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	<title>Hunde Archive - Blue Blog</title>
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		<title>Reisetagebuch – Südwest  Irland &#8211; Crookhaven &#8211; Wedge Tomb von Altar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Nov 2017 12:57:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisetagebuch Irland]]></category>
		<category><![CDATA[„The Most Southerly P(o)int in Ireland“]]></category>
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		<category><![CDATA[Erinnerung an eine Piratenbraut]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula. Tag 6 &#8211; 8.11.2017 Wetter: bewölkt – Temperatur 13 Grad – mässiger Wind 2.Teil Crookhaven – Ein Zusammentreffen mit einer &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-2397 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s.jpg" alt="" width="400" height="281" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s-300x211.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s-100x70.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s-150x105.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivan_01_s-200x141.jpg 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p><strong>Mein Mann Bernd und ich verbrachten eine Zeit im kleinen Fischerort Schull in Südwest Irland und erkundeten die Mizen Peninsula.</strong></p>
<p>Tag 6 &#8211; 8.11.2017</p>
<p>Wetter: bewölkt – Temperatur 13 Grad – mässiger Wind</p>
<p><strong>2.Teil</strong></p>
<p><strong>Crookhaven – Ein Zusammentreffen mit einer Piratenbraut</strong></p>
<p>Kaum sind wir mit unserem kleinen Nissan losgefahren, werden auch schon Erinnerungen wach. Die erste Strecke bergauf – hier zieht sich eine mäßige aber sehr lange Steigung bis zur Einmündung der „Hauptstraße“ &#8211; sind wir in früheren Jahren gejoggt. Und auch auf der weiteren Fahrt sprechen wir darüber, was wir hier schon erlebt haben. So gingen wir einmal zu Fuß bis nach Goleen und den halben Weg wieder zurück, was immerhin 23 Kilometer waren. Auf dieser Wanderung bestiegen wir sogar noch einen Berg, nur weil wir mal schauen wollten, was da oben für ein merkwürdiger Turm steht. Was es mit diesem auf sich hatte, habe ich inzwischen vergessen. Aber wir können ja bei Gelegenheit noch mal nachschauen. Nach Goleen wanderten wir damals, um dort in einem schönen Restaurant namens „Heron Cove“ zu Mittag zu essen. Anschließend wollten wir mit dem Bus nach Schull zurückfahren. Leider hatte aber das Restaurant geschlossen und der Bus fuhr nicht. Also gingen wir zu Fuß zurück und hofften, unterwegs ein Auto anzuhalten, dass uns mitnehmen würde. Doch wir hatten Pech, niemand hielt an. Als wir am Abend unseren Freunden davon erzählten, sagte Tom augenzwinkernd zu mir: „Bernd hätte sich im Straßengraben verstecken sollen. Dann hätte bestimmt jemand angehalten.“ Dies war vor dem Internet- und Handyzeitalter, das es auch einmal gegeben hat.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-2395 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s.jpg" alt="" width="400" height="241" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s-300x181.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s-100x60.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s-150x90.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/keilgrab_s-200x121.jpg 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Auf halber Strecke nach Goleen kommen wir auf der R591 an einem Keilgrab aus der Steinzeit vorbei. Der Wedge Tomb von Altar, oder auf gälisch Tuama Dingeach na hAltóra, wurde hier vor 3000 bis 2000 Jahre vor Chr. errichtet und diente später auch christlichen Priestern als Altar. Er steht auf einem ebenen Platz unmittelbar an einer tief eingeschnittenen Meeresbucht, der Toormoor Bay. Kurz vor Goleen führt die Straße durch einen der seltenen Wälder Irlands, der freilich recht klein ist und den in Deutschland niemand als Wald bezeichnen würde. Hier ist er aber etwas Besonders, denn in Irland gibt es keine größeren Naturwälder mehr. Im 17. Jahrhundert wurden diese durch die zerstörerische Politik Oliver Cromwells größtenteils gerodet. Der Holzbedarf der Schiffswerften, Glashütten und Metallschmelzen sorgte dafür, dass im Jahre 1901 nur noch ein Prozent der Insel mit Wald bedeckt war. Heute versucht man die Wälder mit EU-Fördermitteln wieder aufzuforsten. Bis 2030 sollen wieder 17 Prozent Irlands bewaldet sein. Ein ehrgeiziges Projekt.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-2399 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s.jpg" alt="" width="400" height="259" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s-300x194.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s-100x65.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s-150x97.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_02_s-200x130.jpg 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>In Goleen biegen wir ab nach Crookhaven oder auf gälisch An Cruachán. Der kleine Fischerort liegt auf einer schmalen Landzunge jenseits eines tiefen Meereseinschnitts. Hier scheint die Welt wirklich zu Ende zu sein. Um nach Crookhaven zu kommen, müssen wir die tiefe weite Bucht umfahren. Dabei kommen wir an zwei sehr schönen Sandstränden vorbei. Da Ebbe ist, ragen schwarze Felsen aus dem Watt hervor.<br />
Crookhaven selbst liegt am Ende der Landzunge und die Straße dorthin ist eine echte Sackgasse. Im Ort gibt es einige wenige Häuser, von denen allein drei Pubs sind. Einer davon hat heute geöffnet. „O`Sullivan`s Pub“, steht auf einem Wandgemälde am Giebel und darunter, „The Most Southerly P(o)int in Ireland“. Das Gemälde zeigt den Fastnet Leuchtturm, der hier vor der Küste liegt. Vor dem Pub werden wir von fünf Hunden unterschiedlicher Größe und Rasse begrüßt, die alle aus den Kofferräumen von zwei Autos springen. Darin hat jemand ihnen mit Decken und Kissen einen Aufenthalt geschaffen. Die Hunde sind müde. Sie strecken sich, gähnen und beginnen dann, mit den Schwänzen zu wedeln. Drei von ihnen folgen uns in die Gaststube. Ein mittelgroßer, langer Hund mit gelbem Fell schnuppert aufdringlich an mir herum. Ich verscheuche ihn und er trollt sich. O`Sullivan`s ist bekannt für seine köstlichen Open Crab Sandwiches, von denen wir auch gleich zwei bestellen und dazu zwei Glas Murphy`s.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-2666 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s.jpg" alt="Hund O&#96;Sullivans Barr Crookhaven" width="400" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s-300x169.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s-100x56.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s-150x84.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_crookhaven_01_s-200x113.