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	<title>Kindsbraut Archive - Blue Blog</title>
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	<description>Reisen durch Kultur und Natur</description>
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	<title>Kindsbraut Archive - Blue Blog</title>
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		<title>Über Sabeths Tod im Roman &#8222;Homo faber&#8220; von Max Frisch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Dec 2017 15:31:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["Der Liebhaber"]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autoren ahnden das Fehlverhalten ihrer Protagonistinnen anders als Autorinnen. Eine Beweisführung. Warum musste Sabeth Piper sterben? Im Roman „Homo faber“ von Max Frisch geht Walter Faber zuerst unwissentlich ein inzestuöses Liebesverhältnis mit seiner Tochter EliSabeth ein. Die junge Frau, eine &#8230;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/ueber-sabeths-tod-im-roman-homo-faber-von-max-frisch">Über Sabeths Tod im Roman &#8222;Homo faber&#8220; von Max Frisch</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-3368 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s.jpg" alt="Weiblichkeit - Blue Blog" width="450" height="370" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s-300x247.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s-100x82.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s-150x123.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/weiblichkeit_s-200x164.jpg 200w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><b>Autoren ahnden das Fehlverhalten ihrer Protagonistinnen anders als Autorinnen. Eine Beweisführung.</b></p>
<p>Warum musste Sabeth Piper sterben?<br />
Im Roman „Homo faber“ von Max Frisch geht Walter Faber zuerst unwissentlich ein inzestuöses Liebesverhältnis mit seiner Tochter EliSabeth ein. Die junge Frau, eine Kunststudentin und Tochter von Walter Fabers früherer Geliebten Hanna Piper, geb. Landsberg, ahnt nicht, dass der ältere Herr, der ihr während einer Schiffspassage von New York nach Le Havre nachstellt <b>(3)</b>, sie filmt <b>(1)</b> und beobachtet <b>(2)</b> und ihr schließlich einen Heiratsantrag <b>(4)</b> macht, ihr Vater ist.</p>
<p><b>Zu 1:</b> <i>Einmal </i><i>filmte</i><i> ich sie. Als Sabeth es entdeckte, streckte sie die Zunge heraus; ich filmte sie mit der gestreckten Zunge, bis sie, zornig ohne Spaß, mich regelrecht anschnauzte. Was mir eigentlich einfalle? Sie fragte mich rundheraus: „Was wollen Sie überhaupt von mir?“</i><br />
<b>Zu 2:</b> <i>Am meisten ärgerte mich, dass ihr Tun mich den ganzen Vormittag beschäftigte, die Frage, wofür das Mädchen mich hielt, wenn sie sagte: „Sie </i><i>beobachten</i><i> mich die ganze Zeit, Mister Faber, ich mag das nicht!“</i><br />
<b>Zu 3:</b> <i>Ich war ihr nicht sympathisch.<br />
Das stand fest, und ich machte mir keine falsche Hoffnung, als ich sie später, kurz nach dem Mittagessen, an mein Versprechen erinnerte, ihr zu sagen, wenn ich den Maschinenraum besichtige.</i><br />
<b>Zu 4:</b><br />
Ball am letzten Abend auf dem Schiff. Walter Faber hat Geburtstag, trinkt Wein und ist ein wenig sentimental. <i>(Ich hatte mir meinen 50. Geburtstag ein wenig anders vorgestellt, offen gestanden)</i>. Sabeth tanzt.<br />
<b>Zitat: </b><i>Sabeth, von ihrem Tanz zurück, um ihr Citronpresse zu trinken, stupste mich:- Mister Lewin schlief, der Riesenkerl, lächelnd, als sehe er den ganzen Rummel auch so, die Papierschlangen, die Kinderballons, die sich die Paare gegenseitig verknallen mussten.<br />
Was ich die ganze Zeit denke? fragte sie.<br />
Ich wusste es nicht.<br />
Was sie denn denke? fragte ich.<br />
Sie wusste es sofort:<br />
„Sie sollten heiraten, Mister Faber!“</i><br />
Eine Weile später.<br />
<i>Als Sabeth in den Papierschlangensaal zurückkam, um ihre Handtasche zu holen, wunderte ich mich: sie verabschiedete ihren Freund, der eine saure Miene machte, und setzte sich neben mich. Ihr Hanna-Mädchen-Gesicht! Sie bat um Zigaretten, wollte nach wie vor wissen, was ich denn die ganze Zeit grübelte, und irgendetwas musste ich ja sagen: ich gab ihr das Feuer, das ihr junges Gesicht erhellte, und fragte, ob sie mich denn heiraten würde.<br />
Sabeth errötete.</i></p>
<p><strong>Gefühle spielen auch im Roman &#8222;Die Farbe des Bernsteins&#8220; eine große Rolle</strong></p>
<p><a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-die-farbe-des-bernsteins-roman"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-5895 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/bernstein_s.jpg" alt="Bernstein" width="194" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/bernstein_s.jpg 194w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/bernstein_s-100x155.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/bernstein_s-150x232.jpg 150w" sizes="(max-width: 194px) 100vw, 194px" /></a></p>
<p><a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-die-farbe-des-bernsteins-roman">Die Farbe des Bernsteins</a> &#8211; Blue Blog <a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-die-farbe-des-bernsteins-roman">Shop</a></p>
<p>Eine Frau auf der Suche nach der tiefen Liebe und vier Männer, denen sie auf ihrem Lebensweg begegnet. Leidenschaft, spannende Abenteuer und eine echte Männerfreundschaft.</p>
<p><strong>Hier geht der Artikel weiter</strong></p>
<p>An Deck bei der Ausschiffung in Le Havre.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Ich hatte gesagt, was ich nie habe sagen wollen, aber gesagt war gesagt, ich genoss es, unser Schweigen, ich war wieder vollkommen nüchtern, dabei keine Ahnung, was ich denke, wahrscheinlich nichts.<br />
Mein Leben lag in ihrer Hand-<br />
Für eine Weile kam Mister Lewin dazwischen, ohne zu stören&#8230;.<br />
Als wir wieder allein standen, die letzten auf dem nassen Deck, und als Sabeth mich fragte, ob ich`s wirklich ernst meine, küsste ich sie auf die Stirn, dann auf ihre kalten und zitternden Augenlider, sie schlotterte am ganzen Leib, dann auf ihren Mund, wobei ich erschrak. Sie war mir fremder als je ein Mädchen. Ihr halboffener Mund, es war unmöglich; ich küsste die Tränennässe aus ihren Augenhöhlen, zu sagen gab es nichts, es war unmöglich.</i></p>
<p>Dabei war Walter nach seiner eigenen Aussage nicht verliebt in Sabeth.<br />
