Tims Reisetagebuch Südamerika 4 – Ushuaia – meeting point am Ende der Welt

“Verzeiht”, sagte er, “wenn ich einiges mitangehoert habe, doch ich glaube, dass ihr mich fuer untauglich haltet! Ich werde es Euch zeigen! Selbst wenn ich bis ans Ende der Welt gehen und mit den Lindwuermern in der letzten Wueste kaempfen muesste…”
(Zitat aus “Der kleine Hobbit” von J.R.R.Tolkien, wahrscheinlich nicht ganz richtig)

….und dort bin ich jetzt, am Ende der Welt, wie sich Ushuaia selber nennt  …
und einen Handstand habe ich auch schon gemacht! Aber kaempfen musste ich noch nicht, aber eins nach dem anderen, zuerst berichte ich von der Reise!
Zum Beispiel, dass wir Karten gespielt haben, und die Argentinos die Karten einfach nicht verstehen, da sie hier Espada, Basto, Copa und Oro haben und nicht Kreuz, Pik, Herz und Karo und sich deswegen ueber Eure Karten kaputt gelacht haben.
Und jedes Foto wurde natuerlich genau betrachtet und ueber die schoensten Frauen wollten sie alles wissen.

In Ushuaia. Von links nach rechts, Diego aus Ecuador, mit dem ich eine zeitlang gereist bin,daneben bin dann ich mit meiner geliehenen Jacke, daneben ist der verrueckte Mariano, dann Coco und ganz rechts Eduardo.

Ich liebe Ushuaia, es ist mit Abstand die tollste Stadt, die ich bisher kennengelernt habe. Stellt Euch vor, ihr fahrt stundenlang durch die Ebene Patagoniens, dann erheben sich erst ein paar Huegel, die sich spaeter in die schneebedeckten Berge des letzten Auslaeufers der Cordilleren verwandeln und ihr ueberquert das Gebirge und blickt dann auf eine Bucht, in der sich eine kleine bunte Stadt befindet. Es ist wirklich fantastisch; um Ushuaia herum sind Berge mit weissen Schneekuppen und nur auf der suedoestlichen Seite ist das Meer und alles ist unbeschreiblich schoen.
Die Stadt selber ist voller Leben, ueberall sind Menschen, man kann alles kaufen (sogar Moods mit Filter fuer 8$), die Haueser sind bunt, dort steht eine blaue Steinvilla und daneben eine braune Barracke, die asphaltierte Hauptstrasse verlaueft schnurgerade einen Kilometer, danach folgt dann nur noch eine Schotterpiste.
Jeden Tag legen neue Schiffe im Hafen an und bringen allerlei Waren, die dann auf dem Markt angepriesen werden oder von LkWs durch Suedamerika gefahren werden. Touristen gibt es hier auch viele, aber meist Motchileros (Backpacker) und jeder spricht mit jedem und alle sind freundlich und zufrieden.

Ein Beispiel: Ich bin gerade 10 Minuten in der Stadt und warte darauf, das die anderen zurueckkommen und von einem billigen Hotel berichten, da werde ich schon angesprochen, woher ich denn komme und ob ich nicht Lust haette ein Bier zu trinken und wohin ich gehe und schon lerne ich eine Gruppe von Canadiern kennen, die leider schon wieder abgereist sind.
Dann finden wir endlich ein Hotel, das sehr billig ist und die Señora erklaert uns, dass wir uns das Zimmer mit einem Israeli teilen muessen, ein ruhiger und freundlicher Bursche – und wer taucht 15 Min. spaeter auf? Daniel, der Israeli, den ich schon in Puerto Madryn kennengelernt habe und den wir in Caleta Olivia und Fitz Roy getroffen haben.
Und damit ihr merkt, dass die Welt wirklich klein ist, taucht dann abends auch noch Diego auf, Diego aus Ecuador und Diego kennt Hiro aus Japan und Hiro kennt Liu aus China und Liu kennt Roberto und Roberto habe ich in Buenos Aires nach dem Weg zum Zoo gefragt!
Ich kann Euch sagen,die letzten Tage habe ich diese Stadt genossen, Fiestas gefeiert und nur nette und tolle Leute kennengelernt. So wohnen wir jetzt alle in der Casa Hilda, wir, das bedeutet Mariano, Eduardo, Coco (meine Reisegefaehrten aus Buenos Aires), Daniel(aus Haifa), Hiro und Liu, Ruth(auch aus Israel), Francesco(aus Paraguay) und ich selbst aus Neuss!
Und wir verstaendigen uns in Castellano, Englisch, Japanisch, Chinesisch und Hebraeisch und Deutsch,lachen ueber unsere Sitten und Sprachprobleme und lernen jeder die Sprache der anderen.
Hilda, unsere Gastwirtin bewirtet uns wie ihre eigenen Kinder und sie ist wirklich verrueckt. Gestern fragten wir sie nach dem Weg zu irgendeinem schoenen Aussichtspunkt und sie brachte uns ein selbstgemaltes Bild und erklaerte uns daran den Weg. Auf dem Bild konnte man natuerlich nichts erkennen, ausser einem Flugzeug, einem Hasen und einem Estanciero (aber sie erklaerte uns, dass sie das Bild vor 20 Jahren gemalt habe und sowohl Flugzeug, Hase als auch Estanciero nicht mehr da seien).

Mein Lieblingsfoto: Hilda, die Frau ganz links erklaert uns an diesem selbstgemalten Bild, was es um Ushuaia herum fuer Sehenswuerdigkeiten gibt, mit Kommentaren wie: Das Flugzeug fliegt wahrscheinlich heute nicht ueber das Gebirge, denn ich habe das Bild vor 20 Jahren gemalt, vielleicht trefft Ihr den Motchilero, er wollte dort eine Weile zelten! Was wir von dem Bild und Hildas Neurosen hielten, druecken Mariano und Coco sehr gut aus!

Ich kann Euch sagen,dass es mir wirklich schon schwer faellt, deutsch zu schreiben,ich habe wirklich gerade soviel Englisch, Castellano und Hebraeisch im Kopf, dass es mir einfacher fallen wuerde in diesen Sprachen oder in einem Mix aus allen zu schreiben.
Diego ist gestern nach Santiago de Chile geflogen, Dani reist heute mit einem Schiff zur Antarktis (… bin ich neidisch) und ich werde wohl Montag schon weiterreisen, Richtung Chile mit Eduardo, Mariano, Coco und Ruth, vielleicht schliesst sich auch Liu an.

Sonnenuntergang in Ushuaia

Aber wer weiss, ich haette auch andere verlockende Angebote, da (ein TIP fuer meinen Vater!!!!) am 1.Dezember jeden Jahres hier viele russische Schiffe anlegen, auf denen man arbeiten kann und so umsonst zur Antarktis kommen kann. Auch fahren Schiffe nach Japan und Sila, (eine Ushuaiarin(???)) meinte, dass ich durchaus in der Touristenbranche arbeiten koennte. Hmm,mal sehen,denn eigentlich packt mich schon wieder das Reisefieber und es ist ein langer Weg ueber Chile, Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay nach Brasilien,wo ich gerne im Februar den Carneval erleben wuerde. Das ist so mein vorlaeufiger Reiseplan, aber ihr wisst, nichts ist sicher auf so einer Reise.
ihr seht, ich liebe diese Stadt, ich geniesse hier alles. Ich rate wirklich jedem, mal hierhin zu kommen, es ist wunderwunderwunderschoen!!

Fotos ©Tim Riebe

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

 

 

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Veröffentlicht in Reisen

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