walzer-Seligkeit war intensiv; aber doch nicht stark genug, um die Gemüter von den heiter-ernsten Pflichten des Tages völlig abzulenken. Die Halbwüchsigen zwitscherten noch: »Ich weiß – auf der Wieden – ein kleines Hotel . . .«: da schrillte die Stimme der verblühten Haushälterin: »Er soll putzen – die Bedürfnisanstalt soll er putzen!« Sie vermied das rauhere Wort, das der junge Mann mit dem Geistesblitz verwendet hatte und das dann von der Menge wiederholt worden war: »die Bedürfnisanstalt« sagte sie spitz und fein. Glücklicherweise fand sich ein solches Lokal an der Straßenecke. Man schleppte Herrn Bernheim hin. Er ward mit Fußtritten, Püffen und lustigen Worten über das schmutzige Pflaster geschleift. Er blutete. Aus einer Verletzung an seiner Stirn lief das Blut, und es tröpfelte rötlich in den Bart. Ach, wohin war seine Würde! Sein edler, menschenfreundlicher Anstand – wohin! War dies noch derselbe Mann, der seine Gäste – Film-Vedetten, Staatssekretäre, Professoren – am Portal der Villa, schlicht und feierlich, empfangen hatte? Welche Verwandlung! Welch Sturz!<br />
Hat das Goldene Wiener Herz kein Erbarmen? Ist ihnen das Opfer nicht genug entstellt? Wenn sie kein Mitleid kennen – spüren sie denn nicht Ekel, angesichts solchen Elends? Und es riecht nicht gut, wo sie ihn jetzt hinzuknien zwingen.<br />
Sogar etliche Frauen sind mit eingetreten, obwohl die kleine Baulichkeit ein Schild »Für Männer!« trägt. Wer wird zimperlich sein, zu so festlich-orgiastischer Stunde? Die Ungeheure in der blauen Schürze schnuppert munter die scharfen Odeurs, die hier wehen – während die Verwelkte, geniert und freudig erregt, an der Türe stehenbleibt: Eintreten – nein, das würde nicht schicklich sein! Andererseits will sie sich das Schauspiel keineswegs entgehen lassen.<br />
Das diskrete Häuschen liegt inmitten einer kleinen Parkanlage: glücklicher Zufall; denn hier kann man weiter tanzen. Walzer-Texte vermischen sich mit dem donnernden Sprech-Chor: »Den Abort soll er putzen!« Die Melodie setzt sich sieghaft durch: »Nichts Schönres kann&#8217;s geb&#8217;n – als ein Wiener Lied . . .« Dann dröhnt es wieder: »Den Abort soll er putzen!« Woraufhin die Mädchenstimmen jubeln: »Das haftet im Herzen – und geht ins G&#8217;müt!« –: dieses wieder auf das Wiener Lied bezogen.<br />
Wer hatte denn die scheußlichen Geräte bereit, deren Herr Bernheim sich nun bedienen muß? Was man ihm präsentiert, ist ein Nachttopf, und erst stößt man einmal, Spaßes halber, sein Gesicht hinein. Die zähe, dicke Flüssigkeit, mit der sich sein Antlitz beschmiert, hat dunkel gelbliche Farbe und ist ätzend scharf. Aus was für Ingredienzien hat man diesen üblen, fetten Brei gebraut? Er verbrennt die Haut – erst die des Gesichtes, dann auch die der Hände.<br />
Das Bürstchen aber, mit dem er diesen Boden säubern soll, ist derartig klein, dass ringsum das allgemeine Gelächter sich noch steigert. Der Wiener Humor kommt wahrhaft auf seine Kosten; in brüderlicher Eintracht mit dem Berliner Witz darf er sich herzhaft austoben. Es ist ja ein altes Zahnbürstchen, ein zerzaustes, jämmerliches Ding, mit dem der reiche Jud den Boden putzen soll – und was für einen Boden! Die Verwelkte meckert wie eine Ziege über so viel drolliges Malheur. Der Alte stellt sich ungeschickt an, er schnauft und wimmert, es ist wie in einer Posse, im »Theater an der Wien« kann es nicht unterhaltender sein. Die Verblühte tut einen kecken Schritt, weiter in das halbdunkle Lokal hinein, das zu betreten ihr von Natur und Sitte keineswegs bestimmt war. ›Die Sitten ändern sich!‹ beschließt sie kühn. ›Und was die Natur betrifft – nun, ich habe niemals viel Spaß und Vorteil von meinem weiblichen Geschlecht gehabt!‹<br />
Alter Mann auf der beschmierten Erde – du hast Kot und Blut im Barte; du kannst nicht sehen, denn die Augen sind dir von dem verdächtigen Putzmittel verklebt; du kannst nicht sprechen: Scham und Grauen nehmen dir die Stimme; du kannst immer noch leiden, du leidest immer noch. Du bist Hiob, dem der Herr vieles gab, um ihm alles wieder zu nehmen; der Unglücksmann von Uz, den Er mit Aussatz schlug, mit jeglicher Armut, jeglichem Gebreste; den Er stinken ließ und sich im Miste wälzen –: Du bist es, wir erkennen dich. Die platte, fleischige Nase, aus welcher Blut rinnt; der entwürdigte Bart – einst deine ehrbare Zierde –; die zerrissenen Hände, das zerrissene Herz: es ist uns alles vertraut, die großen Bilder der Menschheit kehren wieder, die Situationen des großen Schmerzes wiederholen sich; du wirst die Stimme heben, Erniedrigter, wirst dir die Brust schlagen, klagen und rasen wirst du: Warum tatest du mir dies, Gott mein Herr?<br />
Für diesmal ist es genug; der Klageschrei, die mythische Pantomime der extremen Pein – sie sind dir erlassen; nicht diesen Tieren sollst du sie vorführen, sie würden sie nicht verstehen. Sie sind nur Werkzeuge der Züchtigung, ihre Hirne sind stumpf, und sie wissen kaum, was sie tun. Übrigens bleiben auch ihnen Qual und Schmach nicht erspart, du magst davon überzeugt sein. Es wird für sie Ernüchterung ohnegleichen kommen; wer sich so verirrt und so vergessen hat, wie dieses Volk, für den wird die Stunde des Erwachens schon der Augenblick der Strafe sein – ganz zu schweigen von mancherlei anderer Heimsuchung, die ihnen vorbestimmt sein könnte.<br />
Nun singen sie noch – wie das Geheul von Irrsinnigen gellt es uns in den Ohren. Noch wiegen sie sich, noch stampfen sie vor Vergnügen. Einer von ihnen möchte den besonders Grausamen spielen: er schlägt den Alten, dessen Hände sich nicht mehr regen, mit gewaltiger Kraft auf den Kopf. Gerade dadurch verkürzt er ihm die Qualen: Bernheim verliert die Besinnung. Er sinkt nach hinten, mit verdrehten Augen; die blutigen Flächen der geöffneten Hände nach außen gekehrt – als wollten sie es dem strengen Himmel zeigen: Siehe, meine Hände sind leer! Ich habe nichts mehr, du hast mir alles genommen!<br />
Dunkelheit nimmt ihn gnädig auf. Er sieht nicht mehr die entmenschten Gesichter seiner Verfolger, er muss nicht mehr ihre schaurig-munteren Lieder hören: den obszönen Chorus der Idiotie; das Triumph-Geheul der Verblendeten.</p>
<p>Foto<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/2a628c95a35c4aa49ca9f2eb09390295" alt="" width="1" height="1" /> und Teil des Textes: Xenia Marita Riebe</p>
<p>Romanauszug: Klaus Mann</p>
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		<title>Zwangssterilisation im Nationalsozialismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Mar 2024 17:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[„Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[andere rechte Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologie im Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[I. Universitäts-Frauenklinik München]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zwangssterilisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du die AfD wählen willst, oder eine andere rechte Partei, dann denke daran, dass ihre Ideologie auch dich und deine Familie treffen kann. Anne war 17 Jahre alt, als Nachbarn sie diffamierten. Anne sei erbkrank, sagten sie, denn Anne &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn du die AfD wählen willst, oder eine andere rechte Partei, dann denke daran, dass ihre Ideologie auch dich und deine Familie treffen kann.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8239" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne.jpg" alt="" width="319" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne.jpg 319w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne-213x300.jpg 213w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne-100x141.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne-150x212.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne-200x282.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/anne-300x423.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px" /></p>