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Während wir auf das Essen warten, erinnere ich eine Begebenheit, die ein paar Jahre zurück liegt. Damals kehrten wir hier an einem Spätsommerabend ein. Im Pub herrschte Hochbetrieb. Alle Plätze an der Theke waren besetzt. Männer redeten laut über den Fischfang vom Morgen. Frauen saßen an den Tischen und besprachen die letzten News des Dorfes. In der Mitte des Pubs stand ein Billardtisch, um den herum drei Spieler standen. Ein Mann beugte sich konzentriert über den Tisch, denn er wollte gerade eine Kugel gezielt in ein Loch befördern. Neben ihm stand ein weiterer Mann in abgerissener Kleidung. Wahrscheinlich ein Bauer aus der Umgebung. Am Auffälligsten aber war eine junge Frau. Wie diese in das verlassene Nest gekommen war, frage ich mich noch heute. Ihre Erscheinung war so extravagant, dass sie einem Piratenfilm entsprungen zu sein schien. Sie war groß und schlank und drehte gerade gedankenverloren die Spitze ihres Billardstocks im Kreidewürfel. Woran sie wohl dachte? Sie schien die Frau eines Piraten zu sein und sicherlich fragte sie sich gerade, ob ihr Liebster den letzten Überfall auf ein Handelsschiff der Engländer überlebt hat. Sie legte den Kreidewürfel zur Seite und spielte mit ihren langen schlanken Fingern in ihrem dunklen krausen Haar, das sie mit einem Band aus der Stirn gehalten hatte. Von diesem Band baumelten bunte Federn herab, die sich in ihrem zerzausten Haar verfingen. Jetzt war die Piratenbraut am Zug. Sie beugte sich geschmeidig wie eine Gerte vor und fixierte mit der Pomeranze des Stocks die Billardkugel. Ihr olivgrüner enger Wildlederrock war so kurz, dass er den Blick auf ihre schmalen Schenkel bis weit hinauf freigab. Ihre wohlgeformten Beine waren mit Netz bestrumpft und steckten in kniehohen Lederstiefeln. Sie trug einen weiten weichen Pullover in indischgelb, dessen Wasserfallkragen tief herabhing und den Blick auf allerlei Halsketten freigab, darunter ein schweres Kreuz mit roten Steinen besetzt. Auch war er ihr über eine Schulter gerutscht und gab dort die nackte Haut preis. Ein schmaler oranger Träger war dort zu sehen, der zu einem Body gehörte, der dort, wo der Pullover durch seinen ungewöhnlichen Schnitt – hinten lang, vorne kurz – den Bauch freiließ, zu sehen war. Während ich die Schöne noch musterte, hatte sie ihre Kugel gut platziert und lachte erfreut auf. Dann war der Bauer an der Reihe und die Piratenbraut zog ein Päckchen Zigaretten aus dem Bund ihres Rockes und ließ sich von ihrem Mitspieler Feuer geben. In der Flamme des Zündholzes glommen ihre schwarzen Augen auf. Sie lachte wieder und warf dabei ihre üppige Haarmähne zurück. Ihr großer Mund gab eine Reihe von kräftigen weißen Zähnen frei. Der Bauer verpatzte und schoss seine Kugel an die falsche Bande. „Aha!“, entfuhr es der Frau erfreut und sie zog gierig an ihrer Zigarette.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-2401 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s.jpg" alt="" width="400" height="311" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s-300x233.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s-100x78.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s-150x117.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/o_sullivans_03_s-200x156.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Die Bedienung stellt unsere Crab-Sandwiches vor uns hin, und die Erinnerung ist verflogen. Eine Katze stellt sich ein, die unbedingt mitessen will. Sie klettert auf den Stuhl an der gegenüberliegenden Seite des Tisches, aber Bernd verscheucht sie. Das Sandwich, eigentlich ein dunkles Brot, das mit viel Salat garniert ist, schmeckt herrlich. Nirgendwo sind die Krabben so frisch wie hier. Und dazu ein Stout. Köstlich!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-2394 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s.jpg" alt="" width="400" height="263" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s-300x197.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s-100x66.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s-150x99.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/katze_o_sullivans_s-200x132.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Als wir aufgegessen haben, sitzt plötzlich die Katze wieder auf dem Stuhl und schaut enttäuscht auf meinen leeren Teller. Aber ich habe ein paar Krabben für sie aufgehoben und füttere sie damit.<br />
Heute ist es im Pub sehr ruhig. Nur wenige Gäste verirren sich an einem Novembertag nach Crookhaven. Auch wir brechen bald wieder auf, denn wir wollen noch bei Tageslicht zurückfahren. Doch wir werden bald wiederkommen, denn dieser Outpost gefällt uns mit seiner gelassenen Stille und seiner immer gleichen Ursprünglichkeit.</p>
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<p>Text und Fotos: © Xenia Marita Riebe</p>
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		<title>Yukon Quest, das härteste Schlittenhunderennen der Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Aug 2017 09:35:41 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3032 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s.jpg" alt="Schlittenhundegespann beim Yukon Quest" width="450" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/schlitten_01_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">In diesem Artikel habe ich, um den Fluss des Textes nicht unnötig zu stören, darauf verzichtet, jeweils die männliche und die weibliche Form des Wortes Musher (Schlittengespannführer)  zu benutzen. Musher steht hier auch immer für Musherin. Ich habe überlegt, immer nur die weibliche Form zu benutzen, was aber in einer Passage des Artikels zu Schwierigkeiten geführt hätte. Ich möchte hier meinen Respekt und meine Bewunderung für alle Teilnehmer dieses Schlittenhunderennens ausdrücken, vor allem aber für die mutigen Frauen, die sich der Herausforderung stellen, mit einem Hundeschlitten die arktische Wildnis zu durchqueren.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;"><b><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3031 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s.jpg" alt="Sui Kings beim Yukon Quest in Whitehorse" width="246" height="400" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s.jpg 246w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s-185x300.jpg 185w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s-100x163.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s-150x244.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/sui_01_s-200x325.