<b>Zitat:</b><i> Ich war nicht verliebt in das Mädchen mit dem rötlichen Rossschwanz, sie war mir aufgefallen, nichts weiter, ich konnte nicht ahnen, dass sie meine Tochter ist, ich wusste ja nicht einmal, dass ich Vater bin. Wieso Fügung? Ich war nicht verliebt, im Gegenteil, sie war mir fremder als je ein Mädchen, sobald wir ins Gespräch kamen, und es war ein unwahrscheinlicher Zufall, dass wir überhaupt ins Gespräch kamen, meine Tochter und ich. Es hätte ebensogut sein können, dass wir einfach aneinander vorbeigegangen wären. Wieso Fügung! Es hätte auch ganz anders kommen können.</i></p>
<p>EliSabeth Piper hat von ihrer Mutter gelernt, dass Joachim Henke, Hannas erster Ehemann, ihr Vater ist. Für sie gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln.<br />
Wohl aber für Walter Faber, dem die Ähnlichkeit des Mädchens mit Hanna sehr wohl auffällt.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Am meisten frappierte mich, wie sie im Gespräch, um ihren Widerspruch zu zeigen, ihren Rossschwanz in den Nacken wirft (dabei hat Hanna nie einen Rossschwanz getragen!) oder wie sie ihre Achseln zuckt, wenn`s ihr durchaus nicht gleichgültig ist, bloß aus Stolz. Vor allem aber: das kleine und kurze Rümpfen ihrer Stirne zwischen den Brauen, wenn sie einen Witz von mir, obschon sie lachen muss, eigentlich blöd findet. Es frappierte mich, es beschäftigte mich. Es gefiel mir. Schließlich gibt es Gesten, die einem gefallen, weil man sie irgendwo schon einmal gesehen hat.<br />
Wieso vermuten, dass irgendein Mädchen, das Elisabeth Piper heißt, eine Tochter von Hanna ist.</i></p>
<p>Walter Faber verdrängt im Laufe der Handlung Sabeths Ähnlichkeit mit Hanna immer mehr.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Ihre Ähnlichkeit mit Hanna ist mir immer seltener in den Sinn gekommen, je vertrauter wir uns geworden sind, das Mädchen und ich. Seit Avignon überhaupt nicht mehr! Ich wunderte mich höchstens, dass mir eine Ähnlichkeit mit Hanna je in den Sinn gekommen ist. Ich musterte sie daraufhin. Von Ähnlichkeit keine Spur!</i></p>
<p>Doch Walter Faber ahnt sehr wohl, dass Sabeth seine Tochter sein könnte. Deshalb stellt er ihr Fragen nach Hannas Biografie.<br />
<b>Zitat: </b><i>Dann meine Fragen:</i><i><b><br />
</b></i><i>Hat Mama einmal in Zürich studiert?<br />
Was?<br />
Wann?<br />
Ich fragte weiter, obschon das Mädchen, wie gesagt, verschwinden sollte.<br />
Ihre Antworten etwas unwillig, aber ausreichend.<br />
„Walter, das weiß ich doch nicht!“<br />
Es ging mir, versteht sich, um genaue Daten.<br />
„Damals war ich doch nicht dabei!“ sagte sie.<br />
Es amüsierte sie, was ich alles wissen wollte. Ihrerseits keine Ahnung, was ihre Antworten bedeuteten. Es amüsierte sie, aber das änderte nichts daran, dass Sabeth eigentlich verschwinden musste. Ich saß, ich hatte ihren Unterarm gefasst, damit sie nicht davonläuft.<br />
„Bitte“, sagte sie, „bitte.“<br />
Meine letzte Frage:<br />
„Und ihr Mädchenname: &#8211; Landsberg?“<br />
Ich hatte ihren Unterarm losgelassen. Wie erschöpft. Ich brauchte meine ganze Kraft, nur um dazusitzen. Vermutlich mit Lächeln. Ich hatte gehofft, dass sie nun davonläuft.<br />
Stattdessen setzte sie sich, um ihrerseits Fragen zu stellen.<br />
„Hast du Mama denn gekannt?“<br />
</i><i>Mein Nicken-</i></p>
<p>Auch als Walter Faber die Gewissheit hat, dass Sabeth Hannas Tochter ist, verdrängt er seine Vaterschaft.<i><br />
</i><b>Zitat:</b><i> Heute, wo ich alles weiß, ist es für mich unglaublich, dass ich nicht schon damals, nach dem Gespräch auf der Via Appia, alles wusste. Was ich gedacht habe in diesen zehn Minuten, bis das Mädchen zurückkam, weiß ich nicht. Eine Art Bilanz, das schon. Ich weiß nur: Am liebsten wäre ich auf den Flugplatz gegangen. Kann sein, dass ich überhaupt nichts dachte. Eine Überraschung war es ja nicht, bloß die Gewissheit. Ich schätze es, Gewissheit zu haben. Wenn sie einmal da ist, dann amüsiert sie mich fast.<br />
Sabeth: die Tochter von Hanna! Was mir dazu einfiel: eine Heirat kam wohl nicht in Frage.<br />
Dabei dachte ich nicht einen Augenblick daran, dass Sabeth sogar mein eigenes Kind sein könnte. Es lag im Bereich der Möglichkeit, theoretisch, aber ich dachte nicht daran. Genauer gesagt, ich glaubte es nicht. Natürlich dachte ich daran: unser Kind damals, die ganze Geschichte, bevor ich Hanna verlassen habe, unser Beschluss, dass Hanna zu einem Arzt geht, zu Joachim.- Natürlich dachte ich daran, aber ich konnte es einfach nicht glauben, weil zu unglaublich, dass dieses Mädchen, das kurz darauf wieder auf unseren Grabhügel zurückkletterte, mein eigenes Kind sein soll.</i></p>
<p>Walter Faber rechnete sich die Lage schön. Er legte die Daten, die er ja kannte, zu Grunde und rechnete so lange, bis er die Gewissheit hatte, dass Sabeth nicht seine Tochter sein konnte.<b><br />
Zitat:</b> <i>Ich ließ den Motor wieder an.<br />
„Ich habe ihn gekannt“, sagte ich.<br />
„Papa?“<br />
„Joachim“, sagte ich, „ja-“<br />
Vielleicht bin ich ein Feigling. Ich wagte nichts mehr zu sagen, Joachim betreffend, oder zu fragen. Ich rechnete im Stillen (während ich redete, mehr als sonst, glaube ich) pausenlos, bis die Rechnung aufging, wie ich sie wollte: Sie konnte nur das Kind von Joachim sein! Wie ich`s rechnete, weiß ich nicht; ich legte mir die Daten zurecht, bis die Rechnung wirklich stimmte, die Rechnung als solche.</i><br />
…&#8230;&#8230;&#8230;..<br />
<i>Sie stimmte; ich hatte ja die Daten (die Mitteilung von Hanna, dass sie ein Kind erwartet und meine Abreise nach Bagdad) so gewählt, dass die Rechnung stimmte; fix blieb nur der Geburtstag von Sabeth, der Rest ging nach Adam Riese, bis mir ein Stein vom Herzen fiel.</i></p>
<p>Schon auf dem Schiff hatte Walter Faber die Grenze zwischen Beobachtung und Bewunderung überschritten und hatte Sabeth zuerst angefasst und später auch geküsst.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Ihre Männer-Grimassen waren unverschämt, fand ich, aber Sabeth bemerkte überhaupt nichts von alledem, Sabeth in ihren schwarzen Cowboy-Hosen mit den ehemals weißen Nähten, der grüne Kamm in ihrer Hintertasche, ihr rötlicher Rossschwanz, der über den Rücken baumelt, unter ihrem schwarzen Pullover die zwei Schulterblätter, die Kerbe in ihrem straffen und schlanken Rücken, dann ihre Hüften, die judendlichen Schenkel in der schwarzen Hose, die bei den Waden gekrempelt sind, ihre Knöchel – ich fand sie schön, aber nicht aufreizend. Nur sehr schön!&#8230;&#8230;..<br />