<p>Anne war 17 Jahre alt, als Nachbarn sie diffamierten. Anne sei erbkrank, sagten sie, denn Anne hatte, weil sie als Kind an Rachitis litt, deformierte Hände. Ihre Hände wurden als körperliche Missbildung gewertet und das genügte, sie aufgrund des „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat, unter Zwang zu sterilisieren.<br />
Da Anne minderjährig war, sollten ihre Eltern in die Sterilisation einwilligen. Sie selbst und auch ihre ganze Familie versuchte, sich gegen die ungerechtfertigte Sterilisation zur Wehr zu setzen. Doch die Institutionen und Ärzte wischten alle Einwände, ohne richtig hinzuhören, weg. Ihr Urteil war bereits gefällt. Ihre Eltern waren stark verunsichert und Anne glaubte, dass ihr Leben nun ruiniert sei. Schließlich habe sie sich ohnmächtig und auf den Rat ihrer Eltern hin, dem Schicksal gebeugt.<br />
Was dann folgte, traumatisierte sie schwer.<br />
Anne wurde mit verdecktem Gesicht im Hörsaal der I. Universitäts-Frauenklinik in München den Studenten vorgeführt und der Professor beschrieb ihre angebliche Erbkrankheit. Dann wurde das operative Verfahren mit entblößtem Unterleib vor den Studenten besprochen. Anschließend wurde die Sterilisation, ohne Absprache und ohne jegliche menschliche Zuwendung vorgenommen. Bei der Operation verletzte der Arzt ihre Blase, wodurch es postoperativ zu einem lang anhaltenden fieberhaften Verlauf kam. Noch Jahre nach der Zwangssterilisation musste Anne sich vier Folgeoperationen unterziehen, denn sie hatte wegen Verwachsungen im Unterleib starke Unterbauchschmerzen.<br />
Eine Familie zu gründen war Anne verwehrt und da sie keine Kinder bekommen konnte, war es für sie sehr schwierig, eine glückliche Partnerschaft einzugehen.<br />
Im Alter von 72 Jahren erklärte Anne: Ich habe in meinem Beruf alle Tätigkeiten zur Zufriedenheit ausgeführt und auch in meinem Haushalt stets alles allein gemacht. Ich hätte mit meinen Händen auch Kinder großziehen können. Die Zwangssterilisierung hat meine Lebensperspektive und mein Glück zerstört.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-8241 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin.jpg" alt="" width="700" height="503" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin.jpg 700w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-300x216.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-100x72.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-150x108.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-200x144.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-450x323.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/handschrift_patientin-600x431.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<p>Aus dem Archiv für Gynäkologie 257, 1995, Seiten 753 -771<br />
Gynäkologie im Nationalsozialismus &#8211; oder ,,Die späte Entschuldigung“<br />
M. Stauber</p>
<p><em>Nach dem Erbgesundheitsgesetz vom 14. Juli 1933 wurden ab dem 1. Januar 1934 besondere „Erbgesundheitsgerichte“ eingerichtet, in denen jeweils ein Arzt, ein Gesundheitsbeamter und ein Berufsrichter über Anträge auf Sterilisierung zu entscheiden hatten. Es gab damals ca. 200 Erbgesundheitsgerichte und 30 Obergerichte für diese Thematik. Rothmaler weist darauf hin, dass eine, „erbbiologische Bestandsaufnahme“ durch eine Flut von Anzeigen möglich war, die von Hausärzten, Kliniken, Fürsorgebehörden, Gefängnissen oder von Privatpersonen vorgenommen wurden. Betroffene Frauen, Männer und Kinder wurden vorgeladen, und dies erfolgte nicht selten in Form einer polizeilichen Anweisung. Eine Frau aus unserer Nachbetreuungsgruppe schildert, dass sie sich gegen die Einweisung vehement gewehrt habe und deshalb mit gefesselten Händen in die I. Universitäts-Frauenklinik München gebracht wurde. Auch Schwestern der Klinik, die Zeitzeugen waren, berichteten von unvorstellbaren Zwangsmaßnahmen gegenüber sich wehrenden Patientinnen. Im Juni 1935 wurden vom Reichsinnenministerium auch Schwangerschaftsabbrüche aus „eugenischen Gründen“ im Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses verankert. In Hamburg und auch in München wurden Schwangerschaften bis zur 28. Woche abgebrochen. Rothmaler berichtet noch, dass ganze Familienverbände in die Erfassung zur Sterilisation gerieten und unfruchtbar gemacht wurden. In einer Mischung von Angst, Verzweiflung, Aufmüpfigkeit und Nichtbegreifenkönnen versuchten viele Patientinnen und deren Familien auf die Ärzte einzuwirken, die beabsichtigte Sterilisation abzuwenden. Solche Beispiele haben wir auch aus den Münchner Patientinnenakten entnommen &#8211; eine Hilfeleistung seitens der Gynäkologen im Sinne der Patientinnen konnten wir in den Akten jedoch nie finden. Anscheinend völlig systemtreu wurden die Indikationen zur Sterilisation ärztlich bestätigt &#8211; selbst wenn deutlich wurde, dass es sich lediglich um eine minimale körperliche Missbildung handelte. Die meisten der Patientinnen ergaben sich resigniert in ihr Schicksal und häufig in die Isolation. Vom Gesetz zum Schweigen verpflichtet, verbargen sie auch vor ihrer Umgebung aus dem Gefühl der Schande und Entwürdigung ihr Schicksal und konnten daher keine Solidarität oder gar kollektiven Widerstand entwickeln.</em></p>
<p><em>Das Ausmaß der inhumanen Medizin im Dritten Reich ist kaum fassbar, die verursachten Wunden bei den Opfern sind z.T. unheilbar, und das Leid der betroffenen Menschen später ist in körperlicher und vor allem psychischer Hinsicht immens. In der folgenden Tabelle finden sich Angaben, die von kompetenten Autoren und Historikern zusammengetragen wurden und die zu einem nicht unerheblichen Teil auch Ärzte der Frauenheilkunde betreffen. Die angegebene Zahl von ca. 300000 Zwangssterilisationen betrifft zu ca. 2 Dritteln Frauen. Die Opfer- dies geht aus den Untersuchungen der I. Universitäts-Frauenklinik hervor &#8211; belasten besonders schwer die damalige Einstellung vieler Gynäkologen. Die Ideologie des Nationalsozialismus, die Vorläufer im Sozialdarwinismus und in der Eugenik fand, setzte sich zum Ziel, ein „gesundes deutsches Volk“ zu schaffen, sogenannte „Volksschädlinge“ auszusondern und „erbkranken Nachwuchs“ zu verhindern. Sie brauchte hierzu den Arzt und speziell den Gynäkologen als Spezialisten. Und in der Tat wurden viele Gynäkologen zum Erfüllungsgehilfen dieser Idee der Rassenhygiene. Die Gunst der ersten Stunde &#8211; nämlich den inhumanen Anfängen von ärztlicher Seite entsprechend dem hippokratischen Eid zu widerstehen &#8211; wurde nur von wenigen genutzt. Die Maschinerie lief kontinuierlich in Richtung einer Medizin der Gewalt und schließlich der Euthanasie. Es sei noch daran erinnert, dass bei der Zwangssterilisation (mit und ohne Zwangsabtreibung) aufgrund des Eingriffes oder sekundärer Komplikationen mehrere tausend Todesfälle zu verzeichnen waren.</em></p>
<p>Text und Foto: <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/0fad1bdbfebb458b940454ce4c0ced5a" alt="" width="1" height="1" />Xenia Marita Riebe</p>