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px" /> <span style="font-size: 12pt;">Sui Kings und seine Begeisterung für den Yukon Quest</span></b></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Mein Freund Sui Kings ist wohl einer der treuesten Fans des Yukon Quest, des Schlittenhunderennens, das einer alten Poststrecke von Fairbanks in Alaska bis Whitehorse im Yukon folgt. Sui begeistert sich so sehr für das Rennen und für alles, was damit zu tun hat, dass er seit mehr als 10 Jahren im Februar nach Kanada oder Alaska reist, je nachdem, wo das Schlittenhunderennen startet. Der Startort wechselt jedes Jahr. In Jahren mit geraden Jahreszahlen führt es von Fairbanks nach Whitehorse, in den anderen in umgekehrter Richtung. Sui ist immer vor Ort und verfolgt den Start des Rennens. Er kennt alle Musher und hat unter ihnen einige gute Freunde, wie Hugh Neff, den Quest Gewinner von 2012 und 2016 und mehrfachen Zweiten dieses Rennens.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Sicher sind Start und Ziel die interessanten Eckpunkte des Rennens, aber Sui Kings begnügt sich nicht damit, nur zu verfolgen, wie die Teams auf die Strecke gehen oder ins Ziel einlaufen. Er macht, was uns hier in Deutschland unmöglich erscheint. Er fährt mit dem Auto zu jedem einzelnen der Checkpoints und wartet dort auf das Eintreffen der Musher mit ihren Hundeteams. Dabei führt sein Weg ihn über tief vereiste Straßen und durch unwirtliche und einsame Gegenden, die normalerweise keiner freiwillig befährt. Für uns Mitteleuropäer ist es sicher ganz schwer vorstellbar, was dies bedeutet. Eisige Kälte, Straßen, die unter Schnee und Eis verschwinden, nur einige Stunden Tageslicht und Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. All dies klingt wenig einladend. Und doch muss von der arktischen Landschaft eine Faszination ausgehen, die wir anhand von Fotografien bestenfalls erahnen können.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3030 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s.jpg" alt="Straße im Winter im Yukon" width="400" height="267" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strasse_s-200x134.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">In einem der Checkpoints angekommen verfolgt Sui ganz genau das Rennen, was heute wegen der GPS-Ausrüstung der Schlittengespanne möglich ist. So erfährt er, wann ein Team ankommen wird und oft wartet er draußen in der Kälte, um die Musher und ihre Hunde zu empfangen. Schon weit vor dem Eintreffen der Schlitten ist in der absoluten Stille der Wildnis ein Singen auf dem Schnee vernehmbar. Dies ist das Zeichen für Sui, seinen Fotoapparat herauszunehmen. Kurz bevor dann das Schlittengespann am Checkpoint eintrifft, ertönt das aufgeregte Bellen der Hunde. Diese wissen, dass es bald etwas zu fressen gibt und sind deshalb hörbar erregt. Der Musher lenkt seinen Schlitten geschickt zum Dogyard, wo er seine Hunde versorgt. Sui wartet im Inneren des Checkpoints darauf, dass die Musher hereinkommen und häufig führt er eine lose Unterhaltung mit ihnen. Aber nicht immer finden die Musher Zeit für eine Mahlzeit oder ein kurzes Schläfchen.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Die Checkpoints sind in sehr unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Mal ist es eine alte Schule, ein anderes Mal ein Blockhaus von Yukon Quest begeisterten Menschen, die an der Strecke wohnen. Den Musher werden dort kostenlose einfache Gerichte serviert und es gibt für sie eine Möglichkeit zu schlafen. Einfache Räume dienen hierfür als gemeinsame Schlafstätten ohne jeden Komfort. Der Schlafsack ist das Bett des Mushers, auch in den Checkpoints.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">In so einem Checkpoint herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre. Journalisten von regionalen und internationalen Zeitungen warten in den Checkpoints auf die Favoriten des Yukon Quest und versuchen Interviews zu erhaschen. Musher sitzen erschöpft an den Tischen und essen ihre verdiente Mahlzeit oder sie sprechen mit interessierten Fans oder Journalisten. Zwischen ihnen findet man immer Sui Kings. Nur im Checkpoint Eagle sind die Musher und die Helfer unter sich, denn Eagle kann im Winter nur mit Buschflugzeugen erreicht werden.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Als ich bei den Recherchen zu meinem Buch „Alaska Highway Mile 895“ Fragen zum Yukon Quest hatte, lernte ich Sui Kings kennen, der mir sehr ausführlich vom Quest erzählte und mit mir sein Insiderwissen teilte. Geduldig beantwortete er meine vielen Fragen und las den Teil meines Buches Korrektur, in dem meine Protagonistin Sonja Heller am Quest teilnimmt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Natürlich habe ich auch den Yukon und Alaska bereist und dort viel über Land und Leute gelernt. Mein Buch basiert zum Teil auf Geschichten, die mir von Bewohnern von Whitehorse, </span><span style="font-size: 12pt;">Dawson City, Skagway und vielen kleinen Ortschaften erzählt wurden. </span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;"><b>Der Yukon Quest, vielschichtig, aufregend und einzigartig</b></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Der Yukon Quest, der jährlich im Februar stattfindet, geht über eine Distanz von 1000 Meilen/1600 km auf Wildnis-Pfaden von Whitehorse im Yukon nach Fairbanks in Alaska oder umgekehrt.</span></p>
<figure id="attachment_3035" aria-describedby="caption-attachment-3035" style="width: 400px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3035 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s.jpg" alt="Dog Truck beim Yukon Quest in Alska" width="400" height="267" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/dog_truck_02_s-200x134.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-3035" class="wp-caption-text">Dog Truck</figcaption></figure>
<p><span style="font-size: medium;"><span style="font-size: 12pt;">Die Musher bereiten sich auf dieses Rennen sehr sorgfältig vor. Sie bestreiten eine Reihe kleinerer Schlittenhunderennen um sich und ihr Team in Form zu bringen und um sich zu qualifizieren. Sind sie dann beim Quest angenommen, planen sie mit ihren Helfern ganz genau, welches und wie viel Hundefutter sie für die einzelnen Etappen des Rennens benötigen. Dieses wird dann in Säcke verpackt, die außerdem noch Medikamente für den Musher  und vor allem für seine Hunde enthalten. In die Säcke kommen natürlich auch frische Booties (kleine Stoffschuhe) für die Hunde, Ersatzleinen und vieles mehr. Die gepackten Säcke müssen bis zu einem bestimmten Tag bei der Rennleitung aufgegeben werden und werden von dieser zu den einzelnen Stationen gebracht. Dort kann der Musher dann auf seinen Proviant und sein Equipment zugreifen. Die Vorbereitung auf das Rennen nimmt mehrere Wochen in Anspruch. Zwischendurch werden immer wieder Trainingsfahrten mit dem Team unternommen, der Dog-Truck vorbereitet und die eigene Ausrüstung in Ordnung gebracht. Das Hundeteam für den Yukon Quest besteht aus 14 Hunden, meistens Alaskan Huskys, aber auch immer häufiger Sibirian Huskys. Jeder Musher ist natürlich darauf bedacht, möglichst seine besten und fittesten Hunde mit an den Start zu nehmen. Er überlegt genau, welche Leader (Leithunde) er braucht. Die meisten Musher haben unterschiedliche Leader, die sie in bestimmten Situationen an forderster Stelle des Hundegespanns einspannen. Es gibt Leader für Steigungen und solche, die gut mit Schneefall und Wind von vorne zurechtkommen. Andere sind besser geeignet für Nachtfahrten und wieder andere haben keine Scheu davor, einen Overflow zu durchlaufen. Jede Situation auf der Strecke erfordert viel Konzentration und Können, sowohl von Seiten des Mushers, als auch vom Gespann. Dabei muss der Musher sich unbedingt auf sein Hundeteam verlassen können.