Ich fasste ihre beiden Hüften, als ihr Fuß vergeblich nach der untersten Sprosse einer Eisenleiter suchte, und hob sie kurzerhand auf den Boden. Ihre Hüften merkwürdig leicht, zugleich stark, anzufassen wie das Steuerrad meines Studebakers, graziös, im Durchmesser genau so – eine Sekunde lang, dann stand sie auf dem Podest aus gelochtem Blech, ohne im mindesten zu erröten, sie dankte für die unnötige Hilfe und wischte sich ihre Hände an einem Bündel bunter Putzfäden.</i></p>
<p><strong>Im Roman &#8222;Alaska Highway Mile 895&#8220; spielt das Abenteuer Wildnis eine große Rolle.</strong></p>
<p><a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-alaska-highway-mile-895-roman"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-5885 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/alaska_highway.jpg" alt="Alaska Highway" width="189" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/alaska_highway.jpg 189w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/alaska_highway-100x159.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2019/03/alaska_highway-150x238.jpg 150w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a></p>
<p>Spannender<a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-alaska-highway-mile-895-roman"> Alaska &#8211; Yukon &#8211; Roman</a> &#8211; Du findest ihn im Blue Blog<a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-alaska-highway-mile-895-roman"> Shop</a></p>
<p>Die MTA Sonja aus Augsburg wandert in den Yukon aus und beginnt dort ein neues Leben in einer Hütte am Alaska Highway. Abenteuer und Entbehrungen, Liebe und Freundschaft, aber auch Hass und Intrigen bestimmen ihr neues Leben. Um ihre Huskyzucht voranzubringen, nimmt sie schließlich am härtesten Schlittenhunderennen der Welt, dem Yukon Quest, teil.</p>
<p><strong>Hier geht der Artikel weiter</strong></p>
<p>Nach Ende der Schiffspassage führt Walter Faber bewusst eine Begegnung mit Sabeth in Paris herbei. Dann nimmt er zwei Wochen Urlaub und leiht sich das Auto seines Chefs, um Sabeth anzubieten, ihre Autostop-Fahrt mit ihm zu machen.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Anderntags (Sonntag) ging ich in den Louvre, aber von einem Mädchen mit rötlichem Rossschwanz nichts zu sehen, dabei verweilte ich eine volle Stunde in diesem Louvre.</i><br />
Dann trifft er endlich auf Sabeth und geht mit ihr in die Tuilerien.<br />
<b>Zitat: </b><i>Es war Frühling, aber es schneite, als wir in den Tuilerien saßen, Schneegestöber aus blauem Himmel; wir hatten uns fast eine Woche nicht gesehen, und sie war froh um unser Wiedersehen, schien mir, wegen der Zigaretten, sie war bankrott.<br />
„Das habe ich Ihnen auch nie geglaubt“, sagte sie, „dass Sie nie in den Louvre gehen.“<br />
„Jedenfalls selten.“<br />
„Selten!“ lachte sie. „Vorgestern schon habe ich Sie gesehen – unten bei den Antiken- und gestern auch.“<br />
Sie war wirklich ein Kind, wenn auch Kettenraucherin, sie hielt es wirklich für Zufall, dass man sich in diesem Paris nochmals getroffen hatte.</i></p>
<p>Walter Faber lädt Sabeth in ein Café ein. Dort fädelt er es geschickt ein, Sabeth am Abend wiederzusehen.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Ich wagte nicht zu fragen: Was machen Sie denn heute Abend? Ich wusste immer weniger, was für ein Mädchen sie eigentlich war. Unbekümmert in welchem Sinn? Vielleicht ließ sie sich wirklich von jedem Mann einladen, eine Vorstellung, die mich nicht entrüstete, aber eifersüchtig machte, geradezu sentimental.<br />
„Ob wir uns nochmals sehen?“, fragte ich und fügte sofort hinzu: „Wenn nicht, dann wünsche ich Ihnen alles Gute-“<br />
Ich musste wirklich gehen.<br />
„Sie bleiben noch hier?“<br />
„Ja“, sagte sie, „ich hab ja Zeit-“<br />
Ich stand bereits.<br />
„Wenn Sie Zeit haben“, sagte ich, „mir einen Gefallen zu erweisen-“<br />
Ich suchte meinen verlorenen Hut.<br />
„Ich wollte in die Opera“, sagte ich, „aber ich habe noch keine Karten-“<br />
Ich staunte selbst über meine Geistesgegenwart, ich war noch nie in der Opera gewesen, versteht sich, aber Sabeth mit ihrer Menschenkenntnis zweifelte nicht eine Sekunde, obschon ich nicht wusste, was in der Opera gegeben wurde, und nahm das Geld für die Karten, bereit, mir einen Gefallen zu erweisen.<br />
„Wenn Sie auch Lust haben“, sagte ich, „nehmen Sie zwei, und wir treffen uns um sieben Uhr- hier.“<br />
„Zwei?“<br />
</i>„<i>Es soll großartig sein!“<br />
Das hatte ich von Williams gehört.<br />
„Mister Faber“, sagte sie, „das kan ich aber nicht annehmen-“</i></p>
<p>Nach der anschließenden Konferenz in seiner Firma nimmt Walter Faber das Angebot seines Chefs an und nimmt sich zwei Wochen frei. So ist es für ihn schon beschlossene Sache, dass er mit Sabeth reisen will.<br />
<b>Zitat:</b> <i>Williams fuhr mich zu meinem Hotel, während ich darlegte, dass ich doch daran denke, ein bisschen auszusetzen, ein bisschen Ferien zu machen, frühlingshalber, zwei Wochen oder so, eine kleine Reise (trip) nach Avignon, und Pisa, Florenz, Rom, er war keineswegs merkwürdig, im Gegenteil, Williams war großartig wie je, sofort bot er seinen Citroën an, da er anderntags nach New York flog.</i></p>
<p>Die hier zitierten Textauszüge aus dem Buch sollen darlegen, das Walter Faber zu erst ahnte und dann die Gewissheit hatte, dass Sabeth seine Tochter ist.<br />
Trotzdem zieht er sich nicht zurück. Im Gegenteil: Er nimmt sich Urlaub, um mit seiner Tochter auf eine Reise durch Italien zu gehen. Und er lässt es schließlich zu, dass das ahnungslose Mädchen, das sich offenbar zu älteren Männern hingezogen fühlt, in sein Bett kommt und der Inzest vollzogen wird. Walter Faber hat sich bewusst seiner Tochter gegenüber schuldig gemacht.<br />
Aber auch Hanna, Sabeths Mutter, machte sich schuldig, indem sie Sabeth verschwieg, dass Walter Faber ihr Vater ist und indem sie Walter verschwieg, dass er eine Tochter hat. Sabeth dagegen, war in dieser Inzestgeschichte sowohl die Getäuschte, als auch das Opfer. Sie traf keine Schuld. Warum also, so frage ich mich, musste sie dann den Inzest mit ihrem Leben bezahlen?<br />
