Tims Reisetagebuch Südamerika 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

Hallo meine Lieben Freunde,Familie und Leser,
Es gibt ein paar Regeln,an die ich mich hier fest klammern kann:
1.) Es kommt immer anders als man denkt!
Habe ich vorgestern geschrieben, dass ich mit Miguel nach Bariloche reise??? Heute steht fest, morgen frueh geht es auf nach Sueden, nach Commodore Rivadavia. Was fuer ein Name fuer eine Stadt,nicht wahr! Es ist fast so als wuerden wir eine Stadt in Deutschland nach Rommel benennen, also nicht Koeln, sondern Panzergeneral Rommel. Denn C.Rivadavia hat hier in Suedargentinien dafuer gesorgt, das die Indios verschwinden. “Grenzsicherung” nennt es die Regierung, Massenmord das Volk!
Wie ich dazu komme, dorthin zu gehen? Ganz einfach, Diego ist aufgetaucht. Diego kam auf den Campingplatz, laechelte mich an und fragte mich, ob ich nicht zufaellig einen Schluck Vino haette. Sofort waren wir ein Herz und eine Seele und nach der dritten Flasche stand mal wieder fest: Yo boi a Ushuaia! (ich gehe nach Ushuaia). Dorthin wollte ich ja sowieso und Diego will auch dorthin und irgendwie muss ich dorthin, das Schicksal will es so, denn jedesmal nehme ich mir vor nach Bariloche zu ziehen und jedesmal komme ich dann weiter in den Sueden. Diego ist uebrigens aus Ecuador, 23 Jahre alt und spricht englisch (das ist sehr wichtig, da ich wieder mehr lernen kann,z.B.: wie zum Teufel (oh,entschuldigung fuer den Fluch) bilde ich das Praeteritum???!!!).
2.)Behalte Deinen Humor!
Ganz egal, ob nun ein Puma, ein Altnazi oder ein grimmiger Polizist vor dir stehen, laechle, sei freundlich, sage yo no sabia (ich habe es nicht gewusst) und lache aus vollem Herzen. Denn wenn Du als nicht-spanisch-sprechender deutscher nach Argentinien gehst, wirst Du immer auf 2 Reaktionen treffen: Erstens sind die Leute erstaunt ueber Deinen Mut (ich verstehe gar nicht, warum, ich habe keinen Mut,ich waere schon sehr oft in der Erde versunken, wenn ich es koennte) und danach lachen sie Dich aus, weil Dein Castellano so deutsch klingt, weil Du so naiv und unschuldig bist (naiv und unschuldig??Ich?? Hmm, und ich dachte ich wuesste alles ueber die welt!!) und weil du laut am Strand singst und lachst und tanzt und keiner versteht, warum (in dem Fall,weil ich mich ueber Eure Mails gefreut habe). Doch auch wenn sie Witze ueber dich machen oder dir unverstaendliche Sachen zurufen (wie zum Beispiel: “Halt Stehen bleiben”; das rief mir ein Polizist zu, an dem ich dann freundlich laechelnd vorbei gefahren bin, woraufhin er seinen Schlagstock zog und mir bestimmt eine Beule verpasst haette, wenn ich nicht doch angehalten haette. Dabei war nur die Strasse gesperrt wegen eines Haeuserbrands.) Behalte Deinen Humor, mach Dich ueber Dich selber lustig und lache wenn sie Deutsch reden (ungefaehr so: ain, swai, trai, fa, fum, sex, siba, ach,noi,cenn)!!!!
3.)Du brauchst keinen Luxus!
Unter Luxus fallen: Warmes Wasser, Strom, jeden Tag eine warme Mahlzeit,ein Schluck Fanta, eine Packung Zigarillos, Schokolade, deutsche Sprache, ein warmes Bett, saubere Kleidung und genug Geld!
Nein, ich brauche keinen Luxus, aeh…vielleicht nur ein Stueck Schokolade, oder einen Zug an einem Zigarillo, oder eine Nacht auf einer kuscheligen Matratze…
Da seht Ihr, was fuer ein verwoehntes Buerschchen ich doch bin, doch ab jetzt muss ich stark sein, ich werde durchhalten und das Abenteuerleben fortsetzen ohne den Luxus der westlichen Konsumgesellschaft. Ja, Ihr werdet sehen das ich auf Felsen schlafen kann ohne 3 Tage lang etwas gegessen zu haben!! Haha,ein Klacks! Ich fange direkt an mit dem Asketenleben…..direkt nachdem ich mir im Supermarkt nebenan eine Tafel Schokolade gekauft habe!!!

