Yukon Quest 2018 – Zwei deutsche Frauen allein in Eagle – 1.Teil

Yasmin und Elke auf dem Yukon
Über wärmende Kleidung bei extremen Minustemperaturen
Warten auf Paige Drobny auf dem Yukon bei -35 Grad
Hugh Neff kommt um 2 Uhr in der Nacht in Eagle an
Die Hundeteams nach der Ankunft

Der Yukon Quest Checkpoint Eagle ist, wie ja inzwischen bekannt sein sollte, im Winter nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Diesen Aufwand, der natürlich auch mit Kosten verbunden ist, scheuen die meisten YQ-Fans und besuchen diesen einsam gelegenen Ort am Yukon River nicht. Sie reisen stattdessen von Circle City weiter nach Dawson und warten dort auf die Musher. Die meisten Fans haben dann auch schon mindestens zwei Nächte im Auto hinter sich und freuen sich auf eine Dusche und ein Bett in einem Hotel.
Nicht so Yasmin und Elke. Diese beiden wollten unbedingt wissen, wie es sich anfühlt, am Ende der Welt zu sein. Und dies nicht einfach nur so, sondern als Fans des härtesten Schlittenhunderennens der Welt.
Dass Yasmin und Elke wirkliche Fans sind, beweisen sie nicht nur dadurch, dass sie die einzigen Fans in Eagle sind, sondern auch dadurch, dass sie Tag und Nacht bereitstehen, um die Musher mit ihren Teams einfahren zu sehen.
Das stelle man sich aber nicht so leicht vor. Die beiden Frauen benötigen eine halbe Stunde um sich anzuziehen, denn eine gute, mehrschichtige, warme Kleidung ist bei Temperaturen unter -30° ein absolutes Muss.

Über wärmende Kleidung bei extremen Minustemperaturen

Yasmin. „ Eine gute Ausrüstung ist sehr wichtig und daran haben wir nicht gespart. Nach unserem letzten Aufenthalt im Yukon haben wir alles noch einmal optimiert. Unter unseren anderen Sachen tragen wir zwei lange Unterhosen und drei Schichten Oberteile. Uns war zu keinem Zeitpunkt wirklich kalt.
Doch bei den Händen ist das etwas anders. Manchmal auch schwierig, denn ich möchte ja fotografieren und mit Handschuhen kann ich das nicht. Die Hände kannst du nur für ganz kurze Zeit ohne Handschuhe lassen. Ich habe das auf dem Yukon zu spüren bekommen. Es ging ein leichter Wind und ich habe fotografiert und mein Handy bedient. Ich dachte, es geht noch eine Weile, doch dann sind meine Hände so kalt geworden, dass sie beinahe nicht mehr warm wurden und meine Fingerspitzen kribbelten und schmerzten. Man muss höllisch aufpassen, damit man keine Erfrierungen bekommt.

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Ab -38 bis – 40 fühlt ist dann alles noch einmal anders. Der Schnee knirscht anders unter den Füßen und die Jacken fühlen sich wie Papier an. Wir versuchen dann unser Gesicht so gut wie möglich zu schützen, indem wir den Schal hinauf über Mund und Nase ziehen und die Fellmütze und die Kapuze, soweit es möglich ist, hinunter in die Stirn.“


