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	<title>havanna Archive - Blue Blog</title>
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		<title>Kuba &#8211; Rundreisen auch 2018 voll im Trend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Sep 2017 19:31:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#160; Auch im Jahr 2018 liegt eine Rundreise über die Karibikinsel Kuba voll im Trend. Die Insel hat vieles zu bieten. Neben der herrlichen Natur und den weißen Stränden wird man auf einer Kubareise eine einzigartige Kultur erleben. Diese resultiert &#8230;</p>
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<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1486 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba-300x225.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/musikkapelle_kuba-200x150.jpg 200w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><br />
Auch im Jahr 2018 liegt eine Rundreise über die Karibikinsel Kuba voll im Trend. Die Insel hat vieles zu bieten. Neben der herrlichen Natur und den weißen Stränden wird man auf einer Kubareise eine einzigartige Kultur erleben. Diese resultiert nicht zuletzt aus der jahrzehntelangen Abgeschiedenheit, die der Sozialismus unter Fidel Castro der Insel bescherte. Durch die zahlreichen Embargos der USA und durch das Ausbleiben der Unterstützung der sich auflösenden Sowjetunion, blieb in Kuba jede wirtschaftliche Entwicklung im Keim stecken. Was für die Bevölkerung der Insel Not und Entbehrung bedeutete, hat sich heute zu einem touristischen Plus entwickelt. Wohl nirgendwo sonst auf der Welt, kann der Urlauber so hautnah den maroden Charme erleben, den 60 Jahre Sozialismus in völliger Abgeschiedenheit hervorbrachte.<br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-1493 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02-300x225.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba_02-200x150.jpg 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><b>Rundreisen auf Kuba</b><br />
Rundreisen erfreuen sich wie überall auch auf Kuba immer größerer Beliebtheit. Ob geführt oder individuell, eine Rundreise bringt dem Touristen Land und Leute näher. Meistens steigen die Reisenden dabei in den privaten Casas Particulares ab, die von Einheimischen betrieben werden. Dort finden sie allen Komfort zu günstigen Preisen.<br />
Von den Veranstaltern werden viele unterschiedliche Rundreisen angeboten. Zu buchen sind solche Reisen z. B. Über große Reiseveranstalter wie TUI, Neckermann und Meiers Weltreisen, aber auch über eher kleinere Veranstalter, die sich auf Rundreisen oder auf Kuba spezialisiert haben, wie z:b: Reiselotsen, Berge&amp;Meer, Studienreisen.de und Rundreisen.de.<br />
Im Angebot sind so unterschiedliche Rundreisen wie: Kleingruppenrundreisen, ärztlich begleitete Rundreisen, Rundreisen auf den Spuren der Vergangenheit, Kolonialgeschichte-Rundreisen, Naturrundreisen mit Strandaufenthalten, Luxus-Rundreisen, Rundreisen für Menschen mit Behinderungen und viele mehr. Auch Mietwagenrundreisen werden angeboten, bei denen die Urlauber zwar selbst fahren, sonst aber alles bereits gebucht ist.<br />
Neben kommerziellen Veranstaltern gibt es auch kirchliche und weltliche Vereine, die Kubarundreisen anbieten.<br />
<img decoding="async" class="alignright wp-image-1500 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04-300x225.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/landschaft_kuba_04-200x150.jpg 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><b>Die Rundreisen variieren<br />
</b>Bei Kubarundreisen erleben die Teilnehmer nicht immer alle Highlights der Insel. Oft wird nur ein Teil von Kuba bereist. So gibt es viele Rundreisen, die nur Ost- oder Westkuba auf dem Reiseplan haben. Andere wiederum legen den Schwerpunkt auf die größeren Städte. Aber beinahe alle Kubarundreisen enden in Varadero, der Hotelhochburg am Meer, wo die Reisenden vor dem Rückflug noch ein wenig am Strand entspannen können.<br />
Weitere Stationen vieler Kubarundreisen sind Santa Clara, Santiago de Cuba, Valle de Viñales, Trinidad, Santa Lucia, Cayo Blanco und natürlich Havanna.<br />
<b>Valle de Viñales</b><br />
Ein Muss ist der Besuch des Tals der Viñales, die wohl eigentümlichste Landschaft Kubas, die unter dem Schutz der UNESCO steht. Zwischen sattgrünen Feldern, hier werden Tabak, Yuca und Mais angebaut, steigen aus dem rotbraunen flachen Land senkrecht die Mogotes auf. Diese runden Karstfelsen sind mit üppigem Grün überwuchert und zu ihren Füßen wachsen die hohen Königspalmen. Ein eindrucksvolles Bild. Das Dorf Viñales ist ein lebhafter Ort mit bunten unter Denkmalschutz stehenden Holzhäuschen. Beinahe den gesamten Ort kann der Besucher entlang der Hauptstraße unter Kolonaden wandelnd erkunden. Im Inneren der das Tal umgebenden Kalksteinberge schufen Auswaschungen einst ein großes Höhlensystem. Mehr als 1000 Höhlen sollen hier gezählt worden sein. Einige davon, z.B. die Cueva del Indio sind heute zu besichtigen und man kann sogar mit dem Boot auf einem unterirdischen Fluss durch die imposanten Tropfsteinhöhlen fahren. Das Höhlensystem Gran Caverna de Santo Tomás, mit 46 Kilometern das längste Kubas, kann nur mit einem Höhlenfachmann und mit Schutzhelm besichtigt werden.<br />
Aber auch in der Höhe hat das Valle de Viñales einiges zu bieten. Kletterfreunde haben die Bergwelt für sich entdeckt und erkunden sie mit ihrer selbst mitgebrachten Kletterausrüstung.<br />
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Ein Rundgang durch die Altstadt von Havanna lässt die Herzen aller Nostalgiker höher schlagen. Alte Chevrolets in bunten Bonbonfarben cruisen gemütlich durch die Straßen, Häuser im Kolonialstil warten mit dem Reiz der Vergangenheit auf, im Parque Central findet man Schatten unter alten Palmen und auf der Paseo de Martí strahlen das Capitolo National und das Teatro de la Habana im neuen Glanz. Und über allem liegt die Musik. Abends tönt sie aus allen Restaurants und Cafes und auch auf dem Malecón, Havannas Wohnzimmer, hört man den kubanischen Son aus hunderten von Lautsprechern, die die Einwohner Havannas mitgebracht haben, um mit ihren Freunden zu feiern. Sieben Kilometer ist diese Küstenstraße lang und sie führt immer vorbei an bröckelnden Häuserfassaden. Die Wellen des Ozeans, die an vielen Tagen unerbittlich gegen den Malecón klatschen und einen salzigen Windhauch bis in die Häuser tragen, frisst allmählich die Bausubstanz der alten Häuser, bis krachend ganze Gebäudeteile in die Tiefe stürzen.<br />
Herausragende Sehenswürdigkeiten in Havanna sind die Catedrale de la Habana, mit ihren zwei unterschiedlich dicken Türmen, der Palacio de los Capitanes Generales, der das Museo de la Ciudad beherbergt und natürlich die berühmte Bodeguita del Medio, Ernest Hemmingways Lieblingskneipe. Hier finden sich beinahe alle Besucher Havannas früher oder später ein, trinken einen der legendären Mojitos und lassen sich von einer Musikgruppe unterhalten. Livemusik gibt es dort vom Morgen bis spät in die Nacht und sie ist immer hervorragend.<br />
Jenseits der Bahia de la Habana kann der Besucher Havannas die historische Festung Castillo de los Tres Reyes del Morro besuchen, von wo er einen fantastischen Blick über die Stadt genießen kann. Etwas weiter südlich liegt die Fortaleza de San Carlos de la Cabaña, die heute noch teilweise als Militärkaserne genutzt wird. Das 1763- 74 erbaute Fort ist eines der größten des amerikanischen Kontinents.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1496 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba-300x225.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/kirche_kuba-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Aber auch Vedado, die moderne Innenstadt Havannas ist sehenswert. Auf der Plaza de la Revoluci<em>ó</em>n, einem gigantischen 72.000m² großen Platz, steht in der Mitte das Memorial des Dichters José Martí. Es ist 142 Meter hoch und wirkt zusammen mit dem riesigen Platz sehr mächtig, aber abweisend.<br />
Insgesamt gibt es in Havanna viele interessante Museen und Kirchen, feine Plätze und historische Palazzos. Und Restaurants und Clubs in Hülle und Fülle, wo immer eine Musikgruppe aufspielt.</p>
<p>Im „reichen“ Stadtteil Playa stehen die internationalen Hotels, die allerdings nicht immer den erwarteten Standards entsprechen. Aber auch das gehört zu Havanna, ebenso wie die heruntergekommenen Plattenbauten und die ärmlichen Wohnviertel, die stark an Elendsviertel in Afrika erinnern.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-1499 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1.jpg" alt="" width="244" height="338" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1.jpg 244w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1-217x300.jpg 217w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1-100x139.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1-150x208.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/karneval_kuba_02-1-200x277.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px" /><b>Die Kubaner</b><br />
Nicht zuletzt sind es die Bewohner Kubas, die eine Reise dorthin so einzigartig machen. Sie gehören wohl weltweit zu den schönsten Menschen, entstanden aus einer Mischung aus spanischen Eroberern und den Sklaven aus Afrika. Heute findet man auf Kuba Mestizen und Mulatten in allen Schattierungen, aber auch viele weiße Nachfahren der Spanier. In den großen Städten zeigt sich dabei ein anderes Bild als auf dem Land und auch zwischen West und Ost der Insel gibt es große Unterschiede. In Havanna z. B. sind 58,4 % der Bevölkerung weißer Hautfarbe, 26,6 % gemischt und 15,2 % schwarzer Hautfarbe. In Santiago de Kuba dagegen bezeichnen sich nur 25;6 % der Einwohner als Weiße, aber 74,7 % als Mulatten, Mestizen und Schwarze. Doch ganz gleich, welcher Hautfarbe die Bewohner Kubas sind, sie sind alle gastfreundlich und fröhlich und sie lieben ihr Land und ihre Musik.<br />
<b></b></p>
<p><strong>Santiago de Cuba</strong><br />
Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt der Insel. Sie gilt als die Hauptstadt der Musik und als die Wiege der kubanischen Kultur und des Karnevals. Aus Santiago stammt der kubanische Son, ein Musikstil aus dem 19. Jahrhundert, was eng mit der überwiegend dunkelhäutigen Bevölkerung der Stadt zusammenhängt.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1498 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba.jpg 400w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba-300x225.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/trinidad_kuba-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Je näher man der Altstadt kommt, desto zahlreicher die Straßenmusikanten und Kapellen, die den Touristen für eine kleine Spende die großen Songs des weltberühmten „Buena Vista Social Club“ vorspielen. Die Straßen fallen hier recht steil in Richtung Bucht ab und es öffnen sich fantastische Ausblicke über die Ziegeldächer, den Hafen und hinüber zur Sierra Maestra. Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten der kubanischen Geschichte erblickten in Santiago das Licht der Welt oder fanden, wie Kubas Nationalheld José Martí, hier ihre letzte Ruhe.<br />
Doch alle Musik und Kultur kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Santiago als Rebellenhochburg bekannt ist und das schon seit den ersten Unabhängigkeitskriegen. Hier nahm die kubanische Revolution unter Fidel Castro ihren Anfang mit der Erstürmung der Moncada-Kaserne im Jahr 1953. Das heutige Motto der Stadt lautet wie folgt: „Gestern rebellisch, heute gastfreundlich, immer heroisch.“ Doch die Stadt hat neben der Geschichte auch einen besonderen landschaftlichen Reiz zu bieten. Sie liegt in einer malerischen Bucht, von der aus man einen Blick auf die Bergkette der Sierra Maestra werfen und gleichzeitig am Meer entlang spazieren kann.<br />