</span></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Eine der gefürchtesten Situationen ist das Durchfahren eines Overflows. Ein Overflow entsteht, wenn die Eisdecke von zugefrorenen Flüssen oder Seen so dick wird, dass das Wasser darunter keinen Platz mehr hat. Es drängt dann durch haarfeine Risse oder Spalten an die Oberfläche und bildet dort Pfützen oder flache Seen aus halbgefrorenem Wasser, die beim unverhofften Durchfahren mit einem Schlittenhundegespann sehr gefährlich sein können. Overflows tauchen fast immer unvermittelt auf und können den Musher und sein Team ganz schön in Schwierigkeiten bringen. Dabei ist das geringste Übel, dass die Booties der Hunde nass werden und der Musher diese auswechseln muss, was bei 14 Hunden mit je vier Beinen viel Zeit kostet. </span></p>
<p><span style="font-size: medium;"><span style="font-size: 12pt;">Ein Auszug aus meinem Roman „Alaska Highway Mile895“ schildert das Durchfahren eines Overflows. Hier der Textauszug (01):<br />
</span></span></p>
<p><span style="font-size: medium;"> <span style="font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><span style="color: #000000;"><span lang="de-DE"><i>Dann galt es plötzlich, eine sehr scharfe Haarnadelkurve zu durchfahren. Ich hatte die Kurve nicht rechtzeitig genug bemerkt und presste schnell den Fuß in den Schnee, um den Schlitten mit Hilfe einer Gewichtsverlagerung zu manövrieren</i></span></span><span style="color: #000000;"><span lang="de-DE">.</span></span></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="font-size: 12pt;"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif;"><a id="up_01"></a>Hier kannst du den <a href="#anker_01">Textauszug</a> weiterlesen</span></span></p>
<p><span style="font-size: medium;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3036 size-medium" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/thermo_s-248x300.jpg" alt="Thermometer beim Yukon Quest" width="248" height="300" /><span style="font-size: 12pt;">Eine weitere Gefahr für den Musher und sein Team ist die Einsamkeit. Auf langen Distanzen begegnet das Hundegespann normalerweise keinem anderen Team, denn alle Musher fahren zu unterschiedlichen Zeiten von den einzelnen Checkpoints ab. So ist der Musher mit seinen Hunden allein unterwegs und ganz auf sich selbst gestellt. Ohnehin darf er unterwegs keine fremde Hilfe annehmen. Ignoriert er dies, droht ihm die Disqualifikation. Hilfe darf der Musher auf dem Trail (Rennstrecke) nur von Kollegen annehmen, die auch am Rennen teilnehmen. So ist er meistens allein mit seinen Hunden. Rund um ihn ist nur die unwirtliche Natur mit Eis, Schnee und Wind. Bis zu -50 Grad sind dabei keine Seltenheit. Da die Strapazen sehr groß sind, kommt es immer wieder einmal vor, dass der Musher und seine Hunde in der Wildnis eine Rast einlegen müssen. Die Hunde werden dann gefüttert oder bekommen manchmal auch nur einen Snack. Meistens kocht der Musher auch unterwegs eine Hundesuppe auf einem mitgeführten Gaskocher. Dazu erhitzt er Schnee und wirft Fisch und Fleisch hinein. Ist die Suppe fertig, die je nach Geschmack der Hunde und nach der Vorstellung des Mushers auch noch Zutaten wie Haferflocken, Weizenkleie und Stücken von Rinderherzen enthalten kann, muss jeder einzelne Hund dazu motiviert werden, seinen Napf leer zu fressen. Erfahrungsgemäß fressen Schlittenhunde nicht gerne, wenn sie erschöpft sind. Das darf der Musher aber nicht zulassen, denn die Hunde dehydrieren sehr schnell, da sie in der trockenen Luft bei der hohen Anstrengung viel Flüssigkeit verlieren. Das kann nicht nur der Gesundheit der Tiere schaden, sondern auch dazu führen, dass die betroffenen Hunde am nächsten Checkpoint vom Tierarzt aus dem Rennen genommen werden. Je weniger Hunde ein Musher in seinem Gespann hat, desto schwieriger wird es, den Quest zu gewinnen. Haben die Hunde endlich alles leer gefressen, rollen sie sich im Schnee ein und halten ein Schläfchen. Der Musher nutzt diese Zeit meistens dazu, sich mit dem weiteren Streckenprofil vertraut zu machen und kleinere Reparaturen an der Ausrüstung oder am Schlitten vorzunehmen. Natürlich wird auch er versuchen, etwas zu essen und zu trinken und wenn die Rennzeit es zulässt, wird sich auch der Musher kurz mit seinem Schlafsack in den Schnee legen und ein wenig schlafen. Denn was für die Hunde gilt, gilt auch für ihr Herrchen. Die Gefahr, bei Übermüdung oder Dehydrierung Halluzinationen zu bekommen, ist in der eintönigen Schneelandschaft groß. Damit würde der Musher aber nicht nur sich selbst gefährden, sondern auch sein Hundegespann, für das er allein verantwortlich ist.</span></span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">Die Protagonistin meines Romans „Alaska Highway Mile 895“ macht Erfahrungen mit Halluzinationen, wie in den folgenden Textauszügen (02):<br />
</span></p>
<p><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><span lang="de-DE"> </span><span lang="de-DE"><i>Schon während der ersten Kilometer hatte sich wieder meine Sehschwäche eingestellt. Ich war sehr beunruhigt, denn ich glaubte inzwischen, eine ernsthafte Augenerkrankung zu haben. Auch lag mir das Frühstück, das ich so sehr genossen hatte, schwer im Magen.</i></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i><a id="up_02"></a>Eine der gefürchteten Halluzinationen, dachte ich, dabei bin ich doch noch gar nicht so lange unterwegs.</i></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">Hier kannst du die <a href="#anker_02">Textauszüge</a> weiterlesen:</span></p>
