Tims Reisetagebuch Südamerika 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

25.12. – am Iguacu / SW Brasilien
Alternative Weihnachten

Todo bem?
Also ich war wie geschrieben gestern bei den Wasserfällen des Iguazu und habe danach erstmal schnell noch alles gekauft, was man für 3 Tage Weihnachten so braucht.

Iguazu Waterfalls Brazil

Dann habe ich Ruth (und auch Dani, Efrat aus Israel, Bastian aus Franz Guyana und Sani aus Indien, welche nach meiner Erklärung aber nicht mit feiern wollten, weil sie lieber durch die Stadt schlenderten), erklärt, wie man denn den Weihnachtsabend verbringt!
Also erst wird gemeinsam das Jugendherbergszimmer aufgeräumt, danach fängt man dann gemeinsam an zu kochen. Ich musste allerdings diesmal auf das alljährliche Raclette verzichten, auf Reisen ißt man halt Pasta, doch diesmal mit einer Pilz-Käse-Sauce und als Nachtisch frische Honigmelone, Mangos und Maracuja. Während des Kochens entschuldigte ich mich dann und eilte durchs ganze Hostel um Plastikpflanzen zu sammeln, um diese dann klammheimlich in unseren Raum zu bringen und einen Weihnachtsbaum zu formen.
Geschmückt mit Geld, Zigaretten und Glücksbringern, einer Flasche MESSIAS Wein (sehr passend), Amaretto und meiner einzigen Kerze gab das Ganze eine passable Weihnachtsatmosphäre her. Dann verpackte ich noch schnell meine Geschenke (eine neue Zahnbuüste und eine kleine Tafel Schokolade für Ruth und Kaugummis für meinen Pingu)und eilte zurueck zum Kochen. Das Essen war wunderbar, in einem dunklen kleinen Raum in dem 3 Paraguyaner Zigaretten rauchten und eine brasilianische Telenovella sahen, während ich Dutzende Mosquitos von ihrem Weihnachtsmahl abhielt!
Nach dem Essen erzählte ich Ruth dann die Weihnachtsgeschichte auf Deutsch, allerdings in meinen Worten, da ich mich nicht mehr so genau an den Wortlaut errinnern konnte.
Als wir dann zur Bescherung übergingen und Ruth auch noch ein Geschenk für mich hatte (eine neue Kerze und einen Kuli) war Weihnachten dann perfekt.
Das Feuerwerk beendete dann den Abend und zugleich auch mein erstes Weihnachten im Sommer, und ich kann nun wirklich sagen, ich bevorzuge Christmas im Winter! Morgen ziehe ich weiter nach Campo Grande in den Norden, wo ich mir die Pantanalsavanna ansehen werde! Also machts gut und bis in einer Woche oder 2,
euer TIM!

31.12.2001 – in Bonito / SW Brasilien
Happy New Year

Hey,
Ihr im fernen Deutschland seit schon im Jahr 2002 und ich bin noch in der Vergangenheit! Noch genieße ich das gute alte Jahr 2001 und bereite mich innerlich auf die Sylvesterparty vor! Doch eins nach dem anderem.

Pantanal

Also,die letzten 4 Tage war ich im Pantanal, das ist eine Art Sumpfgebiet in Südwestbrasilien. Sumpf bedeutet, es ist trocken im Winter (Trockenzeit) und sehr nass (alles voller Wasser) im Sommer (Regenzeit). Die Regenzeit beginnt im Dezember, so dass ich gerade den Übergang von Savanna zu Sumpf sehen konnte. Vier Nächte lang habe ich in einer Hängematte zwischen 2 Palmen geschlafen, das war fantastisch. Wir waren eine Gruppe von 7 Personen und einem Guide und ich dachte mir, ich will wirkliche Abenteuer, ich missachte alles, was unser Touristenführer den normalen Touristen erzählt und mache alles, was er auch macht. Und deshalb bin ich die ganze Zeit nur barfuss und in Shorts umhergestreift, habe Honig aus einem Bienennest geklaut, habe einen Alligator gefangen (und auch die Flosse geschüttelt) und bin dem Ameisenbär hinterhergerannt.
Nebenbei haben wir noch Piranhas geangelt (und die knabbern wirklich an Menschen), frische Mangos und Kokosnüsse gepflückt und wir sind einen Tag lang auf Pferden geritten. Insgesamt hat es sich gelohnt, aber ich bin so froh, wieder in einer Stadt zu sein, ihr könnt es euch nicht vorstellen. Allein wegen der Mosquitos. Am ersten Tag im Pantanal haben sie mir den Krieg erklärt, welcher dann schlecht für sie ausging. Jeden Abend habe ich meine Stiche gezählt und mein Ergebnis lautet:
147 Stiche zu 203 toten Mosquitos. So, aber jetzt ist die Wildnistour vorüber, ich bin in Bonito, an der Grenze zu Bolivia, und hier steigt heute eine Sylvesterparty mit Champagner und Buffet für 10 Real, ungefähr 4 $, und die werde ich feiern mit meinen neuen lustigen Reisegefährten, Dror, Ariel und Enaw aus Israel, Greg und Dani (aus Auckland, New Zealand), Andi, (Toronto,Canada), Lars und Hans (Kopenhagen,Dänemark) und Jonathan (Schweden, den Namen der Stadt habe ich vergessen). Diese Leute sind wirklich klasse und obwohl ich euch alle so vermisse, denke ich, das wird eine gute Sylvesterparty!!!!!!

