Tims Reisetagebuch Südamerika 2 – Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

30.10. – nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco

Hallo Ihr Lieben, und danke fuer Eure Mails, es ist wunderschoen mal wieder in einen Internet-shop zu kommen und Eure Mails aus der Heimat zu lesen. Puh, es ist schwer deutsch zu schreiben, die letzten Tage habe ich nur ingles o castellano gesprochen! Die Verstaendigung klappt mittlerweile, durch die Hilfe vieler Leute, aber eins nach dem anderen!
Also ich wollte nach Bariloche trampen und fuhr also mit dem Collectivo (Bus) zu El Chollo, der Tanke an der Autobahn nach Sueden! Autobahn, haha, in Alemania wuerdet Ihr es Straesschen nennen!
Dort stand schon ein anderer Tramper und ich dachte: “Der muss englisch koennen,drueckt mir die Daumen, der muss einfach mit mir sprechen!” Und das Glueck war mir hold! Marco hiess er und wollte nach Puerto Madryn, dann zur Peninsula Valdez und schliesslich zurueck nach Buenos Aires. Wir unterhielten uns ausfuehrlich auf englisch, ich stellte hauptsaechlich Fragen (“Was heisst:Koennen Sie mich ein Stueck mitnehmen?”) und er brachte mir dann tatsaechlich einige Saetze bei!
Nun nach 6 Stunden Wartezeit kannte er dann schon Eure Namen, ein paar Lieder von Zimtfisch und ich dafuer die besten Tramper-Strecken und Lieder von Luca Zomprano (oder so, ich vergesse immer den Namen, aber er gefaellt mir wirklich gut, genau wie die Redondos, Faboulosos Cadillacs,etc…..).Ausserdem wollten wir nun zufaellig beide nach Puerto Madryn, die Halbinsel wollte ich ja sowiseo auf jeden Fall sehen.
Und wir kamen dann doch noch ein Stueck vorwaerts, 60 Kilometer (ein Klacks in Argentinien), bis zu einer estacion de service,und der erste Truckdriver trank schon Mate, das Nationalgetraenk der Argentinier, und ich kostete es und hatte mich sofort verliebt! Nein,nicht in den LKW-Fahrer, Mate bringe ich mit nach Deutschland und wir koennen dann jeden Tag in der Uni Mate trinken. Hier ist das eine Art Ritual. Jeder trinkt Mate. Mate wird wie Tee mit heissem Wasser aufgegossen, doch ist das Yerba nicht in einem Beutel, sondern direkt in der Tasse und man trinkt durch eine Art Loeffel mit Sieb.
Einer giesst den Mate auf und reicht ihn in die Runde. Man trinkt immer eine Tasse und reicht den Mate dann zurueck , wo er wieder aufgegossen wird und an den Naechsten weitergereicht wird. Das macht man dann so lange, bis kein heisses Wasser mehr da ist!
Und jeder wird eingeladen, du gehst durch die Strassen und gruesst froehlich die Leute, schon reicht dir jemand Mate.
Oh,ich schweife wohl ab!

Auf der RP 42 nach Puerto Madryn

Okay, Marco und ich kamen also nicht so recht vorwaerts und campten (wild!!) an der Tankstelle im Nirgendwo der Pampa. Dort lernte ich dann die Mosquitos kennen, ich mag sie nicht besonders, aber sie lieben mich!!! Verflixte Biester, groesser als unsere Muecken, klueger als unsere Muecken (sie fliegen gezielt unter die Kleidung) und leider stechen sie zu jeder Tageszeit!! Doch dank meiner (nun schon von vielen gelobten) fantastischen Ausruestung, diesmal war mir ANTI-BRUMM hilfreich, oder wie Marco sagt:” Anti:-broom!”,konnte ich dann doch ruhig schlafen.
Der naechste Tag war dann der Anfang meiner Abenteuer, die ich seitdem erlebt habe. Und wenn Ihr wissen wollt,dass ich einem Puma gegenueberstand, vor einem Twister weggelaufen bin, ob ich einem Nañdu begegnet bin oder weiter Freunde gefunden habe, dann lest morgen weiter! Soviel sage ich Euch: Viele Gruesse aus Puerto Madryn, denn dahin bin ich gekommen, und ich vermisse euch alle…, Also,Gruesse von Tim!! P.s.:Ich habe den Argentinos auch schon Tanzen und vernuenftiges Biertrinken beigebracht,doch auch dazu morgen mehr!

Ich lasse gerade etwas Wasser, da faucht es aus dem Busch!

Halloechen!!
So, ¿wo war ich? Ach ja, asser dedo (trampen /Finger machen) mit Marco!
So, nach der Nacht voller Mosquitos am Strassenrand, erzaehlte mir Marco, er muesse bald zurueck nach Buenos Aires, da er am folgenden Montag wieder studieren muesse. Also,trotz meiner Ueberedungsversuche, stellte er sich auf die andere Seite der Strasse und wollte zurueck. Alleine hatte ich aber eigentlich keine Lust zu reisen, so hoffte ich auf mein Glueck, das er sich anders entscheide, und doch noch nach Madryn mitkommt!

