Tims Reisetagebuch Südamerika 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicacasee

Centro La Paz, 21 FEB 2002, nach der Flut

20 FEB 2002 – Sagt mal,
lest Ihr Zeitungen, hoert Ihr Radio, schaut Ihr manchmal Fernsehen??? Oder denkt Ihr:”Unkraut vergeht nicht!”!!
Gestern war hier in La Paz die Hoelle los. Die halbe Stadt war unter Wasser. Es gab mehr als 30 Tote,Haueser sind zusammengestuerzt, die Telefonleitungen und die Stromversorgung ist zusammengebrochen und ratet mal wo ich war?? MITTEN DRIN NATUERLICH!!!!!!
Ich sass gerade in einem Taxi umindie Innenstadt zu fahren, als es anfing zu regnen.
Natuerlich dachten wir alle an nichts Boeses,nur floss immermehr Wasser die Strasse herunter und unser Taxifahrer bekam langsam Panik und fuhr in eine steil ansteigende Seitenstrasse. Und dann kam die Flutwelle. Alles wurde mitgerissen, Autos, Minibusse, Menschen, Hunde,Teile von Geschaeften und Maerkten. Und eine Minute spaeter war die Strasse ein reissender Fluss. Fabian, mein spanischer Freund und Zimmernachbar war zu dieser Zeit auf der Hauptstrasse und versuchte Menschen zu retten und aus dem Fluss zu ziehen. Ich selbst rettete nur einen Vw Kaefer und versuchte dann irgendwie nach Hause zu kommen, was natuerlich unmoeglich war. So rettete ich mich zu Mariana, wo ich dann auch die Nacht mit dieser reizenden bolivianischen Familie verbringen konnte. Aber so etwas habe ich noch nie gesehen, innerhalb von 2 Minuten war alles voller Wasser. Heute laueft deswegen in dieser Stadt auch gar nichts. Freiwillige versuchen Tote zu bergen oder Tunnel freizuschaufeln, ueberall sind Fernsehreporter und viele Strassen koennen nicht befahren werden, da das Wasser riesige Loecher in den Asphalt gerissen hat.
Und dabei hatte ich vorgestern noch so ein lustiges Erlebnis. Ich bin mal wieder in mein Lieblingscafe “Angelos” gegangen und wer spricht mich da an? Hans-Peter Kreis und seine Frau. Das sind Freunde meines Vaters und sie waren zufaellig am gleichen Ort zur gleichen Zeit wie ich und haben mich auch wiedererkannt. Das ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man immer hoert aber nie selbst erlebt. Und La Paz ist nicht gerade eine kleine Stadt und das “Angelos” liegt auch eher versteckt. Ich hoffe sie haben es aus La Paz geschafft.
Naja, enttaeuscht dass ich nichts von euch hoere, verbleibe ich hier in La Paz, Viele Gruesse vom TIM!!!

17.02. La Paz / Bolivia – Verliebt in La Paz

Hallo und herzlich Willkommen,
ich bin immer noch in La Paz, der Stadt, die die meisten Suedamerika-Reisenden als die haesslichste Stadt Suedamerikas bezeichnen. Und ausgerechnet in diese Stadt habe ich mich verliebt. In meinem Reisefuehrer steht, es sei eine der gefaehrlichsten Staedte des Kontinents, viele werden krank wegen des schlechten Wassers, des Essens oder wegen der Hoehe. Aber mir geht es blendend. Alle Motchileros die ich hier kannte sind schon abgereist, aber ich bin hier geblieben.
Ich liebe die Atmosphaere hier, die kolonialspanischen Plaetze, die Bars und Cafes, sogar die stinkenden Busse aus denen die Beifahrer immer alle Fahrziele herausrufen, die Maerkte, in denen man alles kaufen kann, von Talismanen ueber Liebestraenken bis hin zu Schafherzen, die man dann mit Kartoffeln und Knoblauchsauce essen kann.
Meine favorisierte Disko ist Malegria,hier kann ich zu bolivianischen Rock und Ska tanzen, ein Huaricerveza trinken und meine Freunde treffen. Ich habe mich bei 22 sozialen, deutschen Einrichtungen beworben und 22 Absagen erhalten, den deutschen Botschafter kann ich schon duzen und nun habe ich Aussichten in der deutschen Schule Biologie zu unterrichten. Tja, von Biologie habe ich ungefaehr soviel Ahnung wie von den Verkehrsregeln in La Paz, ich glaube es gibt keine, jedenfalls achtet keiner auf rote Ampeln oder Einbahnstrassen und sogar die Verkehrspolizisten haben nichts zu sagen.
Hier im Indigenoviertel kann man schoene billige Souveniers kaufen, man muss nur feilschen und handeln und laecheln und boese schauen und immer die Haelfte des Preises sagen.
Ich bin zwar immer noch Gringo hier, man sieht kaum Leute mit blondem Haar oder blauen Augen und wo ich auch hingehe bin ich immer einen Kopf groesser als alle anderen Personen. Die Musikszene habe ich auch schon kennengelernt, am besten gefaellt mir El Grillo, er ist hier so etwas wie ein Star, aber international total unbekannt.
Die Campesinos kaempfen immer noch gegen das Militaer, so dass nicht allzuviele Gringos in La Paz sind (da fast alle Strassen blockiert sind), was ich sehr geniesse.
So,das wars mal wieder von mir, Gruesse nach Hause, manchmal vermisse ich Euch alle schrecklich, wenn ich nachts auf einem der La Paz umgebenden Bergen sitze und die ganze Stadt ueberblicken kann. Sicher ist, irgendwann werde ich wieder hierhin zurueckkehren, vielleicht auf meiner naechsten Suedamerikareise um dann in den Norden aufzubrechen, aber jetzt werde ich erstmal wieder durch die Strassen schlendern und mit den Markthaendlern um Kaktusfruechte feilschen!!
Gruesse vom TIM!!