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		<title>Der Wiener Nationalsozialist hat nicht nur Humor, er hat auch Fantasie.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 2024 08:54:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[SA-Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Shanghai; AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Vorabend des Zweiten Weltkriegs]]></category>
		<category><![CDATA[Wiener Nationalsozialist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du daran denkst, die AfD oder eine andere rechte Partei zu wählen, dann versuche dir vorzustellen, dass das, was den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten angetan wurde, jeden treffen kann, der nur ein wenig anders ist als der „normale &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn du daran denkst, die AfD oder eine andere rechte Partei zu wählen, dann versuche dir vorzustellen, dass das, was den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten angetan wurde, jeden treffen kann, der nur ein wenig anders ist als der „normale Bürger“.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8233" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl.jpg" alt="" width="500" height="354" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl.jpg 500w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl-300x212.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl-100x71.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl-150x106.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl-200x142.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/03/dampfer_girl-450x319.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p>Shanghai am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Für Tausende von Juden ist es das letzte Schlupfloch, und sie kommen, ohne Visum, aber voller Hoffnung, in die Millionenstadt in China.</p>
<p>Auszug aus dem Roman „Shanghai fern von wo“ von Ursula Krechel</p>
<p>Was ihrem Mann in der Nacht geschehen war, das hatte sie bis jetzt niemandem gesagt. Jetzt sehnte sie sich nach einem Menschen, der diese Verborgenheit in sich aufnahm und darüber schwieg, wie sie geschwiegen hatte. Sie konnte sich einen solchen Menschen nicht vorstellen, das war traurig, aber es war auch eine Beschränktheit, die sie deutlich spürte.<br />
Ihre Wohnung in Wien, das hätte sie diesem imaginären Menschen gesagt, war mit einer großen Eisentür verschlossen. Hätte es geläutet, niemand hätte aufgemacht. Sie und ihr Mann wussten, es könnte in der Nacht oder am frühen Morgen nur die SA sein, die gekommen war, um ihn zu verhaften. Aber er war ja schwerhörig. Als er sich ein Glas Wasser im Korridor holte, öffnete Herr Tausig die Wohnungstür, ehe die SA-Männer nur auf den Schellenknopf drücken konnten. Er lief denWiener Nationalsozialist direkt in die Arme und wurde weggeschleppt. Sie brachten ihn in ein Kellerlokal. Sie ließen ihn „turnen“, das war ein beliebter Sport für die SA-Männer, ein Sport, den sie selbst nicht ausübten. Den nicht mehr jungen Juden zwangen sie, gymnastische Übungen zu machen, ein Auf und Nieder bis zur vollkommenen Erschöpfung. Danach stellten sie ihn an die Wand, aber nicht wirklich an die Wand, vor ihm war noch Platz für eine weitere Person. Dort, genau vor ihm, positionierte sich ein Fotograf, nahm ihn ins Visier, und hinter ihm entsicherten sie einen Revolver. Obwohl Herr Tausig schwerhörig war: das hörte er, das spürte er, das Geräusch ging durch ihn hindurch. So wurde er fotografiert als „feiger Jude, der sich fürchtet“, angstverzerrt. Das waren ihre Späße, denn der Wiener Nationalsozialist hat nicht nur Humor, er hat auch Fantasie. Als ihr Mann wiederkam, war Frau Tausig auf das Schlimmste gefasst, doch als ich ihn sah, befiel mich eine Schrecklähmung. Er bewegte sich mühsam hinkend die Treppe hinauf, sein Gesicht war leichenhaft wächsern. Das ständige Gebrüll hatte ihn betäubt, wie ein Schlafwandler kam er zurück. Als wäre er in einem Sack gefangengehalten worden, und seine Frau musste ihn vorsichtig, mühsam, Glied für Glied, daraus hervorziehen.</p>
<p>Fotocollage und Textteile: <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f024d1255b264136932148c5d2c8e7b8" alt="" width="1" height="1" />Xenia Marita Riebe</p>
<p>Auszug aus Romantext: Ursula Krechel</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bild-art.de/hass-kennt-sie-solange-sie-lebt">Hass kennt sie, solange sie lebt. </a></p>
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		<title>Hass kennt sie, solange sie lebt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Feb 2024 13:42:52 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Queere Menschen verdienen unsere Achtung und unseren Schutz. Denke daran, wenn du die AfD, das Bündnis Sahra Wagenknecht oder die Werte Union wählen willst, weil rechtes Gedankengut schon einmal in Hass gegen Minderheiten geführt hat. Auszug aus dem Roman „Libellen &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Queere Menschen verdienen unsere Achtung und unseren Schutz. Denke daran, wenn du die AfD, das Bündnis Sahra Wagenknecht oder die Werte Union wählen willst, weil rechtes Gedankengut schon einmal in Hass gegen Minderheiten geführt hat.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8222" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small.jpg" alt="" width="332" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small.jpg 332w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small-221x300.jpg 221w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small-100x136.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small-150x203.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small-200x271.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/grete_libelle_small-300x407.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px" /></p>
<p><strong>Auszug aus dem Roman „Libellen im Winter“ von Gudrun Seidenauer</strong></p>
<p>Zweimal, dreimal, viermal: Den Reflex, die Schläge mitzuzählen, hat sie noch aus der Schule. Sie treffen immer woandershin. Das Knacken der Rippen zuckt bis unter die Schädeldecke, ein Blitz aus Schmerz schießt in den Bauch, kippt in ein hartes Pochen, das der nächste Blitz verdoppelt. Hände schubsen, quetschen, boxen. Fäuste hämmern auf Schultern und Kreuz. Der Schmerz löscht Grete aus.<br />
In diesen Schuhen kann man nicht rennen. Riemchenpumps von einer Einkaufstour an die italienische Grenze. Aber sie wollte heute Abend unbedingt gut aussehen. Als ihr die Männer entgegentreten, hilft auch ihr reflexartiges Lächeln nicht.<br />
„Was grinst du so blöd, du perverses Luder?“<br />
Sie ohrfeigen ihr das verzagte Lächeln aus dem Gesicht, bevor sie zurückweichen kann. Ein paar Schritte abseits, schattenhaft und schweigsam, ein Dritter, sie dreht den Kopf in seine Richtung, der Hilferuf kommt als Gurgeln mit einem Schwall Blut aus der Nase. Er steht da und schaut, nicht wütend wie die anderen: interessiert. Ein Tritt in den Bauch lässt sie einknicken. Sie sieht, dass er seine Hände in die Hüften gestemmt hat, die Daumen in die Gürtelschlaufen eingehängt. Dann fährt ihr brennende Schwärze ins Gesicht. Die Männer rütteln sie wach. Blut füllt ihren Mund, tropft in den Ausschnitt. Das Kleid mit dem bunten Kleeblattmuster, auf das sie so stolz war, ist vom Saum bis zur Taille zerrissen, die Knöpfe am Oberteil abgesprengt. Ihre linke Brust hängt halb aus dem BH, als sie sich aufrappelt, nach ihrem Schuh tastet.<br />
Sie lachen. Was sie sagen, versteht sie nicht, das Dröhnen in ihrem Kopf ist zu laut. Der Interessierte holt aus und schüttet ihr den Inhalt seiner Flasche ins Gesicht. Mit einem Schlag ist es still, nur ihr Keuchen ist zu hören.<br />