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten in Santiago de Cuba gehören die Catedral Basílica de Nuestra Señora de la Asunción, die in ihrer heutigen Form 1818 errichtet wurde. Die Casa Diego Velázquez liegt schräg gegenüber und ist das älteste Gebäude Kubas und eines der ältesten noch erhaltenen Bauwerke Lateinamerikas, im arabische Stil im Jahr 1519 erbaut. Zu den wichtigsten historischen Gebäuden der Stadt gehört die Moncada-Kaserne. Sie dient heute als Schule und Geschichtsmuseum.</p>
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<p>Fazit: Eine Rundreise auf Kuba ist immer ein ganz besonderes Urlaubserlebnis.</p>
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<p>Text:© Xenia Marita Riebe</p>
<p>Fotos: © Linda Gerlach</p>
<p>&#8230;und zum Artikel einen aromatischen Kaffee aus einer <a href="https://bild-art.de/produkt-kategorie/bedruckte-tassen">Fototasse</a> mit einem original Retro- Cuba-Motiv</p>
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		<title>Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Sep 2017 15:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Teil II Eine abenteuerliche Busfahrt Zwei Tage vor der Trauung war ich bei Enrique und seiner Mutter zum Essen eingeladen. Es gab wie immer Reis mit schwarzen Bohnen, aber der Abend wurde sehr nett. Enriques Onkel und Tante waren bereits &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Teil II</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3087 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s.jpg" alt="Linienbus in Havanna, Kuba" width="450" height="299" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s-300x199.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s-100x66.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/bus_havanna_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><b>Eine abenteuerliche Busfahrt</b></p>
<p>Zwei Tage vor der Trauung war ich bei Enrique und seiner Mutter zum Essen eingeladen. Es gab wie immer Reis mit schwarzen Bohnen, aber der Abend wurde sehr nett. Enriques Onkel und Tante waren bereits zur Hochzeit angereist und aßen mit uns. Besonders die Tante war sehr lustig, der Onkel eher zurückhaltend. Doch dann wurde es Zeit für mich, ins Hotel zurückzufahren. Wir hatten überlegt, dass ich mit dem Bus fahren könne, der in der Nähe von Enriques Haus in St. Miguel de Padron hielt und auf direktem Weg nach Playa fuhr, wo ich wohnte. Lindas Brautkleid sollte ich mitnehmen, damit es im Hotel noch ein wenig aushängen konnte. Wir packten das Kleid in Lindas Handgepäckkoffer und machten uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Es war bereits dunkel und wir warteten lange auf den Bus. Enrique hatte mir eine Münze gegeben, die in etwa 10 Eurocent entsprach und mir eingeschärft, ja nicht mehr zu bezahlen. Als der Bus kam, verabschiedeten wir uns und ich stieg ein. Ich legte dem Fahrer meine Münze auf sein Tischchen und bekam eine Fahrkarte.</p>
<p>Auf dem Weg zur Bushaltestelle hatten Linda und Enrique darüber diskutiert, wie lange die Fahrt bis nach Playa dauern würde. Enrique sagte, dass sie eine Stunde dauere, während Linda darauf bestand, dass ich in 30 Minuten in Playa sein müsste. Sie sagte, sie sei die Strecke selbst schon gefahren und Enrique hätte einfach kein Zeitgefühl. Ich ging also davon aus, in einer halben Stunde im Hotel zu sein. Gelassen saß ich recht weit hinten im Bus und versuchte, durch die total verdreckten Scheiben etwas von der Fahrstrecke zu sehen. Dabei hielt ich meine Armbanduhr fest im Blick. Nach 30 Minuten Fahrtzeit stand ich auf und stellte mich gegenüber der hinteren Tür auf die Plattform, die für Kinderwagen vorbehalten ist. Dort öffnete ich ein kleines Schiebefenster und lugte nach draußen. Ich hatte allerdings keine Ahnung, welche Strecke der Bus fuhr und ich erkannte auch nichts wieder. Nach ein paar Minuten wurde ich unruhig, denn ich glaubte ja, dass wir &#8211; nach Lindas Einschätzung &#8211; schon in Playa sein sollten. Also nahm ich den Koffer mit dem Brautkleid, den ich nicht unbeaufsichtigt lassen wollte &#8211; es war ja nicht auszudenken, was geschehen sollte, wenn er mir gestohlen würde &#8211; und ging nach vorn zum Fahrer. Dort stand eine Frau, die scheinbar zum Fahrer gehörte. Diese fragte ich, ob wir schon in Playa seien. Sie fragte, wo ich denn hin wolle und ich nannte mein Hotel. Daraufhin zuckte sie nur mit den Schultern, wandte sich wieder dem Fahrer zu und redete auf ihn ein. Ich ging zurück zu meinem Schiebefenster und klemmte mir den Koffer fest zwischen die Beine. Aber so angestrengt ich auch nach draußen schaute, ich konnte nichts erkennen, was mir irgendwie bekannt vorkam. Gerade überlegte ich, dass ich besser aussteigen und mit einem Taxi zum Hotel fahren sollte, als die Frau mich nach vorn rief. Ich ging zu ihr und sie bedeutete mir, dass es noch neun Stationen bis zum Hotel seien. Sollte ich ihr glauben? Hatte sie überhaupt verstanden, wohin ich wollte? Ich war unsicher. Inzwischen war der Bus schon 40 Minuten unterwegs. Wieder zurück an meinem Platz schaute ich weiter in die dunkle Stadt. Nach wenigen Minuten erkannte ich plötzlich einen kleinen Tunnel, der vor dem Bus auftauchte und durch den er nun fuhr. Den Tunnel kannte ich. Durch ihn war ich schon mit dem Privattaxi in den Stadtteil Playa hineingefahren. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich nun feststellte, dass ich hier und dort etwas wiedererkannte. Schließlich tauchte auch das H10 aus dem Dunkel auf und ich stieg an der nächsten Haltestelle aus. Die Fahrt hatte exakt eine Stunde gedauert. Enrique hatte also Recht gehabt. Erleichtert überquerte ich die breite Hauptstraße und zog meinen Koffer die Auffahrt zu Hotel hinauf. Ich war froh, als ich das Brautkleid sicher in mein Zimmer gebracht hatte.</p>
<p><b>Enriques schöne Hochzeitsschuhe</b></p>
<p>Zu guter Letzt brauchte Enrique noch neue Schuhe, denn seine „Ex-Muh“ Schuhe &#8211; so versuchte er uns bei unserem ersten Aufenthalt zu erklären, dass diese aus Leder waren &#8211; waren völlig verschlissen und hatten Löcher in den Sohlen. Man muss wissen, dass Enrique in Havanna täglich ungefähr zehn Kilometer zu Fuß geht und er hat nur ein Paar Schuhe.</p>
<p>Wir fuhren also zu dritt in die City und fanden auch ein Schuhgeschäft. Dort gab es vielleicht dreißig Paar Herrenschuhe, die fein säuberlich auf modernen Wandhaltern aus Acrylglas standen. Ein bisschen wie in einem Museum, fand ich. Enrique steuerte sofort auf ein Paar schwarze Lackschuhe zu und betrachtete sie mit Kennermiene. Er probierte sie an, sie passten und er wollte kein zweites Paar mehr anziehen. Ganz offensichtlich hatte er sich in die schönen Schuhe verliebt. Also kauften wir sie. Sie waren für kubanische Verhältnisse unerschwinglich teuer, für uns aber bezahlbar. Danach gingen wir zur Feier des Tages in ein Caf<span style="font-family: Times New Roman,serif">è und tranken Eiskaffee mit Rum. Von unserem Platz aus konnten wir den Malecon und dahinter das Meer sehen. Immer noch zogen dunkle Wolken über den Himmel und ein Regenschauer nach dem anderen zog an Land. Auch der Sturm hatte noch nicht nachgelassen und beutelte die Palmen, die auf dem Platz vor einem Hotel standen. Wie soll das nur am Hochzeitstag werden, fragte ich mich besorgt. Linda und Enrique schienen allerdings ganz gelassen. Sie scherzten miteinander und Linda ließ Enrique, der wiedereinmal ein Malzbier trank, von ihrem Eiskaffee kosten. Mit den Schuhen für den Bräutigam war ein wichtiges Puzzle zur Ausstattung hinzugekommen.</span></p>
<p>Nach und nach fand sich alles ein, auch wenn die Besorgungen unter kubanischen Verhältnissen das Brautpaar ziemlich erschöpften. Dies lag nicht nur an der drückenden Schwüle, sondern auch an den entnervenden Wegen, die für Alles und Jedes unter schwierigen Bedingungen – ohne Auto – zurückgelegt werden mussten.</p>
<p><b>Der Tag der Hochzeit</b></p>
<p>Dann war er endlich da, der Tag der Hochzeit.</p>
<p><b>Die Braut kleidet sich an</b></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3088 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s.jpg" alt="Braut im H10 Miramar, Playa, Havanna, Kuba" width="257" height="400" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s.jpg 257w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s-193x300.jpg 193w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s-100x156.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s-150x233.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/braut_H10_s-200x311.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px" />Linda kam morgens gegen acht Uhr in mein Hotelzimmer, um sich dort zu duschen und ihr Brautkleid anzuziehen. Sie war schon ziemlich entnervt, weil im Hause Guisado-Triay nicht alles nach Plan gelaufen war und sie sich deshalb verspätet hatte. Nach einem kleinen Imbiss &#8211; ich hatte wie immer etwas zu essen aus dem Frühstücksraum mitgebracht &#8211; begann Linda sich zurechtzumachen. Die junge Kubanerin, die sie frisieren sollte, hatte abgesagt, was mich nicht sonderlich wunderte. Linda war sehr tapfer und ließ sich davon nicht beeindrucken. Jede andere Braut wäre ohne Frisörin hilflos gewesen, aber Linda hatte sich wohl schon so sehr mit der kubanischen „Verlässlichkeit“ abgefunden, dass sie kein großes Aufheben davon machte.</p>
<p>„Sag mal, kannst du noch einen Bauernzopf flechten?“, fragte Linda mich so nebenbei.</p>
<p>Ich wusste es nicht, denn ich hatte, seit der Kindertage meiner Töchter, nie mehr Gelegenheit gehabt, dies auszuprobieren. Doch ich musste es wohl versuchen! Ich begann zuerst zaghaft, dann immer sicherer, an Lindas rechter Schläfe einen Bauernzopf zu flechten. Als ich am Hinterkopf angekommen war hielt Linda den Zopf fest und ich nahm mir die linke Haarseite vor. Die beiden so entstandenen Zöpfe fügte ich mit einem Gummi zusammen. Marion, eine deutsche Touristin, die ich zusammen mit ihrem Mann Frank während des Flugs nach Havanna kennengelernt hatte und die auch im H10 Miramar wohnte, hatte Linda ein paar Haarklämmerchen gegeben. Diese benutzte ich nun, um die Haare, die partout nicht in den beidseitigen Bauernzöpfen bleiben wollten, zu fixieren. Linda war sehr tapfer. Sie hielt still, auch wenn ich sehr stramm flechten musste, damit die Zöpfe den Tag überstehen konnten. Anschließend schminkte sie sich nach einer Anleitung ihrer Freundin Chiara selbst und kam dabei immer wieder ins Schwitzen. Keine leichte Aufgabe für eine aufgeregte Braut, die sich normalerweise nie schminkt. Linda war wirklich nicht zu beneiden. Ich musste dabei häufiger an meine eigene weiße Hochzeit denken. Ich war damals 18 Jahre alt und auch mir hatte niemand geholfen. Ich hatte mit allein das Haar gemacht und mich geschminkt und danach sogar selbst das Brautauto geschmückt und mir dabei den Nagellack ruiniert. Nur, dass ich es gewöhnt war, mich zu schminken, denn ich hatte bereits mit 14 Jahren damit angefangen. Und nun war meine Tochter in derselben Situation und das auch noch in den Subtropen. Zum Glück war ich bei ihr und konnte ihr ein wenig helfen.</p>
