Tims Reisetagebuch Südamerika 6 – Von Bariloche nach Pucon

11.12. – San Carlos de Bariloche – SW Argentinien ca 41° S

bei Puyuhuapi

Hola Muchachos!
Ich habe gerade bemerkt,dass meine letzte E-mail wohl angekommen ist, obwohl mein Computer mir versicherte, dass er kaputt sei! Nun ja, nett von ihm, dass er es sich anders ueberlegt hat, dann muss ich nicht alles nochmal schreiben.
Nun bin ich also endlich in San Carlos de Bariloche, in dem Ort, nach dem ich in meiner 2. Reisewoche aufbrechen wollte und doch immer eine andere Richtung einschlug. BILD Bariloche ist die Stadt der Schokolade, ueberall ist Schokolade, egal ob Eis oder Fondue, Kuchen oder Kunstgegenstaende, Museen und Kakao, hier kommt man nicht um die Schokolade herum. Aber da ich fuer diesen Luxus kein Geld ausgeben kann, schleiche ich nur sehnsuechtig lechzend an den Schaufenstern vorbei und freue mich ueber die wenigen Probierstaende, an denen ich mich dann bereichern kann.

Bariloche, Schokoladenmuseum

Insgesamt kann ich sagen, mein Glueck haelt an, obwohl ich meist bis tief in die Nacht wach bin, um gute Gespraeche mit Ruth, argentinischen Tankwarten und israelischen Raftingspezialisten zu fuehren und morgens dann meist erst um 11:00 aus dem Zelt gekrochen komme, haelt doch immer wieder ein Auto oder ein Truck, um uns zu dem Ort zu bringen zu dem wir wollen.
Und wenn das nicht klappt, hilft uns im Notfall das Militaer, wie an der argentinischen Grenze; nach 2 Stunden Wartezeit “empfahl” der dortige Offizier einer argentinischen Familie uns doch mitzunehmen, was diese dann auch mit einigen “aber natuerlich machen wir doch gerne” und “das ist ueberhaupt kein Problem” taten.
Das Wetter stimmt sich auf Sommer ein, 25-27 Grad in Bariloche, und ich verschwende wirklich kaum einen Gedanken an die herannahende Weihnachtszeit. Wie soll ich mich auch auf Weihnachten im Sommer einstimmen? Anstatt Gluehwein kann ich dann ein kuehles Bier trinken und anstatt den Weihnachtsplaetzchen Schokoladeneis essen.
Neue Abenteuer habe ich nicht zu berichten, ausser dass ich das erste Mal in meinem Leben im Pazifik war (aber nur mit den Fuessen und es war sehr kalt), die chilenischen Cordilleren mehrmals durchquert habe und jedesmal aufs neue staune, wenn sich die Landschaft veraendert.

Ruth in typischer Fotoposition, mit ihr reise ich gerade

Zum Beispiel um Puyuhuapi herum ist alles wie im Regenwald, undurchdringliches Buschwerk und riesige Blaetter, waehrend hier alles aussieht wie in der Schweiz, Haeuser aus Holz, schneebedeckte Gipfel und Tannenwald welcher immer wieder von tiefblauen Seen unterbrochen wird.
So, ich werde nun schwimmen gehen und vielleicht goenne ich mir ja doch ein Schokoladeneis, morgen gehts weiter nach Villa Angostura, hitchhiking natuerlich, aber wie immer tranquilo, den Wecker auf 6:00 stellen, kurz aufwachen, einen Blick auf Ruth werfen und den Wecker ausstellen, um dann um 12:00 an der Strasse zu sitzen und muede zu laecheln. Wir sind wahrscheinlich zur Zeit die faulsten Motchileros Suedamerikas, aber das aendert sich sicher nach Pucon, schliesslich kann ich mich nicht immer auf mein Glueck verlassen.
Meine sonstigen Plaene sind: Nach Pucon auf nach Mendoza, wo ich gerne Weihnachten verbringen moechte, dann auf zu den Wasserfaellen von Iguazu, dann Brasilien, wo ich dann arbeite und Carneval feiere und dann mal sehen. Auf meiner Wunschliste stehen noch Bolivien, Peru, Uruguay und Ecuador, aber das ist ferne Zukunft.
Ich melde mich wohl in einer Woche wieder aus Pucon, mit etwas Glueck brauchen wir nur ein paar Tage. Mein Spanisch wird immer besser, ebenso mein Hebraeisch, auch English bessert sich, nur habe ich wirklich Probleme mit Deutsch.

14.12. – Pucon – SW Argentinien ca 40° S

Hallo,
und erstmal wieder eine Wettermeldung,28 Grad im Schatten keine Wolke am Himmel, aber dafuer ein grosser kalter See direkt an der Stadtgrenze, an dem ich mich nach dieser E-mail abkuehlen werde. Und wie ist es bei euch?
So,ich habe also Pucon erreicht und wieder einmal kann ich Tolkien benutzen, um euch die Stadt naeher zu bringen. Pucon liegt am Rande eines grossen Sees, einige Fischerhaeuser sind auf Pfaehlen erbaut und durch eine Holzbruecke zu erreichen. Ein einsamer Berg erstreckt sich am noerdlichen Ufer des Sees und Rauch quillt aus seinem Schlot. Na, erinnert das die Tolkienfans an was?
Doch leider (?) kommt dieser Rauch nicht von einem Drachen, sondern von dem aktiven Vulkan Villarica, der den ganzen Tag Rauch speit. Sonst kann ich ueber diese Stadt nur sagen, das sie eine fast israelische Stadt ist, sogar meine Tastatur ist mit hebraeischen Zeichen versehen, jede Speisekarte ist in Hebraeisch und 90% der Touristen sind aus Israel.

Pucon

Doch ich habe auch schon 2 Berliner und einen Belgier kennengelernt und wie es der Zufall will haben alle Linguistik studiert. So habe ich seit langer Zeit mal wieder tiefschuerfende Gespraeche ueber Ergativ und Vokalharmonie gefuehrt und gemerkt, das ich es kaum vermisse….!
Naja, ansonsten hatte ich mal wieder Glueck mit der Reise, ich sprach in Bariloche eine argentinische Frau an, weil sie einen Text ueber die Buddenbrooks in der Hand hielt und nach einem kurzen Gespraech in deutsch, englisch und spanisch lud sie uns ein, doch mit Ihr nach Valdivia zu fahren,denn Ihr Sohn hatte da eine Deutschpruefung und ich half ihm dann beim deutsch lernen, dafuer konnten wir bei Ihr umsonst uebernachten.
Ignacio, der Sohn, hatte ein Phonetikprogramm zur deutschen Sprache, das ihm anzeigt, ob er ein Wort gut ausspricht oder nicht, und bei meinem Versuch “enthaelt” zu sagen, gab mir der Computer natuerlich die schlechteste Bewertung, auch die naechsten Woerter fielen sehr schlecht aus, nur beim Wort “Wein” hatte ich dann volle 100% !! Tja,die wichtigsten Woerter verlernt man wohl nicht so schnell.
So, nach Pucon ziehe ich weiter nach Mendoza, wahrscheinlich alleine und ich versuche dort Weihnachten zu verbringen, in der Stadt des Weines. Ich melde mich wieder wenn ich mehr interessantes berichten kann, Gruesse an alle!! Euer Sonnenanbeter-TIM!

Fotos ©Tim Riebe

 

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

 

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

 Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

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