<strong>„Solche wie dich hat der Hitler vergessen“</strong>, stößt der eine hervor.<br />
Der andere: „Da haben wir noch was zu erledigen.“<br />
Der Arm des Mannes saust durch die Luft, schlägt der leeren Flasche an einem Hydranten den Hals ab. Er macht einen Schritt auf Grete zu. Sein Blick ist anders: fokussiert, als gelte es, eine Aufgabe zu erfüllen, für die es Konzentration braucht.<br />
„Du Sau. Du perverse Sau. Solche wie dich sollte man -“<br />
Eine aufjaulende Sirene schneidet ihm das Wort ab, die drei wechseln Blicke, und sie verschwinden, werden so jä eins mit dem Dunkel der Gasse, dass Grete ist, als wäre sie in einem einzigen bösen Traum einem einzigen Ungeheuer mit vielen Fäusten begegnet. Hass ist nichts Besonderes für sie, Hass kennt sie, solange sie lebt. Sie selbst ist ihm bis jetzt halbwegs ausgewichen, zumeist waren andere im Fadenkreuz. Aber Hass kann jederzeit jeden treffen, so kennt sie es. Man kann wachsam sein, man kann sich wegducken, durchtauchen, so sehr eins werden mit dem Hintergrund, dass man im rechten Moment unsichtbar ist. Man kann darauf achten, was sie wollen, die das Sagen haben. Man kann so tun, als gäbe man es ihnen.<br />
…<br />
Der Henkel ihre Handtasche ist gerissen, aber Schlüssel, Portemonnaie und Ausweis sind noch da. Der Polizist lässt den Arm aus dem Fenster hängen und winkt sie zu sich her. Grete hinkt zwei Schritte auf ihn zu. Sie ist überwach, sodass die Dinge gleißende Konturen bekommen.<br />
…<br />
Bei der Beschreibung der Täter bemerkt Grete, dass sie Allerweltstypen benennt: junge Männer zwischen zwanzig und dreißig, schlank, einer breiter, einer mit Oberlippenbärtchen, der andere ohne. Über Haarfarbe und Augenfarbe kann sie nichts sagen, Narben oder andere Besonderheiten hat sie nicht wahrgenommen, wie auch.<br />
„Möchten Sie Anzeige erstatten? Viel bringen wird es nicht, das kann ich Ihnen gleich sagen, aber natürlich -“<br />
Der Polizist nimmt sie in den Blick und Grete spürt, dass das eine Falle ist. Sollte sie keine Anzeige wollen, sieht es so aus, als hätte sie etwas zu verbergen.<br />
Ja, eine Anzeige wolle sie auf jeden Fall. Und nein, einen Arzt brauche sie nicht. Sie bemüht sich um ein ausdrucksloses Gesicht.<br />
…<br />
Auf dem Revier stellt ihr der freundlichere Beamte eine Tasse Tee hin. Sie lächelt, fährt sich durchs Haar und hofft, für die Umstände wieder einigermaßen auszusehen. Das Kleid ist hin, aber was für ein Glück, dass sie es anhat: Es wirkt modisch, doch mit dem bunten Kleeblattdruck und dem Tellerrock zum engen Oberteil auch mädchenhaft. Sie schlägt die Beine übereinander, zieht den zerrissenen Stoff über den Oberschenkel.<br />
Woher, wohin, aha, warum dieser Weg? Der Name der Freundin, Adresse, Beruf? Ob sie sich schon lange kennen würden. Zweck des Besuchs, die Dauer. Und warum genau diese Gasse? Bücher, aha, die Auslage. Kann sie sich denn an eines erinnern? Zufällig?<br />
Die verhören sie, als wäre sie es, die etwas angestellt hat. Die führen eine Kartei, hat ihr Erich erzählt.<br />
…<br />
Grete ignoriert ihr Schmerzen, richtet sich auf und legt alle Kraft in ihre Stimme: Nein, sie sei noch nie in der Weinbar Luise gewesen, nein, davon wisse sie nichts, sie sei mehr der Typ fürs Kaffeehaus. Nein, sicher nicht.<br />
„Nein, noch nie. Warum sollte ich?“<br />
Das war riskant, aber es funktioniert. Ob sie denn nicht wisse, dass -. Ein stadtbekannter Treffpunkt-.<br />
Davon gehört? Das wisse sie nicht mit Bestimmtheit. Mit so etwas befasse sie sich nicht. Mit solchen Leuten.<br />
Den Paragrafen 129 kenne sie aber?<br />
Nein, warum sollte sie? Worum geht es da? Sie tue nichts Verbotenes.<br />
…<br />
Im Roman „Libellen im Winter“ von Gudrun Seidenauer hat die junge Grete eine Weinbar besucht, in deren Hinterzimmer an verschiedenen Tagen ein Treffpunkt für Homosexuelle und Lesben stattfindet. Grete ist sich noch nicht ganz im Klaren, was ihre eigene Homosexualität betrifft. Sie geht in das Lokal, um zu beobachten. Und die Blicke, die ihr folgen, versetzen sie in eine wunderbar erwartungsvolle Unruhe.<br />
Der Überfall auf sie geschieht für sie völlig unerwartet, als sie die Weinbar nach einer Stunde verlässt.<br />
Die Szene spielt in Wien, einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser Zeit steht in Österreich Homosexualität von Frauen nach Paragraf 129Ib immer noch unter Strafe.</p>
<p><strong>§129Ib – Erst 1971 fiel in Österreich das totale Verbot der Homosexualität.</strong></p>
<p>„Die Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft auf das Leben von Lesben und Schwulen waren weitreichend“, schreibt die Autorin Ulrike Repnik in ihrem Buch „Die Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich“. Homosexuelles Leben sei „buchstäblich ausgelöscht worden“. Da Schwule und Lesben sich nicht fortpflanzten und damit nicht zur Reproduktion der „arischen Rasse“ beitrugen, wurden sie von den Nationalsozialisten als „Volksfeinde“ denunziert. Schwule Männer wurden in sogenannten „Rosa Listen“ polizeilich erfasst, in psychiatrische Anstalten überwiesen, kastriert oder in Konzentrationslager eingeliefert, wo sie den „Rosa Winkel“ tragen mussten.<br />
Im Gegensatz zu Deutschland, wo der §175 nur männliche Homosexualität unter Strafe stellte, konnten in Österreich während des Nationalsozialismus auch Lesben verhaftet werden. Das Zentrum QWIEN hat Strafakten aus der Nazi-Zeit archiviert. Darin finden sich Fälle von Frauen, die nicht nur wegen sexuellen Handlungen verurteilt wurden, sondern auch, weil sie sich Liebesbriefe geschrieben hatten. Männer wurden häufig an öffentlichen Orten wie Bädern oder Parks in flagranti erwischt. Einmal in der Woche ging die Kripo in das Esterhàzybad, wo es zu sexuellen Handlungen zwischen Männern in der Dampfkammer kam, erzählt Hannes Sulzenbacher von QWIEN. Die Polizeibeamten gingen undercover und trugen nur einen Lendenschurz. Eine ähnliche Szene für Frauen dürfte es nicht gegeben haben. Sexuelle Kontakte fanden meist im Privaten statt.<br />
Das Zentrum QWIEN geht von ungefähr 1.400 Wienerinnen und Wienern aus, die während der NS-Zeit angeklagt wurden. Nur etwa fünf Prozent der Strafakten betreffen Frauen. Aber warum ist der Anteil so gering? Ulrike Repnik erklärt, dass Frauen nach nationalsozialistischer Ideologie keine eigene Sexualität zugestanden wurde. Zudem wurde argumentiert, dass Frauen dadurch, dass sie nicht in Spitzenpositionen tätig seien, den Staat nicht gefährden würden, so Repnik.<br />
Die deutsche Historikerin Claudia Schoppmann argumentiert, dass der Nationalsozialismus von Anfang an als Männerbund konzipiert war. Außerdem, so der nationalsozialistische Gedankengang, könnten „verführte“ Lesben ja trotzdem noch als Gebärende zur Verfügung stehen. Bis 2005 wurden homosexuelle KZ-Überlebende nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt.<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der §129Ib. Wer während des Nationalsozialismus wegen gleichgeschlechtlicher „Unzucht“ verurteilt worden war, musste seine Haft nach 1945 fortsetzen. Doch wurden in den Sechzigerjahren Stimmen laut, die eine Reform des Strafrechts zugunsten von Schwulen und Lesben forderten. So etwa der SPÖ-Justizminister Christian Broda. Ähnlich wie heute die Ehe für alle, entbrannte damals der §129Ib zum innenpolitischen Streitpunkt zwischen ÖVP und SPÖ. Die Volkspartei widersetzte sich der Reform Brodas und wurde dabei von der katholischen Kirche unterstützt. Als die SPÖ im Jahr 1971 die absolute Mehrheit erreichte, fiel im Rahmen der kleinen Strafrechtsreform das Totalverbot auf Homosexualität. Österreich war zu diesem Zeitpunkt eines der letzten Länder in Europa, das an einem Verbot von weiblicher und männlicher Homosexualität festgehalten hatte, schreibt Repnik. Im Zeitraum von 1950 bis 1971 waren ungefähr 13.000 Homosexuelle in Österreich verurteilt wurden, davon 95 Prozent Männer.</p>