24.03. Gold im Titicacasee!!

Hola Allesamt…..
Ich bin ja nun lange in La Paz geblieben und wollte nun endlich mal raus aus der Stadt.
Wohin wusste ich nicht so genau, es gibt hier noch einiges Sehenswertes, was ich noch nicht gesehen habe. Aber dann viel mein Blick auf einen Prospekt ueber Peru und man sah auch den TITICACASEE.
Das liess mich in Traeumen an meine Kindheit versinken……
Ich weiss nicht mal genau ob es stimmt, aber irgendwie erinnere ich mich, das mein Vater mir einmal, als ich noch sehr klein war, etwas ueber den Titicacasee erzaehlte. Seitdem konnte ich diesen Namen nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. Spaeter dann, war ich mit meiner Familie in Neustadt. Neustadt am Titisee. Damals dachte ich es waere der Titicacasee!
Wiederum spaeter bemerkte ich meinen Irrtum und wusste nun, dass der See in Suedamerika liegt und obwohl ich bis nach Bolivien und sogar in den Norden Boliviens gekommen bin, habe ich doch nie daran gedacht den See, der nur 100km von La Paz entfernt liegt, zu besuchen. Ich hatte ihn einfach vergessen.
Nun stand ich also dort, vor dem Prospekt ueber den richtigen Titicacasee, doch auch er erklaerte mir nicht den Namen dieses mystischen Sees. Er erklaerte nur, das man dort gut Trucha – also Forelle – essen koennte und dass die Incas damals wahrscheinlich einen grossen Goldschatz im See versenkt haetten. Das Gold der Isla del Sol wurde naemlich nie gefunden.
Als Mariana mich dann noch fragte, ob ich nicht eigentlich den See sehen wollte, war es beschlossene Sache, ich kaufte mir ein Busticket fuer 2$ und fuhr an den See.

Er ist riesig und wunderschoen, liegt inmitten von baum- oder schneebedeckten Bergen, ein paar Fischerdoerfer liegen an seinem Rand und viele Segelboote befahren ihn.
An den Touristenzentren vorbei gelangten wir in den Dreh- und Angelpunkt des Verkehrs, das Dorf Tiquina. Hier kommen alle Autos, LKWs und Busse vorbei, die nach Peru oder in den Touristenort Copacabana wollen. Sie werden auf Holzfaehren geladen, die dann sehr tief im Wasser liegend den See mit ihren schweren Lasten ueberqueren.
Auch wir ueberquerten den See und assen als erstes Trucha (in Butter). Es war der beste Fisch, den ich bisher gegessen hatte und irgendwie erinnerte er mich an die schoenen Ferien mit meiner Mutter und meinen Geschwistern in der Bretagne.
Es roch hier genauso wie in den kleinen Haefen der Kuestendoerfer dort. Die Sonne schien und das Essen lag schwer im Magen,so beschlossen wir erst einmal eine Siesta zu machen. Wir lagen also auf einem Steg am Rand des Sees und liessen uns braeunen.
Da fiel mir wieder das Gold ein und der Abenteurer in mir wurde wach. Also wandere ich ein bisschen das Ufer ab und schaue immer wieder in den See und ueberpruefe jede Unebenheit und jeden merkwuerdigen Stein. Und nach einer guten Stunde Suchens,sehe ich es: GOLD!!!!
Ich habe ein Teil des fantastischen Inkaschatzes gefunden, dort, gut 2 Meter entfernt von mir glitzert im Schlamm des Sees ein riesiger Klumpen reinen,puren Goldes!
Es muss Gold sein, niemand hat es gefunden bisher, aber niemand hat auch hier hinter dieser Uferboeschung danach gesucht. Naja, die Spanier hatten halt anderes zu tun.
Also wage ich mich Schritt fuer Schritt in den ziemlich schlammigen See, stuerze nur zweimal hin und komme naeher und naeher zu meinem Goldschatz. Verdreckt und eh schon nass tauche ich einmal und muss nach dem ersten Tauchgang zugeben:
Ich bin ein miserabler Taucher und der Goldklumpen ist eher ein Goldkluempchen.
Der zweite Tauchgang beschert mir eine Hand voll Schlamm und Algen und das Goldkluempchen ist eher ein Goldmuenzchen. Lange Rede, kurzer Sinn, nach 5-7 Tauchgaengen (und einer ganzen Menge an Kindheitserinnerungen an die Schulschwimmzeit,wo ich die Duschen immer am meisten genossen habe) halte ich dann mein Goldstueck in der Hand. Nun ja, es ist nicht wirklich ein Goldstueck….!
Es ist ein ziemlich vergilbter Boliviano, ein Boliviano ist einen Siebtel Dollar wert und ich bin nass und dreckig.
Zumindest kann ich mir von diesem Boliviano einen chupete (Lutscher) kaufen, Kirschgeschmack, was mich sogleich wieder in meine Kindheit versetzt.
Gruss von eurem nicht reichen, aber gluecklichen  TIM!

Hier endet mein Reisetagebuch erst einmal….

Fotos ©Tim Riebe

 

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

 Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

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Veröffentlicht in Reisen

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