<p>Schließlich war Linda soweit fertig und ich konnte ihr in den Reifrock und danach in das Hochzeitskleid helfen. Als wir dies bewerkstelligt hatten, trat sie vor den Spiegel, um alles zu kontrollieren. Sie sah fantastisch aus! Leider hatte sie vergessen, das Lipgloss aufzutragen, was wir aber beide nicht bemerkten. Dies fiel uns erst auf der Fahrt zum Standesamt ein. Es war schade, aber nicht tragisch.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3090 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s.jpg" alt="Braut im Oldtimer, Havanna, Kuba" width="380" height="253" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s.jpg 380w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" />Mein Seidenkleid war schnell übergestreift. Nun musste ich noch mit dem Fahrstuhl in die 11 Etage fahren um den Sekt abzuholen. Ich war 10 Minuten zu spät, was mir auch gleich vorgehalten wurde. Und schon fuhren wir mit dem Lift hinunter zur Lobby. Dort warteten Marion und Frank auf uns, die mit zum Standesamt kommen wollten. Marion machte ein schönes Foto von Linda. Vor dem Hotel wartete ein maigrüner Oldtimer mit Fahrer, der uns den ganzen Tag, für die Kleinigkeit von 80,-Dollar, zur Verfügung stand. Wir stiegen ein und fuhren in Richtung Standesamt, das nicht weit entfernt lag. Die Stimmung im Auto war gut, wir lachten und scherzten. Wir hatten Enriques Krawatte bei uns, die Marion, die Expertin darin war, für ihn gebunden hatte. Der Sekt war kalt, alles schien in bester Ordnung zu sein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3094 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s.jpg" alt="Standesamt in Havanna Playa, Kuba" width="450" height="299" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s-300x199.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s-100x66.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_havanna_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><b>Ankunft am Standesamt</b></p>
<p>Was war das eine Freude, als Linda aus dem Wagen stieg! Enriques Eltern und Verwandte, Lindas und Enriques Freunde, die Trauzeugen und die Übersetzerin warteten und begrüßten die Braut enthusiastisch. Auch Enrique wartete natürlich auf seine Braut. Er war sichtlich nervös. Sein weißes Hemd stand offen und er schwitzte in seinem Anzug mit Jackett und Weste. Es war wie immer sehr heiß und die Sonne stach durch einen mit dünnen Wolken verhangenen Himmel. Alle begrüßten sich freudig, der arme Bräutigam musste seine Krawatte anlegen und dann warteten wir. Das Gefühl für die Zeit des Wartens war mir abhanden gekommen. Ich erinnere nur, dass irgendwann jemand nach Lindas Reisepass verlangte. Doch dieser lag bei Enrique zu Hause in St. Miguel del Padron, einem weitentfernten Stadtteil von Havanna. Nicole, die Übersetzerin, erklärte sich bereit, Linda und Enrique dorthin zu fahren, denn in ihrem Auto funktionierte die Klimaanlage. Im Brautauto gab es zwar auch eine Klimaanlage, aber ein Seitenfenster war geöffnet und ließ sich nicht mehr schließen, weshalb der Fahrer die Anlage ausschalten musste. In der Hitze des Tages konnte natürlich niemand dem Brautpaar zumuten, in ihrem recht warmen Outfit ohne Klimaanlage quer durch Havanna zu fahren.</p>
<p><b>Warten vor dem Standesamt</b></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3089 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_02_s.jpg" alt="Im Brautauto - Grüner Oldtimer, Havanna, Kuba" width="300" height="200" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_02_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_02_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_02_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautauto_02_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Linda und Enrique waren also entschwunden und die Hochzeitsgesellschaft wartete vor der Tür des Standesamtes in der brütenden Vormittagshitze. Vivian, die Tangotänzerin der ersten Stunde und inzwischen Lindas gute Freundin, vertrieb mir die Zeit damit, mir die Geschichte ihrer großen Liebe zu erzählen, was mich sehr berührte. Nach gefühlten zwei Stunden kam das Brautpaar zurück. Ich hatte inzwischen, trotz der Wolken, einen Sonnenbrand im Nacken. Nach einer weiteren halben Stunde, es war inzwischen beinahe zwölf Uhr mittags, durften wir das Standesamt und das Trauzimmer betreten. Das Standesamt selbst war ein schlichtes Haus mit ockerfarbenem Anstrich. Ein paar Pergolen aus dunklem Holz, die leider nicht mit Pflanzen bewachsen waren, zierten den Eingangsbereich. Das Haus stand in einer Reihe mit ähnlichen Gebäuden, vielleicht ehemalige Villen, die aber dennoch sehr schlicht waren.</p>
<p><b>Im Trauzimmer</b></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3091 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s.jpg" alt="Hochzeit im Standesamt in Havanna Playa, Kuba" width="334" height="232" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s.jpg 334w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s-300x208.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s-100x69.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s-150x104.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_001_s-200x139.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px" />Das Trauzimmer war für deutsche Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Es war quadratisch und recht klein. Es hatte eine dunkle Holzdecke mit einem Kronleuchter in der Mitte. Rundherum bedeckten beige Vorhänge mit floralem Muster die Wände und Fenster. Nur hinter dem Schreibtisch war eine Wand aus dunkelbrauner Holzvertäfelung zu sehen. Dort hing ein großer Spiegel. Der Schreibtisch der Standesbeamtin stammte wohl noch aus der Kolonialzeit und davor standen die beiden einzigen Stühle mi Raum, die für das Brautpaar reserviert waren. Wie ich es ertragen habe, den ganzen Tag in meinen neuen Schuhen zu stehen und zu laufen, ist mir bis heute ein Rätsel. Im Trauzimmer war es heiß, was niemanden verwunderte. Ein Ventilator bewegte die heiße Luft, machte dabei aber einen solchen Lärm, dass die Worte der Standesbeamtin nicht zu verstehen waren. Also wurde er kurzer Hand ausgeschaltet und augenblicklich begann die gesamte Hochzeitsgesellschaft zu schwitzen.</p>
<p><b>Lindas und Enriques Trauung</b></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3093 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s.jpg" alt="Trauung im Standesamt Havanna Playa, Kuba" width="350" height="233" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s.jpg 350w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_05_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Eine junge unsympathische Standesbeamtin nahm emotionslos die Trauung vor, die von der Übersetzerin Nicole für Linda ins Deutsche übersetzt wurde. Dann mussten die jungen Eheleute, die Trauzeugen und die Übersetzerin die Heiratsurkunde unterschreiben. Danach durfte das junge Ehepaar sich einen ersten ehelichen Kuss geben und die Ringe tauschen. Die Gäste applaudierten fröhlich. Alle waren glücklich und berührt. Die kurze schlichte Zeromonie hatte nicht lange gedauert, wohl aber die vielen Unterschriften, besonders, weil Enriques Unterschrift ein kleines Kunstwerk ist, das er nun viele Male geduldig unter die Formulare setzte. Endlich war es geschafft! Linda und Enrique waren Mann und Frau.</p>
<p>Ich holte den Sekt &#8211; der inzwischen natürlich längst warm geworden war &#8211; aus dem Beutel, packte die „ausgeliehenen” Gläser aus und verteilte sie. Vivian half beim Öffnen der Flasche und Enrique schenkte schließlich sich und seiner Frau ein. Die beiden tranken aus gekreuzten Gläsern und alle applaudierten erneut. Der restliche Sekt wurde unter diejenigen verteilt, die eines der wenigen Gläser ergattert hatten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3092 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s.jpg" alt="Hochzeit im Standesamt in Havanna Playa, Kuba" width="350" height="233" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s.jpg 350w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/standesamt_02_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Ich überreichte dem jungen Ehepaar unser Hochzeitsgeschenk, das aus einer schönen brittischen Karte mit deutschen und spanischen Glückwünschen bestand und aus einem Geldgeschenk. Während all dieser Aktivitäten schaffte ich es, immer wieder kurze Szenen mit der Videokamera festzuhalten. Keine leichte Aufgabe, aber ich hatte mir vorgenommen, einen schönen Hochzeitsfilm zur Erinnerung zu drehen.</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna">Teil I</a> und <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna-teil-iii">Teil III</a></p>
<p>Text: ©Xenia Marita Riebe</p>
<p>Fotos: ©Yaset Llerena, Marion Ehrhardt</p>
<p>In meinem <a href="https://bild-art.de/produkt-kategorie/bedruckte-tassen">Shop</a> findest du noch weitere Fototassen mit Kubamotiven.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3095 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/tasse_kuba_01_s.jpg" alt="Tasse mit Retro-Werbefoto, Habana Kuba" width="300" height="258" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/tasse_kuba_01_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/tasse_kuba_01_s-100x86.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/tasse_kuba_01_s-150x129.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/tasse_kuba_01_s-200x172.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna-teil-2">Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil II</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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		<title>Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Sep 2017 19:49:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Abenteuer von Lindas und Enriques Hochzeit Teil I Der Beginn einer Liebe Als Linda und ich im Oktober 2015 nach Havanna flogen, ahnten wir nicht, wohin uns diese Reise führen würde. Als touristische Reise geplant –wir wollten das ursprüngliche &#8230;</p>
<p class="read-more"> <a class="more-link" href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna"> <span class="screen-reader-text">Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil I</span> Read More &#187;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna">Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil I</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3074 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s.jpg" alt="Hochzeit in Havanna, Kuba" width="480" height="319" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s.jpg 480w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s-300x199.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s-100x66.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s-200x133.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeitsfoto_top_s-450x299.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></p>
<p><b>Das Abenteuer von Lindas und Enriques Hochzeit</b></p>
<p><b>Teil I</b></p>
<p><b>Der Beginn einer Liebe</b></p>
<p>Als Linda und ich im Oktober 2015 nach Havanna flogen, ahnten wir nicht, wohin uns diese Reise führen würde.</p>
<p>Als touristische Reise geplant –wir wollten das ursprüngliche Havanna kennenlernen, bevor es durch die erneute politische Annäherung und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA seinen romantischen Reiz verlieren sollte – glitt unser Aufenthalt in der Vieja von Havanna nach dem zweiten Abend nach und nach ins Private, um schließlich für Linda zum Liebesabenteuer zu werden. Der Grund dafür war der Kunstmaler Enrique Guisado Triay.</p>
<p lang="de-DE"><b>Der Tango brachte das Paar zusammen</b></p>
<figure id="attachment_3056" aria-describedby="caption-attachment-3056" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3056 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s.jpg" alt="Galerie &quot;El Ojo del Ciclón&quot;" width="300" height="200" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-3056" class="wp-caption-text">Galerie &#8222;El Ojo del Ciclón&#8220;</figcaption></figure>
<p>Linda, als leidenschaftliche Tangotänzerin, hatte schnell herausgefunden, dass es eine Galerie gab,in der jeden Mittwoch eine Milonga stattfindet. Die Galerie „El Ojo del Ciclón“ lag an der Kreuzung Calle Villegas – in der die Casa lag, in welcher wir wohnten – mit der Calle O&#8216; Reilly und so nur ca. 50 Meter von unserer Unterkunft entfernt. Was lag da näher, als am Mittwochabend dort hinzugehen?</p>