<p><span style="font-size: medium;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3033 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s.jpg" alt="Schlittenhunde beim Yukon Quest" width="400" height="267" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hunde_s-200x134.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><span style="font-size: 12pt;">Übrigens, dem Musher sind seine Hunde wichtiger als alles andere. Er unterhält zu jedem Hund in seinem Gespann eine intensive Beziehung, die er auf dem Trail durch Schmusen und Zuspruch pflegt. Die Schlittenhunde ihrerseits sind dem Musher treu ergeben und geben für ihn alles. Sie quälen sich steile Berghänge hinauf, ziehen den Schlitten bei heftigem Schneetreiben und durchlaufen sogar die unangenehmen Overflows. Kein Musher lässt gerne einen Hund an einem Checkpoint zurück, erst recht nicht in Eagle, das <span style="color: #000000;">im Winter über Straßen nicht erreichbar ist. Die Hunde, die dort aus dem Rennen genommen werden, müssen </span>mit dem Buschflugzeug zurückgebracht werden.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000; font-size: 12pt;">In den Checkpoints werden die Hunde von den Mushern erst einmal mit Fressen versorgt. Dann müssen sie dem Veterinär vorgestellt werden, der sie sehr gründlich untersucht. Er allein entscheidet, welcher Hund das Rennen fortsetzen darf und welcher nicht. Nach der Untersuchung rollen sich die Hunde im Schnee ein und schlafen. Der Musher deckt sie dann mit je einer Hundedecke zu. Erst dann kann er an sein eigenes Wohl denken. Bevor sich die Musher nach dem Essen für ein Schläfchen auf ihre Isomatten legen können, müssen sie die Rennergebnisse genau überprüfen. Sie dürfen nicht zu lange schlafen, wollen sie der Konkurrenz keinen Vorteil verschaffen. Das heißt, dass ein Musher oft schon nach wenigen Stunden Schlaf erneut aufbrechen muss, und sei es mitten in der Nacht. Die Hunde mögen es nicht, wenn sie aus dem Schlaf gerissen werden und sofort wieder den Schlitten ziehen sollen (sie bleiben bei Pausen meistens eingespannt). Deshalb versöhnt und motiviert der Musher sein Team mit einem Snack, bestehend aus Fisch oder Fleisch, das die Hunde tiefgefroren hinunterschlucken.</span></p>
<figure id="attachment_3034" aria-describedby="caption-attachment-3034" style="width: 400px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3034 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s.jpg" alt="Ein Husky schaut aus seiner Box im Dog Truck" width="400" height="267" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/hund_s-200x134.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-3034" class="wp-caption-text">Ein Husky schaut aus seiner Box im Dog Truck</figcaption></figure>
<p><span style="color: #000000; font-size: 12pt;">Es gibt aber auch Checkpoints, in denen eine Rast von einer bestimmten Dauer vorgeschrieben ist. So in Dawson City, wo jeder Musher eine Zwangsrast von 36 Stunden einhalten muss. Dort bauen die Begleitteams Hundezelte auf und die Musher können ihr Hundeteam den Handlern (erfahrene Helfer) für die vorgeschriebene Zeit am Stake-Out (Kette, an der die Hunde festgemacht werden) überlassen. Die Hunde können sich endlich einmal richtig ausschlafen und werden mit viel Nahrung und Flüssigkeit versorgt und natürlich auch tierärztlich untersucht. Die Musher können in Dawson zum ersten Mal in einem Bett schlafen, denn es ist ihnen erlaubt, in einem Hotelzimmer zu übernachten. Diese Zwangsunterbrechung wird nicht von allen Mushern gerne eingehalten, denn sind sie erst einmal so richtig in Rennlaune, würden sie auch gerne bis zum Ziel weiterfahren. Andere wiederum genießen die Pause und die Möglichkeit, zu baden oder ausgiebig zu duschen. Das trifft sicher vor allem auf die weiblichen Musher zu, von denen auch beim Yukon Quest von Jahr zu Jahr mehr mit ihren Teams an den Start gehen.</span></p>
<p><span style="color: #000000; font-size: 12pt;">Um den Quest zu gewinnen, bedarf es nicht nur einer großen Erfahrung als Hundegespannführer, sondern auch des taktischen Geschicks. Besonders im letzten Drittel des Rennens und wenn der Zeitabstand zu den unmittelbaren Konkurrenten zu gering ist, um einen sicheren Sieg einzufahren. Ein Trick, der gerne angewandt wird ist dieser: Der Musher rastet mit seinem Gespann kurz vor einem Checkpoint abseits des Trails. Damit bezweckt er, dass sein direkter Konkurrent beim Lesen der Rennergebnisse im Checkpoint glaubt, der andere sei noch auf der Strecke. Kaum hat sich dieser dann zum Ausruhen hingelegt, fährt der Taktierer zum Checkpoint, lässt seine Zeit nehmen, die Hunde untersuchen und fährt schnell weiter. Bis sein Konkurrent wach wird und die Zeit des anderen auf der Anzeigetafel sieht, hat dieser schon einen Zeitvorsprung herausgefahren. Will ein Musher verhindern, dass ein Konkurrent, der mit einem geringen Zeitabstand hinter ihm geführt wird, unbemerkt aufbricht und an ihm vorbeizieht, legt er sich zum Schlafen unbeobachtet auf die Jacke des Konkurrenten. So kann dieser nicht aufbrechen, ohne den anderen aufzuwecken.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-size: medium;"><span style="font-size: 12pt;">Der Musherin Sonja Heller aus meinem Roman „Alaska Highwy Mile 895“ geschehen in den Checkpoints unschöne Dinge. Hier zwei Textauszüge: (03)</span></span></span></p>
<p><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"> <a id="up_03"></a><span lang="de-DE"><i>Als ich schließlich in Braeburn ankam, war es kurz vor Mitternacht. Ich hatte den ersten Tag auf dem Trail gut überstanden und freute mich schon darauf, Rob wiederzusehen.</i></span> </span></p>
<p><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><span lang="de-DE">Hier kannst du die <a href="#anker_03">Textauszüge</a> weiterlesen:</span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-size: 12pt; font-family: georgia,palatino,serif;">Über den Yukon Quest gäbe es noch Vieles zu berichten, was aber den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Das Rennen ist und bleibt ein aufregendes Erlebnis für die Musher mit ihren Hundeteams und für deren Helfer. Aber auch Fans aus aller Welt, wie der Kölner Sui Kings erliegen immer wieder der Faszination des härtesten Schlittenhunderennens der Welt.</span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-size: 12pt;"><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3037 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cover_highway_beige_xs.jpg" alt="Alaska Highway Mile 895, Roman von Xenia Marita Riebe" width="225" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cover_highway_beige_xs.jpg 225w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cover_highway_beige_xs-100x133.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cover_highway_beige_xs-150x200.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cover_highway_beige_xs-200x267.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><span style="font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">Wer mehr über das Rennen und seine Geschichte erfahren möchte, kann im Internet fündig werden. Oder er liest eines der vielen Bücher, die schon zu diesem Thema geschrieben wurden. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere Leser dieses Artikels meinen Roman „<a href="https://bild-art.de/produkt/xenia-marita-riebe-alaska-highway-mile-895-e-book">Alaska Highway Mile 895</a>“ lesen würde, dessen Handlung zum Teil den Yukon Quest widerspiegelt.</span></span></span></p>