Wie wäre die Geschichte um Walter Faber verlaufen, wenn Sabeth den Schlangenbiss und den Sturz über die Böschung überlebt hätte? Der Roman „Homo faber“ ist primär darauf ausgerichtet, die Wandlung des Walter Faber aufzuzeigen. Die Wandlung von einem Mann, der nur technisch denkt und in der Realität lebt, der mit Fügung und Mystik nichts anfangen kann, zu einem Mann, der zu reflektieren beginnt und die Welt um sich herum Schritt für Schritt mit anderen Augen sieht, ja, der beschließt, anders zu leben. Hätte es nicht gereicht, wenn Walter am Ende des Buches seinem Krebsleiden erliegt? Sabeth hätte niemals erfahren müssen, dass er ihr Vater war. So hätte sie auch nie erfahren, dass sie mit ihm ein inzestuöses Liebesverhältnis hatte. Ihr Verhältnis zu ihm wäre nichts weiter gewesen, als das zu ihrem Professor in Yale oder das zu ihrem „Schnäuzchenfreund“ an Bord des Schiffes von New York nach Le Havre. Sie hätte Walter früher oder später vergessen und hätte ihr Leben leben können, ohne jede Einschränkung.<br />
Warum also ließ Max Frisch Elisabeth Piper sterben?</p>
<p><b>Bestrafen Autoren ihre weiblichen Protagonistinnen, wenn diese sich nicht dem männlichen Verhaltenskodex unterwerfen?</b></p>
<p><b>Ehebrecherinnen in Romanen von Autoren, die allesamt ihre „Verfehlung“ mit dem Leben bezahlen mussten.</b><br />
Hier drängen sich Parallelen zu anderen Romanen der Literaturgeschichte auf. Die Reihe der Frauen, die wegen ihrer vermeintlichen Schuld (Ehebruch, Inzest, Verhältnis mit einem viel älteren Mann, Kindsbräute) sterben mussten, ist lang. Ihre Schöpfer, die Autoren, ließen sie an Krankheiten oder an gebrochenem Herzen sterben, oder Selbstmord begehen. Oder sie ließen ihnen die gerechte Strafe durch ein Urteil des Gerichts zuteil werden.<br />
<b><br />
Hier vier Beispiele:</b><br />
Effi Briest, Anna Karenina, Emma Bovary und Tess von den d`Urbervilles gehören zu den brühmtesten Ehebrecherinnen der Weltliteratur.<br />
In Theodor Fontanes <b>„Effi Briest“</b>, wird die 17 jährige Effi mit dem ehemaligen Verehrer ihrer Mutter, dem 44 jährigen Baron von Innstetten verheiratet. Dieser vernachlässigt seine junge Frau, die sich schließlich in Major von Crampas verliebt und ein Verhältnis mit ihm beginnt. Als ihr Mann dies Jahre später erfährt, verstößt er sie und entzieht ihr ihre Tochter. Effi stirbt schließlich in ihrem Elternhaus an gebrochenem Herzen. Auch für Effi Briest hätte es einen anderen Weg gegeben. Sie hätte, wie Else von Ardenne, auf deren Geschichte der Roman Fontanes fußt, eine Arbeit annehmen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Doch der Autor wollte, dass Effi für ihren Seitensprung eine Strafe erhielt. Die schlimmste Strafe von allen, den Tod.<br />
<b>Anna Karenina</b> ist im gleichnamigen Roman von Leo Tolstois mit dem wesentlich älteren Alexej Karenin verheiratet und hat mit ihm einen Sohn. Alexej Karenin ist ein steifer Staatsbeamter und passt nicht so recht zu seiner lebensbejahenden Frau. Anna verliebt sich in den Grafen Alexej Wronskij und bekommt von ihm eine Tochter. Daraufhin willigt Karenin in die Scheidung ein. Anna und Wronskij ziehen sich auf ein Landgut zurück. Anna muss ihren Sohn bei Karenin zurücklassen. Auf dem Land stellen beide bald fest, dass sie sich in ihrer Liebe nicht mehr genügen. Wronskij stürzt sich in die Arbeit und entwickelt politischen Ehrgeiz, während Anna von starker Eifersucht und Selbstzweifeln gequält wird und in Wahnideen verfällt. Als sie schließlich dem Druck nicht mehr standhält, wirft sie sich vor einen Zug und begeht Selbstmord.<br />
Im Roman <b>„Madame Bovary“</b> von Gustave Flaubert ist Emma, die schöne Frau eines verwitweten Landarztes, die Hauptfigur. Auch sie langweilt sich mit ihrem Mann und geht deshalb mit dem Kanzlist Leon und mit dem Grundbesitzer Rodolphe Liebesbeziehungen ein. Aus Prunksucht und um Leon teure Geschenke zu machen, verschuldet sich Emma bei dem Händler Lheureux. Dieser gibt die Wechsel weiter und der Familie Bovary droht die Pfändung. Emmas Liebhaber wollen und können ihr nicht aus der finanziellen Bedrängnis helfen. In ihrer Verzweiflung nimmt Emma Arsen und stirbt nach einem langen schweren Todeskampf.<br />
In <b>„Tess von den d`Urbervilles“</b>, einem Roman von Thomas Hardy, erleidet die junge Tess ein ähnlich trauriges Schicksal. Auch sie ist ein klassisches Opfer der Männerwelt. Als junges Mädchen wird sie von ihren verarmten adeligen Eltern zum Arbeiten zu reichen Verwandten geschickt. Dort wird sie von Alec d`Urbervilles mutmaßlich vergewaltigt, mindestens aber verführt. Wieder Zuhause bringt sie ein Kind zur Welt, das aber bald stirbt. Zwei Jahre später wagt Tess einen Neuanfang und findet Arbeit als Milchmädchen in einem weit entfernten Dorf. Dort lernt sie Angel Clare kennen. Die beiden verlieben sich ineinnader und heiraten schließlich. In der Hochzeitsnacht gesteht Angel, dass er einst in London eine kurze Affaire mit einer älteren Frau gehabt hat. So fühlt sich Tess ermutigt, ihrem Mann zu gestehen, dass sie bereits ein Kind hatte. Daraufhin wird sie von Angel verlassen, der nach Brasilien geht, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Er untersagt Tess, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Tess arbeitet forthin als Magd auf einem abgelegenen Hof. Die Arbeit ist sehr schwer und wird für sie noch härter, weil der Bauer ihr das Leben so schwer wie möglich macht. Auf dem Hof trifft Tess wiederholt auf Alec d`Urbervilles, der ihr nachstellt und sie heiraten will. Doch Tess lehnt ab. Bald darauf stirbt ihr Vater, ihre Familie wird obdachlos und sucht nach einer neuen Bleibe. Völlig verarmt kampiert ihre Mutter mit den Kindern vor der Gruft der d`Urbervilles. Wieder bietet Alec seine Hilfe an und schließlich lässt sich Tess, ihrer Familie willen, darauf ein, Alecs Geliebte zu werden.<br />
Angel kommt erkrankt aus Brasilien zurück und sucht Tess. Er findet sie bei Alec, wo sie ihm sagt, dass es nun für ein gemeinsames Leben zu spät sei. Doch kurz darauf ersticht Tess Alec und flieht mit ihrem Mann. Die Flucht endet, nachdem sich beide wieder näher gekommen sind. Tess wird verhaftet, zum Tod verurteilt und schließlich gehängt.</p>
<p><b>Kindsbräute in Romanen von Autoren, die, nachdem sie von meist älteren Männern missbraucht wurden, sterben mussten.</b></p>
<p>In der Weltliteratur gibt es auch eine Reihe von Kindsbräuten, die wegen ihres jungen Alters per se in der Opferrolle sind. Sie werden von meist sehr viel älteren Männern, geliebt, verehrt und nicht selten auch sexuell missbraucht. Doch obwohl sie eindeutig unschuldig sind, lassen die Autoren die Mädchen sterben.<!-- ( Der HTML-Code darf im Sinne der einwandfreien Funktionalität nicht verändert werden! ) --><!-- ENDE des zanox-affiliate HTML-Code --></p>
