Tims Reisetagebuch Südamerika 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Vorbemerkung

2001/2002 unternahm Tim (damals 22)  eine abenteuerliche Reise durch Südamerika, allein und (fast) ohne Geld.Von jedem erreichbaren Internetzugang schrieb er per Mail lebendige, lustige Erlebnisberichte, die auch heute noch lesenswert sind. Auf diesem Blog kannst du in 12 Folgen diese interessante Reise verfolgen.
Xenia

Hi Leute,
hier an dieser Stelle möchte ich mich erst einmal vorstellen.,
Mein Name ist Tim Riebe, ich bin 22 Jahre alt und studiere an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf “Allgemeine Sprachwissenschaften” Zur Zeit bin ich allerdings weniger an der Uni sondern in Südamerika auf Abenteuer-Reise.,
Mallorca, Gran Canaria und Ostsee sind für mich wohl die letzten Ziele, die ich in meinem Leben ansteuern werde. Mich reizt das Abenteuer. Die Herausforderung, mit geringen Mitteln mein Ziel zu erreichen. Ich möchte mir bei jeder Reise selbst beweisen, dass ich zu mehr fähig bin, als ich mir normalerweise zutrauen würde. Hier findet ihr Interessantes von meiner ersten großen Tour,
Viel Spaß dabei … CU
Sir “Tim” Vival

Hier könnt ihr meine Reise fast live miterleben. Von jedem erreichbaren Internetzugang sende ich meine Erlebnisse, Eindrücke, Erfahrungen, Stimmungen per Email nach Hause, wo sie dann hier wiedergegeben werden, nicht alles aber das unverändert – so wie es in die Tastatur getippt wurde – unter welchen Bedingungen auch immer.

20.10. – Buenos Aires

Hallo Ihr Lieben!
Hier ein Lebenszeichen aus Buenos Aires, der Stadt der guten Luefte,welche eher nach Diesel und Staub riechen und in der das Internet 2$ die Stunde kostet!! Aber eins nach dem anderen! Nachdem ich mit Traenen in den Augen, aber Freude und Aufregung im Herzen in meinen Flieger gestiegen bin, war ich sehr gespannt, wie den das Fliegen nun seien wuerde. Es ist fantastisch. Niemand hatte mich darauf vorbereitet, dass die Wolken von oben wirklich wie Watte aussehen,und dann die Staedte und Felder und Strassen und die winzigen Autos…..ich musste fast schon wieder weinen, aber diesmal, weil alles so toll und neu war. Nun ja, nach 3 Stunden Flug und einen kleinem Fruehstueck landete mein Flieger in Madrid mit genau einer Stunde Verspaetung. Mit Hilfe zweier junger Deutscher bin ich dann durch alle Flughafenkontrollen gerannt, nur um dann an meinem Gateway zu erfahren, dass es schon zu spaet sei, alle Gates sind zu, aber Iberia versucht alles, um mich noch an Bord zu bekommen. Das klappte schliesslich auch und so hat direkt ein ganzes Flugzeug nur auf mich gewartet. Toll, der erste richtige Flug und alle warten auf mich!!!
Dieser Flug verlief dann auch schoen, ich habe die kanarischen Inseln gesehen, die Kueste von Afrika, die Kap Verde Inseln und Montevideo und Buenos Aires bei Nacht. Ausserdem noch Crocodile Dundee in L.A., Dr. Doolittle II, irgendeinen Film mit Danny Devito und Martin Lawrence und The Mexican mit Brad Pitt und Julia Roberts. Den letzten kann ich empfehlen, die anderen nicht, aber Mexican ist eine schoene Liebes- und Gangster-geschichte und dann musste ich fast schon wieder weinen, erst recht als ich Kris Maerchen gelesen hatte.
Gut, also endlich gelandet in Buenos Aires, habe ich auf den wirklich excellenten Reisefuehrer gehoert, der hat mir naemlich die billigste Alternative um ins Zentrum zu gelangen vorgeschlagen, den Collectivo, bloss kein Taxi, die sind teuer. Nach einer halben Stunde hatte ich dann auch die Bushaltestelle gefunden und wieder eine halbe Stunde spaeter kam auch mein Bus, aber Scheine lehnte der Busfahrer kopfschuettelnd ab, nur Muenzen und da vorne ist die Bank! Also auf zur Bank,schnell gewechselt, doch leider hatte es der Busfahrer eilig und so blieb mir nichts anderes uebrig als nochmal 1 Stunde auf den Bus zu warten. Und waehrend dessen bin ich von tausenden Taxifahrern angesprochen worden: “Taxi? 10$,cheap,buenos Aires!”, “No gracias, collectivo!” war stets meine Antwort, doch spaeter habe ich dann nur noch auf Deutsch geantwortet, alles was mir einfiel, so wie :”Frisch gemauert aus der Erde, liegt die Form aus Lehm gebrannt, heut noch soll die Glocke werden, frisch Gesellen seid zur Hand, Gracias,no!”