<p lang="de-DE">Text: © Xenia Marita Riebe<br />
Fotos: © Sui Kings</p>
<p lang="de-DE"><a id="anker_01"></a>Textauszug 01</p>
<p><span style="font-size: 12pt; font-family: georgia,palatino,serif;"><span style="color: #000000;"><span lang="de-DE"> </span></span><span style="color: #000000;"><span lang="de-DE"><i>Meine ganze Kraft aufbietend, zwang ich ihn auf die innere Kufe. Dabei versuchte ich, Zug aus der Leine zu nehmen, indem ich das Team kurz anbremste und die Bremskraft in der Kurve reduzierte.Doch wahrscheinlich hatte ich diese Maßnahmen zu spät ergriffen oder mir fehlte einfach die Kraft, den voll beladenen Schlitten zu halten. Jedenfalls kippte er in der Kurve um. So wurde mein schlimmster Albtraum wahr. Ich hatte trainiert, was in einer solchen Situation zu tun ist, aber Training ist das eine, Realität das andere. Die Hunde zogen den gekenterten Schlitten um die Kurve und dann weiter bergab. Ich hing an der rückwärtigen Stütze und wurde durch den Schnee geschleift. Mit letzter Kraft versuchte ich, den Schlitten auf gar keinen Fall loszulassen.</i></span></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Whoaaah!“, rief ich mit dunkler Stimme und so ruhig wie es mir in dieser Situation möglich war.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Gott sei Dank hielten Demi und Ginny an, trotz der prekären Situation, in der wir uns befanden und meiner Angst, die sie sicher spürten. Mit einer Hand suchte ich nach dem Schneeanker und drückte diesen so fest wie möglich in den harten Schnee. Dann richtete ich mich auf, stellte mich auf den Anker und versuchte, den Schlitten wieder auf die Kufen zu stellen. Dazu brauchte ich drei Anläufe und ich musste mich sehr zusammennehmen, um meine letzten Reserven für diese Aufgabe zu bündeln. Doch schließlich gelang es mir. Ich sprach beruhigend auf mein Team ein und ging von einem Hund zum anderen um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung war. Bandit war mit dem Hinterlauf über die Tugleine gestiegen und ich musste ihm helfen, das Bein zurück auf die richtige Seite zu holen. Ansonsten schien mit den Hunden alles in Ordnung zu sein. Ich ging zum Schlitten zurück, wobei ich merkte, dass mein rechtes Bein schmerzte. Wahrscheinlich hatte ich mir beim Sturz eine Prellung zugezogen.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Auch das noch!“, fluchte ich laut.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>War es nicht schon genug, dass ich Sehschwierigkeiten hatte und unter Kopfschmerzen und Übelkeit litt? Jetzt kam dazu noch ein verletztes Bein. Ich beschloss, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit eine kurze Rast einzulegen. Doch zuerst musste ich vom Berg hinunter.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Go!“, rief ich und das Team zog an.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Kaum war ich im Tal angelangt, führte der Trail über einen der vielen schmalen Bäche und ich geriet mitten hinein in einen Overflow.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Das Schicksal schien sich gegen mich verschworen zu haben!</i></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Das Wasser war nicht sehr tief, aber es genügte, um meine Stiefel zu durchnässen und die Hunde ordentlich nass zu machen. Ich ließ mein Team sofort anhalten, fuhr ein wenig zur Seite, setzte den Schneeanker und sicherte den Schlitten an einem Baum. Dann legte ich Stroh aus und führte meine Hunde dorthin, um ihnen frische Booties anzuziehen. Ich gab jedem Hund einen Snack und machte mich daran, Brennholz aufzuschichten. Erst als das Feuer brannte, zog ich meine nassen Stiefel aus und hielt meine eiskalten Füße in die Nähe der Flammen. Zum Glück hatte ich trockene Socken und Reservestiefel auf dem Schlitten, denn bei minus 32 Grad mit nassen Füßen weiterzufahren, wäre sehr gefährlich gewesen. Viele Musher hatten sich schon Erfrierungen an Zehen und Fingern zugezogen und dazu brauchte es nicht einmal nasse Kleidung. &#8211; </i><a href="#up_01">zurück zum Beitrag</a><i><br />
</i></span></p>
<p lang="de-DE"><a id="anker_02"></a>Textauszug 02</p>
<p><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><span lang="de-DE"> </span><span lang="de-DE"><i>Immer wieder hatte ich das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen. Aber für die anspruchsvolle Strecke brauchte ich meine ganze Konzentration, was mir half, die Übelkeit zu verdrängen.</i></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Als es hell wurde, war ich schon mitten in den Black Hills. Das erste Tageslicht glitt über die Berggipfel, deren höchste Kuppen jenseits der Waldgrenze lagen. Es bot sich mir ein herrliches Bild. Die Kristalle des gefrorenen Schnees, der jeden Ast der Bäume ummantelt hatte, glitzerten im ersten Licht und zauberten einen silbernen Farbton in die Landschaft.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>In diesem Zwielicht sah ich plötzlich kleine Tiere, die Ratten sehr ähnlich sahen, auf den Rücken meiner Hunde turnen. Es waren viele, so um die 20. Sie rannten über die Hunde hin und her, begegneten einander, wichen sich aus und rannten weiter, einer Ameisenstraße ähnlich. Ich kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Die Tiere waren verschwunden.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Betrübt saß ich am Feuer und schaute in die Flammen, als ich dort tanzende Elfen zu sehen glaubte. Wieder versuchte ich den Trick, die Augen zu schließen, doch als ich diese wieder öffnete, waren die Elfen noch da und tanzten ihren wilden Feuertanz. Panisch griff ich mit den Händen in den Schnee. Ich schaufelte ihn wie wild in das Feuer, bis es erlosch. Mein Atem ging keuchend und ich wurde mir bewusst, dass ich auf den Knien saß und in den aufsteigenden Rauch starrte. Und da waren sie wieder, die Elfen, jetzt zart und flüchtig und in der Farbe des Rauchs. Ich schlug die Hände vor das Gesicht und begann zu weinen. Erst als ich einige meiner Huskys winseln hörte, zwang ich mich zur Ruhe. Ich wischte meine Tränen weg und stand auf.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Lasst uns weiterfahren“, sagte ich zu meinen Hunden. „Bis nach Scroggie Creek kann es nicht mehr weit sein.“ &#8211; </i><a href="#up_02">zurück zum Beitrag</a><i><br />
</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><a id="anker_03"></a>Textauszug 03</p>