<p>Beim Eintreten in die Galerie waren wir überrascht, denn wir hatten eine von den in Havanna üblichen Galerien erwartet. Was aber in der Galerie „El Ojo del Ciclón“ gezeigt wurde, unterschied sich so grundsätzlich von den auf den Tourismus abgestimmten Gemälden in den üblichen Galerien, dass mein Interesse geweckt war. Der kubanische Künstler Leo D’Lazaro – der Inhaber der Galerie &#8211; hatte einen ganz eigenen Stil, den er in den unterschiedlichsten Disziplinen auslebte. So hatte er einen eigenen Kosmos erschaffen, der seiner Weltanschauung entsprach, nämlich ein Archäologe des Jetzt und Hier zu sein. In der Galerie gab es neben Gemälden und Skulpturen auch Fotografien und Installationen. Leo ist ein sehr sozialer Mensch, der sich erst wohl fühlt und arbeiten kann, wenn viele Leute um ihn herum sind. Deshalb stehen die großen Türen der Galerie immer weit offen und das bis spät in die Nacht. Leo D’Lazaro ist aber nicht nur ein großartiger Künstler mit einem großen Œuvre, sondern er stellt seine Galerie auch jungen Künstlern als Treffpunkt zur Verfügung. Diese können dort in einem geschützten Bereich sitzen und diskutieren. Dieses Angebot wird gerne angenommen, auch weil es in Kuba kaum Möglichkeiten für junge Künstler gibt, miteinander in Kontakt zu kommen und frei über ihre Ansichten zu sprechen. Die jungen Leute treiben sogar Sport in der Galerie. Hierfür haben sie die Enden einer Eisenstange in Eimer mit Beton getaucht und sich so eine Langhantel gebaut. Mit diesem „Sportgerät“ trainieren sie zwischen den Arbeitstischen des Künstlers ihre Muskeln. Und Leo öffnet seinen Arbeitsbereich auch für die Tangoszene der Stadt, die dort mittwochs ihre Milongas abhält. Eine dieser Veranstaltungen besuchten Linda und ich.</p>
<figure id="attachment_3075" aria-describedby="caption-attachment-3075" style="width: 380px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3075 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s.jpg" alt=" Leo D’Lazaro, Galerie &quot;El Ojo del Ciclón&quot;, Havanna, Kuba" width="380" height="246" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s.jpg 380w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s-300x194.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s-100x65.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s-150x97.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/leo_02_s-200x129.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" /><figcaption id="caption-attachment-3075" class="wp-caption-text">Leo D’Lazaro, Galerie &#8222;El Ojo del Ciclón&#8220;</figcaption></figure>
<p>Leider waren an diesem Abend keine Tänzer zur Milonga gekommen. Vivian, eine hübsche Afrokubanerin, war die einzige, die zum Tanzen erschienen war. Da sie als Wissenschaftlerin sehr gut Englisch sprach, kam Linda gleich mit ihr ins Gespräch und erfuhr so, dass normalerweise um die zwölf Tangotänzer- und Tänzerinnen zur Milonga kommen. Die Zeit verging und die beiden jungen Frauen unterhielten sich angeregt. Ich schaute mir inzwischen die Kunst an. Plötzlich betrat ein junger Mann den sehr speziellen Raum. Er wurde uns als Enrique Guisado Tray vorgestellt und war Vivians fester Tanzpartner. Der junge Mann war ein Kubaner spanischer Abstammung. Er war groß und schlank und trug sein dunkles Haar zu einem kurzen Zopf zusammengebunden. Kaum hatte dieser seine Tangoschuhe angezogen, als auch schon die ersten Tangorhythmen erklangen. Vivian und Enrique begannen zu tanzen und Linda zog schnell ihre Tangoschuhe an. Nach der Cortina zwischen den ersten beiden Tandas forderte Enrique Linda zum Tanz auf und wechselte danach in jeder Cortina zwischen den beiden anwesenden Tänzerinnen. So hatte er keine Tanzpause und in der schwülen Hitze der Galerie schwitzte er so sehr, dass sein weißes Hemd schon bald durchnässt war. Am Ende der Milonga kamen wir mit Enrique ins Gespräch und erfuhren, dass er Maler ist. Da ich ja selbst Malerin bin und mich deshalb sehr für Kunst interessiere, fragte ich ihn, ob wir seine Bilder einmal im Original sehen könnten. Dies bejahte er und versprach, uns am nächsten Tag um 14 Uhr an der Galerie abzuholen. Ich glaubte nicht wirklich daran, dass er sein Versprechen einhalten würde, doch tatsächlich stand er am nächsten Mittag schon vor der Tür der Galerie und wartete auf uns.</p>
<figure id="attachment_3072" aria-describedby="caption-attachment-3072" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3072 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/enrique_s.jpg" alt="Enrique Guisado Triay, Havanna, Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/enrique_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/enrique_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/enrique_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/enrique_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-3072" class="wp-caption-text">Enrique Guisado Triay</figcaption></figure>
<p>Er ging mit uns zu Fuß zum Parque Central, wo wir in ein Sammeltaxi stiegen. Wir hatten keine Vorstellung, wohin er uns führen würde, und glaubten, er wolle uns zu einer Galerie irgendwo in Havanna bringen. Nach einer ziemlich langen Fahrt durch Havanna stiegen wir schließlich aus. Enrique führte uns eine unbefestigte Straße hinunter. Hier sah es aus wie in einer afrikanischen Stadt. Die Bewohner der kleinen niedrigen Häuser waren überwiegend dunkelhäutig und Musik klang von überall zu uns herüber. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass Enrique uns zu sich nach Hause bringen wollte. Wir gingen die etwas abschüssige Straße hinunter und trafen vor einem blauen Haus auf eine Frau, die uns freundlich begrüßte. Es war Regla, Enriques Mutter. Sie lud uns ein, hereinzukommen. Das Zimmer, das wir betraten war klein, aber sauber. Es gab einen Esstisch, ein Sofa, einen Fernseher, einen Kühlschrank und eine Waschmaschine. Die Wände waren grün und rosa gestrichen. Überall hingen Enriques Gemälde und seine Skulpturen standen auf einem Tischchen an der Wand. Enrique nahm uns mit in sein Zimmer und zeigte uns dort seine Zeichnungen und Bilder, die wir eingehend betrachteten. Da es aber meistens sehr persönliche Bilder und Portraits waren, kauften wir ihm nichts ab. Das war sicher sehr enttäuschend für ihn, aber er ließ sich nichts anmerken. Regla servierte uns Milchreis, der sehr süß war und dazu furchtbar süßen Kaffee. Im Haus war es unglaublich heiß und schwül und ich schwitzte schlimm, vor allem, weil der einzige Ventilator kaputt war. Linda und Enrique gingen nach draußen und sprachen mit Enriques Freunden. Ich saß im heißen Wohnzimmer und versuchte mit Regla zu kommunizieren, was ohne eine gemeinsame Sprache recht anstrengend war.</p>
<figure id="attachment_3076" aria-describedby="caption-attachment-3076" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3076 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/regla_s.jpg" alt="Kubanerin, Havanna, Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/regla_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/regla_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/regla_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/regla_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-3076" class="wp-caption-text">Regla, Enriques Mutter</figcaption></figure>
<p>Abends luden wir Mutter und Sohn zum Essen in ein Restaurant ein. Regla freute sich riesig, denn wie sie uns erzählte, war sie schon seit Jahren nicht mehr ausgegangen. Wir fuhren also zusammen in das chinesische Viertel und sie führten uns in ein Chinarestaurant. Linda und ich fanden dies etwas befremdlich &#8211; wir wären lieber in ein typisch kubanisches Restaurant gegangen &#8211; aber das Essen war gut und es wurde ein netter Abend.</p>
<p>Von da an verbrachten wir jeden Nachmittag und Abend mit Enrique. Er kam uns immer pünktlich um 14:00 Uhr abholen und zeigte uns seine Stadt.</p>
<p>(Mehr hierzu kannst du auch in meinem Artikel <a href="https://bild-art.de/vierzehn-tage-in-havanna">Vierzehn Tage in Havanna</a> erfahren)</p>
<p>Das war der Beginn einer Liebe zwischen zwei Menschen aus zwei Kulturkreisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch die gemeinsame Leidenschaft für den Tango überbrückte alle anfänglichen Hindernisse, wie die Schwierigkeit der Verständigung.</p>
<p>Als unser Aufenthalt in Havanna endete, war für jeden deutlich ersichtlich, dass Linda und Enrique ineinander verliebt waren.</p>
<p><b>Vorbereitungen für die Hochzeit</b></p>
<p>Nur neun Monate später – Linda war inzwischen noch einmal für ein paar Wochen auf Kuba gewesen – fand die Hochzeit in Havanna statt.</p>
<p>Vorausgegangen waren viele, zum Teil recht schwierige Vorbereitungen. So mussten wir den Hochzeitsanzug für Enrique in Deutschland kaufen, da dies in Havanna nicht möglich war. Enriques Körpermaße wurden per SMS hin- und hergeschickt und blieben letztlich doch ein wenig unklar.</p>
<p><b><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3077 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/linda_brautkleid_berlin_s.jpg" alt="Brautkleid von &quot;Mari me&quot;, Berlin" width="225" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/linda_brautkleid_berlin_s.jpg 225w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/linda_brautkleid_berlin_s-100x133.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/linda_brautkleid_berlin_s-150x200.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/linda_brautkleid_berlin_s-200x267.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Der Kauf der Brautausstattung</b></p>
<p>Lindas Brautausstattung kauften wir in Berlin. Ich traf sie dort und wir fuhren an einem Sonntagmorgen im Mai zu einer Second-Hand-Brautausstatterin. Diese betrieb ihr Geschäft mit dem Namen <b>„Mari me“</b> in ihrem Privathaus im Keller. Dort hatte sie neben ca. 50 Brautkleidern auch alle anderen Accessoires wie Brautschuhe, Täschchen, Schleier und Haarschmuck im Angebot. Linda hatte schon über das Internet eine Vorauswahl der Kleider getroffen, die ihr gefielen. Diese probierte sie nun nach und nach an. Eigentlich passten ihr alle Modelle und wir hatten uns schon beinahe für eines entschieden, als der Verkäuferin noch ein Kleid einfiel, das sie in ihrem Schlafzimmer aufbewahrte. Sie holte es und Linda zog es an. Uns allen war sofort klar ersichtlich, dass dies es Kleid das absolut passende für Linda war. Es war ein wunderschönes Neckholderkleid mit aufgenähten zart lila Tüllblüten. Es passte so perfekt zu Linda, als wäre es extra für sie angefertigt worden. Zum Kleid erstanden wir dann noch einen luftigen Schleier, ein Täschchen und ein Paar schöne Brautschuhe. Glücklich und zufrieden verließen wir die sehr nette und kompetente Brautausstatterin und versprachen, sie weiterzuempfehlen, was ich hiermit gerne mache.</p>