Buenos Aires, Obelisk, Corrientes Avenue

Mit dem Bus dauerte die Strecke bis ins Zentrum auch 1 Stunde, und die Bushaltestellen haben keine Namen, also habe ich nach Hotels und Sehenswuerdigkeiten aus meinem Reisefuehrer Ausschau gehalten und habe tatsaechlich eine nicht allzuweit entfernte Haltestelle von dem mir bevorzugten Backpackershostel gefunden.
So habe ich dann genau das gemacht, wovon mir alle abgeraten haben: ich bin um ca. 23:00Uhr durch Buenos Aires marschiert, sehr muede und durch sehr dunkle Gassen. Aber bis auf staendig hupende Taxifahrer, welche keinen Touristen laufen sehen koennen, habe ich keine finsteren Gesellen getroffen.
Buenos Aires gefaellt mir sehr gut, es ist sehr chaotisch, riesig und bunt, ganz anders als europaeische Hauptstaedte, trotzdem fahre ich heute noch weiter nach Sierra da la Venturas um dort im Naturpark zu campen.
Also es geht mir gut, ich lerne schon spanisch und vermisse euch wahnsinnig. Danke fuer all die Geschenke, ich denke viel an euch und habe ein bischen Heimweh!
Nur die Gaskartuschen hier sind zu gross fuer meinen Kocher und in Buenos Aires ist wirklich alles teuer.
Naja, sobald ich wieder einen Emailshop finde schreibe ich…

Hallo,schon wieder eine Nachricht vom TIM!

Und das kommt nur weil der tolle Bus, welchen ich gestern nehmen wollte um Richtung Bahia BLanca zu fahren, leider erst heute faehrt, um 22:20!! Bis 6:45 bin ich dann unterwegs. So hatte ich wenigstens Gelegenheit mir noch ein bischen Buenos Aires anzuschauen.
Und die Gelegenheit den Taxifahrer bevor sie den Mund aufmachen koennen ein freundliches “no,gracias!” entgegenzuwerfen. B.A. gefaellt mir immer besser, das Wetter pendelt so zwischen 20 – 25°C, und ich habe wieder einige Leute kennengelernt. Jim aus Australien, Jeff aus Chicago, Thomas aus Essen und seine Schwester Nina, doch alle reisen entweder gen Norden oder back home.
Doch zurueck zu B.A.! Gestern als ich erfahren hatte, dass der Bus erst “manjana,manjana” faehrt, bin ich dann erst mal in den Zoo gegangen, der gefiel mir aber nicht so gut, ausserdem waren da nur Gruppen von Leuten und Paerchen (wie soll man Paerchen ohne AE schreiben, also hier gibt es nur ae und oe,dafuer aber ñ und ¿,etc.) und ich fuehlte mich schrecklich einsam. Dann habe ich Briefe geschrieben und heute bin ich auf einen Flohmarkt auf der Plaza Dorrega gegangen und der war wunderschoen. Mehrere Paare fuehrten den klassischen Tango auf, es gab Staende mit Bolas, Spazierstoecken mit versteckten Klingen und massenweise Tand und Schrott! Aber es hat sich gelohnt.
Dann war ich noch am Plaza de Mayo und an der alten Kathedrale und dann immer auf der Suche nach einem Internetcafe um Euch zu schreiben,weil ich Euch sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo sehr vermisse! Gleich werde ich essen und noch ein bischen spazieren gehen und ich brenne auf die Busfahrt, denn dann faengt das richtige Abenteuer erst an, dann heisst es: Auf nach Terra de Fuego!!

Hallo, und erst mal vielen herzlichen Dank fuer Eure e-mails, da es hier aber besonders teuer ist, einige Antworten in Kurzform!