<p><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><span lang="de-DE"> </span><span lang="de-DE"><i>Schon von Weitem sah ich das riesige Feuer, das vor Braeburn-Lodge, dem Checkpoint, brannte und hielt direkt darauf zu. Die Tierärzte und Doghandler hatten es entzündet, um sich daran zu wärmen. Während der Rennrichter meinen Schlitten und meine Ausrüstung kontrollierte, sah ich mich unruhig nach Rob um. Und dann sah ich ihn auch schon. Er stand auf der erleuchteten Veranda vor der Tür der Lodge und schien nach mir Ausschau zu halten.</i></span></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Unruhig wartete ich das Ende des Checks ab und fuhr hinüber zur Lodge.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Whoaaah“, rief ich, benutzte die Bremsmatte und mein Team kam genau vor der Veranda zum Stehen.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Schnell setzte ich einen Schneeanker und sprang vom Schlitten. Augenblicke später lag ich in Robs Armen. Wir freuten uns beide, dass wir uns wohlbehalten wiedersahen.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Ich brachte mein Team hinter die Lodge, wo eine große beschneite Fläche als Lagerplatz für die Hunde zur Verfügung stand. Dort zerteilte ich einen Strohballen und machte Lagerplätze zurecht. Dann schirrte ich die Hunde aus, damit sie sich auf dem Stroh ausstrecken konnten. Da ich keine Hilfe von außen annehmen durfte, blieb Rob keine andere Wahl, als mir zuzuschauen. Er fragte mich nach meinen Erlebnissen und ich erzählte ihm, dass alles soweit gutgegangen sei, bis auf den Overflow, den wir aber auch gut gemeistert hatten. Als Rob dies hörte, entspannte er sich merklich. Scheinbar hatte er sich Sorgen um mich gemacht.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Immerhin brauchte ich in Braeburn keinen Schnee zu schmelzen, denn mir wurde heißes Wasser zum Kochen meiner Hundesuppe zur Verfügung gestellt. Ich gab mein Bestes, kochte eine recht dünne, aber gehaltvolle Mischung aus Haferflocken, Weizenkleie und Stücken von Rinderherzen. Da ich von Anfang an kein Risiko eingehen wollte, versuchte ich, meine Hunde immer mit ausreichend Wasser zu versorgen. Weil ich aber wusste, dass sie nicht so gerne trinken, kochte ich ihnen eine Art Suppe, damit sie ganz nebenbei genug Flüssigkeit aufnahmen.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Die Hunde lagen bereits eine Weile auf dem Stroh und fraßen Fleisch- und Fischstücke, die ich ihnen als Snacks gegeben hatte. Ich ließ ihnen Zeit, sich ein wenig zu erholen. Schließlich gab ich jedem Hund seinen Fressnapf und lobte ihn mit ein paar Streicheleinheiten und guten Worten. Kenai kraulte ich besonders lange das Fell am Nacken und hinter den Ohren.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Das hast du gut gemacht“, sagte ich anerkennend. „Braver Hund!“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Kenai stieg zu mir hoch und brachte seine Schnauze nahe an mein Gesicht und ich klopfte anerkennend seine Schulter.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Bald lagen alle Hunde zufrieden und satt im Stroh und ich versorgte ihre Pfoten und sah dann zu, wie der Tierarzt einen nach dem anderen gründlich untersuchte. Zum Glück wurden sie alle für gesund und kräftig erklärt und durften im Rennen bleiben.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Erleichtert ging ich mit Rob in die Lodge, um endlich etwas Warmes zu essen.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>In der Lodge war es ziemlich voll und laut. Mit seiner hellen Holzvertäfelung wirkte der Raum, den wir jetzt betraten, gemütlich. Das etwa halbe Dutzend graugrüner Tische war mit Männern und Frauen besetzt, die aßen und laut miteinander redeten. Es war ein wenig stickig und roch nach dampfenden Menschen, nach Holzfeuer und nach Essen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, in eine Almhütte gekommen zu sein. Ich fühlte mich merkwürdig fehl am Platz, denn ich war müde, mir war kalt und ich war verschwitzt zugleich. Wieder waren Fernsehteams bei der Arbeit. Sie interviewten die bereits eingetroffenen Musher und ich war froh, nicht zu den Favoriten zu gehören. So hatte ich meine Ruhe. Völlig arglos ließ ich meinen Blick durch den Raum gleiten. Ich sah eine Tafel, auf der die Ränge der bisher eingetroffenen Teams zu lesen waren. Ich stand dort auf Platz 12. Dann nahm ich einen Mann wahr, der mit einem Cowboyhut auf dem Kopf aus der Küche kam. Ich fragte mich, warum jemand in der Küche einen Hut trägt, aber ich achtete nicht weiter darauf. Rob empfahl mir gerade die hervorragende Suppe, die er bereits gegessen hatte. Dazu sollte ich unbedingt einen von den riesigen Hamburger essen und zum Nachtisch eine der großen Zimtschnecken, für welche die Braeburn-Lodge berühmt ist. Ich lachte und meinte, dass dies ja wohl ein bisschen zu viel des Guten sei.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Du musst ordentlich essen“, sagte Rob, „sonst fehlt dir die Kraft, gegen die Kälte anzukommen.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Ja, das ist schon richtig“, antwortete ich, „du darfst aber nicht vergessen, dass ich eine Frau bin. Wir essen nicht so viel wie ihr Männer. Aber ich habe großen Hunger und hole mir jetzt tatsächlich eine Suppe und einen Hamburger.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Ich ging auf den Mann zu, der offenbar das Essen austeilte. Auf meinem Weg dorthin sprach ich kurz mit einem anderen Musher. Als ich mich schließlich umdrehte, um etwas zu bestellen, stand ich völlig unerwartet vor Dietmar. Ich schrak zusammen. Schon glaubte ich, eine Halluzination zu haben, als er mich ansprach.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Hallo Sonja! Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen“, sagte er. „Wie ich sehe, hast du schon wieder einen neuen Lover.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Statt zu antworten fragte ich scharf und unfreundlich: „Was willst du hier?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Der Inhaber der Lodge ist ein alter Freund von mir. Ich helfe hier ein bisschen aus.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Das sehe ich. Wusstest du, dass ich am Rennen teilnehme?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Ja, natürlich. Deshalb bin ich ja hier. Ich bin gekommen, um dich scheitern zu sehen.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Wie nett! Aber darauf kannst du lange warten“, sagte ich wütend. „Gib mir bitte eine Suppe und einen Hamburger.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Wenn ich weiter nichts für dich tun kann“, antwortete er und füllte eine Terrine mit der gut duftenden Suppe. Diese stellte er zusammen mit einem Teller, auf dem der Hamburger lag, auf ein kleines Tablett.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Lass mich einfach in Ruhe!“, fuhr ich ihn an, drehte mich um und ging zu Rob hinüber.