<p>Bei einer Kubanischen Hochzeit ist es üblich, dass die Braut ein After Wedding Dress trägt. Dies ist sicher den hohen Temperaturen geschuldet, die es beinahe unmöglich machen, die Hochzeitsfeier in einem langen schweren Brautkleid zu überstehen. Deshalb gingen wir am Montag in Berlin in die Innenstadt und suchten nach einem leichten, kurzen Kleid für Linda. Fündig wurden wir bei Karstadt. Dort kauften wir ein süßes, kurzes, weißes Kleid mit einem weit schwingenden Rock, das geradezu perfekt war, um damit auf der Hochzeitsfeier zu tanzen. Die benötigten und passenden Dessous kauften wir gleich dazu. Nun war die junge Braut fertig ausgestattet und wir gingen zu einem leckeren essen in ein vegetarische Restaurant. Nachmittags fuhren wir dann noch zur kubanischen Botschaft, weil Linda ihre beglaubigte Geburtsurkunde dort nochmals beglaubigen lassen musste. Der ganze Papierkrieg vor der Hochzeit war im Übrigen sehr zeit- und kostenintensiv. Dies nur so nebenbei bemerkt. Abends trennten Linda und ich uns dann. Sie fuhr zurück nach Leipzig und ich nach Mönchengladbach. Das Brautkleid nahm ich mit nach Hause, denn ich musste noch ein paar Änderungen daran vornehmen. Es musste zum Beispiel gekürzt werden. Dazu musste ich es abschneiden, was ziemlich aufregend war, denn ich hatte als Anhaltspunkt für die richtige Länge nur einige Stecknadelmarkierungen, die wir bei der Brautausstatterin gemacht hatten. Ich befürchtete, dass das Kleid zu kurz werden könnte und war sehr nervös, als ich die Schere ansetzte und in den schönen Stoff schnitt. Was würde geschehen, wenn das Kleid am Ende zu kurz war? Nicht auszumalen! Das Risiko war sehr hoch, doch was half es, ich musste es riskieren! Linda würde erst zwei Tage vor ihrem Flug nach Havanna nach Mönchengladbach kommen und dann war die Zeit zu knapp, um das Kleid noch zu ändern. In das ziemlich gewagte Dekolleté<span style="font-family: georgia,palatino,serif;font-size: 12pt"> nähte ich ein wenig von dem Tüll, den ich am Saum abgeschnitten hatte und an die Schleppe eine kleine Schlaufe, mit deren Hilfe Linda das Kleid hochbinden konnte. Das genügte, um das Brautkleid perfekt an Lindas Bedürfnisse anzupassen.</span></p>
<p><span style="font-family: georgia,palatino,serif;font-size: 12pt"><b>Der Bräutigam wird ausgestattet</b></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3073 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeit_kravatte_s.jpg" alt="Hochzeit in Havanna, Kuba" width="200" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeit_kravatte_s.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeit_kravatte_s-100x150.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/hochzeit_kravatte_s-150x225.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Linda wollte gerne für ihren Bräutigam eine Weste kaufen und wir tauschten viele Fotos von Westen, die im Internet angeboten wurden. Schließlich entschied Linda sich für eine elfenbeinfarbene Weste mit Paisleymuster im Vorderteil und verstellbarem Rückenteil. Noch immer waren wir uns nicht sicher, welcher Kleidergröße nun Enriques Maßangaben entsprachen. Linda bat mich, den Brautanzug zu kaufen. Da er, des knappen Budget geschuldet &#8211; schließlich kamen wir für alle Kosten für die Hochzeit auf &#8211; nicht allzu teuer werden durfte, ging ich zu C&amp;A. Ich schickte per Smartphone einige Fotos zu Linda, bis wir uns auf einen schönen Anzug aus matt glänzendem, leichtem Stoff entschieden. Ein sehr netter Verkäufer half mir dabei, Hose und Jackett in den, wie wir glaubten richtigen Größen zu kombinieren. Die Krawatte suchten wir nach der Farbe der Blumen aus, die Lindas Brautkleid zierten.</p>
<p><b>Ausstattung der Brautmutter</b></p>
<p>Das Schwierigste war, eine passende Garderobe für mich zu finden. Ich fuhr zu diesem Zweck an einem heißen Donnerstag Ende Mai nach Düsseldorf. Dort ging ich von Kaufhaus zu Kaufhaus und probierte an die achtzig Kleider an, ehe ich endlich ein Modell fand, das geeignet für den Anlass und für das kubanische Klima schien. Dafür durfte es nicht zu enganliegend sein, musste aus einem Material genäht sein, das Luftzirkulation zuließ und sollte weder zu elegant, noch zu schlicht sein. Um gut angezogen zu sein, benötigte ich auch ein kleines Jäckchen. Es war schon gegen Abend, als meine Wahl endlich auf ein schwarzes Seidenkleid im Volantlook mit einem silbernen Jäckchen der Marke 1-2-3 fiel. Passend dazu kaufte ich sehr elegante silberne Schuhe.</p>
<p><b>Aufbruch zur Hochzeit in Havanna</b></p>
<p>Anfang Juni kam Linda nach Mönchengladbach, um von hier in Richtung Kuba aufzubrechen. Wir verpackten sorgfältig das Brautkleid, das zum Glück nicht zu kurz geraten war, in einen Handgepäckkoffer. Dazu kam alles, was Linda für den Tag der Hochzeit brauchte, und was nicht verlorengehen durfte. Alle anderen Gepäckstücke fanden in einem großen Koffer Platz, den Linda neu erstanden hatte. Ich nahm Lindas alten Überseekoffer mit, der bei Enrique in Havanna bleiben sollte. In diesen stellte ich meinen eigenen großen Koffer und verpackte darin Enriques Hochzeitsanzug und ein paar Kleidungsstücke und Geschenke. Das Kleid, das ich am Hochzeittag tragen wollte und auch die schönen Schuhe legte ich in meinen Handgepäckkoffer. Die Angst, mein Gepäck könne nicht rechtzeitig auf Kuba ankommen, war groß und berechtigt.</p>
<p>Es war geplant, dass ich Bernds große Filmkamera mitnehmen sollte, um damit die Hochzeit zu filmen. Am Tag vor meinem Abflug &#8211; ich flog wenige Tage später als Linda &#8211; wollte Bernd mich in die Funktionen der Kamera einweisen. Dabei stellte sich heraus, dass diese zu schwer für mich war und ich sie nicht würde händeln können. Also kauften wir einen kleinen Camcorder und ich machte mich schnell damit vertraut.</p>
<p>Mein Flug nach Havanna startete mit sechsstündiger Verspätung und ich kam schließlich neun Stunden später als vorgesehen im Hotel an. Ich hatte ein Zimmer im H10 Miramar in Havanna Playa gebucht, denn das Standesamt liegt ganz in der Nähe dieses Hotels. Wir planten mein Hotelzimmer als Basis für die Hochzeit und die Hochzeitsfeier zu nutzen, die auch ganz in der Nähe stattfinden sollte. Das Hotel war schon einigermaßen an internationale Standards angepasst, ließ aber dennoch viel zu wünschen übrig. Ich hatte mir vorgestellt, die drei Tage bis zur Hochzeit überwiegend in der vielgepriesenen Poollandschaft des H10 zu verbringen, um mich von einer anstrengenden Zeit zu Hause ein wenig zu erholen. Daraus wurde aus zwei Gründen nichts. <img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3070 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/pool_h10_s.jpg" alt="Pool ohne Wasser, aber mit Baustelle, H10 Miramar in Havanna Playa, Kuba" width="248" height="280" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/pool_h10_s.jpg 248w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/pool_h10_s-100x113.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/pool_h10_s-150x169.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/pool_h10_s-200x226.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px" />Erstens war der Pool des Hotel leer und anstatt Wasser befand sich dort eine Baustelle mit viel Baulärm. Zweitens fegte gerade der erste tropische Sturm der Saison über Kuba und überschütte die Insel mit einer tagelangen Sintflut. Uns wurde wegen der Hochzeit Angst und Bange. Zum Glück war der Termin der Trauung willkürlich um einen Tag nach hinten verschoben worden &#8211; was wiederum ein Problem mit dem Raum für die Feier mit sich brachte – denn am Tag der Hochzeit hörte es auf zu regnen. Ich verbrachte also viel Zeit lesend in meinem stickigen Hotelzimmer, in dem man nur ein ganz kleines Fenster einen Spalt weit öffnen konnte. Freilich war ich auch mit Linda und Enrique unterwegs, um letzte Besorgungen zu machen, besuchte Enriques Mutter in ihrem Haus in St. Miguel de Padron und ging abends mit einem Ehepaar aus Köln aus, das ich auf dem Flug kennengelernt hatte.</p>
<p>Jedenfalls hatten Linda und Enrique mich vom Flughafen abgeholt. Sie waren guter Dinge. Sie nahmen Enriques Anzug mit und mussten zu Hause leider feststellen, dass das Jackett wie auch die Weste um einiges zu weit waren. Enrique brachte beides zur Änderung zum Schneider, der diese Arbeit eher schlecht als recht bewältigte.</p>
<p>Die weiteren Vorbereitungen für die Hochzeit gestalteten sich auch recht schwierig, wobei ich von den vielen Formalitäten, beim Aufgeben des Aufgebotes, nur aus Lindas Schilderung weiß.</p>
<p>Wir lernten bald, dass viele Dinge, eine Hochzeit betreffend, in Havanna nur mit Hilfe einer Agentur erledigt werden können, was immer bedeutet, dass es sehr teuer wird. So musste der Hochzeitskuchen über eine solche bestellt werden, durfte die Ausstattung des Raumes, in dem gefeiert werden sollte, nur über eine Agentur abgewickelt werden und selbst der Brautstrauß wurde auf diese Weise gekauft.</p>
<p><b><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3071 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautstrauss_s.jpg" alt="Brautstrauß, gekauft in Havanna, Kuba" width="272" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautstrauss_s.jpg 272w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautstrauss_s-100x110.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautstrauss_s-150x165.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/12/brautstrauss_s-200x221.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px" />Lindas Brautstrauß wird gekauft</b></p>
<p>Diese kleine Episode möchte ich gerne gesondert schildern. Enrique und Linda holten mich vom Hotel ab und wir fuhren mit einem Linienbus in die City. Die Fahrt dauerte recht lange und es war sehr heiß und schwül. Nach einer Weile schlief Enrique ein. Ich denke, er war erschöpft von den vielen Besorgungen und den Vorbereitungen für die Hochzeit. Als er wieder aufwachte, waren wir schon an unserem Ziel vorbeigefahren. Wir stiegen schnell aus und musste eine ziemliche Strecke zurückgehen, immer entlang einer vielbefahrenen Straße. Die Sonne brannte durch eine dünne Schleierbewölkung und ausnahmsweise regnete es einmal nicht. Endlich erreichten wir den Blumenladen und traten ein. Aus der Hitze kommend, hatte ich das Gefühl, ein Kühlhaus zu betreten. Das Ladenlokal war kalt, kahl und leer. Es gab eine Theke und drei Vasen mit Rosen. Sonst nichts. Den Brautstrauß mussten wir aus einem Katalog aussuchen, der circa fünf unterschiedliche Sträuße zeigte. Wir entschieden uns für einen kleinen Strauß aus fünf cremefarbenen Rosen und Schleierkraut. Der Preis hierfür betrug stolze 50 Dollar und das in einem Land, in dem die Menschen vom Staat für ihre Arbeit einen Lohn von max. 12 Dollar bekommen.</p>
<p><b>Und noch mehr Schwierigkeiten</b></p>
<p>Schwierig war es auch, Pappteller für die Feier zu kaufen, wofür Linda, Enrique und ich bei starkem Regen zu mehreren „Supermärkten“ fuhren, von denen der erste aus unerklärlichen Gründen geschlossen hatte. Es hieß, dass der Markt manchmal sonntags öffne und dafür montags geschlossen habe. Niemand wusste aber, an welchen Sonntagen geöffnet war, und warum. Eine Menge aufgebrachter Leute standen am Gittertor des Parkplatzes und schimpften, denn der „Supermarkt“ lag weit draußen in Richtung Flughafen und alle waren nun umsonst dorthin gefahren. Wir übrigens mit Bus und Privattaxi. Weil wir kein Taxi für die Rückfahrt bekamen, muusten wir eine weite Strecke laufen und wurden dabei sehr nass, denn wir hatten nur zwei dürftige Knirpse (Regenschirme) dabei. Schließlich gelangten wir auf Umwegen nach Vedado, dem modernen Zentrum von Havanna. Auch dort lief das Regenwasser in Bächen über die Straßen, aber unsere Schuhe waren ja schon durchnässt. Linda und Enrique erstanden dort in einem Geschäft eine Menge Burgerboxen, während ich draußen im Regen stand und auf Schirme und Taschen achtgab. Hinein in den Laden, der eher wie ein Lager aussah, durfte man nämlich nur ohne Taschen.</p>
<p>Auch Enriques Eltern hatten Probleme, die Zutaten für das Hochzeitsessen zu kaufen. Sie bekamen keine passenden Nudeln für den Nudelsalat und mussten letztlich auf Spaghetti zurückgreifen. Ich kaufte Sekt für die Trauung und versuchte, diesen im Hotel in den Kühlschrank stellen zu lassen. Dies war sehr schwierig, musste ich doch dafür drei Formulare ausfüllen, mit dem Manager der Küche sprechen und auf die Minute festlegen, wann ich den Sekt wieder abholen würde. Gläser gab es natürlich auch nicht. So „organisierte“ ich welche im Frühstücksraum, wofür meine große Handtasche sehr dienlich war. Auch die beiden Wassergläser (mit Stiel), die in meinem Zimmer standen, packte ich ein.</p>