<p>Quelle: QWIEN – Zentrum für queere Geschichte</p>
<p>Foto: © Xenia Marita Riebe<br />
Romanauszug. © Gudrun Seidenauer<br />
Textteile. © Xenia Marita Riebe</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bild-art.de/der-wiener-nationalsozialist-hat-nicht-nur-humor-er-hat-auch-fantasie">Der Wiener</a> Nationalsozialist hat nicht nur Humor, er hat auch Fantasie.</p>
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		<title>Lesbische Frauen im Nationalsozialismus Teil II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2024 15:10:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[beinahe verhungert]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Gedenkort]]></category>
		<category><![CDATA[Frauengefängnis Barnimstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Hilde Radusch]]></category>
		<category><![CDATA[von den Nazis verfolgt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du in Deutschland eine diverse Gesellschaft möchtest, in der FLINTA – Personen in Frieden leben können, dann teile keine rechten Inhalte in sozialen Netzwerken. Ich möchte hier das Schicksal von drei lesbischen Frauen und ihren Partnerinnen skizzieren. Sie sollen &#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn du in Deutschland eine diverse Gesellschaft möchtest, in der FLINTA – Personen in Frieden leben können, dann teile keine rechten Inhalte in sozialen Netzwerken.</strong></p>
<p>Ich möchte hier das Schicksal von drei lesbischen Frauen und ihren Partnerinnen skizzieren. Sie sollen beispielhaft für die vielen anderen Schicksale stehen, von denen wenig oder nichts bekannt ist.</p>
<figure id="attachment_8207" aria-describedby="caption-attachment-8207" style="width: 383px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8207 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch.jpg" alt="" width="383" height="450" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch.jpg 383w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch-255x300.jpg 255w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch-100x117.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch-150x176.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch-200x235.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch-300x352.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px" /><figcaption id="caption-attachment-8207" class="wp-caption-text">Hilde Radusch &#8211; Ich hab’ mich nie als Frau gefühlt, aber frag’ mich nicht als was sonst.</figcaption></figure>
<p><strong>Hilde Radusch</strong> – von den Nazis verfolgt – in einer Laube untergetaucht und beinahe verhungert.</p>
<p>Hilde Radusch hat einen umfangreichen Nachlass hinterlassen. 50 Archivkartons belegen die Stationen ihres facettenreichen Lebens, die jenseits der damals vorgesehenen Modelle für Menschen weiblichen Geschlechts lagen.<br />
Hilde Radusch wurde am 6. November 1903 in Altdamm bei Stettin geboren. Sie wuchs in Weimar auf und ging 1921 im Alter von 18 Jahren allein nach Berlin. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Kinderhortnerin und trat schon bald in den Kommunistischen Jugendverband Deutschland ein. Als kommunistische Kinderhortnerin fand sie keine Arbeit und wurde schließlich Telefonistin bei der Post. 1923 wurde sie dort Betriebsratsvorsitzende. In der Revolutionären Gewerkschaftsopposition übernahm sie die Reichsleitung der Abteilung Agitprop und die der Gewerkschaftszeitung „Post und Staat“. Weil Frauen nicht Mitglied des Roten Frontkämpferbundes werden durften, initiierte sie 1925 die Gründung des Roten Frauen- und Mädchenbundes und schrieb Artikel für dessen Zeitung, die „Frauenwacht“. Von 1929 bis 1932 war sie Stadtverordnete für die Berliner KPD.<br />
Am 6. April 1933, kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde sie wegen ihrer Arbeit in der KPD in „Schutzhaft“ genommen. Sie war ein halbes Jahr im Frauengefängnis Barnimstraße inhaftiert. Gemeinsam mit anderen Frauen konnte sie dort bessere Haftbedingungen durchsetzen. Im September 1933 wurde sie mit anderen politischen Häftlingen wieder entlassen und zog nach Berlin-Mitte. Wieder auf freiem Fuß beschlossen sie und ihre Freundin Maria einvernehmlich, fortan getrennte Wege zu gehen, um sich vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu schützen, denn Radusch wurde aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit fortan von der Gestapo überwacht.<br />
Da sie als ehemaliges KPD-Mitglied nicht mehr bei der Post arbeiten konnte, ging sie als Arbeiterin zu Siemens und machte illegale Parteiarbeit im Betrieb. Hilde arbeitete später in wechselnden Arbeitsverhältnissen als Büroangestellte. Sie musste immer wieder ihren Wohnort ändern, denn so waren wechselnde Kriminaldirektoren für sie zuständig. Dadurch konnte sie die Gestapo eine Zeitlang abhängen.<br />
Im Jahr 1939 lernte Hilde Radusch ihre Nachbarin Else Klopsch, genannt Eddy, näher kennen. Schon bald, nachdem sie sich einander ihre Homosexualität offenbart hatten, verliebten sich die beiden Frauen ineinander und wurden zu lebenslangen Gefährtinnen. Else Klopsch wollte gegen den Widerstand der SA einen Privatmittagstisch eröffnen, um sich und Ilse durch die harten Kriegsjahre zu bringen. Durch Mut und einen erfolgreichen Gerichtsprozess erstritt Else schließlich die Erlaubnis zur Eröffnung der „Lothringer Küche“. Dort unterstützte sie heimlich und mithilfe von Essensspenden Jüdinnen und Juden sowie andere Verfolgte.<br />
Im Sommer 1943 &#8211; kriminalisiert und überwacht durch die Gestapo &#8211; bauten sich die beiden Frauen eine kleine Laube in Prieros, einem Ort im Berliner Umland, die ihnen als Wochenenddomizil diente. Die Laube war aber auch als zweiter „geheimer Wohnsitz“ für Notfälle gedacht.</p>
<figure id="attachment_8218" aria-describedby="caption-attachment-8218" style="width: 450px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8218 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02.jpg" alt="" width="450" height="443" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02-300x295.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02-100x98.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02-150x148.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/hilde_radusch_02-200x197.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-8218" class="wp-caption-text">Hilde Radusch in ihrem Ruderboot</figcaption></figure>
<p>Im August 1944 warnte eine mit Eddy befreundete Kriminalpolizistin sie vor ihrer bevorstehenden Verhaftung im Rahmen der sogenannten <i>Aktion Gitter</i>, einer Verhaftungswelle, während der die letzten sich in Freiheit befindenden FunktionärInnen von SPD, Zentrumspartei und KPD festgenommen wurden. Else und Hilde konnten ihrer Verhaftung durch die Nazis zuvorkommen, indem sie sich nachts in einem Ruderboot heimlich nach Prieros absetzen. Dort überlebten sie den letzten Kriegswinter nur knapp. Sie hatten keine Lebensmittelkarten und litten an Hunger und Kälte. Fast wären sie verhungert. In der Laube schrieb Hilde Raduschs ihr Kriegstagebuch, ein eindrucksvolles, außergewöhnliches Zeitdokument. Sie beschreibt darin den harten Alltag im Untergrund, das Hungerdelirium Elses, aber auch ihre persönliche Sicht auf die Kriegsereignisse.<br />
