Tims Reisetagebuch Südamerika 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Hola! Gute Zeiten – schlechte Zeiten
Gute Zeiten:
Ich bin nun endlich in Bolivia, einem mehr oder weniger 3.Welt Land, 7Millionen Einwohner leben in einem Land 3mal so gross wie Deutschland. Hier ist alles laut und dreckig, jeder der Autofahren kann, kauft sich fuer 5$ ein Taxischild und ist damit Taxifahrer. Das bedeutet, es gibt keine Verkehrsregeln, wer am lautesten hupt, hat Recht.
Im Zug hierher, ich bin nun in Santa Cruz, habe ich auch schon meinen ersten Aymara getroffen und die ersten Worte gelernt. Heute morgen hat sich ein Tucan auf meinen Arm gesetzt und mit mir gefruehstueckt. Und ich bin wirklich froh wieder in einem spanisch-sprachigen Land zu sein !!

Expreso Oriental bei Santa Cruz, Bolivia

Schlechte Zeiten:
Hierzu eine kurze Geschichte.
Von Corumba (Brasil) nach Puerto Suarez nimmt man erst den Bus zur Grenze, dort laesst man sich seinen Pass stempeln und dann gehts im Taxi nach Quijero, dem Bahnhof. Im Taxi sitzt man dann mit 7 Leuten, ist ja genug platzt im Fiat Uno, man muss halt nur den Kopf aus dem Fenster halten und die Beine auf den Schoss der Grossmutter legen.
Dort angekommen erfuhr ich dann, das der Zug nach Santa Cruz voellig ueberladen ist und sogar auf dem Zugdach kein Platz mehr fuer mich ist. Und der naechste Zug kommt in 5Tagen!! Also was tun??? Zum Glueck sass im Taxi ein freundlicher alter Herr, der sich selbst auf englisch mit Willy vorstellte und meinte ihn kennt hier jeder,und die Deutschen wuerden ihn “Koenig von Quijerro” nennen.
Also mache ich mich auf die Suche nach dem Koenig, vielleicht kann mir ja der Koenig persoenlich helfen. Und tatsaechlich besorgt mir der Koenig kurze Zeit spaeter auch mein Ticket, ein bisschen teurer als normal, versteht sich. Mit dem Ticket, als einziger Tourist dort warte ich also auf den Zug, der den Bahnhof um 15:00 Uhr verlassen soll. Um 15:00 Uhr ist natuerlich immer noch kein Zug zu sehen, um 16:00 Uhr ebensowenig und es wird bedrueckend heiss. Dann tatsaechlich um 16:30 trifft der Zug ein, Massen an Pasagieren steigen aus, doch keiner steigt ein. Nach 2 Stunden sagt mir eine brasilianissche Frau, der Zug muss erst gesaeubert werden. Okay 2 Stunden spaeter sitze ich also im Zug und wundere mich, warum er immr noch nicht abfaehrt.
Doch nun kenne ich den Unterschied zwischen den einzelnen Klassen. Pullman oder Luxusklasse bedeutet, man hat einen Sitz fuer sich alleine und ein bischen Platz, 1.Klasse ist schon entschieden schlechter, Holzbaenke und kaum Fenster, Leute im Gang, es stinkt und es ist sehr heiss. Die 2.Klasse hat nur kleine vergitterte Fenster, auf einen Sitzplatz sitzen meist 3 Personen und die Leute pinkeln in den Gang.
Da war ich schon froh, in der ersten Klasse zu sein…!
Okay,der Zug faehrt nicht, da die Drogenpolizei erstmal alles checkt.Koffer werden ausgeschuettet, Leute aus dem Zug geschmissen und bedrohliche Waffen werden geschwenkt. Doch bei mir laeuft alles glatt, und die Zugfahrt beginnt. Mittlerweile schwitze ich in Stroemen, aber der Wind kuehlt mich ein bisschen, obwohl der Zug nur so schnell faehrt wie ich rennen kann. Dann wird es dunkel und das Licht geht an im Zug, das heisst, nur ueber meinem Sitz ist eine grosse Neonroehre, die nebenbei Massen von Mosquitos und aller Arten von (meist unerforschten roten und gruenen) Kaefern und Insekten anlockt. Nach 30 Minuten haben sie mich so dermassen gegessen, dass ich mich entschliesse auf gut Glueck in die Pullmanklasse zu wechseln. Die Schaffner haben mich nicht bemerkt,so dass ich nun etwas schlafen kann, aber aus Angst vor den Dieben, vor denen jeder vor der Zugfahrt warnt, nicht schlafen kann.
So lange Rede,kurzes Ende. Mein Zug brauchte 26 Stunden bis Santa Cruz und so etwas werde ich nie wieder machen. Dafuer habe ich aber mit ein paar Mennoiten reden koennen,was sehr interessant war und auch die Landschaft war schoen.
Alles weiter demnaechst,ich sitze schon wieder zulange im Internet!!! Gruesse vom TIM!

Fotos ©Tim Riebe

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 14 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

 Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

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Veröffentlicht in Reisen

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