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<p><!-- ENDE des zanox-affiliate HTML-Code -->Text: © Xenia Marita Riebe</p>
<p>Fotos: © Marion Ehrhardt und Yaset Llerena</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna">Deutsch &#8211; Kubanische Hochzeit in Havanna &#8211; Teil I</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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		<title>Vierzehn Tage in Havanna</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Xenia Marita Riebe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Sep 2017 18:46:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einem langgehegten Wunsch folgend, reiste ich mit meiner Tochter Linda nach Havanna. Wir landeten an einem heißen Abend auf dem Jose Marti International Airport. Die schwüle Hitze empfing uns mit der ganzen Wucht einer tropischen Nacht. Nachdem wir die Passkontrollen &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-3053 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s.jpg" alt="Oldtimer auf Kuba" width="450" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s.jpg 450w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s-300x200.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/taxi_titel_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Einem langgehegten Wunsch folgend, reiste ich mit meiner Tochter Linda nach Havanna.</p>
<p>Wir landeten an einem heißen Abend auf dem Jose Marti International Airport. Die schwüle Hitze empfing uns mit der ganzen Wucht einer tropischen Nacht. Nachdem wir die Passkontrollen hinter uns hatten, eilten wir zu den Gepäckbändern, denn wir wollten so schnell wie möglich an die frische Luft. Dass es diese in Havanna nicht gibt, ahnten wir noch nicht. Aber unsere Eile war völlig fehl am Platz, denn wie wir schon sehr bald feststellen mussten, waren wir bereits im real existierenden Sozialismus angekommen. Gefühlt alle 20 Minuten plumpste ein Koffer auf das Gepäckband und drehte einsam seine Runden, bis einer der unzähligen Reisenden ihn an sich nahm.</p>
<p>Na, das kann ja heiter werden, dachte ich. Und damit sollte ich Recht behalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3063 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ford_kuba_s.jpg" alt="Oldtimer auf Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ford_kuba_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ford_kuba_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ford_kuba_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ford_kuba_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Endlich vor dem Flughafengebäude angekommen, schauten wir uns nach dem Fahrer um, der uns abholen sollte. Aber weder unsere Namen, noch der Name der Casa, die wir gebucht hatten, war auf einem der Schilder zu sehen. Wir warteten geduldig, denn wir glaubten, dass sich unser Fahrer wahrscheinlich verspätet hatte. Immer wieder drehte eine von uns eine Runde durch die wartenden Flugpassagiere und die Fahrer mit ihren Pappschildern. Von unserem Transfer gab es aber keine Spur. Nach und nach leerte sich der Vorplatz des Flughafens und schließlich blieben wir allein im Dunkeln zurück, immer umkreist von Taxifahrern, die uns ihre Dienste anboten. Wir versuchten mit unserer Vermieterin zu telefonieren, was aber leider erfolglos blieb. Schließlich entschieden wir uns, mit einer Taxifahrerin in die Altstadt von Havanna zu fahren, denn dort sollte unsere Casa liegen. Diese Taxifahrerin war die einzige Autofahrerin, die wir in Havanna sehen sollten. Hätten wir dies geahnt, so hätten wir sie wahrscheinlich wie ein seltenes Tier beäugt. Da wir aber nach europäischen Mustern dachten, war es für uns völlig normal, mit einer Frau in Richtung Habana Vieja aufzubrechen. Sie war eine von den schönen vollschlanken Mulattinnen, die im Stadtbild Havannas häufig zu sehen sind. Sie war freundlich, gar lustig und spielte kubanischen Son auf ihrem Radio. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie Sonntags in weißen Kleidern zu den Demonstrationen der „Las Damas de Blanco“ ging, den „Frauen in Weiß“, die jeden Sonntag aufs Neue in Havannas Innenstadt für die Freilassung ihrer Männer oder Söhne demonstrieren, oder einfach nur für die Einhaltung der Menschenrechte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3057 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_xenia_s.jpg" alt="La Bodeguita del Medio, Havanna, Kuba" width="200" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_xenia_s.jpg 200w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_xenia_s-100x150.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_xenia_s-150x225.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Diese stattliche Frau steuerte ihren alten Ford, Jahrgang 1953, sicher durch den immer noch zähen Verkehr Richtung Innenstadt. Dabei versuchte sie, sich mit ihren wenigen Brocken Englisch mit uns zu unterhalten. Sie lachte viel und dunkel, hielt aber dabei immer alles fest unter Kontrolle. In der Altstadt angekommen, hatte sie allerdings Probleme, die Straße zu finden, in der unsere Casa liegen sollte. Sie cruiste mit uns durch die engen dunklen Straßen, hupte, um die schlafenden Hunde zu vertreiben, die zu Dutzenden eingerollt auf der Fahrbahn lagen. Menschen sprangen geschickt, aber lässig zur Seite, wenn sie um die Ecken bog, immer eine schwarze Abgasfahne hinter sich herziehend. Sie fragte hier und dort nach der Villegas, der Adresse auf unserem Zettel und traf schließlich auf einen Mann, der behauptete, der Besitzer der Casa zu sein. Er war betrunken und roch nicht besonders gut. Außerdem machte er einen zerlumpten, schmutzigen Eindruck, spielte sich aber auf wie ein Großgrundbesitzer. Er schloss eine Haustür auf, an der wir uns nur schwerlich vorbeidrücken konnten, denn der Eingangsbereich dahinter war winzig. Dann standen wir vor einer steilen Treppe und der Mann bedeutete uns, nach oben zu gehen. Besonders sicher fühlten wir uns nicht, aber da wir erfahrene Reisende sind, spürten wir keine Angst. Der Mann wollte unbedingt meinen Koffer tragen und als ich ihm dies schließlich erlaubte, wäre er beinahe rückwärts damit die Treppe hinuntergestürzt. Entweder fehlte ihm an Kraft oder er hatte einfach zu viel Rum getrunken. Der Aufenthaltsraum der Casa, in den er uns brachte, machte einen ganz passablen Eindruck und schon bald kam auch die Vermieterin. Sie stellte sich als Damaris vor und bat uns Platz zu nehmen. Dann hielt sie uns erst einmal einen Vortrag darüber, wie wir uns in Havanna verhalten sollten. Sie verbot uns auch, Besuch mit in die Casa zu bringen und verlangte, dass ich am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück mit ihr zur Bank gehen solle, um das Geld für die Miete abzuheben. Es war inzwischen weit nach ein Uhr morgens. Als ich sie fragte, ob ihre Belehrungen nicht auch bis zum nächsten Tag warten könnten, sagte sie aufgebracht: „Ich muss euch das alles erklären, denn ihr habt ja überhaupt keine Erfahrung.“</p>
<p>Ich musste innerlich lachen. Da sprach eine 27 jährige Kubanerin, die ihr Land noch nie verlassen hatte, von Reiseerfahrung. Ich unterbrach sie einfach und bat sie, uns unser Zimmer zu zeigen, denn wir wollten schlafen gehen, weil wir wirklich sehr müde waren. Dies tat sie, im Schlepptau ihre zwei weißen Schoßhündchen, die sie später als Wachhunde in der Casa zurückließ.</p>
<p>Unser Zimmer war ganz nett und hatte ein eigenes Badezimmer. Damaris verbot uns noch, im Zimmer zu essen, da sie sonst Kakerlaken bekäme. Toilettenpapier durften wir, wie auf Kuba üblich, nicht in die Toilette werfen. Wir versprachen dies und sie verabschiedete sich bis zum nächsten Morgen. Kaum war sie weg ging, ich ins Bad und trat als erstes auf eine große Kakerlake. Da Linda und ich aber schon häufig in Afrika waren, regte dies uns nicht weiter auf. Erschöpft von den Anstrengungen der Reise, legten wir uns bald schlafen und schliefen auch sofort ein.</p>
<p>Ungefähr eine Stunde später wurden wir von einem lauten Geräusch geweckt. Ich schaute aus dem Fenster, das auf einen Lichtschacht hinausging und sah tief unten einen Mann hantieren. Er rückte einen schweren Stein zur Seite und startete dann eine Pumpe. Diese pumpte Wasser in einen 2000 Liter Wasserbehälter, der direkt neben unserem Fenster auf einem Betonsockel stand. Es gurgelte und plätscherte mehr als eine Stunde lang und mit demselben Lärm wurde die Pumpe wieder abgestellt und verschlossen. Von Damaris erfuhren wir am folgenden Tag, dass es in Havanna nur für wenige Stunden am Tag Wasser gibt und dass die Bewohner dann ihre Wasserspeicher vollpumpen müssen, wollten sie nicht ohne Wasser dastehen.</p>
<p>„Aber warum gibt es das Wasser mitten in der Nacht?“, fragte ich.</p>
<p>„Das weiß ich nicht“, antwortete sie. „Keiner weiß das. Das Wasser kommt, wenn es kommt.“</p>
<p>Dass dies immer in der Nacht war, ahnte ich da noch nicht und auch nicht, dass eines Morgens unser Zimmer knöchelhoch unter Wasser stehen würde, weil ein Wasserspeicher, der auf einer Zwischendecke über unserem Badezimmer stand, übergelaufen war. Ich trat beim Aufstehen unverhofft in das Wasser und wir mussten feststellen, dass unser Gepäck durchnässt war, das aus Mangel an sonstiger Gelegenheit, vor dem Bett auf dem Boden stand. Kathi, die Frau, die Damaris bei der Arbeit half und die unser Frühstück zubereitete, schien das nicht zu stören. Sie blieb, als wir ihr aufgeregt von der Überschwemmung berichteten in der Küche und zuckte nur die Achseln. Erst sehr viel später schob sie mit einem Abzieher das Wasser auf Anordnung von Damaris mit langem Gesicht aus unserem Zimmer, durch den gesamten Aufenthaltsbereich und zum Balkon hinunter. So viel nur zu der Stimmung, die in unserer Casa herrschte. Es gäbe da noch sehr viel mehr zu berichten, z.B. dass Damaris einfach unsere Lebensmittel in den Müll warf und dass sie uns zu verstehen gab, dass wir immer unter Beobachtung stünden, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3064 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/kirche_havanna_s.jpg" alt=" Catedral de La Habana " width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/kirche_havanna_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/kirche_havanna_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/kirche_havanna_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/kirche_havanna_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Linda und ich machten uns zu einem ersten Erkundungsgang durch die Altstadt von Havanna auf und schlenderten durch die Calle Obispo zur Plaza de la Catedral, schauten uns die Catedral de La Habana mit den zwei verschieden breiten Türmen an. Von dort gingen wir in die Empedrado und standen schließlich vor der La Bodeguita del Medio, der berühmten Hemingway-Kneipe. Dort gaben ein paar Musiker gerade ein Konzert und wir traten ein, um ein wenig zuzuhören. Dazu tranken wir – äußerst touristisch – einen Mojito, einen Cocktail aus Rum, Zucker, Soja und Limette.</p>