Hilde Radusch zog sich in der Zeit bis zur Befreiung Berlins durch die Rote Armee in der Laube ein Rheumaleiden zu, das sie Mitte der 1950er Jahre zur Frührentnerin machte.<br />
Die beiden Frauen überlebten die Nazi-Diktatur nur knapp und beteiligten sich trotz ihrer schlechten körperlichen Verfassung sofort nach Kriegsende am Wiederaufbau.<br />
Hilde Radusch bekam über ihre politischen Kontakte eine Stelle im Bezirksamt Berlin-Schöneberg in der Abteilung <i>Opfer des Faschismus</i>, wo sie von Juni 1945 bis Februar 1946 arbeitete. Jedoch wurde sie bereits ein Jahr später entlassen, wohl weil sie zuvor aufgrund persönlicher und politischer Konflikte mit KPD-Genossen aus der Partei ausgetreten war.<br />
1946 war sie Mitinitiatorin der Aktion „Rettet die Kinder“.1948 wurde Hilde Mitglied der SPD. In dieser Zeit führte sie mit Else einen Trödelladen. Doch beide Frauen hatten mit Erkrankungen als Folge der Hungerjahre zu kämpfen. 1960 verstarb Else „Eddy“ Klopsch, was für Hilde Radusch einen weiteren schweren Schlag darstellte.<br />
In den 1970er Jahren motivierte die Neue Frauenbewegung Hilde Radusch wieder zu politischem Engagement, während sie die alte Frauenbewegung nur als Beobachterin wahrnahm. Im November 1974 gründete Radusch gemeinsam mit anderen Frauen wie etwa Käthe Kuse, Tamara Streck und Gertrude Sandmann die Gruppe L74, welche auch die UKZ (Unsere Kleine Zeitung) herausgab, die erste Lesben-Zeitschrift nach dem Zweiten Weltkrieg.<br />
Hilde Radusch fungierte im Jahr 1978 auch als eines der Gründungsmitglieder des Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrums (FFBIZ), das bis heute existiert.<br />
Hilde Radusch starb am 2. August 1994 im Alter von 91 Jahren. Bis zu ihrem Tod wurde sie von Frauen aus der Lesben- und Frauenbewegungsszene – ihrem sogenannten Clübchen – zu Hause betreut. Beerdigt wurde sie in Berlin-Schöneberg auf dem Matthäus-Friedhof.<br />
Seit 2012 erinnern in Berlin-Schöneberg, an der Kreuzung Winterfeldtstraße/Eisenacher Straße, drei Gedenktafeln an Hilde Radusch. Dort entstand mit ihnen der erste Berliner Gedenkort für eine von den Nationalsozialisten verfolgte lesbische Frau.<br />
Im Jahr 2016 wurde das Grab von Hilde Radusch von der Stadt Berlin zum Ehrengrab erhoben.</p>
<p>Quelle: Digitales Deutsches Frauenarchiv</p>
<p><strong>Erläuterungen:</strong></p>
<p>Lesbische Frauen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus selten ausschließlich wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Meistens wurden gegen sie unterschiedliche andere Gründe vorgebracht, wie z. B. Kontakt zu Juden und Jüdinnen, Sex mit Minderjährigen oder Abhängigen (wobei nicht vermerkt wurde, ob es sich um lesbische sexuelle Handlungen handelte), Mitgliedschaft in politischen Parteien (KPD, SPD) oder sie wurden als asozial im weitläufigen Sinne bezeichnet, worunter auch der häufige Wechsel von Partnerinnen zählte. Anders als bei homosexuellen Männern, die nach § 175 verfolgt wurden, nahmen die Nazis lesbische Frauen aus fadenscheinigen Gründen in „Schutzhaft“, entweder in Gefängnissen oder Konzentrationslagern. Dort gab es für lesbische Frauen keine gesonderte Kennzeichnung an der Häftlingskleidung. Sie trugen entweder den schwarzen Winkel zur Kennzeichnung „Asoziale“ oder den roten Winkel zur Kennzeichnung „politische Gefangene“ und wurden auch so in den Unterkünften sortiert. Dies ist auch der Grund, aus dem es kaum Dokumente über lesbische Frauen in den Konzentrationslagern gibt. Selten wurde hinter dem Namen einer Inhaftierten der Vermerk „lesbisch“ gemacht.<br />
Da Homosexualität auch nach dem 2. Weltkrieg in der Gesellschaft tabuisiert wurde, gibt es heute so gut wie keine Aussagen von Lesben über ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Nur wenige lesbische Frauen hinterließen einen Nachlass mit Dokumenten. Dies waren meistens Frauen aus der gehobenen Schicht, sodass aus anderen Bevölkerungsschichten keine Dokumente oder Zeugenaussagen vorliegen. Dies gilt auch für transsexuelle und non-binäre Menschen.</p>
<p>Fotos: Digitales Deutsches Frauenarchiv</p>
<p>Text: <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f024d1255b264136932148c5d2c8e7b8" alt="" width="1" height="1" />Xenia Marita Riebe</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bild-art.de/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-teil-i">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus Teil I</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-teil-ii">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus Teil II</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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		<title>Lesbische Frauen im Nationalsozialismus – Teil I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2024 14:15:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[denunziert]]></category>
		<category><![CDATA[deportiert]]></category>
		<category><![CDATA[FLINTA - Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Totzke]]></category>
		<category><![CDATA[KZ Ravensbrück]]></category>
		<category><![CDATA[lesbische Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Verfolgung durch Nationalsozialisten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Du möchtest, dass FLINTA–Personen in Deutschland auch künftig unbeschwert und unbehelligt leben können? Dann wähle keine rechte Partei &#8211; vor allem nicht die AfD – und verbreite auch nicht ihre antidemokratischen Inhalte. Ich möchte hier das Schicksal von drei lesbischen &#8230;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-teil-i">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus – Teil I</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Du möchtest, dass FLINTA–Personen in Deutschland auch künftig unbeschwert und unbehelligt leben können? Dann wähle keine rechte Partei &#8211; vor allem nicht die AfD – und verbreite auch nicht ihre antidemokratischen Inhalte.</strong></p>
<p>Ich möchte hier das Schicksal von drei lesbischen Frauen und ihren Partnerinnen skizzieren. Sie sollen beispielhaft für die vielen anderen Schicksale stehen, von denen wenig oder nichts bekannt ist.</p>
<figure id="attachment_8208" aria-describedby="caption-attachment-8208" style="width: 327px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8208 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke.jpg" alt="" width="327" height="418" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke.jpg 327w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke-235x300.jpg 235w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke-100x128.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke-150x192.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke-200x256.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/ilse-totzke-300x383.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px" /><figcaption id="caption-attachment-8208" class="wp-caption-text">Ilse Totzke &#8211; Erkennungsfoto der Gestapo, 1943</figcaption></figure>
<p><strong>Ilse Totzke – denunziert, an Deutschland ausgeliefert, ins KZ Ravensbrück deportiert</strong></p>
<p>Ilse Totzke wurde von Nachbarn aufs Übelste bei der Gestapo denunziert. Nach einem Fluchtversuch in die Schweiz wurde sie von den Schweizer Behörden an Deutschland ausgeliefert. Sie wurde in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert.<br />