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Guten Appetit, die Dame!“, rief er mir nach und lachte hämisch.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Idiot!“, zischte ich in seine Richtung.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Wer ist denn das?“, fragte Rob.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Das ist Dietmar, der Typ, mit dem ich vor Jahren eine Kajakfahrt gemacht habe und von dem ich mich gerade getrennt hatte, als wir uns in Carmacks zum ersten Mal gesehen haben. Erinnerst du dich? Ich habe dir von ihm erzählt.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Warst du mit ihm zusammen?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Nein, Gott bewahre, er war nur mein Reisebegleiter. Aber wie ich dir schon erzählt habe, hat er mir das ganze Abenteuer verdorben. Kurz bevor ich Danny heiratete, tauchte er dann vor meiner Cabin auf und bedrohte mich. Zum Glück kam Danny und half mir. Ich bin sicher, Dietmar wollte mich vergewaltigen. Und jetzt taucht er hier auf. Es ist unfassbar.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Wie kommst du darauf, dass er das wollte?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Weil er es schon einmal versucht hat, kurz vor Carmacks, als ich allein mit ihm in der Wildnis war. Aber ich habe mich gewehrt.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Hm“, sagte Rob.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Du glaubst mir nicht? Der Typ ist verrückt, das habe ich leider erst gemerkt, als wir schon auf dem Teslin River waren.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Rob drehte sich zu Dietmar um und beäugte ihn missbilligend. Dieser stand selbstbewusst hinter dem Ausschank und hielt Robs Blick stand.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Rob, ich habe Angst vor ihm. Kannst du mir den Gefallen tun und ihn möglichst nicht aus den Augen lassen?“, bat ich.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Natürlich. Keine Angst, ich werde dich beschützen“, antwortete Rob und griff nach meiner Hand. „Du kannst dich auf mich verlassen.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Das beruhigte mich.</i></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Nach dem Essen ging ich in einen Nebenraum, der den Mushern zum Schlafen diente und legte mich auf eine der Isomatten. Kaum lag ich, da schlief ich auch schon ein. Ich zollte den beinahe 13 Stunden Tribut, die ich auf dem Trail verbracht hatte und schaffte es, ein paar Stunden zu schlafen&#8230;&#8230;&#8230;</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>So lenkte ich mein Gespann zum Dog-Yard und gab meinen Hunden erst einmal die Fleischreste, die ich von der Etappe übrig behalten hatte. Dann holte ich mir meinen neuen Futtersack und einen Strohballen und machte für meine müden Krieger ein Lager zurecht. Als ich gerade angefangen hatte, die Hundesuppe zu kochen, hörte ich am Knirschen des Schnees, dass jemand auf mich zukam. Ich hob den Blick und sah Dietmar, der bewusst langsam zu mir herüberkam. Bei seinem Anblick begann mein Herz zu pochen. Warum jagt mir dieser Mann eine solche Panik ein? Ich weiß doch, was für ein Schwächling er ist, überlegte ich.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Aber unbewusst spürte ich wohl, dass eine Veränderung mit ihm vor sich gegangen sein musste. Er wirkte irgendwie gefestigter, entschlossener und ein bisschen arrogant. Der Dietmar, an den ich mich erinnerte, war eher gehemmt gewesen, was er durch übertriebenes männliches Gehabe zu vertuschen versucht hatte. Jetzt schien es, als wäre er an einer schweren Aufgabe gewachsen. Von ihm ging etwas Diabolisches aus. Auch meine Hunde schienen dies zu spüren, denn sie zogen sich, als er versuchte, den einen oder anderen von ihnen zu tätscheln, von ihm zurück.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Lass deine Finger von meinen Hunden“, blaffte ich ihn ein bisschen zu unfreundlich an.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Warum so abweisend, schöne Frau?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Was willst du hier?“, fragte ich ihn wieder.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Das habe ich dir schon in Braeburn gesagt.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Und du hast gehört, was ich geantwortet habe. Das gilt immer noch. Also spare dir die Mühe, mir von Checkpoint zu Checkpoint hinterherzufahren.“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Ich schaute Dietmar böse an, um meine Worte zu unterstreichen. Auf keinen Fall wollte ich ihn spüren lassen, dass er mir Angst machte.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;">„<i>Wir werden ja sehen, wie lange du durchhältst!“, antwortete er mit einer Überzeugung in der Stimme, die mich stutzig machte.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Ich richtete mich zu meiner vollen Größe auf, genauso, wie ich es gemacht hatte, als ich auf meinem Grundstück unerwartet einem Grizzly gegenüberstand.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Dann schaute ich Dietmar fest in die Augen, nahm meinen ganzen Mut zusammen und sagte: „Okay, ich weiß jetzt, dass du mich scheitern sehen willst. Ich frage mich nur, warum? Was habe ich dir getan, dass du mich so sehr hasst? Hast du es etwa immer noch nicht verwunden, dass ich mich nicht einfach so von dir nehmen lassen wollte und mich gewehrt habe? Weißt du eigentlich, wie lange das her ist? Wenn das der Grund für deine jetzigen Einschüchterungsversuche ist, dann stimmt etwas mit dir nicht. Glaubst du nicht, dass du einen Psychiater aufsuchen solltest?“</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Während meines Redeschwalls, den ich mit fester Stimme hervorgebrachte, hatte Dietmar mir schweigend und mit eisiger Miene zugehört. Nur beim Wort Psychiater, hatten seine Mundwinkel kaum merklich gezuckt. Dem entnahm ich, dass ich auf der richtigen Fährte war. Dietmar wollte sich an mir rächen, dessen war ich mir jetzt ganz sicher. Und ich spürte, dass er in seinem Wahn gefährlich für mich werden konnte.</i></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT"><span style="color: #000000; font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 12pt;"><i>Ich beugte mich wieder hinunter zu meinem Campingkocher und schaufelte noch ein paar Kellen Schnee in die große Blechdose, die ich zum Erhitzen des Wassers benutzte. Dietmar beachtete ich nicht weiter, auch wenn mir dies schwerfiel. Nach einer Weile schlenderte er zum Haus hinüber. Ich goss das kochende Wasser über das tiefgefrorene Fleisch in meiner Box und gab weitere Zutaten hinein. &#8211; </i><a href="#up_03">zurück zum Beitrag</a><i><br />
</i></span></p>
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