<p>Die Musikkapelle spielte gerade ein bekanntes Stück von Buena Vista Social Club. Ich fühlte mich vollkommen glücklich und lauschte dem Sound der Querflöte, die eine sehr schöne Kubanerin ausdrucksvoll spielte. Dann musste ich kurz zur Toilette und ging durch den Gastraum, dessen Wände über und über mit Unterschriften von Touristen aus aller Welt beschrieben sind. Als ich zurückkam war die Bodeguita war sehr gut besucht. Eine Gruppe Amerikaner war hereingekommen und stand laut redend an der Theke. Nach ein paar Minuten verließ sie die winzige Gaststube wieder und ich nutzte die Chance, um nach meiner Tochter zu sehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3058 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_02_s.jpg" alt="La Bodeguita del Medio, Havanna, Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_02_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_02_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_02_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_02_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich bemerkte, dass der Sänger der Gruppe, ein Afrokubaner heftig mit Linda flirtete. Als die Musiker eine Pause machten, kam er zu ihr herüber und stellte sich vor. Er fragte woher die schöne Linda denn komme und verwickelte sie in ein Gespräch über Musik.</p>
<p>Ich sah mich um. Alles in der Bar erinnerte an den großen Schriftsteller. Über der Theke, hinter der ein Barkeeper pausenlos Mojitos mixte, hing ein Gemälde, das Hemingway zeigte und daneben Fotografien von seinen Weggefährten. Auf die Wände waren Zitate aus seinen Werken geschrieben und auf den übrigen Wandflächen hatten sich über Jahrzehnte hinweg die Gäste mit ihren Namen verewigt. Die Wände waren so dicht beschrieben, dass es den heutigen Gästen schwer fiel, noch ein Plätzchen für ihren Namen zu finden. Selbst die Theke war mit Namen übersät.</p>
<p>Mama darf ich dir&#8230;.Ach, jetzt habe ich seinen Namen vergessen“, sagte Linda.</p>
<p>Wie war noch dein Name?“, fragte sie den Musiker.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3059 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/amaury_s.jpg" alt="Musikgruppe in der La Bodeguita del Medio,Havanna, Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/amaury_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/amaury_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/amaury_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/amaury_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />„Amaury“, lachte dieser. „Das ist ein französischer Name. Ich bin ein Sklave von der Elfenbeinküste.“</p>
<p>„Darf ich vorstellen? Das ist meine Mutter.“</p>
<p>„Mama!“, rief Amaury mit hoher Stimme auf eine ganz besondere Weise, lachte mich an und griff nach seinen Rumbakugeln.</p>
<p>Mit seinen Kollegen stellte er sich auf, um das nächsten Musikstück zu beginnen. Die kurze Pause war vorbei.</p>
<p>Linda und ich blieben in der Bar und hörten zu. Die Musik, die die Gruppe nun spielte, hatte einen schnellen Rhythmus. Einer nach dem anderen gaben die Musiker Solos zum Besten. Mal trat der Spieler des Kontrabass hervor und zeigte, was er seinem Instrument entlocken konnte, ein anderes Mal war es einer der Gitarristen, der sein Können zeigte. Am besten spielte aber die Musikerin auf der Querflöte. Sie stand wie selbstverständlich in all dem Trubel und in der Hitze und zauberte mit ihrem Instrument die schönsten Klänge. Dabei wirkte sie so frisch, als stünde sie unter einem Baum im Schatten. Sie trug eine sehr enge rosa Hose und ein weißes enges Top. Amaury führte in einem Sprechgesang einen Dialog mit einem Kubaner, der gerade in die Bar gekommen war. Beide waren gute Sänger, aber Amaury hatte die markantere Stimme. Ihm schien es ein Vergnügen zu sein, zusammen mit dem Gast zu singen. Er strahlte über das ganze Gesicht. Auch er wirkte frisch, obwohl es bereits wieder heiß und schwül war. An der Decke der Bar drehten träge zwei große Ventilatoren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3055 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_01_s.jpg" alt="La Bodeguita del Medio, Habana, Cuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_01_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_01_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_01_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/del_medio_01_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eine Gruppe aus Kanada war in die La Bodeguita del Medio gekommen. Sie bestand aus jungen Männern, die alle eine dicke Zigarre rauchten. Im Nu war die Luft rauchgeschwängert. Die Männer bestellten je einen Mojito, obwohl offensichtlich war, dass sie bereits betrunken waren, dabei war es noch Vormittag. Nach kurzer Zeit begannen sie die Flötistin anzupöbeln, sodass Amaury eingreifen musste. Zum Glück verließen die Männer die Bar bald darauf und ich konnte wieder durchatmen. Linda schien das alles nicht zu stören. Sie war bester Laune und bewegte sich im Rhythmus der Musik.</p>
<p>In der nächsten Pause kam Amaury zu uns herüber und rückte seine riesige Brille zurecht, die so eindeutig zum Sozialismus passte, als hätte er sie aufgesetzt, um das Klischee zu bestätigen.</p>
<p>„Habt ihr Lust, heute Abend mit mir auszugehen?“</p>
<p>Linda reagierte eher zurückhaltend und wollte gerade ablehnen, als ich erfreut bejahte.</p>
<p>„Wo willst du uns denn hinführen?“, fragte ich.</p>
<p>„Das werdet ihr dann schon sehen. Kommt einfach um 17 Uhr vorbei. Dann bin ich hier fertig und habe frei.“</p>
<p>„So lange musst du noch hier singen?“</p>
<p>„Ja, aber das ist normal.“</p>
<p>Während ich mich auf den Abend freute, blieb Linda skeptisch.</p>
<p>„Was soll denn schon passieren?“, fragte ich. „Wir sind doch zu zweit. Ich finde es großartig, dass wir mit einem Einheimischen ausgehen. Wir werden bestimmt etwas erleben! Anders als die meisten Touristen.“</p>
<p>„Aber wir kennen den Mann doch gar nicht. Wer weiß, wo er uns hinführt.“</p>
<p>„Da habe ich keine Bedenken“, wiegelte ich ab. „Verlass dich auf mein Gefühl.“</p>
<p>Pünktlich um 17 Uhr standen wir vor der Bar. Wir hatten uns hübsch angezogen und zurecht gemacht. Ich trug ein weißes Kleid und Linda ein trägerloses Shirt zu einem glockig geschnittenen leichten Minirock. Ihre dunklen Haare trug sie offen und sie vielen sehr weich über ihre Schultern.</p>
<p>Amaury schien nicht damit gerechnet zu haben, dass wir wirklich kommen würden. Wahrscheinlich lud er ständig Frauen ein, hatte aber selten Erfolg damit. Jedenfalls schien er hoch erfreut zu sein, uns zu sehen. Er half seinen Kollegen, die Instrumente in einem Auto zu verstauen und kam dann zu uns herüber.</p>
<p>„Okay, lasst uns gehen“, sagte er aufgeräumt.</p>
<p>Niemand hätte ihm angemerkt, dass er mindestens sieben Stunden musiziert und gesungen hatte. Nur sein weißer Anzug war ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Amaury zog sein Jacket aus, das er den ganzen Tag tapfer getragen hatte, trotz der drückenden Schwüle. Darunter kam ein schwarzes T-Shirt zum Vorschein, das seine muskulösen Arme freigab. Er trug eine schwere silberne Gliederkette um den Hals, an der eine großes silbernes Kreuz hing. Ein sehr auffälliger Schmuck. Insgesamt war er ein langer schlaksiger Kerl. Er war schlank, aber nicht mager, gutaussehend, aber nicht schön. Seine Augen hinter den großen Brillengläsern wirkten dominierend in seinem dunklen Gesicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3062 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/christus_statue_s.jpg" alt="Christus Statue, Havanna, Kuba - El Cristo de La Habana, Habana, Cuba" width="225" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/christus_statue_s.jpg 225w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/christus_statue_s-100x133.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/christus_statue_s-150x200.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/christus_statue_s-200x267.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Er führte uns durch die Straßen der Altstadt, vorbei am Hotel Plaza und überquerte mit uns den Passeo de Marti. An der Ecke Consulado und Neptuno blieben wir stehen und winkten einem der privaten Taxis. Ein alter amerikanischer Straßenkreuzer hielt an und wir kletterten auf die verschlissene Rückbank aus Leder. Amaury sagte etwas unverständliches zum Fahrer und los ging die Fahrt durch den chaotischen Verkehr der Stadt. Irgendwo auf der La Rampa stoppte das Taxi und wir stiegen aus.</p>
<p>„Hier herüber“, dirigierte Amaury uns.</p>
<p>Er führte uns auf eine Terrasse, auf der ein paar Plastiktische und Stühle standen. Hinter einer abgenutzten Theke befand sich ein großer Kühlschrank mit Glastür, der außer einigen Flaschen Bier leer war.</p>
<p>Linda hatte Hunger, musste aber feststellen, dass es wieder einmal nur Tortilla gab.</p>
<p>So bestellten wir Tortillas mit Tomaten und Oliven und kauften dazu Bier.</p>
<p>Wir hatten kaum zu essen begonnen, als eine Band in die Terrassenbar kam. Amaury sprang auf und begrüßte die Musiker erfreut.</p>
<p>„Die Jungs werden jetzt gleich für uns spielen“, sagte er. „Ihr werdet sehen, sie sind sehr gut.“</p>
<p>Und schon erklang der erste Song, „Chan &#8211; Chan“ von Buena Vista Social Club. Bald hielt es Amaury nicht mehr auf dem Stuhl. Er ging zur Kapelle hinüber, ergriff das Mikrofon und begann zu singen. Er lieferte sich dabei eine Art Duell mit dem eigentlichen Sänger der Band. Doch Amaury sang viel besser und ausdrucksstarker und der andere Sänger gab sich bald geschlagen. Mit Amaurys Auftritt änderte sich die Musik der Gruppe. Sie wurde schnell und ursprünglich und zog die wenigen Gäste in ihren Bann. Gab Amaury das Mikrofon zurück und kam zu uns an den Tisch, wechselte die Band in Salsarhythmen.</p>
<p>Im Laufe des Abends ergriff Amaury immer wieder die Gelegenheit, seine eigenartigen Sprechgesänge zum Besten zu geben. Die Stimmung war gut und wir wurden immer wieder zum Tanzen aufgefordert. Linda tanzte den kubanischen Salsa, als wäre sie eine Einheimische. Sie hatte den Tanz in Deutschland gelernt und geht dort häufig in Salsalokale. Amaury, der ein Auge auf Linda geworfen hatte, rief immer wieder auf seine verrückte Weise ihren Namen.</p>
<p>„Linda!“, rief er und führte sie zur Tanzfläche. Dort tanzte er mit ihr auf sehr erotische Weise, bis ihm plötzlich einfiel, dass er wieder singen könne. Dann ließ er sie einfach stehen und griff nach dem Mikrofon.</p>
<p>Später am Abend kamen drei russische Touristen mit einer wunderschönen dunkelhäutigen Kubanerin und setzten sich an einen Tisch in der Nähe der Musik. Die Kubanerin, die sehr schlank und beweglich war, tanzte sehr ausdrucksstark den erotischen Salsa. Sie nahm einen Mann nach dem anderen mit auf die Tanzfläche, drehte ihm den Rücken zu, bewegte ihre Hüften und schwang mit ihrem kleinen runden Po vor dessen Unterleib herum. Dabei machte sie grazile Bewegungen mit den Armen, legte diese dem Mann um den Hals, zog ihn zu sich herunter und ließ sich küssen. Die russischen Männer, die sie so umtänzelte, wirkten alle sehr schwerfällig und unbeweglich. Besonders einer, der sehr groß war und einen ziemlichen Rundrücken hatte, erinnerte an einen Tanzbär. Keiner der Männer war in der Lage den Takt zu halten. Es war irritierend, den grotesken Szenen zuzuschauen. Zwischen den Tänzen saß die Kubanerin, die offensichtlich noch sehr jung war, am Tisch der Russen und lutschte an ihrem Daumen. Sie schien dann abzudriften in eine andere Welt, war aber sofort wieder präsent, wenn einer der Männer sie ansprach. Plötzlich tauchten wie aus dem Nichts zwei Freundinnen der Kubanerin auf, die je einen der Männer übernahmen. Auch sie tanzten gut und viel, wenn sie auch dick waren und einen recht primitiven Eindruck machten. Doch das schien die Männer, die inzwischen viel getrunken hatten, nicht zu stören. Irgendwann verließ die Gruppe die Bar und ich fragte mich voller Mitleid, was die Frauen von diesen Männern wohl noch zu erdulden haben würden.</p>
<p>Weit nach Mitternacht schloss die Bar und Amaury rief ein Taxi, um zur Altstadt zurückzufahren. Vor der Casa wurde Amaury plötzlich zudringlich. Er wollte unbedingt mit Linda schlafen und drängte darauf, mit in ihr Zimmer zu gehen. Ich kam ihr zu Hilfe.</p>
<p>„Tut mir leid, Amaury“, sagte ich scheinheilig. „Leider ist es uns verboten, Einheimische mit in die Casa zu nehmen. Man hat uns angedroht, uns bei Zuwiderhandlung für die Tür zu setzen.“</p>