Ich bin mit Estrella gefahren, Tierra de Fuego ist Feuerland.
Mein Spanisch wird von Tag zu Tag besser, obwohl ich immer wieder alles durcheinanderbringe.
So jetzt aber, ich glaube ich bin hier in Argentina oefter im Internet als zu Hause und Videos und Fernsehen habe ich auch schon viel geschaut, soviel zum Abenteuerurlaub!
Aber lasst mich erklaeren: Gestern Abend bin ich also um 22:20 in B.A. mit dem Bus Richtung S.d.l.Ventana gefahren und das war auch schon spannend, da ich nicht wusste wann ich aussteigen sollte, da die Namen der Haltestellen nicht durchgesagt oder angezeigt wurden. Leider hatte ich auch noch weniger Platz als im Flugzeug und konnte deswegen nicht schlafen. Vielleicht lag es aber auch an dem “unheimlich tollen” Videofilm mit Jim Carrey!
Naja, so um 4:00 gab’s einen Zwischenstopp in Ollivarria, doch ich habe mich nicht getraut auszusteigen, aus Angst, der Bus faehrt ohne mich,aber mit Gepaeck weiter.
Also wartete ich 20 min. und als es weiterging konnte ich dann endlich mal einen Sonnenaufgang in der Pampa sehen!!!!Wunderschoen!!
Um 6:00 Uhr kamen wir dann doch in s.d.l.V. an (ich hatte genau auf die Strassenschilder geachtet) und ich stieg sogar direkt neben der Touristeninformation aus, die mein Reisefuehrer mir doch so dringend empfahl. Doch die oeffnete erst um 8:00 und so tingelte ich – immer gefolgt von einem streunenden Hund – zur einzigen Bank im Ort, da ein Blick auf mein Barvermoegen mir zeigte, das ich noch 13$ besass. Nur die Bank wollte meine Karte nicht und das Touristenbuero machte erst um 9:00 Uhr auf und hatte kein Material ausser einem Busfahrplan. Also macht ich mich selbst auf den Weg, Richtung Tornquist, ziemlich niedergeschlagen, da kein Bus fuhr und mich auch keiner mitnehmen wollte.
Der Ort,welchen ich ansteuerte war ca. 50 km entfernt, nach 25km sollte dann ein Campingplatz kommen, welchen ich als Tagesziel anvisiert hatte. Denn leider durfte man weder wild campen, noch querfeldein gehen, sondern nur brav auf der staubigen Strasse bleiben.
Mit 13$, ohne eine Moeglichkeit einzukaufen, einem halben Liter Wasser, und nur Toast mit Dulche e Leche zum Essen bei 25 Grad und in 1200m Hoehe war ich echt niedergeschlagen.
Bis Walter kam. Walter war auch in B.A. mit meinem Bus abgefahren und ich hatte ihm beim Aussteigen kurz zugenickt. Und ploetzlich beruehrt mich beim Wandern eine Hand von hinten, und Walter grinst mich an und stellt sich vor und redet Bruchstuecke, wie ich, in allen Sprachen, die uns einfallen (Inkhosi) ueber chinesische Sternzeichen, den War against Terror, van Gogh, Linguistik und Heraldik und ueber seinen Grossvater, der Seefahrer war.
Und zwischen durch fragt er, ob ich irgendwelche Drogen haben will! Oder ob ich sie nicht wenigstens transportieren will- fuer gutes Geld natuerlich!!
Lachend habe ich abgelehnt und sehr darauf geachtet, dass er mir nicht unauffaellig irgendetwas ins Gepaeck schiebt, aber nichts dergleichen geschah. Nur sein Chef kam auch noch des Weges und nach einer kurzen Unterhaltung (er konnte Deutsch) sagte er, ich waere ein kluger Bursche und koenne immer fuer Ihn arbeiten und (und das sagte er 3x) ich solle auf mich aufpassen,gerade diese Gegend sei sehr gefaehrlich!
Nun ja, nachdem ich die beiden mit eher gemischten Gefuehlen hatte stehenlassen (Walter war eigentlich sehr nett gewesen), bin ich weitermarschiert, Kilometer fuer Kilometer, und mein Durst wuchs und mein Sonnenbrand uebrigens auch (ich sitze jetzt hier leicht roetlich).

Bahia Blanca

Meine Laune war wieder ganz unten und ich fuehlte mich einsam und die Gegend gefiel mir nicht und alles ist so teuer und so, genau da hielt ein Pickup und die 4 Typen drinnen bedeuteten mir ich solle hinten aufspringen. Das tat ich dann auch und vielleicht wisst ihrs nicht, es gibt nichts tolleres (ausser kuessen)(Hallo Nicole!!!Seufz), als hinten auf einem Pickup zu sitzen, im Sommer und dann ueber die Landstrassen zu brettern.
Bis nach Tornquist nahmen sie mich mit, und da Tornquist noch weniger Geschaefte hatte als Sierra de la Ventana, trampte ich weiter bis nach Bahia Blanca, wo ich jetzt sitze und schreibe!
Und was noch passiert ist schreibe ich demnaechst, da keine Zeit und teuer. Ausserdem muss ich mir noch Sonnencreme kaufen!

Fotos ©Tim Riebe

 

Teil 1 – Von Buenos Aires nach Bahia Blanca

Teil 2 -Nach Puerto Madryn mit Mosquitos und Marco und einem Puma

Teil 3 – Commodore Rivadavia, Caleta Olivia, Fitz Roy und drei Musketiere

 Teil 4 – Ushuaia

Teil 5 – Mit dem Truck durch Südchile

Teil 6 – von Bariloche nach Pucon, Argentinien

Teil 7 – Santiago – Mendoza – zu eunem ungünstigen Zeitpunkt

Teil 8 – Iguazu – Bonito – Paranagua / Brazil

Teil 9 – Rio de Janeiro

Teil 10 – Santa Cruz / Bolivia – Der Koenig von Quijerro – Bahnabenteuer

Teil 11 – Sucre – La Paz / Bolivia

Teil 12 – La Paz – Unwetter und Gold im Titicaca-See

 

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Veröffentlicht in Reisen

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