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<p><b>Hier vier Beispiele:</b><br />
In &#8222;<strong>Wilhelm Meisters Lehrjahre&#8220;</strong> von Johann Wolfgang von Goethe verliebt sich das Zigeunermädchen Mignon in Wilhelm. Sie zerbricht schließlich an dieser Liebe und stirbt.<br />
Charles Dickens lässt Dora Spenlow, die kindliche Ehefrau seines Protagonisten <strong>David Copperfield</strong> in seinem gleichnamigen Roman, eine Fehlgeburt erleiden. Danach verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand kontinuierlich bis sie schließlich stirbt.<br />
Im Roman <strong>„Die kleine Stechardin“</strong> von Gert Hofmann verliebt sich der Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) in die 12 jährige Maria Dorothea Stechard. Er holt das Mädchen als Gesellschafterin in sein Haus, lässt sie an seiner Arbeit teilhaben und nimmt sie schließlich in sein Bett. Mit 17 Jahren stirbt die Kindsbraut an einem Fieber.<br />
Die wohl bekannteste Kindsbraut ist <b>Lolita</b>, aus dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov. Humbert Humbert, der 1910 in Frankreich geborene Literaturwissenschaftler beginnt mit 37 Jahren eine sexuelle Beziehung mit der 12 jährigen Dolores Haze, die er Lolita nennt. Es ist eine einseitige Leidenschaft. Zuvor hatte Humbert schon im Alter von 13 Jahren eine Beziehung zur ebenfalls 13 jährigen Annabel Lee, die bald stirbt.<br />
Mit Lolita begibt sich Humbert zu Beginn und im Verlauf seiner einseitigen Leidenschaft auf eine Reise durch sämtliche Staaten der USA. Als Lolita während einer Viruserkrankung aus dem Hospital flieht, verfolgt er sie und seinen vermeintlichen Nebenbuhler vergeblich. Erst drei Jahre später wendet sich Lolita selbst an Humbert mit der Bitte um Geld. Sie ist verheiratet, schwanger und verarmt. Humbert trifft Lolita und erkennt in ihrem Mann seinen Nebenbuhler den Dramatiker Clare Quilty, einen alten Bekannten von Lolitas Familie. Im Gefängnis, wo er nach dem Mord an Quilty auf seinen Prozess wartet, schreibt er seine „Liebesgeschichte“ mit Lolita nieder. Lolita stirbt kurz nach der Geburt eines totgeborenen Mädchens.<br />
Ist es die männliche Sicht (die Sicht der Autoren) auf die Ehebrecherinnen und Kindsbräute, die bedingt, dass diese Frauen und Mädchen ihr „Fehlverhalten“ nicht überleben dürfen? Anders ergeht es den Ehebrecherinnen und Kindsbräuten in den Werken von Schriftstellerinnen. Sie erleiden manchmal ein Traumata, werden aber nie für ihr Verhalten „bestraft“. Sogar Morde aus emotionalen Gründen bleiben in Romanen von Autorinnen ungesühnt.</p>
<p><b>Lassen Autorinnen die „Fehltritte“ ihrer Protagonistinnen ungeahndet, weil sie deren Beweggründe nachvollziehen können?</b></p>
<p><b>Kindsbräute und Ehebrecherinnen in Romanen von Autorinnen</b></p>
<p>Autorinnen verarbeiten den Stoff Kindsbraut und Ehebrecherinnen anders. Bei ihnen überleben die Protagonistinnen.<br />
<b><br />
Hier drei Beispiele:</b><br />
Im Roman <b>„Der Liebhaber“</b>, der von der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras geschrieben wurde, überlebt die Kindsbraut ihre Liebesbeziehung zu einem älteren Mann, wenn auch nicht unbeschadet.<br />
<b>Zitat:</b> <i>„Jetzt sehe ich, dass ich sehr jung, mit achtzehn, mit fünfzehn, ein Gesicht hatte, in dem jenes andere vorweggenommen war, das mir später der Alkohol in mittleren Lebensjahren beigebracht hat. Der Alkohol übernahm die Funktion, die Gott nicht gehabt hat, auch jene, mich zu töten, zu töten.“</i></p>
<p>Auch hier die Andeutung einer Schuld, die hätte gesühnt werden müssen. Doch Marguerite Duras lässt ihre Heldin überleben. Die späteren Alkoholexzesse der Romanfigur, wie auch die der Autorin, machen aber deutlich, dass beide durch ihre sexuelle Beziehung zu einem reiferen Mann seelischen Schaden genommen haben. Dazu muss noch gesagt werden, dass die Schriftstellerin in dem Roman „Der Liebhaber“ ihre eigene Lebensgeschichte erzählt.</p>
<p>Auch in Isabelle Allendes Roman <b>„Eva Luna“</b> überlebt Eva das intime Verhältnis zu ihrem wesentlich älteren Ziehvater, der ihr sogar zur Flucht und zu einem neuen Leben verhilft. Am Ende des Buches heiratet Eva den Kameramann Rolf Carle und wird glücklich.<br />
In <b>„Frau Sartoris“</b> von Elke Schmitter ist Margarthe Sartoris nicht nur eine Ehebrecherin, sondern auch die Mörderin des Freundes ihrer Tochter. Aber auch ihre Schuld bleibt ungesühnt. Eine „Strafe“ wie Selbstmord oder Verurteilung durch ein Gericht wird von der Autorin zumindest nicht ausgeführt.</p>
<p><b>Sehen männliche Schriftsteller immer im Weiblichen die Schuld?</b></p>
<p>Wenn dies so sein sollte, dann weisen Autoren ihren männlichen Protagonisten nicht nur die Rolle des von der Weiblichkeit Verführten zu (Eva verführt Adam. Bis in alle Ewigkeit?), sondern sie statten diese auch mit einer Schwäche aus, die es ihnen scheinbar unmöglich macht, für ihre Taten einzustehen.</p>
<p><b>Kindsbraut unter anderen Vorzeichen</b></p>
<p>Der Roman <b>„Die Schweigeminute“</b> von Siegfried Lenz erzählt die Geschichte der Kindsbraut unter umgekehrten Vorzeichen. Hier ist es der Schüler Christian, mit seinen 18 Jahren noch ein Junge ohne Erfahrung in Liebesdingen, der ein Verhältnis mit seiner erwachsenen Englischlehrerin Stella Petersen eingeht. Das ungleiche Paar verbringt einen glücklichen Sommer und Christian glaubt fest an eine gemeinsame Zukunft mit Stella. Doch diese wird bei einem Bootsunfall schwer verletzt und erliegt schließlich ihren Kopfverletzungen.<br />
Während bei Autoren normalerweise die weiblichen Kindsbräute am Ende des Romans sterben, verunglückt im Roman „Die Schweigeminute“ die weibliche Entsprechung des erwachsenen Verführers, nämlich die Lehrerin Stella Peterson, und erliegt ihren Verletzungen.<br />
Doch ist es immer erforderlich, dass ein „Fehlverhalten“ gesühnt oder bestraft werden muss? Warum können die literarischen Figuren bei Autoren keinen Ehebruch begehen, keine unüblichen Liebesverhältnisse eingehen, ohne dafür mit dem Tod bestraft zu werden? Dies wird doch im wirklichen Leben millionenfach vorgelebt.<br />
<b>Warum also musste Sabeth Piper sterben?</b></p>
<p>Text und Foto: © Xenia Marita Riebe</p>