Vereister Yukon River

Warten auf Paige Drobny auf dem Yukon bei -35 Grad

Paige Drobny sollte um 14:30 in Eagle eintreffen. Yasmin und Elke hatten sich vorgenommen, sie zu filmen, wenn sie den Yukon River hinaufkommen würde. Bei herrlichstem Wetter mit stahlblauem Himmel und Sonnenschein war dies eine verlockende Idee. Um sich auf ein solches Unternehmen vorzubereiten, brauchten die beiden Frau mehr als eine Stunde. Sie mussten ihre Ausrüstung anziehen mit allen Unter-und Oberschichten, die Akkus für die Kamera fertigmachen und schließlich hinunter zum Fluss gehen. Dort standen sie dann und warteten. Immer wieder horchten sie, ob nicht ein Singen oder Pfeifen im Eis zu hören sei. Aber es herrschte nichts als absolute Stille. Diese Stille war ihnen auch schon im Ort Eagle aufgefallen, eine Stille, wie sie es sonst kaum mehr gibt in unserer hektischen von Motoren und Maschinen dominierten Welt. In Eagle, so sagten Yasmine und Elke, können sie nachempfinden, wie sich Trapper auf der Trappline fühlen.
Also, die beiden standen in der Kälte auf dem vereisten Fluss und nichts rührte sich. Der Live-Tracker hatte die Ankunftszeit von Paige Drobny mit 14:45 angegeben. Es wurde 15:00 Uhr und kein Hundeschlitten kam. Als Drobny um 15:15 immer noch nicht eingetroffen war, machten sich die beiden Frauen auf zum Checkpoint, um nachzufragen, ob es etwas neues über die Musherin gab. Und was mussten sie feststellen? Paige Drobny saß im Checkpoint und trank einen Kaffee. Wie war sie dorthin gekommen? Yasmine und Elke konnten sie unmöglich übersehen haben. Auf ihre Nachfrage wurde schnell klar, dass der Tracker nicht genau ist. Er hatte die Ankunft von Paige für eine deutlich spätere Zeit angekündigt. Das war schade, aber so lernten die Frauen, dass sie dem Tracker nicht unbedingt trauen können.
Hugh Neff, Eagle

Hugh Neff kommt um 2 Uhr in der Nacht in Eagle an

Als Hugh Neff in der Nacht in Eagle eintraf, betrug die Temperatur -45°. Yasmin und Elke standen draußen an einem Lagerfeuer und warteten zusammen mit den Journalisten und den YQ Offiziellen auf den Musher. Trotz der Kälte war die Stimmung gut. Die Frauen warteten gespannt auf Hugh, den sie sehr gut kennen. Und dann war plötzlich das typische Geräusch der Kufen zu vernehmen und von Ferne leuchtete die kleine Stirnlampe des Mushers auf. Und wenige Sekunden später hielt Hugh Neff auch schon am Checkpoint an. Seine Hunde schauten ein wenig verdutzt, geradeso als wollten sie fragen, warum sie denn gebremst werden. Scheinbar hatten sie noch keine rechte Lust auf eine Pause. Hugh erkannte unsere beiden Frauen und begrüßte sie freudig. Auf ihre Frage, wie er sich fühle, antwortete er: „Meine Hunde haben großen Hunger.“ Und er begab sich schnell zum Dog Yard um sie zu füttern. Ja, so sind sie , die Musher. Immer denken sie zuerst an ihre Hunde. Das macht sie so sympathisch.

Dog Yard
Die Hundeteams nach der Ankunft

Auf meine Frage, wie sich die Hunde verhalten, wenn sie im Checkpoint ankommen, sagte Yasmin, via Sprachübertragung von Whatsapp, folgendes: „Wenn ein Team hereinkommt, hörst du zuerst nur die Kufen auf dem Schnee. Die Hunde sind ganz still. Du hörst höchstens ihren Atem. Wenn sie dann anhalten sollen, wollen manche sogar noch weiterlaufen und ziehen in ihren Geschirren. Andere bellen ein bisschen. Sie wirken aber alle unglaublich fit. Und das nach der Leistung, die sie unterwegs verbracht haben. Diese Hunde sind wirkliche toll. Wir können uns nicht satt an ihnen sehen! Diese Ausstrahlung, das Verhalten, der Blick! Diese unglaublichen Athleten, die alles geben. Einfach wunderbar!“

dog yard

Nach einer oft sehr langen und strapaziösen Fahrt, dürfen es sich die Hunde im Dog Yard erst einmal gutgehen lassen. Sie werden von ihrem Musher gefüttert, er zieht ihnen die Booties aus und massiert ihnen die Pfoten, er streichelt und lobt sie und macht ihnen schließlich ein Strohlager, auf dem sie sich, zugedeckt mit ihren Hundedecken, ausstrecken können. Doch meistens rollen sie sich schon sehr bald ein und schlafen. Dann sehen sie so lieb und friedlich aus, dass es eine Freude ist sie anzuschauen.

Text: © Xenia Marita Riebe
Fotos: © Yasmin Maschouf-Hofmann, Elke Fischer

Siehe auch: Zwei deutsche Frauen allein in Eagle – 2.Teil

Dog Yard Eagle

 

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