07.01. BonitoCampo GrandeParanagua / SE Brasilien
Busfahren und Kino “Herr der Ringe”

Hallo, und nochmal ein frohes, Neues Jahr!
In der letzten Woche bin ich wieder mal ein gutes Stueck meines Weges vorangekommen, ich bin von der Grenze Boliviens bis an die Atlantikküste gekommen (für die Kartengucker: Bonito-Campo Grande-Londrina-Curitiba-Paranagua-Punta do Sol- Illha do Mel-Paranagua).
In Bonito sind wir so schlecht behandelt worden (unfreundliche Youthhostelbesitzer, Wucherpreise und Abzockerei,) dass wir (Enav, Arie und Dror -natuerlich alle aus Israel!) beschlossen, doch nach Curitiba zu fahren und uns die Hauptstadt Paranas anzuschauen. Ruth wollte lieber direkt nach Rio, so sagten wir uns nach langer Reisezeit nun endlich La-i-trioth (Good Bye) und gingen getrennter Wege. Unser erster Halt führte uns mal wieder nach Campo Grande und wieder schlief ich im selben (weil billigsten) Youthhostel. Und auch hier waren die Leute wieder unfreundlich und gar nicht nett und wollten mehr Geld als vereinbart, deshalb schlug ich sie mit Ihren eigenen Waffen, ich redete solange mit dem ahnungslosen Portier, bis er mir glaubte, ich sei ein persönlicher Freund seines Chefs, zahlte nur den halben Preis und nichts für’s Internet und vergaß obendrein noch die Zimmerschlüssel abzugeben!
Okay, in Bonito hatten uns die Busgesellschaften versichert, wir würden sofort einen Anschlussbus nach Curitiba bekommen, was dann natürlich nicht klappte (und mein Vater sprach die Wahrheit, als er mir vor meiner Reise sagte, die meistgehoerten Worte in Südamerika sind manjana und no se, ich muss aber noch boludo (Dummkopf in freier Übersetzung) und Corazon (Herz) hinzufuegen. In C.G. versicherte uns der Senhor der Busgesellschaft wir könnten nach Londrina fahren und von dort direkt den Anschlussbus nach Curitiba bekommen, also auf nach Londrina. Um 6:00 morgens waren wir dann dort, der nächste Bus nach Curitiba fuhr um 17:30 Uhr. Also konnten wir uns ein bisschen Londrina anschauen und dort sah ich dann ein gemütliches kleines Kino mit “Herr der Ringe” in Originalversion als Hauptprogramm und ich überredete die anderen, doch mit mir den Film des Jahres zu sehen. Und das Beste daran war, das Kino kostete umgerechnet 3DM für Studenten, inklusive Popcorn!!! Im nächsten Absatz schreibe ich auschliesslich über den Film, also, wen es nicht interessiert, der überspringe diesen bitte!!!…

Wo war ich, ach ja, wir erreichten Curitiba um 23:00 Uhr in der Nacht und nach 2 Stunden umschauen wussten wir, SÄMTLICHE HOTELS der Stadt sind belegt, also beschlossen wir, dass wir Urlaub vom Urlaub brauchten, 3 Tage am Strand würden uns sicher gut tun und der nächste Bus zum nächsten Strand (in diesem Fall die Illha do Mel) fährt auch schon in 3 Stunden. Also, 3 Stunden in der Busstation Meier spielen und dann ab nach Parangua, von Parangua nach Punta del Sol und von dort mit einer Fähre auf die Insel. Das Lonley Planet Handbook of South – America (eines der besten Bücher über Südamerika für Rucksacktouristen) hatte uns diesen Tip gegeben.

Ilha do Mel

Leider hatte es uns nicht verraten, dass es das beliebteste Ferienziel aller reichen Brasilianer ist und dementsprechend teuer. Na ja, im Feilschen bin ich mittlerweile besser, so konnten wir 2 Tage am Strand in der Sonne faulenzen und uns braun braten lassen und das für erträgliche Preise. Ach, das tat gut, Urlaub vom Urlaub, im Atlantik schwimmen, Maracujasaft schlürfen und alle Wunden lecken. Nun bin ich wieder in Paranagua und fahre über Nacht nach Sao Paulo, dann direkt weiter nach Rio, wo ich eine billige Adresse habe und mal wieder ein Grosstadt genießen werde.
Also ,ich schreibe Euch wieder aus Rio!
Viele Grüße, TIM!

Fotos ©Tim Riebe
Textbearbeitung: © Xenia Marita Riebe

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

 

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

 Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

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