<p>Lies auch: Zum <a href="https://bild-art.de/zum-fruehstueck-zu-ikea">Frühstück zu IKEA</a> und <a href="https://bild-art.de/fruehstuecken-bei-ikea">Frühstücken bei IKEA</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e8075041926546e2a290015e426b117a" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/ueber-sabeths-tod-im-roman-homo-faber-von-max-frisch">Über Sabeths Tod im Roman &#8222;Homo faber&#8220; von Max Frisch</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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		<title>Die KindsBraut &#8211; Auslöser und Ziel für die sexuellen Fantasien des Mannes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Aug 2017 19:37:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["Der Liebhaber"]]></category>
		<category><![CDATA[„Child-wife“]]></category>
		<category><![CDATA[„Kind-Ehefrau“]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Georgia,serif;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3229 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s.jpg" alt="Kindsbraut" width="450" height="293" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s-300x195.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s-100x65.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s-150x98.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_006_s-200x130.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Zuerst einmal scheint es mir wichtig, den Begriff KindsBraut zu definieren. Bei meiner Recherche, stieß ich auf einen Text, in dem sich Michael Wetzel mit dem Phänomen der KindsBraut auseinandersetzt. In seiner Abhandlung „Arno Schmidt: Leben im Werk“ hat er den Begriff so treffend definiert, dass ich mich entschlossen habe, diese Definition zu zitieren.</span></p>
<p>„<span style="font-family: Georgia,serif;">Was ist eine KindsBraut? Dieser Begriff fällt auf und irritiert, selbst in einem semantischen Umfeld, das gesättigt ist durch die gängigen, ja man kann sogar sagen marktgängigen, d.h. populären und medienwirksamen Beschwörungen äquivalenter Begriffe wie der Kindfrau, Mädchenfrau, der kleinen und großen Mädchen, ganz zu schweigen vom erotischen Wetterleuchten, das sich am Horizont des neuerdings allgegenwärtigen Themas sexuellen Missbrauchs von Kindern ankündigt. Man ahnt, worum es geht, und schon naht ein weiterer Name, der zum Allgemeinbegriff avanciert ist, vielleicht zum Schibboleth der uneingestandenen oder unein(aus?)stehbar gewordenen Majorität des männlichen Begehrens: der </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Lolita-Komplex</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;">, frei nach der Titelheldin aus Nabokovs gleichnamigen Roman, die Geschichte von der verzweifelten Liebe eines älteren, alternden Mannes zu einer an der Schwelle weiblicher Reife stehenden Frühadoleszenten, die nicht zuletzt durch die jüngste Verfilmung die Gemüter wieder erregt hat.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Man ahnt, worum es geht: </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>ahnt</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;">, weil man es nicht genau weiß, obwohl doch der Weg vom Begriff gewiesen wird, nämlich vom Kind zur Braut geht. Herkömmlicherweise bezeichnet der Brautgang einen Weg, der von der Ahnung zur Gegenwart einer Reife führt, die als Partnerwahl und Familiengründung anthropologisch einem symbolischen Akt verpflichtet ist, der biologisch schlicht Prokreation heißt. Wäre da nicht das Präfix Kind, das- auch in biologischer Hinsicht – die angezeigte Entwicklungstendenz stört, blockiert, ja umkehrt: Die Vorstellung von einer Braut, die Kind ist, verkehrt</span>, <span style="font-family: Georgia,serif;">auf nahezu perverse Art, worum es geht, nämlich Reife, indem sie die Ahnung eines </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Später</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> durch die Gegenwart eines </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Früher</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> enttäuscht. Das also wäre die Kindsbraut, eine Enttäuschung, ein nicht eingelöstes Versprechen – z.B. eines </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Brautgelöbnisses</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> &#8211; ,das aber, und hier beginnt die Geschichte der KindsBraut als Fantasma jenseits von Prokreation und Protektion – gerade aus der Nichteinlösbarkeit seine ganze Kraft – auch im dynamischen Sinne von Attraktivität, d.h. Anziehungskraft – zieht.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Logisch gesehen erfüllt die KindsBraut den Fall der contradictie in adiectio. Anders als die schwesterliche Kindfrau, die im Kind das Frauliche erahnen lässt, das aber umgekehrt auch in sich die Züge des Kindlichen bewahren kann, scheint das Bräutliche noch mehr auf eine Entscheidung zwischen kindlicher Unschuld und weiblicher Reife zu drängen. Nicht nur musikalisch legt es das Modell der Fuge nahe, deren gedrängte Fülle auch auf den Begriff der Engführung gebracht wird. Die beiden Stimmen, die im Namen KindsBraut enggeführt werden, heißen „nicht mehr“ und „noch nicht“, denn genau genommen handelt es sich bei diesem eminenten, epochalen Zeit-Phänomen um ein Wesen, das </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>nicht mehr</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> Kind und </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>noch nicht </i></span><span style="font-family: Georgia,serif;">Braut, das aber dennoch eins nicht ohne das andere ist, wobei dieses </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Sein </i></span><span style="font-family: Georgia,serif;">im Sinne des real nur enttäuschenden Versprechens einem </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Scheinen</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> weicht, in dem die beiden ausgeschlossenen Positionen des Kindes und des Bräutlichen sich für den intensiven Augenblick eines in der Schwebe gehaltenen Zustandes vereinen: nicht als Identität, sondern als chiasmatische Synthese von schon Braut scheinender Kindlichkeit und noch Kind scheinender Bräutlichkeit. Im Chiasmus, der bekanntlich dem mathematischen Zeichen X ähnelt, öffnet sich so etwas wie ein Zeitloch, das den chronologischen, linearen Zeitverlauf absorbiert und in einer Art von imaginärem Fokus das Früher und Später zu einer Spiegelbildlichkeit anhält. Es scheint, als werde im Fantasma der KindsBraut die Zeit an einem entscheidenden Umschlagspunkt angehalten, einem Kulminationspunkt, der auch in den psychologischen, kultursoziologischen ect. Diskursen unter den Namen der Pubertät seine initiationsrituelle Würdigung erfahren hat. Und nimmt man die Engführung des Chiasmus von </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>nicht mehr/noch nicht</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> ernst, so vernimmt man die fantasmatische Botschaft des Versprechens: nämlich ein im Zeichen des einklammernden </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Nicht</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> ergehendes zentrales </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Noch-mehr</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;">.