Und danke (ihr habt mir wohl wirklich die Daumen gedrueckt, ein LKW hielt bei mir, ich stieg ein und als Juan, der LKW-fahrer losfahren wollte, kam dann doch noch Marco angerannt und fuhr mit Richtung Choelle Choel, von dort aus sollte man dann gut nach Madryn gelangen. Irgendwann am Nachmittag mussten wir dann mitten in Patagonien mal fuer kleine Menschen und hielten an und verteilten uns auf der Strasse. Nun ausgerechnet ich habe dann den Busch mit dem Puma erwischt. Also,ich lasse gerade etwas Wasser, da faucht es aus dem Busch und mir faellt die Kinnlade runter, als mich tatsaechlich ein Puma anfaucht. Normalerweise finde ich Raubkatzen ja ganz schoen und interessant, aber wenn man nur einen Meter Abstand hat und kein Zaun dazwischen, haben diese Tierchen doch irgendwie etwas Bedrohliches. “Stehen bleiben Tim,keine Angst zeigen, es ist nur eine grosse Katze (mit verdammt grossen Pranken), rede ihr gut zu und sie verschwindet!”
Also: “Lieber Puma, ich wollte bestimmt nicht irgendetwas in deinem Revier markieren, versteh mich nicht falsch,ich bin schon weg, Adios! “Ungefaehr so verlief meine Unterhaltung und schon rannte ich zum LKW und der Puma kuemmerte sich auch tatsaechlich nicht mehr um mich!!

31.10. – on the road, Puerto Madryn, unter Gauklern und Nazis…

Hola,
und vorweg, in dem Moment, in dem der Puma vor mir stand,habe, ich leider nicht an meine Kamera, welche allerdings im LKW war, gedacht, sondern eher meine Panik unterdrueckt!
Schade,ich bin selber etwas entauescht, dass mir in manchen entscheidenden Situationen die Kamera fehlte!
So,doch nun weiter…:
Also der LKW-fahrer Juan setzte Marco und mich also in Choelle Choel aus und fuer Argentinien ist das schon ein grosser Ort (in Deutschland ungefaehr vergleichbar mit Meerbusch-Nierst!). Das einzige was es dort gab, war eine Tanke und dort wollte mir die Verkaeuferin doch tatsaechlich ein Ñandu-Ei andrehen und ich sage Euch, diese Eier sind gross, leider zu gross fuer meine Toepfe und zu teuer fuer meinen Geldbeutel.
An dieser Tanke hielt aber nun stundenlang kein Auto, Truck oder Aehnliches, also beschlossen Marco und ich doch bis zum naechsten Ort zu wandern, der sollte laut Karte etwa 20km entfernt sein und El Solito (der Einsame) heissen.
Doch stellte sich diesmal heraus, dass El Solito nur eine Kreuzung im Nirgendwo heisst und dort nur eine verlassene Huette stand und diese nicht 20km,sondern 95km entfernt war.
Das wussten wir nach den ersten 10km natuerlich noch nicht, dafuer hatten wir dann kein Wasser mehr und die Temperaturen stiegen rasch an. Nach weiteren 5km einigten wir uns auf eine Pause und beratschlagten, ob wir nicht Wasser aus einer schmutzigen, stinkenden Pfuetze trinken sollten. Eine Stunde spaeter war es dann so weit, also Kocher raus und braunes Wasser in den Topf, schoen kochen lassen und damit es auch schmeckt, schnell noch einen Teebeutel “Lemon” hinein. Naja,ich kann es nicht empfehlen, aber wenn wir mal eine Survival-Party machen ist es ein akzeptables Getraenk.