Ilse Totzke wird am 4. August 1913 in Straßburg geboren. Ihre Mutter kommt aus einer angesehenen Künstlerfamilie und ist Schauspielerin, ihr Vater ist Dirigent in einem Theaterorchester.<br />
Im März 1932 lebt Ilse in Würzburg. Sie studiert am bayerischen Staatskonservatorium Musik. Dort lernt sie in den Fächern Klavier, Violine und Dirigieren. In Würzburg knüpft sie viele Freundschaften, auch zu Jüdinnen und Juden. Schon seit Anfang der 1930er Jahre trägt Ilse Anzug und Krawatte, dazu eine Kurzhaarfrisur. Wie sie sich selbst identifiziert hat, ist nicht bekannt. Der einzige Ausdruck ihres Selbst wird in der Wahl ihrer äußeren Erscheinung sichtbar, die auf zwei Fotos erhalten geblieben ist. Ihre Frisur wird als „Eton crop” bezeichnet, eine kurze Version des Bubikopfs, der in den 1920er Jahren beliebt ist. Ihr Stil wurde als eine „ungewöhnlich männliche Version” der „Neue Frau”-Mode bezeichnet. Dieser Stil war in der lesbischen Subkultur in den 1930er Jahren beliebt.<br />
Ilse hat große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu mieten. Einige „arische” Vermieter lehnen sie als Mieterin ab. Vielleicht weil sie ihr Äußeres nicht mit dem propagierten Frauenbild in Verbindung bringen können, oder weil sie annehmen, dass sie eine lesbische Frau ist. Ihr bleibt daher nur, Wohnungen von jüdischen Vermietern zu mieten. Das macht sie später in den Augen der Gestapo verdächtig.<br />
Mit 21 Jahren erbt Ilse Totzke von ihrem verstorbenen Vater 42 000 Reichsmark. Dies ist ein beträchtliches Vermögen und macht sie finanziell unabhängig.<br />
Am 17. November 1935 hat Ilse einen Unfall mit dem Motorrad und erleidet einen Schädelbruch.<br />
Die Folgen des Unfalls wird sie ihr Leben lang spüren. Oft hat sie starke Kopfschmerzen. Doch so schmerzhaft die Verletzung ist, Ilse kann sie zu ihren Gunsten nutzen. Sie sagt später: „Die Folgen meines Schädelbruchs dienten mir während des Dritten Reiches ständig als Ausrede, um nicht in den Kriegseinsatz eingezogen zu werden. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, der Kriegsmaschinerie zu dienen.”<br />
Spätestens im Jahr 1936 ist die Würzburger Gestapo auf Ilse aufmerksam geworden. Für kurze Zeit wird ihre Post abgefangen und überwacht, ohne dass etwas Belastbares gefunden wird. Als Ilse das bemerkt, lässt sie ihre Post an Freunde schicken.<br />
Im April 1938 zieht es Ilse ins Grüne und sie wohnt fortan in einem kleinen Gartenhaus. Dort ist es für die Gestapo schwieriger, sie zu beobachten, und allein das macht sie in den Augen der Gestapo schon verdächtig. Doch die NachbarInnen behalten Ilse im Blick. 1939 wird Ilse vom Konservatorium verwiesen. Sie hat einem Professor gegenüber geäußert, was sie wirklich über Hitler denkt: „Nach Kriegsende wird man diesen Verbrecher, schuldig an so viel Blutvergießen, einfach an die Wand stellen!”</p>
<figure id="attachment_8212" aria-describedby="caption-attachment-8212" style="width: 312px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8212 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto.jpg" alt="" width="312" height="418" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto.jpg 312w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto-224x300.jpg 224w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto-100x134.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto-150x201.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto-200x268.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2024/02/totzke_ilse_erkennungsfoto-300x402.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px" /><figcaption id="caption-attachment-8212" class="wp-caption-text">Ilse Totzke &#8211; Erkennungsfoto der Gestapo, undatiert</figcaption></figure>
<p>1939 betritt Ludwig Gründel die Gestapostelle der Stadt Würzburg. Er ist wegen Ilse Totzke gekommen, die ihm schon seit längerem aufgefallen ist. Er hat bemerkt, dass Ilse nie Post bekommt, das findet er suspekt. Außerdem berichtet er, Ilse kenne auffällige Personen, eine davon sei eine französische Übersetzerin, ein anderes Mal habe ein „Halb-Jude” sie besucht. Zudem wohnt sie schon zum wiederholten Mal nahe einer militärischen Einrichtung, gegenwärtig neben einem Gebäude der Luftwaffe. Gründel kommt zu dem Schluss: Ilse betreibt sicher Spionage. Die Gestapo notiert sich zwei mögliche Verbrechen: Spionage und Kontakte zu Juden. Beides wird sehr ernst genommen. Es werden ZeugInnen kontaktiert und Ilses ehemaliger Vermieter, Hans Hunsinger, wird vorgeladen. Dieser hat Ilse auch schon unter die Lupe genommen. Er berichtet der Gestapo über Ilse, dass diese eine „Männerhasserin” ist, weil sie ja nie Besuch von Männern bekommt. Das liegt an der zerrütteten Ehe ihrer Eltern, da ist Hunsinger sich sicher. Er zeichnet das Bild einer Außenseiterin, die sich weder in die Hausgemeinschaft, noch in die Volksgemeinschaft einfügen will. Dass sie mehrfach von Jüdinnen besucht wurde, bestätigt er. Am Ende sind es neun Personen, die von der Gestapo zu Ilse befragt werden. Nur drei von ihnen sagen nichts über Ilses Freundschaften zu Jüdinnen und Juden aus. Nachbar Knettel meldet, Ilse gehe abends oft aus und komme erst spät nach Hause. Aufgefallen ist mehreren NachbarInnen auch, dass sie keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht. Das stimmt, und ist auf ihre Erbschaft zurückzuführen. Alles in allem wirkt Ilse auf ihre Mitmenschen wohl sehr auffällig. Viele nehmen Anstoß an ihrem Äußeren. Ein Nachbar gibt sogar zu Protokoll, dass Ilse „einen jüdischen Einschlag” habe.<br />
Im Mai 1941 wird Ilse Totzke erneut denunziert, diesmal durch einen anonymen Brief an die Gestapo in Würzburg. Der Brief enthält die Behauptung, Ilse unterhalte eine sehr intime Beziehung zu einer 15 jährigen Jüdin namens Else Schwabacher. (Else Schwabacher ist in Wahrheit 35 Jahre alt und eine mit einem Juden verheiratete „Arierin“) Der Denunziant wusste zu berichten, dass Ilse fast täglich zu Besuch erscheine und erst viele Stunden später am Abend wieder gehe. Sie habe „keine normale Veranlagung” und wolle die junge Frau wohl verführen. Die Empörung des Denunzianten bezieht sich klar erkennbar auf Ilses Sexualität. Doch wesentlich relevanter als die Meldung über die Existenz einer lesbischen Frau ist für die Gestapo der Verdacht, dass ein sozialer Kontakt zwischen der vermeintlichen Jüdin Else und der „Arierin” Ilse besteht.<br />
Am 5. September 1941 durchsucht die Gestapo Ilses Wohnung. Man findet keine Beweise für Spionage oder Sabotage bei ihr, aber „jüdische” Bücher, darunter einen Roman des jüdischen Schriftstellers Sholem Asch und eine Biografie von Theodor Herzl, dem Begründer des politischen Zionismus. Grund genug für die Gestapo, sie mitzunehmen und zu verhören. Sie gibt zu, dass sie in Kontakt zu Jüdinnen und Juden steht und dass sie daran auch nichts ändern wird. Sie sagt: „Wenn aufgrund meiner jüdischen Bekanntschaften unterstellt wird, dass ich den Nationalsozialismus ablehne, so antworte ich, dass ich mich nicht um Politik kümmere. Das Vorgehen gegen die Juden halte ich nicht für Recht. Ich kann diesen Maßnahmen nicht zustimmen. Dabei möchte ich betonen, dass ich keine Kommunistin bin. Jeder anständige Mensch ist mir recht, ganz gleich, welcher Nationalität er angehört.” Ohne Verwarnung wird Ilse wieder nach Hause geschickt.<br />