“</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Da wir jetzt wissen, was eine KindsBraut ist, stellt sich eine weitere Frage.</span></p>
<h1 class="western"><span style="font-family: times new roman,times,serif; font-size: 12pt;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3230 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s.jpg" alt="Kindsbraut" width="302" height="400" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s.jpg 302w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s-300x397.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s-227x300.jpg 227w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s-100x132.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s-150x199.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/08/kindsbraut_011_s-200x265.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 302px) 100vw, 302px" /><span style="font-family: georgia,palatino,serif;">Was hat die KindsBraut mit der Literatur zu tun?</span></span></h1>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Wie ich schon in meinem Artikel „Epigonen in der bildenden Kunst und in der Literatur“ erwähnte, war das Motiv der KindsBraut nicht nur Vorlage für eine Reihe von Romanen, sondern es fühlten sich einige Schriftsteller selbst zu KindsBräuten hingezogen, liebten und heirateten sie sogar.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Edgar Allan Poe z.B. heiratete mit 27 Jahren seine 13 jährige Cousine Virginia. Sie blieb eine KindsBraut bis zu ihrem frühen Tod elf Jahre später, bleich, scheu, zärtlich und ohne jedes Verständnis für das Werk ihres Mannes. Die Ehe wurde nie vollzogen, da Poe Virginia nie berührte. Nach ihrem Tod, sie starb wie Poes Mutter an offener Tuberkulose, versuchte er sein eigenes Ende mit Opium und Alkohol zu beschleunigen (umstritten) und starb schließlich nach zwei quälenden Jahren. Poes Ehe wurde zum Archetypus gelebter Nicht-Beziehung mit einem „Gedanken-Liebchen“.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Auch Charles Dickens hatte eine Beziehung zu einer KindsBraut, der Schauspielerin Ellen Ternan. Scheinbar hatte er mit ihr im Leben gefunden, was er in seinen Romanen als Traumbild immer wieder beschwor: „eine vom Liebreiz der Unschuld umgebene Kindfrau“. Bis heute ist unklar, ob es sich bei dieser Liebschaft um eine platonische oder eine sexuelle Beziehung handelte. Wenn aber die isolierte Unschuld für Dickens einen so hohen Wert darstellte, könnte seine Entrüstung echt gewesen sein, als man ihn des Ehebruchs beschuldigte. Auch wenn dies nicht beweisbar ist, scheint die Anbetung der Kindfrau für ihn ein höherer Wert gewesen zu sein als die sexuelle Befriedigung und es ist daher unwahrscheinlich, dass er sich diesen Traum durch die physische Liebe zerstört haben sollte. Fakt ist aber, dass er für seine Geliebte seine Frau, die ihm 10 Kinder geboren hatte, verließ.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Der Begriff Kindfrau ist von Charles Dickens in seinem Roman David Copperfield geprägt worden. Dickens lässt hier die kindliche Ehefrau Copperfields, Dora Spenlow, sagen:</span></p>
<p lang="en-GB">„<span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Will you call me a name I want you to call me?” inquired Dora, without moving.</i></span></p>
<p lang="en-GB">“<span style="font-family: Georgia,serif;"><i>What is it?” I asked with a smile.</i></span></p>
<p lang="en-GB">“<span style="font-family: Georgia,serif;"><i>It&#8217;s a stupid name,” she said, shaking her curls for a moment. “Child-wife.”</i></span></p>
<p lang="en-GB"><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>I laughingly asked my child-wife what her fancy was in desiring to be so called. She answered without moving, otherwise than as the arm I twined about her may have brought her blue eyes nearer to me:</i></span></p>
<p lang="en-GB">“<span style="font-family: Georgia,serif;"><i>I don&#8217;t mean, you silly fellow, that you should use the name instead of Dora. I only mean that you should think of me that way. When you are going to be angry with me, say to yourself, “it&#8217;s only my child-wife!” When I am very disappointing, say, “I knew, a long time ago, that she would make but a child-wife!” When you miss what I should like to be, and I think can never be, say, “still my foolish child-wife loves me!” For indeed I do.”</i></span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Der Schriftsteller Arno Schmidt übersetzte den Begriff „Child-wife“, der „Kind-Ehefrau“ hieße, galanter mit „KindsBraut“. So kann Schmidt als Autor dieses Begriffes gelten, nicht aber als sein Erfinder, denn es handelt sich ja genau genommen um eine Übersetzung eines im Englischen bereits existierenden Begriffes.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Arno Schmidt selbst ließ in seinen Romanen unterschiedliche KindsBräute lebendig werden, aber wie die Kindsbräute, mit denen Dickens und Poe zusammenlebten, blieben diese unangetastet von den sie begehrenden Männern. Sie waren lediglich das Ziel der sexuellen Fantasien, der meist älteren potenziellen Liebhaber. Dies scheint in vielen Fällen, nicht nur in der Literatur, exemplarisch zu sein. Die KindsBraut ist eine Idee, die in keinem lebenden irdischen Wesen sich erfüllen kann. Sie ist die Statthalterin einer erotischen (Un)Ordnung, die nicht dem Gesetz dessen untersteht, was Freud in seinen drei Abhandlungen zur Sexualtheorie die „Endlust“ nannte, d.h. den Vollzug des Koitus, samt des damit verbundenen Leistungsanspruchs einer Befriedigung der genitalen Spannung. Gerade ältere Männer, die von der Angst der drohenden Impotenz, die von Arno Schmidt geradezu dämonisiert wurde, umgetrieben werden, neigen eher dazu, ihre Fantasien auf eine KindsBraut zu lenken, ist damit sichergestellt, dass sie ihre Potenz weder beweisen müssen noch dürfen.