<p>Amaury schaute mich skeptisch an. Aber es schien ihm nicht neu zu sein, dass er als Kubaner draußen bleiben musste. Nach ein paar weiteren schwachen Versuchen, Linda davon zu überzeugen, dass nichts passieren könne, gab er sich schließlich geschlagen und ging enttäuscht davon.</p>
<p>„Das hast du gut gemacht“, lachte Linda. „Ohne deine Hilfe wäre ich ihn nicht mehr losgeworden.“</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3060 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cafe_paris_02_s.jpg" alt="Cafe Paris, Havanna, Kuba" width="300" height="225" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cafe_paris_02_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cafe_paris_02_s-100x75.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cafe_paris_02_s-150x113.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/cafe_paris_02_s-200x150.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Am nächsten Morgen beschlossen wir, unser Frühstück nicht in der Casa einzunehmen. Wir gingen in ein Bistro auf der Calle O`Reilly. Hier lief über der Theke, die ein Relikt aus der Kolonialzeit war, der Fernseher. Es war vormittags gegen zehn. Wir saßen an einem einfachen Holztisch und frühstückten. Der Kaffee war gut und stark doch die Tortilla, die wir, seit wir in Havanna waren, beinahe jeden Morgen aßen, schmeckte ein wenig fad. Schon um diese Tageszeit wurde im Fernsehen eine Baseballübertragung gesendet. Der Ton des Geräts war ziemlich laut gestellt und störte uns bei unserer Unterhaltung. Linda wollte den Kellner gerade bitten, die Lautstärke ein wenig zurückzunehmen, als ich sie auf etwas aufmerksam machte.</p>
<p>„Schau mal, da vorne“, sagte ich und wies mit dem Kopf in Richtung Fensteröffnung.</p>
<p>Dort gab es ein Fenstergitter aus gedrechselten braunen Holzstäben. Die Stäbe wurden von außen von Männerhänden in allen Schattierungen der Farbe braun umfasst, sodass von innen nur die Finger zu sehen waren. Sechs Fingerpaare, die einen braun wie Zimt, die anderen eher kaffeebraun und wieder andere dunkel wie Schokolade, waren das einzige, was von den Zaungästen zu sehen war.</p>
<p>„Das wäre ein gutes Foto“, sagte ich. „Die Aussage dieses Bildes ist kaum zu übertreffen.“</p>
<p>Wir hatten seit unserer Ankunft in Havanna schon häufiger gesehen, dass die Einheimischen draußen vor den Lokalen standen und versuchten, etwas von dem, was sich drinnen abspielte, mitzuerleben. Wir waren uns nicht sicher, warum die Bewohner Havannas nicht in die Bars und Restaurants kamen. War es ihnen verboten oder lag es ganz einfach am finanziellen Gefälle?</p>
<p>„Sie können es sich nicht leisten, hereinzukommen“, vermutete Linda. „Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 12 Euro ist das undenkbar. Überlege mal, was hier ein Kaffee kostest.“</p>
<p>„Ja, und ein Bier kostet rund zwei Euro. Deshalb stehen die armen Leute abends auch immer draußen“, fügte ich an.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3068 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/cafe_paris_linda_s.jpg" alt="Junge Frau im Cafe Paris, Havanna, Kuba" width="225" height="300" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/cafe_paris_linda_s.jpg 225w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/cafe_paris_linda_s-100x133.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/cafe_paris_linda_s-150x200.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/09/cafe_paris_linda_s-200x267.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Und so war es wirklich. Ganz gleich, ob wir in das Café Paris gingen oder in eine andere Bar, überall standen draußen Kubaner und schauten in die Lokale, wie in ein Aquarium. Dies gefiel mir nicht, aber ich konnte es nicht ändern. Wann immer ich konnte, gab ich Menschen auf der Straße 5,-Euro, bis Linda sagte: „Du verschenkst noch unser ganzes Geld.“ Und damit hatte sie Recht, wie ich einsah und ich hielt mich ein wenig zurück.</p>
<p>Die Altstadt Havannas wirkte auf uns ein bisschen wie ein Freilichtmuseum. Die meisten Häuser waren ziemlich baufällig, hatten aber doch ihren Charme bewahrt. Die alten Autos, die alle noch aus der Zeit vor der Revolution, also von vor 1959 stammten, waren zum größten Teil sehr gepflegt und glänzten in der Sonne. Wie ihre Besitzer es schafften, die Motoren am Laufen zu halten, war mir ein Rätsel. Jetzt weiß ich, dass die Autos alle Ersatzmotoren haben, die meist zu klein für solch schwere Wagen sind.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3056 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s.jpg" alt="Galerie „El Ojo del Ciclón“, Havanna, Kuba" width="300" height="200" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/ojo_ciclon_xenia_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Am dritten Abend in Havanna gingen wir in die Kunstgalerie „El Ojo del Ciclón“, weil wir gehört hatten, dass dort Tango getanzt würde. Dort lernten wir den jungen Künstler Enrique kennen, der uns fortan durch die Stadt führte. Er zeigte uns die Sehenswürdigkeiten, aber auch Stadtteile, die sonst kaum ein Tourist betritt. Dort glaubten wir, in Dar es Salaam zu sein, so arm und dürftig lebten dort die Menschen, die beinahe alle Afrokubaner waren. Wir besuchten das Chinesische Viertel, das Castillo de los Tres Reyes del Morro und setzten mit einer Fähre über den Canal de Entrada, um der großen Christusstatue auf der östlichen Seite der Bahia de la Habana einen Besuch abzustatten. Vormittags waren Linda und ich meist allein unterwegs und besichtigten den den Palacio de los Capitanes Generales, das Museo de Arte Colonial oder das Museo Nacional de Bellas Artes. Nachmittags kam dann Enrique und zeigte uns das andere Havanna.(Näheres über Lindas und Enriques Geschichte findest du in meinem Artikel &#8222;Hochzeit in Havanna&#8220;)<img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3054 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tango_s.jpg" alt="Tango tanzende Paare in der Galerie „El Ojo del Ciclón“, Havanna, Kuba" width="300" height="200" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tango_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tango_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tango_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tango_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>An einem Tag machten wir einen Ausflug zu Havannas Hausstrand, Playas del Este. Der Weg dorthin war sehr beschwerlich. Wir fuhren mit einem Linienbus, der so vollgestopft mit Passagieren war, dass ich direkt neben dem Fahrer stehen musste. Dort hatte es einmal eine Barriere aus Metall gegeben, die nun abgebrochen war. Der Rest der Stange, ein sehr spitzes und scharfes Metallstück befand sich nun an meiner linken Bauchseite und ich hatte alle Mühe, mich so zu festzuhalten, dass mich die Stange beim Bremsen des Busses nicht verletzte oder Schlimmeres. Mit diesem Bus fuhren wir dann etwa 30 Minuten über die Autobahn. Ich schwitzte schrecklich und der Schweiß lief hinter meiner Sonnenbrille in meine Augen. Ich hatte aber keine Hand frei, um ihn wegzuwischen, denn ich musste mich mit einer Hand an einer Haltestange festklammern und mit der anderen meinen Bauch vor dem Metallrest schützen. Ich konnte also zwischen entzündeten Augen oder einer Wunde am Bauch wählen. Endlich konnten wir den Bus verlassen, mussten dann aber noch mindestens 1 ½ Kilometer durch die sengende Sonne gehen, ehe wir endlich den Strand erreichten.<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3065 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strand_kuba_s.jpg" alt="Strand auf Kuba" width="300" height="200" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strand_kuba_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strand_kuba_s-100x67.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strand_kuba_s-150x100.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/strand_kuba_s-200x133.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /> Dort machten wir es uns unter einer Palme bequem. Wir schwammen, lasen und dösten in der Hitze. Das Meerwasser war warm und brachte keine Erfrischung. Ich war froh, als wir endlich wieder zurückfuhren. An diesem Tag holte ich mir trotz Schatten und Sonnenschutzcreme einen sehr schweren Sonnenbrand, der mein Wohlempfinden in den letzten Tagen in Havanna sehr beeinträchtigte.</p>
<p>Abends saßen wir nun beinahe immer mit Enrique und seinen Freunden auf dem Malecón, oder Linda und Enrique tanzten Tango in der Galerie. Ich besuchte derweil eines der vielen Cafés, trank dort ein Bier und hörte den Musikgruppen zu, die beinahe überall auftraten. Das war sehr schön und ich vermisse es bis heute. Leider bekam ich in den Kneipen meistens nur ein Bier, denn die Planwirtschaft hatte wieder einmal versagt. Auch in den Restaurants war es oft schwierig, etwas zu bestellen. Auf den Speisekarten gab es viele unterschiedliche Gerichte, in Wirklichkeit war die Auswahl aber sehr begrenzt und meistens servierte man uns nur Reis mit schwarzen Bohnen. Wir besuchten auch viele von den kleinen Familienrestaurants, die sich oft auf der 1. Etage eines alten Hauses befanden. Diese Restaurants werden in Havanna „Das letzte Abendmahl“ genannt, weil sie nicht mehr als 12 Gäste bewirten dürfen.</p>
<p>An unserem fünften Tag in Havanna wären wir beinahe von einem Balkon erschlagen worden. Wir hatten gerade einen schönen alten Wagen bewundert und fotografiert. Als wir uns erst wenige Meter davon entfernt hatten, hörten wir einen lauten Knall. Wir drehten uns um und mussten sehen, dass genau dort, wo wir noch vor kurzem gestanden hatten, ein Balkon auf der Straße lag. Er war aus dem dritten Stock abgestürzt und in zahlreiche Stücke zerbrochen. Menschen kamen aufgeregt herbeigelaufen und wir beobachteten aus sicherer Entfernung, wie sie die Trümmer des Balkons zur Seite schoben, damit die Straße wieder befahrbar wurde. Dort lagen sie auch noch am Ende unseres Aufenthalts. In Havanna sagt man, dass man immer in der Straßenmitte gehen soll, damit man nicht von herabstürzenden Gebäudeteilen erschlagen wird. Aber genau das hatten wir gemacht und wären beinahe trotzdem getroffen worden.</p>
<p>Es gibt noch viel über Havanna zu berichten. Positives und Negatives. Probleme gibt es auf Kuba mehr als genug, aber die Menschen, die dort leben, machen das Beste daraus.</p>
<p>Meine Tochter Linda hat in Havanna ihre große Liebe gefunden. Über ihre Hochzeit, die auf Kuba stattfand, berichte ich in einem anderen Artikel &#8211; <a href="https://bild-art.de/hochzeit-in-havanna">Hochzeit in Havanna</a></p>
<p>Text: © Xenia Marita Riebe</p>
<p>Fotos: © Marion Ehrhardt und Xenia Marita Riebe</p>
<p>Diese Fototasse mit einem Motiv aus Kuba findest du neben anderen Kubatassen in meinem <a href="https://bild-art.de/produkt-kategorie/bedruckte-tassen">Shop</a>.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-3066 size-full" src="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tasse_visit_cuba_s.jpg" alt="Tasse mit Retro-Werbung, Visit Cuba, Blue Blog" width="300" height="280" srcset="https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tasse_visit_cuba_s.jpg 300w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tasse_visit_cuba_s-100x93.jpg 100w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tasse_visit_cuba_s-150x140.jpg 150w, https://bild-art.de/wp-content/uploads/2017/11/tasse_visit_cuba_s-200x187.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://bild-art.de/vierzehn-tage-in-havanna">Vierzehn Tage in Havanna</a> erschien zuerst auf <a href="https://bild-art.de">Blue Blog</a>.</p>
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