10.11. – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

Patagonien

Tach und hallo in die Ferne!
Ich habe wieder ein Cybercafe gefunden und auch die Ruhe Emails zu schreiben.
Und ich kann Euch direkt beweisen,das meine Reiseregeln stimmen. Denn habe ich nicht letztens geschrieben, ich wollte mit Diego nach Commodore Rivadavia?? Tja,jetzt bin ich wieder woanders, aber lest selbst:
Also nach einer letzten Fiesta in Puerto Madryn, bei der die meisten aelteren Strassenleute auch dabei waren (das sind die Leute, denen man, wenn man sie nicht kennt, besser nicht nachts begegnen sollte) mit viel Pizza und Vino und dem Fussballspiel Boca Jr. versus San Martin, bin ich in aller Fruehe und bei stroemenden Regen mit Diego Richtung Ruta N3 aufgebrochen um unser Ziel  Commodore Rivadavia moeglichst schnell zu erreichen. Denn gleichzeitig brachen auch noch 3 weitere Gesellen vom Campingplatz gen Sueden auf und Diego und ich wollten vor Ihnen an der einzigen Tankstelle sein! Das schafften wir dann wegen der Busfahrer nicht, die uns nicht mitnehmen wollten, also erreichten wir alle gleichzeitig die Ruta und die 3 wurden auch noch vor uns mitgenommen (Arrgh!). Doch wenige Minuten spaeter (Suerte!!!) hielten 2 Trucker und nahmen uns die 500 km mit,allerdings jeden einzeln, sodass ich meine Castellano-kenntnisse nun erstmals testen konnte. Das verlief so gut,das der Trucker nach 30 Minuten seine einzige Kassette einlegte und ich mir 6 Stunden lang argentinische Tangomusik anhoeren konnte. Nur ein englisches Lied gab es auf Seite B und zwar California Dreaming in einer ganz ganz schrecklichen Maennerchorversion!
Also die Fahrt verlief gut und wir wurden 10km vor C.R. herausgelassen und mein Reisefuehrer erklaerte mir, C.R. waere die langweiligste Stadt Argentiniens, und genau so sah sie aus. Da Diego aber eine Woche hier bleiben wollte und ich nicht so gerne alleine nach Ushuaia wollte, entschloss ich mich (und mir war ganz elend zumute) auch eine Woche hier zu bleiben. Doch auf den 10km in die Stadt kam dann doch noch alles anders.
Ein Auto hielt hupend und heraus kamen, na, dreimal duerft Ihr raten:
Mariano,Coco und Eduardo, die 3 Leute, die gleichzeitig mit uns aufbrachen!!! Und Ihr Fahrer Miguel packte uns auch noch mit ein und fuhr mit uns bis ins Zentrum. Dort stieg Diego aus und die 3 luden mich herzlich ein doch noch 100km weiter mit in den Sueden zu fahren! Dagegen hatte ich nichts und nun hatte ich also wieder neue Reisegefaehrten!
Sie erinnern mich ein bischen an die 3 Musketiere Arthos, Porthos und Aramis. Coco sieht tatsaechlich aus wie ein junger Musketier und alle haben diese hoefliche und lustige Art an sich. Sie haben alle Ihre Berufe (Fotograf, Anwaltsgehilfe und Schreiner) aufgegeben da Ihre Chefs unmoeglich waren und sind nun unterwegs um Argentiniens Sehenswuerdigkeiten zu sehen und vielleicht Ihr Glueck zu machen. Alle 3 kommen aus Buenos Aires und haben bis jetzt denselben Weg wie ich zurueckgelegt, nur viel langsamer und mit mehr Pech. Marianos Rucksack wurde gestohlen und Eduardo wurde ueberfallen, kaum ein Auto wollte beim Trampen halten und Geld haben sie auch nur sehr wenig. Deswegen sind sie froh, mich dabei zu haben, den blonden,blauaeugigen Touristen, dem noch nichts passiert ist, obwohl er nachts durch die dunkelsten Gassen geht und sich mit den letzten Gangstern unterhaelt.

Rio Gallegos

Sie nennen mich Suerte (Glueck) und bis jetzt hatte ich mit Ihnen zwar eine schwere Etappe, aber es ist nichts passiert. Wir waren nur 2 Tage in Caleta Olivia und 2 Tage in Fitz Roy (was fuer ein Ort,165 Einwohner die, wenn sie nicht gerade nichts tun, Siesta halten und pro Stunde kommen 2 LKWs vorbei) und sind nun in Rio Gallegos.
Und Rio Gallegos ist die haesslichste Stadt Suedamerikas und dazu noch eine der teuersten. Aber wir haben in der Prefectura umsonst uebernachten koennen und haben heute einen mysterioesen Campingplatz gefunden, der in keinem Reisefuehrer vorhanden ist.
Morgen gehts dann weiter nach Ushuaia und wer weiss, vielleicht komme ich ja tatsaechlich dort an und dann schreibe ich Karten, wasche meine Waesche in einer Waescherei (das ist dringend noetig) und schicke Fotos an meinen Vater!

14.11. – Punto Arenas

Hallo!!
Ich mache einen kurzen Zwischenstopp in Chile, genauer Punto Arenas, die schoenste Stadt in Sued-Patagonia!!
Tja,ist kalt hier und ich wuerde Euch ewig viel schreiben, wenn Coco und Eduardo nicht so brummende Maegen haetten. Aber morgen nacht komme ich endlich nach USHUAIA und uebermorgen kann ich dann wieder lange schreiben und antworten.
Ist kalt in Ushuaia und ich habe nur eine Sommerjacke und einen Sommerschlafsack mit,aber ich habe hoffentlich nicht umsonst trainiert!!!!

14.11. – Rio Grande – Nach kurzem Aufenthalt in Rio Grande nun endlich in Ushuaia!

Fotos ©Tim Riebe

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

 

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

 

 

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Veröffentlicht in Reisen

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