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Ein weiteres Beispiel aus der Welt der Literatur ist die Liebe des alternden Johann Wolfgang von Goethe zu einer KindsBraut. Er verliebte sich im Jahr 1821 während eines längeren Kuraufenthaltes im mondänen Marienbad in die siebzehnjährige</span> <span style="font-family: Georgia,serif;">Ulrike von Levetzow. Zum letzten Mal in seinem Leben verspürte er „eine große Leidenschaft“. Bei einem Zusammentreffen 1823 veranlasste Goethe Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach in seinem Namen um die Neunzehnjährige zu werben.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Seinen Schmerz über die Abweisung des Heiratsantrags drückte Goethe in seiner Marienbader Elegie aus, mit deren Niederschrift er bereits im September 1823 während der Abreise von Böhmen nach Thüringen begann und von deren Existenz Ulrike von Levetzow erst nach Goethes Tod erfuhr. Goethe trug in sein Tagebuch am 19. September 1823 ein: „Die Abschrift des Gedichts vollendet.“ Der </span><span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Elegie</i></span><span style="font-family: Georgia,serif;"> stellte er das dem Tasso entlehnte Motto voran: „Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt / Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide.“</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Auch in Goethes Prosa finden wir mit dem Zigeunermädchen Mignon eine echte KindsBraut, die den Wilhelm aus dem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, aufrichtig liebt und verehrt. Sie zerbricht schließlich an dieser Liebe und stirbt, wie fast alle „literarischen“ KindsBräute sehr jung sterben.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;"><b>Bestrafen die Dichter hiermit unbewusst die „Sünde“, die ihre KindsBräute begehen?</b></span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Dies wäre allerdings höchst ungerecht, sind es doch die Fantasien der Männer, die ein Kind zur KindsBraut machen und nicht umgekehrt. Das Mädchen, das an der Schwelle zur Pubertät steht und die Begierde eines Mannes auf sich zieht, ist sich dessen nicht bewusst. Erst durch das Werben des Mannes wird sich das Mädchen der Macht bewusst, die es unbewusst ausgeübt hat. Durch den weiteren Umgang mit dem Mann, der mit ihr über seine Fantasien spricht, ihr sagt und zeigt, dass er sie liebt und begehrt, kann das Mädchen kokett werden. Es entwickelt sich also erst durch die Fantasie des Mannes zu einer KindsBraut. Auch wenn KindsBräute im Normalfall von ihren Liebhabern nicht sexuell berührt werden, handelt es sich bei einem solchen Verhältnis um eine Form des Kindesmissbrauchs. Dabei müssen wir sicher einen Unterschied zwischen Pädophilen und Nympholepten machen. Ein pädophil veranlagter Mann, richtet sein primär sexuelles Interesse auf Personen, die noch nicht die Pubertät erreicht haben. Dabei kann es sich gleichermaßen um Jungen und Mädchen handeln. Pädophile leben ihre Sexualität häufig real aus. </span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Nympholepten dagegen richten ihre sexuelle Fantasie auf die sogenannten Nymphchen, also auf kindliche, frühreife Mädchen. Nympholeptisch veranlagte Männer leben ihre Sexualität eher selten aus.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Ist das Mädchen also, zumindest zum Beginn der Beziehung, unschuldig, stellt sich die Frage, warum so viele Kindsbräute in Romanen wie auch im wirklichen Leben im noch jugendlichen Alter sterben. Als Beispiele hierfür sind zu nennen:</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Das Mädchen Mignon, aus Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe. </span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Dora Spenlow, die kindliche Ehefrau des David Copperfield von Charles Dickens.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Effi Briest aus dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Maria Dorothea Stechard aus dem Roman „Die kleine Stechardin“ von Gert Hofmann.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Virginia Poe, die kindliche Ehefrau des Edgar Allan Poe.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Lolita, die KindsBraut aus dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Wahrscheinlich liegt es an der männlichen Sicht auf diese Geschöpfe. In dem Roman „Der Liebhaber“, der von einer Schriftstellerin, Marguerite Duras, geschrieben wurde, überlebt die KindsBraut, wenn auch nicht ganz unbeschadet.</span></p>
<p>„<span style="font-family: Georgia,serif;"><i>Jetzt sehe ich, dass ich sehr jung, mit achtzehn, mit fünfzehn, ein Gesicht hatte, in dem jenes andere vorweggenommen war, das mir später der Alkohol in mittleren Lebensjahren beigebracht hat. Der Alkohol übernahm die Funktion, die Gott nicht gehabt hat, auch jene, mich zu töten, zu töten.“</i></span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">Auch hier die Andeutung einer Schuld, die hätte gesühnt werden müssen. Doch Marguerite Duras lässt ihre Heldin überleben. Die späteren Alkoholexzesse, in die die KindsBraut des Romans wie auch ihre Schöpferin verfallen, machen aber deutlich, dass beide durch ihre kindliche Beziehung zu einem reiferen Mann seelischen Schaden genommen haben. Dazu muss noch gesagt werden, dass die Schriftstellerin in dem Roman „Der Liebhaber“ ihre eigene Lebensgeschichte erzählt.</span></p>
<p><span style="font-family: Georgia,serif;">KindsBräute erleiden also ein Schicksal, dass ihnen nicht die Zeit lässt, langsam erwachsen zu werden. Statt dessen sind sie ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung weit voraus. Welchen Schaden dadurch ihre Seele nimmt, ist unabsehbar.</span></p>
<p>Text und Fotos:  ©Xenia Marita Riebe</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/die-kindsbraut-ausloeser-und-ziel-fuer-die-sexuellen-fantasien-des-mannes">Die KindsBraut &#8211; Auslöser und Ziel für die sexuellen Fantasien des Mannes</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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