Nördlich von Puerto Madryn

Abends sind wir dann doch noch mitgenommen worden und der Rest der Reise nach Madryn verlief auch (fast) voellig normal (Ich muss mir schliesslich noch ein paar Stories fuer die Briefe aufheben!).
Donnerstag abend kamen wir dann also an und das erste, was wir erfuhren war, dass auf unserem Campingplatz eine Fiesta steigt. Also blitzschnell eine Flasche Vino Tinto gekauft und ab zur Fiesta.
Fantastico!!!Irgendein Gemisch aus Fruechten und Tequila, kolumbianische Musik, tanzende Argentinos und alle ziemlich schnell angetrunken. So lernte ich dann die Leute kennen, bei denen ich bis jetzt geblieben bin, da Marco ja zurueck nach Buenos Aires musste.
Alle fanden toll, das ein Aleman durch Argentinien reist, ohne viele Sprachkenntnisse und ohne viel Geld. Doch ich will sie Euch kurz vorstellen:
Sie sind so eine Mischung aus Strassenkinder und Gauklertruppe, verdienen mittags Ihr Geld und geben es abends aus, kennen jeden in Puerto Madryn (ein Glueck fuer mich, da ich jetzt ,glaube ich, die meisten Taschendiebe und Betrueger hier kenne und ich fuer sie tabu bin!),haben keine Wohnung und reisen durch Argentinien.
Da waere erstmal Russo, er wird Russo “Russe” genannt, da er etwas blonder und hellaeugiger ist als der Rest, er jongliert mit Keulen und Baellen vor Touristen und verdient ganz gut,
dann gibt es Collo (von Collorado,seine Haare sind ein bischen rot),er macht Lederbaender oder spielt Gitarre,
Pablo, er macht Halsketten und trinkt am meisten,
Miguel, ein Spanier aus Madrid und der beste Verkaeufer der Truppe,
Roxanna, die einzige Chica, sie tanzt ab und zu vor Restaurants oder verkauft Schmuck meist an Maenner und
den Kolumbianer Leonardo (El Locumbiano), er macht den schoensten Schmuck aus Draht und Muscheln.
Tja, diese Gruppe bringt mir nun Castellano bei (Also eigentlich Castellano-Slang),zeigt mir,wo ich am billigsten einkaufen kann, dass man beim Baecker und in Restaurants durchaus umsonst ein paar Reste bekommt und wie man sich sonst so durchschlaegt.
Ich helfe bei allem, beim Anfertigen von Schmuck, beim Verkauf an auslaendische Touristen, oder ich gehe einfach mit dem Hut herum und sammle das Geld ein. Tja, fuer meinen Magen ist das Leben zur Zeit hart, es gibt nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit, doch fuer meinen Geldbeutel ist es bestimmt besser ein paar Tage so zu leben. Sie bleiben noch 2 Wochen in Puerto Madryn, aber ich weiss noch nicht, ob ich so lange bleiben will, schliesslich haben mir auch schon 2 Israelis angeboten mit Ihnen zu trampen.
Mittlerweile war ich auch auf der Peninsula Valdez und habe Wale beobachtet (im Mondschein; sie sind riesig und verspielt),dort wollten Collo y Russo ueber einen Berg ins naechste Tal klettern, doch wir haben nur 3/4 des Berges geschafft,dann war es zu dunkel zum Klettern,und ueberhaupt habe ich Todesaengste ausgestanden, da der Berg aus einer Art Erde oder Sandstein bestand und bei jedem Tritt ein Stueck Erde herunterrieselte und ich beinahe abgestuerzt bin.
Puh, Genaueres gibt es dann in meinen Briefen.
Eins muss ich noch anmerken, ich bin etwas entaeuscht von den Fussballkuensten der Suedamerikaner. Ich habe nun schon mit Argentiniern, Brasilianern, Kolumbianern, Boliviern und Chilenen gespielt, aber keiner konnte mich wirklich beeindrucken. So bleibt Bernd wohl doch noch die Nummer eins des Hobby-Fussballs.
P.S.:Ein Gespraech noch,das ich in einer Disko fuehrte: Also,Tim tanzt (zur Musik der Redondos) und wird dann ploetzlich angetippt von einem aelteren Argentino. Argentino:”Hola,Aleman!Heil Hitler!” Ich denke mir,ich muss mich verhoert haben,der meinte bestimmt irgendwas anderes,also nur nett Laecheln,umdrehen und weiter tanzen!Gesagt,getan,doch:”Ey ,Aleman,mi Nombre es Adolpho Gustavo Garcia!”Tim :”Ja ist ja ein Ding,fantastico,pero,yo no Nazi!””Ah,Nazi” der Typ laesst nicht locker:”Adolpho muy bien,grandissimo…..Fuehrer!” Tim:” No,Hitler malo,no bien,mierda(das wird nicht uebersetzt,da Schimpfwort)!Und jetzt lass mich in Ruhe!” Tim tanzt 10 Schritte zur Seite,da faengt der Kerl an die deutsche Nationalhymne zu singen,dazu noch die erste Strophe!Da platzt mir der Kragen und ich laufe zu dem Typen und schreie:”Hitler is #$%$$??’00’9&)%()%)$)(&%)(/$!!!!!!!!!!” (Lauter Schimpfworte aus mehreren Sprachen)!Das geschah zufaellig genau zwischen 2 Liedern,so das mich alle,wirklich alle in dem Laden anstarren.Oh mann,ich bin vielleicht rot geworden,doch kaum ist eine Atempause vergangen,fangen die Leute an zu applaudieren,klopfen mir auf die Schulter und geben mir ein Cerveza nach dem anderen aus! In Argentinien sind halt doch nicht alle verrueckt!

Fotos ©Tim Riebe

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

 

 

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Veröffentlicht in Reisen

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