Am 28. Oktober 1941 wird Ilse erneut zur Gestapo einbestellt. Im Mittelpunkt der Vernehmung steht der Vorwurf, dass sie eine Beziehung zu Else Schwabacher eingegangen ist. Für die Gestapo steht hierbei aber nicht ein mögliches lesbisches Verhältnis im Vordergrund, sondern viel schwerwiegender ist ihr Verdacht, dass Else Schwabacher Jüdin sein könnte. Selbst eine nicht-sexuelle Freundschaft zwischen Ilse und Else wäre für die sofortige Verhaftung beider Frauen zu diesem Zeitpunkt ein ausreichender Grund gewesen, sofern Else tatsächlich als Jüdin identifiziert worden wäre. (Nur vier Tage zuvor hatte das Reichssicherheitshauptamt eine entsprechende Anordnung an die Gestapoleitstellen herausgegeben.) Ilse schwört, dass Else keine Jüdin ist, und das entspricht der Wahrheit. Und sie wiederholt und bestätigt ihre Aussagen über Jüdinnen und Juden, die sie schon im vorherigen Monat gegenüber der Gestapo getätigt hat. Ist das Mut? Oder Naivität? Ilse hat jedenfalls Glück, dass sie nicht sofort verhaftet wird. Sie muss unterschreiben, dass sie eindringlich davor gewarnt wurde, dass ein weiterer Verstoß ihre sofortige Verhaftung und die Haft in einem Konzentrationslager nach sich ziehen wird.<br />
November 1942. Um sich vor der Überwachung von der Würzburger Gestapo zu schützen, verbringt Ilse Totzke mehr Zeit in Berlin. Dort lernt sie die drei Jahre jüngere Ruth Basinski kennen. Ruth ist Jüdin und stammt aus Posen. Sie arbeitet in Berlin als Kindergärtnerin und ist außerdem Musikerin. Sie spielt Flöte. Die beiden freunden sich an. Mindestens einmal übernachtet Ilse bei Ruth.<br />
Am 23. November 1942 hilft Ilse Totzke zwei jüdischen Freundinnen bei der Flucht bei Moulin-Neuf über die Schweizer Grenze. Eine der Flüchtlinge ist Gertrud Tichauer. Sie ist Röntgenassistentin in einem jüdischen Krankenhaus in Frankfurt und steht schon auf einer Deportationsliste, als sie die Flucht wagt.<br />
Die Gestapo Würzburg lädt Ilse im Dezember 1942 erneut vor. Ilse beschließt daraufhin, fortan in der Illegalität zu leben. Ihr ist zu diesem Zeitpunkt sicher bewusst, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit verhaftet werden würde, wenn sie bei der Gestapo erscheint. Ilse fährt nach Berlin und plant, bei ihrer Freundin Ruth unterzutauchen. Als sie in Berlin ankommt, ändern sich ihre Pläne, denn sie erfährt, dass Ruth in der Auguststraße 17 in Berlin ist. An dieser Adresse ist ein sogenanntes „Sammellager”, in dem nur Jüdinnen und Juden leben, die bald in Konzentrationslager deportiert werden sollen. Ilse gelingt es, Ruth dort zu treffen. Es dauert ein paar Tage, aber dann stimmt Ruth Ilses Plan zu, gemeinsam über die schweizerische Grenze zu fliehen.<br />
26. Februar 1943. In der Nacht steigen Ilse und Ruth über einen Drahtzaun. Auf der anderen Seite des Zaunes ist die Schweiz. Doch sie haben Pech. Schweizer Grenzposten greifen sie auf. Nach einer Befragung werden sie zurück nach Deutschland geschickt. In der folgenden Nacht versuchen sie es erneut und werden wieder gefasst. Diesmal werden die beiden voneinander getrennt. Sie werden sich nicht wiedersehen. Ilse wird zur Gestapo nach Würzburg gebracht. Ruth wird in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Weil sie eine gute Musikerin ist, wird sie dort Teil des „Mädchenorchesters”. Sie überlebt Auschwitz und emigriert später in die USA, wo sie 1989 als Ruth Bassin stirbt.<br />
Die Gestapo Würzburg kann Ilse nun, nach Jahren der Überwachung, das erste Mal einer Straftat überführen. Ilse gibt zu Protokoll: „Der Fluchtplan war mein eigener Entschluss, ich wurde von keiner Seite unterstützt (…). Ich möchte nochmals erwähnen, dass ich aus Deutschland flüchten wollte, weil ich den Nationalsozialismus ablehne. Vor allem kann ich die Nürnberger Gesetze nicht gutheißen. Ich hatte die Absicht, mich in der Schweiz internieren zu lassen. In Deutschland wollte ich unter keinen Umständen weiterleben.“ Ilse wird in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Dort muss sie schwere Zwangsarbeit in der Forstwirtschaft leisten. Ende Februar 1943 wird Ilse von Ravensbrück nach Auschwitz deportiert. Nach rund zehn Wochen kommt sie wieder zurück nach Ravensbrück.<br />
Am 26. April 1945 wird Ilse Totzke durch eine humanitäre Rettungsaktion, die auch als Rettungsaktion der „Weißen Busse” bekannt ist, aus der KZ-Haft befreit. Sie kann sich eine Zeit in Schweden erholen, und zieht dann für einige Jahre nach Paris, wo sie Gelegenheitsarbeiten nachgeht.<br />
1954 kehrt Ilse Totzke unter dem Namen Sonia Totzke, den sie im KZ angenommen hatte, nach Würzburg zurück und strengt dort ein Entschädigungsverfahren an. Obwohl sie in der privilegierten Lage ist, viele Dokumente beschaffen zu können, die ihre Verfolgungsgeschichte belegen, werden ihr im Entschädigungsverfahren viele Steine in den Weg gelegt. Am Ende erhält sie für den Schaden an Freiheit 3.750 DM, sowie für den Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen, dadurch bedingt, dass sie ihre Ausbildung abbrechen musste, weitere 5.000 DM. Sie lebt bis zu ihrem Lebensende zurückgezogen im Elsass.<br />
1995 wird Ilse posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern” geehrt.<br />
Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 4. August 2013 wird in Würzburg eine Straße nach Ilse Totzke benannt.</p>
<p>Quelle: Bundesverband Information &amp; Beratung für NS-Verfolgte e.V. Projekt #ZumFeindGemacht</p>
<p><strong>Erläuterung:</strong></p>
<p>Lesbische Frauen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus selten ausschließlich wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Meistens wurden gegen sie unterschiedliche andere Gründe vorgebracht, wie z. B. Kontakt zu Juden und Jüdinnen, Sex mit Minderjährigen oder Abhängigen (wobei nicht vermerkt wurde, ob es sich um lesbische sexuelle Handlungen handelte), Mitgliedschaft in politischen Parteien (KPD, SPD) oder sie wurden als asozial im weitläufigen Sinne bezeichnet, worunter auch der häufige Wechsel von Partnerinnen zählte. Anders als bei homosexuellen Männern, die nach § 175 verfolgt wurden, nahmen die Nazis lesbische Frauen aus fadenscheinigen Gründen in „Schutzhaft“, entweder in Gefängnissen oder Konzentrationslagern. Dort gab es für lesbische Frauen keine gesonderte Kennzeichnung an der Häftlingskleidung. Sie trugen entweder den schwarzen Winkel zur Kennzeichnung „Asoziale“ oder den roten Winkel zur Kennzeichnung „politische Gefangene“ und wurden auch so in den Unterkünften sortiert. Dies ist auch der Grund, aus dem es kaum Dokumente über lesbische Frauen in den Konzentrationslagern gibt. Selten wurde hinter dem Namen einer Inhaftierten der Vermerk „lesbisch“ gemacht.<br />
Da Homosexualität auch nach dem 2. Weltkrieg in der Gesellschaft tabuisiert wurde, gibt es heute so gut wie keine Aussagen von Lesben über ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Nur wenige lesbische Frauen hinterließen einen Nachlass mit Dokumenten. Dies waren meistens Frauen aus der gehobenen Schicht, sodass aus anderen Bevölkerungsschichten keine Dokumente oder Zeugenaussagen vorliegen. Dies gilt auch für transsexuelle und non-binäre Menschen.</p>
<p>Fotos: Projekt #ZumFeindGemacht</p>
<p>Text: <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e181cc9d72234719933bb184167bdfdd" alt="" width="1" height="1" />Xenia Marita Riebe</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bild-art.de/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-teil-ii">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus Teil II</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-teil-i">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus – Teil I</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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